Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Die Melchisedek-Priesterschaft

„Wohin Jesus als Vorläufer für uns hineingegangen ist, der nach der Ordnung Melchisedeks Hoherpriester in Ewigkeit geworden ist.” – Hebräer 6:20

Melchisek war der Name einer bemerkenswerten Person, die in den Tagen Abrahams lebte, und von der im Alten Testament nur wenig berichtet wird, ausgenommen, daß er gleichzeitig König und Priester war – ein „Priester auf seinem Thron” – „König von Salem”, was ein König des Friedens bedeutet, ein Fürst des Allerhöchsten Gottes. Wir werden durch Abraham auf ihn aufmerksam gemacht, als dieser mit den Königen des Nordens kämpfte, die Lot und seine Familie mit all ihrer Habe zur Zeit der Plünderung von Sodom gefangen genommen hatten. Als Abraham vom Kampf zurückkehrte, suchte er diesen König-Priester auf und gab ihm den zehnten Teil von der genommenen Beute; und er wurde von ihm gesegnet und hatte auch mit ihm an dem symbolischen Brot und Wein teil. Es blieb jedoch dem Herrn überlassen, uns zu Seiner bestimmten Zeit, nahezu zweitausend Jahre danach, durch den inspirierten Apostel Paulus die wirkliche Bedeutung dieses Ereignisses zu erklären – daß Melchisedek bei dieser Handlungsweise den verherrlichten Christus vorbildlich darstellte. – 1. Mose 14:18 – 20

Die durch Mose eingesetzte Aaronische Priesterschaft, deren Haupt Aaron war, und die für mehr als sechzehn Jahrhunderte fortbestanden hatte, war zu der Zeit, als der Apostel schrieb, so gut eingerichtet, daß die Juden sie für die einzige Priesterschaft ansahen. Als ihnen Christus als der wirkliche Priester Gottes gepredigt wurde, der allein Macht hatte, aufgrund des Verdienstes seines eigenen Opfers Sünden zu vergeben, kam die Ablehnung mit der Feststellung, daß Jesus nicht einmal zu dem priesterlichen Stamm gehörte, und daher ihm keine Vollmacht gegeben sein könnte, Gott Opfer darzubringen oder Versöhnung für Sünden zu bewirken oder Sünden zu vergeben. Bevor die logisch Denkenden des Jüdischen Volkes das Werk Christi im Interesse ihrer Nation und aller Geschlechter der Erde richtig wertschätzen konnten, war es notwendig, daß der Herr ihnen durch die Apostel zeigen sollte, daß es in dem Göttlichen Plan eine noch höhere Ordnung der Priesterschaft gibt, als die wahrgenommene Aaronische Priesterschaft; daß, wie unser Leittext erklärt, Jesus von der Zeit seiner Auferstehung und seinem Emporsteigen zu Gott der Hauptpriester oder Hohepriester einer neuen Ordnung der Priesterschaft gewesen ist – die von dem Apostel Petrus als königliche Priesterschaft bezeichnet wird. – 1. Petrus 2:9

Nach der Ordnung Melchisedeks

Jede heidnische Religion hat ihre Priester; und so verhält es sich auch unter Christen, daß jede Religionsgemeinschaft ihren eigenen Priester hat. So strikt werden die Grenzen gezogen, daß kein Protestant die Erlaubnis bekommen würde, von einem römisch-katholischen Rednerpult aus zu sprechen. Sollte jedoch aus irgendeiner Unachtsamkeit jemand in diese Lage kommen, so würde eine Reinigung und erneute Weihung des Rednerpults als notwendig erachtet werden, bevor es von einem katholischen Priester wieder benutzt werden könnte. Die gleiche Regel gilt bei der Episkopalkirche, daß ein Rednerpult als entweiht gelten würde, wenn es zuvor von einem protestantischen Mitglied irgendeiner anderen Glaubensgemeinschaft eingenommen würde. Nach dem Gesetz der Episkopalkirche würde alsdann eine ähnliche Reinigung und Wiedereinweihung als notwendig erachtet werden. Aber Gott und die Schriften erkennen keine dieser Priesterschaften an – weder die heidnischen noch die christlichen, denn sie kommen von Menschen und durch Menschen. Die göttliche Anordnung nimmt nur Notiz von der Aaronischen- und der Melchisedek-Priesterschaft. Was sich auch immer darüber hinaus oder außerhalb von diesen befindet, ist mehr, als Gott vorgesehen hat, und es befindet sich außerhalb der göttlichen Weihe und ist folglich unpassend, fehlleitend und gefährlich.

Der Rede des Apostels folgend, hoffen wir zu verdeutlichen, daß die Melchisedek-Ordnung der Priesterschaft, über die der Apostel sagt, daß Jesus der Hoherpriester ist, und daß sie von Pfingsten bis zur gegenwärtigen Zeit die treuen Heiligen Gottes von den verschiedenen Nationen, Verwandtschaften und Zungen zu ihrer Unterpriesterschaft hat – in allem eine „Kleine Herde”. Wir hoffen zu zeigen, daß, obwohl diese Priesterschaft Prediger und öffentliche Diener Gottes einschließen mag, sie auch die Demütigsten der Nachfolger des Herrn enthält, die Seinen Geist besitzen und jetzt ihr geweihtes Leben in Seinem Dienst niederlegen.

Zurückschauend achten wir auf die Feststellung des Apostels gegenüber den Juden, in welcher er einräumt, daß Jesus nicht vom Stamm Levi war, sondern vom Stamm Juda, und er nach der göttlichen Ordnung kein irdischer Priester gewesen sein konnte; denn die irdische Priesterschaft war für Aaron und seine Söhne bestimmt. Der Apostel sagte jedoch, daß die Priesterschaft Jesu keine irdische, sondern eine himmlische wäre. Es ist der auferstandene, verherrlichte Christus, welcher Hoherpriester dieser höheren Ordnung Melchisedeks ist, die von höherer Bedeutung als die Ordnung Aarons ist.

Der Zweck einer Neuen Priesterschaft

Der Apostel weist darauf hin, daß die Priesterschaft Aarons die vorbildlichen Opfer Jahr für Jahr wiederholte; daß dies aber schließlich nicht alles sein konnte, was Gott geplant hatte; denn diese wiederholten Opfer beseitigten nicht die ursprüngliche Sünde, sondern bedeckten sie nur oder verziehen sie für das Jahr, für das sie angeboten wurden. Jedoch war die Absicht Gottes offensichtlich größer und umfassender als diese, eine letztendlich vollkommene Beseitigung der Sünde. Daher konnte die Aaronische Priesterschaft nicht das Ende der göttlichen Absicht gewesen sein. Der Apostel fährt fort, darauf hinzuweisen, daß Gott schon eine neue Priesterschaft verordnet hatte, die zu Seiner von Ihm selbst bestimmten Zeit aufgerichtet werden sollte, und daß diese göttliche Absicht durch den Propheten David genau bekanntgegeben wurde, der als das Mundstück des Herrn erklärte: „Geschworen hat der HERR, und es wird ihn nicht gereuen: ‚Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks‘!” Dies stellt einen Teil des Messianischen Psalms 110 dar, der mit der Feststellung beginnt: „Spruch des HERRN für meinen Herrn: ‚Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde gemacht habe zum Schemel deiner Füße. Den Stab deiner Macht wird der HERR aus Zion ausstrecken. Herrsche inmitten deiner Feinde. Dein Volk ist (voller) Willigkeit am Tage deiner Macht‘!” – Psalm 110:1 – 3

Die Logik des Apostels ist für alle diejenigen überzeugend, deren Augen des Verständnisses geöffnet sind. Die Priesterschaft Aarons, die mehr als sechzehn Jahrhunderte bestanden hatte, sollte eines Tages beendet werden, und es sollte eine neue Priesterschaft nach der Ordnung Melchisedeks eingeführt werden. Das Haupt dieser Ordnung sollte der Messias selbst werden. Der Apostel zeigt, daß es die göttliche Absicht war, daß „bessere Opfer” für die Sünde geopfert werden sollten, und daß dies das Ende der vorbildlichen Aaronischen Priesterschaft zur passenden Zeit bedeutete. Er fährt fort, zu argumentieren, daß der Herr Jesus, nachdem er als Hohepriester dieser neuen Ordnung gekommen war, er sich selbst als ein annehmbares Opfer Gott geopfert hat, und daß kraft dieses Opfers alle, die an ihn glauben, alle die ihn annehmen, alle die versuchen, sich von ihren Sünden zu entfernen, um zur Harmonie mit Gott zurückzukehren, bevorrechtigt sind, dies zu tun. Und nicht nur dies, sondern es ist auch eine Einladung gegenüber den bereuenden Gläubigen ausgesprochen worden, deren Sünden bedeckt sind, daß sie Glieder dieser gegenbildlichen Priesterschaft werden mögen – Glieder des Leibes Christi, des gegenbildlichen Melchisedek. – Hebräer 10:19 – 25

Entlang dieser Linie ermahnt der Apostel die geweihte Evangeliums-Kirche, indem er sagt: „Daher, heilige Brüder, Teilhaber der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesus.” – Hebräer 3:1 Und in Harmonie mit diesem versichert uns der Apostel Petrus – der so weit entfernt ist von dem Anspruch, selbst ein Papst zu sein, und so weit von der Anerkennung irgendeiner besonderen Klasse des Klerus in der Kirche – daß der ganze Leib Christi, die ganze Gemeinschaft geweihter Gläubigen, eine „Königliche Priesterschaft” ist. Und wir sollten beachten, daß dieses königliche Hauptmerkmal die Melchisedek-Priesterschaft von der Aaronischen Priesterschaft unterscheidet. Aaron und seine Söhne hatten nichts mit der Königsherrschaft des vorbildlichen Königreichs zu tun. – 1. Petrus 2:9

Ein Priester auf seinem Thron

In dem Fall von Melchisedek als Vorbild wird nichts gezeigt, was das Opfer betrifft. Er war kein opfernder Priester, sondern ein segnender Priester, der aufgrund seines königlichen Amtes bevollmächtigt war, seinen priesterlichen Segen zu erteilen. So opfert Christus nicht als der Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks, sondern er ist ein segnender Priester. Wahrlich, er opferte in den Tagen seines Fleisches, wie auch der Apostel erklärt. „Er opferte sich selbst.” Es ist ebenso wahr, daß die Nachfolger des Herrn sich selbst opfern, wie der Apostel zu verstehen gibt: „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist.” – Römer 12:1 Aber dieses Opfern von Jesu und seinen Nachfolgern ist nicht ein Teil des Melchisedek-Vorbildes. Wie auch der Apostel auf unseren Herrn Jesus Christus hinweisend sagt, der „obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam lernte; und vollendet, ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden, von Gott begrüßt als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks.” – Hebräer 5:7 – 10

Ähnlich verhält es sich mit der Kirche, welche die königliche Unterpriesterschaft sein wird, die dazu aufgerufen ist, ihre Treue, ihre Aufrichtigkeit durch die Dinge zu beweisen, die sie um der Gerechtigkeit willen und im Gehorsam gegenüber Gott in der gegenwärtigen Zeit, in der die Sünde vorherrscht, erleiden wird. Nicht eher, als bis diese ihre Würdigkeit unter Beweis gestellt haben, werden sie bei der Ersten Auferstehung verherrlicht und Königliche Priester werden, in der Gesellschaft mit dem Hohenpriester nach der Ordnung Melchisedeks, um alle Geschlechter der Erde während des Millennium-Zeitalters zu segnen. Es ist damit im Einklang, daß die Schriften erklären, daß diese Melchisedek-Ordnung von Priestern dazu eingeführt wird, um von „Gott zu einem Königtum und zu Priestern gemacht zu werden und über die Erde zu herrschen”. – Offenbarung 5:10

Der Apostel zeigt weiterhin, daß beide, die Aaronische Priesterschaft und die Melchisedek-Priesterschaft, nach göttlicher Anordnung bestehen. Er zeigt, daß Aaron von Gott berufen wurde, das Haupt der Aaronischen Priesterschaft zu sein; und in ähnlicher Weise wurde auch Christus von dem Vater berufen, der Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks zu werden. „Und niemand nimmt sich selbst die Ehre, sondern er wird von Gott berufen wie auch Aaron.” So verherrlichte auch Christus sich nicht selbst, um zu einem Hohepriester gemacht zu werden, sondern seine Hohepriesterschaft kam von Gott, der zu ihm sagte: „Du bist mein geliebter Sohn; heute habe ich dich gezeugt (geboren)”; und wiederum, „Du bist Priester in Ewigkeit nach der „Ordnung Melchisedeks“.” Wie das Haupt der Melchisedek-Ordnung durch göttliche Einladung kam, so müssen alle Glieder der königlichen Priesterschaft von Gott berufen werden. Daher suchte der Apostel nicht die ganze Menschheit zu finden und zu beeinflussen, sondern „so viele der Herr, unser Gott, hinzurufen wird” zu dieser Melchisedek-Priesterschaft. – Apostelgeschichte 2:39

Der vorbildliche Melchisedek

Damit seine jüdischen Leser nicht denken sollten, daß der Versöhnungstag Aarons ausgeprägter und daher von größerer Autorität wäre, als der des Herrn Jesus, betonte der Apostel, daß das Gegenteil von dem der Wahrheit entspricht – daß Aaron ohne einen göttlichen Schwur eingesetzt wurde; daß aber bei der Einsetzung Jesu als dem Gegenbild von Melchisedek als Hohepriester dieser Melchisedek-Ordnung Gott diesen mit größerem Nachdruck angekündigt hatte, als Er es gegenüber der Aaronischen Priesterschaft getan hatte, indem Er mit einem Eid bestätigte: „Geschworen hat der HERR, und es wird ihn nicht gereuen: ‚Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks‘!” Hier weist der Apostel auf fünf bedeutsame Punkte hin:

  1. Daß Gott einen Wechsel von der Priesterschaft Aarons zur Priesterschaft Melchisedeks anzeigte.
  2. Die letztere sollte eine größere und wichtigere Priesterschaft sein, wie dies durch den göttlichen Schwur angedeutet wird.
  3. Sie würde danach kommen und an die Stelle der Aaronischen Priesterschaft treten, insoweit als die sie betreffende Prophezeiung gemacht wurde, lange nachdem die Aaronische Priesterschaft eingesetzt worden war.
  4. Sie würde eine beständige Priesterschaft sein, die nicht in eine andere hinübergehen würde.
  5. Sie würde eine höhere Priesterschaft sein, indem sie die priesterliche Ausübung der Vergebung von Sünde und der Belehrung des Volkes mit der königlichen Ausübung der Herrschaft und Macht verbinden würde.

Nachdem er sein Argument begründet hatte, daß es eine Melchisedek-Ordnung der Priester geben würde, und diese aufgrund von Gottes Schwur, und weil sie nachfolgend und beständig sein würde, höher als die Aarons sein müsse, fährt der Apostel fort, darauf hinzuweisen, daß vieles durch den Menschen Melchisedek vorbildlich dargestellt wurde, der lediglich ein Bild des Christus in Herrlichkeit war – Jesus das Haupt und die Kirche sein Leib. Der Apostel sagt: „Schaut aber, wie groß dieser ist, dem Abraham, der Patriarch, den Zehnten von der Beute gab.” – Hebräer 7:4 Auf die Bedeutung von diesem geht der Apostel näher ein, indem er feststellt, daß die Leviten zu jener Zeit noch nicht geboren waren, sich noch in den Lenden Abrahams befanden, und daß deshalb Aaron und seine Söhne, die Aaronische Priesterschaft, diese höhere Priesterschaft Melchisedeks anerkannten und ihm den Zehnten gaben. Das Argument ist meisterlich und zeigt, daß selbst im Vorbild Melchisedek höher war als Aaron, um wie viel mehr würde der gegenbildliche Melchisedek höher, herrlicher, mächtiger und zu segnen und Sünden zu vergeben imstande sein. Der Apostel fährt fort, zu zeigen, daß in einem anderen Zusammenhang Melchisedek Christus vorbildlich darstellt. Würden die Juden geltend machen, daß unter dem Gesetz jeder Priester der Aaronischen Priesterschaftsordnung verpflichtet war, zu zeigen, daß er aufgrund seiner Abstammung ein Recht zu dienen hatte, daß seine Herkunft aus der priesterlichen Familie gewesen sein mußte, und würden sie dann nachfragen, wie Jesus ein Priester sein konnte, da er mit Aaron in keiner verwandtschaftlichen Beziehung stand und keine auf diese Familie zurückgehende Herkunft vorweisen konnte?

Des Apostels Antwort auf solch eine Frage ist, daß Melchisedek ohne Vater und Mutter in der Priesterschaft war, und somit nicht gezeigt werden konnte, wann seine Priesterschaft begann, noch ob sie jemals enden würde. Diese einfache Bedeutung der Sprache des Apostels enthält irgendetwas, das in der Feststellung verborgen ist, daß Melchisedek ohne Beginn der Tage oder Ende der Jahre und ohne Vater oder Mutter oder Kinder (in der Priesterschaft) war. Damit argumentiert der Apostel, daß Gott Melchisedek zu einem höchst anschaulichen Bild Christi machte, dessen Autorität als Priester sich nicht von Vater und Mutter ableiten läßt, und dessen priesterliches Amt nicht auf Nachfolger übertragen wurde, dessen Amtszeit nicht auf Jahre begrenzt wird, sondern ewig ist.

So sagt er, daß die Priesterschaft Christi nach der Ordnung Melchisedeks – ein Priester auf seinem Thron – eine unveränderliche ist, – eine, die auf ewig aufrecht erhalten wird, bis sie ihren völligen Zweck erreicht haben wird.

Die Aaronische Priesterschaft im Vorbild

Wir haben gesehen, daß unser Herr in seiner Auferstehung aus den Toten zu einem Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks gemacht wurde, einem geistigen Wesen, das hoch erhoben wurde über die Engel, Fürstentümer und Mächte und über jeden Namen, der genannt wird. Wir haben gesehen, daß die erwählte Kirche, die königliche Priesterschaft, ihr priesterliches Amt einnehmen sollen, nachdem sie mit Christus an seiner Auferstehung teilgenommen haben – Philipper 3:10 -; und sie sollen zu „Teilhabern der göttlichen Natur”, Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit gemacht werden. – 2. Petrus 1:4 So erkennen wir, daß die Melchisedek-Priesterschaft nur während dieses Evangelium-Zeitalters vorbereitet wird und ihr Werk folglich während des Millennium-Zeitalters ausführen soll. Dann wird unser Herr als ein Priester auf seinem Thron sein, der König der Könige und Herr der Herren, um zu herrschen, zu unterwerfen, alle Sünde und Widersetzlichkeit abzustellen, und als Priester die ganze Welt aufzurichten, zu segnen und sie von ihren mentalen, moralischen und leiblichen Krankheiten zu heilen. Des weiteren bringen wir unseres Herrn Verheißung in Erinnerung, daß seine Treuen mit ihm auf seinem Thron sitzen – und an seinen Königreichsehren und seinem herrlichen Werk der Aufrichtung der Menschheit beteiligt sein werden. – Offenbarung 3:21

Dieses wundervolle Bild der Melchisedek-Priesterschaft bestätigt daher auf großartige Art und Weise die ganze Lehre der Bibel mit der Folge, daß Gott jetzt eine Kleine Herde des geistigen Samen Abrahams aus der Welt heraussucht, welche in der Gemeinschaft mit dem Herrn die „Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von denen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat”, herbeiführen werden. Die Welt aber, die seufzende Schöpfung, muß in dem göttlichen Plan auf „die Offenbarung der Söhne Gottes” in ihrer Königreichs-Macht und Herrlichkeit, die Königliche Priesterschaft, warten. – Römer 8:22,19 und Offenbarung 21:1 – 5

Was sollen wir jetzt über die Priesterschaft Aarons sagen? War sie ohne vorbildliche Bedeutung? Keineswegs! Während sie nicht die Herrlichkeit des Königreichs bildlich darstellte, erklärte sie im Vorbild sehr deutlich die Leiden dieser gegenwärtigen Zeit, die notwendig waren, der Herrlichkeit vorauszugehen, die folgen sollte – „denn wenn wir mit ihm leiden, dann werden wir auch mit ihm herrschen”. Christus mußte unbedingt leiden und in seine Herrlichkeit als der Melchisedek-Priester eintreten; und wir, seine treuen Nachfolger, müssen seinen Fußstapfen folgen und das ergänzen, was von den Drangsalen des Christus übriggeblieben ist, indem wir „unser Leben für die Brüder niederlegen”. – 2. Timotheus 2:12, Lukas 24:46, Kolosser 1:24 und 1. Johannes 3:16

Diese „besseren Opfer” Christi und der Kirche vergleicht der Apostel mit den Opfern der Aaronischen Priesterschaft, so daß wir uns auf sicherem Grund befinden, wenn wir uns selbst versichern, daß Israels vorbildlicher Versöhnungstag und dessen vorbildliche Sündopfer das Opfer Christi, gefolgt von dem Opfer der Kirche darstellen, die als Glieder seines Leibes angenommen sind. Wir haben schon zuvor bei einer Gelegenheit gesehen, daß die Einzelheiten der Versöhnungstagsopfer in 3. Mose 16 ihre Erfüllung in der Erfahrung Christi und seiner Treuen während dieses Evangelium-Zeitalters finden. Der Aaronische Hohepriester stellte, nachdem er geopfert hatte, seinen Tod und den seiner Mitarbeiter dar; und nachdem er seinen Wechsel zu einer neuen Natur dadurch angezeigt hatte, daß er hinter den Vorhang in das Allerheiligste ging und wieder heraus kam und das ganze Volk segnete, repräsentierte er die Segnungen, die durch den neuen Priester nach der Ordnung Melchisedeks zu der Menschheit kommen sollen, so bald als das Aufopfern aller beendet und angenommen worden ist.

Der herrliche Morgen

Lassen wir das Auge des Glaubens auf die Jahrhunderte dieses Evangelium-Zeitalters zurückschauen und das von dem großen Hohepriester gemachte Opfer wahrnehmen – seinen Eintritt in die Herrlichkeit. Und wir nehmen auch die kleine Zahl der treuen geweihten Nachfolger des Lammes während all der Jahrhunderte wahr. Wenn wir dann in unseren Tagen die sich häufenden Beweise bemerken, daß diese Kleine Herde, berufener, auserwählter Treuer ihr Opfern bald beendet haben, und wenn wir bemerken, daß sie bald ihren Wechsel von opfernden Priestern zu Priestern nach der Melchisedek-Ordnung „in einem Augenblick“ vollziehen, dann sind unsere Herzen voller Freude und dies aus zwei Gründen.

  1. Wir vertrauen darauf, daß einige von uns so in Kürze des Meisters Willkommen hören werden, der zu ihnen spricht: „Recht so, du guter und treuer Knecht; geh hinein in die Freude deines Herrn”, setze dich mit mir auf meinen Thron – um alle Geschlechter der Erde zu segnen.
  2. Wir bemerken, daß die Verherrlichung der Kirche die Zeit zum Beginn der göttlichen Segnung zum natürlichen Israel zurückzukehren bezeichnet, von denen wiederum die Segnungen zu allen Geschlechtern der Erde fließen sollen.

Wer von denen, die Gott und die, die bei Ihm sind, lieben, würde sich nicht jubelnd freuen, wenn er von dieser gnadenreichen Vorkehrung des göttlichen Planes erfährt? Wer von denen, der Gerechtigkeit liebt und Ungerechtigkeit haßt, würde nicht froh sein, die neue Ordnung willkommen zu heißen, wenn Satan gebunden sein wird; und wenn all die verschiedenen Täuschungen, mit denen er die Welt bezaubert hat, aufgehört haben werden? Wer wäre nicht froh, zu wissen, daß die Zeit nah ist, da die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes die ganze Erde so völlig erfüllen wird, daß keiner zu seinem Nachbarn sagen wird, erkennt den Herrn, denn sie alle werden ihn erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten. – Jeremia 31:34 Wer wäre nicht erfreut darüber, daß bald das verwirrte Babylon mit seinen verschiedenen, wechselnden Glaubensbekenntnissen zum Schweigen gebracht werden wird; und, wie der Prophet erklärt hat, der Herr den Völkern reine Lippen geben wird, damit sie alle den Namen des Herrn anrufen und ihm einmütig dienen? – Zephanja 3:9 Wahrhaftig! Wie des Herrn Volk nun zu singen liebt: „O, glücklicher Tag, der mich dich wählen ließ, mein Retter und mein Gott”, so wird die arme Welt bald mit der gleichen Beanspruchung die Gelegenheit zu singen haben, wenn die blinden Augen geöffnet werden und die tauben Ohren, und wenn alle zu einer Wertschätzung für den Herrn und Seinen gnadenreichen Plan gebracht werden.

Warum geschieht dies nicht jetzt? Weil, wie der Herr erklärt, „Denn wie die Himmel höher sind als die Erde, so sind meine Wege höher als eure und meine Pläne als eure Pläne”. Wenn wir zum Verständnis und zur Wertschätzung des göttlichen Planes kommen, so erkennen wir, daß dieser weit besser als jeder irdische, menschliche Plan ist. Und, Gott sei Dank, liegt es weder in der Macht der Freunde noch der der Feinde des Herrn, Seine Absichten auch nur um einen Jota zu ändern. Er sagt: „So wird mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht. Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird bewirken, was mir gefällt, und ausführen, wozu ich es gesandt habe.”

Die Botschaft, die während des Jüdischen Zeitalters ausgesandt wurde, war nur die, ein vorbildliches Volk, Israel nach dem Fleisch, herauszunehmen. Die Botschaft, die während des Evangelium-Zeitalters ausging, wurde nur dazu gegeben, die Berufenen zu sammeln, damit sie als gegenbildliche Priester wie Aaron, an dem Opfern teilnehmen möchten; und daß sie somit vorbereitet sein möchten, mit ihrem Herrn gegenbildliche Priester wie Melchisedek zu sein für das zukünftige Werk, die Welt zu segnen. Die Botschaft der Zukunft wird, wie wir gesehen haben, „große Freude” sein, die allem Volke widerfahren wird – Wiederherstellung bis zur menschlichen Vollkommenheit für all das, was durch Adam verloren ging. Aber wir erinnern daran, daß, obwohl Gott eine so große Errettung und Vergebung von Sünden vorgesehen hat, die dann für alle Menschen in der Vergangenheit sind, seine Anordnung für die Bestrafung jeder willig begangenen Sünde besteht, und dies in dem Verhältnis zu ihrer Vorsätzlichkeit.

Wir haben schon erkannt, daß dies andeutet, daß einige der menschlichen Familie, die sich in einem schwerwiegenden Maß willentlich verschlechtert haben, entsprechend um so mehr Schritte tun müssen, um all das zu erlangen, was verloren und erlöst war. Es bedeutet eine „gerechte Erstattung des Lohnes für jede Seele, die das Böse tut”. Es bedeutet eine günstige Gelegenheit für eine entsprechende Segnung, jedoch für jeden, der den geringsten Freundschaftsdienst an irgendeinem Glied der auserwählten Priesterschaft im Namen eines Jüngers getan hat, wie die Darreichung eines Bechers mit kaltem Wasser. Wir erinnern weiterhin daran, daß das göttliche Wort versichert, daß jene, die ihre Willkür und Rebellion fortsetzen, schließlich den Zweiten Tod sterben werden, von dem es keine Hoffnung auf Wiederherstellung gibt.

Mit anderen Worten bereitet Gott in Christo eine völlige Erlösung von dem Fluch vor, der über Adam und seine Nachkommenschaft kam, und diese Erlösung, die durch das kostbare Blut Christi sichergestellt ist, muß bei jedem Glied des Menschengeschlechts schließlich verfügbar gemacht werden – verfügbar gemacht werden durch einen jeden, der zu einer Erkenntnis der Wahrheit gebracht wird. Dann wird die Verantwortung auf ihm ruhen, und sein ewiges Schicksal wird entsprechend seinem Verlauf – entweder ewiges Leben oder ewiger Tod sein. Denn am Ende wird der Herr ein reines Universum haben, wie geschrieben steht: „Und jedes Geschöpf, das im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer ist, und alles, was in ihnen ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm den Lobpreis und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit.” – Offenbarung 5:13

Abschließend wollen wir gemeinsam lernen, das zu verabscheuen, was böse ist und dem nachzueifern, was gut ist, als dem, was der vernünftigste Grundsatz für das jetzige und für das kommende Leben ist. Und diejenigen von uns, welche die göttliche Einladung zur Miterbschaft mit dem Herrn als Königliche Priester angenommen haben, die sollten das große Vorrecht, das Ihnen gegeben ist, wertschätzen und jede Bürde ablegen und mit Ausdauer den vor ihnen liegenden Wettlauf laufen. Wir wollen freudige Teilhaber an den Leiden, den Trübsalen und Anfeindungen sein, welche das Opfer der gegenwärtigen Zeit bilden; und während wir durch Glauben an der Herrlichkeit, die folgen soll, teilhaben, wollen wir in Geduld, Hoffnung und Vertrauen auf die Erste Auferstehung warten, wenn wir unseres Erlösers Antlitz sehen und an seiner Herrlichkeit teilhaben werden. – 1. Johannes 3:1 – 3

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