Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Geistige Ausgewogenheit

Lesedauer: 15 Minuten

„Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht.” – 2. Timotheus 1:7

Weder Radikalismus noch Fanatismus sind Elemente eines wahren christlichen Charakters. Es ist nie nötig, fanatisch zu sein, um mit ganzem Herzen dem Herrn und Seinem Wort der Wahrheit geweiht zu sein. Der Apostel Paulus sagte, „eines aber (tue ich)”, aber dieses „eine” schloß alles ein, was der Wille Gottes für einen Christen beinhaltet. – Philipper 3:13 Der Nachfolger Christi mag nach der weltlichen Meinung einseitig erscheinen, wenn er genau auf alles achtet, was der Herr von ihm zu tun wünscht, und wie er sein soll, aber er erscheint nicht so von Gottes Standpunkt. Paulus war nicht radikal im Sinn eines Extremisten, weil er einer besonderen Richtlinie eines Christen nachstrebte. Er ging jedoch in seiner völligen Loyalität gegenüber Gott und Seinen Willen zu tun keinen Kompromiß ein.

In unserem Leittext offenbart der Apostel, daß es der Einfluß des Heiligen Geistes Gottes ist, der ihn im christlichen Leben Kraft gibt, der ihm die Stärke verleiht, den Willen Gottes auszuführen. Es ist der Geist Gottes, der den Wunsch bringt, sich für andere zu opfern, was gottähnliche Liebe im Einsatz für diese ist. Es ist auch der Geist Gottes, der dem Christen einen gesunden Sinn gibt. Dem Geist der Macht und der Liebe und des gesunden Sinnes wird vom Apostel Paulus zum Kontrast der Geist der Furcht gegenübergestellt. Ein Mensch, der von Furcht erfüllt und mehr oder weniger kontrolliert wird, kann nicht zur gleichen Zeit zu einem ausgewogenen Urteil gelangen.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Ausübung eines gesunden Sinnes ist daher das Monster der Furcht durch die Ausübung des Glaubens und des Vertrauens in die Verheißungen Gottes zu besiegen. Uns wird durch das Wort versichert, daß unabhängig davon, wie furchtbar unsere Feinde auch erscheinen mögen, Er uns helfen wird, sie zu überwinden. Ganz gleich, welchen Mangel wir an Weisheit haben, wird Er uns großzügig von Seiner Weisheit geben. Gott hat tatsächlich verheißen, daß Er all unsere Bedürfnisse befriedigen wird. – 1. Johannes 5:4, 2. Korinther 12:9, Jakobus 1:5 und Philipper 4:19

Im Vertrauen auf diese Verheißungen, von denen keine fehlgeschlagen ist, ist der Christ dazu imstande, sich dem Studium des göttlichen Willens mit völliger Zuversicht zu nähern. Ganz gleich, womit wir befaßt sein mögen und was dabei beteiligt sein mag, geschieht nichts aus Zufall, was unser allweiser Himmlischer Vater für uns vorhergesehen und vorgesehen hat. Dies bedeutet, daß wir niemals im Leben zögern dürfen, irgendeine bestimmte Richtung einzuschlagen, die Gott als Seinen Willen für uns zeigt. Kein Teil des göttlichen Willens kann wegen der menschlichen Einschränkungen weggelassen oder nur teilweise ausgeführt werden. Unser Gehorsam gegenüber allem, was Gott fordert, wird mit größter Sicherheit zu dem führen, was unser Leittext als den Geist eines gesunden Sinnes beschreibt.

Annehmbare geistige Ausgewogenheit wird durch ein Studium des Wortes Gottes und der Anwendung Seiner Vorschriften in unserem täglichen Leben erlangt. Es ist jedoch notwendig, daß wir das Wort der Wahrheit genau wiedergeben und uns völlig unter dessen Einfluß bringen. Wie der Apostel zeigt, soll der einzige Zweck sein, „das Wort der Wahrheit richtig zu teilen”, uns „Gott bewährt zur Verfügung zu stellen”. – 2. Timotheus 2:15 Dies bedeutet, daß der geringste Grad der Selbstsucht oder Unaufrichtigkeit bei unserem Bibelstudium verhindern wird, daß wir es richtig verstehen. Nicht bereit zu sein, das Wort der Wahrheit anzuwenden und in der Praxis danach zu handeln, ist vielleicht mehr als alles andere für viele unzutreffende Darstellungen der Lehren der Bibel verantwortlich. – Jakobus 1:22 – 25

Gott prüft unsere Aufrichtigkeit

Gott handelt mit Christen entsprechend ihrem Glauben und ihrer Aufrichtigkeit ihrer Weihung. Aus diesem Grund hat Er zugelassen, daß Sein Wort in solch einer Weise geschrieben wurde, daß es als eine praktische Prüfung dienen kann, ob es wirklich unser Wunsch ist, Seinen Willen zu erkennen und zu tun. Die abgedroschene Feststellung, daß „die Bibel wie eine alte Fidel ist, auf der jeder Ton gespielt werden kann”, bewahrheitet sich erst dann, wenn wir mit unserem Studium der Wahrheit nur danach trachten, eine Rechtfertigung dafür zu finden, daß unser gefallenes Fleisch die Kontrolle über unser christliches Leben zu erlangen wünscht.

Die praktische Anwendung der christlichen Prinzipien wird in der Bibel in solch einer Weise dargestellt, daß, wenn wir irgendeinen Grad von Eigenwillen zeigen, wir fast jede extreme Darstellung rechtfertigen können, welche in unserer selbstsüchtigen Einbildungskraft Zustimmung finden mag. Ein Beispiel, wie wir die Bibel in dieser Weise mißbrauchen können, wird in den jeweiligen unterschiedlichen Darstellungen der Apostel Paulus und Jakobus illustriert, die jeweils die Wichtigkeit des Glaubens ohne Werke und des Glaubens, der durch Werke im christlichen Leben unterstützt wird, zeigen. Paulus sagt, daß wir „aus Glauben gerechtfertigt sind”, und in Fortsetzung der Wichtigkeit des Glaubens zitiert er das Beispiel von Abraham. – Römer 4:1 – 4 und 5:1 Paulus sagt auch: „Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es.” Diesen Gedanken betonend fügt er weiter hinzu: „… nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.” – Epheser 2:8 und 9 Jakobus gibt andererseits zu bedenken, worin der Nachweis oder der Beweis seiner Treue gegenüber Gott bestanden hätte, wenn Abraham nicht entsprechend seinem Glauben gehandelt hätte. – Jakobus 2:21 – 24

Sicherlich machen diese Schrifttexte verständlich, daß die Errettung nicht auf Grund unserer eigenen Werke zu erlangen ist, sondern vielmehr durch den Beweis oder die Darstellung unseres Glaubens. Dies rechtfertigt jedoch keinen Mißbrauch oder Verzerrung von Schriftstellen, um den irrigen Gedanken zu unterstützen, daß untätig im Dienst des Herrn zu sein, ein Teil des göttlichen Willens ist. Wenn wir jedoch nach einer Gelegenheit ausschauen, das Vorrecht des Opferns zu vermeiden, könnten wir in den Worten des Apostel Paulus irrigerweise einen komfortablen Ruheplatz auf dem Sofa der Untätigkeit finden.

In Wirklichkeit ist es so, daß Paulus erklärt, daß der Glaube und nicht die Werke die Grundlage unserer Gemeinschaft mit Gott ist. Er bestätigt in zahlreichen Schriftstellen die Lehren des Jakobus, welcher die Notwendigkeit von Werken betont, die unseren Glauben unter Beweis stellen. Paulus sagt, daß „der Glaube sich durch Liebe betätigt”, und er fordert die Thessalonicher dazu auf ihren „Werken des Glaubens Bemühungen der Liebe hinzuzufügen” und betet, daß „das Werk des Glaubens in Kraft in ihnen vollendet werde”. – Galater 5:6, 1. Thessalonicher 1:3 und 2. Thessalonicher 1:11 Wenn unsere Gedanken durch das vollständige Zeugnis der Schriften recht ausgewogen sind, werden wir in Betracht ziehen, daß, während die Errettung aus Glauben und Gnade geschieht, Gott von jenen, die dies auf dieser Grundlage erlangen, doch erwartet, daß sie Sein Lob verkünden, indem sie ihre Leiber in Seinem Dienst niederlegen.

Annehmbarer und unannehmbarer

Aufrichtigkeit

Was die Angelegenheit der „Werke” betrifft, sagt uns die Schrift, daß es möglich ist, daß wir beanspruchen könnten, eifrig für den Herrn zu wirken, und wir dennoch nicht Seine Zustimmung haben. Jesus erwiderte einigen, die zu ihm kamen und seine Freundschaft auf der Grundlage der „vielen wunderbaren Werke” beanspruchen wollten, die sie in seinem Namen getan hatten, „Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!” – Matthäus 7:21 – 23 Dieser Schrifttext sollte uns sicherlich dahin gehend beeinflussen, daß er uns hilft, die geistige Ausgewogenheit zu behalten, indem wir danach trachten nur jene Werke anzuerkennen und zu tun, die aus Gottes Sicht annehmbar sind.

Ohne Frage ist es Gott angenehm, wenn ein Christ sich eifrig in seinem Dienst erweist. In der Tat zeigt sich das ideale christliche Leben darin, daß es völlig und direkt Gott gewidmet ist, wie dies bei unserem Meister der Fall war. Es befinden sind jedoch nur wenige Menschen dazu in der Lage, einen Vollzeit-Dienst zu leisten. Die Bibel selbst begrenzt die Tatkraft der Christen durch Hinweise auf die irdischen Pflichten, die besonders gegenüber der Familie erfüllt werden müssen, bevor jemand sich richtig frei fühlen kann, seine Zeit und Kraft dem direkten Dienst Gottes zu widmen. – 1. Timotheus 5:8

Dem aufrichtigen Christen wird es keine große Schwierigkeit bereiten, mit diesen verschiedenen Erfordernissen der Schrift im Einklang zu leben. Wenn wir jedoch nicht aufrichtig sind, kann es möglich sein, daß wir in ihnen eine Entschuldigung zu finden suchen, uns vor der Verantwortung gegenüber unserem Weihegelübde zu drücken, das uns dazu aufruft, unsere Leiber als „ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer” darzustellen, was unser „vernünftiger Gottesdienst” ist. – Römer 12:1

Der göttliche Auftrag, welcher der Kirche gegeben wurde, beinhaltet unmißverständlich Anstrengungen der Selbstopferung bei der Verkündigung der guten Botschaft vom Königreich. Die Beispiele der Apostel zeigen in dieser Beziehung deutlich, welche Bedeutung sie diesem Auftrag zumaßen. Ihre Anweisungen betonen wiederholt die Wichtigkeit der Treue im Dienst des Herrn. Dies bedeutet jedoch nicht, daß es die einzige Forderung für einen Christen ist, noch daß er fortwährend und in einer fieberhaften Weise in der Ausführung des großen Werkes tätig sein sollte.

Tatsächlich berichtet die Bibel sehr viel über die Ausführung des Dienstes für den Herrn. Wenn jemand glaubt, daß er seinen Weg in das Königreich einfach „bewirken” kann, könnte er sich selbst vielleicht in so einem Lauf rechtfertigen und all die anderen wichtigen Anweisungen zum Wachstum im christlichen Charakter vernachlässigen. Wenn er so handelt, wird er jedoch keine rechte Ausgewogenheit bei der Umsetzung seiner geistigen Angelegenheiten erreichen.

Wir wollen aber in unserem christlichen Leben vor diesem einseitigen Standpunkt auf der Hut sein und es vermeiden, zu jenen zu gehören, die beanspruchen, des Meisters Gunst aufgrund von „wundervollen Werken”, die sie vollbracht haben, erlangt haben.

Die wahre Ausgewogenheit zwischen Glaube und Werken ist es, zu erkennen, daß unsere Rechtfertigung vor Gott vollständig auf der Grundlage unseres Glaubens an das Verdienst des von Christus vergossenen Blutes beruht, und daß dieser Segen nicht etwas ist, das wir selbst verdient haben, sondern die „Gabe Gottes”. Darüber hinaus und aus äußerster Wertschätzung für Gott, für Seine reichliche Vorsorge für uns, sollten unsere Herzen auf Gottes Güte spontan antworten wie Saulus von Tarsus, der den Herrn fragte: „Herr, was willst du, das ich tun soll?” – Apostelgeschichte 9:6

Wenn wir in der Heiligen Schrift emsig nach einer Antwort auf diese Frage suchen, bekommen wir Anweisungen mit dem Ergebnis, daß wir „Diener der Versöhnung” sein sollen, „Botschafter” der Wahrheit; und daß wir „das Wort zu gelegener und ungelegener Zeit predigen sollen”. All dies soll jedoch auf der Grundlage unserer stetigen Wertschätzung der Tatsache bestehen, daß wir zuerst „durch Jesus Christus” mit Gott versöhnt wurden. – 2. Korinther 5:18 – 20 und 2. Timotheus 4:2

Der Dienst ist annehmbar, weil die Liebe Gottes unsere Herzen berührt hat, daß wir einfach nicht darauf verzichten können, unseren Lobpreis bei jeder Gelegenheit zu äußern. Der Beweis solcher sich selbst opfernder Liebe und Zuneigung wird als ein „lieblicher Duft” zu Ihm emporsteigen. – Philipper 4:18 So wird unser Glaube durch unsere Werke bewiesen, wie Jakobus zu verstehen gibt.

Keine Gedanken machen, was morgen geschehen wird

Eine andere Illustration, wie der Herr die Aufrichtigkeit unserer Weihung prüft, geschieht in der Weise, in der Er mit uns hinsichtlich unserer täglichen Nöte handelt. Jesus weist seine Jünger auf die Vorsorge des Himmlischen Vaters für jene hin, die Ihm dienen, indem Er an die Sperlinge, Raben und Lilien als Illustrationen Seiner liebenden Fürsorge erinnert. – Lukas 12:6, 7 und 22 – 31 Er versichert seinen Jüngern, daß sie mehr wert sind als „viele Sperlinge”, und sie Gott hinsichtlich all ihrer materiellen Nöte völlig vertrauen können. Jesus fordert sie weiterhin zu solch einer Hingabe von ganzem Herzen auf, einem Dienst der Einseitigkeit des Zwecks hinsichtlich ihrer geistigen Interessen, daß ihre irdischen Angelegenheiten bei ihnen nicht Sorgen und Angst hervorrufen sollten. Er sagte: „Seid nicht besorgt für das Leben, was ihr essen, noch für den Leib, was ihr anziehen sollt.” – Lukas 12:22

Dies ist ein sehr zu Herzen gehender Befehl, und nur sehr wenige sind imstande gewesen, das großartige Prinzip anzuwenden, das hier zur Führung des christlichen Lebens festgelegt worden ist. Einige haben jedoch diese Worte zu buchstäblich genommen, und als ein Ergebnis haben sie zeitliche Verantwortlichkeiten nicht wahrgenommen. Sicherlich ist dies nicht das, was Jesus meinte, noch leiteten die Apostel diesen Gedanken in den Anweisungen für sie ab. Später finden wir, daß der Apostel Paulus der Kirche besondere Anweisungen gibt, daß von ihren Gliedern der rechte Gedanke hinsichtlich materieller Nöte erwartet werden sollte. Er sagt uns, daß jeder für die Seinen und besonders für die Hausgenossen sorgen sollte. Und Paulus fährt fort, wenn jemand dies nicht tut, so „hat er den Glauben verleugnet”. – 1. Timotheus 5:8

Um geistig ausgewogen zu sein, müssen wir diese oder andere Schriftstellen ähnlichen Inhalts in Einheit mit den Worten Jesu in Lukas 12 betrachten, um die Harmonie des Gedankens zwischen ihnen zu erkennen und sie praktisch anzuwenden. Die Anordnungen Jesu bedeuten zweifellos, daß der geweihte Gläubige zu beachten hat, daß er sein ganzes Leben dem Dienst Gottes geweiht hat, um zuerst nach dem Königreich zu trachten. Dies muß im vollem Vertrauen geschehen, daß der Himmlische Vater seine irdischen Interessen überwachen wird.

Während sich jemand persönlich dem Herrn weihen kann, kann er nicht seine Familie in dem Sinn weihen, daß sie ein Teil des Opfers werden muß, das er macht. So kann die praktische Ausführung des Weihegelübdes, das jemand eingeht, ihn nicht von den Verpflichtungen für jene entbinden, die in einem bestimmten Maß von seiner Fürsorge und Unterstützung abhängig sind.

Wir können unsere geistige Ausgewogenheit auch auf eine andere Weise verlieren, durch eine falsche Darstellung der Anweisungen zur Vorsorge für die notwendigen Dinge des Lebens für uns und für jene unseres Haushalts, indem wir nur sehr wenig auf dem Altar Gottes opfern. Mit anderen Worten ist es möglich die Vorsorge für uns falsch zu verstehen, als ob sie bedeute, Luxusgüter zu erwerben oder Schätze auf der Erde zu erwerben, wovor Jesus uns warnt. – Matthäus 6:19

Wenn wir geistig ausgewogen sind, werden wir erkennen, daß Gott möchte, daß wir die notwendige Zeit und Energie einplanen, um für jene zu sorgen, die wirklich von uns abhängig sind. Jedoch werden wir selbst diese notwendigen Pflichten als dem Herrn getan und zu Seiner Herrlichkeit erfüllen, während wir so viel wie möglich von unserer Zeit zurückkaufen, um direkt für den göttlichen Dienst gebraucht zu werden.

Unsere Errettung bewirken

Der Apostel ermahnt uns, „unsere Errettung mit Furcht und Zittern zu bewirken”, indem er uns versichert, daß „es Gott ist, der in uns wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken zu (seinem) Wohlgefallen”. – Philipper 2:12 und 13 Diese Worte geben zu verstehen, daß letztlich niemand für uns unsere Errettung bewirken kann, daß es vielmehr eine persönliche Angelegenheit zwischen uns und dem Herrn ist. Dies bedeutet, daß wir persönlich für das verantwortlich sind, was wir glauben und was wir tun. Als Einzelperson sollen wir „alles prüfen”, und nicht irgendetwas einfach als wahr annehmen, weil es durch einige Freunde, denen wir vertrauen, zu uns gelangt ist, oder durch Lehrer, wie viel wir ihnen auch sonst vertrauen mögen. – 1. Thessalonicher 5:21

Unsere Errettung zu bewirken, bedeutet auch, daß wir eine Liebe für christliche Freiheit entwickeln und uns selbst nicht erlauben, durch irdische Sekten und Glaubensbekenntnisse gebunden zu werden. In der Ausübung wahrer Freiheit in Christo werden wir als Einzelpersonen die Verheißungen Gottes beanspruchen und erkennen, daß sie unser sind, unabhängig von der Meinung der Menschen. Wenn wir daran festhalten, daß die Verheißungen uns gegeben sind, werden wir uns des Herrn erfreuen, ganz gleich, welche Erfahrungen wir auch machen mögen. Wenn wir Vorrechte für den Dienst an der Wahrheit bekommen, werden wir uns freuen. Wenn zu anderen Zeiten Gottes Vorsehung etwas anderes für uns bestimmt, können wir uns auch freuen, weil wir wissen, daß Sein Wille geschieht.

Während wir unsere persönlichen Vorrechte als Christen wahrnehmen, sollten wir nicht die Tatsache ablehnen, daß wir auch eine Verantwortung gegenüber anderen haben. In der Tat hat der Herr in Seiner Weisheit angeordnet, daß viele der Segnungen, die wir als Einzelne empfangen, durch andere Nachfolger Christi uns kommen. Unsere eigene Errettung zu bewirken, beinhaltet nicht, daß wir erfolgreich sein können, während wir die Gemeinschaft mit anderen „gleich kostbaren Glaubens” vernachlässigen oder uns zu versammeln versäumen, „wie es bei einigen der Fall ist”. – 2. Petrus 1:1 und Hebräer 10:25

Die Schriften erinnern uns daran, daß Gott in Seinem Volk wirkt, nicht nur durch die Propheten und die Apostel, sondern auch durch verschiedene andere Diener – „Evangelisten … Hirten und Lehrer”. – Epheser 4:11 und 12 Dies bedeutet, daß wir auch mit anderen zusammenwirken müssen, die Er zu dem Werk des Dienstes auserwählt hat, um in unserem Erscheinen vor Gott in der rechten Weise ausgewogen zu sein. Sicherlich können wir nicht Individualisten bis zu dem Maß der Nichtbeachtung der Botschaften der Propheten und Apostel sein, noch können wir ohne Gefahr „unabhängige” Christen sein, in dem Sinn der Zurückweisung der Hilfe, die durch die Ältesten der Versammlung zu uns gelangen mag oder durch andere, die der Herr neben uns zu dem Werk benutzen mag.

Es würde auch ein Fehler sein, der Richtlinie des christlichen Individualismus bis zu dem Punkt zu folgen, die Anweisungen des Herrn unbeachtet zu lassen, die über die schickliche Ordnung und den Anstand in der Kirche sprechen. Vielmehr sollte jedes Glied des Leibes Christi sich in völliger Übereinstimmung mit den Anweisungen der Schrift befinden, die die Organisation und Zusammenarbeit mit den örtlichen Versammlungen betrifft. „Alles aber geschehe anständig und in Ordnung.” – 1. Korinther 14:40

„Laßt uns auf einander achten”

Der Apostel ermahnt uns: „Laßt uns aufeinander achten, und uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken, indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen.” – Hebräer 10:24 und 25 Diese Anordnungen, durch die wir einander gegenseitig erbauen und helfen können, sind wichtige Aspekte, wie Gott in uns wirkt, „zu wollen und zu tun nach Seinem Wohlgefallen”. Dies bedeutet, daß ein jeder von uns als einzelner Christ Dienst tun sollte, andere auf dem schmalen Weg zu unterstützen. Dies gibt nicht in irgendeinem Sinn zu verstehen, daß wir „Übereifrige” oder „Herrscher” über jeden anderen sein sollen. – 1. Petrus 4:15 und 5:3 Eher legt uns dies unsere Vorrechte vor, „auf einander acht zu haben”, uns zur Liebe und zu guten Werken zu ermutigen.

Es ist nicht immer die ausdrucksvolle Predigt, die den größten Segen bringt. Manchmal können wenige Worte des Trostes, die privat von einem Bruder oder einer Schwester ausgesprochen werden, sogar, wenn dieser oder diese kein Talent des Ausdrucks besitzen, den Beweis bringen, daß es sich um eine göttliche Botschaft des Trostes für jemanden handelt, der Ermutigung benötigt; und diese Botschaft mag wirksamer sein als hundert ausdrucksvolle Predigten. So wollen wir wachsam sein, bei jeder Gelegenheit, die wir erkennen, unser Leben für jeden anderen niederzulegen, da wir zusammen auf dem schmalen Weg gehen.

Als individuelle Christen erfreuen wir uns der Segnungen persönlicher Beziehung und Gemeinschaft mit dem Herrn. Zusätzlich sollen wir wachsam sein, jede Gelegenheit zu nutzen, unseren Geschwistern in Christo beizustehen, wie auch sie zu ermuntern. Zur gleichen Zeit müssen wir sowohl einzeln als auch gemeinsam auf der Hut gegen irgendwelche Raffinessen des Widersachers sein, „damit wir nicht vom Satan übervorteilt werden; denn seine Anschläge sind uns nicht unbekannt”. – 2. Korinther 2:11

Wir wollen aufrichtig und demütig des Herrn Führung in all unseren Angelegenheiten des Lebens suchen, „indem wir völlig Seiner Fähigkeit vertrauen, alle Probleme unseres geweihten Lebens zum Guten zu überwalten”. – Römer 8:28 Wir haben eine solche Versicherung, wenn wir uns von ganzem Herzen Seinem Willen unterwerfen und uns bemühen, ihn fleißig in unserem Leben auszuführen. Wir wollen auch danach trachten, es zu vermeiden, die Schriften in einer Weise zu interpretieren, welche die selbstsüchtigen Wünsche des Fleisches begünstigt. Als Fußstapfen-Nachfolger des Meisters ist Gottes Wille für uns, zu opfern, und Er hat verheißen uns die Stärke zu geben und bei uns zu bewirken „treu zu sein, bis in den Tod”. – Offenbarung 2:10

Zu jeder Zeit absolut ehrenhaft gegenüber sich selbst und dem Herrn zu sein, ist eine sehr schwierige Aufgabe für jeden Christen. Dies kann nur in einer wahrheitsgemäßen Erklärung des Wortes Gottes und einer eifrigen und treuen Darstellung des göttlichen Willens geschehen, zu welchen Kosten dies auch immer sein mag. Denn das Leben eines aufrichtig Gott Geweihten zu führen, erfordert einen steten Kampf gegen die Neigungen des gefallenen Fleisches, die durch den Geist der Selbstsucht in der Welt um uns herum vermehrt werden, und die von unserem Widersacher, Satan, ausgehen.

Jeder geweihte Christ sollte sich die folgenden Worte Davids sehr zu Herzen nehmen: „Verirrungen, wer bemerkt sie? Von den verborgenen (Sünden) sprich mich frei!” – Psalm 19:12 Die Methode, unsere Irrtümer zu verstehen, liegt an unserer Bereitschaft, uns von dem Herrn davon reinigen zu lassen, durch das „Wasserbad im Wort”. – Epheser 5:26 In der Tat sollten wir froh darüber sein, daß unsere Irrtümer, unsere verborgenen Fehler und jede geistige Unausgewogenheit in unserem Leben durch das Wort der Wahrheit abgewaschen wird. Wenn wir dies in Anspruch nehmen, können wir uns der geistigen Vorzüge jener erfreuen, denen Gott durch Sein Wort den Geist eines gesunden Sinnes gibt.

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