Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Das Wort wurde Fleisch

Lesedauer: 17 Minuten

Es ist schwierig mit unseren begrenzten Sinnen und auf Grund unserer mangelhaften Erkenntnis und Erfahrung einige der tiefen Dinge der Schriften zu verstehen. Alles, was wir über unseres Herrn vormenschliche Existenz wissen, wird uns in dem Wort Gottes offenbart. Die Schriften stellen fest, daß unser Herr reich war und arm wurde; nicht daß er reich blieb und scheinbar arm wurde, sondern daß er tatsächlich arm wurde, damit wir reich würden. Der Apostel sagt, daß er sich selbst jener Zustände entäußerte, in denen er sich befand, bevor er Mensch wurde, und daß er Knechtsgestalt annahm. Er wurde Fleisch. Im Brief an die Hebräer wird erklärt: „Einen Leib hast du mir gegeben”, einen menschlichen Leib, und so wurde er „ein wenig unter die Engel erniedrigt wegen des Todesleidens”. – Hebräer 10:5 und 2:9

Wenn wir die Feststellungen der Schrift über dieses Thema zusammentragen, ergibt sich dies: In seinem vormenschlichen Leben war unser Herr der Logos, „der Anfang der Schöpfung Gottes”, das Alpha der ganzen Schöpfung Gottes und das Omega, indem Jahwe nur ihn schuf. Über den Logos, das Wort, steht geschrieben: „Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist.” – Johannes 1:3 Er befand sich auf der geistigen Ebene nächst dem Vater.

In dem lang zuvor festgelegten göttlichen Plan der Zeitalter wurde gegenüber unserem Herrn eine Aussage gemacht, welche die Erlösung der Menschheit betrifft. Es wurde eine Vorausschau gemacht, daß der Logos, wenn er sich als gehorsam gegenüber dem göttlichen Willen erweisen würde, eine noch weitere Erhöhung erfahren würde, sogar zur göttlichen Natur. Um dieser Freude willen, die ihm vorgesetzt wurde, machte unser Herr die verschiedenen notwendigen Schritte, um das großartige Werk der Erlösung durchzuführen. Die Abmachung, in die er mit dem Vater eintrat, schloß seinerseits große Demütigung mit ein. Während dieser erste Schritt eine Aufopferung der Macht, der Ehre und Herrlichkeit war, erforderte sie jedoch noch kein Opfer des Lebens, nämlich die Annahme der Vorkehrung des Vaters, Fleisch zu werden, ein menschliches Wesen zu werden und sein Dasein auf der himmlischen Ebene aufzugeben.

Ursprünglich war unser Herr als der Logos eine Seele auf geistiger Ebene, in dem Sinn, daß jedes intelligente Lebewesen eine Seele ist; denn das Wort „Seele” bedeutet Lebewesen; und die Übertragung des Lebensprinzips auf einen menschlichen Körper versetzte ihn auf die menschliche Ebene. Das Lebensprinzip war das gleiche, das er zuvor hatte, daher war die Persönlichkeit auch die gleiche. Es war wichtig, die Identität des Geistes zu besitzen, und diese besaß er durch die göttliche Vorkehrung.

Ein Leib, der zum Zweck des Todes gegeben wurde

Die Schriften erklären nicht wie der betreffende Lebensfunke, der Geist, der als Logos bekannt war, auf die menschliche Ebene übertragen wurde. Als unser Herr so verändert wurde, machte er nur den Schritt zur Bereitschaft, das Opfer für Sünder zu werden. In seinem vormenschlichen Zustand hätte er nicht ein entsprechender Preis an Stelle von Adam sein können; denn er mußte noch das menschliche Leben opfern. Aber als er ein menschliches Wesen wurde und das volle Mannesalter erreichte, war er in imstande das Sündopfer zu sein.

Wir würden sagen, daß unser Herr als menschliches Wesen die gleiche Seele war, wie in seinem vormenschlichen Zustand; denn er besaß die gleichen Lebensprinzipien wie zuvor; und als er Mensch wurde, starb er nicht als ein geistiges Wesen. Die Schriften erklären, daß unser Herr „Fleisch wurde”, ein menschliches Wesen, und daß der Unterschied zwischen ihm und der Menschheit im allgemeinen der war, daß er vollkommen, – heilig, sündlos, unbefleckt und abgesondert von den Sündern war – abgesondert von dem restlichen menschlichen Geschlecht. – Hebräer 7:26 Die Schriften erklären auch, daß dieser Unterschied von der Tatsache herrührte, daß er besonders gezeugt wurde. Das Lebensprinzip, das er empfing, kam direkt vom Himmlischen Vater.

Diese Erklärung ist insgesamt unterschiedlich von der Theorie, die als Inkarnation bekannt wurde. Der Gedanke der Theorie der Inkarnation ist, daß ein geistiges Wesen Besitz von einem irdischen Wesen ergreift, körperlich wurde und im Fleisch wohnt, in der gleichen Weise wie einige von bösen Geistern besessen waren, die in ihnen wohnten. Wir glauben, daß dies unseren Herrn betreffend ein falscher Gedanke ist, der in den dunklen Zeitaltern entstanden ist. In den Schriften steht nichts über Inkarnation geschrieben. Die Schriften sagen nicht, daß der Leib unseres Herrn starb, während das geistige Wesen in ihm lebendig blieb. Die Bibel sagt aber, daß unser Herr die Herrlichkeit verließ, die er beim Vater hatte, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden wurde, daß er sich selbst bis zum Tod erniedrigte, ja, zum Tod am Kreuz, „getötet wurde nach dem Fleisch”. – Johannes 17:4, 1. Petrus 3:18 und Philipper 2:8

Er wurde Fleisch und wohnte unter uns

Was wir von der Kindheit her wissen, war dies eine Zeitperiode der Entwicklung. Und so lesen wir über unseren Herrn: „Das Kind aber wuchs und erstarkte erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade war auf ihm. … Und Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gunst bei Gott und Menschen.” – Lukas 2:40 und 52 Er besaß aber keinen Verstand, der all die Erfahrungen und die Intelligenz seines vormenschlichen Zustandes beinhaltete. Wir lesen, daß er an Weisheit zunahm. Sein Verständnis wuchs. Da er vollkommen war, konnte er natürlich viel schneller und genauer begreifen, als dies bei anderen Menschen zutrifft. Und es zählt zu den Tatsachen, daß er schon als ein Kind dazu imstande war, die Doktoren des Gesetzes zu widerlegen. Mit seinen natürlichen Fähigkeiten des Geistes war er imstande, die Situation zu begreifen und die Dinge schnell aufzufassen.

Lukas sagt uns, daß unser Herr im Alter von zwölf Jahren seine Eltern, Maria und Josef, nach Jerusalem begleitete. Die jüdischen Kinder waren es gewohnt, an religiösen Diensten teilzunehmen, und es war bei jüdischen Jungen Gewohnheit, sich in dem Alter zu weihen, wie auch Jesus dies tat. Jesus wußte, daß er unterschiedlich zu anderen Jungen war. Es ist sehr wahrscheinlich, daß er ihnen die Tatsachen mitteilte, die auf seine wunderbare Geburt hinwiesen. Man vermutet, daß er sogar der außerehelichen Geburt beschuldigt wurde. Aber da wir darüber nichts genaues wissen, müssen wir uns an die Schriften halten.

Unser Herr kam auf wunderbare Weise zu dem Zweck in die Welt, die Prophezeiungen zu erfüllen, die alle in ihm ihre Erfüllung haben sollten. Natürlich würde er die erste Gelegenheit in Anspruch nehmen, die Erfordernisse zu ermitteln. Als er im Alter von zwölf Jahren von den Lehrern des Gesetzes lernte, daß er das priesterliche Amt als ein Jüngling nicht annehmen konnte, unternahm er keinen weiteren Versuch, sondern folgte seinen Eltern, die über ihn wachten, bis er das Alter von dreißig Jahren erreichte, als sein erster Schritt war, sich völlig zu weihen.

Ich komme, um deinen Willen zu tun

Unser Herr hatte im Alter von dreißig Jahren sicherlich viel Erfahrung, die Adam nicht besaß, als er erprobt wurde. Unser Herr hatte eine Erkenntnis, was Sünde bedeutete und ihre Bestrafung. Er besaß auch die Erkenntnis der Tatsache, daß Gott zur Erlösung der Menschheit mittels des großen Mittlers des Neuen Bundes – einen Erretter, einen Erlöser, einen Befreier vorgesehen hatte. Er wußte, daß andere nicht imstande waren, das in den zehn Geboten bestehende göttliche Gesetz zu halten, und er wußte, daß dies den Unterschied zwischen ihm und den anderen ausmachte.

Zweifellos hatte seine Mutter ihm von seiner wundervollen Geburt, der Botschaft Gabriels und der Prophezeiung berichtet, die Anna und Simeon empfingen. Und er hatte die Prophezeiung im Sinn, die ihn selbst und die Zukunft des großen Messias betraf, der kommen sollte, die Welt zu erlösen. All diese Erkenntnis war sehr wertvoll. Aber er hatte nachweislich noch einen Mangel an den tieferen Dingen der Schriften. Offenbar fand er Dinge in der Bibel, die ihn verwunderten, denn er hatte den Heiligen Geist noch nicht bekommen. Obgleich er besser als alle anderen des gefallenen Geschlechts imstande war, diese Dinge zu verstehen, stellt doch der Apostel fest: „Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.” – 1. Korinther 2:14 Jesus war noch nicht vom Heiligen Geist gezeugt; daher fehlte ihm noch das Verständnis der Prophezeiungen und Symbole.

Die Himmel wurden geöffnet

All diese Erkenntnis kam über ihn, nachdem er vom Heiligen Geist gezeugt war. Er begann die höheren Dinge zu verstehen, die Tiefen der Dinge Gottes. Er hatte in einem bestimmten Maß ein Verständnis über das Lamm erlangt, das als das Sündopfer geschlachtet werden sollte und über die Dinge, die die Beseitigung der Sünde betrafen, aber nichts, um denjenigen zu kennzeichnen, der der Erlöser sein sollte oder die wundervollen Bilder der Schrift erklären sollte. Sobald er vom Heiligen Geist gezeugt war, begann er zu erkennen, daß, wenn er herrschen würde, dies eine Kundgebung der Treue gegenüber Gott und der Gerechtigkeit bedeuten würde. Sobald er erleuchtet wurde, erkannte er die Dinge, welche die Leiden betreffen sollten.

Unser Herr lernte während seines irdischen Dienstes an den Dingen, die er litt, den Gehorsam. – Hebräer 5:8 Und so erlangte er eine große Erleuchtung, die für ihn ein so machtvoller Zusatz war – wie dies auch für uns eine große Erleuchtung ist, die Bedingungen und Bestimmungen unseres Rufes zu erkennen, daß wir in den Fußstapfen unseres Herrn gehen müssen, wenn wir mit ihm herrschen möchten.

In welcher Weise genau unserem Herrn die höheren Dinge offenbart wurden, können wir nicht wissen. Paulus berichtet von wundervollen Offenbarungen, die ihm zuteil wurden. Zweifellos empfing unser Herr Offenbarungen, aber was ihm offenbart wurde, damit er seinen vormenschlichen Zustand verstehen konnte, können wir nicht wissen. Auch kennen wir nicht all die Handlungen und Erfahrungen aus der Zeit seiner vorherigen Existenz, wie er, bevor er Fleisch wurde, in seinem Verständnis geprägt worden sein könnte. Der gleiche Gott, der imstande ist, uns einen geistigen Leib zu geben, der all die Erfahrungen des gegenwärtigen Lebens aufnehmen wird, konnte auch Jesus alle vorherigen Erfahrungen einprägen, die er gehabt hatte. Die Einprägung der vorherigen Erfahrungen wurde ihm nicht in der Jugend gegeben; denn er nahm in dieser Zeit noch an Erkenntnis und an Statur und in der Gunst bei Gott und den Menschen zu. Wir glauben, daß diese Einprägung zur Zeit seiner Weihung am Jordan stattfand und daß auf ihn nicht nur seine vorherigen Erfahrungen mit dem Vater und der fernen Vergangenheit übertragen wurden, sondern daß Er ihm auch das Licht zum Verständnis der Schriften gegeben hatte, so daß er die vollständige Bedeutung von dem, was er getan hatte, als er sich weihte, erfassen konnte.

Als die „Himmel” sich unserem Herrn fortgesetzt öffneten, sollte er sehen, daß die Erfahrungen des Messias, die unter dem Gesetzesbund nicht gefordert werden konnten, trotzdem seine Vorrechte sein sollten, weil er diese als den göttlichen Willen erkennen würde, weil er diese als das göttliche Gesetz in den Prophezeiungen erkennen würde. Wie ein Schaf, daß stumm ist vor seinen Scherern, so widersetzte er sich nicht, als seine Rechte ihm genommen wurden. Er erkannte, daß er zum Tode überliefert werden würde; und daß er ein unschuldiges Opfer sein würde. Er sollte der Gekreuzigte sein, das Gegenbild der kupfernen Schlange.

Nachdem er sich geweiht hatte, alle Dinge zu erfüllen, die in dem Buch geschrieben sind, war Jesus völlig bereit für jede seiner Erfahrungen. Wir erkennen auch, daß dies die Bedeutung des wundervollen Bildes in der Offenbarung ist, in der die Rolle mit sieben Siegeln versiegelt ist. Es wurde angekündigt: „Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen?” – Offenbarung 5:2 Bis zu jener Zeit wurde niemand gefunden, der das Buch hätte öffnen können. Aber nun wurde unser Herr für würdig befunden, das Buch zu öffnen, und es wurde ihm alle Erkenntnis des göttlichen Planes gegeben, damit er diese Dinge mit der Opferung des Fleisches opfern möge.

Bei seiner Weihung am Jordan opferte unser Herr sein menschliches Leben – er gab all seine Rechte und Vorrechte auf, die er als menschliches Wesen besaß. Der letztliche Zweck seiner völligen Übergabe seines Lebens war, daß er der Menschheit ewiges Leben bringen möge. Des Vaters Abmachung mit ihm war jedoch so, daß er seine Persönlichkeit, seine Identität, zurückerlangen sollte. Aber nachdem er vom Heiligen Geist gezeugt worden war, war er eine Neue Schöpfung; und als eine Neue Schöpfung besaß er einen menschlichen Leib, um in ihm den Charakter zu entwickeln und seine Erfahrungen zu sammeln. Diese Neue Schöpfung wurde während der dreieinhalb Jahre seines Dienstes zur Vollkommenheit entwickelt und war bereit den geistigen Leib zu empfangen, der ihm verheißen worden war.

Wenn unser Herr in seinem vormenschlichen Zustand nicht als vollkommen befunden worden wäre, treu und loyal, würde er dieses Vorrecht, ein Mensch und der Erlöser des Menschen zu werden, niemals bekommen haben. Wegen seines Gehorsams als ein Mensch erlangte er die größere Herrlichkeit, die Unsterblichkeit. Er war vollkommen unter all den günstigen Gelegenheiten, bevor er ein Mensch wurde; und er war treu als ein Mensch, und nachdem er verherrlicht ist, ist er noch treu. Daher hält er das gleiche Verhältnis gegenüber Gott und der Gerechtigkeit, das er immer besaß, aufrecht. Folglich würde er nicht besonders jene Dinge benötigen, welche helfen, Charakter zu bilden; denn er hat nie irgendwelche Mängel gezeigt, die hätten beseitigt werden müssen. Wir könnten aber vermuten, daß die Erfahrungen, die er in seinem vorherigen Zustand gemacht hatte, bevor er Mensch wurde, und seitdem er verherrlicht wurde, alle zusammenwirken, um seinen Charakter im höchsten Sinn intelligent und loyal zu gestalten.

Er offenbarte seine Herrlichkeit

Wir wollen einige Schriftstellen untersuchen, welche so verstanden werden können, daß sie andeuten, daß unser Herr eine klare Erinnerung seiner vormenschlichen Erfahrungen besaß, die er bei dem Vater machte.

  1. „Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn.” – Johannes 5:19 Diese Worte wurden im Zusammenhang mit der Heilung eines Kranken ausgesprochen. Sie bedeuten natürlich nicht, daß der Herr den Vater gesehen hatte, wie er Kranke heilte, sondern, daß er des Vaters Willen, des Vaters Plan, gesehen hatte.

Unser Herr führte einfach nur des Vaters Willen aus, der ihn betraf: „Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet. Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch”, usw. – Jesaja 35:5 und 6 Wie die Schriften zu verstehen geben, waren diese Wunder der Heilung einige der Dinge, die er tun sollte. Er wußte, daß er diese Wunder tun sollte und daß sie die Dinge, die einst im Königreich stattfinden werden, in der Vorausschau darstellten. Wir lesen in Johannes 2:11: „Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit.”

  1. „Von Ewigkeit her war ich eingesetzt, von Anfang an, vor den Uranfängen der Erde. Als es noch keine Fluten gab, wurde ich geboren, als noch keine Quellen waren, reich an Wasser. Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln war ich geboren.” – Sprüche 8:23 – 25 Diese Schriftpassage mag entweder als eine Prophezeiung von dem gesehen werden, was unser Herr von seinem vorherigen Zustand wußte oder als ein Sprachbild, das die Weisheit Gottes durch alle Zeitalter hindurch fortsetzt. Weil aber die Weisheit Gottes besonders in unserem Herrn Jesus offenbart wird, war dies eine Vorausdarstellung von dem, was Jesus in Bezug auf seinen vormenschlichen Zustand gekannt haben mag.
  2. Als unser Herr im Alter von zwölf Jahren die Frage stellte: „Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist?”, hatte er den Himmlischen Vater im Sinn, so wie jedes geweihte Kind Gottes an Ihn denken mag. Durch die von seiner Mutter Maria empfangene Unterrichtung mag er von seiner wunderbaren Geburt und seiner besonderen Mission in der Welt erfahren haben. Seine Mutter wußte, daß er sich seiner selbst und seiner Mission nicht sicher sein konnte, es sei denn, daß sie ihm über diese Dinge berichtete. Nachdem ihm gesagt wurde, daß er besonders heilig und auf wunderbare Weise geboren wurde zu diesem besonderen Zweck, drehte er sich zu Maria um und fragte, ist es möglich, daß du nicht wissen solltest, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist? Hast du mir nicht diese Dinge erzählt? Er war überrascht, daß Maria und Josef nicht verstehen konnten, daß es für ihn die wichtigste Sache war, diese Dinge zu tun.

Erinnerung ist das Mittel der Identifikation

  1. Unseres Herrn Feststellung, „Ehe Abraham war, bin ich”, dient zur Identifikation des Menschen Jesus, in seinem früheren Zustand als Logos, bevor er Fleisch wurde und unter uns wohnte. Obwohl er die geistige Ebene erreicht hat, ist er heute der gleiche. Er sagt: „Ich bin der Lebendige, und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit”. – Offenbarung 1:18 Ursprünglich war er auf der geistigen Ebene. Später als ein Mensch lebte er und starb er. Bei seiner Auferstehung wurde er lebendig gemacht auf der geistigen Ebene, weit erhoben über Engel, Fürstentümer und Mächte. Aber die Identität, die Persönlichkeit, ist die gleiche.
    Und wir können wirklich glauben, daß die Erinnerung an Dinge der Vergangenheit noch bei unserem Herrn vorhanden ist. Wir denken auch, daß er sich der Erfahrungen erinnert, die er im Fleisch hatte und solcher, die er machte, bevor er Fleisch wurde. Auf andere Weise konnte er sich selbst nicht identifizieren. Erinnerung scheint das Mittel der Identifikation unserer Persönlichkeit zu sein. In dieser Schriftstelle scheint nichts darauf hinzuweisen, daß unser Herr mit der Erkenntnis all seiner früheren Erfahrungen in die Welt geboren wurde. Nach seiner Weihung erlangte er die Erkenntnis durch einige Mittel, die wir nicht groß genug sind, zu verstehen, – durch die gleiche Macht, die der Vater benutzt, denn der Vater besitzt alle Macht.
  2. „Jesus Christus [ist] derselbe gestern und heute und morgen”. – Hebräer 13:8 Diese Feststellung identifiziert unseren Herrn nicht mit seinem früheren Zustand; denn in seinem vorher vorhandenen Zustand war er nicht Jesus, denn Jesus wurde er erst bei seiner Geburt genannt. Jesus Christus wurde er bei seiner Taufe. „Durch seine Erkenntnis wird der Gerechte, mein Knecht, den Vielen zur Gerechtigkeit verhelfen, und ihre Sünden wird er sich selbst aufladen.” – Jesaja 53:11 Unser Herr begann mit seiner Weihung, die Sünden der Welt sich selbst aufzuladen und beendete dies mit seiner Kreuzigung. Seitdem rechnet er bestimmte Personen als seine Glieder. Wahrscheinlich erhielt er die Erkenntnis, die ihn befähigte, zu überwinden, als der Heilige Geist auf ihn kam und die Himmel ihm geöffnet wurden.

Wir wissen nicht, welch eine Kraft Satans Versuchungen vor seiner Weihung gehabt hätten, als unser Herr ein vollkommener Mensch war wie Adam; aber als sein Verständnis geöffnet wurde, dann kam Satan, um ihn nach dem Grundsatz seines Werkes zu versuchen, nach dem Grundsatz seiner Weihung, die er schon gemacht hatte. Satan versuchte seine Weihung zu vernichten und ihre Vollendung zu vereiteln. Wie viel Erkenntnis unser Herr zu jener Zeit hatte, wissen wir nicht; aber der Himmlische Vater gab ihm eine Erkenntnis, die ausreichte, es ihm zu ermöglichen, als Überwinder hervorzugehen. Und so verhält es sich auch bei uns. Unser Herr gibt uns die Erkenntnis seiner selbst und des Vaters. Er zeigt uns das Verhältnis, das zwischen den Leiden dieser gegenwärtigen Zeit besteht und den Herrlichkeiten, die folgen sollen. So wird es allen Gliedern des Leibes durch Erkenntnis von diesem großen gerechten Diener gestattet sein, als „mehr als Überwinder” durch seine Gnade hervorzukommen.

Der natürliche Mensch kann geistige Dinge nicht erkennen

  1. „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und unser Zeugnis nehmt ihr nicht an.” – Johannes 3:11 Die Annahme ist, daß unser Herr himmlische Dinge mitteilen konnte, daß er aber sich nicht veranlaßt sah, dies zu tun; weil Nikodemus und andere Schwierigkeiten hatten, sogar die irdischen Dinge zu verstehen. Wie konnte Jesus da über die himmlischen Dinge sprechen? Zu jener Zeit mag er den Eindruck der Erinnerung bezüglich seines vorherigen Zustandes gehabt haben.

Wir sollen über die himmlischen Dinge reden, aber nicht mit dem natürlichen Menschen. „Gebt nicht das Heilige den Hunden; werft auch nicht eure Perlen vor die Schweine, damit sie diese nicht etwa mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.” – Matthäus 7:6 Unser Herr sagte, daß er seinen Jüngern noch vieles mitzuteilen hätte, aber daß sie es nicht verstehen könnten, bis der Heilige Geist käme. – Johannes 16:12 und 13 Und „Denn noch war der Heilige Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war.” – Johannes 7:39 „Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.” – 1. Korinther 2:14 „Uns aber hat Gott es offenbart durch den Geist, denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes.” – 1. Korinther 2:10 Wenn nun der Heilige Geist uns einige der tiefen Dinge offenbart, wie viel mehr konnte dann der vollkommene Verstand unseres Herrn in die heiligen Dinge eindringen?

Die Herrlichkeit, die ich bei dir hatte

Unseres Herrn Worte, „und nun verherrliche, du, Vater mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war”, können nicht bedeuten, daß er keine Erkenntnis über seinen zukünftigen Anteil an der göttlichen Natur hatte. – Johannes 17:5 Er hatte die Versicherung der Schriften, von der eine sagte, daß er sehr erhöht sein würde und eine andere, daß der Herr ihm das Königreich geben würde, und noch eine andere, Jahwe, Gott, „werde ihm Anteil geben unter den Großen und mit Gewaltigen würde er die Beute teilen: dafür, daß er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und sich zu den Verbrechern zählen ließ.” – Jesaja 53:12 Und noch eine weitere sagt: „Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks.” – Psalm 110:4 Er solle beides sein, ein Priester und ein König von sehr hohem Stand und sehr hoher Ehre.

Wahrscheinlich waren unserem Herrn diese Dinge völlig bekannt, nachdem er vom Heiligen Geist gezeugt war, wie auch Paulus, der in den dritten Himmel entrückt wurde und über wunderbare Dinge Erkenntnis erlangte, „die auszusprechen einem Menschen nicht zusteht”. – 2. Korinther 12:4 Und so ist es höchst wahrscheinlich, daß unser Herr Jesus einige besondere Offenbarungen hatte; denn wir lesen, daß er sagte; „Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben zu haben in sich selbst.” – Johannes 5:26 Auf diese Weise wird seine Erkenntnis der Tatsache angezeigt, daß beide, er und die Kirche, an der göttlichen Natur und Erbschaft des Lebens teilhaben werden.

Unseres Herrn Worte zeigen, daß er nicht wünschte, auf diese herrlichen Dinge sein Streben zu richten. Sehr demütig sagte er: „Vater, ich bin gekommen, deinen Willen zu tun. Vater ich will das Werk, das Du mir zu tun gegeben hast, vollbringen. Und ich werde, froh sein, zu der Herrlichkeit zurückgekehrt zu sein, die ich bei Dir hatte – ich erbitte nichts als eine Gunst. Ich bin froh, daß ich dieses Vorrecht gehabt habe, und ich denke, daß ich nicht auf Grund meines Ungehorsams gegenüber Deinem Willen leiden werde. Daher werde ich froh sein, bei Dir in der Herrlichkeit zu sein, die ich hatte, bevor die Welt war.”

Er sagte nicht zum Vater: „Vergiß nicht, mich zu belohnen, vergiß nicht, was Du verheißen hast.” Nein, er führte des Vaters Willen aus, ohne irgendeinen Gedanken der Entschädigung damit zu verbinden. Und so ist es auch bei uns. Jemand, der nur nach der göttlichen Natur als eine Belohnung schaut und denkt, daß diese ihm zusteht, vertritt eine unangebrachte Anschauung. Wir sollten fühlen, daß es ein großes Vorrecht ist, auf der Seite der Gerechtigkeit zu stehen und mit unserem Herrn Jesus auf die gleiche Ebene gestellt zu werden, auch wenn es letztlich keine Belohnung mit der göttlichen Natur gegeben hätte. Aber der Gedanke der Belohnung ist ein großartiger Anreiz, geduldig für etwas zu laufen, das reichlich und über alle Maßen jenseits von dem ist, was wir erbeten hätten oder woran wir gedacht hätten.

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