Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes

„Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden.” – Matthäus 6:33

Jeder Bibelforscher bemerkt, wie häufig in den Lehren unseres Herrn und der Apostel auf das Reich Gottes hingewiesen wird. Wir vernehmen die Botschaft, die Johannes verkündete, „Das Reich der Himmel ist nahe gekommen”. Als Jesus die zwölf Apostel aussandte, war ihre Botschaft, „Das Königreich Gottes ist nahe herbeigekommen.” Und später, als er die anderen siebzig Jünger zu predigen aussandte, war ihre Botschaft die gleiche, „Das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen”. Als die Jünger den Herrn fragten, um was sie beten sollten, lehrte er sie zu den vorrangigen Themen ihrer Gebete zu machen: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden”. Wir bemerken weiterhin, daß nahezu alle Gleichnisse unseres Herrn und daher nahezu alle seine Lehren einen Bezug zum Reich der Himmel hatten, welches mit einem Netz verglichen wurde, einem Sämann und seiner dreißig-, sechzig- und hundertfältigen Frucht und einem Acker, von dem der Weizen vollständig in die Scheune eingesammelt wird, mit einem Kaufmann, der Perlen zu kaufen suchte, und der für die schönste Perle alles gab, was er besaß, und am Ende des Zeitalters mit den zehn weisen Jungfrauen, die mit ihm in die Hochzeit gingen.

Es überrascht uns in gewissem Maß, daß diese gleichen Studierenden bemerken, daß in der modernen Theologie, wie sie von den Hochschulen in der Christenheit dargestellt wird, es kaum einen Hinweis auf das Königreich Gottes gibt. Wenn manchmal eine Frage in dieser Angelegenheit gestellt wird, – warum diese Lehre so herausragend im Neuen Testament behandelt und so wenig von den modernen Kanzeln gehört wird, ist die Antwort für gewöhnlich diese: „Ja, die armen Juden waren der Meinung, daß Gott sie als ein Königreich aufbauen würde; und, wenn der Messias kommen würde, er sie als Teilhaber an dem Königreich empfangen und ehren und als Seine Wekzeuge benutzen würde, alle Geschlechter der Erde zu segnen. In all diesem hätten sich die Juden offensichtlich geirrt, da unser Herr in jener Weise nichts für sie tat. In einer vagen Art und Weise müßten wir vermuten, daß die Kirche jetzt das Königreich ist, obwohl wir kaum verstehen, wie jener Name auf sie anzuwenden ist.” – Dieser Standpunkt wird allgemein von den Theologie-Studenten als zufriedenstellende Antwort hingenommen; sie wissen es nicht besser und haben nicht gelernt, theologische Themen zu begründen. Nur wenige Menschen verstehen das Wort Gottes.

Segnungen durch Abrahams Samen

Wir wollen das Thema von einer anderen Seite betrachten. Erinnern wir uns an den Abfall in den dunklen Zeitaltern, in welchen nahezu alle kostbaren Lehren Jesu und der Apostel unter einem Maß menschlicher Traditionen und des Aberglaubens und unter den „Lehren von Teufeln” begraben wurden. – 1. Timotheus 4:1 Dem Herrn sei Dank, daß wir allmählich aus jener schrecklichen Finsternis heraustreten. Aber über einige Themen sind offensichtlich viele des Volkes Gottes weit davon entfernt, Klarheit zu erlangen. Sie sind weit entfernt von einer Wertschätzung der Lehren unseres Herrn und seiner Apostel. Den Staub der Finsternis der Vergangenheit aus unseren Augen wischend, laßt uns nun das Wort Gottes über diesen Gegenstand des Königreichs untersuchen.

Nach unserer Auffassung vertraten die Juden den Gedanken, daß der Ursprung ihres religiösen und politischen Systems darin bestand, daß sie bei dem Werk der Segnung der Welt im allgemeinen die Repräsentanten Gottes sein sollten – daß Er sie zuerst berufen hatte, im Voraus vor anderen Nationen, damit Er sie unter dem Messias als Seine heilige Nation gebrauchen und durch sie einen Segen für die Welt übermitteln würde. Dieser Gedanke hatte seine Grundlage in der göttlichen Verheißung für Vater Abraham, „In dir und deinem Samen sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde”. Als der Same Abrahams warteten sie auf die Erfüllung jener Verheißung und ertrugen die verschiedenen Trübsale und Schwierigkeiten, Gefangenschaften usw., die über sie als eine Nation kamen, insofern diese einer göttlichen Anweisung entsprachen, sie auf den Dienst vorzubereiten, wenn der Messias kommen und sein Königreich aufrichten würde.

Es gibt im Alten und im Neuen Testament keinen Gedanken, der dem widerspricht. Sie hatten die richtige Idee. In Übereinstimmung mit diesem Gedanken predigte unser Herr bei seinem ersten Kommen nur zu Israel und sagte zu seinen Aposteln, „Geht nicht auf einen Weg der Nationen, und geht nicht in eine Stadt der Samariter; geht aber vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.” – Matthäus 10:5 und 6 Die Segnung und das Vorrecht kamen zuerst zu jener Nation. Johannes sagt uns deutlich, daß unser Herr zu seinem eigenen Volk kam, und sie ihn nicht annahmen, ausgenommen ein Überrest, und daß jenem Überrest eine besondere Segnung der Geistzeugung garantiert wurde, die sie zu der Keimzelle oder dem Beginn des geistigen Israel machten. Der Rest der Nation Israel wurde, wie der Apostel uns sagt, beiseite getan, und sie erblindeten für eine Zeit lang, bis eine genügende Zahl unter den Nationen gefunden werden sollte, die vorherbestimmte Zahl des geistigen Israel zu vollenden. Diese Sammlung der geistigen Israeliten aus allen Nationen, Völkern und Sprachen, und die Erprobung derselben, ist das Werk dieses Evangelium-Zeitalters; und wenn die Vollzahl gefunden und geprüft worden ist, wird dieses Zeitalter enden und ein neues Zeitalter, das Millennium, beginnen.

Das Millenniumkönigreich

Es ist ferner zu beachten, daß der zentrale Gedanke, an dem die Juden festhielten, Gottes Absicht betraf, in der Welt ein Königreich zur Segnung aller Nationen aufzurichten, im Wesentlichen zutreffend war, und daß die Schwierigkeit darin bestand, daß es nicht genug Juden gab, die Auserwähltenklasse zu bilden. Daher die Verzögerung dieses Evangelium-Zeitalters, die Gott vorhergesehen und zugelassen hatte. Den Königreichsgedanken gibt es dort noch, denn wie wir zuvor ausführten, wiesen der Herr und die Apostel fortwährend darauf hin und luden alle Treuen ein, „Erben des Königreichs” zu sein. Es ist eine Tatsache, daß die Kirche als geistiges Israel und geistiger Same Abrahams diesen Hauptsegen übernommen hat, welchen Gott zuerst dem Abraham und seiner Nachkommenschaft angeboten hat. Dieses geistige Israel, zusammengesetzt aus „Israeliten in welchen kein Trug war” und den Treuen aus jeder Nation, soll die Braut des Messias bilden, und als solche soll sie mit ihm an den Königreichsehren und dem Königreichswerk teilhaben, daß in der Abrahamischen Verheißung festgelegt ist: „In deinem Samen sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.” Um zu verstehen, daß es daran keinen Zweifel geben kann, beachten wir sorgfältig des Apostels Argumente in Galater 3 und 4. Beachten wir besonders seine Worte: „Wenn ihr aber Christi seid, so seid ihr denn Abrahams Same und nach Verheißung Erben.” – Galater 3:29

Es ist nicht verwunderlich, daß unser Herr fortwährend an den Königreichsgedanken appeliert hat. Der ganze Plan Gottes richtet sich an ihm aus. Die Königreichsklasse muß zuerst gefunden, ausgesucht und verherrlicht werden. Dann wird das Königreichswerk der Segnung der Welt fällig sein, seinen Anfang zu nehmen – nicht eher. Irgendwelche Segnungen, die dazwischenliegend durch die Kirche zu der Welt kommen mögen, sind nur nebensächlich. Dies ist die Bedeutung der verschiedenen Einladungen, die uns durch die Schriften gegeben werden, wie zum Beispiel die Worte unseres Herrn in unserem Leittext, „Trachtet aber zuerst [hauptsächlich] nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit!” – „Betet aber, dein Reich komme!” „Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben.” „Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen.” „Wenn wir mit ihm leiden, werden wir auch mit ihm herrschen.” usw.

Wir haben an dieser Stelle nicht den Raum, über einen andereren Aspekt der gleichen Königreichsgeschichte zu berichten. Wir wollen nur erwähnen, die die Schriften sehr deutlich ausführen, daß es von dem göttlichen Standpunkt zwei Samen Abrahams gibt, und daß beide Samen gesegnet und benutzt werden sollen, indem sie der Welt im allgemeinen darüber Mitteilung machen. Das geistige Israel hat als der Same Abrahams den höchsten Platz erreicht, aber es gibt noch eine Verheißung, die für das natürliche Israel bestimmt ist, – „Und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.” Aber dies ist der Bund, den ich mit dem Hause Israel machen werde „nach jenen Tagen” spricht Jahwe: „Siehe, Tage kommen, spricht Jahwe, da ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen werde.” Er wird gnädig gegenüber ihrer Ungerechtigkeit sein, und ihrer Sünden und Missetaten wird er nie mehr gedenken. „Und ich werde das steinerne Herz aus ihren Fleische wegnehmen und ihnen ein fleischernes Herz geben.” – Jeremia 31:31 – 33 und Hesekiel 11:19

Der Apostel sagt uns, wann dies in Erfüllung gehen wird; nämlich, sobald das geistige Israel vollendet sein wird, und das natürliche Israel durch das geistige Israel Gnade erlangt haben wird. – Römer 11:25 – 32 Es ist in Übereinstimmung mit dem, was der Apostel uns versichert, daß die Verheißung für beide Samen sicher sein soll: dem, der dem Geist entspricht und dem, der dem Fleisch entspricht. – Römer 4:16 Auf diese zwei Samen Abrahams wurde in des Herrn Verheißung, die über ihn gemacht wurde, deutlich hingewiesen, in welcher er sagte: „Dein Same soll sein wie die Sterne des Himmels [die geistige Klasse, die himmlische, die Kirche] und wie der Sand, [der irdische Same] der am Ufer des Meeres ist”, wobei die Gunst für das natürliche Israel sich allmählich ausbreiten wird und in jene Nation alle übrigen der menschlichen Familie, die Gerechtigkeit lieben, hineingezogen werden sollen, während alle anderen im Zweiten Tod vernichtet werden. – Psalm 67:3 und 4 sowie 37:38

Wie wir nach dem Königreich trachten

Nachdem wir nun vor Augen haben, was das Königreich ist, wertschätzen wir die Tatsache, daß die Kirche in der gegenwärtigen Zeit das Königreich ist, aber ohne Macht und ohne Herrlichkeit – in einem Embryo- oder einem unentwickelten Stadium – in Vorbereitung auf die Herrlichkeiten, die zuletzt offenbart werden sollen. Wir nehmen die Kraft der Erklärung des Apostel Paulus wahr, daß wir durch Glauben wandeln und nicht durch Schauen, und daß die Welt uns nicht kennt. Die Welt kennt die göttliche Absicht nicht, noch erkennt sie die Erben der Verheißung. Wie sie den Herrn Jesus kreuzigte, so dürfen wir uns nicht wundern, daß sie diejenigen haßt, die Seinen Geist besitzen, ebenso wie die Finsternis das Licht haßt. Daher dürfen wir uns nicht wundern, wenn Verfolgung das Los derjenigen ist, die von Gott im Zusammenhang mit seinem Königreich und dessen Vorrechten begünstigt werden sollen. Tatsächlich sind diese bitteren Erfahrungen zu unserer Entwicklung und Vorbereitung auf das Königreich notwendig. So sollen diese Erben des Königreichs durch den Glauben wahrnehmen, daß alle Dinge, die mit ihren Interessen verbunden sind und in allem Zusammenwirken zum Guten unter göttlicher Überwaltung stehen, bei denen, die Gott lieben – bei den nach Seinem Vorsatz Berufenen – Seiner Königreichsklasse. – Römer 8:28 Diejenigen, die nicht bereit sind, nach dem Glauben zu wandeln, diejenigen, die nicht bereit sind, als gute Soldaten Härte zu ertragen, diejenigen, die die Welt lieben und nach deren Ehre und Lob trachten und nicht allein das suchen, was von oben kommt, werden durch diese Hindernisse von den loyalen und treuen Überwindern getrennt sein. Und dies ist der Wille Gottes, daß nur die letzteren für das Königreich geeignet sind.

Nun verstehen wir, warum der Herr von einigen sagte: „Glückselig eure Ohren, daß sie hören”, und andeutete, daß sich zu seiner Zeit viele nicht in dem Zustand befanden, zu sehen oder zu hören, oder in irgendeinem Sinn diese Botschaft des geistigen Königreichs wertzuschätzen, die jetzt verkündigt wird. Und nicht nur dies, aber selbst unter jenen, die hörende Ohren oder sehende Augen des Verständnisses besitzen, die geistige Wahrnehmung des Königreiches, seines Rufes und seiner Bedingungen, gibt es, wie unser Leittext sagt, eine Notwendigkeit nach dem Königreich zu trachten. Es wird nicht jedem anvertraut werden; es ist ein hohes Vorrecht, eine hohe Ehre, und wer auch immer es erlangen wird, muß es wertschätzen. Und wer auch immer nach den gegenwärtigen Bedingungen nach dem Königreich trachten wird, wird erkennen, wie der Meister sagte, daß der Weg eng und schwierig ist.

Andere gegensätzliche Verlockungen

Unser Herr wendet sich nicht an die Welt, nicht an Sünder und nicht an Ungläubige. Die jüdische Nation war eine gläubige Nation, zuletzt nur dem Namen nach, so wie die Christenheit Christus bekennende Gläubige sind. Aber unseres Herrn Botschaft wandte sich nicht nur an die Israeliten, sondern war nur für solche gedacht, die „wahrhaftige Israeliten” waren und ihren Wunsch kundgetan hatten, als seine Jünger in seinen Fußstapfen zu wandeln und Miterben mit ihm in seinem Königreich zu werden. Er richtete die Aufmerksamkeit dieser auf die irdischen Dinge, nach denen die Mehrheit der Menschheit trachtet – was sollen wir essen, was sollen wir trinken, was sollen wir anziehen?

Wir dürfen des Herrn Worte nicht so verstehen, daß sie bedeuten, daß seine Nachfolger leichtsinnig oder sorglos sein sollten, so unaufmerksam gegenüber den Verantwortlichkeiten des Lebens, daß es von anderen abhängt, ob sie Nahrung und Kleidung haben oder sonst nackt und hungrig einhergehen. Es gibt in dieser Angelegenheit zwei Extreme, und unser Herr widersprach der einen, die höchst beschwerlich für seine Nachfolger ist. Der Geist der Welt ist ein Geist der Selbstsucht, welcher alle hellen Geister der Erde dazu antreibt, sich entsprechend den irdischen Normen zu verhalten, sich zu erfreuen und zu leben. Zusammengefaßt sagt unser Herr dazu, daß das, was wir essen werden, was wir trinken werden, womit wir bekleidet sein werden, Dinge sind, nach denen die Nationen trachten – und die ganze Welt trachtet nach irdischen Gütern, aber des Herrn Jünger sollen einen anderen Lauf einschlagen. Indem wir die Einladung zur Miterbschaft an dem Königreich Gottes im Sinn haben, als die größte Möglichkeit, die wir uns vorstellen können, sollen sie diese so wertschätzen, daß alle anderen Interessen und Ambitionen in ihrer Wertschätzung zur Bedeutungslosigkeit herabsinken und vergleichsweise wenig Beachtung bekommen. Unseres Herrn Rat ist daher: „Trachtet aber zuerst [in erster Linie – als dem ersten von vorrangiger Wichtigkeit] nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles [Nahrung, Kleidung, usw.] wird euch hinzugefügt wrden.”

Es sei darauf hingewiesen, daß der Herr nicht sagt, daß seine Nachfolger so viel von diesen zeitlichen guten Dingen haben sollen, wie andere sie haben, sondern er erklärt an anderer Stelle. „Euer Vater weiß, daß ihr all dessen bedürft.” Die Tragweite ist daher für diejenigen, die mit einer völligen Weihung ihre Angelegenheiten und alles, was sie besitzen, gänzlich in die Hände des Herrn gelegt haben, jedes ihrer Talente, jede ihrer Angelegenheiten, und die so danach trachten, Gott zu gefallen und die Königreichserbschaft zu erlangen, die Er verheißen hat – daß Er diesen entsprechend Seiner Weisheit irdische Dinge geben wird – denen, die als Neue Schöpfungen das höchste Maß an Segnungen bringen würden, solchen, die sie am besten vorbereiten und am besten helfen würden, einen Anteil am Königreich zu erlangen.

Was sich an irdischen guten Dingen als ein Hindernis gegenüber dem Hauptziel und Wunsch im Leben dieser Klasse erweisen würde, das sollten sie sich auch nicht selbst bewußt aneignen. Daher sollten sie froh sein, daß ihnen diese Angelegenheit völlig aus den Händen genommen und völlig in die Hände des Herrn gelegt ist. Sie können sich freuen, daß ihre Angelegenheiten weiser und günstiger geordnet sind, als wenn sie unter ihrer eigenen Kontrolle wären. Diese können hinsichtlich all ihrer Angelegenheiten des Lebens freudig beten, „Dein Wille geschehe”. So erkennend und so handelnd und so betend kann diese Klasse sich sogar in Trübsalen freuen, indem sie erkennt, daß Trübsal Erfahrung, Geduld und Hoffnung bewirkt, und sie letztlich nicht beschämt dastehen lassen wird, denn es wird Gottes Methode der Züchtigung und des Polierens zu einer Teilnahme am Königreich sein. – Römer 5:3-5

Trachten nach Seiner Gerechtigkeit

Es ist nicht ausreichend, daß des Herrn Auserwählte nach dem Königreich trachten sollen. Sie könnten wegen seiner in Aussicht gestellten Ehre und Herrlichkeit in einem Maß von Selbstsucht danach trachten. Daher stellt der Herr eine weitere Bedingung, nämlich, daß wir nicht nur nach dem Königreich trachten sollen, sondern auch nach seiner Gerechtigkeit – der Gerechtigkeit, welche das Königreich bringen wird, der Gerechtigkeit, die Gott gutheißen wird. Alle, die für würdig erachtet werden, im Königreich einen Platz einzunehmen, müssen zu der Stellung der vollkommenen Liebe gegenüber Gott und den Menschen heranreifen. Dies ist die göttliche Norm, und nichts weniger wird annehmbar sein. Es bedeutet, daß diese Klasse sich mit ihrem Gott in Harmonie befinden wird, wo auch immer, so daß sie mit aller Ungerechtigkeit und Untugend nicht im Einklang sein wird, was sie selbst und andere betrifft.

Da wir alle in Sünde geboren wurden, da wir alle durch Selbstsucht verunreinigt sind, wenn auch in unterschiedlichem Maß, folgt, daß wir alle einen guten Kampf kämpfen müssen gegen dieses Element unserer menschlichen Natur – daß wir uns als Neue Schöpfungen nicht im Einklang mit einer der gefallenen Neigungen und Tendenzen in uns und in anderen befinden. Es ist ein Werk von Tagen, Monaten und Jahren, diese selbstsüchtigen Neigungen, diese Amalekiter, herauszufinden und zu besiegen, die in unser gefallenes Fleisch Eintritt gefunden haben, und müssen an Stelle von ihnen die liebevollen, großzügigen Impulse und das Bemühen des Geistes der Liebe hervorbringen, welche danach trachten, allen Menschen Gutes zu tun, sowie wir die Gelegenheit haben, besonders gegenüber dem Haushalt des Glaubens. Es bedeutet, daß wir lernen müssen, über keinen Menschen etwas Schlechtes zu sagen und daß wir keine Sympathie für Verleumdung, Lästerung und böse Mutmaßungen haben, sondern uns im Gegenteil über „alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was lobenswert, alles, was wohllautend ist”, freuen. – Philipper 4:8

Das Gesetz absoluter Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit, das Gesetz der Liebe, welches weltweit während des Millenniums eingeführt werden wird, muß sogar schon jetzt unsere Sympathie und Unterstützung finden – in der gegenwärtigen Zeit, in der so viele zu einer kleinen Abweichung von der angemessenden Richtschnur der Reinheit oder Wahrheit oder Ehrenhaftigkeit verführt werden können, wenn sich dies günstig für sie selbst auswirkt, und so ungünstig, wenn dies gegen ihre Interessen ist – in diesen Zeiten, in denen die Erben des Königreichs strikt nach den Gesetzen des Königreichs regiert werden sollen. Sie sollen danach trachten und sich die Prinzipien der Gerechtigkeit aneignen, die sie nach und nach als die Gesetze des Königreichs für die ganze Welt wahrnehmen werden.

Es wird für die Welt viel leichter sein, sich den Gesetzen der Gerechtigkeit nach und nach anzupassen, wenn jede Übertretung sogleich getadelt oder bestraft wird, und wenn jedes gute Wort sogleich belohnt wird. Aber es ist für diese Königreichsklasse jetzt vergleichsweise schwierig nach den entgegengesetzten Richtlinien jener zu denken und zu handeln, die in großem Maße unter ihren Freunden und Nachbarn maßgebend sind. Nach dieser Übereinstimmung mit Gerechtigkeit, Wahrheit und Reinheit muß getrachtet werden, geradeso wie nach dem Königreich getrachtet werden muß, und die geweihten Gläubigen, die das eine finden, finden auch das andere. Einen großen Teil seiner Zeit muß der Christ der Selbstprüfung und dem Selbststudium in Gerechtigkeit widmen, wie auch der gegenseitigen Auferbauung im allerheiligsten Glauben, wobei das göttliche Wort der Gutachter ist.

Diese alle sind wirklich von Gott gelehrt. Sie lernen Ehrenhaftigkeit nicht nur im Umgang mit Geld zu zeigen, sondern auch im Umgang mit Worten und Taten. Darüber hinaus lernen sie Ehrenhaftigkeit in ihren Gedanken zu befolgen, ehrenhaft gegenüber dem Herrn, ehrenhaft gegenüber den Brüdern und ehrenhaft gegenüber sich selbst zu sein. Wenn diese Lektionen gelernt und angewandt werden, können die Schüler in der Schule Christi für ein Erbe im Königreich tauglich gemacht werden.

Die Lektion der Selbstverleugnung

Eine große Schwierigkeit für diese „Erben der Errettung”, „Erben des Königreichs”, „Erben der Herrlichkeit” liegt in ihrer Unfähigkeit die Wichtigkeit die kleinen Dinge in unserem Leben und die kleinen Dinge in unseren Gedanken richtig wertzuschätzen. Viele, die den Mut haben würden, in der Verteidigung einiger Prinzipien der Gerechtigkeit und Wahrheit bis zu dem Schandpfahl zu gehen, finden es schwierig „sich selbst zu prüfen”, und, wie der Apostel zu verstehen gibt, schließlich sogar die Gedanken ihrer Herzen dem Willen Gottes zu unterwerfen, wie es in Christus zum Ausdruck kommt. Unseres Herrn Worte aber sind: „Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem [was größer ist] treu.” Daher sollten wir im Sinn haben, daß der Herr uns nach der Richtlinie der kleinen Dinge unterweisen will; und in unserem Bemühen sollten wir in all den nichtigen Angelegenheiten des Lebens den Geist Christi, den Geist der Demut, Sanftmut, Geduld, Langmut, brüderlichen Liebe und Liebe pflegen und ausüben, daß diese Dinge, wenn sie in uns sind, und zwar reichlich, sie uns einen reichlichen Eintritt in das ewige Königreich unseres Herrn und Heilandes, Jesus Christus, gewähren werden.

Ein wichtiger Charakterzug der Lehren in der Schule Christi ist die Notwendigkeit der Selbstverleugnung. Die Zurückweisung von Sünde und sündiger Worte, Taten und Gedanken ist eine Angelegenheit, die schwierig genug ist, aber der Herr ruft seine Nachfolger dazu auf sie zurückzuweisen und gegen diese anzukämpfen. Sie müssen lernen, gut ausgeprägte Charaktere zu werden, Kopien von Gottes liebem Sohn. Sie müssen Selbstverleugnung lernen. Unser Meister als der große König und unser Bräutigam lernte Gehorsam durch seine Selbstverleugnungen. Und diese waren nicht entlang der Richtung sündiger Dinge; denn in ihm war keine Sünde. Seine besonderen Trübsale entstanden durch Selbstverleugnungen, Selbstaufopferung im Interesse von und durch die Unterstützung von Gerechtigkeit und der Segnung anderer. So entwickelte und offenbarte er den Geist, über den der Vater sich freut ihn im Königreich zu belohnen.

Alle, die für würdig erachtet werden sollen, Könige und Priester Gottes in jenem himmlischen Königreich zu sein, müssen jetzt gegenüber der göttlichen Wiedergutmachung ihren Willen bekunden, ihre eigenen persönlichen Interessen und Rechte zugunsten des Königreichs und des Vaters Willen und der Segnung jener zu opfern, die der Vater bestimmt hat, mit dem Königreich gesegnet zu werden. Wer auch immer sein Kreuz der Selbstverleugnung aufzunehmen verwirft und sich selbst zu verleugnen, kann nicht lange einer der Jünger des Herrn sein. Er wird von dem Weg abgleiten, denn letztlich werden nur diejenigen die Glieder der Königsreichsklasse sein, die dies alles für eine Freude ansehen, um das Königreich zu erlangen und die Gunst Gottes und das große Vorrecht mit Jesus vereint zu sein in dem großen Werk der Segnung der Welt um jeden Preis, auch den jeder Selbstverleugnung. Wir wollen diesem Geist unseres Erlösers zunehmend nachstreben, der sich selbt zu nichts machte, damit er die Werke Gottes bewirken konnte, der ihn sandte. So werden auch wir eines Anteils mit ihm am Königreich und seinen herrlichen Gelegenheiten für würdig befunden werden.

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