Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Die Liebe neidet nicht

Lesedauer: 17 Minuten

„Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig; sie neidet nicht; die Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf.” – 1. Korinther 13:4

Wahre Liebe verkörpert das Prinzip der Selbstlosigkeit. Diese Liebe wird nicht von Emotionen beherrscht, obgleich diejenigen, deren Herzen von Liebe erfüllt und kontrolliert werden, leidenschaftlich dazu aufgewühlt werden, zum Wohl von anderen zu handeln. In der Tat wurde Gott durch Seine selbstlose Liebe dazu bewegt, Seinen Sohn zu geben, um der Erlöser und Erretter der Welt zu sein. Weil Liebe auf der Grundlage der Selbstlosigkeit besteht, kann sie nicht eifersüchtig auf andere sein, noch auf die guten Dinge, die sie besitzen.

Paulus kennzeichnet die Liebe als wesentlich, als „Frucht des Geistes”, während er Neid als eines der „Werke des Fleisches” bezeichnet. – Galater 5:19 – 23 Er schreibt weiterhin in den Versen 25 und 26: „Wenn wir durch den Geist leben, so lasst uns durch den Geist wandeln! Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, indem wir einander herausfordern, einander beneiden.” Jeder Nachfolger des Meisters sollte wünschen von dem Geist der Liebe erfüllt und kontrolliert zu werden, und jeden Grund zu vermeiden, auf andere neidisch zu sein. Das menschliche Herz ist jedoch „trügerisch” und „bösartig”. – Jeremia 17:9 Es ist nötig, dass wir stets auf der Hut sind, dass wir nicht zu dem Glauben verleitet werden, dass es unter bestimmten Bedingungen angebracht ist, auf Gottes Segnungen für andere neidisch zu sein.

Neid und Eifersucht sind einander sehr ähnlich. Salomon schrieb: „Eifersucht ist hart wie das Totenreich.” – Hohelied 8:6 (Schlachter-Übersetzung) Wenn wir ihren giftigen Reißzähnen erlauben unsere Herzen zu durchdringen, so sind wir des Friedens und der Freude in dem Herrn beraubt, deren wir uns ansonsten erfreuen könnten. Wir sollten nicht annehmen, dass wir immun gegenüber den Angriffen dieses grausamen Giftes der Eifersucht sind. Wir müssen nicht nur über unsere Herzen wachen, sondern auch durch Gebet um Gottes Hilfe und Schutz nachsuchen, indem wir erkennen, dass wir in unserer Schwachheit nicht immer unsere eigenen Wege und Beweggründe verstehen können. David schrieb: „Verirrungen – wer bemerkt sie? Von (den) verborgenen Sünden sprich mich frei!” – Psalm 19:13

Kain und Abel

Die Schriften liefern uns eine Anzahl von Beispielen von Einzelpersonen, die es zuließen, dass sie von Eifersucht heimgesucht wurden und zu den Übeln, zu denen sie führt. Während weder das Wort Neid noch das Wort Eifersucht im Zusammenhang mit Kain benutzt wird, war es ohne Zweifel dieser besondere Ausdruck der Sünde, der ihn durch Selbstsucht ausgelöst überwältigte. Der Bericht stellt fest, dass er sehr zornig über die Tatsache war, dass Gott das Opfer von Abel annahm und sein Opfer ablehnte. – 1. Mose 4:5 Der Apostel Johannes warnt uns, dass wir stattdessen „einander lieben sollen” und nicht „wie Kain (sein sollen), der aus dem Bösen war und seinen Bruder ermordete.” – 1. Johannes 3:11 und 12

Im Fall von Kain wie auch bei den anderen Beispielen der Sünde von Neid und Eifersucht finden wir in der Bibel, dass die Einzelpersonen, die davon betroffen waren, Gott ignorierten und Seinen Teil in ihren Erfahrungen. Tatsächlich hatte Abel nichts mit der Ablehnung des Opfers von Kain zu tun. Richtiges demütiges Nachdenken würde Kain zu Gott geführt haben, um herauszufinden, warum sein Opfer nicht so „ausgezeichnet” war wie das Opfer von Abel. – Hebräer 11:4 Aber er tat dies nicht, sondern erschlug den Einen, über den Gott Seinen Segen sichtbar kundgetan hatte. Wie töricht wäre es für uns selbst, den geringsten Argwohn von Eifersucht gegenüber diejenigen zu hegen, die Gott segnet. Wenn wir dies tun würden, würde es zeigen, dass wir selbst der segensreichen guten Dinge unwürdig wären, die Er über diejenigen ausgießt, die wir beneiden.

Aaron, Miriam und Moses

Aaron und Miriam, die seine Schwester war, waren schuldig, weil sie dem Geist der Eifersucht erlaubt hatten, ihre Einstellung gegenüber ihrem Bruder Mose negativ zu beeinflussen. Der Bericht zeigt, dass diese zwei Diener Gottes eine Anklage gegen Moses vorbrachten, in welcher sie verbargen, was sie wirklich im Sinn hatten. Wir lesen: „Und Miriam und Aaron redeten gegen Mose wegen der kuschitischen Frau, die er genommen hatte; und sie sagten: Hat der HERR nur etwa mit Mose geredet? Hat er nicht auch mit uns geredet? Und der HERR hörte es.” – 4. Mose 12:1 und 2

Wir sollen uns immer der Tatsache bewusst sein, dass der Herr hört, was wir sagen, und dass Er die Gedanken und Absichten unserer Herzen kennt. Psalm 94:11 und 139:23 Paulus schrieb: „Und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben.” – Hebräer 4:13 Dies verhielt sich so im Fall von Aaron und Miriam. Gott kannte den Vorwand ihrer Anklage, dass Mose eine Äthiopierin zur Frau genommen hatte. Was wirklich in ihren Herzen war, war der Geist des Neides hinsichtlich der Tatsache, dass ihr Bruder Moses so deutlich als Gottes Mundstück in Erscheinung trat, während sie fühlten, dass sie dazu ebenso geeignet gewesen wären.

Der Herr, der in ihren Herzen lesen konnte, wusste, dass Aaron und Miriam zeitweise von dem großen Widersacher überwunden worden waren, und handelte in dieser Situation so, um sie von dieser „Schlinge des Vogelfängers” zu befreien. – Psalm 91:3 Da Er augenscheinlich keine Anstrengungen machte, ihn gegen die Anklage zu verteidigen, obwohl dies für Mose eine schwerwiegende Erfahrung gewesen sein muss, von einem Glied seiner eigenen Familie angegriffen zu werden. Der Herr rechtfertigte Mose jedoch, und nachdem Er Miriam streng bestraft hatte, nahm Er sie wieder an, Ihm zu dienen. – 4. Mose 12:5 – 14

Saul und David

In dem König Saul von Israel haben wir ein anderes Beispiel für das grausame Unheil des Neides und der Eifersucht, wenn diesen erlaubt wird im Herzen zu wurzeln. Saul war von seiner Statur her einen Kopf größer als alle Israeliten. – 1. Samuel 9:2 Anscheinend war er jedoch nie davon beeindruckt, dass ihn dies wichtiger mache als alle anderen. So stellte er fest, als er erwählt wurde: „Bin ich nicht ein Benjaminiter und aus einem der kleinsten Stämme Israels, und ist meine Sippe nicht die geringste unter allen Sippen des Stammes Benjamin?” – 1. Samuel 9:21

Doch Saul behielt nicht diese demütige Einschätzung seiner selbst. Er wurde in seinen eigenen Augen so wichtig, dass er überheblich wurde und den Anweisungen des Herrn nicht gehorchte. Samuel erinnerte Saul daran, dass er, als er sich selbst als „gering” sah, zum König von Israel gemacht wurde. Saul spürte jedoch eines Tages, dass er die Macht in seinen Händen hielt, und er vergaß, dass er „gering” war, und er zögerte nicht entgegen den Anweisungen des Herrn zu handeln. Als er dessen angeklagt wurde, schob er die Sünde auf das Volk, aber Gott hielt Saul für verantwortlich und verwarf ihn. – 1. Samuel 13:8 – 14 und 15:17 – 23

Wie es immer geschieht, wenn Selbstinteresse Kontrolle über das Leben eines Dieners Gottes ausübt, suchte Saul seine Herrschaft auf der Grundlage, was für ihn das Beste sein würde, auszuüben. Gott hatte ihn verworfen, aber erlaubt, dass seine Herrschaft eine Zeit lang fortbestehen sollte. Aber sein Herzenszustand änderte sich nicht. Saul begann Israel so zu regieren, als ob Gott in den Angelegenheiten der Nation nichts zu sagen hätte. Dies führte zu seinem weiteren Verhängnis. Und mit diesem Rückzug von Gott, ergriff ihn der hässlichen Geist des Neides und der Eifersucht.

Saul wurde als ein tapferer und tüchtiger Kriegsmann unter den Israeliten gerühmt. Beginnend mit dem Kampf gegen Goliath nahm jedoch Davids Ruf als Kriegsmann zu und übertraf den Ruhm von Saul. Der Bericht sagt: „Und es geschah, als sie heimkamen, als David vom Sieg über den Philister zurückkehrte, zogen die Frauen aus allen Städten Israels zu Gesang und Reigen dem König Saul entgegen mit Tamburinen, mit Jubel und mit Triangeln. Und die Frauen tanzten, sangen und riefen: Saul hat seine Tausende erschlagen und David seine Zehntausende. Da ergrimmte Saul sehr. Und diese Sache war in seinen Augen böse, und er sagte: Sie haben David Zehntausende gegeben, und mir haben sie (nur) die Tausende gegeben, es (fehlt) ihm nur noch das Königtum.” – 1. Samuel 18:6 – 9

Saul sah von da an „neidisch auf David” und suchte ihn in seiner Eifersucht zu töten. David musste vor dem Zorn Sauls fliehen, während Saul ihn wie ein wildes Tier jagte. David zeigte im Gegensatz zu Saul keine Neigung, Vergeltung gegen seinen Verfolger zu üben. Bei einer Gelegenheit, als Saul dem Objekt seines unkontrollierbaren Neides und seiner Eifersucht nachjagte und sich selbst in eine Lage brachte, von David gefangen und getötet zu werden, sagten die Freunde Davids, unter ihnen Abischai: „Heute hat Gott deinen Feind in deine Hand ausgeliefert: Nun lass mich ihn doch mit dem Speer an den Boden spießen, einmal nur!” – 1. Samuel 26:8

Dies war ein überzeugendes Argument – Gott hatte seinen Feind in seine Hände geliefert. Wenn David das geringste Anzeichen des Hasses gegenüber Saul gezeigt hätte, würde ihn diese Art des Denkens überzeugt haben, und er würde erlaubt haben, dass dieser getötet würde. Hier gibt es einen herzergreifenden Punkt für unsere Betrachtung. Gibt es irgendeine Möglichkeit zufrieden in der Idee zu ruhen, wenn wir neidisch reagieren oder eine solche Handlung gestatten, dass diese gegenüber dem Herrn annehmbar ist? David hatte eine andere und bessere Sicht, die den göttlichen Willen zur Grundlage machte. Er antwortete: „Bring ihn nicht um! Denn wer könnte seine Hand gegen den Gesalbten des HERRN ausstrecken und ungestraft bleiben? Und David sagte (weiter): So wahr der HERR lebt, sicher wird ihn der HERR schlagen, wenn seine Zeit kommt, dass er sterbe, oder er wird in den Krieg ziehen und umkommen! Der HERR lasse es fern von mir sein, dass ich meine Hand an den Gesalbten des HERRN legen sollte!” – 1. Samuel 26:9 – 11

Wie wundervoll zeigte David damit sein Vertrauen in die Vorsehung Gottes. Während Samuel ihn gesalbt hatte, schließlich als Gottes Wahl der neue König Israels zu sein, zeigte sich David völlig willig, auf die vom Herrn bestimmte Zeit zu warten, die Zügel der Herrschaft zu übernehmen. Anscheinend hegte er keinen Groll gegen Saul, obwohl er so ungerecht von ihm behandelt worden war.

In dieser Erfahrung von Saul und David gibt es wertvolle Lektionen für uns. Die meisten des Volkes Gottes fühlen sich zweifellos ganz „gering” während der Zeit ihrer Weihung. Wie wichtig ist es, dass diese Haltung der Sanftmut und Demut beibehalten wird. Der Herr möge uns in Seinem Dienst segnen. Er mag sogar einigen von Seinem Volk ein bestimmtes Maß von Bedeutung unter den Geschwistern erlauben. Dies ist eine wirkliche Prüfung. Es könnte sein, dass diejenigen, die anfangs gering in ihren eigenen Augen waren, stolz und in ihrem Stolz neidisch auf Andere werden, die der Herr ähnlich reich segnen mag in Seinem Dienst.

Davids großzügiger und vergebender Geist wurde im weiteren in dem Fall mit seinem Sohn Absalom offenbar, der gegen seinen Vater rebellierte und ihm den Thron zu entreißen suchte. Als Absalom schließlich sein Leben verlor, weinte David vor Leid. Wir lesen: „Da schrak der König zusammen, und er stieg hinauf ins Obergemach des Tor(-gebäudes) und weinte. Und so rief er im Gehen: Mein Sohn Absalom! Mein Sohn, mein Sohn Absalom! Wäre ich doch an deiner Stelle gestorben! Absalom, mein Sohn, mein Sohn!” – 2. Samuel 19:1

Unter solchen Umständen würden viele ihrer Genugtuung Ausdruck verliehen haben, dass ein Rivale, sogar einer von der eigenen Familie, beseitigt worden wäre, sich darüber freuend, dass Gottes Gerichte mit Sicherheit auf ihn gekommen wären. David nahm aber nicht diese Stellung ein. Er war ein Mann nach dem Herzen Gottes, und die Vorzüge seines Charakters schlossen Langmut, Erbarmen und den Geist der Vergebung ein. – 1. Samuel 13:14 und Apostelgeschichte 13:22 Es blieb kein Raum für Neid und Eifersucht in dem Herzen übrig, welches so sehr mit dem Geist des Herrn gefüllt war.

Jesu vollkommenes Beispiel

Entlang dieser Richtschnur ist Jesus unser krönendes Beispiel. Noch vor Pfingsten waren die Jünger oft damit beschäftigt, wer wohl der Erste unter ihnen sein sollte, wie auch berichtet wird: „Es stieg aber unter ihnen eine Überlegung auf, wer wohl der Größte unter ihnen sei. Als Jesus aber die Überlegung ihres Herzens erkannte, nahm er ein Kind und stellte es neben sich und sprach zu ihnen: Wer dieses Kind aufnehmen wird in meinem Namen, nimmt mich auf, und wer mich aufnehmen wird, nimmt den auf, der mich gesandt hat; denn wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groß.” – Lukas 9:46 – 48

Die Worte der Antwort, welche die Jünger auf die Lektion von Jesus gaben, ist höchst ungewöhnlich: „Johannes aber antwortete und sprach: Meister, wir sahen jemand Dämonen austreiben in deinem Namen, und wir wehrten ihm, weil er (dir) nicht mit uns nachfolgt. Und Jesus sprach zu ihm: Wehrt nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, ist für euch.” – Lukas 9:49 und 50 Der Zusammenhang ist hier interessant. Den Jüngern war gerade gesagt worden, dass die wichtige Handlung, für die es zu eifern galt, nicht darin besteht groß zu sein, sondern „der Kleinste” unter ihnen zu sein. Hier ging es jedoch um einen Menschen außerhalb ihrer Gemeinschaft, und sicherlich würde Jesus ihre Schau der Autorität gegenüber ihm genehmigen. Es scheint, dass das gefallene Fleisch zeitweilig dafür anfällig ist, wichtigtuerisch und aufdringlich zu sein.

Wiederum sagte Jesus seinen Jüngern, dass sie falsch urteilten. Er hatte diesen Arbeiter nicht besonders zum Dienst eingeladen, aber Jesus war ganz und gar nicht neidisch darauf, was er tat. Tatsächlich hatte Jesus seine Jünger nicht angewiesen, hinauszugehen und mit dieser Person zusammenzuarbeiten, noch zu versuchen ihn in ihre Gemeinschaft zu bringen. Der Punkt, der unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, ist jedoch, dass Jesus in keiner Weise eifersüchtig auf diesen Mann war, der unabhängig von ihm und seinen Jüngern diente. „Wehrt ihm nicht” – das heißt, lass ihn allein – war die Anweisung des Meisters. Dies ist auch eine gute Lektion für uns. Der Herr der Ernte ist so groß und allmächtig, dass er seine Angelegenheiten mit denen, die nicht wie wir dienen, oder jenen Geschwistern, die sehr eng mit uns zusammenarbeiten, auch ohne unser Einschreiten regeln kann.

Diesem Beispiel und der Anweisung Jesu zu folgen bedeutet nicht, dass wir in irgendeiner Weise hinsichtlich der Wahrheit Kompromisse eingehen sollen. Es bedeutet einfach, dass wir im Dienst des Herrn voranschreiten sollen, so wie er uns die Gelegenheit gibt, und nicht so sehr besorgt sein sollen über den Lauf, den andere einschlagen. Die Versuchung zu verhindern, wie es die Jünger taten, zeigt nicht notwendigerweise einen neidischen Geist. Es könnte sein, und es ist vielleicht nur das Ergebnis eines fehlgeleiteten Eifers. Was auch immer das Motiv sein mag, sagte Jesus jedoch: „Wehrt ihm nicht!”

Paulus – ein anderes Beispiel

In dem Apostel Paulus besitzen wir ein anderes, wundervolles Beispiel der Langmut des Herzens, um die wir uns bemühen sollten. In der Kirche in Korinth gab es viel Rivalität, von der Paulus sagte, dass sie vom fleischlichen Denken herrührte. In seinem Schreiben zeigte er diesen Geschwistern den Irrtum ihrer Einstellung. Einige der Geschwister in Korinth behaupteten, dass sie Paulus geweiht wären und andere, dass sie dem Apollos nachfolgten. Paulus jedoch schrieb: „Was ist denn Apollos? Und was ist Paulus? Diener, durch die ihr gläubig geworden seid, und zwar wie der Herr einem jeden gegeben hat. Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat das Wachstum gegeben. So ist weder der da pflanzt etwas, noch der da begießt, sondern Gott, der das Wachstum gibt. Der aber pflanzt und der gießt, sind eins, jeder aber wird seinen eigenen Lohn empfangen nach seiner eigenen Arbeit.” – 1. Korinther 3:5 – 8

Wir sollten beachten, dass das Problem, welches hier von Paulus erörtert wird, nicht eine falsche Lehre betrifft. Er sagt nicht, dass diejenigen, die die Wahrheit predigen und diejenigen, die Irrtum predigen, „eins sind”. Das Problem war vielmehr die Rivalität darüber, wer als ein Diener des Herrn wahrgenommen werden sollte. Hier kommt Paulus direkt auf den Punkt, wenn er sagt: „wie der Herr einem jeden gegeben hat” – zu diesem Dienst der Wahrheit gegeben hat, das heißt, jedem Menschen in Christus Jesus. So sind diejenigen, die vom Heiligen Geist motiviert werden, ihre Vorrechte als Diener des Evangeliums auszuführen, „alle eins” in Christus Jesus, soweit es die freudige Gelegenheit des Dienstes betrifft. – Galater 3:28

Die Langmut des Herzens und die Haltung, die Paulus zeigte, werden uns in dem Brief an die Geschwister in Philippi wieder in Erinnerung gebracht. Als Paulus aus dem Gefängnis in Rom schrieb, sagte er: „Ich will aber, dass ihr wisst, Brüder, dass meine Umstände mehr zur Förderung des Evangeliums ausgeschlagen sind, so dass meine Fesseln in Christus im ganzen Prätorium und bei allen anderen offenbar geworden sind und dass die meisten der Brüder im Herrn Vertrauen gewonnen haben durch meine Fesseln und viel mehr wagen, das Wort Gottes ohne Furcht zu reden. Einige zwar predigen Christus auch aus Neid und Streit, einige aber auch aus gutem Willen. Die einen aus Liebe, weil sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums eingesetzt bin; die anderen aus Eigennutz verkündigen Christus nicht lauter, weil sie (mir in) meinen Fesseln Bedrängnis zu erwecken gedenken. Was (macht es) denn? Wird doch auf jede Weise, sei es aus Vorwand oder in Wahrheit, Christus verkündigt, und darüber freue ich mich. Ja ich werde mich auch freuen.” – Philipper 1:12 – 18

Was für ein herrliches Zeugnis wird hier gegeben! Viele, die sich in den schwierigen Umständen des Paulus befunden hätten, würden viel von ihrem Interesse im Dienst des Herrn verloren haben, fühlend dass sie sozusagen „zur Seite geschoben” worden wären und daher keine weitere Verantwortung im Zusammenhang mit diesem Dienst hätten. Paulus jedoch, angekettet an eine römische Wache, bezeugte weiterhin die Wahrheit und freute sich darüber, dass andere aktiver in des Herrn Dienst wirksam wurden. – Apostelgeschichte 28:16 und 20

Paulus hatte erfahren, dass einige, die das Evangelium predigten, „aus Neid und Streit predigten … , nicht lauter”. Seine Macht und Autorität als einer der inspirierten Apostel befähigten ihn, die Motive jener zu erkennen, die bestrebt waren, mit ihren Predigten seinen Fesseln „Bedrängnis hinzuzufügen”. Er tat jedoch nichts, ihre widergöttlichen Anstrengungen zu hindern und ließ das Gericht ihrer Herzen in den Händen des Herrn. Paulus sagte einfach, dass er sich darüber freue, dass Christus „auf jede Weise, sei es aus Vorwand oder in Wahrheit, verkündigt wird”. Sollten wir nicht nach einer solchen Verwirklichung der Liebe streben?

Die Situation war schwieriger für Paulus, als sie es für uns ist. Er kannte die Unaufrichtigkeit jener, die bemüht waren, ihm Schaden zuzufügen. Wir können jedoch nicht die Herzen anderer lesen und sollten es niemals versuchen. Wir können nur vermuten, dass alle Anstrengungen, dem Herrn mit der Verkündigung des Evangeliums zu dienen, ehrlich sind. Wenn wir die Angelegenheit in dieser Weise sehen, sollten wir uns jener Anstrengungen erfreuen. Wir wollen noch einmal betonen, dass dieser Punkt nicht das Predigen von Irrtum betrifft. Kein wahres Kind Gottes sollte oder könnte sich an dem Predigen des Irrtums erfreuen, und Paulus sicherlich auch nicht. Paulus freute sich zu erkennen, und sicherlich sollten wir dies auch tun, dass das herrliche Evangelium vom Königreich gepredigt wurde, obgleich in einigen Fällen jene, die es verkündigten, nicht richtig motiviert gewesen sein mögen, wie dies auch unser Leittext zum Ausdruck bringt: „Die Liebe neidet nicht”.

Die Haltung des Paulus erinnert uns an eine Erfahrung, in welcher Mose in gleicher Weise eine ähnliche Langmut des Ausblicks zeigte. Siebzig Älteste aus Israel wurden von Mose rund um die Stiftshütte versammelt, und Gottes Geist kam über sie, und sie begannen zu prophezeien. Zwei von den Ältesten blieben jedoch im Lager, „und der Geist ruhte auf ihnen … und sie prophezeiten im Lager”. Josua, der später der Nachfolger Mose wurde, richtete seine Aufmerksamkeit auf diese Sache und bat Mose diesen beiden zu verbieten, unpassend zu predigen. „Mein Herr, Mose, halte sie zurück! Aber Mose sagte zu ihm: Eiferst du für mich? Mögen doch alle im Volk des HERRN Propheten sein, dass der HERR seinen Geist auf sie lege!” – 4. Mose 11:25 – 29

Der Sinn dieser Lektion ist zu erkennen, dass Mose nicht eifersüchtig war. Wäre er in die Einzelheiten gegangen, so hätte er gegenüber Josua sagen können, dass es für jene zwei Älteste wirklich besser gewesen wäre, sich um die Stiftshütte zu versammeln, wie es die anderen im Gehorsam gegenüber seinen Anweisungen getan hatten. Da sie dies aber nicht getan hatten, und Gott es noch wohlwollend ansah, indem Er Seinen Geist auf sie legte, wollte Mose die Tatsache, dass sie mehr oder weniger ihm gegenüber ungehorsam gewesen waren, nicht beklagen. So weit es ihn betraf, würde er es freudig begrüßen, wenn Gott Seinen Geist auf alle Israeliten ausgießen und sie zu Propheten machen würde.

In seinem zweiten Brief an die Geschwister in Korinth schrieb Paulus: „Unser Mund hat sich euch gegenüber geöffnet, ihr Korinther; unser Herz ist weit geworden. Ihr seid nicht beengt in uns, sondern ihr seid beengt in euren (eigenen) Herzen – ich rede wie zu Kindern – werdet auch ihr weit.” – 2. Korinther 6:11 – 13

Sicherlich war Paulus in seiner Langmut des Herzens den Geschwister in Korinth insgesamt weit voraus. Weil nur einige von ihnen anfänglich behauptet hatten, seine Nachfolger zu sein, müssen andere letztlich für eine Zeit lang in einem gewissen Grad ihm gegenüber feindlich gesinnt gewesen sein. Dies spielte für Paulus keine Rolle. Sein Herz war weit, sie alle darin aufzunehmen und im allerheiligsten Glauben aufzubauen.

Er bemerkte, wie auch wir das sollen, dass sich alle in der Kirche Christi in unterschiedlichen Stadien der christlichen Entwicklung befinden. Es wäre vielleicht ideal, wenn alle den gleichen Grad des christlichen Wachstums erreicht hätten, von dem wir hoffen, dass dies auf uns zutrifft. Dies wird jedoch nicht so sein, während sich die Kirche in Fleisch befindet. Wenn einige uns im Wachstum zu übertreffen scheinen, und Gott sie mehr segnet als uns, sollen wir nicht neidisch sein. Wenn andere unsere Geduld beanspruchen, weil sie in der Gnade und Erkenntnis nachzuhinken scheinen, sollten unsere Herzen ihnen gegenüber weit sein.

Wir bedürfen einander jetzt mehr als je zuvor. „Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht; oder wieder das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht; sondern gerade die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig; und die uns die weniger ehrbaren am Leib zu sein scheinen, die umgeben wir mit größerer Ehre; und unsere nichtanständigen haben größere Wohlanständigkeit; unsere Wohlanständigen aber brauchen es nicht. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dabei dem Mangelhafteren größere Ehre gegeben.” – 1. Korinther 12:21 – 24

Wir wollen bemüht sein durch Gebet und eine eifrige Anwendung der Prinzipien der Liebe dem Geist des Neides keinen Unterschlupf zu gewähren. Stattdessen sollten wir, wie Paulus schrieb: „Nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht (tun), sondern dass in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst; ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen.” – Philipper 2:3 und 4 Wenn wir bemerken, dass unsere Geschwister in Christo in einigen oder vielen Beziehungen besser sind als wir, sollten wir uns über ihre höheren Fähigkeiten freuen, und es wird in unseren Herzen keinen Raum für Neid geben. Möge der Herr uns helfen diesen hohen und gesegneten Stand der Liebe in unserem Verständnis und unserem Handeln miteinander zu erlangen.

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