Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Der Auferstehungssieg

„Wenn es aber keine Auferstehung der Toten gibt, so ist auch Christus nicht auferweckt; wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist also auch unsere Predigt inhaltslos, inhaltslos aber auch euer Glaube.” – 1. Korinther 15:13 und 14

Auf der ganzen Erde gibt es Aufruhr, Drangsal und den schließlichen Tod. Es ist wahr, was Prophezeiungen der Bibel hinsichtlich der gegenwärtigen Zeit über Chaos und Nöte, die unter den Nationen vorherrschen, verkünden. Wir befinden uns tatsächlich inmitten „einer Zeit der Bedrängnis wie sie [noch] nie gewesen ist, seitdem irgendeine Nation entstand.” – Daniel 12:1 Nur diejenigen, die völliges Vertrauen in die Verheißungen Gottes setzen, können sich des Friedens des Verstandes und des Herzens erfreuen, inmitten von Verwirrung und Widerspruch menschlicher Erfahrungen.

Die Hoffnung auf einen besseren Tag für die Menschheit wurde vor über zweitausend Jahren sichergestellt, als Jesus durch die Macht seines Himmlischen Vaters vom Tod auferweckt wurde. Unser Glaube durchbohrt die dunklen Wolken, die so bedrohlich über der Menschheit hängen, und wir können jenseits die lebengebenden Segnungen Gottes von morgen erkennen. Wir wissen, daß jene, die jetzt sterben, von den Toten auferstehen werden an jenem herrlichen Tag. Wir wissen dies, weil Gott es verheißen hat, und Er hat Seine Kraft gezeigt, Seine Verheißungen durch die Auferstehung Jesu Christi zu erfüllen. In Wahrheit können wir mit Paulus sagen: „Nun aber ist Christus aus [den] Toten auferweckt, der Erstling der Entschlafenen.” – 1. Korinther 15:20

Es gab eine große Hoffnung unter den Jüngern Jesus, als Jesus sie lehrte und Wunder tat. Sie glaubten, daß Gottes Verheißungen, die den Messias betrafen, kurz vor ihrer Erfüllung sein müßten. Sie waren Juden, und Jesus war ihr Messias, über den große Dinge verheißen worden waren. Er zeigte täglich, daß jene göttliche Autorität und Macht, die durch ihn wirkten, letztendlich zur Erfüllung aller guten Absichten Gottes, welche die Menschenkinder betrafen, führen würden. Wenn er die Kranken und Aussätzigen heilte, Dämonen austrieb und die Toten erweckte, so könnte er sicher auch ihre Nation vom römischen Joch befreien und das langverheißene Königreich Gottes auf Erden errichten.

Zerstörte Hoffnungen

Der Messias wurde jedoch plötzlich und unerwartet von seinen Jüngern genommen und gekreuzigt. Wie müssen ihre sehnlichen Hoffnungen und begeisternden Träume zugrunde gegangen sein. Ihr Meister, Herr und Messias war tot. Was für gemischte Gefühle der Verwirrung, der Enttäuschung und der Trauer, müssen die Herzen jener inbrünstigen Jünger in der Zwischenzeit der Dunkelheit befallen haben, in welcher der „Fürst des Lebens” tot am Kreuz hing und dem Morgen, an dem der an seinem Grab wachende Engel verkündete, „Er ist nicht hier, er ist auferstanden”. – Apostelgeschichte 3:15 und Matthäus 28:6

Diese die Herzen erfreuende Nachricht breitete sich schnell unter den Aposteln aus. Es herrschte eine große Freude und Wiederbelebung der Hoffnung auf Seiten der meisten von ihnen. Thomas war jedoch nicht bei den anderen Jüngern, als Jesus erschien, und schenkte daher ihren Berichten keinen Glauben. Zuletzt war jedoch auch er überzeugt, daß die Macht Gottes eingetreten war, ihren Meister für sie wiederherzustellen. – Johannes 20:24 – 29 Später zählt der Apostel Paulus die Beweise für die Tatsache der Auferstehung Jesu von den Toten auf, „daß er Kephas erschienen ist, dann den Zwölfen. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten bis jetzt übriggeblieben, einige aber auch entschlafen sind. Danach erschien er Jakobus, dann den Aposteln allen; zuletzt aber von allen, gleichsam der unzeitigen Geburt, erschien er auch mir.” – 1. Korinther 15:5 – 8

Wie Paulus erklärt, gab es in seinen Tagen dort noch viele, die Jesus persönlich gekannt hatten, und die ihn nach seiner Auferstehung von den Toten gesehen hatten. Das Zeugnis dieser treuen Zeugen war wichtig, die neuen Gläubigen von dem großen Wunder zu überzeugen, das Gott getan hatte, als Er den Meister von den Toten auferweckte. Offenbar gab es jedoch einige in der frühen Kirche, die daran zweifelten, daß irgendjemand auferweckt werden konnte, denn Paulus stellte fest, „Wie sagen einige unter euch, daß es keine Auferstehung der Toten gebe?” – 1. Korinther 15:12

Die jüdische Sekte der Sadduzäer glaubte nicht an die Auferstehung. – Matthäus 22:23 Möglicherweise waren einige von dieser Gruppe unter die frühen Christen gekommen, die zum Teil Jesus als den Messias anerkannten, aber nicht willens waren, alles zu glauben, was er lehrte, noch das, was die Propheten ihn betreffend vorhergesagt hatten. Gegen dies ankämpfend erklärt Paulus, daß der Standpunkt, daß es keine Auferstehung gibt, die ganze Grundlage zerstören würde, auf welcher der christliche Glaube und die Hoffnung begründet sind. Wenn ihre Sicht zutreffend wäre, würde es bedeuten, daß alle, die seine Auferstehung bezeugt hatten, falsche Zeugen gewesen wären. – 1. Korinther 15:13 – 16

Wenn Christus nicht auferstanden ist, führt der Apostel weiter aus, so hat unser Dienst keine Grundlage und unsere Leiden, als seine Nachfolger, sind ohne Bedeutung. Die Glieder der frühen Kirche riskierten ihr Leben, um Christen zu sein, aber warum „sind wir jede Stunde in Gefahr”, wenn Jesus noch tot ist, und es keine Auferstehungshoffnung für irgendjemand gibt? Warum sind wir für die Welt der Menschheit „für die Toten getauft”, wenn diejenigen, für deren zukünftiges Wohlergehen wir unser Leben niederlegen, für ewig im Todeszustand verbleiben sollen? – 1. Korinther 15:17 – 19 und 29 – 32

Paulus besteht darauf, daß, wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, diejenigen, die in Christus entschlafen sind, verlorengegangen sind. – Vers 18 Dies würde bedeuten, daß Gottes Absicht mit der Gabe Seines Sohnes, der Erlöser des Menschen zu sein, gänzlich fehlgeschlagen wäre. Jesu oft wiederholte Worte, „Denn so hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat”, würden keine Bedeutung haben. – Johannes 3:16 Wie klar Paulus unterschied, und wie unmißverständlich sollte jeder Christ erkennen, daß die Hoffnung für beide, die Kirche und die Welt, von der Ausübung der göttlichen Macht in der Auferstehung der Toten abhängig ist. Unsere Sicherheit, daß die Kraft Gottes dies tun kann, liegt in der Tatsache begründet, daß Jesus von den Toten auferweckt wurde.

Das Königreich begann nicht sogleich

Weil die Jünger den göttlichen Plan noch nicht verstanden, der durch Jesus ausgeführt werden sollte, waren sie bestürzt und entmutigt, als Jesus von ihnen genommen und gekreuzigt wurde. Sie glaubten, daß Jesus ein weltweites Königreich aufrichten würde, und sie mit ihm an der Herrlichkeit jenes Königreichs teilhaben würden. Sie verstanden damals nicht, daß er zuerst leiden und als des Menschen Erlöser sterben mußte. Sie begriffen dies später und erfreuten sich dann an dem Kreuz Christi und was sein vergossenes Blut für sie bedeutete, und was es später für alle Menschen bedeuten würde.

Kurze Zeit nachdem die Apostel im Tod entschlafen waren, entwickelte sich in der Kirche allmählich die Idee, daß das Messianische Königreich hier und sogleich aufgerichtet werden sollte, ohne auf die Wiederkehr des Herrn Jesus als den ernannten König der Erde zu warten. Diese irrige Theorie verfehlte, eine sehr wichtige Phase des Planes Gottes zu berücksichtigen, nämlich, die Berufung, die Leiden und den Tod der der Glieder der gesalbten Christus-Klasse. Dieses Werk mußte vollendet sein, bevor die herrliche Königreichsherrschaft beginnen konnte.

Die meisten der bekennenden christlichen Kirche stolperten über die gleiche Wahrheit, welche die Nachfolger Jesu betraf, wie dies bei den frühen Jüngern in Bezug auf den Meister selbst geschah. Auch die zwei Jünger, die auf ihrem Weg nach Emmaus waren, verstanden nicht, warum es für ihn nötig war, zu leiden und zu sterben. Jesus erklärte ihnen, daß dies zuerst notwendig war, und der Messias danach in seine Herrlichkeit eingehen würde. – Lukas 24:13 – 32 Mit ihren nunmehr geöffneten Augen konnten sie diesen Gedanken aufnehmen und erfreuten sich an seiner Tragweite. Später begriffen sie die zusätzliche Wahrheit, daß die Leiden des Christus auf Golgatha nicht vollendet waren, sondern auch die Leiden seiner Leibesglieder miteinschließen würde. – 1. Korinther 12:12 und 27 Daher muß die Herrlichkeit des Königreichs des Messias noch warten. Diese lebendige Wahrheit ging jedoch schließlich verloren und führte zu den Anstrengungen von Kirchenführern, das Königreich vor der Zeit zu errichten.

Erfolglose Anstrengungen

Die Anstrengungen von gefallenen Menschen das Königreich aufzurichten, haben nicht die verheißenen Segnungen eines universalen und dauerhaften Friedens über die Nationen der Erde gebracht. Jetzt ist das volle Ausmaß dieser erfolglosen Bemühungen klar ersichtlich. Für Jahrhunderte schwieg Gott und griff in den selbstsüchtigen Lauf der Menschheit nicht ein. – Jesaja 42:14 und Psalm 50:21 Selbst jetzt ist Seine Allmacht den Massen der Menschheit nicht offenbar geworden. Daher sind wegen der menschlichen Not, Trübsal und Verwirrtheit, die sich in den Angelegenheiten der Nationen und der Gesellschaft so allgemein sichtbar zeigen, die Aussichten derer, welche den wirklichen Plan Gottes nicht kennen, in der Tat recht finster. Die christliche Welt im Jahr 2019 gedachte jedoch, wie in den vergangenen mehr als zwei Jahrtausenden, der Auferstehung Jesu von den Toten. Alle, die teilnahmen, bekannten dabei ihren Glauben in dieses größte Wunder aller Zeiten unbedingt.

Es gab für die Welt keinen Beweis, daß Gott Jesus während der Tage seines Leidens und seiner Kreuzigung beschützt hätte. Gleichfalls hat es seitdem für die Welt keinen Beweis für einen göttlichen Schutz für die Nachfolger Jesu gegeben. In dem Fall von Jesus wurde Gottes Macht nicht in der Verhinderung seines Todes offenbart, sondern in seiner Auferstehung aus dem Tode. Im Fall der treuen Nachfolger Jesu wird Gottes Macht gleichfalls in ihrer Auferstehung aus den Toten offenbart werden, und in ihrer Erhöhung mit Christus zu herrschen. Mit größter Sicherheit verlieh ihm der Himmlische Vater die Stärke des Geistes, die Jesus befähigte, den Widerspruch der Sünder zu ertragen. Dies bewahrheitet sich auch bei seinen Fußstapfennachfolgern. Dies ist jedoch eine Begünstigung Gottes, von der die Welt nichts wissen kann, und die jenseits des Verständnisses jener liegt, die nicht völlig für die göttliche Sache geweiht sind.

Erstlingsfrüchte von denen, die im Tod entschlafen sind

Die Auferstehung Jesu war nur ein Beginn von einem Programm von Wundern, die in ihrer Vollendung Frieden, Gesundheit, Frohsinn und ewiges Leben für die ganze Menschheit bringen werden. Die Segnungen dieses Königreichs werden auch jene erreichen, die jetzt tot sind, denn als Jesus von den Toten auferweckt wurde, wurde er „der Erstling der Entschlafenen”. – 1. Korinther 15:20 Dies ist die Sicherheit, die das Herz erfreut, die das Gedenken an die Auferstehung von Jesus jedem Christen auch in diesem Jahr übermittelte, trotz der Leiden einer sterbenden Welt, die ihm überall begegnen.

Jesus starb als der Erlöser von Adam und seinem Geschlecht. Paulus erklärt, denn wie „in Adam” alle sterben, so auch „in Christus” alle lebendig gemacht werden: Dies bedeutet, daß sie mit ihm in Harmonie des Herzens kommen. – 1. Korinther 15:22 Die im Glauben Schwachen mögen denken, daß dies eine vernünftige Theorie ist, aber eine, die in der Realität nicht durchführbar ist. Diese könnten argumentieren, wenn Gott Seine Macht benutzen konnte, Christus vor über zweitausend Jahren von den Toten zu erwecken, warum hat es dann keine sichtbare Demonstration jener Macht in Bezug auf jene gegeben, für die Christus starben, besonders für die, die glaubensvoll seinen Fußstapfen nachgefolgt sind?

Die Antwort auf diese Frage ist, daß Gott eine bestimmte Zeit für die Umsetzung eines jeden Zuges Seines Planes der Errettung vorgesehen hat. Nachdem Er uns versichert hat, daß Er die Gelegenheit für das Adamische Geschlecht gegeben hat, durch Christus wieder zu leben, fügt der Apostel Paulus hinzu: „Jeder aber in seiner eigenen Ordnung: [der] Erstling, Christus; sodann die, welche Christus gehören bei seiner Ankunft.” – 1. Korinther 15:23

Wenn Paulus erklärt, daß Christus bei seiner Auferstehung „der Erstling der Entschlafenen” wurde, weist er offensichtlich auf Jesus allein hin. Wenn er jedoch die Ordnung der Auferstehung beschreibt und den gleichen Ausdruck benutzt, bezieht sich sein Hinweis nicht nur auf Jesus allein, sondern auch auf seine treuen Nachfolger, die nach dem Göttlichen Plan in der „Ersten Auferstehung” hervorkommen werden, um mit ihm zu leben und zu herrschen. – Offenbarung 20:4 und 6

Ein Opfer für Gott

Der Begriff „Erstling” beruht auf Gottes Handeln mit Israel in der Alttestamentlichen Zeit. Es war eine Forderung des Mosaischen Gesetzes, daß die ersten Früchte der Ernte, die Erstlinge, als ein Opfer für den Herrn benutzt werden sollten. Diese Forderung bezog sich nicht nur auf Erstlingsfrüchte im allgemeinen, sondern auch auf die, auf welche als „Erste von den Erstlingen” hingewiesen wurde. – 2. Mose 23:19 Damit übereinstimmend mögen wir an Jesus als den „Ersten” der Erstlinge denken und an alle seine treuen Nachfolger als die restlichen Erstlinge in Gottes großer Ernte der „Ersten Auferstehung”.

Jesus opferte sich selbst seinem Himmlischen Vater, und wir sind eingeladen, seinen Opferschritten nachzufolgen und uns Gott zu opfern. Dies ist als ein wichtiger Gedanke im Sinn zu behalten, während wir der Auferstehung Jesu von den Toten gedenken. Wenn wir wünschen, an der Ersten Auferstehung teilzuhaben, um mit Jesus zu leben und zu herrschen, sollten wir uns daran erinnern, daß wir unser irdisches Leben treu bis in den Tod im Opfer niederlegen müssen. – Römer 8:16 und 17 sowie 21:1, 2. Timotheus 2:10 – 12 und Offenbarung 2:10

Die Opferung der Klasse der Erstlinge für Gott hat durch all die Jahrhunderte vom ersten Kommen Jesu bis jetzt fortbestanden. Bis das Werk des Opferns vollständig ist, und alle Erstlingsfrüchte von den Toten auferstanden und mit Christus Jesus in der geistigen Herrschaft des Messianischen Königreichs vereint sind, kann die Auferstehung der übrigen Menschheit nicht beginnen.

„Sodann” – ein anderes Auferstehungswerk

„Sodann die, die Christus gehören bei seiner Ankunft”, schrieb Paulus – das bedeutet, daß nachdem die „Frühfrüchte des Christus” auferstanden sind, die Auferstehung der Menschheit im allgemeinen folgen wird. – 1. Korinther 15:23 Weil der Übersetzer hier das griechische Wort „parousia” mit „Ankunft” übersetzt, bleibt die Klarheit dieses Gedanken weitgehend verborgen. Das griechische Wort bedeutet „Gegenwart” und sollte immer so übersetzt werden. Hier gilt der Hinweis nicht dem Augenblick des zweiten Kommens Christi, sondern der Zeit seiner Gegenwart in den Angelegenheiten der Erde, die seiner Wiederkehr folgt.

Dieser Gedanke wird in den folgenden Versen deutlich hervorgehoben, in denen wir lesen: „Denn er muß herrschen, bis er alle seine Feinde unter seine Füße gelegt hat. Als letzter Feind wird der Tod weggetan.” – Verse 25 und 26 Diejenigen, die des Christus sind während seiner Gegenwart als königlicher Herrscher, sind nicht die gleichen, welche zuvor als die Erstlingsfrüchte erwähnt werden. Vielmehr handelt es sich hier um solche, die, nachdem die Klasse der Erstlingsfrüchte vollendet ist, Jesus als ihren Erlöser annehmen und gehorsam die Gesetze seines Königreichs befolgen. Diese werden auch Leben durch Christus bekommen.

Diese „sodann” Auferstehung wird mit einer Erweckung vom Todesschlaf jener beginnen, die sich in diesem Leben nicht durch Glauben und Gehorsam zur Teilnahme an dem Herrscherwerk des Messianischen Königreichs als geeignet erwiesen haben. Bei ihrem Erwachen vom Tod wird ihnen die Erkenntnis über Gottes Vorhersehung des ewigen Lebens auf der Erde durch Christus offenbart. Wenn sie glauben und von Herzen fortschreiten, den Gesetzen des Millennium-Königreichs zu gehorchen, werden sie zur Vollkommenheit des menschlichen Lebens wiederhergestellt werden und ewig leben. Dieses Werk wird die ganze Königsreichsperiode erfordern und nur, wenn diese vollendet ist, wird es wahr sein, daß der große „letzte Feind”, der Tod, vernichtet sein wird.

Daß ein Erwachen aller Toten eintreten soll, wird in vielen Verheißungen und Prophezeiungen der Bibel gezeigt. Die Sodomiter wurden auf Grund ihrer Bosheit vernichtet, aber der Prophet versichert uns, daß sie zu ihrem „früheren Zustand” – einem irdischen Zustand, wiederhergestellt werden. – Hesekiel 16:55 Jesus sagt uns, daß es Sodom erträglicher ergehen wird am Tag des Gerichts als den Juden, die ihn zur Zeit seiner ersten Ankunft verwarfen. – Matthäus 10:15 Es wird für die Juden jedoch auch „erträglicher” sein, daß nachdem das Werk des gegenwärtigen Zeitalters vollendet ist, dann „ganz Israel errettet werden soll”, und diese Errettung ist sogar jenen ungläubigen Juden verheißen, die Christus verwarfen. – Römer 11:26 und 31

Nicht vergeblich

Der Apostel Paulus beendet seine Lektion über die Auferstehung der Toten, indem er feststellt, „Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus! Daher, meine geliebten Brüder, seid fest, unerschütterlich, allezeit überreich in dem Werk des Herrn, da ihr wißt, daß eure Mühe im Herrn nicht vergeblich ist!” – 1. Korinther 15:57 und 58 Seitdem Jesus zum Himmel zurückkehrte und die Apostel im Tod entschliefen, hat es oft so ausgeschaut, als ob es keinen wirklichen Sieg für die Sache Christi auf Erden geben würde. Es hatte auch oft den Anschein, als ob die Mühe der Christen im Herrn vergeblich gewesen wäre, aber Paulus versichert uns, daß es nicht so ist.

Das ganze Zeitalter hindurch hat jeder treue Nachfolger Jesu den „Sieg” erfahren, wenn er fortfuhr, sein Leben im Opfer niederzulegen. Wenn er schwach war, stärkte Gott ihn. – 2. Korinther 12:9 Er hat erkannt, daß die mächtige Kraft, die Jesus von den Toten auferweckte, seinetwegen eingeschrieben worden ist. Er war in all seinen Anstrengungen, den Willen des Vaters zu erkennen und zu tun, ermutigt und gestärkt worden. – Epheser 1:17 – 20 Er war nicht befähigt geworden, die Schwachheiten seines Fleisches zu überwinden, wie er gern getan hätte. Es wurde ihm jedoch versichert, daß die Gebete, die vor den „Thron der Gnade” gebracht wurden, um seine Sünden zu bekennen und um Vergebung durch das Blut Christi zu bitten, die Bedeckung seiner fleischlichen Schwachheiten zur Folge hatte. – Epheser 1:7, Hebräer 4:16 und 1. Johannes 1:7-10 Gleichzeitig hat er sich ernstlicher entschieden, nicht in der Sünde zu verharren, sondern gegenüber der Sünde gestorben zu sein und ihr „nicht zu dienen” und sich selbst als ein Diener Gottes unterzuordnen und seine „Frucht zur Heiligkeit” zu haben. – Römer 6:1 – 22 So ist sein Sieg durch Christus vollständig gemacht worden, und er konnte sich in dem Herrn freuen.

Jeder treue Christ weiß auch, daß, wenn sein Opferleben beendet worden ist, und er treu bis in den Tod geblieben ist, sein Sieg durch Christus vollendet werden wird durch die Ausübung göttlicher Macht, ihn von den Toten aufzuerwecken, wie Paulus schrieb, daß dieses Sterbliche „Unsterblichkeit anziehen wird”. – 1. Korinther 15:53 Wenn all die Treuen dieses Zeitalters ihren irdischen Lauf beendet haben werden und erhöht worden sind in der „Ersten Auferstehung”, werden sie mit Christus vereint seine „Braut” sein in Herrlichkeit bei der „Hochzeit des Lammes”. – Offenbarung 19:7 und 21:9

Dann wird die Erfüllung der wundervollen Verheißung von Offenbarung 22:17 folgen, die von der Zeit spricht, in der „der Geist und die Braut” zu der ganzen vom Todesschlaf zurückgekehrten Menschheit sprechen werden, „Und der Geist und die Braut sagen: Komm, nehme „das Wasser des Lebens umsonst.” Was für eine herrliche und siegreiche Vollendung des Göttlichen Planes der Errettung das sein wird!

Standhaft und unbeweglich

Wenn wir über all das nachsinnen, was die Auferstehung Jesu von den Toten beinhaltet, welch ein Anreiz sollte dies sein, standhaft in dem Herrn und in der Wahrheit Seines Wortes zu bleiben. Wie sollte es unsere Entschlossenheit stärken, treu gegenüber den Bedingungen unseres Opferbundes zu sein und miteinander loyal auf dem schmalen Pfad zu wandeln, der zum Leben führt. Möge die Auferstehungslehre des Planes Gottes, die Erlösung, welche die Auferstehung ermöglicht und all die anderen grundlegenden Lehren, die damit verbunden sind, uns mehr denn je beeindrucken über die Wichtigkeit dieser kostbaren und herrlichen Wahrheiten der Bibel.

In dem Maß in welchem wir „standhaft” in dem Herrn und in der Wahrheit sind, werden wir in dem Werk des Herrn Überfluß haben. Standhafte Christen können nicht anders als an Werken reiche Christen sein. Wir sollten in unserer Liebe für den Herrn und für unsere Geschwister überfließend sein. Wir sollten darin überfließend sein, unser Leben für die Geschwister niederzulegen, und wir sollten überfließend sein, die Gute Botschaft des Königreichs weit und breit zu verkündigen, so wie wir dazu Gelegenheiten haben und Gelegenheiten schaffen können. Die Erinnerung an die Auferstehung Jesu Christi von den Toten sollte alles dies für uns bedeuten. Wir gedenken der Auferstehung Jesu gebührend durch eine größere Entschlossenheit, seinem Beispiel des Opferns entschlossen zu folgen, sogar bis in den Tod.

Wie schon erwähnt schrieb Paulus, daß „unsere Mühe im Herrn nicht vergeblich ist”, aber sie würde vergeblich sein, wenn Christus nicht von den Toten auferstanden wäre. Denn dann wäre auch unser Glaube vergeblich gewesen, und unser Zeugnis für Jesus und sein Königreich wäre falsch gewesen. Andererseits mag unsere Mühe als vergeblich erscheinen, wenn wir die geringe Resonanz beachten würden, die wir auf unsere Anstrengungen, die gute Botschaft zu verkünden, bekommen. Dies ist aber nicht wirklich so. Eines der größten und wichtigsten Ergebnisse all unserer Bemühungen im Herrn ist das Werk der Gnade, das in unseren eigenen Herzen vollendet wird.

Das Bemühen im Herrn sollte unseren Glauben stärken und unsere Liebe zunehmen lassen. Wenn wir die Frohe Botschaft anderen verkündigen, sollte diese herrliche Wahrheit wirkungsvoller werden unser Leben zur Ähnlichkeit mit Christus umzugestalten. Wenn unsere Herzen und Beweggründe rein sind, wird dies eines der hervorragenden Ergebnisse unseres Dienstes sein. Im Hinblick darauf können wir wirklich bestätigen, daß unsere Mühe nicht vergeblich war.

Es kann sein, daß wir als Einzelpersonen keine besonderen Resultate unseres Dienstes erkennen können. Das Werk, welches das Volk des Herrn als Ganzes ausübt, erreicht und entwickelt jedoch jene, die der Herr beruft, einen hier und einen dort, Miterben mit Christus zu sein, und dies ist natürlich ein sehr wichtiges Werk. Es geschieht auf diese Weise, daß die „Braut” zubereitet wird auf ihre Vereinigung mit Christus und ihre Miterbschaft mit ihm in seinem Königreich. Gerade so wie Paulus in seinen Tagen sagen konnte, daß die Mühe für des Herrn Volk nicht vergeblich war, so können wir auch jetzt dessen sicher sein. Die Kraft der Auferstehung Christi setzt sich bei seinem Volk von heute fort und wird sich bald auf alle Willigen und Gehorsamen der Menschheit ausdehnen. Gott sei Dank! Der für alle Vorsorge getroffen hat, „den Sieg durch unseren Herrn Jesus Christus” zu erlangen.

Das Wort wurde Fleisch

Es ist schwierig mit unseren begrenzten Sinnen und auf Grund unserer mangelhaften Erkenntnis und Erfahrung einige der tiefen Dinge der Schriften zu verstehen. Alles, was wir über unseres Herrn vormenschliche Existenz wissen, wird uns in dem Wort Gottes offenbart. Die Schriften stellen fest, daß unser Herr reich war und arm wurde; nicht daß er reich blieb und scheinbar arm wurde, sondern daß er tatsächlich arm wurde, damit wir reich würden. Der Apostel sagt, daß er sich selbst jener Zustände entäußerte, in denen er sich befand, bevor er Mensch wurde, und daß er Knechtsgestalt annahm. Er wurde Fleisch. Im Brief an die Hebräer wird erklärt: „Einen Leib hast du mir gegeben”, einen menschlichen Leib, und so wurde er „ein wenig unter die Engel erniedrigt wegen des Todesleidens”. – Hebräer 10:5 und 2:9

Wenn wir die Feststellungen der Schrift über dieses Thema zusammentragen, ergibt sich dies: In seinem vormenschlichen Leben war unser Herr der Logos, „der Anfang der Schöpfung Gottes”, das Alpha der ganzen Schöpfung Gottes und das Omega, indem Jahwe nur ihn schuf. Über den Logos, das Wort, steht geschrieben: „Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist.” – Johannes 1:3 Er befand sich auf der geistigen Ebene nächst dem Vater.

In dem lang zuvor festgelegten göttlichen Plan der Zeitalter wurde gegenüber unserem Herrn eine Aussage gemacht, welche die Erlösung der Menschheit betrifft. Es wurde eine Vorausschau gemacht, daß der Logos, wenn er sich als gehorsam gegenüber dem göttlichen Willen erweisen würde, eine noch weitere Erhöhung erfahren würde, sogar zur göttlichen Natur. Um dieser Freude willen, die ihm vorgesetzt wurde, machte unser Herr die verschiedenen notwendigen Schritte, um das großartige Werk der Erlösung durchzuführen. Die Abmachung, in die er mit dem Vater eintrat, schloß seinerseits große Demütigung mit ein. Während dieser erste Schritt eine Aufopferung der Macht, der Ehre und Herrlichkeit war, erforderte sie jedoch noch kein Opfer des Lebens, nämlich die Annahme der Vorkehrung des Vaters, Fleisch zu werden, ein menschliches Wesen zu werden und sein Dasein auf der himmlischen Ebene aufzugeben.

Ursprünglich war unser Herr als der Logos eine Seele auf geistiger Ebene, in dem Sinn, daß jedes intelligente Lebewesen eine Seele ist; denn das Wort „Seele” bedeutet Lebewesen; und die Übertragung des Lebensprinzips auf einen menschlichen Körper versetzte ihn auf die menschliche Ebene. Das Lebensprinzip war das gleiche, das er zuvor hatte, daher war die Persönlichkeit auch die gleiche. Es war wichtig, die Identität des Geistes zu besitzen, und diese besaß er durch die göttliche Vorkehrung.

Ein Leib, der zum Zweck des Todes gegeben wurde

Die Schriften erklären nicht wie der betreffende Lebensfunke, der Geist, der als Logos bekannt war, auf die menschliche Ebene übertragen wurde. Als unser Herr so verändert wurde, machte er nur den Schritt zur Bereitschaft, das Opfer für Sünder zu werden. In seinem vormenschlichen Zustand hätte er nicht ein entsprechender Preis an Stelle von Adam sein können; denn er mußte noch das menschliche Leben opfern. Aber als er ein menschliches Wesen wurde und das volle Mannesalter erreichte, war er in imstande das Sündopfer zu sein.

Wir würden sagen, daß unser Herr als menschliches Wesen die gleiche Seele war, wie in seinem vormenschlichen Zustand; denn er besaß die gleichen Lebensprinzipien wie zuvor; und als er Mensch wurde, starb er nicht als ein geistiges Wesen. Die Schriften erklären, daß unser Herr „Fleisch wurde”, ein menschliches Wesen, und daß der Unterschied zwischen ihm und der Menschheit im allgemeinen der war, daß er vollkommen, – heilig, sündlos, unbefleckt und abgesondert von den Sündern war – abgesondert von dem restlichen menschlichen Geschlecht. – Hebräer 7:26 Die Schriften erklären auch, daß dieser Unterschied von der Tatsache herrührte, daß er besonders gezeugt wurde. Das Lebensprinzip, das er empfing, kam direkt vom Himmlischen Vater.

Diese Erklärung ist insgesamt unterschiedlich von der Theorie, die als Inkarnation bekannt wurde. Der Gedanke der Theorie der Inkarnation ist, daß ein geistiges Wesen Besitz von einem irdischen Wesen ergreift, körperlich wurde und im Fleisch wohnt, in der gleichen Weise wie einige von bösen Geistern besessen waren, die in ihnen wohnten. Wir glauben, daß dies unseren Herrn betreffend ein falscher Gedanke ist, der in den dunklen Zeitaltern entstanden ist. In den Schriften steht nichts über Inkarnation geschrieben. Die Schriften sagen nicht, daß der Leib unseres Herrn starb, während das geistige Wesen in ihm lebendig blieb. Die Bibel sagt aber, daß unser Herr die Herrlichkeit verließ, die er beim Vater hatte, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden wurde, daß er sich selbst bis zum Tod erniedrigte, ja, zum Tod am Kreuz, „getötet wurde nach dem Fleisch”. – Johannes 17:4, 1. Petrus 3:18 und Philipper 2:8

Er wurde Fleisch und wohnte unter uns

Was wir von der Kindheit her wissen, war dies eine Zeitperiode der Entwicklung. Und so lesen wir über unseren Herrn: „Das Kind aber wuchs und erstarkte erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade war auf ihm. … Und Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gunst bei Gott und Menschen.” – Lukas 2:40 und 52 Er besaß aber keinen Verstand, der all die Erfahrungen und die Intelligenz seines vormenschlichen Zustandes beinhaltete. Wir lesen, daß er an Weisheit zunahm. Sein Verständnis wuchs. Da er vollkommen war, konnte er natürlich viel schneller und genauer begreifen, als dies bei anderen Menschen zutrifft. Und es zählt zu den Tatsachen, daß er schon als ein Kind dazu imstande war, die Doktoren des Gesetzes zu widerlegen. Mit seinen natürlichen Fähigkeiten des Geistes war er imstande, die Situation zu begreifen und die Dinge schnell aufzufassen.

Lukas sagt uns, daß unser Herr im Alter von zwölf Jahren seine Eltern, Maria und Josef, nach Jerusalem begleitete. Die jüdischen Kinder waren es gewohnt, an religiösen Diensten teilzunehmen, und es war bei jüdischen Jungen Gewohnheit, sich in dem Alter zu weihen, wie auch Jesus dies tat. Jesus wußte, daß er unterschiedlich zu anderen Jungen war. Es ist sehr wahrscheinlich, daß er ihnen die Tatsachen mitteilte, die auf seine wunderbare Geburt hinwiesen. Man vermutet, daß er sogar der außerehelichen Geburt beschuldigt wurde. Aber da wir darüber nichts genaues wissen, müssen wir uns an die Schriften halten.

Unser Herr kam auf wunderbare Weise zu dem Zweck in die Welt, die Prophezeiungen zu erfüllen, die alle in ihm ihre Erfüllung haben sollten. Natürlich würde er die erste Gelegenheit in Anspruch nehmen, die Erfordernisse zu ermitteln. Als er im Alter von zwölf Jahren von den Lehrern des Gesetzes lernte, daß er das priesterliche Amt als ein Jüngling nicht annehmen konnte, unternahm er keinen weiteren Versuch, sondern folgte seinen Eltern, die über ihn wachten, bis er das Alter von dreißig Jahren erreichte, als sein erster Schritt war, sich völlig zu weihen.

Ich komme, um deinen Willen zu tun

Unser Herr hatte im Alter von dreißig Jahren sicherlich viel Erfahrung, die Adam nicht besaß, als er erprobt wurde. Unser Herr hatte eine Erkenntnis, was Sünde bedeutete und ihre Bestrafung. Er besaß auch die Erkenntnis der Tatsache, daß Gott zur Erlösung der Menschheit mittels des großen Mittlers des Neuen Bundes – einen Erretter, einen Erlöser, einen Befreier vorgesehen hatte. Er wußte, daß andere nicht imstande waren, das in den zehn Geboten bestehende göttliche Gesetz zu halten, und er wußte, daß dies den Unterschied zwischen ihm und den anderen ausmachte.

Zweifellos hatte seine Mutter ihm von seiner wundervollen Geburt, der Botschaft Gabriels und der Prophezeiung berichtet, die Anna und Simeon empfingen. Und er hatte die Prophezeiung im Sinn, die ihn selbst und die Zukunft des großen Messias betraf, der kommen sollte, die Welt zu erlösen. All diese Erkenntnis war sehr wertvoll. Aber er hatte nachweislich noch einen Mangel an den tieferen Dingen der Schriften. Offenbar fand er Dinge in der Bibel, die ihn verwunderten, denn er hatte den Heiligen Geist noch nicht bekommen. Obgleich er besser als alle anderen des gefallenen Geschlechts imstande war, diese Dinge zu verstehen, stellt doch der Apostel fest: „Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.” – 1. Korinther 2:14 Jesus war noch nicht vom Heiligen Geist gezeugt; daher fehlte ihm noch das Verständnis der Prophezeiungen und Symbole.

Die Himmel wurden geöffnet

All diese Erkenntnis kam über ihn, nachdem er vom Heiligen Geist gezeugt war. Er begann die höheren Dinge zu verstehen, die Tiefen der Dinge Gottes. Er hatte in einem bestimmten Maß ein Verständnis über das Lamm erlangt, das als das Sündopfer geschlachtet werden sollte und über die Dinge, die die Beseitigung der Sünde betrafen, aber nichts, um denjenigen zu kennzeichnen, der der Erlöser sein sollte oder die wundervollen Bilder der Schrift erklären sollte. Sobald er vom Heiligen Geist gezeugt war, begann er zu erkennen, daß, wenn er herrschen würde, dies eine Kundgebung der Treue gegenüber Gott und der Gerechtigkeit bedeuten würde. Sobald er erleuchtet wurde, erkannte er die Dinge, welche die Leiden betreffen sollten.

Unser Herr lernte während seines irdischen Dienstes an den Dingen, die er litt, den Gehorsam. – Hebräer 5:8 Und so erlangte er eine große Erleuchtung, die für ihn ein so machtvoller Zusatz war – wie dies auch für uns eine große Erleuchtung ist, die Bedingungen und Bestimmungen unseres Rufes zu erkennen, daß wir in den Fußstapfen unseres Herrn gehen müssen, wenn wir mit ihm herrschen möchten.

In welcher Weise genau unserem Herrn die höheren Dinge offenbart wurden, können wir nicht wissen. Paulus berichtet von wundervollen Offenbarungen, die ihm zuteil wurden. Zweifellos empfing unser Herr Offenbarungen, aber was ihm offenbart wurde, damit er seinen vormenschlichen Zustand verstehen konnte, können wir nicht wissen. Auch kennen wir nicht all die Handlungen und Erfahrungen aus der Zeit seiner vorherigen Existenz, wie er, bevor er Fleisch wurde, in seinem Verständnis geprägt worden sein könnte. Der gleiche Gott, der imstande ist, uns einen geistigen Leib zu geben, der all die Erfahrungen des gegenwärtigen Lebens aufnehmen wird, konnte auch Jesus alle vorherigen Erfahrungen einprägen, die er gehabt hatte. Die Einprägung der vorherigen Erfahrungen wurde ihm nicht in der Jugend gegeben; denn er nahm in dieser Zeit noch an Erkenntnis und an Statur und in der Gunst bei Gott und den Menschen zu. Wir glauben, daß diese Einprägung zur Zeit seiner Weihung am Jordan stattfand und daß auf ihn nicht nur seine vorherigen Erfahrungen mit dem Vater und der fernen Vergangenheit übertragen wurden, sondern daß Er ihm auch das Licht zum Verständnis der Schriften gegeben hatte, so daß er die vollständige Bedeutung von dem, was er getan hatte, als er sich weihte, erfassen konnte.

Als die „Himmel” sich unserem Herrn fortgesetzt öffneten, sollte er sehen, daß die Erfahrungen des Messias, die unter dem Gesetzesbund nicht gefordert werden konnten, trotzdem seine Vorrechte sein sollten, weil er diese als den göttlichen Willen erkennen würde, weil er diese als das göttliche Gesetz in den Prophezeiungen erkennen würde. Wie ein Schaf, daß stumm ist vor seinen Scherern, so widersetzte er sich nicht, als seine Rechte ihm genommen wurden. Er erkannte, daß er zum Tode überliefert werden würde; und daß er ein unschuldiges Opfer sein würde. Er sollte der Gekreuzigte sein, das Gegenbild der kupfernen Schlange.

Nachdem er sich geweiht hatte, alle Dinge zu erfüllen, die in dem Buch geschrieben sind, war Jesus völlig bereit für jede seiner Erfahrungen. Wir erkennen auch, daß dies die Bedeutung des wundervollen Bildes in der Offenbarung ist, in der die Rolle mit sieben Siegeln versiegelt ist. Es wurde angekündigt: „Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen?” – Offenbarung 5:2 Bis zu jener Zeit wurde niemand gefunden, der das Buch hätte öffnen können. Aber nun wurde unser Herr für würdig befunden, das Buch zu öffnen, und es wurde ihm alle Erkenntnis des göttlichen Planes gegeben, damit er diese Dinge mit der Opferung des Fleisches opfern möge.

Bei seiner Weihung am Jordan opferte unser Herr sein menschliches Leben – er gab all seine Rechte und Vorrechte auf, die er als menschliches Wesen besaß. Der letztliche Zweck seiner völligen Übergabe seines Lebens war, daß er der Menschheit ewiges Leben bringen möge. Des Vaters Abmachung mit ihm war jedoch so, daß er seine Persönlichkeit, seine Identität, zurückerlangen sollte. Aber nachdem er vom Heiligen Geist gezeugt worden war, war er eine Neue Schöpfung; und als eine Neue Schöpfung besaß er einen menschlichen Leib, um in ihm den Charakter zu entwickeln und seine Erfahrungen zu sammeln. Diese Neue Schöpfung wurde während der dreieinhalb Jahre seines Dienstes zur Vollkommenheit entwickelt und war bereit den geistigen Leib zu empfangen, der ihm verheißen worden war.

Wenn unser Herr in seinem vormenschlichen Zustand nicht als vollkommen befunden worden wäre, treu und loyal, würde er dieses Vorrecht, ein Mensch und der Erlöser des Menschen zu werden, niemals bekommen haben. Wegen seines Gehorsams als ein Mensch erlangte er die größere Herrlichkeit, die Unsterblichkeit. Er war vollkommen unter all den günstigen Gelegenheiten, bevor er ein Mensch wurde; und er war treu als ein Mensch, und nachdem er verherrlicht ist, ist er noch treu. Daher hält er das gleiche Verhältnis gegenüber Gott und der Gerechtigkeit, das er immer besaß, aufrecht. Folglich würde er nicht besonders jene Dinge benötigen, welche helfen, Charakter zu bilden; denn er hat nie irgendwelche Mängel gezeigt, die hätten beseitigt werden müssen. Wir könnten aber vermuten, daß die Erfahrungen, die er in seinem vorherigen Zustand gemacht hatte, bevor er Mensch wurde, und seitdem er verherrlicht wurde, alle zusammenwirken, um seinen Charakter im höchsten Sinn intelligent und loyal zu gestalten.

Er offenbarte seine Herrlichkeit

Wir wollen einige Schriftstellen untersuchen, welche so verstanden werden können, daß sie andeuten, daß unser Herr eine klare Erinnerung seiner vormenschlichen Erfahrungen besaß, die er bei dem Vater machte.

  1. „Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn.” – Johannes 5:19 Diese Worte wurden im Zusammenhang mit der Heilung eines Kranken ausgesprochen. Sie bedeuten natürlich nicht, daß der Herr den Vater gesehen hatte, wie er Kranke heilte, sondern, daß er des Vaters Willen, des Vaters Plan, gesehen hatte.

Unser Herr führte einfach nur des Vaters Willen aus, der ihn betraf: „Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet. Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch”, usw. – Jesaja 35:5 und 6 Wie die Schriften zu verstehen geben, waren diese Wunder der Heilung einige der Dinge, die er tun sollte. Er wußte, daß er diese Wunder tun sollte und daß sie die Dinge, die einst im Königreich stattfinden werden, in der Vorausschau darstellten. Wir lesen in Johannes 2:11: „Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit.”

  1. „Von Ewigkeit her war ich eingesetzt, von Anfang an, vor den Uranfängen der Erde. Als es noch keine Fluten gab, wurde ich geboren, als noch keine Quellen waren, reich an Wasser. Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln war ich geboren.” – Sprüche 8:23 – 25 Diese Schriftpassage mag entweder als eine Prophezeiung von dem gesehen werden, was unser Herr von seinem vorherigen Zustand wußte oder als ein Sprachbild, das die Weisheit Gottes durch alle Zeitalter hindurch fortsetzt. Weil aber die Weisheit Gottes besonders in unserem Herrn Jesus offenbart wird, war dies eine Vorausdarstellung von dem, was Jesus in Bezug auf seinen vormenschlichen Zustand gekannt haben mag.
  2. Als unser Herr im Alter von zwölf Jahren die Frage stellte: „Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist?”, hatte er den Himmlischen Vater im Sinn, so wie jedes geweihte Kind Gottes an Ihn denken mag. Durch die von seiner Mutter Maria empfangene Unterrichtung mag er von seiner wunderbaren Geburt und seiner besonderen Mission in der Welt erfahren haben. Seine Mutter wußte, daß er sich seiner selbst und seiner Mission nicht sicher sein konnte, es sei denn, daß sie ihm über diese Dinge berichtete. Nachdem ihm gesagt wurde, daß er besonders heilig und auf wunderbare Weise geboren wurde zu diesem besonderen Zweck, drehte er sich zu Maria um und fragte, ist es möglich, daß du nicht wissen solltest, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist? Hast du mir nicht diese Dinge erzählt? Er war überrascht, daß Maria und Josef nicht verstehen konnten, daß es für ihn die wichtigste Sache war, diese Dinge zu tun.

Erinnerung ist das Mittel der Identifikation

  1. Unseres Herrn Feststellung, „Ehe Abraham war, bin ich”, dient zur Identifikation des Menschen Jesus, in seinem früheren Zustand als Logos, bevor er Fleisch wurde und unter uns wohnte. Obwohl er die geistige Ebene erreicht hat, ist er heute der gleiche. Er sagt: „Ich bin der Lebendige, und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit”. – Offenbarung 1:18 Ursprünglich war er auf der geistigen Ebene. Später als ein Mensch lebte er und starb er. Bei seiner Auferstehung wurde er lebendig gemacht auf der geistigen Ebene, weit erhoben über Engel, Fürstentümer und Mächte. Aber die Identität, die Persönlichkeit, ist die gleiche.
    Und wir können wirklich glauben, daß die Erinnerung an Dinge der Vergangenheit noch bei unserem Herrn vorhanden ist. Wir denken auch, daß er sich der Erfahrungen erinnert, die er im Fleisch hatte und solcher, die er machte, bevor er Fleisch wurde. Auf andere Weise konnte er sich selbst nicht identifizieren. Erinnerung scheint das Mittel der Identifikation unserer Persönlichkeit zu sein. In dieser Schriftstelle scheint nichts darauf hinzuweisen, daß unser Herr mit der Erkenntnis all seiner früheren Erfahrungen in die Welt geboren wurde. Nach seiner Weihung erlangte er die Erkenntnis durch einige Mittel, die wir nicht groß genug sind, zu verstehen, – durch die gleiche Macht, die der Vater benutzt, denn der Vater besitzt alle Macht.
  2. „Jesus Christus [ist] derselbe gestern und heute und morgen”. – Hebräer 13:8 Diese Feststellung identifiziert unseren Herrn nicht mit seinem früheren Zustand; denn in seinem vorher vorhandenen Zustand war er nicht Jesus, denn Jesus wurde er erst bei seiner Geburt genannt. Jesus Christus wurde er bei seiner Taufe. „Durch seine Erkenntnis wird der Gerechte, mein Knecht, den Vielen zur Gerechtigkeit verhelfen, und ihre Sünden wird er sich selbst aufladen.” – Jesaja 53:11 Unser Herr begann mit seiner Weihung, die Sünden der Welt sich selbst aufzuladen und beendete dies mit seiner Kreuzigung. Seitdem rechnet er bestimmte Personen als seine Glieder. Wahrscheinlich erhielt er die Erkenntnis, die ihn befähigte, zu überwinden, als der Heilige Geist auf ihn kam und die Himmel ihm geöffnet wurden.

Wir wissen nicht, welch eine Kraft Satans Versuchungen vor seiner Weihung gehabt hätten, als unser Herr ein vollkommener Mensch war wie Adam; aber als sein Verständnis geöffnet wurde, dann kam Satan, um ihn nach dem Grundsatz seines Werkes zu versuchen, nach dem Grundsatz seiner Weihung, die er schon gemacht hatte. Satan versuchte seine Weihung zu vernichten und ihre Vollendung zu vereiteln. Wie viel Erkenntnis unser Herr zu jener Zeit hatte, wissen wir nicht; aber der Himmlische Vater gab ihm eine Erkenntnis, die ausreichte, es ihm zu ermöglichen, als Überwinder hervorzugehen. Und so verhält es sich auch bei uns. Unser Herr gibt uns die Erkenntnis seiner selbst und des Vaters. Er zeigt uns das Verhältnis, das zwischen den Leiden dieser gegenwärtigen Zeit besteht und den Herrlichkeiten, die folgen sollen. So wird es allen Gliedern des Leibes durch Erkenntnis von diesem großen gerechten Diener gestattet sein, als „mehr als Überwinder” durch seine Gnade hervorzukommen.

Der natürliche Mensch kann geistige Dinge nicht erkennen

  1. „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und unser Zeugnis nehmt ihr nicht an.” – Johannes 3:11 Die Annahme ist, daß unser Herr himmlische Dinge mitteilen konnte, daß er aber sich nicht veranlaßt sah, dies zu tun; weil Nikodemus und andere Schwierigkeiten hatten, sogar die irdischen Dinge zu verstehen. Wie konnte Jesus da über die himmlischen Dinge sprechen? Zu jener Zeit mag er den Eindruck der Erinnerung bezüglich seines vorherigen Zustandes gehabt haben.

Wir sollen über die himmlischen Dinge reden, aber nicht mit dem natürlichen Menschen. „Gebt nicht das Heilige den Hunden; werft auch nicht eure Perlen vor die Schweine, damit sie diese nicht etwa mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.” – Matthäus 7:6 Unser Herr sagte, daß er seinen Jüngern noch vieles mitzuteilen hätte, aber daß sie es nicht verstehen könnten, bis der Heilige Geist käme. – Johannes 16:12 und 13 Und „Denn noch war der Heilige Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war.” – Johannes 7:39 „Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.” – 1. Korinther 2:14 „Uns aber hat Gott es offenbart durch den Geist, denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes.” – 1. Korinther 2:10 Wenn nun der Heilige Geist uns einige der tiefen Dinge offenbart, wie viel mehr konnte dann der vollkommene Verstand unseres Herrn in die heiligen Dinge eindringen?

Die Herrlichkeit, die ich bei dir hatte

Unseres Herrn Worte, „und nun verherrliche, du, Vater mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war”, können nicht bedeuten, daß er keine Erkenntnis über seinen zukünftigen Anteil an der göttlichen Natur hatte. – Johannes 17:5 Er hatte die Versicherung der Schriften, von der eine sagte, daß er sehr erhöht sein würde und eine andere, daß der Herr ihm das Königreich geben würde, und noch eine andere, Jahwe, Gott, „werde ihm Anteil geben unter den Großen und mit Gewaltigen würde er die Beute teilen: dafür, daß er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und sich zu den Verbrechern zählen ließ.” – Jesaja 53:12 Und noch eine weitere sagt: „Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks.” – Psalm 110:4 Er solle beides sein, ein Priester und ein König von sehr hohem Stand und sehr hoher Ehre.

Wahrscheinlich waren unserem Herrn diese Dinge völlig bekannt, nachdem er vom Heiligen Geist gezeugt war, wie auch Paulus, der in den dritten Himmel entrückt wurde und über wunderbare Dinge Erkenntnis erlangte, „die auszusprechen einem Menschen nicht zusteht”. – 2. Korinther 12:4 Und so ist es höchst wahrscheinlich, daß unser Herr Jesus einige besondere Offenbarungen hatte; denn wir lesen, daß er sagte; „Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben zu haben in sich selbst.” – Johannes 5:26 Auf diese Weise wird seine Erkenntnis der Tatsache angezeigt, daß beide, er und die Kirche, an der göttlichen Natur und Erbschaft des Lebens teilhaben werden.

Unseres Herrn Worte zeigen, daß er nicht wünschte, auf diese herrlichen Dinge sein Streben zu richten. Sehr demütig sagte er: „Vater, ich bin gekommen, deinen Willen zu tun. Vater ich will das Werk, das Du mir zu tun gegeben hast, vollbringen. Und ich werde, froh sein, zu der Herrlichkeit zurückgekehrt zu sein, die ich bei Dir hatte – ich erbitte nichts als eine Gunst. Ich bin froh, daß ich dieses Vorrecht gehabt habe, und ich denke, daß ich nicht auf Grund meines Ungehorsams gegenüber Deinem Willen leiden werde. Daher werde ich froh sein, bei Dir in der Herrlichkeit zu sein, die ich hatte, bevor die Welt war.”

Er sagte nicht zum Vater: „Vergiß nicht, mich zu belohnen, vergiß nicht, was Du verheißen hast.” Nein, er führte des Vaters Willen aus, ohne irgendeinen Gedanken der Entschädigung damit zu verbinden. Und so ist es auch bei uns. Jemand, der nur nach der göttlichen Natur als eine Belohnung schaut und denkt, daß diese ihm zusteht, vertritt eine unangebrachte Anschauung. Wir sollten fühlen, daß es ein großes Vorrecht ist, auf der Seite der Gerechtigkeit zu stehen und mit unserem Herrn Jesus auf die gleiche Ebene gestellt zu werden, auch wenn es letztlich keine Belohnung mit der göttlichen Natur gegeben hätte. Aber der Gedanke der Belohnung ist ein großartiger Anreiz, geduldig für etwas zu laufen, das reichlich und über alle Maßen jenseits von dem ist, was wir erbeten hätten oder woran wir gedacht hätten.

Manasses Umkehr zum wahren Gott

Im ersten und zweiten Buch der Könige eilt den Herrschern Israels und Judas, die auf dem Thron Jahwes saßen, immer eine Beurteilung voraus, die uns vorweg darüber informiert, ob ihre Herrschaft „recht war in den Augen des HERRN”, oder ob sie „böse war in den Augen des HERRN”. Es gab auf dem Thron Jahwes sowohl „gute” als auch „weniger gute” Könige, wobei die als „böse” eingestuften Könige in einer Überzahl regierten. Es gab nur wenige, die „recht in den Augen des HERRN” waren und von ganzem Herzen danach strebten, Seinen Willen zur Ausführung zu bringen. Der Grund für die negativen Beurteilungen der meisten Könige lag darin, daß sie die Gebote Gottes nicht beachteten und ungehorsam waren und sich vor den fremden Göttern Kanaans niederwarfen und ihnen dienten.

Es kam aber auch vor, daß ein König zu Beginn seiner Herrschaft in den Wegen Gottes ging und dann mit der Zeit doch den verderblichen Einflüssen des weitverbreiteten Götzendienstes erlag und ungehorsam gegenüber Gott wurde, wie dies bei Saul, dem ersten König Israels, der Fall war. Und so verhielt es sich auch bei Salomo, dem Sohn Davids, der zu Beginn seiner Erwählung zum König Judas den Willen Jahwes in allem getan hatte, dem Gott eine sprichwörtliche Weisheit verliehen hatte, damit er Sein Volk in Gerechtigkeit richten konnte, der den Tempel Gottes errichten durfte, der großen Ruhm und Reichtum erlangte, und der schließlich doch aus der Gunst Gottes fiel. Die unbestechliche Schrift berichtet, daß er von seinen vielen heidnischen Frauen, die er alle liebte, zum Götzendienst und der Anbetung fremder Götter verleitet wurde und damit gegen das erste Gebot Gottes verstieß: „Du sollst nicht andere Götter haben neben mir!” – 2. Mose 20:3

Hiskia war einer unter den wenigen Königen Judas, die als „recht in den Augen des HERRN” bezeichnet wurden, weil er während seines ganzen Lebens von ganzem Herzen in den Wegen Gottes ging. Der Name Hiskia bedeutet „Meine Stärke ist Jahwe”, und nach diesem Motto handelte er auch. Seine Herrschaft beginnt mit einer Reinigung des Tempels und der Wiederherstellung des Gottesdienstes und einer Passah-Feier. Er läßt alle heidnischen Altäre niederreißen, die Ascherabilder, Sonnensäulen und Höhenheiligtümer, die sein Vorgänger auf dem Thron, Hoschea, eingeführt hatte. Die Bibel stellt Hiskia das wunderbare Zeugnis aus: „Er vertraute dem HERRN, dem Gott Israels, so daß unter allen Königen von Juda seinesgleichen nach ihm nicht war noch vor ihm gewesen ist.” – 2. Könige 18:5

Man sollte meinen, daß dem Sohn, der Hiskia auf dem Thron folgte, dem ein so überwältigendes Beispiel der Treue zu Gott und Seinen Prinzipien vorgelebt wurde, begeistert dem Beispiel seines Vaters folgen würde, aber ganz das Gegenteil trat ein.

Manasse, der Sohn Hiskias, war nicht nur einer unter vielen Königen, denen die Schrift bezeugt, daß ihre Herrschaft „böse war in den Augen des Herrn”. Vielmehr ist es so, daß derjenige, der den Bericht über Manasse in den Büchern der Könige und der Chronik ließt, zu der Beurteilung kommen muß, daß er von allen der böseste und schlimmste König gewesen sein muß, der auf den Thron Jahwes gelangte und 55 Jahre über Juda herrschte. Während sein Vater Hiskia alle Anstrengungen gemacht hatte, die fremden Götter wegzutun, die sein Vorgänger auf dem Thron von Juda, Hosea, eingeführt und angebetet hatte, machte Manasse alle Anstrengungen, den Götzendienst auf vielfältige Weise wieder einzuführen und den heiligen Namen Jahwes, des wahren und einzigen Gottes Israels, auf jede Weise zu entehren.

Es ist keine ungewöhnliche Lebenserfahrung, die wir hier machen, daß gottesfürchtige Väter Söhne zeugen können, die von Gott nichts wissen wollen oder sogar zum Bösestun neigen, wie es auch umgekehrt möglich ist, daß weniger gute und ungläubige Väter Söhne zeugen können, die gottergeben und in allem das Gute zu tun bestrebt sind.

Gott beurteilt aber jeden Menschen individuell und vorurteilsfrei allein nach dem, was er persönlich getan oder nicht getan hat und nicht nach dem, was sein Vater, der ihn gezeugt hat, vor ihm getan oder nicht getan hat, wie dies bei den Menschen oft der Fall ist. Sein Prinzip gilt für alle: „Die Seele, welche sündigt, die soll sterben”. – Hesekiel 18:20 Was die Väter und deren Sünde betrifft, sagt die Schrift in Bezug auf die Söhne, daß man im Reich Gottes nicht mehr sagen wird: „die Väter haben unreife Trauben gegessen, und die Zähne der Söhne sind stumpf geworden, sondern jeder wird wegen seiner Schuld sterben.” – Jeremia 31:29 und Hesekiel 18:2

Manasses umfangreicher Götzendienst

Wir wollen aber zunächst erfahren, was die Heilige Schrift über Manasse, den König von Juda, berichtet. Wir finden die Berichte in 2. Könige 21:1 – 9 und 2. Chronik 33:1 – 9: „Zwölf Jahre war Manasse alt, als er König wurde, und er regierte 55 Jahre in Jerusalem; und der Name seiner Mutter war Hefzi-Bar. Und er tat was böse war in den Augen des HERRN, nach den Gräueln der Nationen, die der HERR vor den Söhnen Israel vertrieben hatte. Und er baute die Höhen wieder auf, die sein Vater Hiskia vernichtet hatte, und errichtete Altäre für den Baal und machte eine Aschera, wie sie Ahab, der König von Israel, gemacht hatte, und er warf sich nieder vor dem ganzen Heer des Himmels und diente ihnen. Und er baute Altäre im Haus des HERRN, von dem der HERR gesagt hatte: In Jerusalem will ich meinen Namen niederlegen. Und er baute für das ganze Heer des Himmels Altäre in den beiden Vorhöfen des Hauses des HERRN. Und er ließ seinen Sohn durchs Feuer gehen, und er trieb Zauberei und Beschwörung und ließ sich mit Totengeistern und Wahrsagegeistern ein. Er tat vieles, was böse war in den Augen des HERRN. Und er stellte das Götterbild der Aschera, das er gemacht hatte, in das Haus, von dem der HERR zu David und zu seinem Sohn Salomo gesagt hatte: In diesem Haus und in Jerusalem, das ich aus allen Stämmen erwählt habe, will ich meinen Namen für ewig niederlegen.”

Nachdem wir hier näher erfahren haben, mit welchem Eifer und in welchem Umfang der König Manasse den Götzendienst in Juda einführte und selbst den fremden Göttern diente, können wir nur den Eindruck bestätigen, daß Manasse mehr und nachhaltiger als alle übrigen gottlosen Könige gegen Gott und Sein Volk sündigte – und, was in den Augen Jahwes besonders verwerflich war, er verführte Gottes Volk zum Götzendienst, wie wir im Vers 9 lesen: „Und Manasse verführte sie mehr Böses zu tun als all die Nationen, die der HERR vor den Söhnen Israels ausgerottet hatte.”

Manasses gottloses Verhalten, das Volk zum Bösen und zum Götzendienst zu verführen, wiegt besonders schwer in der Beurteilung Gottes, wie wir dies schon bei Jerobeam, dem „bösen” König Israels, erkennen, von dem ebenso berichtet wird, daß er „das Volk zur Sünde verführte” oder böswillig anstiftete. – 1. Könige 15:34 und 2. Könige 3:3

Dennoch wäre es falsch, Jerobeam mit Manasse zu vergleichen und zu sagen, wie Jerobeam der Inbegriff des Bösen auf Seiten von Israel ist, so ist Manasse es auf Seiten von Juda. Es gibt im Leben und Handeln beider einen großen und bedeutsamen Unterschied, der darin besteht, daß Jerobeam Zeit seines Lebens unbelehrbar blieb und bewußt bis zum Ende seines Lebens nicht vom Bösestun ablassen wollte, während Manasse, nachdem er als ein Gefangener nach Babel gebracht wurde und in großer Trübsal war, sich demütigte und von Herzen Reue über das zeigte, was er zuvor getan hatte. Manasse war von da an wie vor ihm sein Vater Hiskia bestrebt, alle Götzenbilder zu vernichten und die Höhen niederzureißen und das Volk zu Gott zurückzubringen. Welch eine Umkehr im Leben von Manasse!

Es gibt ein Sprichwort, welches besagt, daß jemand „von Saulus zum Paulus” geworden ist, was ganz allgemein eine völlige Umkehr vom Bösen zum Guten anzeigen soll.

Dann lesen wir in 2. Könige 21:10 – 15: „Da redete der HERR durch seine Knechte, die Propheten, und sprach: „Weil Manasse, der König von Juda, diese Gräuel verübt (und) Schlimmes getan hat – mehr als alles, was die Amoriter getan haben, die vor ihm gewesen sind, – und auch Juda durch seinen Götzen zur Sünde verführt hat, darum, so spricht der HERR, der Gott Israels, siehe, ich will Unheil über Jerusalem und Juda bringen. … Und ich werde den Überrest meines Erbteils verstoßen und werde sie in die Hand ihrer Feinde geben, und sie werden allen ihren Feinden zum Raub und zur Plünderung werden, weil sie getan haben, was böse ist in meinen Augen, von dem Tag an, als ihre Väter aus Ägypten gezogen sind, bis auf den heutigen Tag”.”

Während der König Manasse der Verursacher all des Bösen ist, zu dem er Israel verführt hat, wendet sich diese Gerichtsbotschaft Gottes gegen das gesamte Volk Israel, aber seltsamerweise nicht direkt gegen ihn. Und auch der weiterführende Bibelbericht von Vers 16 bis zum Ende des Kapitels sagt nichts über ein vergeltendes Gericht Gottes über ihn aus.

„Manasse vergoß auch sehr viel unschuldiges Blut, bis er Jerusalem damit anfüllte von einem Ende bis zum andern; abgesehen von seiner Sünde, mit der er Juda zur Sünde verführte, zu tun, was böse war in den Augen des Herrn.”

Der Bericht über Manasse in 2. Könige schließt mit den nüchternen Worten: „Und Manasse legte sich zu seinen Vätern und wurde begraben im Garten seines Hauses, im Garten des Usa. Und sein Sohn Ammon wurde an seiner Stelle König.”

Manasses Umkehr

Was uns das 2. Buch der Könige zu verschweigen scheint, was aber wichtig zum völligen Verständnis der Geschichte des Königs Manasse ist, wird in 2. Chronik im Kapitel 33 in den nachfolgenden Versen 10 – 16 hinzufügend berichtet: „Und der HERR redete zu Manasse und zu seinem Volk, aber sie achteten nicht darauf. Da ließ der HERR den Heerobersten des Königs von Assur über sie kommen. Und sie nahmen Manasse gefangen und banden ihn mit ehernen Fesseln und führten ihn nach Babel. Und als er so bedrängt war, flehte er den HERRN, seinen Gott, an und demütigte sich sehr vor dem Gott seiner Väter und betete zu ihm. Und er ließ sich von ihm erbitten und erhörte sein Flehen und brachte ihn nach Jerusalem in seine Königsherrschaft zurück. Da erkannte Manasse, daß der HERR der (wahre) Gott ist. … Und er tat die fremden Götter weg und das Götzenbild aus dem Haus des HERRN und alle Altäre, die er auf dem Berg des Hauses des HERRN und in Jerusalem gebaut hatte; und er warf sie vor die Stadt hinaus. Und er baute den Altar des HERRN (wieder) auf und opferte auf ihm Heils- und Dankopfer. Und er befahl Juda, daß sie dem HERRN, dem Gott Israels dienen sollten. Aber das Volk opferte noch auf den Höhen, jedoch (nur) dem HERRN, ihrem Gott.”

Die Mitteilung, daß der König Manasse sich vor Jahwe sehr demütigte und mit ganzem Herzen zu dem einzigen und wahren Gott seiner Väter umkehrte, um fortan Seinen Willen zu tun, erfreut unsere Herzen sehr. Was uns dabei besonders auffällt, ist, daß Manasse „erkannte”, „daß der HERR der wahre Gott ist”. Dies geschah, nachdem Manasse eine positive Antwort auf sein Flehen, das wohl auf Gottes Barmherzigkeit gerichtet war, bekam, und er wieder nach Jerusalem zurückkehren konnte, und in seine frühere Herrschaft wiedereingesetzt wurde.

Manasse „erkennt” den wahren Gott Israels

Wenn wir uns fragen, was wohl „das Erkennen” des wahren Gottes seiner Väter bewirkt haben könnte, so scheint es die Tatsache gewesen zu sein, daß der große Gott des Universums auf die flehentlichen Gebete einging und ihm, der bisher ein hochmütiger Götzendiener und Gegner des Herrn gewesen war, antwortete. Vielleicht erinnerte sich Manasse, als er sich in höchster Not befand, der Aufforderung der Schrift: „Rufe mich an in der Not, [und er war in höchster Not, aus der ihn niemand befreien konnte] und ich will dich erretten und du sollst mich preisen!” Auch kommen uns die Worte des Apostels Paulus hier in den Sinn, die er als eine MillenniumsBotschaft verkündet: „Denn alle werden mich erkennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen. Denn ich werde gegenüber ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein, und ihrer Sünden werde ich nie mehr gedenken.”

In ähnlicher Weise hat der Ewige durch den Propheten Jeremia im Voraus über die Zeit der allgemeinen Wiederherstellung des Menschen verkündigt: „Dann wird nicht mehr einer seinen Nächsten oder einer seinen Bruder lehren, und sagen: Erkenne den HERRN! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der HERR. Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken.”

Was in einer zukünftigen Weise allen Menschen, vom Kleinsten bis zum Größten, versprochen wird, war hier persönlich an Manasse geschehen, daß Gott dem König, nachdem sich dieser vor Ihm sehr gedemütigt hatte, seine große Schuld vergab und ihn wieder in sein königliches Amt einsetzte.

Was Manasse in der Zeit seines Unglücks vor allem begriffen zu haben scheint, war auf der einen Seite seine große Schuld und auf der anderen Seite die Erfahrung, daß er es mit einem langmütigen und barmherzigen Gott zu tun hatte. Schon Mose, der das Angesicht Gottes zu sehen begehrte, war eine Antwort zuteil geworden, daß niemand Sein Angesicht sehen könnte, daß Er aber in einer Erscheinung Seinen heiligen Namen vor ihm offenbaren und an ihm vorüberziehen lassen wollte, was einer Offenbarung Seines liebevollen Charakters gleichkam.

„Jahwe, Jahwe, Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade und Treue, … der Schuld und Sünde vergibt”. – 2. Mose 34:6

Offenbar hatte Manasse die Langmut Gottes mit ihm „erkannt” und die Gnade und Barmherzigkeit, die ihm mit der Vergebung seiner Sünde geschah, – ihm, der so viel Böses getan hatte. Die Offenbarung Gottes, mit der Er Seinen Namen an Mose vorüberziehen ließ, hat auch einen zweiten Teil, der uns über Jahwes unbeugsame Gerechtigkeit mit der Feststellung unterrichtet: „der Schuld, Vergehen und Sünde vergibt, aber keineswegs ungestraft läßt … .”

Wir erinnern uns daran, daß David, nachdem er seine Schuld im Fall von Bathseba erkannt und sich von Herzen vor Gott gedemütigt hatte und ihm daraufhin seine Schuld vergeben wurde, auch nicht ungestraft blieb. Ebenso verhielt es sich bei Davids zweitem Fehltritt, als er Israel zählen ließ. Gott vergab seine Sünde, als er sich vor ihm demütigte, aber er kam auch hier nicht ohne Strafe davon; Gott ließ ihn unter drei unterschiedlichen Strafen wählen, von denen eine an ihm vollzogen werden sollten. Und welche Wahl traf David!?

„Und David sagte zu Gad: Mir ist sehr angst! Laß uns doch in die Hand des HERRN fallen, denn seine Erbarmungen sind groß! Aber in die Hand der Menschen laß mich nicht fallen!” – 2. Samuel 24:14

Was schon David erkannt hatte, daß „Gott ein zerbrochenens und zerschlagenes Herz nicht verachten würde”, das erkannte auch der König Manasse. – Psalm 51:9 Er anerkannte und wertschätzte, daß „die Erbarmungen Gottes sehr groß sind, und daß sie denen sicher sind, die von ganzem Herzen bereuen und zu Gott umkehren, nicht nur in Worten, sondern auch in ihren Taten.” Daß Manasse es mit seiner Umkehr zu Gott ernst gemeint hatte, zeigt sein weiteres Handeln, daß er, nachdem er den wahren Gott erkannt hatte, den Gott aller Barmherzigkeit, mit Eifer die Götzenbilder vernichtete und das Volk zum wahren Gottesdienst aufforderte.

Sünde wird von Gott bestraft

Wir haben schon zuvor erwähnt, daß in dem 2. Buch der Könige nur von einem „Unheil” berichtet wird, daß Gott als Strafe über Israel und Juda bringen würde, aber nicht über die Bestrafung des Königs. Wir erfahren jedoch durch den Propheten Jeremia, daß das Volk von Juda „um der Sünde Manasses willen” bestraft wurde. – Jeremia 15:4 Wie das Volk zuvor Hiskia zum Guten gefolgt war, war es danach seinem Sohn Manasse zum Bösen gefolgt. – Sprüche 1:10 Und in diesem Sinn wurden sie „um Manasses willen” bestraft. Zu deutlich ist die Aussage der Schrift im Fall von David, daß Sünde nicht unbestraft bleiben kann. – 2. Samuel 12:14 Selbst unser Herr Jesus mußte an unserer statt die Strafe für unsere Sünde erleiden und den Kreuzestod sterben – damit uns um seinetwillen vergeben werden konnte.

Während das 2. Buch der Könige nichts Genaues über die Umkehr Manasses in der Gefangenschaft von Babel berichtet, enthält das 2. Buch der Chronik eine Mitteilung über die innere Einkehr und seine Umkehr zu Gott. Wir lesen im 23. Kapitel in den Versen 18 und 19 wie folgt: „Und die übrige Geschichte Manasses und sein Gebet zu seinem Gott und die Worte der Seher, die zu ihm redeten im Namen des HERRN, des Gottes Israels, [wovon in 2. Könige nicht berichtet wird] siehe, das ist (geschrieben) in der Geschichte der Könige von Israel. Sein Gebet aber, und wie Gott sich von ihm erbitten ließ, und all seine Sünde und Untreue und die Orte, an denen er Höhen gebaut und die Ascherim und die Götterbilder aufgestellt hatte, bevor er sich demütigte, siehe das ist geschrieben in der Geschichte der Seher.”

Das „Buch der Seher”

Wie wir zuvor gelesen haben, ist in den vorangehenden Zeilen von einem so genannten „Buch der Seher” die Rede. Einige denken, daß es sich dabei um ein prophetisches Buch handelt, das im Laufe der Zeiten verlorengegangen ist. Wir aber denken, daß es sich um eine imaginäre, unbestimmte Bezeichnung handeln könnte, welche die Zeugnisse aller Propheten beinhaltet. Die Schrift selbst sagt in 1. Samuel 9:9: „Vorzeiten sagte man in Israel, wenn man ging, Gott zu befragen: Kommt laßt uns zum Seher gehen; denn den man heute Prophet nennt, nannte man früher Seher.”

Es wird in dieser „Geschichte der Seher” von einem Gebet berichtet, in welchem der König sich vor Jahwe demütigte; und wie gern hätten wir den Wortlaut dieses innigen Gebets um Vergebung erfahren. – 2. Könige 17:13
Uns sind dagegen Gebete von anderen „Sehern” dem Wortlaut nach bekannt, wie Mose, David, Salomo, Hiskia, Esra, Nehemia, Elisa, Hiob, Jeremia, Daniel und Jonas und Habakuk, die von Gott erhört wurden.

So können wir uns auch geführt durch den Geist Gottes vorstellen, welche Worte des tief empfundenen Dankes und des Lobpreises Adam aussprechen wird, wenn er als letzter von der Gefangenschaft des Todes auferstehen wird, wenn er als wiedereingesetzter König der Erde seinen Nachkommen oder seinem Volk begegnen wird, wie zuvor Manasse, nachdem ihn Gott von der Gefangenschaft befreit und in sein vorheriges Königsamt wiedereingesetzt hatte.

Demütigung vor Gott führt zur Erhöhung

Für uns, die wir alle der Vergebung bedürfen, hat dieser Gedanke der Demütigung vor Gott und der Vergebung durch Gott Vorrang vor allem anderen. Daß unser langmütiger und barmherziger Himmlischer Vater selbst eine so große Schuld, wie die von Manasse vergeben konnte, gibt uns die Sicherheit, daß jede Sünde der Menschen, wie groß und schwer sie auch immer erscheinen mag, von Gott vergeben werden kann – wenn sie von ganzem Herzen bereut und Besserung versprochen wird.

Wie sehr erinnern uns Manasse und sein Volk an die Geschichte Adams und seines Geschlechts. Wie Adam, der aus „gutem Hause” kam, von seinem Schöpfer zum König über die Erde eingesetzt wurde, so wurde auch Manasse, der aus dem guten Hause Hiskias hervorging, zum König über das Volk von Juda gemacht. Und wie Adam durch seinen willigen Ungehorsam sich selbst und auch seinen Nachkommen sehr geschadet hat, denn er tat „was böse in den Augen Jahwes war”, als er sündigte, so geschah es auch bei Manasse, dem König von Juda. Der eine wie der andere übertrugen auf ihre Weise ihre Sünde auf das Volk.

Was aber die Geschichte des natürlichen Volkes Israel betrifft, war Manasse nicht der letzte „böse” König Judas auf dem Thron Jahwes. Gott ließ noch weitere Könige auf Seinem Thron zu, damit das Volk noch mehr bittere Erfahrungen mit dem selbstgewählten Königtum machen sollte. Gegenüber Zedekia, dem letzten bösen König auf dem Thron Jahwes, sprach der Ewige die in die Zukunft weisende Verheißung aus: „Und du, Unheiliger, Gesetzloser Fürst Israels, dessen Tag gekommen ist zur Zeit der Ungerechtigkeit des Endes! So spricht der Herr Jahwe: Hinweg mit dem Kopfbund und fort mit der Krone! Dies wird nicht mehr sein. Das Niedrige werde erhöht und das Hohe erniedrigt. Umgestürzt, umgestürzt, umgestürzt will ich sie machen; auch dies wird nicht mehr sein – bis der kommt, welchem das Recht gehört: dem werde ich’s geben.” – Hesekiel 21:30 – 32

Wir erinnern uns daran, daß sowohl Manasse als auch das Volk von Gott gewarnt und zur Umkehr von ihren bösen und götzendienerischen Wegen aufgerufen wurden, bevor sie das Unheil erreichte. – 2. Chronik 33:10

Aber die Warnungen Gottes stießen bei Manasse und dem Volk auf taube Ohren. Sie dachten nicht daran, von ihrem bösen und götzendienerischem Handeln abzustehen. Erst als Gott Manasse zur Strafe in die Hand seiner Feinde geraten ließ und niemand ihm beistehen konnte, kam er zu der Erkenntnis seiner großen Schuld vor Gott und demütigte sich. Ein Sprichwort sagt, daß „Einsicht der erste Schritt zur Besserung ist!”

Vielleicht dachte der entmachtete König, als er in eiserne Fesseln gezwängt auf dem Boden lag, an die weit in der Vergangenheit liegende Zeit seines Volkes, als es sich in der Knechtschaft in Ägypten befand und nach Gott um Befreiung und Errettung aus ihrer großen Trübsal schrie. Und er dachte auch daran, daß Gott ihre flehentlich vorgetragene Bitte erhört und sie aus der Knechtschaft Ägyptens befreit hatte. So demütigte sich der König und flehte Gott um Hilfe an und versprach die Umkehr von seinen bösen Wegen.

Oft ist es so, daß der Mensch erst dann, wenn er in große Schwierigkeiten gerät, wenn er in einer großen Trübsal nicht mehr ein und aus weiß und keine menschliche Hilfe erwarten kann, zur Einsicht und Überlegung kommt und nach Gott fragt. So verhielt es sich auch im Fall von Manasse, wobei wir lobend erwähnen können, daß, nachdem er sich vor Gott gedemütigt hatte, er bis zu seinem Lebensende Jahwe treu ergeben war und in Seinen Wegen ging.

Adam und Manasse

Man sagt, daß der Mensch aus Erfahrungen lernt. Diese Feststellung trifft auch auf den ersten Menschen Adam und seine Nachkommenschaft zu. Adam, der ebenso nach Gottes Willen ein König war, hatte, bevor er sündigte, keine Vorstellung darüber, welche schrecklichen Auswirkungen die Strafe für Sünde haben würde – sterbend sollst du sterben. Bevor er sündigte, kannte er keine Mühsal, keinen Schmerz, kein Leid. Er konnte in Eden noch keine Vorstellung davon haben, wie sich die Sklaverei der Sünde und die Gefangenschaft des Todes auf seine Nachkommen auswirken würde.

Ebenso verhielt es sich mit dem König Manasse, der, als er in Jerusalem glanzvoll regierte, keine Vorstellung davon haben konnte, wie es einem Gefangenen und Gebundenen im Land des Feindes ergeht, bis er selbst als Strafe für seine Sünden diese Erfahrungen am eigenen Leibe machen mußte.

Erst nachdem er diese Erfahrungen gemacht hatte, erkannte er die Sinnlosigkeit seines Lebens in Sünde, und „er erkannte, daß der HERR, der wahre Gott ist” und demütigte sich unter die barmherzige Hand des Herrn.

Wir bemerken, daß heute die große Mehrzahl der Menschen ungläubig ist und den wahren Gott der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit noch nicht erkannt hat. Aber die Schrift verheißt uns, daß alle Menschen, ob gerecht oder ungerecht, aus dem Gefangenschaft des Todes auferweckt hervorkommen werden, zu einer günstigen Gelegenheit ewiges Leben zu erlangen. Der Herr wird sie prüfen, ob sie aus ihren Erfahrungen gelernt haben, und ob sie nunmehr bereit sind, in
Seinen Wegen zu gehen und Seinen Willen zu tun – wie dies gottlob bei Manasse der Fall war.

Wir erwarten, daß auch die große Mehrheit der Menschen, nachdem sie den Gott der Liebe und Barmherzigkeit erkannte haben, fortan in Seinen Wegen zu gehen und Seinen Willen freudig zu tun wünschen. – Gelobt sei unser barmherziger Gott für Seine Gnade der Vergebung und Errettung!

Nach der Ordnung Melchisedeks

„Geschworen hat der HERR, und es wird ihn nicht gereuen: ‚Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks‘.” – Psalm 110:4

Ein Priester ist im einzig wahren Sinn ein Mittler zwischen Gott und gefallenen Schöpfungen, dessen Aufgabe es ist, zu vermitteln, wiederherzustellen und Harmonie zu schaffen. Um dieses Werk zu vollbringen, muß der Mittler jemand sein, der für beide Parteien annehmbar ist, sonst kann das Werk der Versöhnung nicht durchgeführt werden.

Das Amt des Priesters oder Mittlers zwischen Gott und Menschen ist, ein ganzes Geschlecht zum Tode verurteilter und schon gestorbener oder sterbender Wesen zur Vollkommenheit wiederherzustellen und zur Harmonie mit Gott. Daher muß dieser Priester „mächtig sein, zu erretten”. – Psalm 89:20 Er muß das Recht und die Macht haben, die Toten ins Leben zurückzurufen und die Fähigkeit besitzen, zu unterweisen und zu erziehen und so jeden Willigen zu dem Zustand zurückzubringen, aus dem Adam und durch ihn seine Nachkommenschaft gefallen sind. Um dieses Recht zu sichern, muß er zuerst die Forderung der Gerechtigkeit erfüllen, welche die Vernichtung des Menschengeschlechts forderte, und diese Forderung der Gerechtigkeit konnte nur durch ein Opfer von entsprechendem gleichen Wert erfüllt werden – ein menschliches Leben für ein menschliches Leben. Das Leben Adams und all der in ihm Dargestellten konnte nur durch ein anderes vollkommenes menschliches Wesen erlöst werden. Und so verhielt es sich – „Denn da ja durch einen Menschen [der] Tod [kam], so auch durch einen Menschen [die] Auferstehung [der] Toten.” – 1. Korinther 15:21 Durch das Opfer eines vollkommenen menschlichen Lebens ist somit das Recht des Priesters gesichert – wiederherzustellen.

Aber zusätzlich zu dem Recht oder Vorrecht wiederherzustellen, muß der Priester auch über entsprechende Macht verfügen, und Macht würde zwangsläufig auch sein eigenes ewiges Leben voraussetzen. Er mußte die Macht besitzen, zu erschaffen, weil wiederherzustellen zu dem, was seine Existenz völlig verloren hatte, ein Zurückbringen und sogar ein größeres Werk als das erste Werk der Erschaffung ist. Auch mußte er vollkommene Erkenntnis über Gottes Forderungen und die menschlichen Nöte besitzen und auch eine vollkommene Fähigkeit, das elende Menschengeschlecht zu den Höhen der Herrlichkeit und gesegneten Harmonie und Gemeinschaft mit Gott zurückzuführen.

Was für ein Amt! Wer würde das hinter dem Titel eines solchen Priesters vermuten? Er steht wirklich nur dem Gesalbten Jahwes zu. Sogar Jesus, „hat sich nicht selbst verherrlicht, um Hoher Priester zu werden”, sondern er ist „von Gott begrüßt als Hoher Priester nach der Ordnung Melchisedeks”. – Hebräer 5:5 und 10 Jahwe ehrte ihn, indem Er ihn zu jenem Rang einlud und ihm alle Macht gab, diesen auszufüllen. In Harmonie mit Gottes Plan wurde nicht nur Jesus, Sein Gesalbter, als Haupt der Priesterschaft erwählt, sondern auch mit ihm die „Kleine Herde”, die ihm jetzt im Opfer folgt, die berufen sind, „Mit-Erben” mit ihm der gleichen Ehre zu sein. Wenn wir mit ihm leiden, werden wir auch mit ihm zusammen verherrlicht werden.

Jesus ist allein der Priester, aber erlöst durch seinen Tod und nun teilhabend mit ihm an seinem Opfer und danach in göttlicher Macht werden wir als in ihm gerechnet, und zusammen mit ihm bilden wir den verheißenen Großen Propheten, Priester und König, – den Samen der Verheißung, dem verheißen wurde, die seufzende Schöpfung zu segnen.

Aus diesen Betrachtungen sollte deutlich für alle hervorgehen, daß der wirkliche Priester auch wahrhaft ein König ist, in dessen Hand die absolute Vollmacht gelegt wird. Und bei einer Rückschau auf die Vorbilder oder Illustrationen, die Gott uns gegeben hat, finden wir solch eine Veranschaulichung in Melchisedek, der „ein Priester auf seinem Thron” war. Andere Illustrationen von Christus als ein Priester werden uns bei der Aaronischen Priesterschaft gezeigt, wo die besonderen Züge des erlösenden Opfers vorgeschattet werden – seine Vollkommenheit, seine Vollständigkeit, seine Annehmbarkeit wie auch der Anteil, den die „Kleine Herde” mit ihm an jenem Opfer hat.

Christus wurde nicht als Priester der Aaronischen Priesterschaft ernannt. Die Aaronische Priesterschaft stammte vom Stamm Levi ab, während unser Herr (entsprechend dem Fleisch) vom Stamm Juda abstammte, über den Mose nichts hinsichtlich der Priesterschaft mitgeteilt hat; und die Glieder seines Leibes sind hauptsächlich aus den Nationen gewählt. Als ein natürlicher Mensch war Jesus noch kein Priester, noch sind die Heiligen als Menschen Glieder der Königlichen Priesterschaft, aber als „Neue Schöpfungen” werden sie ihr Amt erhalten und ausführen. Jesus war von der Zeit seiner Taufe an als „Neue Schöpfung” der Priester, Teilhaber der göttlichen Natur, und als ein Priester opferte er seine vollkommene menschliche Natur als ein annehmbares Opfer für Gott. Er weihte oder opferte sich selbst im Opfer, bevor er der Priester wurde, die Salbung war aber notwendig, ihn zu befähigen, sowohl das Opfer zu vollenden, als auch dessen Nutzen für den Menschen einzusetzen. Nachdem die menschliche Natur geopfert worden war, konnte er nichts mehr tun, sie mußte für immer geopfert bleiben; aber die in der Auferstehung völlig entwickelte Neue Schöpfung hat „alle Macht im Himmel und auf Erden”. – Matthäus 28:18

Die Neue Schöpfung, (der Priester), ist nicht nach der Ordnung Aarons; sie führt ihre Abstammungslinie nicht auf irgendeinen menschlichen Ursprung zurück. Diese Tatsache wird in dem Priesteramt von Melchisedek auffallend vorbildlich gezeigt, dessen Abstammungslinie nicht erwähnt wird; und auf diese Weise wird das fortwährende Leben des Christus vorbildlich dargestellt. In diesem Vorbild wird das Werk des Opferns nicht gezeigt, da er den verherrlichten und herrschenden Christus darstellt, nachdem das Werk des Opferns beendet worden und die göttliche Natur völlig vollendet ist.

Im Brief an die Hebräer wird im Kapitel 7 von diesem Melchisedek gesagt, daß er größer als Abraham ist. Auf diese Weise wird gezeigt, daß der göttliche Christus größer sein wird und daher die Fähigkeit besitzen wird, die „Freunde Gottes” auf menschlicher Ebene zu segnen. „Daher kann er [Christus] die auch völlig retten, die sich durch ihn Gott nahen, weil er immer lebt, um sich für sie zu verwenden. Denn ein solcher Hoher Priester paßte auch zu uns: heilig, sündlos, unbefleckt, abgesondert von den Sündern und höher als die Himmel geworden.” [von der göttlichen Natur] – Hebräer 7:25 und 26 Und diese gesegnete Versicherung eines solchen Priesters, der mächtig ist, zu erretten, ist uns von Jahwe mit einem Eid bestätigt worden. – Hebräer 7:21 und Psalm 110:4 Was für einen starken Trost können dann die haben, die zu Jahwes Gesalbtem Zuflucht genommen haben. „Geschworen hat der HERR, und es wird ihn nicht gereuen: ‚Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks!’” Welcher Gläubige könnte dann seinen Titel nicht als einen klaren Hinweis auf die verheißene Wiederherstellung deuten? Und welcher Gerechtfertigte, der sich selbst als ein lebendiges Opfer geopfert hat, könnte seinen Titel nicht als deutlichen Hinweis auf die Miterbschaft mit dem Haupt in dem herrlichen Leib deuten?

„Daher, heilige Brüder, Teilhaber der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohen Priester unseres Bekenntnisses, Jesus,” … „Denn wir sind Teilhaber des Christus geworden, wenn wir die anfängliche Grundlage bis zum Ende standhaft festhalten.” – Hebräer 3:1 und 14

Wir schließen daraus, daß die Aaronische Priesterschaft entsprechende Illustrationen von den Opfern und Leiden des Christus zeigt und den Segnungen, die folgen sollen, während sie als ein System jedoch nicht völlig den herrlichen, immerwährenden und unveränderlichen Charakter seiner Priesterschaft während des Millennium-Zeitalters veranschaulichen. Und aus diesem Grund wurde Melchisedek präsentiert, damit sein herrliches Amt des Priesters gezeigt werden konnte, der König war – ein Priester auf seinem Thron. Auch wird hier der Leib Christi nicht länger als getrennt aus Einzelpersonen bestehend gezeigt, sondern als der EINE, der vollständig ist. Bei dem Werk des Opferns haben wir das Haupt oder den Hohen Priester und die Unterpriester mehr oder weniger getrennt opfern sehen, wie dies bei Aaron und den Unterpriestern dargestellt wird, aber in der zukünftigen Herrlichkeit werden alle vereint sein, wie dies in Melchisedek, der allein gezeigt wird, dargestellt wird.