Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

An welchem Tag ist Sabbat?

„Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen.” – Markus 2:27

Die Bibel lehrt einige Lektionen, die den Sabbat betreffen, doch stellt sich oft die Frage, worin das Ziel dieser Lektion besteht. Das vierte der zehn Gebote weißt auf den siebten Tag hin und fordert seine Beobachtung als einen Tag der Ruhe – und nicht mehr. Die zehn Gebote stellten als Ganzes die Grundlage des Gesetzesbundes dar, der für jeden Juden vorgeschrieben war. Den Juden, die alle jene Gesetze halten würden, war ewiges Leben verheißen worden. Aber nicht alle Gesetze zu halten, bedeutete eine erneute Verurteilung. Hierüber kann kein Zweifel bestehen.

Zur Zeit unseres Herrn waren jedoch die jüdischen Religiösen in einem beträchtlichen Grad zu Formalisten geworden, und es wurde mehr Wert auf die Befolgung der buchstäblichen Gebote gelegt, als auf deren wirklichen Geist und deren wirkliche Bedeutung. Jesus tadelte dies bei verschiedenen Gelegenheiten, indem er den Doktoren des Gesetzes vorhielt: „Ihr bindet dem Volk schwere Lasten auf.” Zum Beispiel wurde es als eine Verletzung des vierten Gebotes ausgelegt, am Sabbat nach einer Fliege zu schlagen – als eine Nichtbeachtung des Sabbats, denn es wurde behauptet, daß ein solcher jage, so als ob es sich um einen Löwen oder einen Büffel handeln würde.

Auf eine ähnliche Weise wurden an dem Verhalten der Jünger unseres Herrn Fehler gefunden, als diese an einem Weizenfeld vorbeikamen und einige von den Ähren in ihren Händen zerrieben, um die Weizenkörner zu essen. Diese Handlung wurde als eine Verletzung des Sabbats ausgelegt, weil dies Dreschen und Worfeln sei, ob nun die Menge klein oder groß war. Jesus verletzte weder die Sabbatanordnungen, noch lehrte er die Menschen dies zu tun. Er war ein Jude und daran gebunden das Sabbatgesetz völlig zu halten. Er widersprach aber solchen unsinnigen Fehldeutungen, die wir zuvor erwähnten. Jesus zeigte, daß der Sabbat um des Menschen willen geschaffen worden war, und daß es ein Fehler ist, zu vermuten, wie einige es damals annahmen und es auch heute noch Gläubige gibt, die dies tun, daß Gott den Menschen einfach schuf, um den Sabbat zu halten. Nach sechs Tagen der Arbeit war ein Tag der Ruhe zu des Menschen Wohlbefinden und Schutz vorgesehen, um gleichzeitig eine bestimmte große Lektion zu erteilen, auf die wir noch nachfolgend näher eingehen werden.

Jesus, der die innere Einstellung seiner Zuhörer zu den alten Gewohnheiten kannte, unterstützte seine Aussagen dadurch, daß er ihnen erklärte, wie David handelte – als er in einer Notsituation einige von den Schaubroten aß, was ungesetzlich war und nur den Priestern erlaubt war, und daß er für sein Handeln nicht bestraft und nicht getadelt wurde. Jesus war als der Sohn des Menschen Herr des Sabbats und hatte das Recht, den wahren Sinn des Sabbats zu erklären.

Später ging Jesus in die Synagoge, wo auch ein Mann mit einer verdorrten Hand anwesend war; und sie beobachteten ihn, um zu sehen, ob er ihn am Sabbat heilen würde, so daß sie ihn anklagen konnten. Dies erkennend sagte Jesus: „Ich frage euch, ob es erlaubt ist, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, Leben zu retten oder zu verderben?” – Lukas 6:9 Sie gaben keine Antwort. Der Erretter war betrübt und mit einer gerechten Empörung darüber erzürnt, daß Menschen die göttlichen Anordnungen so gravierend fehldeuten und dahingehend falsch darstellen konnten, daß sie dachten, daß es eine Sünde wäre, menschliche Not am Sabbat zu erleichtern. Dann sagte er zu dem Mann: „Strecke deine Hand aus!” Und sie wurde geheilt. Die Pharisäer aber eiferten mehr für ihre Theorie als für die Wahrheit, mehr für den Buchstaben des Gesetzes als für den Geist des Gesetzes. Sie wurden zornig und berieten sich mit den Herodianern, auf welche Weise Jesus vernichtet – getötet werden könnte.

Herr des Sabbats

Es wurde für die Kirche keine Anweisung von Jesus oder den Aposteln hinsichtlich des Sabbattages gegeben. Die frühe Kirche beachtete offensichtlich den jüdischen siebten Tag an vielen Orten und an einigen Orten den ersten Tag der Woche, den Jahrestag der Auferstehung unseres Herrn, und manchmal beachteten sie beide Tage. Aber deren Beachtung unterstand nicht dem Gesetz oder einem Befehl, denn der Apostel schrieb: „Ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.” Sie hatten das Vorrecht entweder einen oder beide Tage dem Herrn heilig zu halten, indem sie von ihren irdischen Angelegenheiten ruhten und sich besonders geistigen Angelegenheiten zuwandten.

So ist es heute mit uns, wir freuen uns, daß ein Tag in der Woche allgemein als ein Tag der Ruhe oder als Sabbattag eingehalten wird (Sabbattag bedeutet Ruhetag). Wir sind froh, daß der Tag, der dazu bestimmt wurde, der erste Tag der Woche ist, weil er so die christliche Hoffnung wunderbar in Erinnerung bringt, belegt durch unseres Herrn Auferstehung von den Toten an jenem Tag. Und wir denken, daß wenn Gottes Volk zwei Sabbate hätte, oder sieben von ihnen in der Woche, daß diese so viel mehr Segnungen mit sich bringen würden.

Tatsächlich ist für den Christen jeder Tag ein Sabbat, jeder Tag sollte als dem Herrn heilig genutzt werden und zu keiner Zeit sollte irgendetwas getan werden, was dem göttlichen Willen oder den Prinzipien der göttlichen Herrschaft entgegensteht. Jesu Erklärung, daß er Herr des Sabbats sei, erinnert uns erneut an die Erklärung von Paulus, daß Gott der Vater, am siebten Tag von Seinem Werk ruhte, er überließ es Jesus völlig das Werk auszuführen. Der siebte Tag der Ruhe Jahwes war einer der großen Tage der schöpferischen Woche, jeder in der Länge von tausend Jahren. Sechs dieser großen Tage waren vergangen und die Erschaffung des Menschen war am Ende des sechsten Tages.

Nachdem Er Seinen menschlichen Sohn in Eden erschaffen hatte als den Gott oder Herrscher der Erde, ruhte Jahwe oder beendete Sein Werk während der siebten Zeitperiode von siebentausend Jahren. Sechstausend Jahre dieser siebten Zeitperiode sind schon vergangen und Jahwe, Gott, hat von Seinem Werk geruht – Er ist nicht eingeschritten, um dem Menschen zu helfen oder ihn aus der Sünde und der Entwürdigung emporzuheben. Es bleibt ein weiteres Jahrtausend von den sieben übrig, aber Gott wird sich selbst dann nicht persönlich in des Menschen Befreiung einschalten. Warum nicht? Weil es ein Teil des göttlichen Planes ist, den gefallenen Menschen und seine Befreiung völlig in den Händen Jesu zu lassen. Er ist der Herr dieses großen siebten Tages.

Des Menschen siebter Tag

Diese ganze Zeitperiode von siebentausend Jahren, die den großen siebten Tag oder Sabbat mit Gott darstellt, wird bei den Menschen in sieben große Tage von je tausend Jahren unterteilt. In sechs von diesen Tagen ist er unter einer Herrschaft von Sünde und Tod gewesen, sich plagend und leidend; aber der siebte Tag oder der Sabbattag von tausend Jahren ist für seine Befreiung, Erbauung und Segnung bestimmt. In dieser herrlichen siebentausend Jahre währenden Zeitperiode soll Jesus Herr sein. Sie wird der gegenbildliche große Sabbat sein und das gegenbildliche große Jubeljahr der Menschheit. Die sechs Jahre der Mühsal werden an dem großen Sabbat der herrlichen Herrschaft des Messias und der Segnung aller Geschlechter der Erde enden.

Der Sabbattag der Kirche

Paulus gibt klar zu verstehen, daß für die Kirche, die Neue Schöpfung, in dem Sinn jeder Tag ein Sabbattag ist, daß das geweihte Volk Gottes ruht, wie Gott ruht, im Glauben, in Hoffnung, im Vertrauen, daß Jesus schließlich die seufzende Schöpfung befreien und sie in eine herrliche Sabbatruhe bringen wird. Paulus sagt: „Wir gehen nämlich in die Ruhe ein als die, die geglaubt haben.” – Hebräer 4:3 Buchstäblich haben wir, die glauben, einen unbefristeten Sabbat. Sieben Tage in der Woche und zweiundfünfzig Wochen im Jahr ruhen unsere Herzen im Herrn und finden durch Glauben Trost in den herrlichen Verheißungen Seines Wortes. So ruhen wir von den Gefühlen der Verantwortung und Beunruhigung wegen der Errettung der Welt in genau der gleichen Weise, in der der Himmlische Vater ruht.

Dem Himmlischen Vater gleich haben auch wir das volle Vertrauen, daß der Erlöser noch die Segnungen für alle Geschlechter der Erde vollenden und alle Willigen und Gehorsamen in die große Ruhezeit der Zukunft bringen wird – die tausend Jahre des Messianischen Königreichs, in welcher die Welt von der Sklaverei des Satans, der Sünde und des Todes befreit sein wird – in welcher die seufzende Schöpfung „von der Knechtschaft der Vergänglichkeit freigemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes” – alle, die willig und gehorsam sind.

Weil aber die Kirche durch Glauben ruht und sich jetzt eines Sabbats erfreut, wenn auch nach dem Fleisch, gehen wir durch Trübsale mit der Hoffnung, daß wir einen Anteil am Messianischen Königreich erlangen werden. Der Apostel stellt fest, daß noch „eine Ruhe für das Volk Gottes übrigbleibt” – eine noch unterschiedliche Ruhe von der, der wir uns jetzt erfreuen. Die aktuelle Ruhe oder Sabbatruhe wird nicht nur die des Glaubens und der Ruhe des Herzens sein, sie wird auch die Ruhe von aller Mühe einschließen, während unsere Werke uns nachfolgen werden.

Mit anderen Worten, die Auferstehungsverwandlung wird uns völlige Erleichterung von den Trübsalen, den Belastungen des Weges bringen und uns völlig in die herrlichen Segnungen des Auferstehungszustandes hineinführen.

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