Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Frage Q723:1 (Dasselbe reden)

Lesedauer: 2 Minuten

Frage von 1902: „Es wird gebeten, die folgenden zwei Schriftstellen in Einklang zu bringen: „Ich ermahne euch aber, Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus, daß ihr alle dasselbe redet.” – 1. Korinther 1:10 und: „Denn es müssen auch Parteiungen unter euch sein, auf daß die Bewährten unter euch offenbar werden.” – 1. Korinther 11:19“

Antwort:

„Ich meine, in der ersten Stelle spricht der Apostel vom Idealzustand, für den wir kämpfen sollen, daß nämlich alle Treuen vom Volk des Herrn versuchen sollten, sich Christi Gesinnung zu erarbeiten. Wir sollen wissen, daß die niedergeschriebenen Gedanken einander nicht widersprechen. Wenn z. B. Brüder unterschiedliche Theorien haben, läuft etwas falsch, und mit etwas Falschem sollten wir nicht zufrieden sein. Es gibt nur einen richtigen Weg, und wir sollten um diesen Weg besorgt sein. Wenn wir alle Christi Gesinnung haben, ist dies für alle die gleiche Gesinnung. Und da Gott uns Sein Wort gegeben hat, geschah dies in dieser Absicht und dazu, daß jeder seine persönlichen Ansichten beiseite legt, sowie allerlei Besonderheiten und Neigungen des Denkens; jeder sollte diese Dinge weglassen und die Schrift hernehmen. Wenn man in einem Saal voll Leute die verschiedenen Köpfe anschaut, wird man auf viele verschiedene Denkweisen und Charaktere schließen, und man wird sagen, daß diese Leute zu irgend einem Thema unmöglich einer Meinung sein können. Dennoch wissen wir, daß wir alle in Gesinnung und Herzensneigung eines Sinnes sein können, denn, wie auch immer die Denkvorgänge im Gehirn des einzelnen ablaufen, hat doch jeder anerkannt, daß er über die Dinge der Wahrheit nichts und der Herr alles weiß, und wir greifen zu Seinem Wort. Jeder Bruder hat, genauso wie ich, dies für sich so gesehen. Auf dieser gemeinsamen Basis versammeln wir uns und studieren gemeinsam, und so sollten wir imstande sein, durch des Herrn Gnade, das Richtige zu tun. Das Denkvermögen jedes einzelnen von uns wird einen vernünftigen Einklang mit Gottes Wort herstellen können. Dies ist für alle wichtig, die kämpfen, bis ihr Leben zu Ende ist.

Wiederum ist es möglich, ja durchaus wahrscheinlich, daß im Volk des Herrn „reißende Wölfe” – Apostelgeschichte 20:29 – auftreten und es selbst dort bewerkstelligen, Geschwister hinter sich herzuziehen, die – wohl wie die „Wölfe” – geltungssüchtig und ehrgeizig sind. Wenn dem so ist, was steht uns dann bevor? Kann man unter diesen Bedingungen eines Sinnes, eines Herzens, einer Denkrichtung sein? Nein. Dann muß die Sache in Ordnung gebracht werden entweder durch eine Trennung oder durch eine klare Darstellung der falschen Lehren. Trennung wird ggf. stattfinden, denn es ist besser, daß Irrlehrer die Gemeinschaft verlassen.

In diesem Sinn sind die beiden Schriftstellen zu verstehen: Die eine zeigt den Idealzustand, und die andere zeigt die Anwendung in der Praxis. Manchmal stellen sich solche Dinge ein, und es ist Gottes Wille, daß daran gearbeitet wird und sich auch einmal eine allmähliche Trennung ergibt, damit die Wahrheitsinhalte, die lauter und dem Herrn gegenüber von Loyalität geprägt sind und von Ihm gutgeheißen werden, offenbar werden und von Falschem unterschieden werden können.”

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