Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Jüngerschaft auf die Probe gestellt – Lukas 9:57 – 62

Die in diesen Versen berichteten Zwischenfälle ereigneten sich, als unser Herr zum letzten Mal in südlicher Richtung von Galiläa nach Judäa ging. Früher war Jesus, nachdem er mit dem samaritischen Weibe zusammengetroffen war, von den Samaritern freudig aufgenommen worden als er die Stadt Sichar besuchte. – Johannes 4:39 – 42 Aber bei dieser späteren Gelegenheit nahmen sie ihn nicht auf. „Weil sein Gesicht nach Jerusalem hin gerichtet war.” – Lukas 9:53

Zweifellos werden sie eingewendet haben: Warum nach Jerusalem hinaufgehen, dem religiösen Mittelpunkt jüdischer Anbetung? Hat nicht Gerisim mit seinem natürlichen Heiligtum und Altar, wo Josua den Segen über die Stämme aussprach, ebenso viel Anspruch darauf, der Mittelpunkt religiöser Anbetung zu sein, wie Jerusalem? 5. Mose 27:1 -12, Josua 8:30 – 35 Die Samariter nahmen diesmal Jesus nicht auf, weshalb „sie nach einem anderen Dorf gingen”.

Ein Angebot zum Dienst

Der Bericht sagt uns, daß nachdem sie ihre Reise nach Jerusalem wieder aufgenommen hatten – wahrscheinlich am folgenden Morgen – einer der Begleiter zu Jesus sagte: „Ich will dir nachfolgen wohin irgend du gehst.” Aus der Antwort des Meisters scheint hervorzugehen, daß er sah, daß dieser angebliche Jünger mehr versprach, als er zu halten imstande war. Er sagte daher im wesentlichen zu ihm: „Erkennst du, daß mein Jünger zu werden bedeutet, dir viele irdische Rechte, Vorrechte und Bequemlichkeiten zu versagen, viele Dinge, die dich „einheimisch im Leibe” fühlen lassen und dich mit dem jetzigen Leben und seinen Einrichtungen zufrieden stellen? „Die Füchse und die Vögel des Himmels haben ein ständiges Heim, das sie ihr eigen nennen können, aber der Meister hat nirgends etwas, was er sein Heim nennen könnte, in das er sich zu jeder Zeit zurückziehen kann, um Ruhe und Erholung zu haben.” Wahrscheinlich werden nur die absolut Aufrichtigen angezogen werden, um einem Führer unter solchen Umständen zu folgen. Wie viele würden unter denen, welche Jesus als den von Gott gesandten Erlöser erkannten und das Wort des ewigen Lebens gehört hatten, bereit gewesen sein, sich seinem Dienste zu weihen, wenn Vorsorge für ihre irdischen Bequemlichkeiten einschließlich eines sehr guten Einkommens und eines Heimes garantiert werden könnte, zusammen mit einem ansehnlichen Maß von Ehre und Achtung bei ihren Mitmenschen!

Aber der Weg, den unser Meister ging, brachte ihm diese Segnungen nicht – nicht einmal ein kleines Maß irdischen Reichtums oder irdischer Ehre. Sein Pfad war wahrlich ein solcher der Leiden und des Opfers, des Mißverstandenwerdens und des Widerstandes, und Jesus machte dies solchen ganz klar, die ihr Leben Gott durch ihn weihen wollten. „Wenn jemand mir nachkommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach.” – Lukas 9:23

Wie wichtig ist es daher, daß, bevor wir entscheiden, Jünger des Herrn Jesus zu werden, wir die Prüfungen und Schwierigkeiten des Weges in Betracht zu ziehen suchen – zuerst die Kosten zu überschlagen.

Einladung zur Jüngerschaft

Zu einem anderen, der sehr wahrscheinlich gerade gehört hatte, was der Meister von einigen der Selbstverleugnungen beim Wandeln auf dem schmalen Wege gesagt hatte, sprach Jesus: „Folge mir nach.” Dieser antwortete: „Herr erlaube mir, zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben.” – Vers 59 Wir können natürlich nicht annehmen, daß unser Herr eine solche Einladung in wenigen Worten so wahllos und schnell an jemand ergehen läßt, der soeben erst herzugekommen und erst ein wenig von den Lehren des Herrn gehört hatte.

Die weltlich Gesinnten werden nicht berufen Jesus auf dem Wege des Opferns zu folgen, bis eine Änderung des Herzens und des Sinnes stattgefunden hat. Zuerst werden sie zur Buße gerufen. – Apostelgeschichte 17:30 Diejenigen, welche ihr vergangenes Leben der Entfremdung von Gott bereuen und den Willen Gottes klarer zu erkennen suchen, werden durch das Wort der Wahrheit zum Herrn gezogen. Sie erkennen, daß sie in ihrer eigenen Gerechtigkeit Gott nicht annehmbar sein können. Aber sie erkennen auch, daß die Gerechtigkeit Christi vorgesehen worden ist, um ihre Unvollkommenheit zu bedecken; deshalb stellen sie sich in völliger Weihung Gott dar, im Glauben erfassend, daß durch Christus ihr Opfer heilig und Gott annehmbar ist.

Daß dieser Mensch kein zufälliger Hörer war, ersehen wir aus dem Bericht, daß er viel von dem verstand, was der Herr gelehrt hatte, denn er wird aufgefordert: „Gehe hin und verkündige das Reich Gottes.” Wenn wir die frohe Botschaft anderen verkündigen sollen, müssen wir sicherlich selbst ein gutes Verständnis von der Botschaft der Errettung haben.

Dieser, so scheint es, war mehr bereit im Dienste des Herrn gebraucht zu werden als der Mensch, der vorher sich erbot, sein Jünger zu werden. Er hatte etwas Verständnis und war dem Zustand der völligen Weihung etwas näher. Es war eine Bereitwilligkeit vorhanden sich dem Dienste des Herrn zu weihen, was es auch kosten mag. Etwas stand ihm jedoch im Wege und erwiderte: „Erlaube mir zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben.”

Verschiedene Ausleger haben den Schluß gezogen, daß der in Rede stehende Vater noch nicht tot war, und daß sein Sohn, der angebliche Jünger wünschte, die Teilung seines Schicksals mit dem Meister zu verschieben bis sein Vater gestorben wäre, und er seinen Besitz erhalten hätte. Wir können auch nicht einen Augenblick annehmen, daß unser Herr nicht wollte oder andeutete, daß sein voraussichtlicher Nachfolger nicht zur Beerdigung gehen sollte. Zweifellos forderte Jesus ihn auf etwas zu tun, was für ihn eine wirkliche Selbstverleugnung sein würde, und wir werden hier an unseres Herrn Worte an Petrus erinnert: „Liebst du mich mehr als diese?” – Diese Fischerboote, Netze und irdischen Interessen. – Johannes 21:15

Aller Wahrscheinlichkeit nach wußte unser Herr etwas über die irdischen Verwandten dieses angeblichen Jüngers, und daß es andere Familienglieder gab, die wohl nach den Interessen des alten Vaters sehen konnten, der keine Wertschätzung hatte für die große Wahrheit, daß der Messias gekommen war und einige einlud alles zu verlassen und ihm zu folgen, und daß sie als Belohnung dafür mit ihm in seinem himmlischen Königreich sein sollten. Die Antwort die Jesus ihm gab, zeigt uns die Bedeutung, die er jedem Dienst, den wir Gottes großer Sache leisten können, beimißt, denn er sagte: „Laß die Toten (die Ungläubigen, die mit dem Lebengeber keine Verbindung haben) ihre Toten begraben, du aber gehe hin und verkündige das Reich Gottes.”

Ist es nicht Zeit, aufzuwachen?

Vom göttlichen Standpunkt aus ist die Welt bereits tot. Das über Adam gekommene Todesurteil schloß alle seine Kinder ein. Die einzigen, die der Heiligen Schrift gemäß in der jetzigen Zeit irgendwelches Leben besitzen sind diejenigen, die mit Jesus, dem Lebengeber, verwandt werden. Der Meister gibt zu verstehen, daß alle solche sich in ihrer Lebensanschauung von anderen unterscheiden sollten. Es gibt viele in der Welt, welche die irdischen Dinge betreiben, aber wenige die sich dem größeren und wichtigeren Werk der Verkündigung des Königreiches und der Sammlung der Königreichsklasse widmen.

Dies ist das wichtigste Werk, weil es Gottes Werk ist. Und solche, die daran teilnehmen, sind Mitarbeiter Gottes. Beachten wir nochmals, daß es sich um das Reich oder Königreich Gottes handelte, das dieses Verkündigen und dieses Opfer wert war. Wie merkwürdig ist es, daß heute so wenig Verkündigen in dieser Richtung geschieht! Ist es nicht Zeit für alle ernsten Christen sich bewußt zu werden des großen Vorrechts der Verkündigung derselben Botschaft, die der Meister und die erwählten Apostel verkündigten?

Es gibt viele notwendige Dinge, die für die Wohlfahrt und Behaglichkeit der Menschheit getan werden müssen, ob für die Menschen persönlich oder für die Allgemeinheit. Dies aber kann sehr wohl von guten und wohlmeinenden Weltmenschen getan werden, die nicht bevorrechtet worden sind, die Wahrheit und die himmlische Berufung zu erkennen. Die Lektion ist hier: Laßt diese die notwendigen und wichtigen Pflichten auf dem Wege sozialer und politischer Reformen, moralischer Aufrüstung usw. durchführen, „du aber geh’ hin und verkündige das Reich Gottes.” Die Nachfolger des Herrn haben dieses wichtigere Werk zu tun.

Der Herr war bei seinem ersten Advent tatkräftig in der Verkündigung der guten Botschaft vom Königreich. „Und Jesus zog umher durch alle Städte und Dörfer und lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium des Reiches.” – Matthäus 9:35, Jesaja 61:1 Er war gesalbt worden, um gerade dieses Werk zu tun, und er hält seinen angeblichen Nachfolgern das Vorrecht vor Augen, an dem selben Werk teilzunehmen, das er selbst ausführte.

Ein weiteres Angebot zum Dienst

Ein anderer, der gehört und scheinbar von den wunderbaren Worten des Lebens getrunken hatte und veranlaßt wurde, sein Los mit dem des Meisters zu teilen, stellte eine Bedingung: „Ich will dir nachfolgen, Herr; zuvor aber erlaube mir Abschied zu nehmen von denen, die in meinem Hause sind.”

Auch hier sollte beachtet werden, daß der Meister sicherlich nicht so unbillig gewesen sein würde anzudeuten, daß dieser Mensch nicht von seiner Familie Abschied nehmen und ihr sagen sollte, was er zu tun beabsichtigte. Jesus wußte wahrscheinlich, wie sie die Unbeliebtheit der Botschaft betonen und ihre Wahrheit bezweifeln würden. Sie würden zweifellos auch wissen wollen wie seine Ausgaben gedeckt werden, und würden dem großen Bedauern Ausdruck geben, daß er sowohl seinen jetzigen Beruf im Leben als auch sein häusliches Glück, das er hat, aufgibt.

Die Warnung des Meisters an ihn: „Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist geschickt zum Reiche Gottes”, scheint seine Voraussicht anzudeuten, welchen Einfluß einige der Argumente der Familie auf den voraussichtlichen Jünger haben würden und für ihn eine Gefahr darstellten, auf einige der angenehmen Dinge zurückzublicken, die er dahinten lassen will. Und nicht nur das, sondern er würde vielleicht zu ihnen zurückkehren.

In ähnlicher Weise verringert bei einem Wettlauf jedes Zurückblicken notwendigerweise die Geschwindigkeit des Läufers. Dies trifft auch auf den uns vorgehaltenen Wettlauf im Evangelium zu. Wenn wir auf die hinter uns liegenden Dinge – die fleischliche Hoffnungen und Ziele mit den vielen Annehmlichkeiten des jetzigen Lebens, die oft nur auf Kosten der Himmlischen Vorrechte und Segnungen erlangt werden können – seufzend zurückblicken, so wird dies sicherlich eine Verlangsamung des Laufes nach dem Himmlischen Preis bedeuten.

Pflügen erfordert, daß das Auge sich ständig auf die Furche richtet und die Kräfte sich auf das konzentrieren, was wir begonnen haben. Nur auf diese Weise kann das Werk der Gnade in uns ständig fortschreiten, damit wir zur bestimmten Zeit passend sein möchten für das Königreich, fähig gemacht „zu dem Anteil am Erbe der Heiligen in dem Lichte.” – Kolosser 1:12

Wir müssen völlig erfüllt sein mit einem Eifer für Gott und für Gerechtigkeit, müssen ein angemessenes Verständnis erlangen für die guten Dinge, die Gott für die Treuen in Bereitschaft hat, und müssen eine Wertschätzung haben für die Königreichs-Vorrechte, andernfalls wir nicht beharrlich oder eifrig genug sein werden, um „den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen”, und den Geist der Welt mit des Herrn gnädigem Beistand zu überwinden. Es erfordert diese Eigenschaften des Herzens, außer der Gnade, Barmherzigkeit und Kraft, die der Herr verheißen hat, uns zu befähigen, unser Kreuz täglich aufzunehmen und dem Herrn auf dem schmalen Wege der Selbstaufopferung zu folgen.

Es war nicht nur Güte auf Seiten des Herrn, die Bedingungen des Opfers klar und deutlich zu machen, sondern es war auch vernünftig, daß er nicht irgend jemand dazu verleitete, einen solchen Weg entgegen den wahren Gefühlen seines Herzens einzuschlagen. Es war durchaus richtig, daß er die Sache so darlegte, wie er es tat. Und wir als seine Nachfolger und Mundstücke sollten einander und allen, welche seine Jünger zu werden beabsichtigen, die Sache in der gleichen klaren Weise darlegen.

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