Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Am Ziel festhalten

Lesedauer: 6 Minuten

Es besteht kein Zweifel darüber, daß es in der göttlichen Schulung ein Ziel oder einen Zustand der Tauglichkeit zur Abschlußprüfung für die Kirche in Herrlichkeit gibt. Als wir zuerst unseren Willen dem Herrn unterwarfen, war es notwendig, daß die Weihung völlig oder ein vollkommenes Opfer unseres Willens gegenüber dem Willen des Herrn sein sollte. Aber unser Wille entsprach nicht dem Ziel, dem Zustand vollkommener Liebe. Und wenn unsere Erfahrungen im Tod verkürzt zu sein schienen, konnten wir kurz nach unserer Weihung von uns selbst nicht denken, daß wir tauglich für das Königreich gewesen wären, weil der Lohn nicht den sich Weihenden verheißen wurde, sondern „Überwindern”. So war es selbst in dem Leben unseres Meisters und Vorläufers notwendig, daß er leiden und sich des Eintritts in seine Herrlichkeit als würdig erweisen sollte. In einem Wort gesagt, wie das Kind nicht am Tag seines Eintritts in die Schule einer Abschlußprüfung unterzogen werden kann, so können wir, wenn wir in die Schule Christi eintreten, dies ebensowenig.

Wie schnell wir Fortschritte machen, die Lektionen zu lernen, hängt zum größten Teil von unserer Begeisterung und unserem Eifer ab. Nachweislich machen einige mehr Fortschritte in einem Jahr als andere in zwanzig Jahren, und sehr viele erreichen überhaupt keine Abschlußprüfung – erreichen niemals das Ziel oder den Zustand, den Gott fordert, vollkommene Liebe. Das Wort Gottes informiert uns, daß „Liebe die Erfüllung des Gesetzes ist” -(Römer 13:10-, und daß das „Endziel der Weisung aber Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben ist”. – 1. Timotheus 1:5 „So viele nun vollkommen sind, (gewillt vollkommene Liebe sich zum Ziel zu setzen) laßt uns darauf bedacht sein”. – Philipper 3:15 – 17

Das sind diejenigen, die „Christus so gelernt haben”, welcher die Bedeutung

  1. vollkommener Liebe gegenüber Gott gelehrt hat, die sie veranlassen würde, in Seinem Dienst alles zu tun und zu geben
  2. vollkommener Liebe für die „Geschwister”, die sie veranlassen würde, sogar ihr Leben in ihrem Dienst niederzulegen
  3. vollkommener Liebe für die Welt, ja, sogar für Feinde, welche sie dazu veranlaßt, jenen Gutes zu tun, die sie hassen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen sie reden.

Wir können nicht annehmen, daß viele Geweihte diesen Zustand oder dieses Ziel erreicht haben; und wir müssen daher erwarten, daß wenige diesen Abschluß erlangt haben und für das Königreich passend sind. Daher auch die Andeutung der Schrift, daß die Übrigbleibenden, die im Vergleich zur „kleinen Herde” der Überwinder nicht erfolgreich abgeschlossen haben und das Ziel des festgelegten Zustands nicht erreichen, eine „große Schar” sein werden. Hier sollten wir uns jedoch auch daran erinnern, daß dieses Maß oder dieser Zustand der Liebe nicht nach dem Fleisch ist, sondern nach dem Sinn oder Herzen. Wie der Apostel sagt: „Wir können nicht die Dinge tun, die wir möchten”. Unsere Fehler des Fleisches veranlassen uns manchmal schnell dazu, unfreundliche Worte zu äußern oder unfreundlich zu handeln, was, wenn bereut, uns nicht angerechnet werden wird noch uns vom erstrebten Ziel, der liebenden Annahme unseres Herrn, wegführen wird, welche das Ziel darstellt

Laß niemand deine Krone nehmen

„Halte fest, was du hast, daß niemand deine Krone nehme”, scheint logischerweise besonders auf jene hinzuweisen, die das Ziel oder den Zustand der vollkommenen Liebe erreicht haben und nicht nur auf solche, die den ersten Schritt der Weihung vollzogen haben, in die Schule Christi einzutreten. Die Worte, „halte fest, was du hast”, deuten auf eine vorhergehende Anstrengung und einen Erwerb hin; daß die Anstrengung etwas mit dem Recht auf eine Krone zu tun hatte, und daß der Zustand, der erlangt wurde, festgehalten werden muß, auch wenn dies auf Kosten eines schweren Kampfes geschieht.

Dies mag ein neuer und irgendwie erschreckender Gedanke für einige sein, die irrtümlich angenommen haben, daß entweder jene Weihung allein notwendig wäre, oder daß den Zustand der vollkommenen Liebe zu erlangen, den Kampf beenden würde. Anscheinend stürmen die schwersten Kämpfe, Prüfungen und Versuchungen auf jene ein, die diesen Zustand erreicht haben und dies ist im Zusammenhang mit unseres Meisters Verheißung, daß Gott nicht zulassen wird, „daß ihr über euer Vermögen versucht werdet”. Die getreuen Anhänger, die am Ziel sind, sollten fähig sein, das meiste zu ertragen, und sie werden gravierend geprüft werden. Beachten wir die Ermahnungen: „Wacht, steht fest im Glauben; seid mannhaft, seid stark!” Seid nicht länger „Kinder in Christo”, nicht länger „Kinder”; denn ihre besondere Prüfung gilt ihnen als Männern, die stark im Herrn sind und die ganze Waffenrüstung Gottes tragen. Hören wir auch das Wort: „Nachdem ihr alles getan habt, steht!” Diese Worte passen nicht zu einem, der in die Schule eintritt; sie sind aber angemessen für diejenigen, die den Zustand der vollkommenen Liebe erreicht haben. Die „alles getan haben”, die das charakterliche Ziel erreicht und „die ganze Waffenrüstung angelegt haben”, sind es, die gewarnt werden, „festzuhalten” und „festzustehen” und „einen guten Kampf zu kämpfen”.

Diese Grundwahrheiten sind für des Herrn Volk wahr und auf dieses ganze Evangelium-Zeitalter anwendbar gewesen, und daher die Enge des Weges und die wenigen, die ihn gefunden und darauf gewandelt sind – in allem eine kleine Herde. Aber jetzt, mehr als jemals zuvor, betrifft diese Warnung wahrscheinlich eine größere Zahl von des Herrn Volk als zu irgendeiner Zeit in der Vergangenheit, weil wir in der „Erntezeit” leben, in der die hauptsächliche Ernte und Sammlung geschieht. Zweifellos geschieht dies aus dem Grund, daß so viele Schriftstellen besonders unsere Zeit in einen Zusammenhang mit diesen Warnungen bringen. Wir lesen zum Beispiel: „Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag widerstehen und, wenn ihr alles ausgerichtet habt, stehen (bleiben) könnt.” – Epheser 6:13

Die Logik dieser Situation besagt, daß während der wenigen Jahre, die vor uns liegen, alsbald die schwerste Trübsal kommen wird und die raffiniertesten Prüfungen unserer Liebe

  1. für Gott, wie sie sich in unserer Liebe für die Wahrheit und in der Ehrung Seines Namens zeigt
  2. in unserer Liebe für die Brüder des Herrn
  3. unserer Liebe für unsere Feinde.

Und wenn die „Geschwister” (von denen so viel erwartet werden mag), zu unseren Feinden werden, wird die Prüfung unserer Liebe erschwert. Wenn wir die Dinge betrachten, „was (für Leute) müssen wir dann sein in heiligem Wandel und Gottseligkeit?” Bei Betrachtung der Feierlichkeit der Situation wie „vorsichtig” sollten wir alle da sein. Wie sollten wir jede unserer Handlungen und jedes Wort und jeden Gedanken prüfen. Und unsere Gedanken fordern unsere besondere Sorgfalt, weil wir nach den Gedanken und Absichten unserer Herzen beurteilt werden. Worte und Handlungen gehen daraus hervor. Wie oft verbergen sich hinter dem Streben neidische Wünsche unter dem Mantel der Pflicht. Wie viele der Feuer der „heiligen Inquisition” wurden von der Fackel erhellt, der „Pflicht” nachzukommen. Wir wollen alle wachsam sein. Wir mögen uns selbst oder andere betrügen, aber wir können Gott nicht betrügen, der sagt: „Irrt euch nicht, Gott läßt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten”, – nicht nur derjenige, der bekennt. Derjenige, dessen Handlungen und Worte unter schwierigen Bedingungen liebevoll, sanft, freundlich und überlegt sind, gibt den Beweis, daß er von dem Gott der Liebe gezeugt ist und in vielem Christus-Ähnlichkeit entwickelt hat. Betrachten wir unseres Herrn Liebe für seine Feinde und seine Nachsicht für sie, wenn gefordert wurde: „Steige vom Kreuz herab!” Auch wenn unser Herr geschmäht und verleumdet wurde, so schmähte und verleumdete er seine Feinde nicht. Geben wir acht darauf, wie sanft sein Tadel für den niederträchtigen Judas war, und wie er nur einen Tadel gegenüber Petrus andeutete, der ihn mit einem Fluch verleugnete. In seinem Fall war die Liebe sicherlich bereit, eine Vielzahl von Fehlern zuzudecken. Wir sollten daher nicht leicht beleidigt sein noch einen unerbittlichen Geist zeigen. Anstelle dessen wollen wir mit einem großzügigen und zur Vergebung bereiten Geist mit dem Apostel sagen: „Aber ich achte mein Leben nicht der Rede wert” – von meinem Zustand der vollkommenen Liebe aus; sie soll aus jeder Prüfung verhältnismäßig stärker hervorgehen, gewurzelt und gegründet. Wir wollen auch wachsam sein gegen den Geist, der neidisch auf die Ehren und Vorrechte und Segnungen anderer ist. Laßt uns umgekehrt so viel von dem Geist der Liebe besitzen, daß wir uns mit allen in dem Herrn freuen, und mit allen, die in Not sind, trauern. Es ist sogar schon ein Zeichen großer Gefahr, daß wir von dem Ziel abgekommen sind, wenn wir im Zusammenhang mit dem Wohlergehen eines Bruders eine kalte Schulter zeigen oder ein mangelhaftes Interesse an seinem Wohlergehen. Dies sollte uns ein Alarmzeichen sein und uns zu neuer Energie zurückbringen.

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