Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Die Frucht des Geistes

„Die Frucht des Geistes aber ist Liebe.” – Galater 5:22

Zu einer bestimmten Zeit war die Erde wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe. Es gab nichts auf dieser großen weiten Welt als nur eine trostlose Leere, ein Vakuum. Die hebräische Übersetzung definiert das Wort „leer” als öde, leblos, tot.

Dann lesen wir in 1. Mose 1:2 „Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.” Sobald der Geist Gottes zu wirken begann, fingen die Dinge an, zu geschehen – gewaltige Dinge, buchstäblich die Welt erschütternde Ereignisse. Die Finsternis floh, und es wurde Licht. Tag und Nacht wurden voneinander geschieden. Es gab ein Firmament – eine Atmosphäre, wo zuvor nichts existiert hatte. Die Meere und das trockene Land erschienen. Vegetation jeder Art und Größe kam hervor und blühte. Die Meere füllten sich mit lebenden Wesen, einschließlich großen Walen und Ungeheuern.

Dann erschienen auch andere lebendige Schöpfungen in unglaublicher Vielfalt auf dem trockenen Land. All diese wunderbaren Dinge ereigneten sich, weil der Heilige Geist Gottes sie bewegte; und es ist diese Macht des Geistes, die David im Psalm 104 in Vers 30 mit den Worten beschreibt: „Du sendest deinen Lebenshauch aus: Sie werden geschaffen; du erneuerst die Flächen des Ackers.”

Gottes Heiliger Geist ist Seine Kraft, Sein Einfluß, Seine Stärke, Seine Macht, die Durchführung Seines Willens. Ihm kann niemand erfolgreich widerstehen. Er führt genau das aus, was Gott will. Er bekommt Resultate. Er bringt Frucht.

Wir wollen nun einige Beispiele der wunderbaren Macht des Geistes Gottes aus der Vergangenheit zitieren.

Der Geist des Herrn kam auf Joseph in Ägypten, und er deutete Pharaos Träume hinsichtlich sieben Jahre der Fülle und sieben Jahre des Hungers. „Und der Pharao sagte zu seinen Dienern: Werden wir einen finden wie diesen, einen Mann, in dem der Geist Gottes ist.” – 1. Mose 41:38 Dann begannen sich die Dinge in rascher Folge zu entwickeln, und der Sklave aus dem Gefängnis stieg auf, um der Herrscher in Ägypten zu sein.

Der Geist Gottes kam auf Mose, den niedrigen Hirten in Midian. Der demütigste aller Menschen, der mit Schrecken aus Ägypten geflohen war, kehrte kühn nach Ägypten zurück und widerstand dem mächtigen Pharao ins Angesicht. Er brachte als des Herrn Werkzeug zehn schreckliche Plagen über Ägypten, wurde der Feldherr der Millionen Israels, führte sie im Triumph aus Ägypten, brachte ihnen vom Berg das Gesetz, das von Gott kam, führte die Stiftshütten-Opfer ein und hütete schließlich die Heerscharen Israels bis zur Grenze Kanaans. Und dies alles, weil der Geist Gottes auf ihn kam.

Als die Zeit kam, die Stiftshütte zu errichten und all ihre Einrichtungen und Ausrüstungen – nach der genauen und erlesenen Vorgabe durch Gott – da gab es niemanden in Israel, der dazu fähig war. Sie besaßen nicht die Geschicklichkeit, sie waren weitgehend Ziegelmacher und Steinmetze, und in ihrer Sklaverei arbeiteten sie auf den Feldern mit rauen und schwieligen Händen. Sie waren keine Künstler. Die Schrift sagt: „Da zwangen die Ägypter die Söhne Israel mit Gewalt zur Arbeit und machten ihnen das Leben bitter durch harte Arbeit an Lehm und an Ziegeln und durch allerlei Arbeit, zu der sie sie mit Gewalt zwangen.” – 2. Mose 1:13 und 14

Aber ob sie die natürliche Fähigkeit besaßen oder nicht, die Stiftshütte mit all ihren symbolischen Zügen mußte errichtet werden und genau nach der Anweisung. Was geschah nun? Der Herr suchte sich einfach einen Mann aus und sagte: „Siehe, ich habe mit Namen berufen Bezalel, den Sohn des Uri, des Sohnes Hurs, vom Stamm Juda, und ich habe ihn mit dem Geist Gottes erfüllt, mit Weisheit, Verstand und Können und für jedes Kunsthandwerk, Pläne zu entwerfen, um in Gold, Silber und Bronze zu arbeiten. Auch mit (der Fertigkeit zum) Schneiden von Steinen zum Einsetzen und mit Holzschnitzerei (habe ich ihn begabt), damit er in jedem (Hand)werk arbeiten kann.” – 2. Mose 31:2 – 5

Jener Mann wurde auf eine großartige Weise befähigt dieses Werk auszuführen. Dies ist eine weitere Demonstration des Geistes Gottes.

Die Kraft des Geistes Gottes

Wir lesen in Richter 6:34, daß „der Geist Gottes über Gideon kam”. Gideon war nur ein Ackerbauer, einer der Weizen drosch. Aber der Geist des Herrn trieb ihn dazu an, dreihundert Männer, die ihm gleich waren, mit sich zu nehmen, um die gewaltige Militärmacht der Midianiter und Amalekiter zu vernichten.

Wir wollen nun den Fall von Simson betrachten. Wir lesen, daß „der Geist des Herrn Simson zu treiben begann”. Dies geschah zu der Zeit, als die Philister Israel bedrängten, und die Bosheit der Philister ihren Höhepunkt erreichte. Was geschah, als Simson durch den Geist des Herrn angetrieben wurde? „Und er schlug sie gründlich zusammen”, lesen wir in Richter 15:8 An anderer Stelle lesen wir, „Und der Geist des Herrn kam über ihn” und „er fand einen frischen Eselskinnbacken, und er streckte seine Hand aus, nahm ihn und erschlug damit tausend Mann.” – Richter 15:15 Dann wurde nach einer Weile der Geist Gottes von ihm genommen, und seine große Kraft wich von ihm. Aber als der Geist noch einmal über ihn kam, hatte er die Kraft, die Säulen des großen Tempels des Dagon zu bewegen und zum Einsturz zu bringen mit all den Feinden, die darin waren. Paulus erwähnt Simson in Hebräer Kapitel 11 als einen der Alten Glaubenshelden. Bei dem, was er ausführte, handelte er durch den Geist Gottes.

Auch David ist zu erwähnen. Über seine Salbung durch Samuel steht geschrieben: „Und der Geist des HERRN geriet über David von diesem Tag an und darüber hinaus.” – 1. Samuel 16:13 Danach schlug der Hirtenjunge den kampferprobten Philister Goliath, der ein Riese war, und er wurde ein großer und guter König Israels, ein Prophet und Sänger und Psalmist. Er wurde der Vorfahre von Jesus in seiner menschlichen Existenz. Er wurde „Sohn Davids” genannt und wurde zum Ursprung des „Thrones Davids”, der im Millenium über die Welt herrschen wird.

Das Beispiel von Jesus ist das größte von allen. Es wurde über Jesus in Jesaja 11:1,2 prophezeit: „Und ein Sproß wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais, und ein Schößling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen. Und auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und Furcht des HERRN.”

Der Geist des Herrn ruhte in der Tat auf ihm, wie in Matthäus 3:16 geschrieben steht: „Und als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf; und siehe, die Himmel wurden ihm geöffnet, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und auf sich kommen.”

Später sagte Jesus in Lukas 4:18: „Der Geist des HERRN ist auf mir.” Jesus wurde völlig mit dem Geist erfüllt. All seine Gedanken und Handlungen erfolgten in Übereinstimmung mit dem Geist Gottes. Er durchdrang sein ganzes Wesen. Johannes 3:34 sagt uns, daß er den Geist ohne Maß bekam. Wie zeigte sich dies in Jesus? Welche Frucht brachte er?

Petrus faßt dies sehr schön in seiner Predigt gegenüber Kornelius zusammen, von der in Apostelgeschichte 10:38 und 39 berichtet wird: „Jesus von Nazareth, wie Gott ihn mit Heiligem Geist und mit Kraft gesalbt hat, der umherging und wohltat und alle heilte, die von dem Teufel überwältigt waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen alles dessen, was er sowohl im Lande der Juden als auch in Jerusalem getan hat; den haben sie auch umgebracht, indem sie ihn an ein Holz hängten.”

Erfüllt mit dem Geist Gottes und der Kraft desselben, ging Jesus umher, Gutes zu tun. Er predigte das Evangelium vom Königreich trotz schonungsloser Anfeindungen durch die Religionsvertreter seiner Tage; und das Volk im allgemeinen hörte ihn gern. Er verrichtete viele Wunder der Liebe und des Mitleids, indem er alle Arten von Krankheiten heilte, und er erweckte selbst Tote zum Leben. Er öffnete die Augen der Blinden, machte daß Taube hörten und Stumme sprachen. Er trieb die Dämonen aus. Er gab freiwillig seine Lebenskraft und Energie dahin. Er wandelte auf dem Meer, er stillte den Sturm und speiste 5.000 Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen, er verwandelte Wasser in Wein. Er sprach in der Bergpredigt, die die Essenz der wahren Weisheit Gottes war – und die die miserable Ethik und Praktiken der Welt offenbarte. Er erzählte viele meisterliche Gleichnisse, von denen 49 überliefert sind, in denen er seine Jünger wichtige Lektionen lehrte. Er widersprach energisch und öffentlich den Schriftgelehrten und Pharisäern und anderen, die das Volk betrogen. Er war heilig, sündlos, unbefleckt, abgesondert von den Sündern. Und obgleich er völlig annehmbar war, unterwarf er sich freiwillig, um verraten zu werden zu einem Scheinprozeß, zur Geißelung und anderen Demütigungen und letztlich zu dem qualvollen Tod am Kreuz.

Bis in jedes Detail befolgte er das Gesetz Gottes sein Leben lang; und durch seinen Tod, den er nicht zu sterben verdiente, wurde er das Lösegeld oder der entsprechende Preis für Adam und sein Geschlecht, um uns zu erlösen. Durch seinen Tod und seine Auferstehung öffnete er einen neuen und lebendigen Weg, durch den jene, die Teilhaber seines Geistes werden und in seinen Fußstapfen des Opfers und des Todes gehen, Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit suchen und erlangen können. Dies ist ein Beispiel, in welcher Weise der Heilige Geist Gottes vollständige und völlige Macht ausübte und im höchsten Maß Frucht hervorbrachte.

Die Kraft zu Pfingsten

Jetzt wenden wir uns dem Pfingsttag zu. Im Gehorsam gegenüber Jesu Gebot – Apostelgeschichte 1:4 und 5 – warteten die Jünger in Jerusalem auf die Erfüllung der Verheißung Jesu: „Denn Johannes taufte mit Wasser, ihr aber werdet mit Heiligem Geist getauft werden nach diesen wenigen Tagen.” Wir lesen in Apostelgeschichte 2:1 – 4: „Und als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war, waren sie alle an einem Ort beisammen. Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen, als führe ein gewaltiger Wind daher, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen. Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.”

Einen Moment lang waren sie ängstlich und fürchteten sich, als sie im oberen Raum verborgen waren, die Tür geschlossen und verriegelt. Auf jeden Laut achtend, verhielten sie sich so ruhig wie möglich. Dann plötzlich ein Geräusch, nicht wie von Schritten sondern wie von einem „gewaltig dahinfahrendem Wind”. Hat jemand unter uns jemals das Geräusch eines Wirbelsturms oder eines Typhuns gehört – eines mächtigen Windes? Es ist ziemlich laut und übertönt alles. „Es erfüllt das ganze Haus.” Im nächsten Augenblick wurden alle mit dem Heiligem Geist erfüllt. Was geschah danach? Sie begannen zu sprechen! Sie begannen zu predigen, und in Sprachen, die anders als ihre eigenen waren. Sie müssen ihre Türen aufgeschlossen und die Fenster geöffnet haben. „Als aber dieses Geräusch entstand, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt, weil jeder einzelne sie in seiner eigenen Mundart reden hörte. Sie entsetzten sich aber alle und wunderten sich… .” Von nun an wurde das Evangelium kühn und energisch gepredigt. Erkennen wir die umgestaltende und antreibende Kraft des Geistes?

Ein anderes gutes Beispiel ist das des Stephanus. Wir lesen über ihn in Apostelgeschichte 6:5: „ein Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes”. Und dann lesen wir in den Versen 8 und 10: „Stephanus aber, voller Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Und sie konnten der Weisheit und dem Geist nicht widerstehen, womit er redete.”

Seine Treue machte ihn zum ersten christlichen Märtyrer. In einer sehr kurzen Zeit hatte die Gabe des Heiligen Geistes ihm völligen Glauben, Gnade und Kraft verliehen. Als die Steine des Mobs auf ihn niederprasselten, war er imstande, mit seinem letzten Atemzug auszurufen: „HERR, rechne ihnen diese Sünde nicht zu!”

Sehen wir auch Saul von Tarsus. Er wurde von dem Licht vom Himmel auf dem Weg nach Damaskus geblendet. Er hatte die Stimme von Jesus gehört und für einen Augenblick den verherrlichten Jesus gesehen. Danach wurde ein Jünger namens Ananias zu ihm gesandt. Den Bericht darüber lesen wir in Apostelgeschichte 9:17. Ananias legte Saul seine Hand auf, danach erlangte er seine Sehfähigkeit zurück, und er wurde mit Heiligem Geist erfüllt. Dann begannen sich die Dinge zu entwickeln. Aus Saul, der eine Geißel für die Christen war, wurde Paulus, der herausragenste der Apostel. Wie der Herr in Apostelgeschichte 9:15 und 16 zu Ananias sagte: „Denn dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen zu tragen sowohl vor Nationen als Könige und Söhne Israels. Denn ich werde ihm zeigen, wie vieles er für meinen Namen leiden muß.”

Später schreibt Paulus an die Korinther und erzählt von diesen Leiden und Sorgen. „In Mühen um so mehr, in Schlägen übermäßig, in Todesgefahr oft. Von den Juden habe ich fünfmal vierzig (Schläge) weniger einen bekommen. Dreimal bin ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten; einen Tag und eine Nacht habe ich in Seenot zugebracht; oft auf Reisen, in Gefahren von Flüssen, in Gefahren von Räubern, in Gefahren von (meinem) Volk, in Gefahren von den Nationen, in Gefahren in der Stadt, in Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meer, in Gefahren unter falschen Brüdern; in Mühe und Beschwerde, in Wachen oft, in Hunger und Durst, in Fasten oft, in Kälte und Blöße; außer dem übrigen (noch) das, was täglich auf mich eindringt: die Sorge um alle Gemeinden.” – 2. Korinther 11:23 – 28

Erfüllt und angetrieben vom Heiligen Geist ertrug Paulus alle diese Dinge und kostete sie voll aus: „Aber ich achte mein Leben nicht der Rede wert, damit ich meinen Lauf vollende und den Dienst, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe: das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen.” – Apostelgeschichte 20:24

Dies sind einige Beispiele für die Arbeitsweise und die Auswirkungen des Heiligen Geistes Gottes. Welche Gemeinsamkeiten enthalten all diese Beispiele? In jedem Fall nahmen die Dinge ihren Lauf, sobald der Heilige Geist zu wirken begann. Sein Handeln brachte Früchte. Resultate wurden erreicht.

Als am Anfang der Heilige Geist Gottes sich über der Fläche der Wasser bewegte, wurde die Erde geschaffen. Als der Geist des Herrn auf Joseph kam, wurde er vom Sklaven zum Herrscher Ägyptens gemacht. Als der Geist Gottes auf Mose kam, den demütigsten Menschen, machte er ihn zu einem mächtiger Führer und Gesetzgeber. Als ein versklavter und ungeschickter Ziegelmacher mit dem Geist Gottes erfüllt wurde, wurde er zu einem großartigen Künstler und Kunsthandwerker in Gold, Silber, Kupfer und kostbaren Steinen, Vorhängen und Schnitzereien der Stiftshütte in der Wüste. Als der Geist des Herrn über Simson kam, führte er den Willen Gottes mit gewaltiger Stärke und Eifer aus. Als der Geist des Herrn auf David kam, wurde er ein Mann nach dem Herzen Gottes. Als der Geist Gottes am Jordan auf Jesus kam, wurden ihm die Himmel geöffnet; er erkannte den vollkommenen Willen Gottes und führte ihn aus, selbst bis zum Tode am Kreuz. Als die Jünger zu Pfingsten mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden, wurden sie sogleich von Christen, die sich furchtsam versteckten, zu predigenden und kämpfenden Christen, die das Evangelium weit und breit in jeder Sprache verbreiteten. Als Stephanus mit dem Heiligem Geist erfüllt wurde, erlangte er eine solche Beredsamkeit, daß das Volk „der Weisheit und dem Geist nicht widerstehen konnten, womit er redete”, und er erlangte einen solchen Grad der Liebe, daß er fähig war, Gottes Vergebung für diejenigen zu erbitten, die ihn töteten. Als Saul von Tarsus mit dem Heiligen Geist erfüllt wurde, wurde er von einem grausamen und hartnäckigem Verfolger der Kirche zu einem führenden Apostel und Diener umgestaltet, der die meisten Briefe des Neuen Testaments schrieb, und sein Leben für das Evangelium buchstäblich niederlegte. Es gibt ein gemeinsames Ergebnis bei all diesen Beispielen. Es war stets der Heilige Geist, der die Frucht hervorbrachte. Er hatte immer Erfolg in den Dingen, zu welchem Zweck er gesandt wurde. Er brachte immer Erfolge. Er verfehlte niemals seinen Zweck.

Der Heilige Geist und wir

Wir wollen einen erstaunlichen und ernüchternden Gedanken erwähnen. Dieser gleiche Heilige Geist, diese mächtige unwiderstehliche Kraft Gottes, wird auch unseretwegen gebraucht. Sie wirkt in uns. Sie wohnt in uns; sie erfüllt uns. – Epheser 5:18 Galater 5:25 sagt, daß „wir durch den Geist leben” und „durch den Geist wandeln”. Römer 8:9 sagt, daß wir „im Geist sind” und der „Geist Gottes in uns wohnt”. Römer 8:11 sagt, daß „der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in uns wohnt”. Jesus von den Toten aufzuerwecken war eine großartige Darstellung der Macht – und dies ist der Geist, der in uns wohnt – der unser Tröster und Helfer ist. Römer 8:14 sagt, daß „wir durch den Geist Gottes geleitet werden” und daher „Söhne Gottes” sind. Hebräer 6:4 sagt, daß wir „Teilhaber des Heiligen Geistes” geworden sind. Epheser 1:13 sagt, daß wir „mit dem Heiligen Geist versiegelt” worden sind. 1. Johannes 5:18 sagt, daß wir „geboren sind aus Gott” durch den Geist. Epheser 3:16 sagt, daß wir „mit Kraft gestärkt werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen”. Gibt dies nicht Macht zu verstehen? Philipper 2:13 sagt: „Denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken zu (seinem) Wohlgefallen.”

So ist dies nicht eine unbedeutende Sache, mit der wir handeln. Wir handeln mit der Macht, die von Gott ausgeht. Basierend auf all den Zeugnissen, die wir zitiert haben, würden wir nicht sagen, daß Ergebnisse erwartet werden sollten? Daß Frucht zu erwarten sei? Das sollte zu erwarten sein, und es ist so. Paulus bestätigt dies in Römer 8:23, wenn er sagt, daß wir „die Erstlinge des Geistes haben”.

Wir wollen nun sehen, was diese Früchte sind, und zu unserer eigenen Ermutigung bestätigen, daß wir diese besitzen oder entwickeln, und daß wir daher tatsächlich „Söhne Gottes” sind. „Der Geist selbst bezeugt (zusammen) mit unserem Geist, daß wir Kinder Gottes sind. Wenn aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir wirklich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden.” – Römer 8:16 und 17

Galater 5:22 benennt die Früchte des Geistes: „Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit.”

Wir sehen, daß die Liebe diese Auflistung anführt. Dies ist die größte und außerordentlichste Frucht. Dies ist die Frucht, auf die wir uns hier zu konzentrieren beabsichtigen, weil all die anderen sich von ihr ableiten lassen.

Die Wichtigkeit der Liebe

Jemand fragte Jesus: „Meister, was ist das größte Gebot in dem Gesetz?” Es gab zur Zeit des jüdischen Gesetzes 3.600 Gebote, und die Frage, die sie Jesus stellten, war; „welches von diesen ist das größte Gebot?” Jesus antwortete ihnen: „Du sollst lieben… .” Zeigt dies nicht, daß die Liebe die größte Sache in der Welt ist? „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand. Dies ist das größte und erste Gebot.” Dann zitierte er das an zweiter Stelle wichtige Gebot, welches wiederum die Liebe betrifft. „Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.” – Matthäus 22:36 – 39

Für die Juden war es das Gesetz, ein Gebot, das für sie Leben beinhaltete, wenn es vollkommen gehalten wurde, was aber für sie unmöglich war. Für uns aber ist die Liebe die Frucht des Geistes Gottes, ein Beweis dafür, daß wir Seine Kinder und Erben sind, Glieder Seines Haushalts, wie es in 1. Johannes 4:16 geschrieben steht: „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.” Verstehen wir die volle Tragweite dieser Schriftstelle? Wenn unser geweihtes Leben von der Liebe motiviert und beherrscht wird, und Gott Liebe ist – so wird gesagt, daß wir in Gott wohnen. Dies wird durch Paulus in Apostelgeschichte 17:28 mit den Worten bestätigt: „Denn in ihm leben und weben und sind wir.”

Aber die Schrift geht noch weiter. Sie sagt, wenn wir in Liebe wohnen, Gott in uns wohnt! Wie kann dies sein? Kann der Allmächtige Gott in unseren armseligen menschlichen Leibern wohnen? Natürlich nicht! Wie wohnt Gott dann in uns? Die Antwort finden wir in 1. Korinther 3:16: „Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?” Es ist durch diesen Geist, daß Gott in uns wohnt durch Seinen heiligen Einfluß. Aber wir müssen Raum für Ihn schaffen hineinzukommen, indem wir in Liebe wohnen – indem wir Ihn über alles lieben und unseren Nächsten wie uns selbst – und unsere Geschwister mehr als uns selbst – indem wir unsere Herzen erweitern, um Seinen Geist der Liebe völlig zu empfangen. Dann wird Er tatsächlich in uns wohnen.

Liebe ist die erstrangige Charaktereigen-schaft Gottes, und sie besitzt ungeheure Kraft. Paulus sagte in 2. Timotheus 1:7: „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht.” Beachten wir, daß Kraft und Liebe miteinander verbunden sind. Die Liebe hat Kraft. Sie besitzt die Kraft des Lebens und des Todes. Wir wollen dies anhand einer wahren Begebenheit darstellen.

Es geschah vor vielen Jahren im Bellevue Krankenhaus in New York, daß die Belegschaft der Säuglingsabteilung mit einer tragischen Tatsache konfrontiert wurde. Er starben 32% der Kinder, die unter ein Jahr alt waren. Das ist fast ein Drittel. Die Kinder starben meist durch kleinere Erkrankungen. Die Ärzte waren wie vor den Kopf geschlagen. Es gab keinen ersichtlichen Grund dafür. Die Kinder erhielten die beste medizinische Fürsorge. Sie hatten eine saubere keimfreie Umgebung. Ihre Diät wurde aus den besten Inhaltsstoffen sorgfältig ausgewählt. Temperaturen wurden einwandfrei kontrolliert. Die Betten waren komfortabel, alles schien ideal. Die Säuglinge starben jedoch. Schließlich gab einer der Ärzte zu verstehen, daß das einzige, was das Hospital den Säuglingen bisher nicht gegeben hätte, Liebe wäre. Dies war eine revolutionäre Idee, aber sie waren verzweifelt. Und so riefen sie nach Freiwilligen, nach Frauen, die kommen und sich mehrere Stunden am Tag liebevoll mit den Säuglingen beschäftigen sollten. Es meldeten sich hunderte, die selbst das Verlangen hatten jemandem ihre Liebe zu zeigen. Sie trugen die Säuglinge in ihren Armen, gaben ihnen zu trinken, sprachen mit ihnen und sangen Kinderlieder, zeigten ihnen ihre Aufmerksamkeit – gaben ihnen Liebe. Die Todesrate begann sich sogleich zu verringern. In vier Monaten war sie fast auf null.

Dieses Ereignis zeigt die Macht, die selbst die natürliche Liebe besitzt, mit der Gott Seine menschlichen Schöpfungen ausgestattet hat – eine wunderbare Kraft – die Macht des Lebens und des Todes. Wie viel größere Macht wird durch die höhere Form der Liebe ausgeübt, mit welcher Gottes Geist Seine Neuen Schöpfungen in Christo ausgestattet hat. Es ist das Besondere an der Liebe, daß sie sich dadurch entwickelt, daß man sie ausübt. Ein weiser Mann hat gesagt: „Du bist geboren mit den Werten, die du gewohnt bist zu verbreiten. Wenn du Haß verbreitest, so wirst du häßlich. Wenn du Kritik verbreitest, wirst du kritisch. Wenn du Liebe verbreitest, so wirst du lieblich.”

So wie die Frauen vom Bellevue Krankenhaus, die den Säuglingen Liebe zeigten, selbst mit Liebe erfüllt und belohnt wurden, so werden wir Liebe in uns selbst entwickeln, wenn wir Liebe geben.Wir brauchen die geistige Liebe, die jedes Glied des Haushalts Gottes zur Anwendung bringen kann. Wir müssen sie erlangen, sonst werden wir als Neue Schöpfungen sterben wie die Säuglinge im Belevue Krankenhaus. So wollen wir zunehmend Platz in unserem Herzen schaffen, um mit dem Geist der Liebe gefüllt zu werden, der das Wesen des göttlichen Charakters ist. Sie hat eine unglaubliche Kraft. Sie wird uns umformen; und es liegt an uns, sie zu fassen, wie wir auch in 1.Petrus 1:22 mit den Worten ermahnt werden: „Da ihr eure Seelen durch den Gehorsam gegen die Wahrheit zur ungeheuchelten Bruderliebe gereinigt habt, so liebt einander anhaltend aus reinem Herzen.”

Die Liebe, die hier vom Apostel erwähnt wird, ist nicht eine rührselige, sentimentale oder romantische Zuneigung; denn dies sind Neigungen des natürlichen Menschen. Wir sagen nicht, daß diese falsch oder sündig ist, nur daß sie nicht das ist, worauf der Apostel hinweist. Die Liebe, von der er spricht, ist unermeßlich tiefer, weiter und großartiger. Diese höhere Form der Liebe ist der wichtigste Bestandteil des christlichen Charakters – die wichtigste Frucht des Geistes.

Jesus machte sie zur Bedingung und Prüfung der Jüngerschaft, wenn er in Johannes 13:34 und 35 sagt: „Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.” Der Apostel Johannes stellt fest, wie lebenswichtig die Liebe für die Geschwister ist, wenn er sagt: „Wir wissen, daß wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben; wer nicht liebt, bleibt im Tod.” – 1. Johannes 3:14 Sind wir „aus dem Tod in das Leben hinübergegangen”? Leben wir als Neue Schöpfungen? Oder sind wir noch tot mit der Welt? Haben wir die Grenze überschritten – vom Tod zum Leben? Dies ist die Regel! Dies ist die Prüfung – Liebe für die Geschwister!

Wie man Liebe für die Geschwister zeigt

Um uns selbst zu prüfen und zu erkennen, ob wir aus dem Tod zum Leben hinübergegangen sind – daß in unseren Gedanken kein Zweifel bestehen mag, daß wir beruhigt und ermutigt sein können – wollen wir nun einige Wege betrachten, auf welche Weise wir unsere Liebe für die Geschwister zeigen können.

Wir können unsere Liebe den Geschwistern zeigen, indem wir inmitten von Bedrängnissen und Trübsalen niemals Worte des Trostes vorenthalten. Durch solche Worte des Trostes zeigen wir, daß wir keinen Mangel an Heiligem Geist haben, denn der Heilige Geist wurde als Tröster gegeben, aber nicht nur für unsere eigenen Herzen, sondern auch durch uns für andere. Wie wir in 2. Korinther 1:3 und 4 lesen: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes, der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden.”

Wir befürchten, daß die Versuche von einigen lieben Freunden andere zu trösten das Gegenteil erreichen. Wenn wir zum Beispiel leiden, so ist es für uns kein Trost, unverblümt zu hören: „Was hast du erwartet? Du wußtest, daß du Leiden zu erwarten hast, ist es nicht so?” Natürlich ist es wahr, aber nicht sehr tröstend. Wie viel besser wäre es, zu sagen: „Ich bin sicher, der Herr liebt dich und hat etwas Gutes für dich im Sinn, wenn dies vorüber ist.” Oder vielleicht: „Vergiß nicht, daß Er niemals mehr Trübsale erlauben wird, als du tragen kannst.” Oder vielleicht einfach: „Es tut mir so leid, wie kann ich helfen?” Solche Feststellungen sind sowohl wahr als auch tröstend.

Manchmal können wir unsere Liebe für unsere Geschwister in materieller Weise zeigen. Wenn wir eine Fülle von Gütern dieser Welt besitzen, und einer vom Volk des Herrn Mangel hat, ist es unser Vorrecht, ihm zu helfen. Dies zeigt unsere Liebe in einer sehr berührenden und praktischen Weise. 1. Johannes 3:17 sagt: „Wer aber irdischen Besitz hat und sieht seinen Bruder Mangel leiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?”

Uns selbst zu helfen, hilft unseren Geschwistern

Aber diese Münze hat auch eine andere Seite. Wir können unsere Liebe unseren Geschwistern auch darin zeigen, daß wir uns selbst so weit wie möglich bemühen, unseren Geschwistern nicht beschwerlich zu sein. Die Liebe ist der uneigennützige Wunsch, anderen Gutes zu tun, daher sollten wir lieber unseren Geschwistern beistehen, als sie zu veranlassen, unsere Lasten zu tragen. Apostelgeschichte 20:35 sagt: „Geben ist seliger als Nehmen.” Der Apostel Paulus sagte in Galater 6:2: „Einer trage des anderen Lasten, und so werdet ihr das Gesetz des Christus erfüllen.” Aber er fügte in Vers 5 hinzu: „Denn jeder wird seine eigene Bürde tragen.”

Wir können unsere Liebe für unsere Geschwister zeigen, indem wir anerkennen, daß sie unvollkommen sind, so wie wir es sind, indem wir die Gnade christlicher Vergebung füreinander anwenden, wie uns auch Paulus in Epheser 4:1 und 2 ermahnt: „Ich ermahne euch nun, ich der Gefangene im Herrn: Wandelt würdig der Berufung, mit der ihr berufen worden seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander in Liebe ertragend.”

Wenn alle im Fleisch vollkommen wären, dann würde es keine Gelegenheit zur Ausführung dieser Gnade geben.

Aber es mag Zeiten geben, in denen es notwendig sein mag, einige einfache Wahrheiten gegenüber solchen auszusprechen, die in Fehler verfallen und für eine Zeit lang die Schwächung ihres gefallenen Fleisches zulassen; weil wir zu deren Wohlbefinden als Neue Schöpfungen eingreifen oder zum Wohlbefinden von anderen. Zu solchen Zeiten können wir unsere Liebe darin zeigen, daß wir freundlich mit ihnen sprechen und mit einer Feststellung unserer eigenen Schwächen, so daß wir, wie Paulus im Brief an die Epheser feststellt: „… die Wahrheit reden in Liebe und in allem hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus.” – Epheser 4:15

Oftmals können wir unsere Liebe für einen irrenden Bruder am besten zeigen, indem wir seine unbeabsichtigten Fehler übersehen. Solch geduldiges Warten auf den Herrn ihn zur rechten Zeit und auf seine Weise zu korrigieren, ist besser, als daß wir den Frieden der Kirche stören – der Herr wird es uns als geduldiges Ausharren um seines Leibes willen anrechnen. Egal wie sehr wir es versuchen, es wird sich immer bewahrheiten, daß wir, so lange wir im Fleisch sind, manchmal jemandem Anlaß zum Ärgernis geben. Jakobus 3:2 sagt: „Denn wir alle straucheln oft.” Wir können unsere Liebe für unsere Geschwister zeigen, indem wir Fehler übersehen und vergeben. Es werden Meinungsunterschiede zwischen uns und unseren Geschwistern entstehen. Wenn es erlaubt wird, daß sie hin und her gehen, kann dies eine Wurzel für Streitigkeiten werden. Wir können aber unsere Liebe für unsere Geschwister und die Gemeinschaft zeigen, daß wir jede vernünftige Anstrengung machen, Meinungsunterschiede über unwesentliche Punkte zu vermeiden, die, wie unsere Erfahrung gezeigt hat, Streit verursachen werden. Wir sollten vielmehr die Ermahnung des Paulus in 2. Korinther 13:11 demütig befolgen: „Seid eines Sinnes, haltet Frieden!” Welchen Dienst wir auch immer für die Geschwister verrichten, ob geistlich oder zeitlich, wir sollten ihn mit unserem ganzen Herzen tun, als dem Herrn getan, denn es steht in Kolosser 3:23 und 24 geschrieben: „Was ihr auch tut, arbeitet von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen, da ihr wißt, daß ihr vom Herrn als Vergeltung das Erbe empfangen werdet; ihr dient dem Herrn Christus.”

Wir können unsere Liebe für die Geschwister zeigen, indem wir es als unsere größte Ehre betrachten hier unten denen zu dienen, die des Herrn sind. Wir sollten nicht zu wählerisch hinsichtlich der Art unseres Dienstes sein. Wir sollten bereit sein, sowohl in einer weniger beachteten Fähigkeit zu dienen, als auch in einer augenfälligeren Fähigkeit. Jesus sagte in Matthäus 20:27 und 28: „Und wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein; gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als ein Lösegeld für viele.”

Wir können unsere Liebe für unsere Geschwister zeigen, indem wir tun, wozu wir imstande sind, uns gegenseitig zu erbauen in unserem allerheiligsten Glauben – Judas 20 – und „einer den anderen zu erbauen” – 1. Thessalonicher 5:11 – „zu Liebe und zu guten Werken”. Unsere Liebe gegenüber den Geschwistern des Herrn sollte würdevoll, einfach, rein und nur mit solchen Kundgebungen ausgedrückt werden, die unter Geschwistern angemessen sind. Wenn diese Liebe voll entwickelt ist, werden wir uns mehr der Ehren erfreuen, die über andere kommen, als auf uns selbst. Der Apostel drückt dies in Römer 12:10 mit den Worten aus: „In der Bruderliebe seid herzlich zueinander, in Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend.”

Wir können unsere Liebe für unsere Geschwister zeigen, indem wir eine passende Nachsicht gegenüber individuellen Besonderheiten der Temperamente zeigen. Wir sollten nicht unbedingt Ehren auf diejenigen häufen, die dadurch geschädigt werden könnten. Aber andererseits sollten wir erkennen, daß den Zurückhaltenden und Niedriggesinnten Gelegenheiten und Anerkennung gegeben sind, das ist ihr Lohn. Wenn wir die Geschwister in dieser Weise lieben, so soll dies gemäß den Worten des Apostels in 1. Johannes 3:18 geschehen: „Kinder, laßt uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit.” Der Wunsch die Geschwister des Herrn in jeder in unserer Macht stehenden Weise zu segnen, solle der alles beherrschende Zweck des Lebens werden. In dieser Weise werden wir Jesus ähnlich sein, wie wir in 1. Johannes 3:16 lesen: „Hierin haben wir die Liebe erkannt, daß er für uns sein Leben hingegeben hat; auch wir sind schuldig, für die Brüder das Leben hinzugeben.”

Wir können unsere Liebe für unsere Geschwister durch Beihilfe, Prinzipien und Beispiele gegenüber den Mutlosen, Schüchternen und Furchtsamen zeigen – jenen, die einen Mangel an Kampflust und Selbstwertgefühl haben. Wir können den geistig Schwachen helfen gestärkt zu werden, indem wir sie dazu ermutigen an den Verheißungen des Herrn festzuhalten und Seiner Vorsorge zu ihrem Besten zu vertrauen. So wie es in 1. Thessalonicher 5:14 geschrieben steht: „Tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an.”

Mit Herzen, die mit der Liebe für die Geschwister erfüllt sind, werden wir neben unserer eigenen Beschäftigung keine Zeit für Wichtigtuerei haben. Diejenigen, die sich in Dinge einmischen, die sie nicht besonders betreffen, werden bald ihre eigenen Angelegenheiten vernachlässigen. Wie Paulus in 1. Timotheus 5:13 beschreibt, werden sie dazu veranlaßt: „Müßig in den Häusern umher zu laufen, nicht allein aber müßig, sondern auch geschwätzig und vorwitzig, indem sie reden, was sich nicht geziemt.” Menschen, die dies tun, schädigen sich nicht nur selbst, sondern sie bringen auch Schmach über die Sache Christi. Wie in 1. Petrus 4:15 geschrieben steht, möchte der Herr nicht, daß jemand von uns „als Mörder oder Dieb oder Übeltäter leide, oder als einer, der sich in fremde Sachen mischt”. Wenn wir versucht sind, einem Bruder zu sagen, wie er in einer Angelegenheit handeln sollte, die nur ihn privat betrifft, sollten wir den Rat des Apostels beachten „still zu sein, und unsere eigenen Geschäfte zu tun.” – 1. Thessalonicher 4:11

Unsere Zunge beherrschen

Wenn wir unsere Geschwister lieben, wie wir es sollten, dann werden wir große Anstrengungen machen, unsere Zunge zu beherrschen. Natürlich werden wir nicht fähig sein, dies vollkommen zu tun, denn Jakobus sagt: „Die Zunge aber kann keiner der Menschen bändigen.” – Jakobus 3:8 Er sagt auch: „Wenn jemand nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann, fähig, auch den ganzen Leib zu zügeln.” – Jakobus 3:2 Wir müssen aber trotzdem dahingehend alle Anstrengungen machen.

Wir können unsere Liebe für unsere Geschwister zeigen, indem wir nicht sogleich glauben, was an Bösem über Geschwister gesagt wird. Tatsächlich sollten wir sehr zurückhaltend darin sein, indem wir in unseren Gedanken Entschuldigungen finden, warum ein Bruder etwas gesagt oder getan haben mag, von dem wir denken, daß es im Gegensatz zu dem Willen des Herrn war, indem wir ihm immer die Wohltat des Zweifels einräumen und gute Motive unterstellen, wie auch Paulus sagte: „Die Liebe rechnet Böses nicht zu.” – 1. Korinther 13:5

Der Herr, der die Schwachheit unseres Fleisches kannte, legt eine Regel vor, nach welcher Verleumdung in der Kirche vermieden werden kann. Wir finden diese Regel in Matthäus 18:15 und 16: „Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein! Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen. Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede Sache bestätigt wird.”

Es ist schwer zu verstehen, daß ein Bruder in Christo zu einem anderen Böses sagt, und es ist noch schwerer zu glauben, daß derjenige, der sich verletzt fühlt, Böses erwidert. Aber solche Dinge geschehen. 1. Thessalonicher 5:15 sagt: „Seht zu, daß niemand einem anderen Böses mit Bösem vergelte, sondern strebt allezeit dem Guten nach gegeneinander und gegen alle.” Wenn ein Bruder einen Fehler begehen und sich selbst und anderen in der Kirche Schaden zufügen sollte, so sollte unsere Einstellung ihm gegenüber von brüderlicher Liebe sein – um ihm zu helfen, sein Gleichgewicht wiederzuerlangen und seinen Stand mit dem Herrn, indem wir gebührend die Tatsache berücksichtigen, daß wir selbst in ähnlicher Weise fallen können. Galater 6:1 sagt: „Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt wird, so bringt ihr, die Geistlichen, einen solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht. Und dabei gib auf dich selbst acht, daß nicht auch du versucht wirst.”

Wenn wir die Veranlassung haben, einen Bruder zurechtzuweisen oder zu tadeln, dann sollten wir sicherstellen, daß dies nur getan wird, nachdem wir jede vernünftige Geduld gezeigt haben. Und selbst dann, müssen wir uns sicher sein, daß es in Liebe geschieht. Wenn der Bruder bereut und seinen Fehltritt einsieht, so sollten wir wie der Vater des verlorenen Sohnes handeln. Wenn wir den Reumütigen in einem Zustand der Demut kommen sehen, so sollten wir ihm auf halbem Weg entgegenkommen.

Viele Male vergeben

Wir können unsere Liebe für unsere Geschwister zeigen, indem wir nicht aufhören einander zu vergeben. Wir wollen uns daran erinnern, was Jesus in Matthäus 18:21 und 22 zu Petrus sagte, als dieser ihn fragte, ob er seinem Bruder sieben Mal vergeben sollte: „Jesus spricht zu ihm: Ich sage dir: Nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmal sieben(mal).” Jesus wußte, daß Petrus mit der Zeit den Punkt erreichen würde, wo er willens sein würde, seinem Bruder 490 Mal zu vergeben, wo es eine beständige Gewohnheit sein würde, und wo er nachzuzählen vergessen würde. Auch wir wollen vergessen nachzuzählen. Sicherlich hat unser Himmlischer Vater uns viele Male mehr als nur 490 Mal vergeben, und es wird sicherlich für uns notwendig sein, noch viel öfter um Seine Vergebung zu bitten, bevor unsere Verwandlung stattfindet.

Wir lesen in 1. Petrus 3:8: „Endlich seid aber alle gleichgesinnt, mitleidig, voll (brüderlicher) Liebe, barmherzig, demütig.” Wir können unsere Liebe unseren Geschwistern zeigen durch die Anstrengungen, die wir machen, diese Einigkeit des Geistes zu wahren. Aber trotz unserer besten Anstrengungen ist es unvermeidbar, daß einige die Prüfungen nicht bestehen werden, die der Herr zuläßt. Trennungen werden stattfinden. Dies steht im Zusammenhang mit 1. Korinther 11:19, wo es heißt: „Denn es müssen auch Parteiungen unter euch sein, damit die Bewährten unter euch offenbar werden.” Aber wir selbst sollten nicht die Ursache von solchen Trennungen sein. Wenn sie kommen, so sollten sie von anderem Ursprung kommen.

Wir können unsere Liebe für unsere Geschwister zeigen, indem wir für sie beten. Wenn wir wissen, daß sie in besonderen Nöten sind, so können wir an sie vor dem Thron der Gnade mit Namen und Umständen erinnern. Wir werden in Jakobus 6:16 daran erinnert, daß solch ein Gebet, wenn es flehentlich vorgetragen wird, „vieles vermag”.

Wir können unsere Liebe für unsere Geschwister durch finanzielle Beihife für das Werk in des Herrn Weingarten geben, wenn wir dazu in der Lage sind. Dies ist eine anderere praktische und berührende Weise, in der wir unsere Liebe zeigen können, und die uns erlaubt, einen wirklichen und fühlbaren Anteil an dem Werk des Herrn zu haben.

Der Himmlische Vater findet einen Weg, um diejenigen zu offenbaren, die Ihn am meisten lieben. Er stellt sie, die vom Heiligen Geist gezeugt worden sind, dorthin, wo sie günstige Gelegenheiten finden können, sich miteinander zu treffen oder auf andere Weise Kontakt zu haben. Und nach dem Interesse, welches sie für die Gemeinschaft miteinander zeigen, beurteilt Er, wie viel des Geistes der Liebe sie für Ihn besitzen. 1. Johannes 4:20 drückt dies so aus: „Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott und haßt seinen Bruder (mit anderen Worten, liebt ihn nicht genug, um persönliche Gemeinschaft mit ihm zu suchen), ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, kann nicht Gott lieben, den er nicht gesehen hat.”

Wir können unsere Liebe für unsere Geschwister zeigen, indem wir nicht zu streng mit ihnen sind, indem wir nicht mehr von ihnen erwarten, als sie erbringen können, indem wir ihre Einschränkungen respektieren.

Wir können unsere Liebe für unsere Geschwister, die Stellungen als Älteste einnehmen, dadurch zeigen, daß wir vermeiden, irgendetwas zu tun, was sie als Neue Schöpfungen schädigen würde. Wir sollten besonders zögern, etwas zu tun, was ihren Dienst schmälern oder entwerten würde. Die Ältesten sind die Hirten der Herde, und der Herr hat sie dazu gemacht. Sie sind besondere Ziele des Widersachers. Der Teufel möchte sie angeklagt und diskreditiert und aus ihrem Amt entfernt sehen.

Wenn die Ältesten aus dem Weg geräumt sind, kann er nach Belieben in die Herde und sie verschlingen. 1. Timotheus 5:19 sagt: „Gegen einen Ältesten nimm keine Klage an, außer bei zwei oder drei Zeugen.” Dies sollte sorgsam beachtet werden.

Wir können unsere Liebe für unsere Geschwister zeigen, indem wir für jene vorsorgen, die ordnungsgemäß einen Anspruch auf uns haben. Die Neue Schöpfung muß lernen, daß sie nicht in allen Angelegenheiten tun kann, was sie bevorzugen würde. Wir müssen bei bestimmten Angelegenheiten den Verpflichtungen des Fleisches nachkommen. Eine jener Verpflichtungen ist die Fürsorge für diejenigen, die der Herr in unsere Obhut gegeben hat. Wir müssen dies „als dem Herrn getan” tun, als für ihn vollbracht. Es ist ein Erfordernis für unseren Glauben. 1. Timotheus 5:8 sagt: „Wenn aber jemand für die Seinen und besonders für die Hausgenossen nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Ungläubiger.”

Wir können unsere Liebe für unsere Geschwister durch unsern Eifer zeigen, mit denen vom gleich kostbaren Glauben zusammenzukommen. Wir sind wie die Kohlen eines Feuers, die, wenn sie getrennt werden, erkalten, die aber zusammengebracht dazu neigen, die Glut des Ganzen anzufachen.

Wir werden ermutigt uns mit jenen zu versammeln, die, wie wir selbst gerechtfertigt und geweiht sind, die den Herrn lieben und an das Lösegeld Christi glauben. Solche Versammlungen tragen großartig dazu bei, die Welt zu überwinden und unsere Berufung und Erwählung fest zu machen. Wenn wir uns in solchen Versammlungen befinden, so sind wir in guter Gemeinschaft, weil Jesus sagte: „Ich bin mitten unter euch.” – Matthäus 18:20 Dort berührt die Jakobsleiter die Erde, und der Ort wird, wie Jakob in 1. Mose 28:17 sagte: „Das Tor zum Himmel”. So können wir unsere Liebe für die Geschwister zeigen, „indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern (einander) ermuntern, und (das) um so mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht.” – Hebräer 10:25

Wir können unsere Liebe für die Geschwister zeigen, indem wir innerhalb unserer Möglichkeiten leben. Des Herrn Volk sollten keine Verschwender sein. Sie sollten vielmehr, wie es in Römer 13:8 geschrieben steht: „Niemand irgendetwas schuldig sein, als nur einander zu lieben.”

Wir können unsere Liebe für unsere Geschwister und unseren Herrn Jesus zeigen, indem wir die Schafe des Herrn weiden. Dies ist es, was Jesus Petrus sagte, um seine Liebe zu prüfen. Die Schafe des Herrn zu weiden ist nicht nur das Vorrecht der Ältesten in der Kirche, es kann von jedem und bei jeder sich bietenden Gelegenheit durch geistige und profitable Gespräche erfolgen, durch welche wir zeigen, daß wir an den Herrn denken. Haben wir es bemerkt, daß Gott hört und ein Buch der Erinnerung solcher Gespräche aufbewahrt, welches uns als die Seinen kennzeichnet? Maleachi 3:16 und 17 gibt uns dies zu verstehen: „Da redeten die miteinander, die den HERRN fürchteten, und der HERR merkte auf und hörte. Und ein Buch der Erinnerung wurde vor ihm geschrieben für die, die den HERRN fürchten und seinen Namen achten. Und sie werden mir, spricht der HERR der Heerscharen, zum Eigentum sein an dem Tag, den ich machen werde.”

Liebe bringt Frieden

Wenn die Liebe auf diese Weise wirkt, dann hat sie wirkliche Kraft. Sie bringt Frieden in der Kirche und Frieden in unsere Herzen. Sie errichtet ein Bollwerk gegen die Angriffe Satans. Sie fördert und unterstützt gesunde Lehren. Sie heiligt uns; sie macht uns Christus und Gott ähnlich. Durch diese Macht nimmt Gott 144.000 von den Törichten dieser Welt, die Schwachen dieser Welt, die Unedlen dieser Welt, die Verachteten dieser Welt, jene, die nichts sind, und von diesem Nichtsein entwickelt er sie und erhöht sie zur höchsten Inbegriff des Lebens – zur herrlichen göttlichen Natur. So ist dies eine sehr reale Macht, die in uns wirkt, eine Macht, die in Kolosser 1:11 und 12 beschrieben wird als „Macht seiner Herrlichkeit … der uns fähig gemacht hat zum Anteil am Erbe der Heiligen im Licht.”

Aber in welcher Weise wir auch wünschen mögen, unsere Liebe für unsere Geschwister zu zeigen, was auch immer wir wünschen mögen, für die Glieder des Leibes des Herrn zu tun, das sollte diesseits des Vorhangs bald getan werden, denn sie werden nicht lange hier sein. Wenn Maria eine Woche länger gewartet hätte, ihr kostbares Alabasterfläschchen über des Herrn Haupt zu zerbrechen, so hätte sie niemals mehr eine Gelegenheit dazu gehabt. Er wäre dann gekreuzigt gewesen. Es hat jemand gesagt: „Halte dein Alabasterfläschchen deiner Liebe und Zärtlichkeit nicht verschlossen bis deine Freunde tot sind. Blumen auf dem Sarg bringen keinen Duft auf den beschwerlichen Weg zurück.”

So sollten wir nicht zögern. Es mag unser Vorrecht sein, heute die letzte freundliche Handlung auszuführen oder heute das letzte hilfreiche Wort zu zu einigen Gliedern des Leibes Christi auszusprechen. Wir wollen uns völliger dieser wundervollen Macht Gottes, die in uns wirkt, übergeben, und viel Frucht des Heiligen Geistes – Liebe tragen.

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