Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Der Gedanke des Gebets

„Betet unablässig.”- 1. Thessalonicher 5:17

In den vier Evangelien des Neuen Testaments gibt es viele Stellen an denen berichtet wird, dass Jesus zu Seinem Himmlischen Vater betete. Es mag für einige erscheinen, dass Jesus seit seiner vormenschlichen Existenz als der Logos, der seit dem Anfang der Schöpfung bei Gott war, den Vater gründlich kennen würde, so dass keine Notwendigkeit bestanden hätte, während seiner relativ kurzen Zeit auf Erden zum Vater zu beten. Dies war jedoch nicht der Fall. Als ein menschliches Wesen, das für eine Zeit lang physisch von Gott getrennt war, erkannte Jesus die Notwendigkeit sich dem Allmächtigen im Gebet zu nähern, um die enge Gemeinschaft, der er sich zuvor mit dem Vater erfreut hatte, fortzusetzen.

Jesus hatte die Gewohnheit oft im Gebet zum Vater zu kommen, weil seine Gedanken zu aller Zeit bei Gott verweilten. – Jesaja 26:3 Er suchte fortwährend den Willen Seines Vaters zu tun, und er erkannte, dass das Gebet ein wichtiger Teil war, dessen Willen festzustellen. Ähnlich muss es bei den Fußstapfennachfolgern Jesu sein, da wir den Willen Gottes zu tun und „Christi Sinn” zu entwickeln suchen.

Das Gebet ist eines der gesegneten Vorrechte, dessen sich jeder wahre Jünger Christi erfreut. Es ist in der Tat notwendig, wenn wir in der Gnade und Erkenntnis des Herrn wachsen sollen. Das Gebet kann als der lebengebende Atem eines Kindes Gottes bezeichnet werden. So wie es vom natürlichen Standpunkt lebensnotwendig ist zu atmen, so benötigen wir als Neue Schöpfungen in Jesus Christus zu beten, um geistig gesund und lebendig zu bleiben.

„Unablässig zu beten”, wie in unserem Leittext gefordert, schließt nicht die Notwendigkeit ein, fortwährend auf unseren Knieen zu liegen. Es bedeutet vielmehr, dass das Gebet eine der regulären Gewohnheiten unseres Lebens als Neue Schöpfung ist, und dass wir täglich vor den Thron der himmlischen Gnade kommen, „damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe”. – Hebräer 4:16 Mehr als das, bedeutet es, dass immer dann, wenn Nöte erscheinen, unbenommen wie oft dies am Tag sein mag, unsere Herzen sich im Gebet zu Gott wenden.

Dieser Gedanke wird uns im Gleichnis von der zudringlichen Witwe nahegelegt. – Lukas 18:1 – 8 Die Lektion, die Jesus in diesem Gleichnis lehrte, ist, dass die Jünger „allezeit beten und nicht ermatten sollten”. – Vers 1 Der Gedanke ist, wenn die Trübsale schwer sind und der Weg rauh – wenn der Pfad dunkel und die einzuschlagende Richtung unsicher sind – wenn die Last schwer ist, und wir unter ihrem Gewicht ermüden – wir anstatt Schwäche zu zeigen und aufzugeben, beten sollten. Paulus drückte einen ähnlichen Gedanken aus, als er schrieb: „In Hoffnung freut euch; in Bedrängnis harrt aus; im Gebet haltet an.” – Römer 12:12

Lob und Danksagung

Das Gebet mag von zwei Hauptstandpunkten aus betrachtet werden. Es gibt Gebete des Lobes und der Danksagung, und es gibt Gebete, die der Natur nach Bitten sind – Gebete, in denen wir den Herrn in der einen oder der anderen Weise um etwas bitten. Es ist angebracht, dem Himmlischen Vater für all die Wohltaten zu danken, die Er täglich über uns ausschüttet. Allein durch die Handlung mit Dank in unseren Herzen und auf unseren Lippen zu Ihm zu gehen, wird unsere Wertschätzung für das Vorrecht zunehmen lassen, das wir als Seine Kinder besitzen.

Der Psalmist schrieb: „Preise den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht alle seine Wohltaten!” – Psalm 103:2 Mit Danksagung zu Gott zu gehen, wird uns sicherlich helfen, uns aller Seiner Wohltaten zu erinnern. Auf Grund unserer unvollkommenen gefallenen Sinne können wir uns nicht aller Wohltaten des Herrn erinnern, aber wie tragisch würde es sein, wenn wir sie alle vergessen würden. Wir werden sie nicht alle vergessen, wenn wir täglich daran denken, was Gott für uns tut, und wenn wir mit Gebeten der Dankbarkeit für diese Liebe zu Ihm kommen, die Er in vielfältiger Weise über uns ausschüttet.

An einer anderen Stelle schrieb David. „Den HERRN will ich preisen allezeit, beständig soll sein Lob in meinem Munde sein … Erhebt den HERRN mit mir, laßt uns miteinander erhöhen seinen Namen.” – Psalm 34:1 und 3 Paulus, der mit David übereinstimmte, schrieb: „Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!” – Philipper 4:4 Die Nachfolger des Meisters, die täglich mit Lob auf den Lippen und mit Dankbarkeit im Gebet zum Himmlischen Vater kommen, werden freudige Christen sein. Wir können uns nicht ständig Seiner Güte für uns erinnern, ohne dass wir freudigen Herzens sind.

Um etwas bitten

Unsere an Gott gerichtete Bitten sind gleich wichtig, und es ist unerlässlich, darauf acht zu haben, was wir schicklich von Ihm erbitten mögen. Während die Bitten, die von unserem Himmlischen Vater berücksichtigt und günstig beantwortet werden können, aufrichtig sein müssen, müssen sie auch in Harmonie mit Seinem Willen sein. Durch die Zeitalter hindurch hat es viele Menschen gegeben, deren Herzenswünsche aufrichtig waren, aber deren Gebete für Gott nicht annehmbar waren.

Die Bibel lehrt uns, dass das Herz sehr aufrichtig sein kann, doch seine Wünsche sehr wenig nach dem Willen und Plan Gottes. Wir bezweifeln nicht, dass Saul von Tarsus, als er die Geschwister der frühen Kirche verfolgte, dachte, dass Gott seine Anstrengungen segnen würde. Seine Gedanken waren jedoch falsch – sehr falsch, und dies trifft auf viele zu, selbst auf bekennende Christen.

Jakobus schrieb: „Ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.” – Jakobus 4:3 Dies ist eine andere Weise zu sagen, dass Gebete, die selbstsüchtig sind, und jene Bitten, die bloß gestellt werden, um Wünsche des Fleisches zu befriedigen, nicht günstig beantwortet werden. Solche Gebete sind „üble Bitten” in den Augen des Herrn.

Es gibt eine Redensart, die oft benutzt wird: „Gebete verändern Dinge”. Dies bewahrheitet sich sehr in Bezug auf unsere eigene Beziehung zu Gott und zu Seiner überwaltenden Fürsorge in unserem Leben. Wenn wir vielleicht enttäuscht worden sind durch schwere Trübsale, die der Himmlische Vater erlaubt hat, und möglicherweise ein wenig reizbar sind, wird unsere ganze Einstellung geändert, wenn wir im aufrichtigen Gebet zum Herrn kommen und Ihn um Hilfe bitten, unsere Trübsale zu tragen, und wenn es Sein Wille ist, uns die göttliche Absicht diese betreffend zu zeigen.

Vielleicht werden wir gegenüber denjenigen, die uns bekämpfen mögen – unsere „Feinde”, verbittert, wenn wir wissen, dass wir sie lieben sollten. Wenn wir den Anweisungen der Bibel folgen und für diejenigen beten, die uns hasserfüllt begegnen, dann wird es auch Dinge verändern, denn wir werden finden, dass sich in unseren Herzen Liebe für diejenigen entwickelt, für die wir beten. Wir können nicht fortfahren, jene zu hassen, für die wir bitten, dass Gott sie segnen möge.

Tatsächlich verändert das aufrichtige Gebet oftmals unsere Einstellungen und unsere eigene Weise zu denken, aber es ändert nicht Gottes Plan. Gott ist nicht von unseren Gebeten abhängig, die Art und Weise zu lernen, in der Er uns segnen sollte. Die Dinge der heutigen Welt sind chaotisch, aber wie schlimm sie auch sein mögen, wenn Gott auf alle Bitten, die an Ihn gerichtet werden, durch aufrichtige und wohlmeinende Leute günstig antwortet. Selbst unter Gottes besonders auserwähltem Volk werden oft Bitten im Gebet geäußert, die miteinander im Widerspruch stehen.

Gottes Verheißungen beanspruchen

Alle annehmbaren Gebete müssen in Harmonie mit Gottes Willen sein, und alle Segnungen, welche der Himmlische Vater Seinem Volk schenken „will”, sind in den „außerordentlich großen und kostbaren Verheißungen” Seines Wortes enthalten. – 2. Petrus 1:4 Wir könnten daher sagen, dass das Gebet die Beanspruchung von Gottes Verheißungen ist. Hat Gott die Segnungen verheißen, um die wir Ihn bitten? Dies ist eine Prüfung, über die wir entscheiden können, ob unsere Gebete günstig beantwortet werden oder nicht.

Es gibt eine angemessene und eine unangemessene Weise sich Gott im Gebet zu nähern. Unseres Herrn Beispiel eines Gebets beginnt mit der Feststellung: „Unser Vater, der (du bist) in den Himmeln, geheiligt werde dein Name.” – Matthäus 6:9 Dies gibt die Notwendigkeit einer Annäherung in Ehrfurcht zu Gott im Gebet zu verstehen, einer angemessenen Anerkennung Seiner Heiligkeit und Herrlichkeit. Die Herrlichkeit Gottes sollte das prinzipielle Motiv sein, dass alle unsere Gebete inspiriert. Wir sollten immer die Frage im Sinn haben: Wird der Segen, um den ich bitte, zur Herrlichkeit Gottes sein? Sicherlich, wenn es innerhalb des Bereichs von jener guten und vollkommenen Gaben ist, dessen Er uns versichert, wird Er froh sein, diese Seinen Kindern zu schenken, von denen wir wissen, dass sie Seinen heiligen Namen verherrlichen.

Wenn wir den Namen unseres Himmlischen Vaters richtig verherrlichen, werden wir die Anweisungen Seines geliebten Sohnes, Jesus Christus als den einzigen Weg beachten, auf dem wir uns Ihm im Gebet nähern können. Dieser Weg ist durch den Namen Christi und durch das Verdienst seines vergossenen Blutes. – Johannes 15:16 und Römer 3:24 und 25 Jesus sagte: „Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn.” – Johannes 14:13

Jesus sagte auch, dass, wenn wir in ihm bleiben und sein Wort in uns bleibt, wir bitten können, was wir wollen, und es geschehen wird. – Johannes 15:7 Dies ist eine beeindruckende Verheißung, die aber auf keinen Fall ohne Bedingungen ist. Wenn wir in Christus und seine Lehren in uns bleiben, dann werden wir nur um jene Segnungen bitten, die in Harmonie mit dem Willen des Vaters sind. Was wir erbitten „wollen”, sollte nur das sein, von dem wir glauben, dass es des Vaters Wille ist, uns dies zu geben. So sollten unsere Bitten immer die Feststellung enthalten: „Wenn es Dein Wille ist.”

Viele Verheißungen

Innerhalb der Grenzen der Verheißung Gottes zu beten hat viel Ermessungsspielraum, denn Seine Verheißungen sind groß, weitreichend und verschieden. Wir werden in dem Gebet unseres Herrn an viele erinnert. An erster Stelle in diesem Gebet steht die Bitte: „Dein Reich komme; dein Wille geschehe; wie im Himmel so auch auf Erden.” – Matthäus 6:10 Durch das Alte und Neue Testament hindurch hat Gott das Königreich durch Andeutungen und direkte Feststellungen, durch Vorbilder und Symbole, verheißen. Als erstes hat Er verheißen, dass das Königreich Christi alle Rebellion gegen den Willen Gottes und dann das Werk der herrscherlichen Autorität und Macht auf der ganzen Erde beseitigen wird. – 1. Korinther 15:24 – 28

Wenn wir beten, „Dein Reich komme”, so erbitten wir das, was Gott verheißen hat. Unsere Gebete geben Gott nicht die Idee und die Anregung Sein Königreich aufzurichten. Vielmehr geschieht durch unsere Gebete für Sein Königreich der Verheißung, dass wir unsere Harmonie mit demselben bekunden und unser Interesse an Seinem herrlichen Königreichsplan und die Hoffnung, die wir haben, einen Anteil an seiner Einrichtung zu bekommen.

Es ist unser Wunsch, dass Gottes Königreich komme, weil wir zu sehen wünschen, dass Sein Wille auf der ganzen Erde geschehe. Wir wissen, wenn Sein Wille getan wird, dann wird das Volk gesegnet werden, weil sie in dem Licht Seiner Billigung und in der Erkenntnis Seiner Wege wandeln werden. Daher ist unser Gebet, „Dein Königreich komme”, in Wirklichkeit ein uneigennütziges Gebet, denn es geschieht zum Nutzen der ganzen Menschheit.

Mit der Bitte, „Dein Königreich komme”, bitten wir auch um Gottes Segnungen für all Seine Anordnungen, durch die das Königreich kommen wird. Wir sind bevorrechtigt worden, zu denen zu gehören, die Gott aus der Welt herausgerufen hat, um mit Christus vereint als „Könige und Priester” in Seinem Königreich zu sein. Indirekt sind daher, welche Segnungen wir auch benötigen, wenn wir für das Königreich geschult werden, in der Bitte enthalten, „Dein Königreich komme”. Unser Ersuchen, daß das Königreich bald kommen möge, mit der Hoffnung ein Teil Seiner Herrschaft zu sein, würde leer und bedeutungslos sein, wenn wir nicht von ganzem Herzen erstreben würden, dass der Wille Gottes in unserem Herzen und unserem Leben herrsche.

Das tägliche Brot

Die erste Bitte um eine persönliche Segnung ist im Gebet unseres Herrn enthalten: „Unser tägliches Brot gib uns heute.” – Matthäus 6:11 Die erste Anwendung gilt dabei unseren geistigen Nöten, obwohl unser Himmlischer Vater nicht unaufmerksam gegenüber unseren physischen Nöten ist und für sie Sorge tragen wird, entsprechend Seiner Erkenntnis, was für unsere geistigen Interessen das Beste ist.

Das in den Schriften verheißene geistige „Brot” ist in erster Linie Christus selbst. Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Ich bin das Brot des Lebens: Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten.” In dieser gleichen Rede sprach Jesus auch von dem „essen” seines Fleisches und dem „trinken” seines Blutes. – Johannes 6:53 Für die Apostel war dies eine „harte Rede”, und so erklärte Jesus, daß es seine Worte, seine Lehren und sein Beispiel wären, an denen wir teilhaben. Die Lehren Jesu schließen die ganze Struktur der Wahrheit ein, die in dem Wort Gottes enthalten ist, und sie sind mit ihnen in Harmonie. So geschieht es durch das Studium der Wahrheit und die Anwendung ihrer Prinzipien in unserem Leben, dass wir von Christus ernährt werden. Es geschieht in dieser Weise, dass wir an unserem „täglichen Brot” teilhaben.

Es geschieht durch die erleuchtende Kraft des Heiligen Geistes, dass wir die Wahrheit in solch einer Weise verstehen können, daß sie für uns als Neue Schöpfungen in Christus Jesus zum lebengebenden Brot wird. Der Himmlische Vater gab uns durch Jesus den Heiligen Geist betreffend eine versichernde Verheißung. Er sagte: „Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet werden! Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird aufgetan werden. Wer von euch, der Vater ist, wird der Sohn um einen Fisch bitten – und es wird ihm statt des Fisches (etwa) eine Schlange gegeben? Oder auch, wenn er um ein Ei bäte – er wird ihm doch nicht einen Skorpion geben? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wieviel mehr wird der Vater, der vom Himmel (gibt, den) Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten.” – Lukas 11:9 – 13

Eine ähnliche Feststellung Jesu finden wir in Matthäus 7:7 – 11 Seine Schlussfolgerung ist: „Wieviel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten?” Das „Gute”, das Jesus erwähnt, sind jene Segnungen, die den Neuen Schöpfungen in Christus Jesus verheißen sind durch den innewohnenden Heiligen Geist. Sie beinhalten die vom Geist geoffenbarten Wahrheiten des Wortes Gottes, die unser tägliches geistiges Brot darstellen. Wenn wir nun beten: „Unser tägliches Brot gib uns heute”, so beanspruchen wir die Verheißungen Gottes, um uns mit all der notwendigen geistigen Speise zu versorgen. Natürlich kann jeder wahrhaft geweihte Nachfolger des Meisters bezeugen, auf welch wunderbare Art und Weise der Herr diese besonderen Verheißungen in Erfüllung gehen lässt.

Die Bitte um Vergebung

Wenn wir von dem beispielhaften Gebet unseres Herrn Gebrauch machen, so bitten wir unseren Himmlischen Vater auch: „Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben.” – Matthäus 6:12 Als Nachfolger des Meisters wissen wir, dass Gott Seinem Volk Vergebung verheißen hat. Er hat durch das Verdienst Christi Vorkehrung getroffen, unsere Unvollkommenheiten zu bedecken, Gemeinschaft mit uns zu haben, als ob wir vollkommen wären, und uns Leben zu geben. Wie beruhigend es ist, dass wir zum Thron der himmlischen Gnade kommen und „Barmherzigkeit erlangen” können. – Hebräer 4:16

Es gibt jedoch eine Bedingung zu dieser Regelung. Wenn wir von unserem Himmlischen Vater Vergebung erlangen möchten, so müssen wir zuvor denen vergeben, die gegen uns gesündigt haben. – Matthäus 6:14 und 15 Was für eine weise und gerechte Bedingung dies ist. Wie unwürdig würden wir sein, Vergebung und Gnade von unserem Himmlischen Vater zu erlangen, wenn wir in unseren eigenen Herzen einen schlechten Willen und Groll gegenüber anderen haben. Der Geist der Barmherzigkeit auf Seiten Gottes wird in der Tatsache reflektiert, dass Er „während wir noch Sünder waren”, für uns durch Christus Vorsorge zu unserer Versöhnung traf. – Römer 5:8 Wenn wir wahrhaftig gottähnlich sind, dann werden auch wir den Geist der Barmherzigkeit in unseren Herzen tragen und froh sein, zu vergeben, schon bei dem ersten Anzeichen von denen, die gegen uns gesündigt haben und Vergebung erstreben.

Befreiung ist verheißen

Um deutlich verstanden zu werden sollte die abschließende Bitte im Gebet unseres Herrn als ein Ganzes betrachtet werden. Wir lesen: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns vor dem Bösen.” – Matthäus 6:13 Hier werden wir an zusätzliche Aspekte von Gottes wundervollen Verheißungen erinnert. Der Wortlaut: „Und führe uns nicht in Versuchung”, gibt in keiner Weise zu verstehen, dass der Himmlische Vater jemals irgendeine Neigung hat, Sein Volk in Versuchung und Sünde zu führen.

Es gibt viele wundervolle Dinge, die Gott verheißen hat, zu tun. Er hat das Königreich verheißen, und wir beten dafür. Er hat uns unser tägliches Brot verheißen, und wir beten dafür. Er hat verheißen, uns zu vergeben, und wir bitten um Seine Vergebung. Dass wir um diese Segnungen beten, bedeutet nicht, dass wir die Möglichkeit einräumen, dass Gott Seine Verheißungen zu erfüllen verfehlt haben könnte. Es gibt einige Dinge, die Gott versprochen hat, nicht zu tun, wie zum Beispiel uns zu versuchen, und so halten wir in unseren Gebeten auch an dieser Verheißung fest. Jakobus schrieb: „Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand.” – Jakobus 1:13

Wir können dies als eine Versicherung von Gott nehmen, dass Er uns nicht in Versuchung führen wird. Wir erfreuen uns dieser Versicherung und nehmen sie im Gebet für uns in Anspruch, indem wir mit ihr die offen bleibende Bitte verbinden, „sondern errette uns vor dem Bösen”. Gott führt uns nicht in Versuchung, sondern errettet uns vor dem Bösen, und wie kostbar sind Seine vielen Verheißungen in dieser Richtung.

Manchmal werden wir uns der Tatsache bewusst, dass Gott uns vor dem Bösen errettet hat und andere Male nicht. Zweifellos gibt es an jedem Tag Situationen, aus denen Er uns rettet, die uns nicht bewusst werden – Umstände, welche im Grab enden würden, in Verletzungen für uns als Neue Schöpfungen, wenn wir nicht gerettet würden. Wir mögen nicht im Einzelnen genau erkennen, wie der Herr beschützt und befreit. Wir erinnern uns jedoch, dass eine seiner kostbaren Verheißungen lautet: „Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und er befreit sie.” – Psalm 34:8 Wir erfreuen uns dieser Versicherung und der vielen ähnlichen Verheißungen des Wortes Gottes. So beten wir mit Zuversicht: „Errette uns vor dem Bösen”.

Wir verstehen hier zusätzlich, dass es die endgültige und herrliche Befreiung für jedes Glied des Leibes Christi in dem ewigen Königreich unseres Herrn und Erretter, Jesus Christus, geben wird. Die Hoffnung dieser Befreiung ist heute besonders lebendig. Hinweisend auf die unruhigen Lebensumstände in der Welt, von denen wir gegenwärtig umgeben sind, sagte Jesus: „Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht.” – Lukas 21:28 Das wird eine vollständige und immerwährende Befreiung vom Bösen sein und von der „gegenwärtigen bösen Welt” oder Zeitalter. Mehr als dies wird es bedeuten, dass obwohl „in Vergänglichkeit gesät” wir in Kraft auferweckt werden, erhöht zur „Herrlichkeit und Ehre und Unsterblichkeit”, um mit Christus zu leben und zu herrschen. – 1. Korinther 15:43, Römer 2:7 Wir freuen uns auch, dass der Befreiung und Erhöhung der Leibesglieder Christi zur Herrlichkeit des Messianischen Königreichs die Befreiung aller Menschen von Sünde und Tod folgt und die völlige „Wiederherstellung aller Dinge”, von denen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat”. – Apostelgeschichte 3:21

Weisheit verheißen

Jakobus schrieb: „Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der allen willig gibt und keine Vorwürfe macht, und sie wird ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifler gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin- und hergetrieben wird.” – Jakobus 1:5 und 6 Dies ist keine Verheißung, dass Gott Seinem Volk weltliche Weisheit geben will. Dies bezieht sich vielmehr auf „die Weisheit, die von oben ist”. Diese himmlische Weisheit „ist erstens rein, sodann friedvoll, milde, folgsam, voller Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ungeheuchelt”. – Jakobus 3:17

Gottes Antwort auf unsere Bitten um himmlische Weisheit ist zu dem Zweck, uns zur Reinheit in Gedanken, Worten und Taten zu führen. Sie will uns friedlicher und sanfter machen und „folgsam”. Sie will unser Herz mit Barmherzigkeit erfüllen und allen guten Früchten des Heiligen Geistes. Sie will uns unvoreingenommen in der Beurteilung und im Handeln mit anderen machen und uns von Heuchelei reinigen.

Wenn wir Gott um diese himmlische Weisheit bitten, so müssen wir Raum in unseren Herzen und Leben schaffen für das, was die Antwort mit sich bringt. Es muß unser Wunsch sein, all das zu sein, zu dem uns die „Weisheit von oben” anleiten soll. Wir müssen vom ich und vom Eigenwillen befreit werden, wenn wir wahrhaft wollen, daß der Heilige Geist der Weisheit unser Leben erfüllen und kontrollieren soll. Gott wird bezüglich dessen Seine Verheißungen nur dann erfüllen, wenn wir unseren Teil dazu beitragen.

In der Zusammenfassung, während wir ohne Aufhören beten sollen, sollen wir auch mit unseren Gebeten unaufhörlich mit Gott in Harmonie zusammenarbeiten. Wir sollten auf die Erfahrungen, welche der Herr auch für uns erlauben mag, vorbereitet sein, damit unsere Gebete günstig beantwortet werden mögen. Wenn wir beten, „Mehre uns den Glauben” – Lukas 17:5 -, dann können wir auch erwarten, daß für uns eine Erfahrung vorgesehen ist, die unseren Glauben prüft. Wenn wir um Geduld beten, so können wir sicher sein, daß unsere Geduld ausgiebig geprüft wird. Wenn wir um Barmherzigkeit und Vergebung bitten, wird es nötig sein, dass wir unsere Herzen untersuchen, um sicherzustellen, dass nicht ein böser Wille gegen andere in uns ist.

Gebete erheben daher nicht nur Anspruch auf die Prophezeiungen Gottes, sondern um wirksam zu sein, müssen sie auch mit ernsthaften Anstrengungen unsererseits verbunden sein, um mit all den erforderlichen Bedingungen, die an jene Verheißungen geknüpft sind, übereinzustimmen. Wenn wir dem Herrn völlig ergeben sind – wenn wir möchten, dass Sein Wille in unserem Leben geschehe, wie wir sonst nichts anderes wünschen – wenn wir täglich das Wort untersuchen, um Seinen Willen zu erkennen und Stärkung zu bekommen danach zu handeln – dann, und nur dann mögen wir im Gebet zum Himmlischen Vater kommen, um für die Erfüllung Seiner Verheißungen zu bitten. Wenn wir dies tun, wird Gott die Fenster der Himmel öffnen und einen Segen über uns „bis zum Übermaß ausschütten”. – Maleachi 3:10

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