Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Vergiß nicht, was Gott an dir getan hat

Mit einem Rückblick auf die Wanderung Israels in der Wüste ermahnt Mose kurz vor seinem Tod Sein Volk zur Bündnistreue mit ihrem Gott und führt ihnen noch einmal vor Augen, daß Leben und Tod von ihrem Gehorsam gegenüber dem Gesetz abhängen. – 5. Mose 30:15

Mose hält Rückschau auf die vierzig Jahre in der Wüste und erinnert das Volk daran, wie es aus der Knechtschaft Ägyptens befreit worden ist, und wie Gott sie unter großen Wundern von der Unterdrückung durch den Pharao und die Ägypter befreit hat, und wie der Ewige Seinen Bund mit ihnen geschlossen hat. Er ruft ihnen ins Gedächtnis zurück, daß Gott sie in den vierzig Jahren der Wüstenwanderung mit Manna speiste, und daß es ihnen nicht an Wasser fehlte, um ihren Durst zu stillen, daß ihre Kleidung nicht verschlissen und ihre Füße nicht geschwollen waren in diesen vierzig Jahren. – 5. Mose 8:3 und 4

Mose, der das stets murrende Volk vierzig Jahre durch die Wüste geführt hat, weiß aus Erfahrung, wie schnell das Bundesvolk bereit ist ihren Gott zu vergessen und anderen Göttern nachzugehen, und so gibt er ihnen folgende Warnungen mit auf den Weg: „So hüte dich, das du den Herrn ja nicht vergißt, der dich herausgeführt hat aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus … .” – 5 .Mose 6:12

„Hütet euch, daß ihr ja nicht den Bund des Herrn, eures Gottes vergeßt, den er mit euch geschlossen hat … .” – 5. Mose 4:23

„Hüte dich, daß du den Herrn deinen Gott ja nicht vergißt, indem du seine Gebote und seine Rechtsbestimmungen und seine Ordnungen, die ich dir heute gebe, nicht hältst …, daß nicht, wenn du ißt und satt wirst und schöne Häuser baust und bewohnst und deine Rinder und deine Schafe sich vermehren und dein Silber und Gold sich mehren und alles, was du hast, sich mehrt, (daß dann nicht) dein Herz sich erhebt und du den Herrn, deinen Gott, vergißt, der dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus herausführte.“ – 5. Mose 8:11 – 14

„Nun hüte dich und deine Seele sehr, daß du die Dinge nicht vergißt, die deine Augen gesehen haben, daß sie nicht aus deinem Herzen schwinden alle Tage deines Lebens, und tue sie deinen Kindern und Kindeskindern kund.” – 5. Mose 4:9

Mose richtet vorausschauend diese dringenden Warnungen an sein Volk, daß sie Gott als „ihren Herrn, der sie aus Ägypten geführt hat” nicht vergessen sollten, daß sie „den Bund des Herrn” nicht vergessen, sondern Seine Gebote, Rechtsbestimmungen und Ordnungen stets halten sollten, und daß „die wunderbaren Dinge, die ihre Augen gesehen hatten” nicht aus ihren Herzen schwinden sollten, alle Tage ihres Lebens.

„Und als Mose alle diese Worte zu ganz Israel zu Ende geredet hatte, da sagte er zu ihnen: Richtet euer Herz auf all die Worte, die ich euch heute bezeuge…denn nicht ein leeres Wort ist es für euch, sondern es ist euer Leben.” – 5. Mose 32:45 und 46

Wie es scheint, gab es für Mose genug Veranlassung dazu, sie darauf besonders hinzuweisen, ihr ganzes Herz auf all die Worte Gottes zu richten, und es zeigt das grundsätzliche Problem, daß Israel schnell bereit war, zu vergessen, was Gott alles für sie getan hatte. Wir möchten ihnen jedoch zugestehen, daß sie es ernst meinten, als sie den Bund mit ihrem Gott mit den Worten bestätigten: „Alles was der Herr geredet hat wollen wir tun!”

Wie Israel seinen Gott vergaß

Im weiteren Verlauf der Geschichte Israels zeigt es sich, daß ihre Zusage sich mehr oder weniger als ein Lippenbekenntnis erwies. Unser Herr macht dies auch deutlich, indem er den Propheten Jesaja zitiert: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir…” – Matthäus 15:8 Israel „vergaß” seinen Gott, der sie aus Ägyten geführt hatte. Fragen wir uns, wie es dazu kommen konnte?

Nicht, daß Israel seinen Gott von heute auf morgen vergaß und nichts mehr von Ihm wissen wollte; aber sie erlaubten es, daß auch anderen Göttern von Holz und Stein neben dem wahren lebendigen Gott Anbetung dargebracht wurde.

Nicht, daß sie die Wunder und Demonstrationen der göttlichen Macht vergaßen, die sie selbst miterlebt hatten, und die Wunder, von denen ihre Väter berichteten; aber sie „vergaßen” ihren Gott, indem sie ihr Versprechen vergaßen, alle diese Dinge alle Tage ihres Lebens in ihrem Herzen zu tragen und zu tun.

Im Psalm 50 spricht der ewige Gott: „Nicht wegen deiner Schlachtopfer tadle ich dich, auch deine Brandopfer sind beständig vor mir.” An der Einhaltung der vorgeschriebenen vorbildlichen Opfer gab es nichts zu tadeln, aber die nicht vorgeschriebenen aus einem Herzensbedürfnis kommenden Dankopfer für alle Segnungen und Vorrechte, die sie besaßen, die kamen zu kurz oder blieben aus.

Die wechselvolle Geschichte Israels zeigt uns, daß sich das Volk Israel immer dann an seinen Gott erinnerte, wenn es in Not war und Ihn ebenso schnell vergaß, wenn es ihnen gut ging. Wir preisen die göttliche Langmut, und die Bereitschaft sich Seines auserwälten Volkes immer wieder zu erbarmen, wenn es reuevoll nach Ihm schrie. Ja, Gott ist reich an Vergebung!

Was es bedeutet, Gott zu vergessen

„Gott zu vergessen” bedeutet nicht, daß wir uns nicht mehr daran erinnern, daß ein allmächtiger und barmherziger Gott existiert. „Gott zu vergessen” beginnt damit, daß der Himmlische Vater nicht mehr den ersten Platz in unseren Herzensempfindungen einnimmt, daß die erste Liebe erkaltet. Es beginnt damit, daß wir nicht mehr das starke Bedürfnis empfinden, Seinen Namen zu verherrlichen und Ihm zu aller Zeit und bei allen Gelegenheiten von Herzen Dank zu sagen und, daß wir es versäumen, Ihn zu bitten, daß Sein Wille in allen Angelegenheiten unseres Lebens geschehen möge.

Wenn wir die Ermahnungen im einzelnen untersuchen, die Mose an sein Volk richtet, kurz bevor sie das verheißene Land Kanaan betreten werden, so können wir feststellen, daß sie alle in Bezug auf das Bündnis vom Sinai gesprochen sind, daß Israel zum Eigentumsvolk machte. Wir bemerken auch, daß Mose den Allmächtigen Gott in einem engen Zusammenhang zu dem Auszug aus der Knechtschaft Ägyptens erwähnt. Der Herr, der euch aus Ägypten herausgeführt hat, den sollt ihr nicht vergessen…! Israel sollte ein Volk zur Verherrlichung des Namens des ewigen Gottes sein, der sein Volk aus der Knechtschaft Ägyptens gerettet hatte.

Bedeutet dies, daß diese Ermahnungen, die Mose an das auserwählte Volk Israel richtet, nur das vorbildliche Bundesvolk Israel betreffen? Bedeutet es, daß nur das Israel nach dem Fleische angesprochen ist, das als Bündnisvolk in der Gefahr stand, Gott als seinen „Erretter aus der Knechtschaft Ägyptens” zu vergessen?

Wir denken, daß dem nicht so ist, denn zu deutlich zeigen uns die Apostel, daß „alles, was früher (das heißt im Alten Testament) geschrieben ist, auch zu unserer Belehrung und Ermahnung geschrieben wurde”. – Römer 15:4

Wir danken Gott, daß Er uns als geistige Israeliten ansieht, als ein besonderes Volk, das zur Verherrlichung Seines heiligen Namens gerufen ist, daß Er noch immer aus vielen Nationen sammelt. Hat uns Gott nicht auf wunderbare Weise aus der Welt, dem gegenbildlichen Ägypten, herausgeführt? Speist Er uns nicht täglich mit dem geistigen „himmlischen Manna” und dem Wasser der Wahrheit? Wir können bezeugen, daß es sich so verhält.

So ist auch dies zu unserer Ermahnung geschrieben, daß wir unseren Gott nicht vergessen und den Opferbund, den Er mit uns geschlossen hat. Das vorbildliche Israel konnte den Gesetzesbund nicht halten, weil die Gesetze der Tafeln nicht ihre Herzen erreichten. Der Prophet Jeremia sagte über Israel: „Aber mein Volk hat mich vergessen. Den nichtigen Götzen bringen sie Opfer dar.” – Jeremia 18:15

Was Israels Untreue bewirkte

Wir alle wissen, was diese Untreue nach sich zog. Als das ursprüngliche Bundesvolk den ihnen von Gott gesandten Messias verwarf, wurde es als Volk zum Besitztum verworfen und der Ewige begann damit, in dem nun anbrechenden Evangeliumzeitalter ein besonderes Volk aus allen Nationen zu sammeln, „ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum”.- 1. Petrus 2:9

Gott beruft aus der Welt, dem gegenbildlichen „Ägypten”, Menschen, die bereit sind den allgemeinen Wünschen und Bestrebungen dieser Welt zu entsagen und dem gegenbildlichen größeren Mose, Jesus Christus, nachzufolgen bis in den Tod.

Wir haben auf diesen Ruf geantwortet, nachdem wir den gerechten und liebevollen Gott in Seinem Liebesratschluß mit dem Menschen erkennen durften. Einem solchen Gott wollten wir uns von Herzen unterstellen und Seinen heiligen Willen in allem tun.

So sind wir in einen Bund mit Gott eingetreten, um unsere menschlichen Interessen und Wünsche, ja selbst unser Leben, zu opfern und dem Herrn Jesu treu zu folgen bis in den Tod. Die Belohnung, die uns für unsere Treue in Aussicht gestellt wird, ist unermeßlich. Wenn wir treu sind bis in den Tod, werden wir mit dem Herrn Unsterblichkeit erlangen und mit ihm für tausend Jahre als Könige und Priester in seinem Königreich herrschen. – Offenbarung 20:6

Entsprechend der hohen Belohnung sind die Anforderungen, die der Herr an uns stellt, nicht einfach zu erfüllen. Wir stehen in einem ständigen Kampf, den der Geist gegen das Fleisch kämpft. Es stehen fleischliche gegen geistige Interessen. Als Neue Schöpfungen sind wir bestrebt, nach dem Geist zu wandeln und Gottes Willen zu tun, und der Geist ist auch willig – aber das Fleisch ist schwach. Wir alle bedürfen der ständigen Ermahnung und Ermunterung, daß wir in diesem Kampf nicht ermatten. Wir bedürfen der Ermahnung, daß wir unsere fleischlichen Interessen und Wünsche gekreuzigt halten, daß wir wachen und beten, damit wir nicht auf irgendeine Weise unseren Weihe-Bund vergessen, was bedeuten würde, Gott zu vergessen.

Unser Kampf ist gegen drei Feinde gerichtet, gegen unsere fleischliche Schwäche, gegen die Einflüsse der Welt und gegen den Widersacher. Es ist dabei nicht verwunderlich, daß der Widersacher weltliche Einflüsse und unsere eigenen Schwächen gegen uns benutzt. Es ist sein Ziel, uns von unserem Opferweg abzubringen. Dabei ist es für ihn schon ein Erfolg, wenn er uns dazu verleiten kann, im Eifer nachzulassen oder gar halbherzig zu handeln.

Für uns würde eine solch gefährliche Nachlässigkeit bedeuten, daß wir uns in einen Prozeß des Vergessens begeben haben. Es verhält sich dabei wie mit einem Boot, daß gegen den Strom gerudert wird. Sobald wir das Rudern gegen den Strom einstellen und untätig ausruhen, dreht sich das Boot in seine alte Richtung zurück.

Die Schriften zeigen uns, daß der Widersacher als derjenige, der sich dem Höchsten gleichmachen wollte, ein brennendes Interesse daran zeigt, Gottes Heiligen Namen bei Seinem Volk in Vergessenheit zu bringen. Und um dieses Ziel zu erreichen, bedient er sich menschlicher Werkzeuge, die als Mundstücke für ihn sprechen.

So spricht die Bibel von wahren Propheten, die Gott mit einer Botschaft zu Seinem Volk sandte und von solchen, die vorgaben, in Seinem Auftrag zu sprechen, die jedoch in Wahrheit falsche Propheten waren, die ihre eigenen Träume und Lügen verbreiteten.

Wie Gottes Name bei Seinem Volk in Vergessenheit gebracht wurde

In Jeremia 23:25 und 27 spricht der Prophet im Auftrag Gottes: „Ich habe gehört, was die Propheten sagen, die in meinem Namen Lüge weissagen und sprechen: Mir träumte, mir träumte! … beabsichtigen sie (etwa), meinen Namen bei meinem Volk in Vergessenheit zu bringen durch ihre Träume, die sie einer dem anderen erzählen, so wie ihre Väter meinen Namen über den Baal vergaßen?”

Auch unsere heutige Zeit hat ihre Propheten. Wir können als solche sowohl Lehrer und Professoren kirchlicher Akademien und Institutionen bezeichnen, als auch Theologen, Bibelkritiker und Wissenschaftler. Sie alle haben den wahren Namen Gottes bei Seinem Volk in Vergessenheit gebracht, indem sie Gottes Charakter falsch und entstellt darstellten, so daß niemand in der Namenchristenheit den wahren Gott der Bibel kennt.

Diese Propheten predigen zumeist einen gnadenlosen und unbarmherzigen Gott, der mitleidlos Seine Geschöpfe auf ewig in einer Feuerhölle quält. Kein Wunder, daß ein solcher Gott nicht in den Herzen der Menschen Einlaß finden kann. Hier finden die Worte Jeremias auf ihre ganz besondere Weise ihre Bestätigung, wenn er feststellt: „Wie könnt ihr sagen: Wir sind weise, und das Gesetz des HERRN ist bei uns? In der Tat! Siehe, zur Lüge hat es der Lügengriffel der Schriftgelehrten gemacht.” – Jeremia 8:8

Wir wissen jedoch, daß dieses verzerrte Gottesbild nicht mit dem barmherzigen Gott der Bibel in Einklang zu bringen ist. Dies ist nicht der Gott der Liebe und Gerechtigkeit, den die Apostel und Evangelisten predigten. Es ist nicht die Identität des göttlichen Namens, wie er Mose am Berg Sinai kundgetan wird, als er den Ewigen „sehen” wollte.

„Jahwe, Jahwe, Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade und Treue, der Gnade bewahrt an Tausenden (von Generationen), der Schuld, Vergehen und Sünde vergibt, aber keineswegs ungestraft läßt… .” – 2. Mose 34:5

Dies ist der Gott der Bibel, wie wir Ihn aus den Schriften kennen: barmherzig und gnädig und reich an Gnade und Treue, ein gerechter Gott, der den Ungehorsam nicht ungestraft läßt und ein liebender und vergebender Gott, der Schuld, Vergehen und Sünde vergibt.

Der Widersacher hat es verstanden menschliche Werkzeuge für seine Pläne zu nutzen, und so sind gerade diejenigen, die Gottes Liebe und Barmherzigkeit verkünden sollten, die namenchristliche Priesterschaft und ihre Mitarbeiter, zu Feinden der göttlichen Wahrheit geworden, indem sie Gottes wahren Namen und Charakter bei Seinem Volk in Vergessenheit gebracht haben. Menschliche Theorien und Ideen haben andere moderne Götter hervorgebracht, die den wahren Gott aus den Gedanken der Menschen verdrängt haben.

In der katholischen Kirche nimmt zum Beispiel Maria, als sogenannte „Mutter Gottes”, den höchsten Platz in der Anbetung ein. Alle Gebete und Bitten um Hilfe werden zunächst an Maria gerichtet und nicht direkt an den Herrn Jesus, so auch daß sie zu einer Fürsprecherin vor Gott gemacht wurde, obgleich die Schrift uns sagt, daß „kein anderer Name unter dem Himmel dem Menschen gegeben ist, in dem wir errettet werden können”, als unser Herr Jesus. – Apostelgeschichte 3:12

Wer das einmalige und nicht wiederholbare Opfer unseres geliebten Herrn Jesus vergißt oder gering schätzt, der hat auch Gott vergessen, der Seinen geliebten Sohn zum Mittelpunkt Seines Erlösungsratschlusses gemacht hat. „… Wer (aber) den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.” – Johannes 5:23

Gottes Absichten mit dem Menschen, der Plan der Wiederherstellung aller Dinge, wird weitgehend totgeschwiegen, die biblischen Lehren vom Sündenfall, vom Lösegeld und der Auferstehung aller Menschen durch menschliche Irrlehren ersetzt. Unser Herr sagte für unsere Tage voraus: „Es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich auch die Auserwählten zu verführen.” – Matthäus 24:24

Wir leben in dieser gefährlichen Zeit, in der der Widersacher in einem letzten Kraftakt alles aufbietet, um den Glauben an das Wort Gottes zu zerstören und Gott bei Seinem Volk in Vergessenheit geraten zu lassen. Ja, wir können feststellen, daß die „Christenheit” im allgemeinen den wahren Gott der Bibel „vergessen” hat. Auch wenn sie sich noch vordergründig zu Seinem Namen und dem des Erlösers bekennt, ist es doch nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Wir möchten hier aber ausdrücklich feststellen, daß diese Kritik dem System „Christenheit” gilt und nicht dem einzelnen Bekenner in den Kirchen.

Wenn unser Herr sagt, daß falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun würden, um wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen”, so entnehmen wir den Worten, daß der Widersacher ein besonderes Interesse an uns hat. Satan möchte diejenigen verführen, die in einer Bundesbeziehung mit Gott stehen. Er möchte durch jede Möglichkeit der Verführung erreichen, daß wir unsere Bündnisverpflichtungen vergessen, daß wir vergessen, was wir versprochen haben und daß wir vergessen, was Gott für uns getan hat. Er möchte uns dazu bringen, daß wir undankbar werden und den Herrn vergessen, der uns aus der gegenbildlichen Knechtschaft Ägyptens herausgeführt hat.

Wenn sich das Herz erhebt

Eine der wichtigen Ermahnungen die Mose seinem Volk gab – 5. Mose 8:11 – 14 – bestand darin, sie vor der Gefahr eines guten Lebens in Sattheit, Wohlstand und Selbstzufriedenheit zu warnen. Er warnte sie davor, daß sich besonders in einer solchen Situation ihr Herz erheben könnte, und sie dann ihren Gott vergessen würden.

Offenbar besteht hier ein tiefer Zusammenhang, wenn wir daran denken, daß Israel immer dann seinen Gott vergaß und sich anderen Göttern zuwendete, wenn es ihnen gut ging, wenn sie von ihren Feinden nicht bedrückt wurden, wenn sie Nahrung im Überfluß besaßen und auch sonst keine Trübsale hatten.

Aber auch in der Entwicklung der Kirche spielte Reichtum, Wohlleben und Selbstzufriedenheit eine verhängnisvolle Rolle, die zu ihrem Abfall führte. Die Entwicklung der Kirche voraussehend kennzeichnete unser Herr die Institution Kirche unserer Tage treffend mit der Feststellung: „Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und brauche nichts, und nicht weißt, daß du der Elende und bemitleidenswert und arm, blind und bloß bist… .” – Offenbarung 3:17

Eine Kirche, die selbstgerecht von sich sagt, daß sie an allen Gütern und Vorrechten reich ist und nichts mehr braucht, zeigt damit, daß sie nicht mehr nach Gott fragt und geistig tot ist.

Gottes erstes Gebot forderte von Israel, daß sich das auserwählte Volk von jeder Art des Götzendienstes fernhalten sollte. „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten herausgeführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.” – 2. Mose 20:2 und 3

Wir können davon ausgehen daß dieses Gebot alle die Dinge miteinschließt, die in unserem Leben mehr Beachtung und Wertschätzung finden, als unser Leben mit Gott und der Wahrheit. So können zum Beispiel Sport oder Musik zu unserer Entspannung dienen, sie können sich aber auch unkontrolliert zu einem Götzen entwickeln, wenn sie an Stelle des Studiums unsere geweihte Zeit ausfüllen. Fernsehen und Computer können ebenso zu Götzen werden, auch der Mammon, die Erkenntnisse der Wissenschaft, der Bauch, die Bequemlichkeit und vieles mehr.

’Gott zu vergessen’ beginnt im Herzen

Aber es genügt nicht, daß wir uns aus einer pflichtgemäßen Einstellung von diesen Dingen abwenden. Wenn ein Rest von Bedauern bleibt, daß wir diese Dinge nicht tun dürfen, so zeigt es sich, daß unser Herz nicht bei der Sache ist. Dies ist es, was der Ewige immer wieder Seinem Volk vorwirft, daß es Ihn mit den Lippen bekennt, aber sein Herz fern von Ihm hält und, daß seine Furcht vor Gott nur angelerntes Menschengebot ist. – Jesaja 29:13

Und so ist die berechtigte Forderung Gottes an alle, die Seine Gebote und Satzungen lieben und gehorsam ausführen möchten: „Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und deine Augen laß an meinen Wegen Gefallen haben!” – Sprüche 23:26

Diese bedeutsamen Worte gehen im besonderen alle diejenigen an, die in einem Sohnschaftsverhältnis zum Himmlischen Vater stehen. Sie zeigen uns, worauf es im Prinzip letztlich ankommt. Alle unsere Anstrengungen Gott zu verherrlichen und den Brüdern zu dienen, werden nur dann unserem Himmlischen Vater wohlgefällig sein und Bestand haben, wenn der Antrieb dazu aus einem geweihten Herzen kommt.

Der Prozeß des Vergessens beginnt im Herzen. Er beginnt allmählich und in dem Maße, wie das Herzensverlangen Gottes Wort zu studieren und Seinen Willen zu tun, nachläßt. Es beginnt dort, wo das Streben nach dem göttlichen Willen zu leben als eine Pflicht und nicht als eine Freude aufgefaßt wird.

In Sprüche 4:20 – 23 lesen wir diese ermahnenden Worte: „Mein Sohn, auf meine Worte achte, meinen Reden neige dein Ohr zu! Laß sie nicht aus deinen Augen weichen, bewahre sie im Innern deines Herzens! Denn Leben sind sie denen, die sie finden, und Heilung für ihr ganzes Fleisch. Mehr als alles was man (sonst) bewahrt, behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens.”

Dies ist es, was der Herr von uns fordert, daß wir Ohren und Augen geöffnet halten für die Erkenntnis Seines Wortes, und daß wir Seine Satzungen und Seinen Bund im Innern unseres Herzens tragen. Es sind die Voraussetzungen, an die wir uns halten müssen, wenn wir Gott wohlgefällige Früchte des Geistes hervorbringen wollen.

Es ist unsere wichtigste Aufgabe als Söhne Gottes, nach dem Willen unseres Himmlischen Vaters zu leben und das zu tun, zu denken und zu reden, was Ihm wohlgefällig ist. Es bedeutet, daß wir Seinem Willen alles übrige unterordnen. Dazu müssen wir die Augen und Ohren des Verständnisses geöffnet halten und prüfen, was der Wille Gottes für uns in jeder Situation unseres täglichen Lebens ist. Vor allem jedoch muß der Ansporn freiwillig aus dem Inneren unseres Herzens kommen.

In einer weiteren Ermahnung, die wir dem 5. Buch Mose entnehmen, warnt Mose sein Volk mit folgenden Worten: „Nur hüte dich und deine Seele sehr, daß du die Dinge nicht vergißt, die deine Augen gesehen haben, daß sie nicht aus deinem Herzen schwinden alle Tage deines Lebens. Und tue sie deinen Kindern und Kindeskindern kund.” – 5. Mose 4:9

Auch diese ermahnenden Worte betreffen nicht nur das vorbildliche Israel, sie betreffen auch uns. Welche Erfahrungen haben wir alle auf dem „schmalen Wege” gemacht? Wie oft sind wir auf wunderbare Weise vor Fehltritten und Gefahren bewahrt worden? Wie sind unsere Augen des Verständnisses für die Wahrheit geöffnet worden? Wie sind wir aus der Finsternis zum Licht gekommen, wie zur Wahrheit gekommen? Alles dies geschah auf eine für uns wunderbare und unerklärliche Weise. Sollten wir nicht alles tun, um uns täglich der göttlichen Gnade zu erinnern, die uns in so reichem Maße zuteil geworden ist?

Sollten wir nicht von all diesen Erfahrungen sprechen? Es ist ja unser größter Herzenswunsch, allen Menschen, die ein hörendes Ohr haben, von Gottes wunderbaren Absichten mit dem Menschen zu erzählen und Gottes Barmherzigkeit wie auch Liebe und Gerechtigkeit zu verkünden. Sicherlich ist dies eine der Möglichkeiten, dem Schöpfer aller Dinge unsere Dankbarkeit zu zeigen, daß Er unsere Augen für die Wahrheit geöffnet und uns Seine Wunder hat schauen lassen.

Wir wollen auch nicht vergessen, unsere Dankgebete vor den Thron der Gnade zu bringen und dafür zu beten, daß wir die Erkenntnis und die Kraft erhalten, auf dem „schmalen Wege” der Selbstverleugnung weiterzugehen. Und vergessen wir nicht unsere Brüder und Schwestern im Gebet mit einzuschließen.

In Psalm 50:14 und 15 lesen wir: „Opfere Gott Dank, und erfülle dem Höchsten deine Gelübde; und rufe mich an am Tag der Not; ich will dich erretten, und du wirst mich verherrlichen!”

Gott zu „vergessen”, in welcher Art und Weise dies auch immer sein mag, hat etwas mit Undankbarkeit zu tun. Wahre Dankbarkeit ist nicht nur eine Form der Höflichkeit, nein, sie ist viel mehr. Wahre Dankbarkeit kann als ein Ausdruck der Zuneigung des Herzens bezeichnet werden und als ein Ausdruck wahrer Anerkennung und Wertschätzung dessen, was der Himmlische Vater für uns getan hat. „Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus”, mahnt Apostel Paulus in Epheser 5:20. Und an die Brüderschaft in Thessalonich schreibt der Apostel: „Sagt in allem Dank! Denn dies ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.” – 1.Thessalonicher 5:18

Wir wollen nicht versäumen, ständig unsere große Dankbarkeit zum Thron der Gnade zu bringen, wie es vorbildlich der geliebte David in den Psalmen mit den Worten zum Ausdruck bringt.

„Preise den HERRN, meine Seele, und all mein Inneres seinen heiligen Namen! Preise den HERRN, meine Seele, und vergiß nicht alle seine Wohltaten! Der da vergibt alle deine Sünde, der da heilt alle deine Krankheiten. Der dein Leben erlöst aus der Grube, der dich krönt mit Gnade und Erbarmen.” – Psalm 103:1 – 4

Hüten wir uns sehr, daß wir nicht die Ermahnungen der Heiligen Schrift vergessen, die uns daran erinnern, daß wir als Söhne Gottes zur Verherrlichung unseres Himmlischen Vaters aufgerufen sind. Wir gehören nicht uns selbst, sondern wir sind erkauft zu einem hohen Preis.

Möge der Herr unsere steten Bemühungen segnen, Seinen Willen zu tun und unser Gelöbnis treu zu erfüllen.

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