Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Die Löwengrube

Lesedauer: 26 Minuten

Wir wollen eine Episode aus dem Leben Daniels betrachten, die aufregender ist, als jede Phantasiegeschichte. Sie betrifft die Löwengrube, die voller Lektionen für einen Christen ist. Zu der Zeit, in der von ihr die Rede ist, war Daniel schon ein alter Mann, nachdem man ihn im Alter von 14 Jahren gefangen nach Babylon gebracht hatte. Im Lauf der Jahre nahm er nach und nach hohe und wichtige Ämter ein.

Wenn wir das Buch Daniel studieren, so können wir nicht umhin, Bewunderung für die Könige der alten Zeit zu empfinden. Was auch immer ihre anderen Fehler waren, bemerken wir ihre Bereitschaft Charakter und Leistung anzuerkennen und zu belohnen, wo immer sie diese vorfanden. Es zeigt sich deutlich, daß diese Einstellung modernen Herrschern fehlt. Nach dem Stand heutiger Einstellung gewertet, sind wir über Nebukadnezars unparteiische Behandlung seiner hebräischen Gefangenen erstaunt, daß er Daniel und seine Gefährten für eine besondere Erziehung und Förderung zu einer herrschenden Stellung in seinem Königreich auswählte. Würde ein moderner Präsident unserer Tage so handeln? Würde er junge Männer aus seinen Kriegsgefangenen aussuchen, sie trainieren und sie zu einem wichtigen Regierungsamt erhöhen? Sie würden noch nicht einmal als Bürger des Landes Anerkennung finden, weil sie von dem falschen Menschenschlag, der falschen Nationalität, der falschen Sprache, der falschen Hautfarbe, der falschen politischen Parteizugehörigkeit und von „unsicherem” Hintergrund wären. Charakter, Fähigkeit und Leistung scheinen heute zweitrangig zu sein.

So sind wir erstaunt, daß Nebukadnezar Daniel für seine Deutung eines Traumes auf so großartige Weise ehrte. Wir sind erstaunt, daß er die Lauterkeit von Schadrach, Meschach und Abed-Nego bemerkte und respektierte und sie in seinem Reich begünstigte. Wir sind erstaunt, daß Belsazar auf Daniels Deutung der Schrift auf der Wand nicht feindlich reagierte, obwohl diese gegen ihn sprach. Stattdessen ehrte er Daniel für seine Treue und Ehrlichkeit trotz seiner ausgesprochenen Worten. Wir sind noch mehr erstaunt, daß König Darius von den Medern und Persern nach der Eroberung Babylons nicht alle Herrscher von Babylon, einschließlich Daniel, vernichtete. Darius verschonte anscheinend alle, ausgenommen König Belsazar und erhob Daniel in eine noch höhere Stellung in seinem Reich. Seine Fähigkeiten wurden sogleich erkannt und genutzt.

Im Gegensatz dazu sucht ein erfolgreicher moderner Präsident bei seinem Amtsantritt immer eine gänzlich neue Regierungsmannschaft aus.

Zur Zeit unserer Lektion war das universale Reich der Meder und Perser an der Macht. Es war in 120 Provinzen aufgeteilt mit 120 Fürsten oder Satrapen. Über diesen Satrapen standen drei Minister und über den Ministern der König Darius und über ihm als Haupteroberer Kyrus. Daniel war einer der drei Minister und zugleich der ranghöchste. Er war auf Grund seiner erkannten Redlichkeit und Fähigkeit dazu erhöht worden. Der Bericht stellt fest: „Und Darius, der Meder, übernahm die Königsherrschaft, als er 62 Jahre alt war. Es gefiel Darius, über das Königreich 120 Satrapen einzusetzen, die im ganzen Königreich sein sollten, und über sie drei Minister (zu setzen), von denen einer Daniel war, denen jene Satrapen Rechenschaft geben sollten, damit der König keinen Schaden erlitte.” – Daniel 6:1 – 3

Und was das bei der menschlichen Natur bedeutet, können wir sogleich erkennen, nämlich, daß diese Beförderung Daniels ihm Schwierigkeiten verursachte. Eifersucht und Neid wurden durch die Tatsache geweckt, daß Daniel ein Jude war und von einem verachteten Geschlecht abstammte. Aber es gab auch einen weiteren Grund, warum die Minister Daniel haßten. Es war seine völlige Ehrenhaftigkeit und Redlichkeit. Was wir über die Regierungen des Ostens in der Vergangenheit und Gegenwart gehört haben, ist, daß sie völlig unehrenhaft sind – was wir heute als „bestechlich” bezeichnen. Es war eine Art zu leben. Öffentliche Beamte erwarteten Schmiergelder und bereicherten sich durch die Vorteile ihres Amtes. Aber Darius hatte weise gehandelt, indem er die Geschäftsbücher seiner Minister durch Daniel kontrollieren ließ, so daß der König keinen Verlust erleiden sollte. So war Daniel in einer Position, Diebstahl, unehrliche Systeme und die Anordnung von wertvollen Vorteilen und Privilegien zum persönlichen Profit zu verhindern. Er verhinderte, daß sie die Schatzkammer plünderten, was sie als ihr Recht betrachteten. Dies bewirkte Mißmut und Zorn.

Die 120 Satrapen und die anderen zwei Minister kamen zusammen und entschieden „dieser Mann muß verschwinden”. Sie mußten bei seinem öffentlichen Dienst einige Fehler finden, die seine Entfernung aus dem Amt sicherstellen würden. Er mußte gedemütigt und in Mißkredit gebracht werden. Er mußte Fehler und Schwächen haben. Er mußte für Bestechung anfällig sein. Sie waren sich dessen sicher, weil sie ihn nach dem Wertmaßstab ihrer eigenen Herzen beurteilten. Zweifellos mögen sie zuerst versucht haben, ihn mit Geld bestechlich zu machen, so daß sie imstande gewesen wären, seine Unehrlichkeit zu beweisen und ihn so zu demütigen. Vielleicht versuchten sie auch ihn moralisch zu verunglimpfen. Aber ihre Anstrengungen schlugen fehl. Er verhielt sich treu gegenüber Gott und führte alle Dienste als für Gott getan aus. Sie konnten keinen Fehler an ihm finden. Es gab nichts, das sie als eine wirkliche Anklage, ein Verbrechen, gegen ihn vorbringen konnten. Aber sie haßten ihn auch weiterhin, weil er ehrenhaft, freundlich und wahrhaft war, und weil die Ausstrahlung seines Charakters den ihren in den Schatten stellte und sie der Schande aussetzte. Sie haßten ihn ohne einen Grund.

„Da suchten die Minister und die Satrapen einen Anklagegrund gegen Daniel in Bezug auf seine Amtsgeschäfte zu finden. Aber sie konnten keinen Anklagegrund und nichts Schlechtes finden, weil er treu war und keinerlei Nachlässigkeit oder Schlechtes bei ihm zu finden waren.” – Daniel 6:5

Während sie Daniel ausspionierten und jede seiner Bewegungen beobachteten, um ihn irgendeiner Unregelmäßigkeit überführen zu können, hatten sie etwas anderes bemerkt. Sie hatten Daniels ungewöhnliche Ergebenheit gegenüber Gott erkannt. Daniel bewohnte ein Haus, das eine obere Kammer mit Fenstern hatte, die nach Jerusalem ausgerichtet waren. Sie sahen, daß Daniel dreimal am Tag in dieser Kammer erschien, die Fenster weit öffnete und in Richtung nach Jerusalem niederkniete und laut betete, indem er seine Gebete an den Gott der Hebräer richtete, den Gott seiner Väter, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, und um Gottes Segnung und Leitung bat und Ihm für Seine Gunst dankte. Dies war Daniels unermüdliche Gewohnheit. Er vergaß dies niemals. Es war bei ihm Gesetz. So ratschlagten die Satrapen und Minister zusammen und heckten einen Plan aus, wie sie handeln wollten, bei dem sie diese Gewohnheit Daniels zur Grundlage machten. Sie konnten keinen anderen Weg finden, ihn anzuklagen.

Eine Falle wird gestellt

„Da sagten diese Männer: Wir werden bei diesem Daniel keinen Anklagegrund finden, es sei denn, daß wir im Gesetz seines Gottes etwas gegen ihn finden. Daraufhin stürzten diese Minister und Satrapen zum König und sprachen zu ihm so: König Darius, lebe ewig! Alle Minister des Königreichs, die Statthalter und die Satrapen, die Staatsräte und Verwalter haben sich beraten, daß der König eine Verordnung erlassen und ein Verbot bestätigen sollte, daß jeder, der innerhalb von dreißig Tagen an irgendeinen Gott oder Menschen eine Bitte richtet außer an dich, o König, in die Löwengrube geworfen werden soll. Nun, o König, erlaß das Verbot und laß ein Schriftstück anfertigen, das nicht geändert werden darf nach dem Gesetz der Meder und Perser, das unaufhebbar ist. Daraufhin ließ der König Darius das Schriftstück und das Verbot ausfertigen.” – Daniel 6:6 – 10

Achten wir darauf, daß sie ihre Forderung gegenüber dem König mit einer Lüge begannen. Sie mußten dies tun. Sie erklärten gegenüber dem König, daß alle Minister des Königreichs zugestimmt hätten, daß dieser Erlaß durchgeführt werden sollte, aber das entsprach nicht der Wahrheit. Daniel hatte dem nicht zugestimmt, und er war der erste an Rang der drei Minister. Er war noch nicht einmal zu Rate gezogen worden. Es ist ganz offensichtlich, warum sie lügen mußten. Wenn sie es nicht getan hätten, hätte Darius sicherlich Daniel zu sich gerufen, seinen hauptsächlichen Ratgeber, und ihn nach seiner Meinung über das Gesetz befragt, und ob er diesen Erlaß besiegeln sollte. Beachten wir auch, daß die Verschwörer den Erlaß formuliert und in einer gesetzlichen Form dem König zur Unterschrift vorgelegt hatten. Sie brauchten dieses Gesetz nur durchzubringen. Vielleicht hatten sie es so eingefädelt, daß Daniel zu dieser Zeit woanders dienstlich beschäftigt war. Irgendein Verzug in der Erteilung der Unterschrift hätte sich in der Enttarnung ihrer wahren Absichten offenbaren können.

Für Darius hatte das Gesetz einen Sinn. All die großen Könige der alten Zeiten stellten sich als Götter dar, oder genauer gesagt, als Hohepriester und Statthalter ihrer Götter. Dieser Hauch der Göttlichkeit gab ihnen Würde und beeindruckte ihre Untertanen zu einer abergläubischen Ehrerbietung und einer Furcht, den Gesetzen des Königs gegenüber ungehorsam zu sein. In dem Fall von Darius, weil Babylon erst vor Kurzem erobert worden war, war es logisch, daß diesen neuen Untertanen eine angemessene Verehrung ihres neuen Königs beigebracht werden mußte. So betrachtete Darius das Gesetz als einen Teil der Staatskunst zum Besten des Reiches, und natürlich schmeichelte es seiner Eitelkeit. Nicht einen einzigen Augenblick dachte daran, was mit Daniel geschehen würde. Nicht für einen Augenblick vermutete er, daß seine Ratgeber danach trachteten, ihm eine Falle zu stellten, so daß sie den Tod seines Beamten, dem er am meisten vertraute, gesetzmäßig vollziehen könnten.

Daniel erfuhr wahrscheinlich in Ausübung seiner öffentliche Pflichten von diesem Erlaß. Als erster Minister und Hauptgeschäftsführer wurde ihm jedes neue Gesetz vorgelegt. Als er den Erlaß sah, erkannte er sogleich das beabsichtigte Ziel, und wie es zum Haß seiner Kollegen gekommen war. Was war nun seine Reaktion? Er beeilte sich, die Sache dem Herrn vorzulegen.

„Und als Daniel erfuhr, daß das Schriftstück ausgefertigt worden war, ging er in sein Haus. Er hatte aber in seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem hin; und dreimal am Tag kniete er auf seine Knie nieder, betete und pries vor seinem Gott, wie er (es auch) vorher getan hatte. Da stürzten jene Männer herbei und fanden Daniel betend und flehend vor seinem Gott.” – Daniel 6:11

Daniel ignoriert den Erlass

Warum tat er dies? Er könnte zu sich selbst gesagt haben: „Das Gebet ist eine private Angelegenheit zwischen dem Herrn und mir. Angesichts des Erlasses ist alles, was ich jetzt zu tun habe, die Türen und die Fester zu schließen.” Aber er entschied sich nicht in dieser Weise. Man mag sich wundern, warum Daniel die Gewohnheit angenommen hatte, seinen Gott in einer öffentlichen Weise bei geöffneten Fenstern und Türen anzubeten, welche so unterschiedlich von dem war, was unser Herr uns empfahl: „Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergeben.” – Matthäus 6:6

Es gab einen guten Grund. Daniel befand sich unter Götzendienern, und ein jeder von ihnen betete das Abbild seines Gottes öffentlich an. Man schaute auf Daniel als ein Beispiel der hebräischen Gefangenen in Babel. Die Hebräer hatten kein Bild ihres Gottes. Wenn Daniel im Verborgenen gebetet hätte, so hätte dies falsch verstanden werden können, daß er überhaupt nicht bete. Unter diesen Umständen würde dies ein Tadel gegenüber dem wahren Gott gewesen sein. So betete er öffentlich an, sein Gesicht nach Jerusalem gewandt, der vorbildlichen Stadt Gottes, des großen Königs des Universums, und in Richtung auf den Tempel, die vorbildliche Wohnstätte Gottes. Dreimal am Tag bekannte er sich vor den Nationalitäten Babylons zu dem einzig wahren Gott. So handelnd war er auch eine Inspiration für sein eigenes Volk, die gefangenen Juden in Babylon. Er ermutigte zur Treue gegenüber Gott und zur Absonderung vom Götzendienst.

Dies waren stichhaltige Gründe dafür, daß Daniel öffentliche anbetete. Diese Gewohnheit wegen dieses neuen Gesetzes nicht fortzusetzen wäre ein Akt der Feigheit gewesen. Es kam ihm nie in den Sinn. Er ging in seine obere Kammer, öffnete die Fenster weit, kniete nieder mit dem Angesicht in der Richtung nach Jerusalem und betete laut, indem er sich an den Gott Israels wandte. Wie gut seine Feinde seinen Zeitplan kannten. Es befand sich sicherlich eine repräsentative Gruppe unter seinen Fenstern, die horchten, um danach Zeugnis von Daniels Mißachtung der Anordnung des Königs zu geben. „Da stürzten jene Männer herbei und fanden Daniel betend und flehend vor seinem Gott.” – Daniel 6:12

Es wäre wunderbar, wenn wir die Worte seines Gebetes hätten hören können. Wir können vermuten, daß, nachdem er sein Problem dem Herrn vorgelegt und sich völlig dem Willen des Herrn ergeben hatte, er um die Wiederherstellung Israels betete, sich erinnernd an die gnädigen Verheißungen, die das Heilige Land betrafen, in dessen Richtung er betete, daß es noch der Mittelpunkt der ganzen Erde und Gottes heiligen Volkes sein würde, und daß schließlich durch sie die göttlichen Segnungen über jede Nation, jedes Volk, jede Verwandtschaft und Zuge kommen würden.

Nachdem die Feinde Daniels den nötigen Beweis bekommen hatten, zögerten sie keinen Augenblick dem König darüber zu berichten. Es ist interessant zu beobachten, daß sich dieses Gesetz gegen niemand anderen als nur gegen Daniel richtete, obwohl es zahlreiche andere Übertreter unter den Götzenanbetern Babylons gegeben haben muß. Viele werden sich aus Macht der Gewohnheit vor ihren Bildnissen niedergebeugt haben und damit der Übertretung schuldig gewesen sein, aber nur Daniel wurde genannt.

„Darauf näherten sie sich dem König und sprachen vor (ihm) bezüglich des königlichen Verbotes: Hast du nicht ein Verbot anfertigen lassen, daß jedermann, der innerhalb von dreißig Tagen von irgendeinem Gott oder Menschen etwas erbittet außer von dir, o König, in die Löwengrube geworfen werden sollte? Der König antwortete und sprach: Das Wort ist unumstößlich nach dem Gesetz der Meder und Perser, das unaufhebbar ist. Darauf antworteten sie und sprachen vor dem König: Daniel, einer der Weggeführten aus Juda, schenkt weder dir, o König, noch dem Verbot, das du hast ausführen lassen, Beachtung; sondern er betet dreimal am Tag. Da mißfiel es dem König, als er die Sache hörte, und er sann darauf, Daniel zu retten; und bis zum Untergang der Sonne bemühte er sich, ihn zu befreien.” – Daniel 6:13 – 15

Der König erkannte die Falle, in die er bewußt mit der Absicht geführt worden war, seinen vertrautesten und wertvollsten Ratgeber zu vernichten. Die Regel des Königreichs war, daß ein Urteil vor Sonnenuntergang an dem selben Tag, an dem es gefällt wurde, vollstreckt werden mußte. Aber der König versuchte auf jede Weise die über Daniel verhängte Strafe aufzuheben oder zu verschieben.

Wenn Könige es wünschten, konnten sie von einigen Erlassen entbunden werden. Sie riefen ihre weisen Männer und Magier zusammen, die gewöhnlich geschickt einen Ausweg aus dem Dilemma anbieten konnten. So suchte der König ernsthaft ihren Rat und sprach von seinem Wunsch, daß Daniel von der Löwengrube bewahrt würde, trotz des Gesetzes, daß er erlassen hatte. Aber in diesem Fall hatten sich alle weisen Männer Babylons gegen Daniel verbunden.

„Da stürzten diese Männer zum König und sagten zum König: Wisse, o König, daß die Meder und Perser ein Gesetz haben, wonach kein Verbot und keine Verordnung, die der König erlassen hat, abgeändert werden darf.“

Der König setzte seine Anstrengungen bis zur letzten Minute fort, aber schließlich ging die Sonne unter, und er konnte nicht länger zögern. Das Urteil mußte nun ausgeführt werden. Er rief Daniel und sagte ihm, wie ihm eine Falle gestellt worden war, und daß er keinen Ausweg sah. Dann sagte er etwas, was für einen heidnischen König ungewöhnlich war. Er sagte: „Dein Gott, dem du ohne Unterlaß dienst, er möge dich retten!“ Wie dies Daniels Herz erwärmt haben muß. Daniel hatte sich schon in den Willen des Herrn ergeben, und daß der Herr vielleicht den Löwen gestatten würde ihn zu töten. Er war in des Herrn Dienst alt geworden. Vielleicht sollte sein Lauf jetzt beendet werden. Aber von den Lippen eines heidnischen Königs und gerade als er es am meisten benötigte, erhielt er eine Botschaft göttlicher Versicherung. Wenn heute ein Richter ein Todesurteil ausspricht, sagt er: „Möge Gott deiner Seele gnädig sein!” Aber die Feststellung von Darius war positiv: „Dein Gott … wird dich retten!”

„Dann befahl der König, und man brachte Daniel (herbei) und warf ihn in die Löwengrube.” – Daniel 6:17

Die Löwengrube von König Darius war einer abgesunkenen Grube ähnlich, wie man sie heute in zoologischen Gärten findet, ausgenommen, daß sie mit Marmor überwölbt war. Es waren viele Löwen in der Grube, und alle waren ausgesuchte Exemplare, groß und stark, geeignet für den Zweck der königlichen Menagerie.

„Und ein Stein wurde gebracht und auf die Öffnung der Grube gelegt; und der König versiegelte ihn mit seinem Siegelring und mit den Siegelringen seiner Gewaltigen, damit die Sache mit Daniel nicht verändert würde.” – Daniel 6:18

Wir sehen es so, daß es die Feinde Daniels waren, die auf dieser Prozedur bestanden, weil es eine technische Vorrichtung gab, durch die Daniel noch hätte gerettet werden können. Die Strafe war einfach, daß er in die Grube geworfen würde. Nehmen wir an, daß sie dachten, daß der König ihn danach sogleich herausgezogen hätte, bevor die Löwen ihn verletzt hätten. Dies würde ihre Absichten zunichte gemacht haben. So bestanden sie auf der Versiegelung „damit die Sache mit Daniel nicht verändert würde”. Sie wünschten seinen Tod! Wir wollen die Situation bildlich beschreiben, was wohl in der Löwengrube passierte, als Daniel durch die Öffnung hineingeworfen wurde. Stellen wir uns Adam vor, als er noch in Eden war, wenn er durch eine Löwengrube gegangen wäre, würden die Löwen ihn angefallen haben? Natürlich nicht! Er war ihr König und Wohltäter. Er hatte Macht über sie. Er war ihr Meister. Sie würden sich über seinen Besuch gefreut haben. Wir denken, es verhält sich hier sehr ähnlich, daß Gott seinen Diener Daniel mit diesem Tribut eines vollkommenen Menschen ausstattete, dem der Herrschaft über die bestialischen Tiere. Daniel bemerkte sogleich, daß etwas höchst Ungewöhnliches geschah, daß der Engel des Herrn gegenwärtig bei ihm war. Daniel muß zu dieser Zeit seine Stimme im Lobpreis zum Herrn erhoben haben. Wir können uns vorstellen, daß Daniel später sein Haupt an die Flanke des zuerst erscheinenden Löwen gelehnt und seinen Rücken an einen anderen gelehnt hat.

Es spricht in großartiger Weise für des Königs Gunst, daß er in dieser Nacht die Speise verweigerte und nicht schlief vor Sorge um Daniel. Schon früh am Morgen stand er auf und eilte zur Löwengrube.

„Dann stand der König bei der Morgenröte, sobald es hell wurde, auf und ging schnell zur Löwengrube. Und als er sich der Grube näherte, rief er mit trauriger Stimme nach Daniel. Der König begann und sagte zu Daniel: Daniel, Knecht des lebendigen Gottes, hat dein Gott, dem du ohne Unterlaß dienst, dich von den Löwen erretten können? Da redete Daniel mit dem König: o König, lebe ewig! Mein Gott hat seinen Engel gesandt, und er hat den Rachen der Löwen verschlossen, so daß sie mich nicht verletzt haben, weil vor ihm Unschuld an mir gefunden wurde. Und auch vor dir, o König, habe ich kein Verbrechen begangen. Da freute sich der König sehr, und er befahl, Daniel aus der Grube herauszuholen. Und Daniel wurde aus der Grube herausgeholt; und keine Verletzung wurde an ihm gefunden, weil er auf seinen Gott vertraut hatte.” – Daniel 6:20 – 24

Daniel war nun ein freier Mann. Das Urteil war vollstreckt worden, und er hatte keinen Schaden erlitten. Aber der Haß der Feinde Daniels war so groß, daß sie selbst dann nicht aufgaben. Der Historiker Josephus berichtet etwas über die Tradition, was sich hier bewahrheiten könnte. Er sagt, daß die Verschwörer Daniel ein weiteres Mal in die Löwengrube werfen wollten, indem sie behaupteten, daß irgendjemand die Löwen zuvor gefüttert habe, und daß sie Daniel deshalb nicht angefallen hätten, weil sie gesättigt waren. Dies gab dem König die Gelegenheit, die er sich wünschte. Er hatte ihre List, mit der sie ihn gegen seinen treuesten Beamten benutzt hatten, sehr übel genommen, und so sagte er zu ihnen: „Nun gut, wenn die Löwen nicht hungrig sind, so werden sie auch euch verschonen”, und warf sie alle in die Löwengrube. Dies war nun eine unterschiedliche Geschichte, denn als die Männer nach und nach in die Löwengrube geworfen wurden und kaum den Boden erreicht hatten, fielen die Löwen über sie her und zerrissen sie in Stücke.

Die weiteren Verse des Kapitels zeigen, was für ein mächtiges Zeugnis für den wahren Gott der ganzen Welt durch dieses Ereignis im Leben von Daniel gegeben worden war. Dann gab der König Darius die Anweisung: „Dann schrieb der König Darius an alle Völker, Nationen und Sprachen, die auf der ganzen Erde wohnten: Euer Friede sei groß! Von mir ergeht der Befehl, daß man in der ganzen Herrschaft meines Königreiches vor dem Gott Daniels zittere und sich fürchte! Denn er ist der lebendige Gott und bleibt in Ewigkeit und sein Königreich wird nicht zerstört werden, und seine Herrschaft (währt) bis ans Ende.” – Daniel 6:26 und 27

Dann schrieb er etwas, das uns zeigt, daß er ihm etwas über das zukünftige Messianische Königreich mitgeteilt haben muß, und daß Darius daran glaubte. Der König sagte in seinem Brief an die ganze Welt: „Und sein Königreich wird nicht zerstört werden, und seine Herrschaft (währt) bis ans Ende. (Er), der rettet und befreit und Zeichen und Wunder im Himmel und auf der Erde tut, er hat Daniel aus der Gewalt der Löwen errettet.” – Daniel 6:27 und 28

Jener Brief hatte eine ziemlich weite Verbreitung. Er wurde in jede Sprache der Welt übersetzt. Der Bericht endet mit den Worten: „Und dieser Daniel stand in großem Ansehen unter der Regierung des Darius und unter der Regierung des Kyrus, des Persers.”

Lektionen für uns

Wir wollen einige der wertvollen Lektionen betrachten, die uns durch diese inspirierenden Erfahrungen Daniels gegeben werden. Die Tatsache, daß der gerechte Daniel von seinen ungerechten Kollegen gehaßt wurde, erinnert uns an das Zeugnis des Apostels: „Alle aber auch, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.” – 2. Timotheus 3:12

Unser Herr sagte: „Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihre lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt.” – Johannes 15:19

Bösen Menschen gefällt nicht die Gemeinschaft mit denen, die von Herzen rein sind, weil es sie ständig verurteilt. Jemand hat richtig gesagt: „Wer auch immer das Gute tut und treu und wahrhaftig ist, während andere unehrenhaft und falsch sind, muß erwarten, bekämpft und gehaßt zu werden. Jede Anstrengung wird gemacht werden, seinen Charakter zu entstellen, um ihn in den Dreck zu ziehen und so erscheinen zu lassen, daß er nicht besser als diejenigen ist, die ihn angreifen. Eifersucht ist schärfer als der Zahn einer Schlange und tödlicher als das Gift einer Natter.”

Das beste Beispiel hierfür ist unser Herr. Markus sagt uns, daß ihn die Juden aus Neid überliefert haben, um gekreuzigt zu werden. – Markus 15:10 Jesus sagte, daß er „ohne Grund gehaßt wurde”. – Johannes 15:25 Dies ist genau die Erfahrung, die Daniel machte.

Eifersucht und Haß werden im Wort Gottes als Werke des Fleisches und des Teufels bezeichnet – extrem böse und feindselig gegenüber allem, was gut, gerecht und von dem Herrn anerkannt ist. Eifersucht muß aus unseren Herzen ausgerottet werden, wenn wir von der Königreichs-Klasse sein möchten. Der Geist der Eifersucht und des Hasses kann nicht in einem Herzen bleiben, in welchem der Geist des Herrn wohnt. Die beiden sind in jeder Hinsicht entgegengesetzt. Wir haben entweder den einen oder den anderen Geist. Wir können nicht beide haben. Der Geist des Herrn ist der Geist der Liebe, der nichts Böses denkt, nicht eifersüchtig ist und keinen Haß zeigt. – 1. Korinther 13:4 – 6

Um ihren Plan, Daniel zu vernichten, durchführen zu können, benutzten seine Feinde Schmeicheleien gegenüber König Darius. Tatsächlich sagten sie: „Du bist der wunderbarste Mann auf der Welt. Du bist ein wahrhafter Gott. Laß niemand irgendetwas von irgendeinem Gott oder Menschen erbitten, ausgenommen von dir, o König!” Schmeichelei ist eine heimtückische Sache und wird oft vom Teufel zur Vernichtung des Volkes des Herrn benutzt. Wir möchten dazu einen Vorfall in Apostelgeschichte, Kapitel 14, betrachten, als Paulus und Barnabas nach Lystra gingen, und Paulus dort zu predigen begann. Unter den Zuhörern war ein stark verkrüppelter Mann, der so geboren worden war, und der niemals in seinem Leben auf seinen Füßen gestanden hatte oder gelaufen war. Als Paulus Christus predigte, beobachtete dieser Mann ihn sehr aufmerksam. Es schien, daß er jedes Wort verschlang. Als Paulus seinen Glauben erkannte, zeigte er auf ihn und rief mit lauter Stimme: „Stelle dich auf deine Füße!” Der Mann folgte dem Aufruf sogleich und wandelte. Die Götzendiener, welche die Zuhörerschaft zusammengebracht hatten, waren über das Wunder erstaunt. Sie riefen: „Die Götter sind zu uns herabgekommen, um uns zu besuchen.”

Entsprechend ihrer Tradition hatten die von ihnen verehrten Götter Jupiter und Merkur Lystra viele Jahre zuvor in der Gestalt von Menschen besucht. In der Mythologie war Zeus der höchste Gott des Himmels; Hermes war der Gott der Beredsamkeit und der Herold von Zeus. Tatsächlich war am Stadttor dem Zeus ein Standbild errichtet worden. Weil Barnabas der größere der beiden Männer war, folgerten sie, daß er Zeus wäre. Weil Paulus der Redner war, hielten sie ihn für Hermes. Sie verbreiteten das Wort begeistert einer großen Menge, die dort versammelt war. Schon bald erschien der Hohepriester von Zeus mit Stieren und anderen Kulturrequisiten, bereit, das Volk bei der Anbetung und dem Opfer für Barnabas und Paulus anzuleiten. Das versammelte Volk kniete vor ihnen nieder, und sie schrien vor Freude und Lobpreis.

Paulus hätte von dieser Schmeichelei beeindruckt sein können. Er hätte denken können: „Warum sie nicht gewähren lassen, für den Augenblick zu denken, daß wir Götter sind. Welchen Schaden würde es anrichten? Tatsächlich würden sie uns zuhören und unsere Botschaft umso mehr wertschätzen. Und in einem Sinn sind wir Götter! Steht nicht in den Psalmen geschrieben: „Ich sagte (zwar); Ihr seid Götter, Söhne des Höchsten seid ihr alle.” – Psalm 82:6 Und unser Herr Jesus zitierte diese Schriftstelle in Johannes 10:34 Ging Paulus irgendein Gedanke dieser Art durch den Sinn? Wir lesen den Bericht: „Und sie nannten den Barnabas Zeus, den Paulus aber Hermes, weil er es war, der das Wort führte. Der Priester des Zeus(tempels) aber, der vor der Stadt war, brachte Stiere und Kränze an die Tore und wollte mit den Volksmengen opfern. Als aber die Apostel Barnabas und Paulus es hörten, zerrissen sie ihre Kleider, sprangen hinaus unter die Volksmenge und riefen und sprachen: Männer, warum tut ihr dies? Auch wir sind Menschen von gleichen Empfindungen wie ihr und verkündigen euch, daß ihr euch von diesen nichtigen (Götzen) bekehren sollt zu dem lebendigen Gott, der den Himmel und die Erde und das Meer gemacht hat und alles, was in ihnen ist.” – Apostelgeschichte 14:12 – 15

Das Volk des Herrn kann aus diesem Vorfall eine wichtige Lektion lernen, besonders diejenigen, die als Vertreter und Lehrer der Wahrheit bekannt sind. Die Wahrheit, wie sie uns der Herr offenbart hat, ist wunderbar und so brillant, daß sie auf natürliche Weise einiges von ihrem Glanz auf jene reflektiert, die sie darstellen. Dies mag Menschen veranlassen mit Bewunderung von jenen zu sagen, wie über Jesus gesagt wurde: „Woher hat er diese Weisheit und die Wunderwerke?” – Matthäus 13:54 In einigen Fällen mag es zu unangemessener Ehrerbietung solcher führen, eine Unterwürfigkeit zu empfangen, die für sie nicht angebracht wäre. „Einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder.” – Matthäus 23:8 Wenn an irgendjemand eine solche Prüfung herantritt, sollte er unangemessene Ehren sogleich und mit Nachdruck ablehnen, wie Paulus und Barnabas es taten, und sie sollten nicht von Schmeichelei beeinflußt werden und sie nicht annehmen noch rationalisieren, so daß sie allein zur Verherrlichung des Herrn gewendet werden kann. Es ist sogar noch wichtiger, daß die Geschwister ihre Lehrer und Leiter nicht solchen Prüfungen unterwerfen. Es gibt einen völlig berechtigten Respekt gegenüber Ältesten. – 1. Timotheus 5:17 und 18 Jeder benötigt von Zeit zu Zeit freundliche Ermutigung und Bestätigung. Aber unangemessene Ehre und unaufrichtige Schmeichelei sollten als Werkzeuge des Teufels betrachtet werden, welche die Entwicklung von Stolz und Eitelkeit fördern und die Neue Schöpfung vernichten können.

Als Daniel erkannte, daß Darius das Schriftstück unterzeichnet hatte, das seinen Tod besiegelte, mag ihn für einen Augenblick Furcht befallen haben. Er war bei allem ein Mensch. Aber wir sind uns sicher, daß er nicht wie Belsazar erschrocken war, als er die geheimnisvolle Hand auf der Wand sah. Belsazar war wirklich erschrocken, wie wir lesen: „Da veränderte sich die Gesichtsfarbe des Königs, und seine Gedanken erschreckten ihn, und seine Hüftgelenke erschlafften, und seine Knie schlugen aneinander.” – Daniel 5:6 Jemand hat einst gesagt: „Wenn deine Knie zittern, knie nieder.” Daniel verlor keine Zeit, zum Herrn zu gehen und im Gebet niederzuknien, obwohl er mit dieser Handlung seinen Feinden den Beweis lieferte, den sie gegen ihn brauchten.

Die Lektion ist, daß wir niemals irgendetwas erlauben sollten, uns vom Thron der Gnade fernzuhalten. Das Gebet sollte eine feststehende Gewohnheit bei uns sein, wie sie es bei Daniel war, eine häufiges und freudiges Zwischenspiel, wenn wir zu unserem Himmlischen Vater reden und unsere Freuden und Leiden mit Ihm teilen; wenn wir die Fenster unserer Herzen nach Zion hin öffnen, dem himmlischen Jerusalem, indem wir unsere Hoffnungen auf das Königreich Gottes richten, dem wir zustreben.

Als Daniel in die Löwengrube fiel, war er völlig von seinem Tod überzeugt. Aber er wurde nicht verletzt. So verhält es sich auch bei uns, daß unsere schlimmsten Befürchtungen sich oft nicht erfüllen. Was für eine Vergeudung von Zeit sich über eine Sache zu sorgen, bei der wir einst dem Herrn vertrauten. Ein alter Spruch sagt: „Furcht klopft an die Tür. Der Glaube antwortet, es ist niemand hier.” Gott kann uns von jeder Art des Bösen befreien. Wenn Er erlaubt, daß etwas Böses in unserem Leben geschieht, so wird es zu unserem Guten benutzt. Er hat uns dies verheißen. Der Glaube kann Ihm fest vertrauen, mag kommen was will.

Nicht viele von des Herrn Volk sind in eine Löwengrube geworfen worden. Zuweilen hat jedoch eine Anzahl von ihnen Erfahrungen gemacht, die diesem sehr ähneln. Paulus erwähnt seine Erfahrungen, eine Vielfalt von Gefahren und endet mit der besonderen Feststellung: „in Gefahren unter falschen Brüdern.” – 2. Korinther 11:26 Es ist für den menschlichen Mund möglich, mehr Schaden anzurichten als das Maul eines Löwen. Der Apostel Jakobus weist darauf hin, wenn er sagt: „So ist auch die Zunge ein kleines Glied und rühmt sich großer Dinge. Siehe, welch kleines Feuer, welch einen großen Wald zündet es an! Auch die Zunge ist ein Feuer; als die Welt der Ungerechtigkeit erweist sich die Zunge unter unseren Gliedern, (als diejenige), die den ganzen Leib befleckt und den Lauf des Daseins entzündet und von der Hölle entzündet wird. Denn jede Art, sowohl der wilden Tiere als auch der Vögel, sowohl der kriechenden als auch der Seetiere, wird gebändigt und ist gebändigt worden durch die menschliche Art; die Zunge aber kann keiner der Menschen bändigen: (sie ist) ein unstetes Übel, voll tödlichen Giftes. Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bild Gottes geschaffen worden sind. Aus dem selben Mund geht Segen und Fluch hervor. Dies, meine Brüder, sollte nicht so sein.” – Jakobus 3:5 – 10

Im Verlaufe eines irdischen Lebens geschehen oft seltsame Dinge. Da werden Menschen Gottes im übertragenen Sinne den „Löwen” zum Fraß vorgeworfen und von ihnen verschlungen. Da werden treue Älteste durch bösartigen Klatsch ihrer Ämter beraubt. Wie Jakobus sagte: „Dies, meine Brüder, sollte nicht so sein!”

Klatsch ist nie unschuldig. Er ist immer bösartig und verwerflich. Wir wissen, daß die Zunge nicht gänzlich gezähmt werden kann. Wir lesen: „Wenn jemand nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann.” – Jakobus 3:2 Aber die Zunge kann und muß gezügelt werden, sie muß zurückgehalten werden; sie muß kontrolliert werden. Wenn dies nicht geschieht, werden wir unsere hohe Berufung verlieren, wie auch Jakobus sagt: „Wenn jemand meint, er diene Gott, und zügelt nicht seine Zunge, sondern betrügt sein Herz, dessen Gottesdienst ist vergeblich.” – Jakobus 1:26

Die Tatsache, daß Daniel von den Löwen nicht verletzt wurde, erinnert uns an die Versicherung von Psalm 34:7: „Dieser Elende rief, und der HERR hörte, und aus allen seinen Bedrängnissen rettete er ihn.” Es ist von Bedeutung, daß der Herr Daniel nicht davor bewahrte, in die Löwengrube geworfen zu werden. Gott schützt uns nicht immer vor einem drohenden Unheil. Er mag es erlauben, daß wir so zu sagen den „Löwen” vorgeworfen werden, aber, wie im Fall von Daniel, wird sein Engel dort sein. Die Neue Schöpfung wird keine wirkliche Verletzung davontragen. Uns wird versichert, daß, wie tragisch unsere Erfahrungen auch zeitweise erscheinen mögen, sie zu unserem höchsten, besten und ewigen geistigen Wohlbefinden beitragen werden. Diejenigen, die diese Verheißung glaubensvoll für sich in Anspruch nehmen, werden den „Frieden Gottes” haben. – Philipper 4:7

Wir finden in dem Bericht, daß jene, die veranlaßt hatten, daß Daniel den Löwen vorgeworfen wurde, selbst in die gleiche Grube geworfen wurden. Dieses Prinzip wird in den Psalmen wie folgt ausgedrückt: „Er hat eine Grube gegraben und hat sie ausgehöhlt, doch ist er in die Falle gefallen, die er gemacht hat. Sein Unheil kehrt auf sein Haupt zurück, und auf seinen Scheitel herab kommt seine Gewalttat.” – Psalm 7:15 und 16

„In dem Netz, das sie versteckt haben, hat sich ihr eigener Fuß gefangen. Der HERR hat sich zu erkennen gegeben, er hat Gericht geübt; der Gottlose hat sich verstrickt im Werk seiner Hände.” – Psalm 9:16 und 17

Es steht uns nicht zu, wenn wir befreit worden sind, über die Bestrafung unserer Feinde nachzudenken. Es steht uns auch nicht zu, uns über ihren Fall zu freuen. Der Herr hat gesagt: „Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr.” – Römer 12:19 Anstatt uns über die Bestrafung unserer Feinde zu freuen, wird uns gesagt: „Wenn deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken.” – Römer 12:20 Unsere Geisteshaltung sollte Liebe und Mitgefühl gegenüber der ganzen Welt offenbaren, einschließlich jener, die uns verfolgen, verletzen und jedes böse Wort gegen uns reden. Stephanus gab ein wundervolles Beispiel dieser christlichen Grundhaltung. Während seine Feinde ihn töteten, betete er für sie: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu!“ – Apostelgeschichte 7:60 Jedes Gericht und jede Vergeltung muß dem Herrn überlassen werden.

Paulus spricht im 11. Kapitel des Hebräerbriefes von würdigen Männern der alten Zeit, Männer von starkem Glauben, die Gott gefielen. Sie erlitten und ertrugen viele Dinge, um eine bessere Auferstehung zu erlangen. Vers 33 spricht über Daniel: „Die durch Glauben Königreiche bezwangen”. Daniel stieg zu einer Stellung der Herrschaft auf, zuerst in Babylon, dann in Medo-Persien; der „Gerechtigkeit wirkte”, oder wie eine andere Übersetzung sagt, der „Gerechtigkeit bewahrte”. Es war gerade Daniels Verwaltung, die seine Feinde erzürnte. Durch seine stetige Treue erlangte Daniel die Verheißung, die Israel gegeben wurde: „Der HERR wird deine Feinde, die sich gegen dich erheben, geschlagen vor dir dahingeben. Auf einem Weg werden sie gegen dich ausziehen, und auf sieben Wegen werden sie vor dir fliehen.” – 5. Mose 28:7

Die … „der Löwen Rachen verstopften”. Was für ein Nervenkitzel an jene großen Raubtiere zu denken, die zahm vor Daniel standen, und zu erkennen, daß der gleiche Gott über uns wacht!

Wir lesen: „An Stelle deiner Väter werden deine Söhne treten; als Oberste wirst du sie einsetzen auf der ganzen Erde.” – Psalm 45:17 Was für ein wunderbarer „Oberster” Daniel sein wird mit seiner Weisheit, Rechtschaffenheit und Erfahrung in der Herrschaft. Zusammen mit anderen Alten Glaubenshelden wird er fortfahren Gerechtigkeit auszuüben in jenem großen Messianischen Königreich, nach welchem er ausschaute und Darius davon berichtete und von welchem geschrieben steht: „Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da werde ich dem David einen gerechten Sproß erwecken. Der wird als König regieren und verständig handeln und Recht und Gerechtigkeit im Land üben.” – Jeremia 23:5

Daniel wird sich in jenem Königreich sehr wohlfühlen!

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