Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Das Leben und das Licht der Menschen

„In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.” – Johannes 1:4

Unsere Lektion ist eine kurz gefaßte Darstellung des ganzen Planes Gottes im weitesten Umfang. Sie geht von der Zeit vor der Erschaffung der Erde aus bis in die Zukunft zu der großartigen Vollendung des göttlichen Plans am Ende des Millennium-Zeitalters. Dieses Thema ist weit genug, tief genug und hoch genug, geistige Speise zum Nachdenken für eine Anzahl von Lektionen zu liefern. Bei der Betrachtung als ein Ganzes können wir auf ihre verschiedenen Punkte in diesem Artikel nur kurz eingehen.

„Im Anfang” – Diese Worte geben uns im 1. Buch Mose eine Einführung in die Bibel als Bericht über die Erschaffung der Welt. Hier aber wird auf einen Anfang hingewiesen, der lange vor der Erschaffung dieser Erde war. Hiob verbindet mit dem Anfang, der im 1. Buch Mose erwähnt wird, daß die Morgensterne miteinander jubelten und alle Söhne Gottes vor Freude jauchzten. Die Feststellung besagt, daß es zu jener Zeit dort Engelwesen, Söhne Gottes, gab, die vorher existierten, und die sich über diese weitere Offenbarung der göttlichen Macht bei Erschaffung dieser Welt freuten. Es muß, soweit es sie betraf, aber noch weit vor ihnen einen Anfang gegeben haben. Und auf diesen ursprünglichen Anfang weist unser Leittext hin, ein Anfang, der schon vor der Erschaffung der Engel bestand.

Auf welchen Anfang könnte die Schriftstelle nun hinweisen – einen Anfang wovon? Wir antworten, daß es nicht der Anfang des göttlichen Wesens war, denn in Bezug auf den Himmlischen Vater, Jahwe, den Allmächtigen, haben wir die deutliche Aussage, daß Er von Ewigkeit zu Ewigkeit Gott ist und keinen Anfang hatte. Weil der Anfang, der in unserem Leittext erwähnt wird, weder auf einen Menschen noch auf einen Engel, noch auf den Vater hinweist, bezieht er sich auf „den Anfang der Schöpfung Gottes” – Offenbarung 3:15 -, als ein Name oder Titel, der dem einzig gezeugten Sohn des Vaters gegeben wurde, der anschließend unser Erlöser wurde, unseren Herrn Jesus. Mit diesem Gedanken im Sinn wird alles klar und deutlich. Des Apostels Erklärung hat die Sache bereinigt.

Dieser ursprüngliche Anfang oder diese erste Schöpfung Gottes wird in unserem Leittext als das Wort Gottes, – als der Logos, bezeichnet. Die Geschichte berichtet, daß es in alten Zeiten üblich war, die Person des Königs als zu heilig zu betrachten, um von dem gewöhnlichen Volk gesehen zu werden, ausgenommen bei besonderen Gelegenheiten. Und wenn besonders wichtige Gesetze oder Anordnungen verkündet werden sollten, war es für den König üblich, hinter einem Gitter getrennt von der versammelten Menge zu sitzen, während vor dem Gitter eine Person stand, die sich der Gunst und des Vertrauens des Königs erfreute und zu seinem Stellvertreter wurde. Diese Person wurde als des
Königs Wort bezeichnet, weil er mit laut hörbarer Stimme die Befehle und Anweisungen des Königs verkündete, der hinter dem Vorhang sitzend ihm mit leiser Stimme die Mitteilungen dazu machte. Diese Verbildlichung gibt uns das Verständnis der Bezeichnung „das Wort”, als einer der Titel des einziggezeugten Sohnes Gottes. Dies gibt zu verstehen, daß des Vaters Handeln mit allen anderen Seiner Schöpfungen indirekt durch den Sohn geschah, Seinem Mundstück, Seinem Wort, Seinen Repräsentanten.

Ein Gott bei dem Gott

Der Apostel erklärt, daß am Anfang das Wort allein bei dem Vater war. Aber die ganze Angelegenheit wird noch deutlicher gesehen, wenn wir buchstäblich von der griechischen Sprache ausgehen, denn in ihr erscheint der Artikel „der” vor dem Wort Gott, was in die deutsche Sprache übertragen die genaue Übersetzung ergeben würde: „Und das Wort war bei dem Gott.” Hier erkennen wir sehr deutlich und auf wundervolle Weise die enge Verwandtschaft, die in der fernen Vergangenheit zwischen dem Himmlischen Vater und dem Himmlischen Sohn, zwischen dem Allmächtigen Gott und Seinem einzig gezeugten Sohn bestand, in welchem alle göttlichen Absichten ihren Mittelpunkt fanden, und den Er gern dazu ausersah, jeden Zug der göttlichen Macht und Herrlichkeit zu verkünden.

Die nächste Feststellung „Und das Wort war Gott”, sollte nicht so verstanden werden, daß sie den vorhergehenden Aussagen und anderen irgendwo widersprechen würde, denn die Unterscheidung ist in der Übersetzung in beträchtlicher Weise verloren gegangen. Wir erklären daher, daß hier im Griechischen der Artikel „der” vor dem Wort, das mit Gott übersetzt wird, nicht erscheint. Der Gedanke der Feststellung ist hier „ein Gott” – im Gegensatz zu der vorherigen Feststellung, in der von „dem Gott” die Rede ist. So würde die Schriftstelle richtig übersetzt lauten: „Das Wort war bei dem Gott, und das Wort war ein Gott.” Wir erkennen dies nun deutlich!

Das Wort „Gott” bedeutet ein Mächtiger. In den Schriften wird dieses Wort nicht nur in Bezug auf den Vater, sondern auch auf den Sohn benutzt und ebenso auch in Bezug auf die Engel und in einem Beispiel auch auf Menschen, einflußreiche Menschen, die siebzig Ältesten Israels, die Mose als elohim anerkannte und bezeichnete, das heißt als „Götter” oder als Mächtige. Der Gedanke in unserem Schrifttext ist hier, daß das Wort Gottes, der Einziggezeugte des Vaters, der Anfang der Schöpfung Gottes, auf einer edleren und höheren Ebene des Seins erschaffen wurde, ausgestattet mit großartigen Fähigkeiten, so daß er in der Tat ein Gott war, – nicht der Vater, nicht der Gott, Jahwe, sondern „der Sohn des Höchsten”. Der Apostel Paulus setzt diese Erklärung mit Deutlichkeit fort, indem er sagt: „So ist doch für uns [Christen] ein Gott, der Vater, … und ein Herr, Jesus Christus.” – 1. Korinther 8:6

Der zweite Vers wiederholt und bestätigt somit die Feststellung, daß das Wort, welches ein Gott war, im Anfang (vor der Erschaffung von anderen Wesen) bei dem Gott war. Wenn jemand in der Gefahr sein sollte, die Feststellung des ersten Verses, daß das Wort ein Gott war, mißzuverstehen, und wenn irgendeine Gefahr bestehen sollte, dies auf „den Gott” zu beziehen, so würde der zweite Vers den Irrtum korrigieren, indem er zeigt, daß das Wort als „ein Gott” bei „dem Gott” war, und daß es sich daher um zwei Personen handeln würde und nicht um eine Person.

Der dritte Vers ist eine großartige Feststellung, die uns einen flüchtigen Einblick auf die große Ehre und Würde des Sohnes Gottes gibt, den Einziggezeugten des Vaters, den „Anfang der Schöpfung Gottes”. „Alles wurde durch dasselbe”, das Wort – die Engel, die Welt, die Menschheit, alle Dinge: „und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist”. Wie großartig, wie herrlich die Würde und Ehre und Stellung unseres großen Herrn mit diesen Worten vor uns sichtbar werden, wenn wir daran denken, wie hoch der Vater ihn ehrte, schon bevor er in die Welt kam, ja, sogar bevor er seinen Gehorsam bis in den Tod gegenüber dem Willen des Vaters zeigte.

„Er muß herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat.” – 1. Korinther 15:27 und Epheser 4:5 und 6

Wir sollten aus dieser Feststellung nicht die Schlußfolgerung ziehen, daß der Sohn höher als der Vater war, und der Vater vor ihm nichts erschaffen hätte, wegen eines Mangels an Fähigkeit zu erschaffen, sondern, daß es dem Vater so gefiel, diesen besonderen Weg der Übertragung Seines großen Werkes zu wählen. Der Apostel rückt die ganze Sache ins rechte Licht, indem er feststellt: „Ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist.” Dies erklärt die Angelegenheit endgültig. Die ganze Macht wohnt in dem Vater – alles ist von Ihm, aus Ihm, durch den Sohn als Seinem geehrten Werkzeug und Repräsentanten, „damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren.” – Johannes 5:23

Wir werden bemerkt haben, daß bei diesem letzten Schriftzitat wie auch bei all den anderen hier getätigten Feststellungen nichts andeutet, daß der Vater der Sohn und der Sohn sein eigener Vater ist, sondern daß ganz im Gegenteil von zwei Personen die Rede ist, die beide Gott sind, beide Schöpfer sind, aber der eine ist der höhere, der andere sein geehrter Repräsentant in Herrlichkeit und Macht.

Mit dem 4. Vers werden unsere Gedanken von dem herrlichen Einziggezeugten, dem Wort Jahwes, welcher Engel, Welten und den Menschen schuf, auf sein Werk als Erlöser des Menschen, der unter den Menschen war, gelenkt. An anderer Stelle können wir die Besonderheiten erfahren, daß er, der reich war, um unseretwillen arm wurde; und wie der Einziggezeugte, das Wort, die Herrlichkeit des Vaters verließ, um des Vaters großartigen und wundervollen und liebevollen Plan der Errettung des Menschen auszuführen.

Kurz gefaßt versichert uns der Apostel, daß in Jesus, als er unter den Menschen war, „das Leben war”. Es liegt in diesem Ausspruch, wenn er verstanden wird, eine große Kraft und Bedeutung. Als unser Herr unter den Menschen war, war er der einzige Mensch, der das Leben in sich hatte. Vater Adam hatte einst das Leben, aber er verlor es durch seinen Ungehorsam in Eden, und stattdessen ruhte der Fluch, das Todesurteil, auf ihm, und es wurde zum Erbteil all seiner Kindern, so daß kein Mensch in der ganzen Welt vom Geschlecht Adams Leben besaß – außer dem Sohn des Menschen, über den Johannes schrieb. Über alle anderen schrieb der Apostel Paulus: „Darum, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod und so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil alle gesündigt haben.” – Römer 5:12 Unseres Herrn Worte, „Laß die Toten ihre Toten begraben”, betraf die Menschen, die im allgemeinen um ihn herum waren. Es ist wahr, daß nicht alle in dem Sinn tot waren, daß sie jeden Funken des Lebens verloren hatten, aber alle waren zu neun Zehntel tot, und das andere Zehntel verging schnell. Aber in ihm, diesem Einziggezeugten des Vaters, der unter den Menschen war, war Leben, war das absolute, vollkommene Leben, weil sein Leben nicht von Adam durch einen irdischen Vater gekommen war, sondern es wurde direkt aus seinem vormenschlichen Stand oder Zustand in den Leib der Maria übertragen. So geboren war er in der Tat Teilhaber einer menschlichen Ordnung, aber ohne irgendeine Beeinträchtigung seiner Lebensrechte. Er war daher, wie die Schriften erklären, heilig, sündlos abgesondert von Sündern – getrennt und verschieden von dem ganzen Geschlecht Adams und besonders unterschiedlich auf Grund seiner unterschiedlichen Zeugung.

„Und das Licht war das Licht des Menschen”

Selbstverständlich ist das Licht hier in einem biblischen Sinn zu verstehen. Es bedeutet: Hoffnung, Intelligenz, Anweisung. Das Leben unseres Herrn als „der Mensch Jesus Christus”, seine Heiligkeit des Herzens, sein völliger Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters, seine Treue gegenüber jedem Prinzip der Gerechtigkeit und seine Kundgebung des göttlichen Charakters sprachen nicht weniger als seine Worte der Belehrung, daß er redete, wie nie zuvor ein Mensch redete. All dies bestätigt, daß er tatsächlich das große Licht unter den Menschen war, – ein Licht, das seitdem scheint, nicht nur durch seine berichteten Reden und Unterweisungen, sondern auch durch die Lebensumstände seiner Jünger und dies in dem Verhältnis, in welchem sie wahrhaft sein waren und sein sind.

„Und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfaßt.” Wie wahr dies ist! Und es trifft nicht nur auf die Juden in seinen Tagen zu, sondern es bewahrheitet sich immer noch gegenüber der Welt im allgemeinen. Wie wenige ergreifen, begreifen und wertschätzen das Licht der göttlichen Wahrheit und Gnade, das durch die Worte und Taten des Menschen Christus Jesus erstrahlte. Wir werden darüber informiert, daß ungefähr zweieinhalb Milliarden Menschen, etwa ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung, nach seinem Namen Christen genannt werden – wie unmöglich wäre es jedoch unsere Augen vor der Tatsache zu verschließen, daß die überwiegende Mehrheit von ihnen nahezu in ebenso großer Finsternis sind, wie die übrigen zwei Drittel der Weltbevölkerung, die ungläubig sind. Wie wenige Herzen und Sinne hat dieses Licht erleuchtet! Die Erklärung des Apostels ist die einzige, die den Fall beleuchtet, wenn er feststellt: „Wenn aber unser Evangelium doch verdeckt ist, so ist es [nur] bei denen verdeckt, die verloren gehen, den Ungläubigen, bei denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, damit sie den Lichtglanz des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus, der Gottes Bild ist, nicht sehen.” – 2. Korinther 4:3 und 4

Wie traurig! Zwei Drittel der Weltbevölkerung in totaler Finsternis zu sehen, während fast alle von denen, die sagen, daß sie sehen, ebenso blind sind. – Johannes 9:40 Wenn durch die Gnade Gottes unsere Augen zu einem gewissen Grad geöffnet worden sind, dieses große Licht wertzuschätzen, so wollen wir nicht hochmütig, sondern darum besorgt sein, daß das Licht nicht an uns vorüber geht, und wir wieder in Finsternis fallen würden, daß Stolz des Herzens oder die Sorgen dieser Welt oder der Betrug des Reichtums oder irgendetwas anderes uns wieder blind machen könnten für die Güte und Gnade Gottes in Christus.

Die Apostel deuten an, daß sogar Christen nur zum Teil erkennen können, aber teilweise zunehmend, wenn sie in eine Linie und in Einklang mit dem göttlichen Plan kommen, was sie betrifft. Wir sollten im Gedächtnis behalten, was der Apostel Paulus in seinen Tagen über einige treue Nachfolger des Herrn schrieb. „Deshalb höre ich, nachdem ich von eurem Glauben an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört habe, nicht auf, für euch zu danken, und ich gedenke eurer in meinen Gebeten, daß der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit euch gebe [den] Geist der Weisheit und Offenbarung in der Erkenntnis seiner selbst. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr wißt, was die Hoffnung seiner Berufung, was der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen ist.” – Epheser 1:15 – 19

In den Versen 6 bis 8 beginnt der Apostel eingehend den irdischen Dienst des Herrn zu schildern, und er zeigt uns, daß Johannes der Täufer von Gott beauftragt war, Zeugnis zu geben und den Herrn zu bezeugen als dieses große Licht, das einen Grund legt für den Glauben an Jesus als das Licht, das Leben der Welt. Johannes war nicht das Licht, sondern nur ein Botschafter desselben, jemand der auf das wahre Licht hinwies. Und wir erinnern uns daran, daß Johannes bezüglich dieser Angelegenheit keine Ehre für sich selbst beanspruchte, sondern eindeutig erklärte, daß seine Mission darin bestand, den Messias vorzustellen. Sobald als Johannes vom Vater das Zeugnis erhielt, daß Jesus tatsächlich der Erwartete war, beeilte er sich, den Herrn zu verkünden und sich selbst sogar für unwürdig zu erklären, dessen Schuhriemen zu lösen. Wie der Bericht zeigt, war das Zeugnis des Johannes so glaubwürdig, daß viele von seinen eigenen Jüngern ihn sogleich verließen und Nachfolger Jesu wurden.

„Er war das wahre Licht”

Während er des Vaters Wort oder Botschafter war, war er auch des Vaters Licht, dessen Aufgabe es war, des Vaters Liebe zu offenbaren und bekannt zu machen, damit diejenigen, die Augen zu sehen hatten, sich hingezogen, gezogen und gesegnet fühlen konnten. Ach wie viele waren blind! Sie hatten Augen, aber sie konnten nicht sehen, und sie verstanden, aber sie wertschätzten es nicht. Was für einen Segen bekamen diejenigen, die sahen und diejenigen, die es wertschätzten! Dies betraf nicht nur jene, die den Herrn persönlich sahen, sondern auch diejenigen, die seitdem seine Herrlichkeit, sein Licht, durch die Worte seiner treuen Botschafter unter der Leitung des Heiligen Geistes erkannt haben. „Glückselig eure Augen, daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören.”

Was für ein gesegneter Gedanke liegt hier halb verborgen in den Worten des Apostels – in der Erklärung, daß dieses wahre Licht jeden in die Welt geborenen Menschen erleuchten soll. Welchen Hoffnungsstrahl dies in jedem mitleidigen, christlichen Herz entflammt. Alle die den Geist Gottes besitzen, der die Welt so liebte, daß Er Seinen Einziggezeugten Sohn gab, um ihr Erlöser zu werden, haben sicherlich Verständnis für die Welt in ihrem verlorenen und blinden Zustand. Für solche ist diese Verheißung eine Zusicherung all der herrlichen Vorrechte und Botschaften des Herrn, durch die gesandten Propheten, welche von dem Zeitalter der Herrlichkeit berichteten, in welcher der Messias die Sonne der Gerechtigkeit sein soll, um die Finsternis und den Pesthauch der Sünde und des Todes zu zerstreuen und ewige Gerechtigkeit und Leben in die Welt zu bringen zu all denen, die diese annehmen werden.

Nichts ist verständlicher, als daß unser liebevoller Erlöser jene, die vor viertausend Jahren, bevor er Fleisch wurde und zu unserer Erlösung starb, in die Welt geboren wurden, noch nicht erleuchtet hat. Es wird gleichfalls klar, daß von denen, die während der vergangenen zweitausend Jahre in die Welt geboren wurden, seitdem er uns erlöst hat, nicht mehr als vielleicht einer von zehn jemals von jener großen Durchführung gehört oder die Gelegenheit gehabt hat darüber erleuchtet und gesegnet zu werden. Dies ist die Frohe Botschaft, die gute Nachricht großer Freude, die noch zu allen Völkern kommen soll. Unser geliebter Erlöser ist nicht nur der Erlöser der Kirche, sondern auch der Erlöser der Welt, das Licht der Welt, das schließlich jeden Menschen erleuchten soll, der in die Welt geboren wird, jeden Sohn und jede Tochter Adams. Wir werden in diesem Zusammenhang an die Worte des Apostels an Timotheus erinnert, „Denn einer ist Gott, und einer Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle gab, als das Zeugnis zur rechten Zeit.” – 1. Timotheus 2:5 und 6

Das Zeugnis zur rechten Zeit

Ja, es gibt ein Zeugnis zur rechten Zeit für jeden Zug des göttlichen Planes, und nicht eher bis diese verschiedenen Merkmale entwickelt worden sind wird dessen Herrlichkeit und Schönheit völlig erscheinen. Zweitausend Jahre lang wurde die Welt praktisch ohne jede Hoffnung irgendwelcher Art gelassen. Während der nächsten zweitausend Jahre erfreuten sich allein von allen Geschlechtern der Erde Abraham und sein Same göttlicher Gunst und teilweiser Erkenntnis des herrlichen Planes der Errettung, der durch den Messias ausgeführt werden würde, der entsprechend dem Fleisch vom Samen Abrahams sein würde.

Während der letzten zweitausend Jahre ist die Erkenntnis des Messias vor den Juden und vor der Mehrzahl der anderen Nationen weitgehend verborgen geblieben, aber sie hat trotzdem hier und dorthin gelangend ein besonderes Volk ausgesucht, eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, – das geistige Israel. Jeder dieser Züge hat seine bestimmte Zeit. Zur bestimmten Zeit hat Gott die Umrisse Seines Planes Abraham offenbart, zur bestimmten Zeit ist Christus für die Gottlosen gestorben, zur bestimmten Zeit seines zweiten Kommens wird sein Königreich eingeführt werden und mit ihm die Segnung aller Geschlechter der Erde, wenn das wahre Licht jeden Menschen erleuchten wird. „Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn, und die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in das Seine, [die Nation] und die Seinen [das Volk] nahmen ihn nicht an.” So wird kurz gefaßt von der Verwerfung des Christus durch die blinde Welt und das erblindete Israel berichtet. Aber diese Blindheit, von der Gott wußte, und hinsichtlich der Er in Seinem Plan entsprechende Vorsorge getroffen hatte, hinderte unseren geliebten Erlöser nicht daran, die großartigen beabsichtigten Absichten zu vollenden. Er kam nicht um zu herrschen, nicht um bedient zu werden, sondern Israel und der Welt als ihr Erlöser zu dienen – sie zu erkaufen mit seinem eigenen Blut, und sie aus der Verdammung herauszuziehen, die auf allen ruhte, wegen ihres Ungehorsams gegenüber dem göttlichen Gesetz. Er beendete das Werk, das ihm zur Ausführung gegeben wurde, auf eine großartige Weise.

Aber nicht alle verwarfen ihn. Ein kleiner Überrest im Vergleich zu der ganzen Nation glaubte an ihn und gehorchte ihm und wurde von ihm in einer besonderen Art und Weise gesegnet. Es waren diese die Apostel und andere treue Geschwister, fünfhundert an Zahl. – 1. Korinther 15:6 Diesen wurde nach göttlicher Anordnung eine besondere Gunst oder Segnung gegeben – das Vorrecht, von dem Haus der Knechte in das Haus der Söhne hinüber zu gehen. Mose war das Haupt vom Haus der Knechte – dem natürlichen Israel; Christus war das Haupt vom Haus der Söhne – dem geistigen Israel. Darauf weist der Apostel mit der Feststellung hin: „Und Mose war zwar in seinem ganzen Hause als Diener treu … Christus aber als Sohn über sein Haus. Sein Haus sind wir, wenn wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten.” – Hebräer 3:5 und 6

Die Juden sind keine Söhne Gottes

Die Juden beanspruchten weder, Gottes Söhne zu sein, noch wird in den Schriften auf sie als solche hingewiesen. Es konnte bis zu der Zeit, als unser Herr selbst das Vorrecht der Annahme zur Neuen Natur verkündete, von ihnen möglicherweise keine größere Würde erträumt worden sein, als Diener des höchsten Gottes zu sein. Zum Beweis dessen erinnern wir uns daran, daß die Juden unseren Herrn zu steinigen suchten, nur weil er beanspruchte, ein Sohn Gottes zu sein. – Johannes 5:17 und 18 Der Ort und die Zeit der Annahme für diese Gläubigen war der Obersaal zu Pfingsten, als der Geist der Annahme – der Heilige Geist der Salbung, ihnen gewährt wurde. Und ähnlich wird seitdem der Geist der Annahme allen Nachfolgern des Herrn während all der Jahrhunderte gewährt, obwohl derselbe nicht von den gleichen Wundern und Kundgebungen begleitet wird, die am Anfang notwendig waren.

Es ist diese Zeugung des Geistes zur Neuheit des Lebens auf geistiger Ebene, auf die der Apostel mit den Worten hinweist, „Die nicht aus Geblüt, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren [gezeugt] sind.” Das Wort „geboren”, das in der Übersetzung benutzt wird, ist hier falsch und irreführend. Die genaue Übersetzung des Wortes genao ist in diesem Fall „gezeugt”.

Der Apostel ist sehr genau darin, zu zeigen, daß diese Zeugung zur Neuen Natur ebenso notwendig ist wie die zur Neuen Schöpfung, wie zum Beispiel die Zeugung des Fleisches zur menschlichen Natur notwendig ist. Weiterhin sichert er das Thema rundherum ab, um zu beweisen, daß die Kraft der Zeugung hier nicht aus der Vererbung ist, nicht aus Geblüt, nicht direkt oder indirekt aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes in irgendeinem Sinn des Wortes, sondern Gott allein macht diese Zeugung, Gott allein nimmt an zur Zugehörigkeit an dieser Neuen Schöpfung, Gott allein gewährt das Siegel Seiner Annahme, und daher werden diejenigen, die so gezeugt sind, wenn sie in der Auferstehung geboren werden, im höchsten Sinn des Wortes Söhne des Höchsten sein, Erben Gottes, Miterben mit Jesus Christus unseren Herrn.

Zurückkommend auf unser ursprüngliches Thema unseres Herrn Kommen unter die Menschen vom Standpunkt des treuen Jüngers zu betrachten, erklärt der Apostel: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.” Beachten wir zuerst die Feststellung, daß er Fleisch wurde, ein völlig unterschiedlicher Gedanke vom dem, der in einigen Glaubensbekenntnissen ausgedrückt wird, wenn sie von dem Herrn als „in Menschengestalt” reden. In Menschengestalt zu erscheinen, würde bedeuten Fleisch anzunehmen, als ob das Fleisch nur ein Umhang oder ein Kleid wäre. Dies ist nicht die Feststellung noch die Bedeutung des Schriftzeugnisses, das sehr deutlich und eindeutig sagt: „ward Fleisch”. Die revidierte Version, welche dem Originaltext, wenn dies möglich ist, noch genauer entspricht, übersetzt: „Das Wort wurde Fleisch”. Dies ist auch in Übereinstimmung mit Römer 1:3, „über seinen Sohn, der aus der Nachkommenschaft Davids gekommen ist”, und der Apostel stellt wiederum in Galater 4:4 fest, daß „Gott seinen Sohn sandte, geboren von einer Frau”.

Wir schauen seine Würde

Die Apostel und alle Gläubigen, die mit unseren Herrn in den Tagen seines Fleisches verkehrten, machten die Erfahrung seiner Herrlichkeit. Sie machten die Erfahrung der Großartigkeit und des Adels, der Vollkommenheit des „Menschen Jesus Christus” – eine Vollkommenheit und Herrlichkeit, die bei keinem anderen Menschen gesehen werden konnte, weil alle anderen Sünder waren, während er durch den Vorteil einer besonderen Geburt heilig, sündlos, unbefleckt und abgesondert von den Sündern war. Das Wort Herrlichkeit stellt hier den gleichen Gedanken dar wie im Psalm 8:5, wo es über Adam und seine Vollkommenheit und Gottähnlichkeit spricht, als der vollkommene Mensch im Bild Gottes, wie auch erklärt wird, daß Gott ihn „mit Herrlichkeit und Ehre krönte”. Ähnlich wurde unser Herr Jesus in den Tagen seines Fleisches mit Herrlichkeit und Ehre menschlicher Vollkommenheit gekrönt, und seine Jünger erlebten diese Würde menschlicher Vollkommenheit, welche ihn als getrennt und entfernt von allen anderen zeigte, und sie bemerkten es, daß sie ihn von der Welt der Sünder unterschied und als den Einziggezeugten des
Vaters kennzeichnete, voller Gnade und Wahrheit – reich an jeder angemessenen und wünschenswerten Beschaffenheit und Charaktereigenschaft.

Ein anderer Gedanke ist in unserer Übersetzung in dem Wort „wohnt” verdeckt vorhanden. Im Griechischen bedeutet dies in einer Hütte oder einem Zelt zu wohnen, wenn wir lesen „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns”. Ein Zelt wurde errichtet, um für eine Zeit lang ein Wohnort oder eine Wohnung zu sein, und so weisen die Schriften darauf hin, daß unser Herr die menschliche Natur annahm und Fleisch wurde, daß er aber nicht für immer ein fleischliches Wesen sein würde, ein menschliches Wesen, sondern nur für eine Zeit lang. Andere Schriftstellen unterstützen diesen Gedanken völlig, und es erscheint in der Tat seltsam, daß Christen so allgemein diesen irrtümlichen Gedanken angenommen haben, daß unser Herr nun ein menschliches Wesen ist, ein Wesen von Fleisch und Blut, das im Himmel ist. Ganz im Gegenteil können Fleisch und Blut das Königreich der Himmel nicht erben. Unser Herr wurde in seiner Auferstehung umgestaltet und ist nun, wie der Apostel erklärt, ein „lebendig machender Geist”. Und der Apostel erklärt ein weiteres Mal: „Jetzt ist der Herr dieser Geist”. Und weiterhin sagt er, daß alle von des Herrn Volk, die Miterben mit ihm in seinem Königreich sein werden, umgestaltet werden müssen, weil „Fleisch und Blut das Königreich nicht ererben können”.

Es wäre tatsächlich schlimm, zu denken, daß unser Herr die große Erniedrigung von der himmlischen zur irdischen Stellung gemacht und seine Herrlichkeit abgelegt hätte, die er bei dem Vater hatte, bevor die Welt entstand; daß er Fleisch wurde, und um unseretwillen leiden mußte, und dann, nachdem er gegenüber dem Vater gehorsam war und uns so gnädig gedient hatte, gezwungen sein sollte, für immer auf der niedrigeren fleischlichen Ebene des Daseins zu bleiben. Es würde in der Tat ein erschütternder Gedanke sein. Aber nicht nur die zuvor zitierte Schriftstelle beweist das Gegenteil, sondern in Übereinstimmung mit der Feststellung des Schrifttextes ziehen wir in Betracht, daß er nur eine kleine Weile mit uns zeltet. Der Apostel erklärt die Sache eindeutig, daß unser Herr in die Welt kommen sollte und zeigt, daß alles durch seinen Tod erfüllt wurde. Er sagt, daß er Fleisch wurde, damit er durch Gottes Gnade für jeden den Tod schmeckte. – Hebräer 2:9 Das war das Ziel, das einzige Ziel, die einzige Notwendigkeit für unseren Herrn, Mensch zu werden. Und als er das Werk vollbracht hatte, welches ihm der Vater zu tun gab, wurde er verherrlicht, und, wie uns mit Nachdruck versichert wurde, „wurde er hoch erhöht, und es wurde ihm ein Name gegeben, der über jeden Namen ist – weit über Fürstentümer und Mächte und jeden Namen, der genannt ist.” – Philipper 2:9 und Epheser 1:21

Der Apostel Johannes fährt fort, zu zeigen, daß Johannes der Täufer den Herrn völlig als den Messias ankündigte, und zweifellos wies er auf diese Tatsache hin, weil viele der Juden ein großes Vertrauen in Johannes den Täufer setzten und damit Jesus ablehnten. Der Apostel spricht weiter ausführend von der Fülle des Christus, der Gnade und dem Verdienst, die in ihm waren und auf alle seine Nachfolger übertragen wurden, seine treuen Jünger, „Gnade um Gnade”, oder buchstäbliche Gunst auf Gunst. Dieser letzte Ausdruck scheint ein Feststellung zu sein, von dem, was das ganze Volk des Herrn in ihren eigenen Erfahrungen wiedererkennt, nämlich, daß die Segnungen, die in ihrer Beziehung zu dem Herrn über sie kommen, keinesfalls Seine ganze Gunst bedeuten, daß sie an Gnade zunehmen mögen, daß sie an Erkenntnis zunehmen mögen, daß sie an den Früchten des Geistes zunehmen mögen, und zunehmend Gunst auf Gunst besitzen mögen, fortwährend bis zum Ende ihres Laufs, und dann – am Auferstehungsmorgen – das kommen möge, was der vollständige Höhepunkt der Gnade Gottes sein wird, und wir wie unser Erlöser sein werden und ihn sehen werden wie er ist und an seiner Herrlichkeit teilhaben werden.

Vorhergehend vergleicht der Apostel Moses, den vorbildlichen Mittler und Haupt des vorbildlichen Hauses Israel mit Christus, seinem Gegenbild, dem Haupt des geistigen Israel. Der Gesetzesbund, der von Mose mitgeteilt und vermittelt wurde, war für jene Nation ein großer Segen in vieler Beziehung; aber die Gnade und Wahrheit, Gottes Gunst und die Erkenntnis jenes wundervollen Planes kam nicht durch Mose, sondern durch Christus, und nicht zu denen, die Mose folgten, sondern zu den Nachfolgern Christi.

Unsere Lektion schließt ein und weist darauf hin, daß unser Herr Jesus der einziggezeugte Sohn Seines Vaters war, und daß es seine Mission in der Welt war, den Vater zu erklären, bekannt zu machen, den Vater zuerst der Kirche zu offenbaren und schließlich zur bestimmten Zeit der Welt. Der Vater, welcher die Vollkommenheit und Gerechtigkeit verkörpert, konnte nicht passenderweise und gerechterweise Sünde und Sünder anerkennen, denn sie stehen gänzlich im Gegensatz zu den besten Interessen des Universums und im Gegensatz zu den göttlichen Absichten, sie können von Gott nicht anerkannt werden. Wenn Er daher Barmherzigkeit ausüben würde, mußte es durch einen anderen geschehen – einen Mittler.

Seine Liebe und Barmherzigkeit sind uns daher in Christus offenbart worden; dennoch gehören sie Ihm, während sie gegenüber uns in diesem Umlauf zu uns gelangt sind, und mit dem Vorbehalt, daß niemand zum Vater kommt, als nur durch ihn, und daß kein anderer Name unter dem Himmel und unter den Menschen gegeben ist, durch den wir errettet werden müssen. So ist die Errettung des Menschen das ganze Werk des Sohnes mit der Unterweisung seiner Nachfolger und schließlich in dem Gericht und der Segnung aller Geschlechter der Erde. Diese alle werden aber nur die Offenbarung des Vaters sein, die Seinen wahren Charakter der Liebe, und Gerechtigkeit, Weisheit und Macht zeigen.

Die große Volksmenge

„Nach diesem sah ich: Und siehe, eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, stand vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern und Palmen in ihren Händen. Und sie rufen mit lauter Stimme und sagen: Das Heil unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm!” – Offenbarung 7:9 – 11

Über die große Volksmenge von Offenbarung 7 hat es unter Bibelforschern schon immer verschiedene Ansichten hinsichtlich ihrer letztlichen Stellung und Rolle in Gottes Plan gegeben. Viele haben über deren Hoffnungen und Erwartungen sinniert, als auch über die Freuden, die sie erfahren werden, und wie diese mit anderen Menschengruppen, die in der Bibel erwähnt werden, zusammenpassen. Bei einer Untersuchung der Schriften können wir feststellen, daß die Große Schar oder Volksmenge in verschiedenen Schriftpassagen bildlich dargestellt ist.

Psalm 45:14 – 16 sagt: „Ganz herrlich ist die Königstochter drinnen, von Goldgewebe ihr Gewand; in buntgewebten Kleidern wird sie zum König geführt, Jungfrauen ihr Gefolge, ihre Gefährtinnen, sie werden zu dir hineingebracht. Sie werden geführt unter Freude und Jubel, sie ziehen ein in den Palast des Königs.” Psalm 45 beschreibt den Bräutigam, die Braut und ihre Gefährtinnen.

Der Bräutigam

Es fällt uns leicht zu entdecken, wer der Bräutigam in diesem Psalm ist. Hier wird Jesus zuerst in seiner menschlichen Gestalt und dann als siegreicher König gezeigt. Man kann nur eine ungefähre Vorstellung davon haben, wie ein vollkommener Mensch aussehen würde. Aber dieser Psalm gibt eine Antwort: „Anmut ist ausgegossen über deine Lippen.” – Psalm 45:3 Lukas fügt hinzu, was geschah, als jene, die in der Synagoge waren, Jesus reden hörten: „Und alle gaben ihm Zeugnis und wunderten sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen.” – Lukas 4:22 Der 4. Vers von Psalm 45 wird von dem Schreiber des Hebräerbriefes mit dem Zusatz unterstützt: „hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat; er, der Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und Abdruck seines Wesens ist und alle Dinge durch das Wort seiner Macht trägt, nachdem er die Reinigung von den Sünden bewirkt hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt.” – Hebräer 1:2-3

Paulus kennzeichnet den Bräutigam von Psalm 45, wenn er schreibt: „Von dem Sohn aber sagt er: ‚Dein Thron, Gott, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Aufrichtigkeit ist Zepter deines Reiches.” – Hebräer 1:8

Die Braut

Die Beschreibung der Braut beginnt im Psalm 45 mit den Worten: „Königstöchter stehen da, mit deinen Kostbarkeiten [geschmückt]; die Königin steht zu deiner Rechten in Gold von Ofir. Höre, Tochter, und sieh, und neige dein Ohr; und vergiß dein Volk und deines Vaters Haus!” – Psalm 45:10 und 11 Wie ähnlich sind die Empfindungen, die diese Verse in uns wecken, bezüglich der Worte Jesu in Matthäus 10:37: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig.” Die Braut wird aus der gefallenen Menschheit aus allen Nationen der Erde gezogen. Paulus erklärt im Brief an die Epheser, in Epheser 5:25 und 27: „Ihr Männer, liebt eure Frauen!, wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat. … Damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen hat, sondern daß sie heilig und tadellos ist.” Ihre innige Treue schafft eine tiefe Wertschätzung in dem Herzen des Bräutigams: „Und wird der König deine Schönheit begehren. …Ganz herrlich ist die Königstochter drinnen, von Goldgewebe ihr Gewand.” – Psalm 45:12 und 14 Beschrieben wird hier die innere Schönheit, und Petrus schreibt ähnlich: „Euer Schmuck sei nicht der äußerliche durch Flechten der Haare und Umhängen von Gold oder Anziehen von Kleidern, sondern der verborgene Mensch des Herzens im unvergänglichen [Schmuck] des sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr köstlich ist.” – 1. Petrus 3:3 und 4 Das in ihrem Gewand verwobene Gold zeigt nicht nur ihren Status als Königin und ihre Stellung im Besitz der göttlichen Natur, sondern auch ihre Treue.

Petrus spricht ähnlich von der Bewährung des Glaubens in Bezug auf die Reinigung des Goldes, wenn er feststellt: „damit die Bewährung eures Glaubens viel kostbarer befunden wird als die des vergänglichen Goldes, das durch Feuer erprobt wird, zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi.” – 1. Petrus 1:7

Die Jungfrauen, ihre Gefährtinnen

Eine Frage entsteht hinsichtlich der Identifikation der Gefährtinnen, und wie es dazu kommt, daß sie die Braut auf ihrem Weg zu ihrer Hochzeit begleiten. Die Tatsache, daß diese Jungfrauen waren, zeigt, daß sie rein und unbefleckt waren. Wenn sie beide zu der Hochzeit gehen, und die Hochzeit im Himmel stattfindet, dann müssen beide geistige Klassen darstellen.

Alle Jungfrauen brachen aus der gleichen Stellung auf – der gefallenen Menschheit. Sie haben auf die Botschaft Christi während des Evangelium-Zeitalters geantwortet. Nicht alle, die während dieser Zeit auf Erden Christi Botschaft hörten, sollten ausgesucht werden. Christus erklärte: „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.” – Johannes 6:44 Und in Vers 65 fügt er hinzu: „Darum habe ich euch gesagt, daß niemand zu mir kommen kann, es sei ihm denn von dem Vater gegeben.”

Mit dem Tod und der Auferstehung Christi wurde ein Weg eröffnet, der zuvor nicht zur Verfügung stand. Christi Tod sah das Lösegeld vor, um die Menschheit vom Todesurteil zu befreien, das durch Adams Ungehorsam über sie gekommen war. Eine andere Auswirkung, die durch den Tod und die Auferstehung Christi entstand, war das Zerreißen des zweiten Vorhangs im Tempel. Es zeigte an, daß der Zugang zu Gott nun durch die Annahme des Opfers Christi ermöglicht worden war. – Hebräer 6:19 und 20

Das Kommen des Heiligen Geistes zu Pfingsten zeigte, daß der Weg offen war „zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus”. – Philipper 3:14 In der Predigt, mit der sich Petrus an die Juden wandte, sagte er: „Tut Buße, und ein jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden! Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die in der Ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, hinzurufen wird.” – Apostelgeschichte 2:38 und 39 Die Botschaft wurde zuerst an die Juden gerichtet und danach auch an die Griechen (die Nationen). – Lukas 24:47, Römer 1:16 und 2:9 – 11

Die Nationen

Während Jesus bei seinem ersten Kommen sagte, daß sein Dienst ausschließlich für die Juden bestimmt war (Matthäus 15:24), erhielt Petrus eine Vision von Gott, die erklärte, daß die Zeit der ausschließlichen Gunst für die Juden beendet war, und daß der Weg nun für die Heiden geöffnet wurde, um einzutreten. Petrus sprach dann diese Worte: „In Wahrheit begreife ich, daß Gott die Person nicht ansieht, sondern in jeder Nation ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ihm angenehm.” – Apostelgeschichte 10:34 – 35 Zu den Juden in Pisidien und Antiochien sprachen Paulus und Barnabas mit Freimut: „Zu euch mußte notwendig das Wort Gottes zuerst geredet werden; weil ihr es aber von euch stoßt und euch selber des ewigen Lebens nicht für würdig haltet, siehe, so wenden wir uns zu den Nationen. Denn so hat uns der Herr geboten: ‚Ich habe dich zum Licht der Nationen gesetzt, daß du zum Heil bist bis an das Ende der Erde.‘ Als aber die [aus den] Nationen es hörten, freuten sie sich und verherrlichten das Wort des Herrn; und es glaubten, so viele zum ewigen Leben verordnet waren.” – Apostelgeschichte 13:46 – 48

Gott wählt nicht willkürlich aus

Einige mögen sagen, daß Gott ungerecht ist, weil nicht alle, die Sein Wort gehört haben, gerufen und erwählt worden sind. Es werden auch nicht alle, die einen Bund über Opfer gemacht haben, die gleiche Stellung oder Ehre erlangen. Jahwe trifft Entscheidungen darüber, wer schließlich der Erfüllung Seiner Absicht entspricht. Es gibt zahlreiche Beispiele im Alten Testament, daß Entscheidungen getroffen wurden, die im Gegensatz zu dem menschlichen Denken verliefen. Gott zog bei der Auswahl Isaak dem Ismael vor und Jakob dem Esau und Israel, (obgleich das letzte der Reihenfolge), all den übrigen Nationen der Erde vor.

Die Wahl des Stammes Levi, Gott in der Stiftshütte zu dienen, zeigt Gottes absolute Macht auszuwählen, wen Er will und welche Stellung Er ihnen zuteilen will, und dies im Gegensatz zur Weisheit der Menschen. Levi war vom Charakter her gewalttätig gegenüber Menschen und Tieren. Jakob wollte nicht teilhaben an Levis Rat und fluchte ihm, kurz bevor er starb. – 1. Mose 49:5 – 7 Aaron, der den Stamm Levi am Ende der Zeit des Auszugs führte, schien ebenso eine eigenartige Wahl zu sein. 2. Mose 32:4 sagt: „daß er dem Druck des Volkes nachgab, das goldene Kalb zu formen, von dem sie dann sagten: ‚Das ist dein Gott, Israel, der dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat’.”

Die Auswahl des Stammes Levi stellt im Vorbild die Herauswahl der Kirche der Erstgeborenen dar. – Hebräer 12:23 Die Leviten, 22.273 an Zahl, ersetzten die Erstgeborenen, die in Ägypten errettet wurden. – 4. Mose 3:40 – 51 Es ist von Interesse, zu beachten, daß der ganze Stamm kein Erbteil im Land besaß, nicht nur die Priester, denn es steht geschrieben: „Die Priester, die Leviten, der ganze Stamm Levi, sollen kein Anteil noch ein Erbe mit Israel haben. Die Feueropfer des HERRN und sein Erbteil sollen sie essen. Aber ein Erbteil inmitten seiner Brüder soll er nicht haben. Der HERR selbst ist sein Erbteil, so wie er zu ihm geredet hat.” – 5. Mose 18:1 und 2

Wie ähnlich sich dies gegenüber den geweihten Nachfolgern Christi während des Evangelium-Zeitalters verhält, welche ihre irdischen Dinge für die geistigen Dinge aufgeben müssen, wie auch Paulus im Brief an die Philipper sagt: „Unser Bürgerrecht ist in [den] Himmeln, von woher wir auch [den] Herrn Jesus Christus als Retter erwarten.” – Philipper 3:20 Von den Leviten wurde in der gleichen Weise als Gottes Erbteil gesprochen, wie Paulus von den Heiligen sprach, als er seinen Brief an die Epheser schrieb. – Epheser 1:18 Obwohl beide, sowohl Levi als auch Aaron, Fehler zeigten, als Mose die Frage stellte: „Her zu mir, wer für den HERRN ist!”, waren es die Söhne Levis, die auf seinen Ruf antworteten und sich selbst von den anderen trennten. Dies veranschaulicht wiederum, wie die Kirche sich selbst von der Welt trennen muß und besonders von den falschen religiösen Systemen.

Der Stamm Levi bestand aus vier Abteilungen. Gott bestimmte für jede Familie eine unterschiedliche Rolle. Aaron und seine Söhne dienten als die Priesterschaft, welche die Opfer für das Volk Israel zubereitetet. Die Kohathiter waren als nächste Verwandtschaft zu Aarons Haus beauftragt, alle Gefäße des Heiligtums zu tragen. Die Gersoniter trugen die Zeltvorhänge und die Vorhänge. Die Söhne von Merari trugen die Bretter und Riegel und die Pfosten der Stiftshütte. Die Leviten schlugen auch ihr Lager an allen vier Seiten in der Nähe zur Stiftshütte auf mit einem Abstand zwischen der Stiftshütte und den übrigen Israeliten.

Die Einteilung der Leviten zeigt den Unterschied, der zwischen der Braut und der Großen Volksmenge besteht. Beide sind Gottes Erbteil. Gott allein entscheidet, welchen Platz sie einnehmen sollen. Ähnlich den Leviten haben sie kein Erbteil auf der Erde, was ihre himmlische geistige Stellung anzeigt. In der Offenbarung wird die Braut mit Christus auf dem Thron sitzend gezeigt, während die Große Volksmenge vor dem Thron steht. Sie befinden sich „in der Gegenwart” des Thrones Gottes. „Diese sind es, die aus der großen Bedrängnis kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiß gemacht im Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen.” – Offenbarung 7:14 und 15

Sie dienen in dem Tempelheiligtum. Das griechische Wort für Tempel ist naos (nach Strongs Bibelkonkordanz Nummer 3485) in der Bedeutung des Hauptteils des Tempels, im Gegensatz zu dem griechischen Wort hieron, mit der Bedeutung des Tempels und seines Vorhofs und der Umgebung. Daß sie aus großer Bedrängnis kommen, mag große Schwierigkeiten zeigen, Gott zu aller Zeit völlig zu vertrauen, indem sie sich auf ihre eigene Stärke verlassen. – Hesekiel 44:10 – 14 und 15 – 16

Jesus beschreibt in seinem Gleichnis vom Sämann den Unterschied, der zwischen der treusten Klasse und der Großen Schar besteht. Außer den vier Vorbildern des Bodens, auf den der Same gesät wurde, brachte der Same, der auf die gute Erde gesät worden war, das Dreißigfache, Sechzigfache oder Hundertfache des Samens hervor, der ausgesät worden war – Matthäus 13:23 Dies zeigt, daß sogar eine Aufteilung unter dem Samen, der viel Frucht brachte, besteht, und es gibt eine Unterscheidung in dem Wachstum zu verstehen, die sogar unter der Klasse der Überwinder besteht.

Die göttliche Natur

Die Braut hat die gleiche göttliche Natur wie der Bräutigam Christus und sitzt mit ihm auf seinem Thron als „mehr als Überwinder” – Römer 8:37 Die große Volksmenge wird in Offenbarung 7:9 – 14 erwähnt, als „eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation, und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, stand vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern und Palmen in ihren Händen. Und sie rufen mit lauter Stimme und sagen: Das Heil unserem Gott, der auf dem Thron sitzt und dem Lamm! … Und einer von den Ältesten begann und sprach zu mir: Diese, die mit weißen Gewändern bekleidet sind – wer sind sie, und woher sind sie gekommen? … Diese sind es, die aus großer Bedrängnis kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiß gemacht im Blut des Lammes.” Weiß zeigt ihren Stand als Jungfrauen, weil sie ihre Gewänder während großer Bedrängnis im Blut des Lammes gewaschen haben.

Jahwes göttliche Ankündigung wird wird erfüllt werden, wie in Offenbarung 21:3 – 5 gezeigt wird: „Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Nationen sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz wir mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der, welcher auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu.”

Die Braut und die große Volksmenge werden in der Bibel auf verschiedene Weise und zu verschiedenen Zeiten bildlich dargestellt. Im Psalm 45 werden sie als die Braut und ihre Gefährtinnen gezeigt; in der Stiftshütte werden die zwei Klassen in der Aaronischen Priesterschaft und den Leviten gesehen. Offenbarung 7 erwähnt die 144.000 und die Große Volksmenge.

In dem Gleichnis vom Sämann beschreibt Jesus diese, von denen einige mehr Frucht brachten und andere weniger Frucht. Beide Klassen nehmen eine Stellung der Schönheit und der Ehre ein und sind Überwinder. Beide werden in der Zeit, in der das Königreich unseres Gottes auf die Erde gekommen ist, Hilfestellung für die Menschen leisten. „Und ich hörte [etwas] und wie die Stimme einer großen Volksmenge und wie das Rauschen vieler Wasser und wie ein Rollen starker Donner, die sprachen: Halleluja! Denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat die Herrschaft angetreten. Laßt uns fröhlich sein und jubeln und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereitgemacht. … Und er spricht zu mir: Schreibe: Glückselig, die eingeladen sind zum Hochzeitsmahl des Lammes! Und er spricht zu mir: Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes.” – Offenbarung 19:6 – 9

Das sagt der HERR zwei Mal und drei Mal

Die Schriften offenbaren Gottes Wesen in vier großen Eigenschaften, der Liebe, Gerechtigkeit, Weisheit und Macht, die sich gegenseitig durchdringen. Dabei werden zwei Eigenschaften besonders oft erwähnt, die Liebe und die Gerechtigkeit. Während im allgemeinen die Charaktereigenschaft der Liebe an die erste Stelle gesetzt wird, kennzeichnet die Schrift die Gerechtigkeit als die Grundfeste des Thrones Gottes: „Gerechtigkeit und Recht sind deines Thrones Grundfeste.” – Psalm 89:14

Auch wenn bei Gottes Handeln mit dem Menschen die Liebe im Vordergrund steht, denn „Gott ist Liebe”, wie es in 1. Johannes 4:8 und 16 heißt, kommt doch die Gerechtigkeit nicht zu kurz, denn die Liebe Gottes hat die Gerechtigkeit zur Grundlage. Jahwe ist „barmherzig und gnädig und langsam zum Zorn”, „Er vergibt Schuld, Vergehen und Sünde” – als Ausdruck Seiner Liebe; aber keineswegs läßt Er Sünden unbestraft – als Ausdruck Seiner Gerechtigkeit. 2. Mose 34:7

Wenn die gerechten Gesetze oder Gebote Gottes von den Menschen gebrochen werden, lösen sie erzieherische Maßnahmen aus, und wenn diese unbeachtet bleiben, führen sie zur Bestrafung.

Unser barmherziger Gott ist langmütig, wenn es darum geht, den Ungehorsamen zu bestrafen und Er verwarnt den Sünder, bevor Er ihn endgültig bestraft. Er läßt ihn sein Unrecht wissen und gibt ihm die Gelegenheit, sein Unrecht einzusehen und einen besseren Weg einzuschlagen. Er möchte nicht, daß der Gottlose sterbe, sondern umkehre und lebe – ewig lebe, wie dies auch der Prophet Hesekiel im Auftrag des Herrn zum Volk Israel sagt: „Sage zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR, ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daran, daß der Gottlose sich abwende von seinem Weg und lebe!” – Hesekiel 33:11

Sünde führt zum Tod, wenn sie nicht bereut wird und zur Änderung des ungerechten Verhaltens führt. Gottes Liebe für den Menschen zeigt sich darin, daß Er wünscht, daß der Mensch von seinen bösen Wegen umkehre und lebe. Darum warnt er ihn, bevor Er ihn bestraft, um ihm die Gelegenheit zur Umkehr zu geben. Die Heilige Schrift deutet an, daß diese Warnung in der Regel zwei Mal oder drei Mal ausgesprochen wird. In Hiob 33:29 wird dies in den Worten von Elihu offenbar: „Siehe, das alles tut Gott zweimal, dreimal mit dem Mann, um seine Seele von der Grube zurückzuholen, damit er vom Licht des Lebens erleuchtet wird.”

Aus menschlicher Erfahrung können wir sagen, daß jemand, der nach zweimaliger oder dreimaliger Warnung keine Anzeichen der Einsicht oder Änderung zeigt, sein Verhalten sehr wahrscheinlich auch bei weiteren Warnungen nicht ändern würde. Es wäre in diesem Fall vergeblich und Zeitverschwendung weitere Versuche zu unternehmen, ihn zur Umkehr zu bewegen.

Joseph deutet die Träume Pharaos

Als Joseph aus dem Gefängnis geholt wurde, um dem Pharao die beiden Träume von den sieben fetten und sieben mageren Kühen und den sieben fetten und schönen Ähren und den dürren Ähren zu deuten, sagte er zu dem Pharao: „Der Traum des Pharao ist einer”, – oder anders gesagt, – beide Träume betreffen die gleiche Sache. Und dann erklärt Joseph, was für einen Grund es hat, daß Gott den Pharao zweimal nacheinander diese Träume sehen ließ. Joseph erklärte: „Und daß der Traum zweimal an den Pharao erging, (bedeutet) , daß die Sache bei Gott fest beschlossen ist und daß Gott eilt, sie zu tun.” – 1. Mose 41:32

Wie es den Anschein hat, gibt Joseph uns einen grundlegenden Hinweis, der auch in anderen Situationen in der Bibel in Erscheinung tritt, wie zum Beispiel bei dem jungen Samuel, als er nach Silo zum Priester Eli kam, um künftig dem Herrn im Tempel zu dienen.

Samuel wird drei Mal von Gott gerufen

Als Samuel in die Obhut Elis gegeben wurde und sich im Tempel des HERRN aufhielt, wo die Lade Gottes war, da rief Jahwe den Samuel. Samuel lief zu Eli, weil er glaubte, daß dieser ihn gerufen habe. Aber Eli verneinte dies und schickte ihn zurück an seinen Ort. Dann geschah es ein zweites Mal, daß Gott den jungen Samuel rief, und wiederum glaubte er, daß Eli ihn gerufen habe, aber Eli verneinte dies ein zweites Mal und schickte ihn an seinen Platz zurück. Vielleicht dachte Eli, daß Samuel nur geträumt hatte. Als dann Samuel ein drittes Mal von Gott gerufen wird und vor Eli erscheint, erkennt und versteht Eli, daß Jahwe Samuel gerufen hat. Und Eli sagte zu Samuel: „Geh hin und leg dich schlafen! Und so soll es sein, wenn er dich ruft, antworte: Rede, HERR, dein Knecht hört!” – 1. Samuel 3:9

Zuvor wird in Kapitel 3 Vers 1 gesagt: „das Wort des HERR war selten in jenen Tagen; Visionen gab es nicht häufig.” Dies könnte erklären, warum der Priester Eli nicht sogleich erkannte, daß der HERR Samuel gerufen hatte. Aber wie wir bemerken, erkannte Eli beim dritten Mal, wer Samuel gerufen hatte.

Die Botschaft, die Samuel empfing, war eine Gerichtsbotschaft, die sich nicht nur gegen die ungehorsamen Söhne Elis richtete, sondern auch gegen Eli selbst. Über die ruchlosen Söhne Elis und ihr frevelhaftes Handeln erfahren wir zu genüge im 2. Kapitel in den Versen 12-17. Was aber hatte der Priester Eli getan, das ihm zur Last gelegt wurde? Worin hatte sich Eli gegenüber Gott verschuldet? Wir finden die Antwort in 1. Samuel 3:13, wo Jahwe Samuel darüber informiert: „Denn ich habe ihm mitgeteilt, daß ich sein Haus für ewig richten will um der Schuld willen, denn er hat erkannt, daß seine Söhne sich den Fluch zugezogen, aber er hat ihnen nicht gewehrt.” – 1. Samuel 3:13

Eli hatte seinen ruchlosen Söhnen zwar erklärt, daß ihr gottloses Handeln nicht zu akzeptieren sei, aber er hatte darüber hinaus nichts weiter unternommen, um sie von ihrem gesetzlosen Tun abzubringen, wie er es als Priester Gottes hätte tun müssen. Seine menschliche Liebe zu seinen Söhnen hatte ihn davon abgehalten, sie hart zu behandeln.

Auf unser Thema bezugnehmend können wir feststellen, daß eine zweimalige Wiederholung einer Botschaft Gottes uns zu verstehen gibt, daß „diese Sache bei Gott fest beschlossen ist” wie dies Joseph, der sicherlich ein besonderes Werkzeug Gottes und Vorbild unseres Herrn war, auch bei den Träumen des Pharao erkannt hatte.

Die wiederholte Segensverheißung

Ein weiteres erwähnenswertes Beispiel finden wir auch in Jahwes Handeln mit Abram. Der HERR forderte Abram auf: „Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land das ich dir zeigen werde! Und ich will dich zu einer großen Nation machen, und ich will dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein! Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.” – 1. Mose 12:1 – 3

Während die dem Abram gegebene Segens Verheißung mit der Feststellung endet: „In dir (das heißt in der Person von Abram) sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde”, schließen nachfolgende Schriftstellen auch den Samen Abrams in die Verheißung „alle Geschlechter der Erde zu segnen” mit ein. Dem bis dahin noch kinderlosen Abram wird eine große Nachkommenschaft verheißen, die an sich schon ein Segen bedeutete. – 1. Mose 15:2 – 6 In den nachfolgenden Schriftstellen von 1. Mose 22:18, 26:4 und 28:14 wird der Same Abrahams in die Segens Verheißung miteinbezogen.

Paulus bezeichnet in seinem Brief an die Hebräer Abrahams und Saras Sohn Isaak, als den „Miterben der Verheißung”, – Hebräer 11:11 Und im Brief an die Galater erklärt der gleiche Apostel: „Dem Abraham aber wurden die Verheißungen zugesagt und seiner Nachkommenschaft. Er spricht nicht: ‚und seinen Nachkommen‘ wie von vielen, sondern wie bei einem: ‚und deinem Nachkommen‘ (und) der ist Christus.” – Galater 3:16

Der Same Abrahams

Als Abraham im Alter von 99 Jahren mit Sara einen Sohn zeugt, dem sie den Namen Isaak geben, zeigt sich in Isaak vorbildlich der Same der Verheißung. – Römer 9:7 Isaak ist das Vorbild unseres Herrn Jesus, den wahren Erben der Verheißung.

Als der Herr dann ein weiteres Mal Abrahams Gehorsam prüft, indem er ihn auffordert, Isaak auf dem Berg als Brandopfer zu opfern, und als Abraham willens ist, dieses überaus große Opfer auszuführen, schreitet der Engel Gottes ein, und Jahwe wiederholt die Segensverheißung des Bundes mit Abraham, alle Geschlechter der Erde durch Ihn (und seinen Samen) zu segnen.
„Und der Engel des HERRN rief Abraham ein zweites Mal vom Himmel her zu und sprach: Ich schwöre bei mit selbst, spricht der HERR, deshalb, weil du das getan und deinen Sohn, deinen einzigen, (mir) nicht vorenthalten hast, darum werde ich dich reichlich segnen und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist; und deine Nachkommenschaft wird das Tor ihrer Feinde in Besitz nehmen. Und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde dafür, daß du meiner Stimme gehorcht hast.” – 1. Mose 22:15 – 19

Die dem Abram gemachte Bundesverheißung durch ihn alle Geschlechter zu segnen (1. Mose 12:1 – 3) wird hier wiederholt oder ein zweites Mal ausgesprochen und noch zusätzlich mit einem Eid verbunden. Wie wir schon zuvor aus der Erklärung Josephs entnehmen konnten, bedeutet in der Heiligen Schrift die Wiederholung einer Aussage oder Verheißung Gottes, daß diese unter allen Umständen in Erfüllung gehen wird, daß Gott dies fest beschlossen hat; aber bedenken wir hier, daß die dem Abraham und seinem Samen gegebenen Segensverheißungen noch zusätzlich mit einem Schwur Jahwes bestätigt wurden. Es bedeutet in der Realität, daß Jahwe die Wiederherstellung und Segnung des Menschen in Gottes Königreich durch den Samen Abrahams – durch den Christus Haupt und Leib, auf eine überschwengliche Weise bestätigt, indem Er Seine eigene unveränderliche Zusage noch mit Seinem Eid bekräftigt.

Daß die Nachkommenschaft Abrahams „wie die Sterne des Himmels” und „wie der Sand am Ufer des Meeres” sein sollten, spricht von den zwei Phasen des Königreichs, die einen als geistige Wesen in himmlischer Herrlichkeit und die anderen als natürliche Menschen auf der Erde herrschen werden.

Das verheißene Königreich

Daß dieses Königreich kommen wird, hat uns der Himmlische Vater sowohl durch die Wiederholung Seiner Segensverheißung gegenüber Abraham versichert, als auch zusätzlich durch Seinen Eid. Paulus unterstreicht diese Tatsache im Brief an die Hebräer mit der Feststellung: „Denn als Gott dem Abraham die Verheißung gab, schwor er bei sich selbst – weil er bei keinem Größeren schwören konnte – und sprach: ‚Wahrlich, reichlich werde ich dich segnen, und sehr werde ich dich mehren.‘ Und so erlangte er, indem er ausharrte, die Verheißung. Denn Menschen schwören bei einem Größeren, und der Eid ist ihnen zur Bestätigung ein Ende allen Widerspruchs. Deshalb hat sich Gott, da er den Erben der Verheißung die Unwandelbarkeit seines Ratschlusses noch viel deutlicher beweisen wollte, mit einem Eid verbürgt, damit wir durch zwei unveränderliche Dinge, bei denen Gott (doch) unmöglich lügen kann, einen starken Trost haben, die wir unsere Zuflucht dazu genommen haben, die vorhandene Hoffnung ergreifen.” – Hebräer 6:13 – 18

Wir wollen abschließend noch bemerken, daß Joseph in seiner Deutung der Träume des Pharaos nicht nur erklärte, daß „die Sache fest beschlossen ist”, sondern auch, daß Gott „sie schnell tun würde.” – 1. Mose 41:32

Wenn wir heute die Welt am Abgrund stehen sehen, so ist auch unser Wunsch, daß das Königreich mit seinen Segnungen für alle Menschen guten Willens bald kommen möge.

Gelobt sei Gott für Seinen herrlichen Plan der Errettung und Segnung des Menschen in Jesus Christus.

Das Gebet, der lebendige Atem der Neuen Schöpfung

„Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis dafür, daß sie allezeit beten und nicht ermatten sollten.” – Lukas 18:1

In einem Gleichnis machte Jesus, „daß der Mensch allezeit beten und nicht ermatten soll”, zum Kern seiner Aussage. In diesem Gleichnis wird gezeigt, wie selbst ein ungerechter Richter auf Grund der Aufdringlichkeit einer Frau ihrer Bitte schließlich entsprach, obwohl er sich selbst wenig um die Angelegenheit kümmerte. In diesem Gleichnis verhielt sich die Frau mit ihrer Bitte um Gerechtigkeit aufdringlich gegenüber jenen, die ihr Unrecht zugefügt hatten. Es scheint so, als ob der Herr uns ein beharrliches Bedrängen im Gebet einschärfen wollte, indem er diese Darstellung benutzte, die zeigt, wie Sein Volk in ihren Gebeten fortfahren sollte; nicht in dem Sinn, daß sie allezeit beten und sich niemals von ihren Knien erheben oder nie irgendetwas anderes tun sollten, als zu beten, sondern daß sie ihre Gebete fortsetzen und darin nicht schwach oder entmutigt werden sollten.

Um richtig zu beten, sollte ein Kind Gottes wissen, wofür es beten will. Sonst könnte es um die falschen Dinge bitten, die ihm Gott niemals zu geben geneigt sein würde. Wie können wir wissen, um welche Dinge zu beten richtig ist? Der Herr gibt uns eine Anregung, indem er darauf hinweist, welche Freude es selbst irdischen Eltern bereitet, ihren Kindern gute Dinge zu geben, und wie viel mehr es dem Himmlischen Vater Freude machen wird, Seinen Kindern gute Gaben zu geben. Die Gaben, die irdische Eltern ihren Kindern geben, bestehen in irdischen Dingen. Die Dinge, die der Himmlische Vater mit Freuden Seinen Kindern gibt, sind aber himmlische Dinge. Es ist der sündigen Menschheit nicht erlaubt, Gott ihren Vater zu nennen. Er will mit ihnen als Kinder nichts zu tun haben. Es gibt nur einen Weg, in die Gemeinschaft mit Gott zurückzukommen, und das ist der Weg, den Jesus mit seinem Tod eröffnete.

Waren aber nicht die Juden Kinder Gottes, bevor Jesus kam und starb? Wir antworten mit nein. Der höchste Ausdruck der Gunst Gottes gegenüber irgendeinem von ihnen wurde Abraham zuteil. Und er wurde nur ein Freund Gottes genannt. „Und Mose war zwar in seinem ganzen Hause als Diener treu” – Hebräer 3:5 Jene Juden, die nicht treu waren, waren noch nicht einmal Diener. Als aber Christus kam, machte er es einigen möglich, das Haus der Diener zu verlassen und in das Haus der Söhne hinüberzugehen. „Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an; so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden.” – Johannes 1:11 und 12 Dieses Vorrecht wurde nicht sogleich gegeben, sondern nur in einer zugerechneten Weise, bis zur Zeit, als Jesus seinen Lauf vollendete und in den Himmel aufstieg und den Heiligen Geist auf seine Nachfolger ausgoß. Dann wurden sie bevorrechtigt, Söhne Gottes zu werden.

Das ganze Evangelium-Zeitalter hindurch erlangen solche, die den Heiligen Geist empfangen, das Vorrecht, Söhne Gottes zu werden. Alle guten Verheißungen des Wortes Gottes gelten diesen. Diese Klasse schließt nicht nur Juden ein, sondern auch Menschen aller Nationen, denen die Tür der Gelegenheit geöffnet wurde, nachdem die besondere Gelegenheit, die ausschließlich den Juden gegeben worden war, zu Ende ging. So sind wir geistige Israeliten und Erben all der Dinge geworden, die Gott dieser Klasse von Söhnen Gottes verheißen hat. Wenn wir nun im Gebet zum Vater gehen, ist es das Vorrecht des Gebets als Neue Schöpfungen. Wer jedoch eine alte Schöpfung verblieben und keine Neue Schöpfung geworden ist, besitzt überhaupt kein Vorrecht zum Gebet. Die einzige Ausnahme besteht im Fall von Kindern von geweihten Eltern, weil Gottes Gunst für sie nur auf Grund der geistigen Interessen ihrer Eltern besteht.

Die größte Notwendigkeit der Neuen Schöpfung

Unser Leittext gibt zu verstehen, daß Neue Schöpfungen in ihren Bitten zu Gott ausdauernd sein sollten. Diese mögen durch das Studium der Worte Jesu, der Apostel und der Propheten, erkannt haben, um was zu beten richtig ist. Die Geistgezeugten können somit verstehen, was die Rechte und Vorrechte der Söhne Gottes sind. Diesen den Heiligen Geist zu geben, ist der Himmlische Vater noch mehr bereit, als irdische Eltern, die ihren Kindern gute Gaben geben. – Matthäus 7:11

Der Heilige Geist ist etwas, was die Neue Schöpfung benötigt. Die Neue Schöpfung befindet sich in der Prüfung zur Neuen Natur – zur Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit. Und nur derjenige kann sie bekommen, der sich ihrer als würdig erweist. Die Bedingungen, unter denen er in die geistige Verwandtschaft mit dem Vater aufgenommen wird, sind, daß er sich demütigt, unempfindlich macht gegenüber den irdischen Regungen und danach trachtet, die geistigen Regungen zu beleben. Was daher besonders notwendig ist, ihn zu stärken und als Neue Schöpfung aufrecht zu erhalten, ist der Heilige Geist Gottes. Gott ist daher insbesondere willens, uns diesen Heiligen Geist zu geben, und es gefällt Ihm besonders, wenn wir darum flehen. Dies bedeutet nicht, daß irdische Interessen ignoriert sein werden. Es bedeutet, daß unser Himmlischer Vater weiß, welche Dinge irdischer Art wir benötigen, so wie Er weiß, was wir zu unserem geistigen Wohlbefinden benötigen.

Die Schriften zeigen, daß Gott uns in Seinem inspirierten Wort, der Bibel, die Anweisungen gegeben hat, die wir benötigen. Dieses Wort will uns mehr und mehr weise machen, wenn wir in Gnade und Erkenntnis wachsen und in Seinem Geist, so daß wir rechtzeitig genaue Erkenntnis über die Dinge erlangen werden, für die wir beten sollen, und für die wir nicht beten sollen. Zu Beginn unserer Erfahrungen mögen wir dies nicht so genau wissen. Der Herr sagte, daß die von den Nationen, wenn sie beten, denken, daß sie um ihres vielen Redens erhört würden, wobei sie nur Wiederholungen benutzen. All ihre Gebete bestehen nur in unnützen Wiederholungen. Schon die erste Bitte war unnütz und alle Bitten, die folgten, waren unnütz, weil sie nicht auf der Grundlage der Bedingungen vorgetragen wurden, die für ein annehmbares Gebet notwendig sind.

Der Beweggrund für ein Gebet ist eine wichtige Überlegung

Alle, die in den Opferbund mit Christus eingetreten sind, können erkennen, daß sie das Vorrecht des Gebets besitzen. Wofür können sie beten? Sie sollten sicherlich nicht für irdische Dinge beten, weil der Himmlische Vater auf keine Bitten antworten würde, die nicht zum Guten Seiner Kinder beitragen würden. Jakobus spricht von einigen, die unpassende Bitten äußern. Er sagt: „Ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.” – Jakobus 4:3

Das Worte „Lüste” bedeutet hier Wünsche. Wir sollen nicht darum bitten, fleischliche Wünsche zu befriedigen. Stellen wir uns zum Beispiel vor, wir würden zum Himmlischen Vater um eine Million Euro beten, indem wir Ihm versichern, daß wir wüßten, was wir mit dem Geld anfangen könnten, und wie wir es in Seinem Werk benutzen würden. Der Herr würde es uns wahrscheinlich nicht geben – weil wir verkehrt beten würden. Aber es könnte sein, daß wir denken, mit Weisheit um etwas zu bitten. Wenn wir irgendetwas vom Herrn erbitten, sollten wir unsere Beweggründe prüfen, um zu erkennen, ob irgendetwas persönliches mit der Sache verbunden ist. In unserem eigenen Interesse sollten wir uns selbst fragen, ob wir uns jene Million Euro vielleicht wünschen, um mit ihrem Gebrauch vor anderen gesehen zu werden. Wenn dies zutreffen sollte, würde ein solches Gebet ein höchst unpassendes sein. Es mag sein, daß wir zu Beginn unserer christlichen Erfahrung eine solche Bitte äußern könnten, und der Vater würde uns nicht tadeln. Wir würden das, was ein Kind tut, entschuldigen, während wir es bei einem Erwachsenen nicht entschuldigen können.

In Bezug auf diese Sache des Gebets gibt uns unser Herr einen entsprechenden Hinweis. „Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen.” – Johannes 15:7 Wie weitgehend diese Feststellung doch ist! Es mag zunächst so erscheinen, als ob wir um alles beten könnten. Aber sie enthält besondere Einschränkungen. Wer sind diejenigen, die so beten können? Es sind solche, die schon Glieder seines Leibes geworden sind – solche, die eine völlige Weihung ihrer selbst gemacht und die Zeugung des Heiligen Geistes erlangt haben. Ferner bedeutet das Wort „bleiben”nicht nur, daß sie in dieses Verwandtschaftsverhältnis schon eingetreten sind, sondern auch, daß sie darin verbleiben, dort wohnen, daß sie als Glieder des Leibes Christi bei ihm gut angesehen sind.

„Wenn meine Worte in euch bleiben.” Gottes Wort bleibend in uns zu haben, setzt voraus, daß wir eine Erkenntnis des Wortes Gottes besitzen. Dies macht das Studium des Wortes Gottes notwendig, damit wir wissen, wofür wir beten sollen. Wir sollten nicht übereilt Bitten äußern und dabei einen großen Fehler machen und danach sagen, ich habe einen Fehler gemacht und für die falschen Dinge gebetet. Vielmehr sollten wir zunächst erwägen, was das Wort Gottes über diese Sache lehrt. Und wenn jemand mit dem Wort Gottes gut vertraut ist, so sollte er erkennen, ob er die Bedingungen erfüllt oder nicht, die sein Gebet heiligen. Nur nachdem er zu dieser Einstellung gelangt ist, mag er sein Gebet, ohne daß Zweifel entstehen, fortsetzen. Er wird sehr schnell finden, daß nunmehr keine sehr lange Liste von Bitten mehr übrig bleibt, die er vorbringen kann. Um welche Dinge können wir bitten?

Einige Dinge, für die wir beten können

Etwas, wofür wir vor allem beten können, ist, daß Gottes Königreich kommen möge. Wir können dann fortwährend zum Thron der Gnade kommen, indem wir die Tatsache wertschätzen, daß Gott verheißen hat, daß Er ein Königreich hier auf Erden bezweckt. Und nichts bezweifelnd, sollen wir für jenes Königreich beten. Wenn wir beten, stärken wir unseren Glauben mehr und mehr. Wofür können wir sonst noch beten? Wir können auch beten: „Unser täglich Brot gib uns heute.” Aber ist dies nicht etwas, was das Fleisch betrifft? Dies ist eine Notwendigkeit, und der Herr hat uns berechtigt, für unsere notwendigen Dinge zu beten. Wir sollen unser Urteilsvermögen auf die beste Weise benutzen; aber dabei nicht unser Vertrauen allein in die eigenen Anstrengungen setzen, sondern in die überwaltende Vorsorge des Herrn. Wenn daher der zeitliche Vorrat gering sein sollte, so kann es sein, daß wir die Lektion der Sparsamkeit und Sorgfalt an dem, was wir besitzen, lernen sollen.

Wir sollten sehr früh in unserem Leben lernen, nichts zu verschwenden. Als Jesus die Volksmenge mit Broten und Fischen speiste und dann die Jünger aufforderte, die Reste davon in ihren Körben zu sammeln, lebte er uns diese Sparsamkeit vor. Wir sollen mit Dankbarkeit essen, was wir haben, wenn es auch nur Brot und Wasser sein sollte oder Kartoffeln und Salz. Es steht nirgendwo geschrieben, daß wir um Pasteten oder Kuchen oder Eiskrem beten sollten, sondern für das notwendige Brot. Wenn Gott uns nach Seinem Vorherwissen die notwendigen Dinge gibt und den Luxus von uns fernhält, dann sollten wir zufrieden und dankbar sein. Wir sollten aber beten und nicht furchtsam sein.

Was ist, wenn wir irgendetwas, um das wir beten, nicht schon morgen bekommen? Haben wir heute etwas vergeudet? Haben wir heute zu viel gegessen – doppelt so viel, als wir benötigen? Wenn dies zutrifft, will der Herr uns wahrscheinlich eine Lehre erteilen, und es wird für uns, als Neue Schöpfung, zum Guten sein. Wenn wir aber weise und sparsam gehandelt haben, wird Er die notwendigen Dinge vorsehen. Wie der Prophet sagt: „Sein Brot wird ihm gegeben, sein Wasser versiegt nie.”

Wir können um die Befreiung vom Bösen beten. Dies sollte uns dahin führen, zu erkennen, daß es einen Bösen gibt, und daß wir nicht selbst seinen Angriffen hinreichend erfolgreich widerstehen können. Wir benötigen die Hilfe des Herrn zu aller Zeit, und es ist nötig, daß wir ständig darum beten und nicht schwach werden.

Wir können um die Vergebung unserer Übertretungen beten. Worauf der Herr uns in seinem Gebet aufmerksam macht, ist, daß wir um die Vergebung unserer täglichen Übertretungen nachsuchen, die uns Tag für Tag unterlaufen. Diese Übertretungen sind das Ergebnis unserer fleischlichen Unvollkommenheit. Die Übertretungen unseres Fleisches, die heute geschehen, sollten aber viel geringer und weniger sein, als dies bei uns vor zehn, vor fünf oder vor einem Jahr der Fall war.

Es ist das Beste, wenn wir keine festgelegte Formulierung von Worten im Gebet benutzen, sondern nur im Voraus an das denken, was wir uns nach dem Geist wünschen, – mehr Glauben, mehr Geduld, mehr Sanftmut, mehr Liebe. Natürlich werden wir wünschen, unseren Dank auszusprechen für die göttliche Vorsorge und einen Fortbestand derselben erbitten. Solche Gebete, auch wenn sie einfach sind, werden dem Himmlischen Vater angenehm sein. Die Gebete, über die in der Bibel berichtet wird, sind im allgemeinen nicht lang. Gott nimmt all die guten Gedanken und Empfindungen unserer Sinne als unsere Gebete ebenso wie jene an, die durch unsere Zunge zum Ausdruck gebracht werden.

Andere Feststellungen unseres Herrn und auch der Apostel scheinen zu verstehen zu geben, daß wir nicht mutlos werden sollen. Nachdem wir für bestimmte Dinge gebetet haben, sollten wir diese ständig im Sinn behalten und nicht denken, daß dieses Gebet, weil es nicht sofort von Gott beantwortet wurde, niemals beantwortet würde. Dies würde den Anschein haben, besondere persönliche Dinge geltend zu machen. Unser Leittext scheint den Gedanken zu beinhalten, daß wir den Nutzen des Gebets in allen Vorkommnissen des täglichen Lebens im Sinn habend, wiederholt zum Thron der Gnade kommen sollten, um die benötigte Hilfe zu erlangen.

Die Philosophie des Gebets

Wird Gott uns vergessen, wenn wir Ihn nicht um Dinge bitten, und sich weigern die Rolle eines Vaters zu übernehmen? Die Antwort der Schriften ist, daß dies nicht so sein wird. Gott hat reichliche Vorsorge für Seine Kinder getroffen. Aber wir sind so erschaffen worden, daß die Ehrfurcht vor Gott und der Wunsch nach Gebet zu den höchsten Eigenschaften unserer menschlichen Natur zählen. Die Hilfsmittel der Verehrung und Geistigkeit sind in unserem Kopf. Und diejenigen, die sich nicht der Ausübung dieser höchsten Fähigkeiten erfreuen, erlangen nicht die richtigen Segnungen im Leben. Anstatt im Wohnzimmer des Verstandes zu leben, leben einige Leute sozusagen im Keller. Unsere wahre Freude kommt von der Ausübung der höchsten geistigen Fähigkeiten des Kopfes. Hier können wir mit Gott in Bezug auf die höchsten Dinge, die edelsten Dinge und die besten Dinge vertraut verkehren.

Die natürliche Neigung von einigen Menschen wendet sich eher den niedrigeren Fähigkeiten des menschlichen Verstandes zu als den höheren der anderen, die den edleren Empfindungen zugetan sind. Aber alle sind unvollkommen. Wenn daher Einige sich von der Sünde abgewandt haben und in die Schule Christi eingetreten sind, sind sie darauf angewiesen, zu beten, weil dies ihnen ermöglichen wird, zu den besten Ergebnissen ihrer eigenen natürlichen Vereinigungen geistiger Fähigkeiten zu gelangen. Wenn sie regelmäßig im Gebet zum Herrn kommen, ziehen sie die besten Eigenschaften ihrer eigenen Sinne an. Auf diese Weise benutzt die Neue Schöpfung die höchsten Fähigkeiten der alten Natur, um die alte Natur von den natürlichen Gewohnheiten zu entwöhnen, die durch die Schwachheiten des Fleisches zugenommen hatten.

Schädlicher Einfluß infolge der Vernachlässigung des Gebets

Es gibt einen großen Segen, der vom Gebet her kommt. Wenn das Gebet vernachlässigt wird, können wir eine bestimmte Menge schädlicher Einflüsse wahrnehmen, wohingegen die Neuen Schöpfungen, wenn sie beständig im Gebet zum Herrn kommen, auf diese Weise die höheren Hilfsmittel des Verstands benutzen. Er offenbart die höchsten Eigenschaften, welche der Gerechtigkeit und Wahrheit dienen und dem Wachstum der Neuen Natur. Die Neue Natur, die von den höheren Hilfsmitteln des Verstandes Gebrauch macht, macht Fortschritte in der Charakterstruktur und im Dienst des Herrn.

Das Gebet ist der lebendige Atem der Neuen Natur. Wir können unsere alten Leiber nicht kontrollieren noch das Beste aus ihnen herausholen, es sei denn, wir folgen der Anweisung unseres Herrn, zu beten. Wenn das Gebet für unseren Herrn wichtig war, welcher vollkommen war, und wenn er es für nötig hielt, oftmals im Gebet zum Vater zu gehen, so ist es ebenso für uns eine Notwendigkeit, im Gebet zum Vater zu kommen, damit wir mehr und mehr umgestaltet werden können durch die Erneuerung unserer Gedanken. Dies bedeutet nicht, daß wir immer auf unseren Knien liegend beten sollten, sondern daß wir regelmäßig und wenn möglich wenigstens jeden Abend und jeden Morgen beten sollten.

Einige mögen im Stehen zu beten vorziehen und andere im Knien, einige mit offenen Augen und andere mit geschlossenen Augen. Bei alldem gibt uns der Herr die Freiheit, nach unserem eigenen Urteil zu handeln. Es sollten aber gegenüber dem Herrn einige formelle Vorgehensweisen beachtet werden. Wir sollten nicht nur besondere Zeiten für das Gebet vorsehen, sondern auch den Geist des Gebets haben, der in allen Lebenslagen vorhanden sein sollte. Wenn wir in die Pflichten des Lebens eingebunden sind, sollte uns der Gedanke kommen, jetzt werde ich erst einmal nach dem Willen und Weg des Herrn Ausschau halten. Was soll ich in dieser Angelegenheit tun? Und nicht im Gebet ermattend denken wir darüber nach, was in diesem oder jenem Fall der Wille des Herrn sein würde. Auf diese Weise werden wir an jenem Tag des Herrn Segnung und Führung in allem, was gut ist, erlangen.

Einige Menschen mit aktivem Geist mögen dazu neigen, das Licht der göttlichen Führung gering zu achten und zu sagen, ich weiß, was ich tue. Niemand hat mir etwas zu sagen, – weder der Herr noch irgendjemand sonst. Es scheint, daß bei solchen diese Neigung zunimmt und sie unfähig macht, irgendeinen besonderen Rat zu suchen.

Aber ein Kind Gottes sollte empfinden, daß es ein Vorrecht ist, des Herrn Zustimmung zu jedem Gedanken, jeder Handlung und jedem Wort zu haben. Was wir tun ist das Werk Gottes und nicht das unsrige. Und während es heute in einer bestimmten Weise getan wurde, bedeutet es nicht, daß es notwendigerweise immer so getan werden sollte. Es gibt bestimmte Dinge, die festgesetzt sind wie die Hügel, und andere, die es nicht sind. Und so verhält es sich auch mit unseren Erfahrungen. Der Herr mag uns heute eine bestimmte Erfahrung geben und morgen eine andere. Heute mag er uns zu stillen Wassern und grünen Auen führen; und morgen mag der Pfad dornig sein und durch unwegsames Gelände führen. So wachsen wir Tag für Tag in der Erkenntnis und in der Liebe, und wir sollten auf alles vorbereitet sein, was auch immer an Erfahrungen auf uns zukommen mag.

„Zufrieden was mein Los auch sei, da deine Hand mich führt so treu.”