Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Glaubst du an die Auferstehung der Toten?

„Weil er das Evangelium von Jesus und der Auferstehung verkündigte.” – Apostelgeschichte 17:18 „Als sie aber von Toten-Auferstehung hörten, spotteten die einen.” – Apostelgeschichte 17:32 „Wenn es aber keine Auferstehung der Toten gibt … so ist auch unsere Predigt inhaltslos, inhaltslos aber auch euer Glaube … so ist auch Christus nicht auferweckt … so seid ihr noch in euren Sünden. Also sind auch die, welche in Christus entschlafen sind, verlorengegangen.” – 1. Korinther 15:13 -18

Wenn wir es uns bewußt vor Augen führen, daß das Wort „Auferstehung” nicht weniger als siebenunddreißig Mal im Neuen Testament neben anderen Worten von ähnlicher Aussage benutzt wird; und daß alle bekannten Glaubensbekenntnisse des Christentums den Glauben an die Auferstehung zu einen wesentlichen und bedeutenden Teil der Lehre der Schrift machen und der Hoffnung auf ewiges Leben, dann mag es angesichts dieser Tatsachen und der starken Sprache der zitierten Leittexte, deren Inspiration von allen Christen anerkannt wird, seltsam erscheinen, daß wir irgendeinem Christen die Frage stellen sollten: Glaubst du an die Auferstehung der Toten?

Trotzdem haben wir ernsthafte Gründe, daran zu zweifeln, daß unter Christen tatsächlich ein ausreichender Glaube an die Auferstehung der Toten vorhanden ist; wir glauben, daß die Auferstehung eine sehr wichtige Lehre in ihrem Zusammenhang mit anderen Lehren der Schrift ist, die ein Licht auf andere Lehren werfen kann. Daher haben wir den Wunsch, die Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken und zu einer Prüfung unserer Frage im Licht der Fakten und der Schrift einzuladen. Es ist unsere Hoffnung, daß nach einer sorgfältigen Prüfung des Themas viel mehr von Gottes Volk dazu gelangen, konsequent, logisch und schriftgemäß an eine Auferstehung zu glauben.

Heute wird in den Predigten das Thema Auferstehung kaum erwähnt

„Wie der Priester, so das Volk” – ist ein altes Sprichwort, das andeutet, daß die Ansichten der lehrenden oder klerikalen Klasse über irgendein Thema als allgemeingültig für die Ansichten ihrer Gemeindemitglieder betrachtet werden kann. Es ist nicht schwierig die Ansichten der Pfarrer aller Glaubensbekenntnisse über das Thema der Auferstehung der Toten zu ermitteln, denn obwohl dieses Thema ganz selten für Predigten ausgewählt wird, ausgenommen am Ostersonntag, wird es trotzdem indiskutabel mit jeder Beerdigungszeremonie verbunden, und wir meinen erkennen zu können, daß diese zahlreichen Gelegenheiten uns zu der Feststellung berechtigen, daß die Geistlichkeit aller Glaubensbekenntnisse wie auch die ihnen zugehörigen Menschen nur wenig oder keinen Glauben an die Auferstehung der Toten zeigen.

Es ist wahr, daß es bei jeder Beerdigungsansprache üblich ist, die Worte des Apostels Paulus zu lesen, in welchen er die Auferstehung als die christliche Hoffnung darlegt, aber dies scheint ein bloßes Entgegenkommen seitens des Sprechers zu sein. Er fühlt sich verpflichtet, etwas über dieses Thema vorzulesen, aber seine Erklärungen, die dem Vorlesen folgen, beweisen, daß er glaubt, daß die Person, deren Leichnam zu Grabe getragen werden soll, nicht wirklich tot ist, und sagt seinen Zuhörern, daß auch sie glauben sollten, daß ihr Freund und Nachbar „lebendiger ist als je zuvor”. Tatsächlich spielen sie häufig direkt in die Hände der „Spiritisten” und „Christlichen Wissenschaft”, indem sie der Zuhörerschaft gegenüber erklären, daß der Geist ihres toten Freundes sich mit ihnen in einem Raum befinde und über ihnen schwebe, und wenn es ihm zu reden erlaubt wäre, er zu ihnen sagen würde: „Wischt eure Tränen ab, weint nicht um mich, mir geht es in der Herrlichkeit viel besser.”

Für viele ist der Tod zu einer Einbildung geworden und nicht zur Realität

Tatsächlich ist unter den christlichen Menschen der allgemeine Glaube entstanden, daß der Tod eine Einbildung ist und nicht eine Realität, daß die Menschen nur zu sterben scheinen, aber nicht sterben; daß sie nur einen Wechsel zu einer höheren Form des Lebens erfahren, daß die so genannte „Christliche Wissenschaft” völlig recht hat, wenn sie sagt: „Es gibt keinen Tod”.

Wer auch immer eine solche Ansicht vertritt, glaubt nicht und kann nicht konsequent an die „Auferstehung von den Toten” glauben; denn wenn niemand tot ist, wie kann dann eine Auferstehung der Toten sein? Worin würde der Sinn einer Auferstehung der Toten zum Leben bestehen, wenn sie schon Leben in einem reichlicheren Umfang bekamen, als sie es besaßen, als sie scheinbar starben?

Aber tausende von kirchlichen Dienern würden uns antworten: „Wenn wir von der Auferstehung sprechen, bedeutet es für uns nur eine Auferstehung des Leibes, – daß die Leiber, die wir beerdigen, alle wieder aus den Gräbern hervorkommen und die Geister, die im Tod von ihnen gewichen sind, in jene Leiber in der Auferstehung wieder eingegliedert werden sollen. Dies ist es, was wir unter Auferstehung verstehen.

„Beständigkeit, du bist ein Juwel”

Nun, wer würde solch teilweise Unbeständigkeit bei so vielen gelehrten und gutmeinenden Menschen vermuten? Bevor wir uns mit der schriftgemäßen Seite der Frage beschäftigen werden, um zu zeigen, daß solche Erwartungen im Widerspruch zu den Lehren der Schrift stehen, wollen wir die Aussage dieser Diener im Licht ihrer eigenen Unbeständigkeit prüfen.

  1. Sie sagen uns, daß es dem Verstorbenen „viel besser ergeht”, nachdem er von den „Fesseln des Fleisches” befreit worden ist, und daß jetzt „seines freien Geistes Schwingen, nicht länger durch den sterblichen Staub behindert und verhindert, den Höhenflug zu Gott antreten können”. Sie beschreiben mit enthusiastischen Worten die Großartigkeit und Freiheit und Glückseligkeit jener, die gestorben sind, und die aufgrund der Befreiung vom Leib zum Leben reichlichere, hundertfache Erkenntnis und unbeschreibliche Segnungen empfangen haben.
  2. Im gleichem Atemzug zitieren sie die Schrift, indem sie auf die Auferstehung hinweisend diese Schriftstellen völlig falsch anwenden und uns sagen, daß beim zweiten Kommen unseres Herrn Jesus Christus nach und nach die gleichen Leiber von Fleisch, die begraben wurden, umgestaltet sein werden. Sie sagen uns, daß dann das Geistwesen, das, wie sie behaupten, beim Tod den Leib verließ, dann zu ihm zurückkehren würde, als zu seiner ewigen Wohnstätte.

Insofern das Thema der Auferstehung schriftgemäß dargelegt wird, das großartige und herrliche Ergebnis und die Vollendung unserer Errettung zu sein, fühlen sie sich veranlaßt, über ihre irrige Darlegung der Auferstehung in Ekstase zu geraten und zu erzählen, wie herrlich und großartig das Ergebnis sein wird.

Sie scheinen die Unvereinbarkeit dieser zwei Aussagen gänzlich zu übersehen und erwarten, daß ihre Zuhörerschaft ähnlich ungereimt und unlogisch denkt; und ihre Erwartungen sind meist anscheinend völlig gerechtfertigt, denn die Mehrheit ihrer Zuhörer schlucken die Widersprüche ohne Schwierigkeit. Viele von ihnen scheinen zu denken, daß umso mehr widersprüchlich und unvernünftig ihr Glaube sein mag, umso mehr Grund für sie vorhanden sein mag, sich selbst zu gratulieren, daß sie einen sehr starken Glauben haben. In Wirklichkeit besteht jedoch eine sehr ausgeprägte Leichtgläubigkeit. Sie werden aber keinen Lohn für ihren Glauben an unvernünftige Dinge bekommen, die Gottes Wort nicht gelehrt hat, und die im Widerspruch dazu stehen.

Wer kann, wenn er es will, nicht erkennen, daß der Mensch, der mit fünfzig Jahren stirbt, wenn er mit dem Sterben mehr Leben und eine hundertfältige Erkenntnis und Freiheit erlangt, seine „Schwingen auszustrecken”, über eine Auferstehung traurig und enttäuscht sein würde, weil dies für ihn bedeuten würde, wieder in das Gefängnis der irdischen Wohnung physischer Beschränkungen und menschlicher Begrenzungen zurückzukehren? Und dann, wenn er so für Jahrhunderte ein „freier Geist” geworden war, mit Freiheit durch das ganze Universum zu wandeln, uneingeschränkt von einem Leib und leiblichen Begrenzungen – wo würde die Beständigkeit von Gottes Seite sein, bei einem menschlichen Leib, dessen Stärken und Gebrauch während dieser Jahrhunderte der Freiheit völlig in Vergessenheit geraten sein würden? Und wenn es ohne einen Leib zu besitzen eine „vollkommene Glückseligkeit” ist, wie Beerdigungsredner sagen, wie könnte da noch irgendetwas hinzugefügt werden zur vollkommenen Glückseligkeit durch eine Auferstehung des Leibes und einer Einkerkerung in den Leib?

Die Schriften sprechen von einer einzigen Hoffnung, der gesegnete Hoffnung, der beständigen Hoffnung, die in Aussicht gestellt wird

Aus den vorhergehenden Erklärungen erfahren wir, daß unsere Annahme gerechtfertigt ist, daß die große Mehrheit der christlichen Menschen nicht an eine Auferstehung glaubt – weder an die Aussage der Schrift, „einer Auferstehung der Toten”, noch an das, was sie selbst lehren, nämlich, eine Auferstehung des Leibes. Mit dieser Vorbemerkung zu unserem Thema wenden wir uns den Schriften zu, um durch sie zu erfahren, was „die Auferstehung der Toten” bedeutet, und in welcher Art und Weise und warum die Schriften von der Auferstehung als einer Hoffnung sprechen, der einzigen Hoffnung, der gesegneten Hoffnung, nicht nur für des Herrn Volk, das an der „Ersten Auferstehung” teilhaben soll, sondern auch für die Welt im allgemeinen, die eine Gelegenheit bekommen soll, an der „Auferstehung des Gerichts” teilzuhaben, was in einigen Übersetzungen fälschlich als „die Auferstehung aus der Verdammnis” wiedergegeben wird. – Johannes 5:29

Wer auch immer an die schriftliche Lehre der Auferstehung glauben will, muß auch an die Lehre der Schrift glauben, die sich auf den Tod bezieht, – daß Tod auch Tod bedeutet und damit das Ende des Lebens. Dann, und nicht eher als dann, wird er imstande sein, die Apostelworte in unserem Leittext zu verstehen: „Wenn es aber keine Auferstehung der Toten gibt … sind auch die, welche in Christus entschlafen sind, verlorengegangen.” Auch ist diese Feststellung des Apostels keine Ausnahme oder unterschiedlich von den Lehren der Schriften, die wir anderswo finden. Ihr einstimmiges Zeugnis ist, daß die Toten tot sind; daß „am selben Tag seine Pläne verloren gehen”. – Psalm 146:4 Über die Toten sagen die Schriften im weiteren: „Kommen seine Kinder zu Ehren, er weiß es nicht, und werden sie gering, er achtet nicht auf sie.” – „Denn es gibt weder Tun noch Berechnung, noch Kenntnis, noch Weisheit im Scheol, in den du gehst.” – Hiob 14:21 und Prediger 9:10

Wem sollen wir glauben – Gott oder Satan

Hier besteht ein direkter Konflikt zwischen modernen Lehrern und dem inspirierten Wort, denn die Schriften stellen fest, daß die Toten gar nichts wissen, während die modernen Theologen behaupten, daß sie alles wissen. Die Bibel stellt fest, daß die Toten wirklich tot sind, und daß sie wirklich die göttliche Strafe für die Sünde bekommen haben, die gegen unser Geschlecht verhängt wurde, – „sterbend sollst du sterben”. Die Widersprechenden greifen Satans trügerische Feststellung gegenüber Mutter Eva auf, „ihr werdet sicherlich nicht sterben”, und sie versuchen zu beweisen, daß die Toten nicht tot sind; daß Gottes Strafe gegen Sünde nicht wirksam wurde, und daß der Tod, soweit er als Strafe oder Fluch über unser Geschlecht kommen sollte, ein Segen ist, ein Schritt in einem allgemeinen Prozeß der Evolution. Die zwei Theorien sind soweit voneinander entfernt wie die Pole, und die zwei Lehrer dieser zwei Theorien sind, wie wir gezeigt haben, einerseits Gott und andererseits Satan, der „von Anfang an ein Lügner war”. Wem sollen wir glauben?

Der ganze Plan der Errettung steht mit dieser Frage in Verbindung. Wenn der Tod nicht die durch Adam entstandene Strafe für Sünde war, dann ist das „reichlich vorhandene Leben” nicht der Lohn und Segen Gottes, der durch Christus durch eine Auferstehung sichergestellt wurde. Satans Behauptung, die von des Herrn Volk so weitreichend angenommen wurde, und welche einen so blind machenden Einfluß auf ihren Verstand ausübt, ist in jedem Sinn des Wortes die Umkehrung der göttlichen Feststellung, daß der Tod der Fluch oder die Strafe für Sünde ist; daß Christus starb, um den Menschen von dieser Verurteilung oder diesem Fluch zu befreien, und daß die Befreiung durch die Auferstehung der Toten kommt, die sonst niemals zukünftiges Leben erlangen könnten, wie uns der Apostel in unserem zitierten Leittext sagt. Satans Theorie erklärt den Tod zu einem Segen, der die Fülle des Lebens bringt und Freiheit und Freude, und macht die Auferstehung zu einem Gefängnis bringenden Fluch, einer Schwierigkeit und Beschränkung und Schmerz und Sorge.

Der Apostel predigte Jesus und die Auferstehung

Wen wundert es da, daß durch diese Täuschung des Widersachers geblendet, die Mehrheit der großen Theologen der Christenheit und ihre vielen Nachfolger sich in schneller Folge von der Lehre der Versöhnung abwenden, welche erklärt: „denn da ja durch einen Menschen [Adam] (der) Tod (kam), so auch durch einen Menschen [den Menschen Christus Jesus] (die) Auferstehung (der) Toten.” Denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden.” – 1. Korinther 15:21 und 22

Wenn die Realität des Todes bestritten wird, ist es nicht mehr schwierig, die Realität der Sünde zu leugnen. Wenn behauptet wird, daß Vater Adam nicht in dem Bild und der Ähnlichkeit Gottes erschaffen wurde, sondern in einem sehr engen Abbild eines Affen, folgt, daß er in jenem niedrigen Zustand der Intelligenz nicht zur Prüfung auf ewiges Leben geeignet war; und es ist nur ein weiterer Schritt zu bestreiten, daß er jemals eine Prüfung hatte, und daß er je sündigte und aus der Gnade fiel. Und wenn der Sündenfall bestritten und stattdessen die Behauptung verbreitet wird, daß der Mensch sich wirklich weiterentwickelt hat, sogar bis zum heutigen Tag; – daß er seine Ähnlichkeit mit einem Affen verloren und die Ähnlichkeit mit Gott erlangt hat, dann ist es auch ein Leichtes, konsequent den nächsten Schritt zu tun und zu erklären, daß keine Notwendigkeit besteht, den Menschen vom Fall zu erlösen, da er nie gefallen ist.

Und mit all solchen Überlegungen, die aufgrund einer falschen Schriftgrundlage entstanden sind, scheint es aus ihrer Sicht daher logisch zu sein, die oft wiederholten Erklärungen des Wortes Gottes zu bestreiten, daß unser Herr Jesus unser Erlöser ist, und daß „er die Sühnung für unsere Sünden [der Kirche Sünden] ist, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt”. – 1. Johannes 2:2 Er gab für uns sein eigenes Leben als einen entsprechenden Preis zum Lösegeld, damit er das vertane Leben von Adam zurückkaufen möge.

Auf diese Weise erkennen wir, daß die führenden Lichter der Christenheit von heute beide grundsätzlichen Kennzeichen des Evangeliums ablehnen, die der Apostel vor langer Zeit predigte: „Er predigte Jesus und die Auferstehung” – Jesus als den Erlöser der Menschheit von Sünde und seinem Fluch, dem Tod – und der Auferstehung als Resultat jenes Erlösungswerkes, durch die die Segnungen des Erlösungswerkes sichergestellt wurden durch das Erlösungsopfer, das für jeden anwendbar und verfügbar gemacht werden wird, der bereit ist, das ewige Leben zu den Bedingungen dieses Zeitalters anzunehmen. Wir werden hier an die eigenen Worte unseres Herrn erinnert, der den Unglauben zur gegenwärtigen Zeit vorhersagte: „Wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?” – Lukas 18:8

Die fünf Sinne in Übereinstimmung mit den Schriften

Die den Tod betreffenden Erklärungen der Schrift sind in völliger Übereinstimmung mit dem Zeugnis der fünf Sinne, die uns von unserem Schöpfer gegeben worden sind; und es ist dies, was wir erwarten sollten, obgleich wir bereit sein sollten, die Möglichkeit einzuräumen, daß unsere Sinne sich irren können, wenn die göttliche Offenbarung unseren Sinnen widerspricht. Wenn aber unseren Sinnen durch menschliche Theorien widersprochen wird, die sich im Gegensatz zu den Feststellungen der Schrift befinden, dann sollte die Theorie verworfen werden und das Zeugnis der Sinne für wahr gehalten werden. Und wenn die Schriften und unsere Sinne zusammen in einem Zeugnis übereinstimmen, dann ist es sicherlich falsch, an einer menschlichen Theorie festzuhalten, die sowohl der göttliche Offenbarung als auch unseren eigenen Sinne widerspricht. Und wer sich auch immer dabei seinen von Gott gegebenen Sinnen und dem göttlichen Zeugnis widersetzt, kann nichts anderes erwarten, als in die Finsternis und ins Straucheln fehlgeleitet zu werden. Heute wie vor zwanzig Jahrhunderten leiten die Blinden Blinde in den Graben des Unglaubens und Irrtums.

„Wie diese sterben, so stirbt jenes, einen Odem haben sie alle”

Das Zeugnis unserer Sinne ist wie das Zeugnis von Gottes Wort, daß der Tod den Verlust des Lebens bedeutet, und nicht eine Zunahme des Lebens. Beobachten wir einen Sterbenden und geben acht auf seine abnehmenden geistigen und körperlichen Kräfte, bis der Funke des Lebens erlischt. Wir können nichts von ihm fortgehen sehen, wir können nichts hören, als das Todesröcheln; wir können fühlen, wie der Puls nach und nach zum Stillstand kommt und sein Ringen nach Atem; und wir können mit all unseren Sinnen den Zustand prüfen, und sie überzeugen uns davon, daß unser geliebter Freund tot ist und nicht mehr lebt. Wir schauen uns um und studieren das Thema und fragen unter anderem: „Was kommt als nächstes?” Die Antwort an unsere Sinne ist, „das Nächste, nachdem der Funke des Lebens erloschen ist, ist der Beginn der Zersetzung des Leibes”. Der Leib muß beerdigt werden; „Staub zu Staub und Asche zu Asche”. Wir bemerken die Ähnlichkeit zwischen dem Tod unseres geliebten Freundes und dem Tod eines wilden Tieres, und unsere Sinne können keinen Unterschied zwischen ihnen feststellen, wie auch die Schriften erklären, „denn das Geschick der Menschenkinder und das Geschick des Viehs – sie haben ja ein (und dasselbe) Geschick – wie diese sterben, so stirbt jenes, und einen Odem [Odem des Lebens] haben sie alle.” – Prediger 3:19

Aber mit der Sehnsucht nach einem zukünftigen Leben, das durch unseren Schöpfer in unsere Natur eingepflanzt wurde, fragen wir: Gibt es keine Hoffnung, hat der Mensch keinen Vorzug vor dem wilden Tier? Die Schriften antworten auf unsere Frage und versichern uns, daß im körperlichen Sinn gesprochen der Mensch keinen Vorzug vor den Tier hat. Aber die Schriften versichern uns, daß, obwohl die Menschheit nicht irgendeine Kraft des Lebens besitzt, welche über die des Tieres hinausgeht, hat der Schöpfer trotzdem Vorsorge für den Menschen getroffen, die Er nicht für das Tier machte. Jene Vorsorge ist es, nach der wir uns sehnen, nämlich ewiges Leben. Die Schriften zeigen uns, daß diese Vorsorge für das ewige Leben des Menschen von unserem Herrn zu Anfang getroffen wurde – aber nicht durch das Einprägen einer Eigenschaft der Unsterblichkeit in den menschlichen Körperbau, sondern durch die Vorsehung der lebenserhaltenden Bäume des Gartens Eden, den Mitteln zur Fortsetzung seines ewigen Lebens. Allerdings war diese Vorsehung bedingt abhängig vom Gehorsam des Menschen gegenüber seinem Schöpfer. Die Schriften zeigen, daß der Ungehorsam des Menschen das Todesurteil über ihn brachte, und daß die Ausführung jenes Urteils durch die Vertreibung aus dem Garten und den Verlust der lebenserhaltenden Früchte der Bäume bewirkt wurde. So kam das Urteil, „Sterbend sollst du sterben”, zur Ausführung und wirkte sich allmählich über Adam aus, der fast bis zum Ende des ersten Tausendjahr-Tages lebte. Seine Nachkommenschaft wurde von Generation zu Generation schwächer und schwächer und ist heute (trotz vieler Fortschritte in der Wissenschaft und Medizin und sanitären Einrichtungen) zurückgegangen zu einem heutigen Durchschnittsalter von ungefähr 80 Jahren – „und ihr Stolz ist Mühe und Nichtigkeit, denn schnell eilt es vorüber”, und sie sind schon bald „von dem Land der Lebendigen abgeschnitten”, um in „das Land des Feindes” zu gehen – in das große Gefängnishaus des Todes, in dem sich schon Milliarden von Toten unseres Geschlechts befinden; „wo die Gottlosen vom Toben ablassen und dort ruhen, deren Kraft erschöpft ist”. – Hiob 3:17 – 19

„Jesus starb, der Gerechte für den Ungerechten”

Die Schriften antworten auf unsere Fragen, welche die Toten betreffen. Während sie uns versichern, daß das göttliche Todesurteil gerecht war, erklären sie trotzdem, daß unser Schöpfer ein Gott der Barmherzigkeit und des Mitgefühls ist, und daß, als es kein Auge des Mitleids und keinen Arm zur Befreiung für uns gab, Sein Arm uns Errettung brachte. Die Schriften weisen mehrfach auf unseren Herrn Jesus Christus als den Arm Jahwes hin, der zu unserer Befreiung von Sünde und Krankheit und Schmerzen und Trübsal und zu unserer Befreiung aus dem Gefängnishaus des Todes und unserer Wiederherstellung zu den Freiheiten und Vorrechten der Söhne Gottes ausgestreckt wurde.

Es war in Übereinstimmung mit dem göttlichen Mitleid, daß Gott zur bestimmten Zeit Seinen einzig gezeugten Sohn zu unserer Erlösung in die Welt sandte, für uns den Erlösungspreis zu geben, und schließlich alle wiederherzustellen, welche die göttliche Barmherzigkeit von all den Folgen des Falles durch die Auferstehung von den Toten annehmen würden. Aber die göttliche Liebe durfte nicht der göttlichen Gerechtigkeit Schaden zufügen. Es war notwendig, daß Gott gerecht sein sollte, wenn Er der Rechtfertiger jener sein würde, die an Jesus glauben; daher die Forderungen der Gerechtigkeit, daß – die Strafe für Sünde – von unserem Erlöser bezahlt werden mußte, bevor das Werk der Befreiung und Wiederherstellung beginnen konnte. Und wir haben hier den besten Beweis hinsichtlich dessen, was Sünde ist, und was sie nicht ist, weil, seitdem unser Herr für uns die gerechte Strafe für Sünde bezahlt hat, das, was er für uns niederlegte, beweisen kann, was die Strafe gegen uns war. Was tat er für uns? Die Schriften antworten, daß er sein Leben für uns gab. „Er starb für unsere Sünden”, … „der Gerechte für den Ungerechten”. „Er schüttete seine Seele aus in den Tod, … machte seine Seele zu nichts … , und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden”. – Jesaja 53:4 – 6, 10 und 12

Nichts ist offensichtlicher, als daß unser Herr als Preis für unsere Erlösung keine ewige Qual erlitt. Wenn diese Sache einen Beweis benötigen würde, so haben wir hier den Beweis, daß ewige Qual nicht die Strafe für unsere Sünden war. Im Gegenteil ist die Tatsache, daß unser Herr Jesus für unsere Sünden starb, und daß der Himmlische Vater das Opfer seines Lebens, das er für uns gab, annahm, der Beweis, daß es sich um unser Leben handelte, das durch die Sünde verwirkt worden war, daß die völlige Strafe des göttlichen Gesetzes gegen uns, als ein Geschlecht, der Entzug des Lebens war. Das ganze Geschlecht ist unter dem Todesurteil in das große Gefängnishaus des Todes hinabgestiegen, in das Grab, den sheol, den hades. Und so ging auch unser lieber Erlöser, als er sein Leben für uns gab, in den sheol, den hades, das Grab. Er nahm unseren Platz ein und erlitt für uns die Strafe für unsere Sünden.

Aber da Jesu Tod uns von dem Todesurteil erlöst, wurde seine Auferstehung zur Versicherung der Rechtfertigung all jener, die ihn annehmen und ihm gehorchen. Der Himmlische Vater gab uns damit den Beweis dafür, daß der Erlösungspreis völlig zufriedenstellend war, und unser Herr, der so gehorsam gegenüber dem Vater war, vom Tod auferweckt wurde und als des Vaters Botschafter und Repräsentant bald das Werk der Segnung der ganzen Welt beginnen wird, die durch sein kostbares Blut erlöst wurde.

Das Gefängnishaus des Todes soll geöffnet und die Gefangenen freigelassen werden

Die Segnung der Welt bedeutet das Aufbrechen des Gefängnishauses und die Befreiung der Gefangenen, die sechstausend Jahre lang in das Gefängnishaus des Todes gegangen sind. Aus diesem Grund wird unser Herr der Lebengeber genannt, weil sein großes Werk für die Menschheit, die das Leben in Adam verlor, Leben zurückgeben wird. Und da die Wiederherstellung des Lebens für die Menschheit die Beseitigung von Schmerzen und Krankheiten und Trübsalen bedeuten wird, die ein Teil des Sterbeprozesses sind, wird unser Erlöser auch als der große Arzt bezeichnet.

Die Prophezeiung, die das Aufbrechen des Gefängnishauses des Todes erwähnt und die Freilassung ihrer Gefangenen, wurde unbestreitbar von unserem Herrn in Bezug auf ihn selbst angewandt – Jesaja 42:7 -; aber er öffnete nicht das Gefängnishaus des Todes und setzte bei seiner eigenen Auferstehung nicht alle Gefangenen sogleich frei. Er sagt uns aber, wann dieses Werk ausgeführt werden wird. Wir lesen in Johannes 5:25 – 29: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, daß die Stunde kommt und jetzt da ist, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, [die seiner Stimme dann gehorchen werden] werden leben.”

Unser Herr ging so über die Zwischenzeit des Evangelium-Zeitalters hinweg und wies auf die großartige Vollendung seines Werkes im kommenden Zeitalter hin, weil dies so des Vaters im Voraus bestimmter Plan war. Der Vater sandte den Sohn, und der Sohn übernahm willig das Werk der Erlösung zu einer im Voraus hinreichenden Zeit, der „Zeiten der Wiederherstellung”, oder der Auferstehung und der allgemeinen Segnung der Welt, während der Herrschaft des Messias, um die Zwischenzeit dieses Evangelium-Zeitalters einem anderen Werk zu widmen, nämlich, zur Herauswahl einer „kleinen Herde” aus der Welt, einem „Königlichen Priestertum”, einem „besonderen Volk”, einer „heiligen Nation”, um Miterben mit Christus Jesus ihrem Herrn an den Ehren des Mittler-Königreichs zu werden. Diese werden mit dem Erlöser an dem großartigen und herrlichen Werk der Vernichtung des Fürsten der Finsternis und des Öffnen des Gefängnishauses des Todes verbunden sein, um die Gefangenen der Sünde und der Unwissenheit und des Aberglaubens freizusetzen, und in der allgemeinen Erfüllung der Vorsehungen der großartigen Verheißungen, die Gott Vater Abraham machte, daß „in seinem Samen [Christus und seinem auserwählten Leib, der Kirche] alle Geschlechter der Erde gesegnet würden”. – Galater 3:8, 16 und 29

„Glückselig und heilig, wer teilhat an der ersten Auferstehung”

Dies bringt uns zu der Schriftaussage, daß es eine erste, eine hauptsächliche oder besondere Auferstehung gibt und eine allgemeine später. Die erste oder Hauptauferstehung schließt die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus und aller seiner Auserwählten, „der Kirche, welche sein Leib ist”, ein – niemanden mehr, niemanden weniger. „Glückselig und heilig, wer teilhat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen die tausend Jahre”, – die Messianische Königreichs-Klasse. Solche, die an dieser ersten Auferstehung teilhaben werden, werden einen sofortigen „Wechsel” von der menschlichen Natur zur göttlichen Natur erfahren – der höchsten der geistigen Naturen, nicht menschlich, nicht von Fleisch und Blut, denn „Fleisch und Blut können das Königreich Gottes nicht erben”. Ihre Prüfung und Verbesserung des Herzens findet vorher statt, und nur die „Überwinder” werden diesen Segen bekommen. Auf einige Eigenschaften dieses Wechsels wird von dem Apostel als ein Wechsel von Schwachheit zu Kraft, von Unehre zur Herrlichkeit, von der Verweslichkeit zur Unverweslichkeit, vom natürlichen (menschlichen) Leib zu einem geistigen Leib, hingewiesen.

Die Zeit für diese beste oder Hauptauferstehung wird überall in den Schriften als am Ende des Evangelium-Zeitalters angezeigt, zu der Zeit, in der die ganze Evangeliumskirche vollständig vollendet sein wird. Dies schließt die lebenden Glieder ein, deren „Wechsel” zur geistigen Natur augenblicklich geschehen wird, so daß der Augenblick ihres Sterbens als menschliche Wesen der Augenblick ihres „Wechsels” zu vollkommenen geistigen Wesen sein wird. Zwischendurch erklären die Schriften, daß des Herrn Volk, das gestorben ist wie die übrige Menschheit, als menschliche Wesen wirklich tot sind und nichts wissen; aber da Gott für ihre Auferstehung Vorsorge getroffen hat, und da sie diesbezüglich informiert worden sind und darauf hoffen, wird von ihnen nur als von Schlafenden gesprochen – die von ihren Arbeiten ausruhen und auf den Siegeskranz der Gerechtigkeit warten, den der Herr, der gerechte Richter, mir (als Belohnung) geben wird an jenem Tag: nicht allein aber mir”, wie der der Apostel erklärt. – 2. Timotheus 4:8

Und ähnlich verhält es sich bei der Menschheit, von der, obwohl sie bisher nichts von dem Herrn wissen, als „in Jesus entschlafen” gesprochen wird. Und wie die gesamte durch Adam unter dem Todesurteil stehende Welt zur Zeit des Urteils ohne Erkenntnis oder Willenskraft war, denn sie waren in den Lenden ihres Vaters Adam, so ist es auch jetzt, nachdem Jesus sein Leben als ein Lösegeld für alle niederlegte und sie alle vom Tod auferweckt werden sollen, angebracht von all jenen, die sich in der Zwischenzeit der göttlichen Vorsorge für das Erwachen befinden, von der Zwischenzeit im Glauben bildlich als von einem Schlaf zu sprechen. So ermahnt uns der Apostel Vertrauen und Hoffnung in die Auferstehung zu haben hinsichtlich all unserer lieben Freunde, die in das Gefängnishaus des Todes gehen und nicht nur bezüglich jener, die in Jesus Christus geheiligt waren, welche in der Regel nur einen kleinen Teil jener einschließen würde, für die wir geneigt sein würden, bekümmert zu sein. Er sagt: „Wir wollen euch aber, Brüder, nicht in Unkenntnis lassen über die Entschlafenen, [alle unsere schlafenden Freunde] damit ihr nicht betrübt seid wie die übrigen, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, daß Jesus gestorben [als ein Lösegeld für alle] und auferstanden ist, [als Herr und Lebengeber für alle] wird auch Gott ebenso die Entschlafenen [alle die er mit seinem kostbaren Blut erkauft hat] durch Jesus mit ihm [aus dem Gefängnishaus des Todes] bringen.” – 1. Thessalonicher 4:13 und 14

Die allgemeine Auferstehung soll ein Aufrichten durch Gericht sein

Wie aber die erste Auferstehung die Auferstehung der Gesegneten und Heiligen sein wird, der in Christus Jesus Geheiligten seines Leibes, so wird die allgemeine Auferstehung, die für die Welt ist, als eine „Auferstehung des Gerichts” bezeichnet, die in verschiedenen Übersetzungen unrichtig als „Auferstehung zur Verdammnis” betitelt wird. Sie wird als eine „Auferstehung des Gerichts” bezeichnet, weil Gott sie so vorbereitet hat, der Menschenwelt eine vollwertige Auferstehung oder Wiederherstellung zu garantieren zu all dem, was Adam zuerst besaß (und durch seinen Ungehorsam verlor), um durch das kostbare Blut unseres Erlösers wiederhergestellt zu werden. Es gibt jedoch bestimmte Bedingungen, von denen diese Segnungen abhängig sind, nämlich, die Bedingungen des Neuen Bundes.

Gott beabsichtigt nicht irgendjemand anderen ewiges Leben durch Christus zu geben, als denjenigen, die dies ernsthaft wünschen, und deren Herzen mit den Prinzipien der Gerechtigkeit in Übereinstimmung sind, welche immer das Gesetz der göttlichen Herrschaft sind. Wenn daher die Welt vom Todesschlaf erwacht ist, so bedeutet dies nicht die Auferstehung, sondern zunächst viel weniger; denn Auferstehung im völligen und vollständigen Sinn der Schriften bedeutet ein vollständiges Auferstehen aus der Sünde und dem Tod zur Vollkommenheit des Seins, zur Vollkommenheit des Lebens.

Das erste Werk das Christus und die Kirche in der Welt für jene durchführen wird, die in den Tod, in das Gefängnis, gegangen sind, wird in ihrer Auferweckung zu den physischen Bedingungen bestehen, die denen entsprechen, in denen sie starben. Die Zustände der Gesellschaft werden sich dann sehr verbessert haben. Erkenntnis wird den Platz von Unwissenheit eingenommen haben. Die Herrschaft der Gerechtigkeit und des Gesetzes der Liebe wird zu jener Zeit die Herrschaft der Sünde, die unter dem Gesetz der Selbstsucht stand, ersetzt haben. Satan wird gebunden sein, damit er für tausend Jahre lang die Nationen nicht mehr täuschen kann. Unter den günstigen Bedingungen jenes Mittler-Königreichs wird die ganze Menschheit aufgefordert sein, Fortschritte in der Erkenntnis des Herrn zu machen und ihre eigenen Herzen und ihr eigenes Leben in Übereinstimmung mit Seinem Gesetz der Liebe zu bringen. Wer dann keine Anstrengungen in die rechte Richtung machen will, wird nach hundert Jahren vom Leben abgeschnitten werden im Zweiten Tod, obgleich er unter den veränderten Bedingungen passenderweise nur als ein Jüngling betrachtet werden kann.

Aber während das Gericht sich so gegen diejenigen richtet, die es versäumt haben, Fortschritte zu machen, und ihre weitere Gelegenheit abkürzen wird, wird das gleiche Gericht durch den gleichen Richter sich gegenüber allen, die nach Gerechtigkeit streben und in Harmonie mit den Gesetzen des Königreichs Fortschritte machen, als günstig erweisen. So werden sie Jahr für Jahr geistig, körperlich und moralisch wachsend stärker werden und sich allmählich dem völligen Maß des vollen Manneswuchses nähern, dem Bild und der Ähnlichkeit des Schöpfers, wie dies zuerst in Vater Adam dargestellt wurde. So wird die Auferstehung, soweit sie die Welt betrifft, ein allmählich verlaufendes Werk sein. Der erste Schritt wird ein Erwachen aus dem Schlaf der Bewußtlosigkeit und dem Nichts sein, und der nachfolgende Schritt wird nach der Richtlinie des Gerichts vollzogen werden. Das Verhalten jener, die in der Prüfung stehen, wird entweder als bewährt oder als unbewährt befunden werden, und es wird entweder in ihrer Verurteilung zum Zweiten Tod gipfeln als unbelehrbar und der Gabe Gottes, des ewigen Lebens, unwürdig – oder in ihrer Vollkommenheit und ihrer endgültigen Erscheinung würdig zu sein, sich des großen Segens des ewigen Lebens unter den gesegneten Bedingungen, die dann zu herrschen verheißen sind, zu erfreuen. Dann wird niemand mehr seufzen, niemand mehr sterben, niemand mehr weinen, weil es keine Sünde mehr geben wird und keine Strafe für Sünde, denn das Erste ist vergangen. – Offenbarung 21:4

Der Zustand des Toten wird als ein Schlaf bezeichnet

Der Zustand all der Toten von der Zeit an, in der das Auferstehungswerk beginnt, ist ein Zustand der Bewußtlosigkeit: „Denn es gibt weder Tun noch Berechnung, noch Kenntnis, noch Weisheit im Scheol, in den du gehst”; „Kommen seine Kinder zu Ehren, er weiß es nicht, und werden sie gering, er achtet nicht auf sie”. Von jedem der Patriarchen der Vergangenheit steht geschrieben, „er legte sich zu seinen Vätern”; „er entschlief”. Und im Neuen Testament finden wir einen ähnlichen Bericht, der besagt, daß, „Stephanus entschlief”. Der Apostel Paulus sagt von jenen, die den Herrn nach seiner Auferstehung sahen: „Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten bis jetzt übriggeblieben, einige aber auch entschlafen sind.” Und wiederum spricht er von einigen, die „in Christus entschlafen sind” und unterscheidet hier zwischen der Kirche, die in Christus sind, als Glieder seines Leibes und der Menschenwelt im allgemeinen, „die in Jesus schlafen”. – Prediger 9:10, Hiob 14:21, 1. Könige 2:10 und 11:43, Apostelgeschichte 7:60, 1. Korinther 15:6 und 18 sowie 1. Thessalonicher 4:14

Der Apostel zeigt, daß dieser Schlafzustand sogar in Bezug auf die Kirche bis zur Zeit des zweiten Kommens Christi vorherrschen wird, indem er uns versichert, daß die lebenden Glieder der Kirche zur Zeit des zweiten Kommens nicht vor jenen, die in den Schlaf gefallen sind, gesegnet werden, sondern umgekehrt, die Lebenden, die übrigbleiben, „den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden, denn die Toten in Christo werden zuerst auferstehen, danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, gesegnet werden und schließlich unseren „Wechsel” erfahren.”

„Du säst nicht den Leib, der werden soll”

Der Augenblick des Erwachens wird für die Erwachenden wie der nächste Augenblick nach ihrem Tod erscheinen – „denn es gibt weder Tun noch Berechnung, noch Kenntnis, noch Weisheit im Scheol”. Die Leiber, in denen die Welt auferweckt wird, werden praktisch die gleichen sein wie diejenigen, die starben, obwohl es nicht die gleichen Atome des Stoffes sein werden, denn in den Händen unseres Schöpfers ist ein Atom ebenso gut wie ein anderes bei diesem großen Werk. So sagt der Apostel: „Du säst nicht den Leib, der werden soll”. Die Leiber der Erwachenden der Welt werden wirklich in dem Sinn neue Leiber sein, daß sie unterschiedliche Atome des Stoffes sind, aber sie werden alte Leiber sein in dem Sinn, daß sie Duplikate sein werden von jenen, die starben und zu Staub wurden. Wir dürfen uns nicht wundern, daß der weltliche Geist, der Gott nicht kennt und auch nicht Seine Macht, dem Gedanken der Auferstehung kritisch gegenübersteht. Es wird ein höchst erstaunliches Werk sein, bei weitem wundervoller als die ursprüngliche Erschaffung des Menschen. Und so wird es auch für die Menschenwelt sein und ebenso für die Engel des Himmels, die großartigste Bekundung, die jemals über die Allmacht Gottes gegeben wurde.

Er, der im Anfang den Menschen nach seinem eigenen Bild erschuf, besitzt nicht nur die Macht ihn wiederum aus dem Staub des Erdbodens zu erschaffen und den Funken des Lebens wieder zu entzünden. Noch mehr als dies, wird Er Seine Allmacht und Seine unbegrenzte Weisheit zeigen bei der Wiederherstellung des Gedächtnisses eines jeden Wesens, wie es jetzt besteht, in welchem die Ereignisse und Umstände, die in dem gegenwärtigen Leben gemacht wurden, übertragen werden – so wie es bei einer Audio- oder Videoaufnahme in einer Datei geschieht, in der die Worte und Ereignisse festgehalten sind, die zu jeder Zeit und an jedem Ort reproduziert werden können. Nur ein Wesen, dem keine Grenzen gesetzt sind, konnte die Macht beanspruchen, so jeden Gedanken der Milliarden Menschen zu reproduzieren. Er, von dem erklärt wurde, daß Er jedes einzelne Haar unseres Hauptes kennt und seine Zahl, und daß ohne Seine Kenntnis kein Sperling zu Boden fallen kann – nur Er kann so große und wundervolle Werke tun; und nur, wenn wir gelernt haben, Ihm durch die Offenbarung Seines Wortes zu vertrauen, können wir Glauben an solch ein gewaltiges Wunder geltend machen, das, wie Er verheißen hat, stattfinden wird.

Es ist nicht logisch oder vernünftig, zu erwarten, daß alle Menschen der Welt gleichzeitig auferweckt werden, sondern viel eher, daß das erste Werk des Messianischen Königreichs mit denen beginnen wird, die noch nicht ins Grab gegangen sind, sich aber trotzdem im Tod befinden. Wir sollten uns das so vorstellen, daß sie nicht völlig frei von der Macht des Todes sind. Wenn das Werk der Wiederherstellung bei diesen bis zu einem bestimmten Maß Fortschritte gemacht haben wird, mögen wir erwarten, daß einigen von jenen, die erst vor Kurzem im Tod entschlafen sind, auferweckt werden und an den Segnungen jenes herrlichen Tages teilhaben werden. Später werden weitere und danach noch weitere auferstehen, bis es schließlich wahr sein wird, daß an jenem Tag, dem Tag Christi, „alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören” und dem Aufruf gehorchen werden, „Komm heraus!” und zur Erkenntnis der Güte und Liebe und Barmherzigkeit Gottes gebracht werden sollen, und, wenn sie wollen, schließlich zur Vollkommenheit der menschlichen Natur – auf der Erde, die inzwischen zu einem Paradies Gottes für Seine menschliche Familie zubereitet worden ist.

Bis dahin ergeht die eindringliche Aufforderung an alle, die im gegenwärtigen Zeitalter „gerufen” wurden, daß wir danach trachten sollen, „unsere Berufung und Erwählung festzumachen” zu einem Platz in der Königreichs-Klasse zu einem Wechsel der Natur von der menschlichen zur göttlichen Natur, um so unter der göttlichen Anordnung das Recht auf einen Anteil an der „Ersten Auferstehung” zu erlangen – der Hauptauferstehung zur Vollkommenheit der göttlichen Natur mit ihrer Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit.

Die Wichtigkeit ein Vorbild zu sein

„Niemand verachte deine Jugend, vielmehr sei ein Vorbild der Gläubigen im Wort, im Wandel, in Liebe, im Glauben, in Keuschheit!”. – 1. Timotheus 4:12

Wir erinnern daran, daß Timotheus, obgleich noch jung an Jahren, ein Ältester in der Kirche war. Daher war es angebracht, daß Paulus seinem Verstand einprägte, daß er ein Vorbild für die Gläubigen sein sollte, ein Vorbild für die ganze Kirche; und solch eine Anweisung wird auch an anderer Stelle des Briefes erteilt. Aber beachten wir, daß der Apostel in unserem Leittext nicht sagt: „Sei ein Vorbild gegenüber den Gläubigen, sondern „sei ein Vorbild der Gläubigen”. Was für ein Unterschied!

Ein Vorbild der Gläubigen zu sein, bedeutet, daß jemand dies nicht nur für seine Mitarbeiter am Evangelium sein sollte, sondern besonders gegenüber der Welt, bei allem, wofür die Gläubigen einstehen – was sie glauben, was sie lehren, und wie sie leben. Wir sollten ihnen zu verstehen geben, daß wir ein solches Vorbild, wie der Apostel es vorschreibt, im Wort und im Charakter unserer Sprache zeigen, wenn wir die Botschaft der Wahrheit erklären. Wir sollen nicht glattzüngig und ungepflegt sein, wir sollten nicht nur gefällige Worte benutzen; sondern die gezeigte Freundlichkeit und das gezeigte Interesse sollte echt und von Herzen sein. Es sollten alle von des Herrn Volk solche Vorbilder sein, die danach streben, das Lob unseres Meisters zu verbreiten.

Paulus fordert im Weiteren dazu auf: „Sei ein Vorbild im Wandel.” Dieses Wort Wandel bezieht sich nicht nur auf die Sprache, wie sie jetzt benutzt wird, denn die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes ist „Verhalten”. Unser Verhalten bezieht sich auf die Art und Weise, in der wir wandeln, in der wir in unserem allgemeinen Benehmen handeln und nicht auf unsere Worte allein. Wir sollen ein Vorbild sein in der Behutsamkeit der Haltung. Wir sollten gegenüber anderen keine Türen zuschlagen noch ungestüm sein, noch ungehobelt, noch gedankenlos. Auf jede Art und Weise sollten wir sanft und freundlich und taktvoll sein und nicht unhöflich.

Laßt euer Licht scheinen

Diejenigen, die zu der Neuen Natur gezeugt worden sind, sollten danach streben, für jeden Vorbilder von dem zu sein, was Christen sein sollten. Die Art und Weise der Ausführung unseres Werkes sollte ehrenhaft sein. Auch wenn es sich um ein zeitliches Werk handelt, sollte es doch als dem Herrn getan werden, sorgfältig, treu, nicht bloß als Menschengefälligkeit, sondern in Einfalt des Herzens, als Diener Gottes; „denn wir dienen dem Herrn Christus”.

Der Wandel des Christen sollte in Nächstenliebe – Liebe – in Mitleid, Wohlwollen, in Freundlichkeit im Wort und in der Haltung geschehen. Ein allgemein mitfühlender Geist sollte seine Worte und Taten und sein ganzes Benehmen durchdringen. Der Himmlische Vater liebte die Menschheit, während sie doch Sünder waren. Er liebte das Menschengeschlecht so sehr, daß Er den kostbarsten Schatz Seines Herzens zur Wiederherstellung des Menschen gab. Und Er liebt die Welt noch und befähigt die Kirche, in der Zukunft der Segenspender der Welt zu sein. So sollte jeder, der vom Geist des Herrn gezeugt ist, einen umgestaltenden Einfluß auf das Werk im Leben haben – einen Einfluß, der sich sogar jenen, die außerhalb des Weges gehen, und die noch nicht mit dem Licht Gottes gesegnet worden sind, offenbar wird.

Unser Leittext sagt auch: „Sei ein Vorbild im Geist”. Die Redensart „im Geist” finden wir nicht in der Originalschrift, aber der Gedanke scheint wichtig zu sein, daß wir in der Einstellung gegenüber allen Menschen eine Freundlichkeit des Geistes zeigen sollen. Der Geist, der uns beseelt, sollte zu jeder Zeit der Geist, der Sinn des Herrn, sein.

Wir sind dazu aufgefordert, Vorbilder „im Glauben” zu sein. Des Apostels Aufforderung betrifft uns alle. Der christliche Glaube zeigt sich auch gegenüber anderen in seiner Haltung, seinen Worten, seinem Lebenslauf. Wenn ein Christ völligen Glauben besitzt, wird er über die Erfahrungen des Lebens und über die Vorsehungen des Herrn, wie diese sich auch äußern mögen, nicht murren. Der Allmächtige hat uns als Seine Kinder angenommen. Wir sollten fortgesetztes und bedingungsloses Vertrauen in Ihn setzen, und wer wahren Glauben hat, hat dieses Vertrauen. Wenn irgendeinem von uns der Glaube an Gott fehlt, sollen wir nicht Glauben an andere zeigen noch Glauben an sie inspirieren.

Wir sollen Vorbilder „in Keuschheit” (Reinheit) sein. Es gibt eine Reinheit, die alle mit Gott und Seinem Wort verbindet – eine Erhabenheit des Niveaus, das sonst nirgendwo zu finden ist. Es gibt Menschen in heidnischen Ländern, die ein mehr oder weniger reines Leben führen, aber es gibt nirgendwo ein so hohes Niveau wie in der christlichen Religion. Jede Unreinheit steht im Gegensatz zu Gott. Reinheit ist eines der Grundelemente des christlichen Charakters. Wie der Apostel bei anderer Gelegenheit sagte, müssen wir „zuerst rein sein, sodann friedvoll und milde”.

Lebendige Briefe, gekannt und gelesen

Auf all diese Weise sollten alle vom Volk Gottes lebendige Lektionen, lebendige Briefe sein, wohin sie auch gehen; sie sollten Vorbilder für die Welt sein. Ob die Welt glaubt, was wir predigen oder nicht, sollten wir diese Qualitäten zeigen, die sie doch nicht billigen und respektieren können. Dieses Vorbild wird, wenn nicht jetzt, zur bestimmten Zeit Früchte tragen. Jeder Ältester sollte wie im Fall von Timotheus besonders sorgfältig in seiner Haltung, seinen Worten, seinem Vorbild sein. Die Kirche hat mit der Wahl eines solchen zum Ältesten erklärt, daß sie glauben, daß er ein Vorbild der Frucht der Gnade Gottes im Herzen sein wird.

Des Apostels Ratschlag für Timotheus „laß keiner dich wegen deiner Jugend verachten”, sollte nicht nur als eine Empfehlung für Timotheus angesehen werden, sondern auch für alle Ältesten der Kirche, die noch jung an Jahren sind, daß sie sich so benehmen, daß sie Vorbilder der Herde sein sollen, daß ihr Benehmen und ihre Fähigkeit, „das Wort der Wahrheit recht zu teilen”, so sei, daß keiner einen Grund haben kann, die Botschaft, die sie bringen, gering anzusehen, oder zu denken, daß sie unreif und unfähig wären, die Herde Gottes zu leiten.

Möge jedes Kind Gottes, sowohl die Jüngeren als die Älteren, danach eifern, ein würdiges Vorbild der Nachahmung zu sein – das Vorbild des ernsten, glaubensvollen Bemühens des Meisters in seinem täglichen Leben nachzuahmen, ein Vorbild des aktiven Eifers im Dienst unseres Gottes zu sein. Wir werden, während wir im Fleisch sind, nicht fähig sein, Vorbilder im völligen Sinn der letztlichen Herrlichkeit und Schönheit der Heiligkeit zu sein, die unser jenseits des Vorhangs sein wird; wir können dies nicht im gegenwärtigen Leben erwarten. Unser Herr allein war solch ein Vorbild.

Der Apostel Paulus drängt uns: „Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi (Nachahmer bin).” Paulus war ein edles Vorbild des ernsten Eifers, die vollkommene Ähnlichkeit mit Christus zu erlangen und in seiner Liebe, seinem Eifer, seiner Ernsthaftigkeit seines Strebens den Meister nachzuahmen und seinen Willen zu vollbringen. Sein Verhalten sollte eine Inspiration für uns alle sein. Möge ein jedes der Kinder des Herrn individuell seine oder ihre persönliche Verantwortung wahrnehmen. Wir sind wie „eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt”. Möge sich ein jeder selbst die Frage stellen: „Bin ich ein Vorbild für die Gläubigen?”

Die Trennung von Licht und Finsternis

„Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. Und Gott sah das Licht, daß es gut war; und Gott schied das Licht von der Finsternis.” – 1. Mose 1:3 und 4

Die Bibel offenbart uns in der Schöpfungsgeschichte, daß Gott als erstes Seiner Werke das Licht [den Logos] schuf, bevor Er die Erde zur Wohnstätte des Menschen zubereitete. „Und Gott sah, daß das Licht gut war.” Wie wir heute erkennen, ist das Licht die Voraussetzung für jede Art von Leben. Bis zu diesem ersten Schöpfungswerk Gottes, war Gott allein, und „die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern”. Und dann, nachdem Licht geworden war, lesen wir, daß es des Schöpfers nächste bedeutsame Handlung zur Vorbereitung der Erde als Wohnstätte des Menschen war, seinen einzig-geborenen Sohn in Sein Schöpfungswerk miteinzubeziehen. – 1. Mose 26

„Und Gott schied das Licht von der Finsternis”

Schon hier auf den ersten Seiten der Bibel wird klar, daß nach dem Willen Gottes Licht und Finsternis sich unter keinen Umständen vermischen können, weil „Gott Licht ist, und gar keine Finsternis in ihm ist.” Wir werden noch im weiteren sehen, wie weitreichend die Auswirkung dieser sinnvollen Entscheidung in Bezug auf das Leben des Menschen sein sollte.

Die Schrift sagt uns durch den inspirierten Apostel Johannes, daß Gott selbst „Licht” ist: „Und dies ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, daß Gott Licht ist und gar keine Finsternis in ihm ist.” – 1. Johannes 1:5 und Psalm 104:2

Das „Licht”, das in die Welt gekommen ist

Die Heilige Schrift berichtet über diesen „Anfang” – der noch vor der Vorbereitung der Erde und der Erschaffung des Menschen liegt. Wir lesen darüber in Johannes 1:1 – 5: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei [dem] Gott, und das Wort war [ein] Gott [der Logos]. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt.” – siehe auch Johannes 3:19

Der Logos kam als Gottes Sohn, der geschickt wurde von dem „Licht des Universums”, von Gott, und wurde Mensch, um das „Licht der Welt” zu sein, das in der Finsternis scheint, damit alle, die an Jesus glauben, nicht in Finsternis bleiben sollten, wie der Apostel in Johannes 12:46 und 8:12 erklärt.

Wenn wir hier die Worte lesen, daß „in ihm das Leben war, und das Leben das Licht der Menschen war”, das in der Finsternis leuchtete, so verstehen wir dies als einen Hinweis, warum der Herr Jesus Mensch wurde und in die sündige Welt kam, um den gefallenen Menschen vom Tod zu erlösen und wiederherzustellen. Aber, wie wir weiter erfahren, hat die Finsternis dies nicht erfaßt. – Johannes 12:46 Der Messias wurde aber als Lichtbringer von seinem eigenen Volk abgelehnt.

Luzifer, der „Fürst der Finsternis” und „Vater der Lüge”

Dann berichtet die Schrift auch über ein weiteres geistiges Engelwesen, das nach dem Sohn Gottes, (und vom Logos selbst ) erschaffen wurde – noch vor der Existenz des ersten Menschen -, und den Namen Luzifer bekam. Der Name „Luzifer” bedeutet: Lichtbringer bis zu einer (bestimmten) Zeit. Wie zutreffend dieser Name war, zeigte sich schon bald, als dieser Cherub in seinem Herzen sagte: „Zum Himmel will ich hinaufsteigen, hoch über den Sternen Gottes meinen Thron aufrichten und mich niedersetzen auf den Versammlungsberg im äußersten Norden. Ich will hinaufsteigen auf Wolkenhöhen, dem Höchsten mich gleichmachen.” – Jesaja 14:13

Nach diesen respektlosen und überaus anmaßenden Worten gegenüber Seinem Schöpfer wurde aus Luzifer (dem Lichtbringer bis zu einer bestimmten Zeit) der Satan. Satan bedeutet: Feind, Gegner und Betrüger. Wir bezeichnen den Satan oder Teufel im allgemeinen auch als den „Widersacher”. Die Bezeichnung gibt zu verstehen, daß Satan als Gegner Gottes wider die „Sache” oder den Plan Gottes ankämpft. Er kämpft mit seinen Engeln gegen den Plan Gottes, der die Wiederherstellung des Menschen beinhaltet. Vor diesem Hintergrund können wir verstehen und folgern, daß Satan ein Freund der Finsternis ist und nicht des Lichts. Und der Herr Jesus bezeichnet ihn auch als „Fürst dieser Welt”. – Johannes 12:31, 14:30 und 16:11

Auf menschlicher Ebene ist ein Fürst ein Oberhaupt und Herrscher über eine bestimmte Anzahl von Untertanen. Und so ist es auch bei dem Satan der Fall, daß er eine bestimmte Anzahl zuvor heiliger Engel durch List verführt hat, und gleichfalls zu Anhängern der Finsternis gemacht hat, die nach seinem Willen handeln. Wir bezeichnen diese als Dämonen.

Im 2. Brief an die Korinther warnt Paulus die Nachfolger Christi vor der Raffinesse und den Täuschungen des Widersachers und seiner gefallenen Engel mit der Feststellung: „Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engel an; es ist daher nichts Großes, wenn auch seine Diener die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit annehmen … .” – 2. Korinther 11:14

Während wir auf der einen Seite unseren großen Gott als das absolute Licht des Universums erkennen, in dem auch nicht eine Spur von Finsternis sein kann, sehen wir auf der anderen Seite den Widersacher als den Feind – den Feind Gottes und des Menschen -, den Gegner des Lichts, den Fürsten dieser Welt, der Verwirrung anstiften möchte, indem er versucht Licht zu Finsternis zu machen und Finsternis zu Licht. – Jesaja 5:20

Ganz deutlich erkennen wir diese Taktik des Widersachers, als er unserem Herrn nach seiner Weihung in der Wüste erschien, um ihn zu versuchen. Die Versuchungen bestanden darin, daß Satan durch eine falsche Anwendung von Schriftzitaten, die er zur Unterstützung seiner Forderungen benutzte, Jesus dazu verführen wollte, gegen den Willen Gottes zu handeln. Er benutzte wahre Schriftstellen in einem „teuflischen Sinn”, um Böses zu erreichen – um Licht zu Finsternis zu machen.

Der Apostel Johannes überlieferte uns, mit welchen bezeichnenden Worten Jesus den Widersacher darstellte: „Jener war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben.” – Johannes 8:44

Wenn unser Herr hier Satan als einen Menschenmörder „von Anfang an” bezeichnet, so nimmt er dabei offensichtlich auf Eden Bezug, als den Anfang der Erschaffung des Menschen. Gott hatte Adam und Eva gewarnt, vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen, und ihnen bei Übertretung des Gebotes den Tod in Aussicht gestellt.

„Vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, an dem du davon ißt, mußt du sterben.” – 1. Mose 2:17

Satan widersprach mit der dreisten Lüge: „Keineswegs werdet ihr sterben … .” – 1. Mose 3:4 Die Folge davon, daß der Mensch der Lüge Satans größeren Glauben schenkte als der Wahrheit ihres Schöpfers, kennen wir alle.

Jesus traf diese Feststellung, daß der Satan „ein Menschenmörder von Anfang an” und „der Vater der Lüge” sei im Zusammenhang mit einer Kritik an den Schriftgelehrten und Pharisäern. Diese hatten sich gerühmt, Abraham zum Vater zu haben, aber Jesus antwortete ihnen: „Ihr seid aus eurem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun.” – Johannes 8:45

Der Herr kritisierte keine Einzelpersonen, sondern die Pharisäer und Schriftgelehrten, die sich als religiöse Erzieher des Volkes auf Moses Stuhl gesetzt hatten und in einer besonderen Verantwortung gegenüber Gott und Seinem Volk standen, sich aber ihm und seiner Lehre widersetzten. Diese handelten im Sinn des Teufels, indem sie Wahrheit und Irrtum zu vermischen suchten. Sie lehrten die Gesetze, aber sie vermischten sie auch mit den mündlichen Überlieferungen und Theorien der Menschen und bekämpften den, welchen der Himmlische Vater als Lichtbringer zu ihnen gesandt hatte. – Jeremia 8:8-10

Gezielte Manipulation der Wahrheit

In unserer heutigen vernetzten Welt üben die Medien einen großen Einfluß auf die Meinungsbildung des Einzelnen aus. Fernsehen, Internet und Printmedien berichten über Konflikte, Krisen, Aufstände, Terror und Kriege in aller Welt. Sie berichten über das Tagesgeschehen in den gesellschaftlichen, politischen und religiösen Bereichen und über vieles mehr. Wir sollten meinen, daß solch eine umfangreiche Information nur zum Guten geschieht, aber leider ist oft das Gegenteil der Fall.

Wie wir feststellen können, werden Nachrichten oft manipuliert und mit bewußten Falschmeldungen und absichtlichen Täuschungen versehen, die dazu dienen, die Wahrheit zu verschleiern und eine gewollte Stimmung unter dem Volk zu erzielen. Mit anderen Worten gesagt, wird die Wahrheit unterdrückt, indem Nachrichten zu einem bestimmten Zweck mit Unwahrheiten und absichtlichen Falschmeldungen vermischt werden, so daß niemand mehr erkennen kann, was wahr und was unwahr ist. Wir erkennen hier deutlich den Einfluß des „Fürsten dieser Welt”, des „Vaters der Lüge”. Satan möchte den Menschen unfähig machen zwischen Wahrheit und Irrtum, zwischen Licht und Finsternis unterscheiden zu können, so daß eine Trennung von Licht und Finsternis unmöglich wird.

Wie wir wissen, gehören auch die religiösen Systeme und Organisationen von heute, die Lehrer der reinen Wahrheit für das Volk sein sollten, zu diesem negativen, weltlichen Erscheinungsbild. Weil sie sich von je her eng mit der finsteren Welt und deren selbstsüchtigen Plänen und Zielen verbunden haben, sind sie selbst zu einem Teil der Finsternis geworden, die das Licht der Wahrheit haßt, weil das Licht immer die Werke der Finsternis als böse offenbart. Schon Jeremia urteilte zu seiner Zeit: „Denn vom Kleinsten bis zum Größten machen sie alle unrechten Gewinn, vom Propheten bis zum Priester üben sie alle Falschheit”. – Jeremia 6:13

In der Offenbarung ist auch von einem Kampf die Rede, der im Himmel zwischen den Elementen des Lichts und der Finsternis stattfindet: „Und es entstand ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel. Und sie bekamen nicht die Übermacht, und ihre Stätte wurde nicht mehr im Himmel gefunden. Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm geworfen.” – Offenbarung 12:7

„Söhne des Lichts”

In seinem Brief an die Thessalonicher bezeichnet der Apostel Paulus die „Brüder” als „Söhne des Lichts” und „Söhne des Tages”. – 1. Thessalonicher 5:5 Und im Brief an die Epheser sagt Paulus von den „Brüdern”: „Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber (seid ihr) Licht im Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts. Denn die Frucht des Lichts (besteht) in lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.” – Epheser 5:8 und 9

Dieses Licht, daß offensichtlich den Heiligen Geist Gottes, den Geist der Wahrheit darstellt, kam zu Pfingsten auf die in Jerusalem versammelte Jüngerschar als Zeichen ihrer Annahme als Söhne Gottes. Das „Licht” kam vom Vater durch den Sohn zu den Gliedern seines Leibes, während jeder Mensch des gefallenen Geschlechts als ein Sünder ein Teil der Finsternis ist. Paulus sagt in seinem Brief an die Kolosser: „Er hat uns errettet aus der Herrschaft der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe.” – Kolosser 1:13 und 14

Jesus offenbarte sich seinen Jüngern als der „Weg” und die „Wahrheit”, die uns aus der Finsternis zum Licht des ewigen Lebens führen sollte mit der Feststellung: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.” – Johannes 14:6

So sind wir als Geweihte jeder ein „Licht im Herrn” geworden, wie Paulus sagt. Aber das Wort Gottes warnt uns auch davor, daß wir dieses Licht wieder verlieren und ein Teil der Finsternis der Welt werden können, wenn wir die Wahrheit nicht festhalten und an ihr zu zweifeln beginnen. „Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß die Finsternis!” – Matthäus 6:23

Wenn wir in einem großen Raum eine Kerze als Licht anzünden, so wird es nur denen von Nutzen sein, die sich in ihrer unmittelbaren Nähe befinden. Je weiter wir uns von dem Licht entfernen, um so schwächer wird es uns scheinen, bis zuletzt der Unterschied zwischen dem Licht und der Finsternis schwinden und zuletzt nicht mehr erkennbar sein wird. Auf diese Weise kann das Licht für uns wieder zu Finsternis werden.

Unser Herr hat seine Jünger und uns in vielfacher Weise belehrt, daß Prinzipien des Lichts und der Wahrheit nicht mit Prinzipien der Finsternis und der Unwahrheit vermischt werden können, und daß wir unsere Zustimmung zu einer Sache eindeutig mit einem klaren „Ja” oder unsere Ablehnung mit einem klaren „Nein” bekunden sollen. „Es sei aber eure Rede; Ja, ja! Nein, nein, was aber darüber hinausgeht ist vom Bösen [oder dem Teufel, der Wahres mit Unwahrem vermischen will].” – Matthäus 5:37

In seiner Botschaft an Laodizea tadelt unser Herr einen Teil seiner Nachfolger, daß sie weder „warm” noch „kalt” sind. Wenn man ein warmes Getränk mit einem kalten Getränk mischt entsteht ein „lauwarmes” Getränk, das seine Erfrischung verloren hat und folglich niemand mehr trinken will. Dieses Bild gebrauchend tadelt Jesus Christus die Gemeinde von Laodizea mit den Worten: „Ich kenne deine Werke, daß du weder warm noch kalt bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest (aber nicht lauwarm). Also, weil du lau bist [gemischt bist] und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund.” – Offenbarung 3:16

Wir glauben aber, daß diese ernste Botschaft der Warnung nicht nur die kleine Gemeinde in Laodizea betrifft, sondern alle einschließt, die sich als Nachfolger Christi mehr oder weniger mit der Welt eingelassen haben, und die zum Teil wieder Gefallen an den Werken der Finsternis gefunden haben. Ja, wir erkennen diese Lauheit in unserer gegenwärtigen Zeit, die wir mit Laodizea gleichsetzen, unter denen, die sich Christen nennen wie auch unter solchen Nachfolgern des Herrn, die ihr Licht, „unter den Scheffel setzen” und damit ihre Gleichgültigkeit gegenüber dem Licht der Wahrheit offenbaren. Es ist, wie unser Herr sagte, unsere Aufgabe, daß wir „unser Licht leuchten lassen vor den Menschen, damit sie unsere guten Werke sehen und unseren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen”. – Matthäus 5:14 – 16

In seinem Brief an die Epheser gibt uns Paulus zu bedenken: „Denn ihr wart einst Finsternis; [bevor wir Christus nachfolgten] nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts. Die Frucht des Lichtes besteht nämlich in aller Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit. Prüft also, was dem Herrn wohlgefällig sei, und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, deckt sie vielmehr auf; denn was heimlich von ihnen geschieht, ist schändlich auch nur zu sagen. Alles aber wird offenbar, wenn es vom Licht aufgedeckt wird.” – Epheser 5:8-13

Möge der Herr unsere ernstlichen Anstrengungen segnen, als „Söhne des Lichts” zu wandeln und unser Licht leuchten zu lassen vor den Menschen.

Von Jerusalem nach Emmaus: 12,3 km

Mit dem Titel „Von Jerusalem nach Emmaus: 12,3 km” nehmen wir Bezug auf das Zusammentreffen von Jesus und zwei Jüngern, die diesen Weg zurücklegten, was uns in Lukas 24:13 – 35 berichtet wird.

Diese Begebenheit ereignet sich nach der Auferstehung unseres Herrn, und der Bericht wirft einige Fragen auf.

Erinnern wir uns an die Geschehnisse: Jesus steht aus dem Grab auf, und am ersten Tag der Woche (gemäß Lukas 24:1) gehen Maria und Magdalena, Johanna, Maria und andere zum Grab, stellen fest, daß der Stein weggewälzt ist, gehen in die Grabhöhle und finden den Leichnam Jesu nicht.

Da erscheinen ihnen zwei Engel in strahlenden Gewändern und sprechen den berühmten Satz: „Was suchet ihr den Lebendigen unter den Toten? Er ist nicht hier, sondern ist auferstanden.” Diese zwei Engel erinnern sie an die Worte, die er in Galiläa gesagt hatte, daß er nämlich in Sünderhände überliefert und gekreuzigt werden müsse, und daß er am dritten Tag auferstehen werde.

In in Vers 8 heißt es. „Und sie gedachten an seine Worte.” Das heißt, Jesus hatte vorhergesagt, was sich alles ereignen würde, doch niemand hatte eine solche Tragödie für möglich gehalten. Und es wird sogar gesagt, daß die Apostel, als die Frauen ihnen berichteten, nicht daran glaubten, und daß Petrus zum Grab ging und zurückkehrte „und verwunderte sich über das, was geschehen war”. – Vers 12

Mit anderen Worten: Wenn man sich aus unserer Distanz wundert, daß die Jünger nicht für wahr gehalten haben, was Jesus ihnen vor seinem Tod geweissagt hat, muß man doch einräumen, daß das, was eingetreten ist, in keiner Weise übereinstimmte mit dem, was sie erwartet haben, und daß wir bestimmt genauso reagiert hätten.

Es heißt nun, daß an jenem Tag, das heißt am ersten Tag der Woche, also nach dem Sabbat, an dem man vor Ort bleiben mußte, zwei Jünger von Jerusalem nach Emmaus wanderten, das bekanntlich 60 Stadien von Jerusalem entfernt liegt.

Ein Stadium entspricht 205 m; so beläuft sich die Entfernung zwischen beiden Städten auf 12,3 km, was der Entfernung von Speyer zum Hockenheimring entspricht.

Es erscheint nun merkwürdig, daß Lukas die genaue Entfernung zwischen Jerusalem und Emmaus angibt. Andere Wegstrecken, die der Herr zurückgelegt hat, wie z. B. von Jerusalem nach Bethanien, teilt er nicht mit. Diese Angabe finden wir bei Johannes, nämlich in Johannes 11:28: fünfzehn Stadien bzw. 3 km. Weitere Entfernungsangaben während des Dienstes des Herrn sind nicht vorhanden. Wir lassen also diese von Lukas aufgezeichnete Information zunächst beiseite und denken, daß sie schon als solche wichtig ist.

Lesen wir den wohlbekannten Bericht, beginnend mit Vers 13: „Und siehe, zwei von ihnen gingen an selbigem Tage nach einem Dorfe, mit Namen Emmaus, sechzig Stadien von Jerusalem entfernt. Und sie unterhielten sich miteinander über alles dieses, was sich zugetragen hatte. Und es geschah, indem sie sich unterhielten und miteinander überlegten, daß Jesus selbst nahte und mit ihnen ging; aber ihre Augen wurden gehalten, damit sie ihn nicht erkannten. Er sprach aber zu ihnen. Was sind das für Reden, die ihr wandelnd miteinander wechselt und seid niedergeschlagen? Einer aber, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der einzige, der in Jerusalem weilt und nicht weiß, was in ihr geschehen ist in diesen Tagen? Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesus, dem Nazaräer, der ein Prophet war, mächtig in Wort und Werk vor Gott und dem ganzen Volke; und wie ihn die Hohenpriester und unsere Obersten überlieferten, um zum Tode verurteilt zu werden, und ihn kreuzigten.

Wir aber hofften, daß er der sei, der Israel erlösen solle. Doch auch bei alledem ist es heute der dritte Tag, seitdem dies geschehen ist. Aber auch etliche Weiber von uns haben uns außer uns gebracht, die am frühen Morgen bei der Gruft gewesen sind und als sie seinen Leib nicht fanden, kamen und sagten, daß sie auch ein Gesicht von Engeln gesehen hätten, welche sagen, daß er lebe, und etliche von denen, die mit uns sind, gingen zu der Gruft und fanden es so, wie auch die Weiber gesagt hatten; ihn aber sahen sie nicht.

Und er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen und trägen Herzens, zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben! Mußte nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und von Moses und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen in allen Schriften das, was ihn betraf.

Und sie nahten dem Dorfe, wohin sie gingen; und er stellte sich, als wollte er weitergehen. Und sie nötigten ihn und sagten: Bleibe bei uns, denn es ist gegen Abend, und der Tag hat sich schon geneigt. Und er ging hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen zu Tische lag, nahm er das Brot und segnete es; und als er es gebrochen hatte, reichte er es ihnen. Ihre Augen aber wurden aufgetan, und sie erkannten ihn; und er wurde ihnen unsichtbar.

Und sie sprachen zueinander. Brannte nicht unser Herz in uns, als er auf dem Wege zu uns redete, und als er uns die Schriften öffnete? Und sie standen zur selbigen Stunde auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Und sie fanden die Elfe und die mit ihnen waren, versammelt, welche sagten: Der Herr ist wirklich auferweckt worden und dem Simon erschienen. Und erzählten, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt worden war an dem Brechen des Brotes.”
Wir denken, wir kennen alle diesen Bericht.

Zunächst: Wer waren diese Jünger? Zweifellos waren es Jünger, die nicht zu den Elfen gehörten, denn diese trafen sie an, als sie nach Jerusalem zurückkamen. Vermutlich sind es Jünger, die zu den 70 gehörten, die Jesus ausgesandt hatte. Wir kennen ihre Namen nicht. Es wurde angenommen, daß dieser Kleopas, der freimütig Jesus auf dessen Fragen geantwortet hat, jener Kleopas ist, der in Johannes 19:25 erwähnt wird, der Mann einer Frau mit Namen Maria, die sich ihrerseits in der Nähe des Kreuzes aufgehalten hatte. Sie sind einfach Jünger wie die elf und haben Jesu Worte während seines Dienstes auf Erden gehört.

Man wird sich nun vorzustellen versuchen, worüber die beiden Jünger mit Jesus diskutiert haben mögen. Was hat er wohl zu ihnen gesagt? Wir können versuchen seine Worte nachzuzeichnen.

Von Jerusalem nach Emmaus sind es also 12,3 km. Nehmen wir an, daß Jesus als eine ihnen unbekannte Person sie angesprochen hat, und das nicht gleich am Anfang des Weges, sondern, wie von ungefähr, als sie schon außerhalb der Stadt und vielleicht schon 2 oder 3 km auf dem Weg waren und alles besprachen, was sich ereignet hatte. Es bleiben also noch etwa 9 km gemeinsamer Weg. Ein normaler Wanderer legt ungefähr 5 km in der Stunde zurück: also sollten sie gut eineinhalb Stunden mit dem Herrn gesprochen haben.

Was konnte der Herr unserer Vorstellung nach ihnen erklären, daß sie zueinander sagten. „Brannte nicht unser Herz, als er auf dem Weg zu uns redete … ?”

Wir müssen wohl davon ausgehen, daß der Herr mit Moses begonnen und dann alle Propheten zitiert hat. Was hat Jesus, angefangen bei Moses, zu ihnen gesagt? Wir versuchen das Gespräch nachzuvollziehen.

Um die Darstellung lebendiger zu gestalten, wird sie in die Form eines Dialogs zwischen Jesus und Kleopas gekleidet. Die Weisheit Jesu geht ohne Frage über jedes menschliche Denken hinaus, und so war dieses Gespräch zweifellos viel großartiger als man es sich hier vorstellen kann. Unser Gedanke dabei ist auch nur, in diesem Dialog eine Anzahl Prophetien zu Wort kommen zu lassen. Aufgrund dieses fiktiven Dialogs wird sich jeder ein Bild machen von dem, was wir hier in aller Bescheidenheit versucht haben zusammenzustellen.

Zitieren wir noch einmal den letzten Satz von Kleopas: „Wir aber hofften, daß er der sei, der Israel erlösen solle. Doch auch bei alledem ist es heute der dritte Tag, seitdem dies geschehen ist. Aber auch etliche Weiber von uns haben uns außer uns gebracht, die am frühen Morgen bei der Gruft gewesen sind, und als sie seinen Leib nicht fanden, kamen und sagten, daß sie auch ein Gesicht von Engeln gesehen hätten, welche sagen, daß er lebe. Und etliche von denen, die mit uns sind, gingen zu der Gruft und fanden es so, wie auch die Weiber gesagt hatten; ihn aber sahen sie nicht.”

Jesus: O ihr Unverständigen und trägen Herzens, zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben! Mußte nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?

Kleopas: Aber warum?

Jesus: Ihr geht beide in die Synagoge, ihr kennt die fünf Bücher Mose, was steht da, ganz am Anfang beim Schöpfungsbericht, nach der Sünde Adams? Gott sagte zu Satan – 1. Mose 3:15: „<der Same des Weibes> wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen.” Wer ist eurer Meinung nach dieser Nachkomme, der der Schlange den Kopf zertreten wird? Nun, ich will es euch sagen; das kann niemand sonst als der Christus sein. Aber bevor der Christus der Schlange den Kopf zertritt, heißt es, daß sie ihm die Ferse zerschmettert.

Er wird Christus die Ferse verletzen, aber er wird ihn nicht vernichten. Was ihr in Jerusalem gesehen habt, das war genau das: Der Christus ist verletzt, er ist am Kreuz gestorben, aber er ist auferstanden, und er wird zu gegebener Zeit den Kopf der Schlange zermalmen. Und der Christus hat euch gesagt, daß er leiden, sterben und am dritten Tag auferstehen werde, aber ihr habt ihm nicht geglaubt.

Kleopas: Aber wie kann man erraten, daß in diesem alten Ausspruch in Eden mit der Verletzung der Ferse die Kreuzigung gemeint war?

Jesus: In den Büchern Mose finden sich weitere Prophetien, die ihr sicher in der Synagoge gehört habt. Die eherne Schlange in der Wüste, an was erinnert sie euch?

Kleopas: Na, an die Heilung derer, die von Schlangen gebissen worden waren.

Jesus: Diese eherne Schlange war auf einem Kreuz befestigt. Diese Schlange war nicht mehr jene, die die Israeliten gebissen hat, sondern die, die sie heilte; sie war auf einem Kreuz, eben wie der Christus, dessen Kreuzigung ihr vor drei Tagen miterlebt habt. Aber genauso wie er sehr viele Leute während seines Dienstes geheilt hat, wird er durch seinen Tod all diejenigen heilen, die an ihn glauben und ihn annehmen.

Kleopas. Wann wird das geschehen?

Jesus: Zu gegebener Zeit, wenn er wiederkommt. Das hat er euch schon gesagt, als ihr ihm vor den Mauern Jerusalems diese Frage gestellt habt. Ihr habt ihn gefragt: Wann tritt das ein?

Erinnert euch außerdem an die Verheißungen, die Gott Abraham gegeben hat – 1. Mose 22:18: „… und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde.” Dieser Same, der alle Nationen der Erde segnen wird, ist allein Jesus. Und diese Verheißung wurde Isaak – 1. Mose 49:8 – 10 – gegenüber wiederholt: „Nicht weichen wird das Zepter von Juda … bis Schilo kommt … .”

Schließlich hat Moses selbst gesagt – 5. Mose 18:15: „Einen Propheten aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, gleich mir, wird Jahwe, dein Gott, dir erwecken, auf ihn sollt ihr hören.”

Kleopas: Ja, Propheten, da hatten wir etliche, und sie waren nicht der Christus!

Jesus: Aber sie haben von Christus geredet. Wißt ihr, wo Jesus geboren ist?

Kleopas: Ja, natürlich, in Bethlehem, Micha hat es gesagt, glaube ich.

Jesus: Ja, es steht in Micha 5.1: „Und du, Bethlehem-Ephrata, zu klein, um unter den Tausenden von Juda zu sein, aus dir wird mit hervorkommen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ausgänge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her.” Und der Prophet Jesaja – Jesaja 7:14 – sagt, daß seine Geburt geheimnisvoll sein wird: „Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären … .” Sicher hat euch Jesu Mutter darauf hingewiesen. Ihr seht, daß in den Propheten von seiner Geburt geschrieben steht. Der Prophet Hosea – Hoses11:1 – hatte sogar gesagt, daß er aus Ägypten gerufen werden würde, wohin seine Eltern geflohen sind, als der König Herodes ihm nach dem Leben trachtete.

Kleopas: Es stimmt, daß man nicht immer an diese Details denkt. Als wir mit ihm zusammen waren, waren wir vor allem von seinen Wundern beeindruckt.

Jesus: Was diese Wunder anbelangt, so hat auch sie der Prophet Jesaja – Jesaja 35:5 und 6 – vor annähernd 700 Jahren angekündigt. Erinnert euch an seine Worte. „Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden; dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und aufjauchzen wird die Zunge des Stummen.”

Kleopas: Ja, aber die Verheißung spricht auch von Wassern, die „hervor<brechen> in der Wüste” und von einem Weg, wo „die Befreiten Jahwes zurückkehren werden und nach Zion kommen mit Jubel” und vor allem davon, daß „Kummer und Seufzen werden entfliehen”. – Verse 10 und 11 Das haben wir nicht gesehen; man sollte meinen, daß es um eine Prophetie geht für eine weit entfernte Zukunft.

Jesus: Hattet ihr nicht den Eindruck, daß all die Wunder Jesu wie ein Vorgeschmack der Dinge waren, die in der Zukunft auf die ganze Menschheit zukommen werden?

Kleopas: Aber warum ist er gestorben und hat sich kreuzigen lassen wie der übelste Verbrecher, wo Gott ihn doch erretten hätte können?

Jesus: Auch das war vorhergesagt, und es diente einem bestimmten Zweck. Ihr habt in erster Linie erwartet, daß er euch von den Römern befreit, vor allem als er im Triumph in Jerusalem einzog, und das um so mehr, als der Prophet Sacharja es vorausgesagt hat: „Jerusalem! Siehe, dein König wird zu dir kommen … auf einem Esel reitend.” – Sacharja 9:9 Aber kurz danach hat ihn einer seiner engsten Jünger verraten, wie es wiederum der Prophet Sacharja vorhergesagt hatte: „… und sie wogen meinen Lohn dar: dreißig Silbersekel.” – Sacharja 11:12 Ihr wisset, daß sein Jünger Judas, denn um den geht es, in seiner Verzweiflung dieses Geld in den Tempel geworfen hat, und auch das weissagt Sacharja: „Und ich nahm die dreißig Silbersekel und warf sie in das Haus Jahwes, dem Töpfer ihn.” – Vers 13 Erkundigt euch am Tempel und ihr werdet sehen, was sie mit dem Geld gemacht haben: Sie haben den Acker des Töpfers gekauft.

Kleopas: Aber was ist mit dir? Wir haben dich nie unter den Jüngern gesehen, und du weißt so viel!

Jesus: Diese Dinge, ihr könntet sie wissen; die Propheten haben sie angekündigt, und sie haben ihn betreffend noch anderes vorhergesagt. So hat der Prophet Jesaja geschrieben, daß er sich Leuten ausgeliefert hat, die ihn ins Angesicht spuckten und ihn mißhandelten. – Jesaja 50:6

So hat Sacharja darauf hingewiesen, daß ihn in der Nacht, in der er verraten wurde, alle seine Jünger verlassen würden.

Jesus wurde danach gegen das Recht vor dem Sanhedrin angeklagt. Auch das war prophezeit worden, in Psalm 35:11 und 12: „Es treten ungerechte Zeugen auf … Sie vergelten mir Böses für Gutes.” Dann hat man ihn geschlagen und gekreuzigt, was in den Psalmen vorhergesagt ist – Psalm 22:16 – 18: „Sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben; alle meine Gebeine könnte ich zählen. Sie schauen und sehen mich an; sie teilen meine Kleider unter sich, und über mein Gewand werfen sie das Los.”

Erinnert Euch an seine Leiden am Kreuz, die in den Psalmen aufgezeichnet sind: „Meine Kraft ist vertrocknet wie ein Scherben, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen.” Und an anderer Stelle: „. in meinem Durst tränkten sie mich mit Essig.” – Psalm 22:15 und Psalm 69:21

Ihr habt auch beobachtet, daß die Leute, nachdem sie ihm einige Tage vorher zugejubelt haben, ihn am Kreuz verspottet haben: „Alle, die mich sehen, spotten meiner.” – Psalm 22:7

Kleopas: Uns hat man berichtet, daß seine letzten Worte am Kreuz waren: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Wenn Gott ihn also tatsächlich verlassen hat, wie er selbst gesagt hat, war er dann wirklich der Christus?

Jesus: Ja, ihr wißt, was ebendieser Psalm voraussagt, wo von ihm und seinen Leiden die Rede ist; dieser Psalm enthält jene furchtbaren Worte, die er tatsächlich gesagt hat – Psalm 22:1: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Dieser Prophetie zufolge mußte es also sein, daß Gott die bis dahin immer bestehende Verbindung mit dem Herrn unterbrach.

Und er ist gestorben wie ein Verbrecher. Beachtet aber, daß er nicht mit den Übeltätern begraben worden ist, denn die Prophetie Jesajas mußte erfüllt werden, wo es heißt – Jesaja 50:9: „… bei einem Reichen ist er gewesen in seinem Tode.”

Kleopas: Aber das ganze Elend – selbst wenn es vorhergesagt worden ist, zu welchem Zweck?

Jesus: Gott hat es so gewollt, denn Jesus mußte alle Sünden der Menschen auf sich nehmen seit Adam gesündigt hat. Der Prophet Jesaja hatte es schon gesagt; erinnert euch an den Text, der jahrhundertelang ein Rätsel war – Jesaja 53:2 – 7: „Er hatte keine Gestalt und keine Pracht; und als wir ihn sahen, da hatte er kein Ansehen, daß wir seiner begehrt hätten. Er war verachtet und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, und wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt; er war verachtet, und wir haben ihn für nichts geachtet.

Fürwahr, er hat unsere Leiden getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen. Und wir, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt: doch um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Missetaten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns ein jeder auf seinem Weg; und Jahwe hat ihn treffen lassen unser aller Ungerechtigkeit. – Er wurde mißhandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf … .”
Jesus ist also gestorben, um die Sünden der Welt zu tragen, damit alle eines Tages wieder ins Leben zurückkehren können.

Kleopas: Ist er nun aber auferstanden oder nicht?

Jesus: Denkt an zwei Prophetien in den Psalmen; in der einen heißt es, daß ihm kein einziger Knochen gebrochen wird, in der anderen steht, daß der Sehr-Geliebte Gottes die Verwesung nicht sehen wird. Was wollte David mit diesen Aussagen über Jesus sagen?

Nun, daß er nur so lange im Grab bleibt, als sein Körper nicht in Verwesung übergeht. Er ist auferstanden. Erinnert euch an seine Worte in der Synagoge von Kapernaum – Matthäus 12:40: „Denn gleichwie Jonas drei Tage und drei Nächte in dem Bauch des großen Fisches war, also wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte in dem Herzen der Erde sein.”

Er ist auferstanden, glaubt mir. Und wo ihr verängstigt und entsetzt wart über seine Qualen, werdet ihr überaus erfreut sein ihn wiederzusehen, und niemand wird diese Freude von euch nehmen können.

Kleopas: Aber was wird er dann tun?

Jesus: Er wird zum Vater zurückkehren und die Herrschaft über alle Dinge bekommen.

Kleopas: Es stimmt, daß gemäß Psalm 110 der Christus in seiner Herrlichkeit beschrieben wird, wo es heißt: „Jahwe sprach zu meinem Herrn: Setzte dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße.”

Jesus: Ja, du hast recht gesagt, Jesus wird alle Macht in Händen halten, sobald er zum Vater zurückgekehrt ist.

Kleopas: Wird er aber bald zurückkommen und Gottes Reich aufrichten?

Jesus: Vor den Mauern Jerusalems hat er es euch gesagt – Matthäus 24:36: „Von jenem Tage und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel der Himmel, sondern mein Vater allein.” Mit anderen Worten: An euch ist es zu wachen, unablässig zu wachen, bis zu jenem Zeitpunkt.

Kleopas: Aber müssen wir als Angehörige des Volkes Israel nicht mit seiner Vergeltung rechnen, da wir ihn zu Tode gebracht haben?

Jesus: Jesus hat euch gesagt, daß Jerusalem von Feinden umzingelt und zerstört werden wird, und von seinen prächtigen Mauern, auf die ihr so stolz seid, wird kein Stein auf dem anderen bleiben; und was die Bewohner anbelangt, so werden sie zerstreut werden. – Matthäus 24 und Lukas 21

Wenn er wiederkommt, werden indessen die Einwohner dieser Stadt erkennen, was sie getan haben: „Und ich werde über das Haus Davids und über die Bewohner von Jerusalem den Geist der Gnade und des Flehens ausgießen; und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen gleich der Wehklage über den Eingeborenen und bitterlich über ihn leidtragen, wie man bitterlich über den Erstgeborenen leidträgt.”

Was ihr mit ihm und über ihn wußtet, von seiner Geburt an bis zu seinem Tod am Kreuz und bis zu seiner Auferstehung, werdet ihr dann in einem ungleich herrlicheren Maßstab sehen. Das hat der Prophet Jesaja wunderbar niedergeschrieben – Jesaja 9:6: „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter, und man nennt seinen Namen. Wunderbarer, Berater, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Friedefürst.”

Kleopas: Das ist wahr; bei allem, was du sagst, ist es … klar! Es stimmt, daß er dieses alles gesagt hat, und wir, wir haben es nicht verstanden. – Ah, wir kommen nach Emmaus, da wollen wir hin. Ist das auch dein Ziel?

Jesus: Nein, ich gehe weiter; ich habe noch einen weiten Weg.

Kleopas: Nein, nein, du kannst jetzt nicht einfach weitergehen. Es ist schon spät, und bei allem, was du uns gesagt hast, haben wir noch eine Menge Fragen an Dich. Bleib‘ wenigstens zum Abendessen, schlaf’ ein bißchen, und dann kannst du weiterwandern. Bleibe bei uns, wenigsten eine Weile … .

Das fiktive Gespräch – wir alle kennen den Ausgang – soll hier beendet werden.

Die Ausführungen hatten das Ziel zu erkennen, was der Herr ihnen wohl gesagt hat über das „Warum“ seines irdischen Laufes, seine verdienstvolle Mission, aber auch seinen entsetzlichen Tod am Kreuz, und dann über die zukünftigen Dinge, kurz alles, von dem ihr „Herz brannte”.

Wir sehen es so, daß jedes Mal, wenn wir vom Opfer Jesu sprechen, von seinem Kreuzestod, seiner Auferstehung und von den Dingen, die er für die Menschheit in Bereitschaft hält, dann brennt auch unser Herz, und wir möchten mit Kleopas sagen: Herr bleibe bei uns.