Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Schuldig – oder nicht schuldig?

Lesedauer: 9 Minuten

„Denn siebenmal fällt der Gerechte und steht (doch wieder) auf.” – Sprüche 24:16

Einige von uns lebten, bevor sie zu Christus kamen, unbekümmert, vielleicht verlief ihr Leben auch auf schlechten sozialen und moralischen Bahnen. Wenn wir im Herrn wachsen, werden wir uns anscheinend zunehmend der Schwere unserer Sünden bewusst. Es kann ein Ringen dahingehend sein, dass Vergebung uns wahrhaftig etwas angeht. Dies kann auch dann besonders zutreffend sein, wenn wir uns in unserem christlichen Lauf gut fühlen, während wir noch mit unseren sündigen Neigungen kämpfen. Vielleicht hatten wir erwartet – oder letztlich gehofft – dass diese Neigungen sich auflösen würden, nachdem wir uns Jesus zuwandten. Immerhin zeigen doch die Schriften, dass Jesus uns heilen würde.

Wir könnten daher fortwährend an unserer Echtheit als wahre Kinder Gottes zweifeln und die verbleibende Schuld empfinden. Wenn es scheint, dass die begangenen Sünden von ernsthafter Natur sind, vielleicht sogar Sünden, die andere geschädigt haben, sind die Schuldgefühle oft verstärkt.

Dieser Zustand wirft Fragen auf. Einst sind wir bekehrt worden, ist es nun falsch, uns weiterhin schuldig zu fühlen? Ist es andererseits falsch, wenn wir uns nicht schuldig fühlen? Beide gedanklichen Wege können eine Quelle von großer Qual für gewissenhafte Gläubige sein.

Die Antwort auf ein Dilemma

Wir besitzen nur eine Quelle, in der wir vertrauensvoll die Antwort auf unser Dilemma finden: die Schriften.

In den Schriften finden wir einen ehrenwerten Mann Gottes, der mit der Last seiner eigenen sündigen Natur gerungen hat: David.

Wie wir in den Psalmen lesen, gab es viele beispielhafte Anlässe, die David zu kämpfen veranlaßten. So kämpfte er nicht nur mit seinen menschlichen Widersachern, sondern oft auch mit seiner eigenen Unwürdigkeit vor Gott.

Manchmal schien er in Kummer zu sein, beunruhigt, ob Gott noch sein Flehen erhörte und sich fragend, ob Gott noch für ihn sorgte. Wir finden eines dieser Beispiele im Psalm 40, wo David betrübt feststellt. „Denn Übel bis zur Unzahl haben mich umgeben, meine Sünden haben mich erreicht, dass ich nicht aufzublicken vermag; zahlreicher sind sie als die Haare meines Hauptes, und mein Herz hat mich verlassen.” – Psalm 40:13

Hier beschreibt David seine Pein aus der Tiefe seiner eigenen sündigen Natur. Wiederum erklärt er im Psalm 42:6: „Was bist du so aufgelöst, meine Seele, und stöhnst in mir.” Und im Vers 9 klagt er, nicht würdig zu sein, von seinem Schöpfer beachtet zu werden, obgleich er dies wünscht, dass Gott sich seiner erinnert. „Warum hast du mich vergessen!” Und er fügt im Psalm 43:2 hinzu: „Warum hast du mich verworfen?”

Diese Gedanken beschäftigten David, wie sie auch uns beschäftigen mögen. Aber von anderen Schriftstellen wissen wir, dass der Herr Sein Werk mit David fortsetzte, und dass er von dem Herrn sehr geliebt wurde. Wie erreichte es David, den Herrn trotz seiner Zweifel weiterhin zu preisen? Könnte es sein, dass David seinen Gedanken nicht gestattete in jene negative Stimmung zurückzukehren. Er hätte diesen Gedanken nachgeben können, er hätte aufgeben können und sein Vertrauen in des Herrn Barmherzigkeit hätte schwinden können. Aber David tat dies nicht.

Verändertes Denken

Im Psalm 42:11 sehen wir, wie David daran arbeitete, seine Gedanken zu ändern und herumzulenken sucht. Wir finden, dass David seinen eigenen Herzenszustand mit den Worten rügt: „Was bist du so aufgelöst, meine Seele, und was stöhnst du in mir?”

So wie es auch bei uns geschieht, erkannte David, dass sein Herz in einem falschen Zustand war. Die Schlachter-Übersetzung gibt den Kern seines Entschlusses mit der Feststellung wieder: „Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Heil und mein Gott ist!”

Wir erkennen in diesen Schriftstellen, dass David in Gott zu vertrauen suchte, in seine Barmherzigkeit, obwohl Gott das Lösegeld-Opfer unseres Herrn Jesus noch nicht zur Verfügung gestellt hatte. Aber da ist noch mehr. David erkannte, dass seine einzige Hoffnung von Gott kommen würde, und David nahm sich die Zeit, Ihn dafür zu rühmen.

Vielleicht ist dies der Schlüssel! Bei allem was auch immer von uns gefordert werden mag, müssen wir uns die Güte Gottes vor Augen halten, um Ihn zu preisen.

David hatte Gottes Güte erfahren und entschieden, in diese sein Vertrauen zu setzen. Er wusste, dass er Gottes Barmherzigkeit nicht verdiente, doch er glaubte an sie.

Auch wir haben Gottes Güte erfahren und dies sollte unser Vertrauen stärken. Wir besitzen ein Verständnis der Gnade, die für uns durch das Blut Jesu zur Verfügung gestellt ist. In den Evangelien haben wir alles über das Leben Jesu erfahren, welches den hilfreichen und wunderbaren Charakter unseres Vaters reflektiert. Wir haben noch größeren Grund der Barmherzigkeit Gottes zu vertrauen, als König David jemals hatte.

Zweifel

Warum kommen dann Zweifel auf? Könnte es sein, dass wir unsererseits nicht immer alles tun, was erforderlich ist, uns die Güte Gottes vor Augen zu halten, so dass wir Ihm ständig vertrauen und ihn preisen können?

Könnte es sein, dass wir vergessen, dass wir eine Verantwortung in dieser Angelegenheit haben? Wir haben die Anweisungen. Jesus sagte uns, was wir tun sollen. Wir müssen in ihm bleiben, in seinem Wort. Wir dürfen nicht versäumen, uns an die Schriften zu wenden, oder wir werden all das vergessen, was Gott für uns getan hat. Wir werden in einer auf Wissen begründeten Weise noch daran denken, aber wir mögen nicht mehr länger eine von Herzen ausgehende Wertschätzung dafür haben und daher bezweifeln, dass seine Verheißungen uns persönlich etwas angehen.

Wenn wir uns in Sein Wort tauchen, so wird Seine Natur offenbart, und wir werden untergetaucht in Sein Herz. Wir können nicht anders, als Seinen Wunsch für uns zu sehen, nachzufolgen und Seine Bereitschaft durch Jesus, uns nicht nur zu vergeben, wenn wir unsere Sünden bekennen und um Vergebung bitten, sondern auch unseren Willen zu stärken, wahrhaft zu wünschen, unsere sündigen Neigungen und Wünsche zu überwinden. Philipper 2:13 sagt uns: “Denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken zu (seinem) Wohlgefallen.”

Unsere Übertretungen werden vergeben

Im Psalm 32 werden wir Zeugen einer Umgestaltung in David. Wenn wir uns auf Grund unserer eigenen Fehltritte erschöpft oder unzureichend fühlen, ist es gut, dieses Kapitel zu studieren. Hier finden wir, warum uns Niedergeschlagenheit überwältigt. In Vers 1 werden wir Zeugen seiner Freude, als die Last von ihm genommen wurde mit der Erkenntnis, dass seine Sünden vergeben wurden. Erfreut ruft er aus: „Glücklich der, dem Übertretung vergeben, dem Sünde zugedeckt ist!” Die endgültige Vergebung sollte vom Lösegeld-Preis kommen, der durch den Opfertod unseres Herrn Jesus bezahlt wurde.

In Vers 2 gibt er uns den Hinweis für die Umgestaltung: „Glücklich der Mensch, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet und in dessen Geist kein Trug ist!” Wir müssen uns zuerst von dem Trug in unserem eigenen Gedankenmuster hinsichtlich unserer Sünden freimachen. Wir müssen erkennen, wofür sie sind und nicht Entschuldigungen für sie vorbringen.

Wir bemerken diesen wiederholten Hinweis in den Versen 3 und 4: „Als ich schwieg, zerfielen meine Gebeine durch mein Gestöhn den ganzen Tag. Denn Tag und Nacht lastete auf mir deine Hand; verwandelt wurde mein Saft in Sommergluten.” Ist dies nicht eine passende Beschreibung einer Depression?

Dem Problem nicht ausweichen

Es kann Jahre in Anspruch nehmen, wirklich zu erreichen, dass wir uns nicht selbst betrügen, was die Wahrheit unserer Sünden, Gedanken oder Taten betrifft. In unserer gefallenen Stellung mögen uns diese Wünsche, Einstellungen oder Handlungen legitim erscheinen. Dies ist einer der Gründe, dass wir noch mit der Schuld ringen. Wenn wir unsere Sünden als solche erkennen, können wir letztlich eingestehen, dass sie im Irrtum liegen.

Vers 5: „So tat ich dir kund meine Sünde und deckte meine Schuld nicht zu. Ich sagte: Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen; und du, du hast vergeben die Schuld meiner Sünde.”

Im 8. Vers dieses Kapitels lesen wir, wie der Herr dem David antwortet: „Ich will dich unterweisen und dich lehren den Weg, den du gehen sollst; ich will dir raten, meine Augen über dir (offenhalten).”

Es liegt so viel in dieser wunderbaren Botschaft

Zuerst nehmen wir wahr, wie Jahwe auf David wartet, dass er bekennen würde, dass das, was er tat, wirklich Sünde war. Wir erlangen auch Einsicht, dass Gott weiß, dass David ohne Seine Unterweisung nicht erkennen würde, wie er richtig leben würde. Das Beste bei allem ist, dass Er David sagt, dass Er bereit ist, ihn zu unterweisen. So verhält es sich auch bei uns. Gott wartet darauf, dass wir keine Ausflüchte für unsere Sünden machen, sondern sie bekennen und Anstrengungen machen, unsere Wege zu ändern.

Das ist es! Vereinfacht ausgedrückt, Bekenntnis der Sünde und Reue. Aber wir müssen dieses Weg nicht allein gehen. Wir dürfen uns auf den Herrn stützen, damit Er uns den Ausweg aus unserem sündigen Verhalten zeigt.

Er warnt uns jedoch in Vers 9: „Seid nicht wie ein Roß, wie ein Maultier, ohne Verstand; mit Zaum und mit Zügel ist seine Kraft zu bändigen, sonst nahen sie dir nicht.”

Mit anderen Worten gesagt, wenn wir des Herrn Leitung in einer gewissen Weise spüren, sollen wir nicht widerstehen. Wir sollten nicht so tun, als ob wir Seine Leitung nicht erkennen. Wir sollten gehorchen.

In Vers 10 sagt Er den unvermeidlichen Ausgang voraus, wenn wir nicht auf Ihn hören und vertrauen: „Viele Schmerzen hat der Gottlose; wer aber auf den HERRN vertraut, den umgibt er mit Gnade.”

Wenn wir unser Vertrauen in Seine Führung setzen und ihr folgen, werden wir Gottes große Güte gegenüber uns wertschätzen.

Der Ausweg aus der Schuld

In Vers 11 heißt es: „Freut euch an dem HERRN, und frohlockt, ihr Gerechten, und jubelt, alle ihr von Herzen Aufrichtigen!”

Wenn wir uns bemühen in Seinen Wegen zu gehen und unter der Bedeckung zu bleiben, die Er für uns vorgesehen hat, und anerkennen, dass wir noch immer unvollkommen wandeln, werden wir immer noch als gerecht gerechnet. Wir sind „von Herzen aufrichtig”, wenn wir uns bemühen und wünschen Seinen Willen zu tun. Wir wissen, dass das Blut Jesu diese Sünden bedecken wird, wenn wir sie bekennen und um Vergebung bitten. Wir sollten dies nicht ignorieren.

„Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.” – 1. Johannes 1:9

In der folgenden Schriftstelle wird erklärt, dass, wenn wir diese Richtlinie mißachten, wir es riskieren, dass wir uns in dem Schmutz der Schuld wälzen.

Wenn wir nicht mit dem Herrn „in Verbindung bleiben” durch das Lesen und Studieren Seines Wortes, durch Gebet und Sündenbekenntnis, setzen wir unser Vertrauen in Ihn aufs Spiel. Das Wort Gottes heiligt uns. Es besitzt die Kraft, uns von dem, was wir gewesen sind, fernzuhalten. Es ist die am meisten vorherrschende Methode des Herrn, uns zu unterweisen. Sie zeigt uns, wo wir falsch handeln und wie wir richtig handeln sollen. Sie überzeugt uns von Seiner Macht und dem Wunsch uns dabei zu helfen, die nötigen Veränderungen zu bewirken. Sie tröstet uns mit dem Wissen, dass Er unsere gefallene Natur versteht. Sie ermutigt uns mit der Verheißung Seiner Vergebung durch Seine große Gabe Jesu Christi.

Ohne diese fortwährende Veränderung werden wir darin verharren und daher ständig mit unseren eigenen Unzulänglichkeiten beschäftigt sein. Der Apostel Paulus faßt dies in Römer 8:1 zusammen und sagt: „Also (gibt es) jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.” Wir sind von uns selbst aus schuldig, aber durch ihn sind wir es nicht. Wir wollen mit Bruder Paulus im Lobpreis vereint sagen: „Ich danke Gott, durch Jesus Christus, unseren Herrn!” – Römer 7:25

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