Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Das Evangelium ist nur für Sünder bestimmt

„Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.” – Markus 2:17

Die Bezeichnung „Zöllner” wurde in den Tagen Jesu auf Juden angewandt, die der römischen Herrschaft als Zolleinnehmer in Palästina dienten. Die Bezeichnung war vorwurfsvoll, weil die Juden an der Abrahamischen Verheißung festhielten, daß die ganze Welt von ihnen, als dem besonderen Volk Gottes, gesegnet werden sollten. Sie hielten daran fest, daß dies bedeute, daß sie nicht nur von aller anderen Herrschaft frei sein sollten, sondern daß sie auch die Meister der Welt sein sollten. Und wenn dies zutreffend ist, so sollten alle anderen Nationen ihnen Tribut zahlen, sie jedoch keiner. Die am meisten staatsbürgerlich gesinnten Juden lehnten es daher ab, auf diese Weise Agenten der römischen Herrschaft zu sein, indem sie Tribute oder Steuern für diese eintrieben, und so wurde auf die Tributeinnehmer oder Zöllner mit Verachtung herabgeblickt, als solche, die sich gegenüber ihrer Religion und ihrer Nation als untreu erwiesen.

Die Bezeichnung „Sünder”, die öfters in diesem Bibelbuch und auch woanders in den Evangelien benutzt wird, wurde auf alle Juden angewandt, die sich gegenüber der Orthodoxie ihrer Tage sorglos zeigten, denn die orthodoxen Juden jener Zeit und auch heute waren stolz auf ihre Religion und rühmten sich ihrer Heiligkeit – wie zum Beispiel das Wort „Pharisäer” „heilige Person” bedeutet – einer, der das kleinste Details des Gesetzes mit gewissenhafter Sorgfalt beachtet. Es bestand ein tiefer Graben zwischen diesen eifrigen Nachfolgern des Mosaischen Gesetzes und der Masse der Nation, die, weil sie nicht besondere Bekenntnisse zeigten, alle zusammen als „Sünder” oder Personen eingestuft wurden, die in ihrer Sorglosigkeit gegenüber Formen und Zeremonien usw. nicht der Norm der Orthodoxen entsprachen.

Die Pharisäer hätten die Sadduzäer toleriert und mit ihnen gegessen, obwohl diese praktisch Ungläubige waren, weil diese einer reicheren und ehrenwerteren Klasse angehörten, aber sie lehnten dies gegenüber ihren weniger geachteten Brüdern völlig ab, und würden mit ihnen, die sie im allgemeinen trotz ihrer wahrhaft moralischen Haltung als „Sünder” bezeichneten, nicht gegessen haben.

Die Jünger unseres Herrn waren fast alle aus dieser niedrigen oder weniger orthodoxen und weniger gebildeten Klasse der Juden ausgewählt worden. Wegen der Talente, die unser Herr besaß, wären die Pharisäer froh gewesen, ihn zu ihrer Zahl zu zählen, natürlich vorausgesetzt, daß er ihnen zur Seite stehen und sie bei ihren mehr oder weniger heuchlerischen Anmaßungen der Vollkommenheit und Heiligkeit unterstützen würde. Aber Jesus bezeichnete den Anspruch der Pharisäer als heuchlerisch und machte dem einfachen Volk klar, daß „keiner gerecht wäre, auch nicht einer” – daß alle die göttliche Barmherzigkeit benötigten, und daß in Wirklichkeit vielmehr die Demütigen und Bereuenden vor Gott annehmbar wären, als die Prahlerischen und Stolzen und Arroganten.

Matthäus der Zöllner

Unsere Betrachtung spricht von der Berufung des Matthäus, der einer der zwölf Apostel wurde. Sein ursprünglicher Name war Levi, so wie der ursprüngliche Name von Petrus Simon war. Er gehörte zu dem Stamm Levi, aber die Annahme eines Dienstes unter den Römern als Steuereinnehmer setzte ihn gesellschaftlich so herab, daß man ihn als „Zöllner” bezeichnete. Vielleicht hat die Qualität der Unabhängigkeit und die der Niedriggesinntheit, die diesen Menschen beeinflußt hat, ein Steuereinnehmer zu werden und die Verachtung seiner Mitmenschen zu ertragen, Werte hervorgerufen, die ihn in Bezug auf die göttliche Einladung, ein Jünger Jesu zu werden, begünstigten. Wir können sicher sein, daß sich dies bewahrheitete, wenn wir von der Tatsache ausgehen, daß Jesus ihm eine besondere Einladung gab, sein Jünger zu werden und von der Tatsache, daß er in der Herzensstellung war, alle seine irdischen Güter aufzugeben, um ein Glied der Messianischen Klasse zu werden. Wir können nicht annehmen, daß der Meister irgendjemanden zur Jüngerschaft berufen würde, außer einen edlen Charakter, und wir können auch nicht annehmen, daß irgendwelche andere auf den Ruf des Meisters geantwortet hätten, wie es bei Matthäus zutraf.

Matthäus besaß ein Haus, und er lud Jesus und seine Nachfolger zu einem Mahl in sein Haus ein. Es waren auch einige seiner Freunde eingeladen, die wie er selbst zu dieser ausgestoßenen Klasse gehörten – Zöllner und Sünder. Die Schriftgelehrten und Pharisäer beobachteten Jesus genau, und als sie wahrnahmen, daß er aß und sich unter die wenig respektierten und weniger orthodoxen Menschen mischte und Umgang mit ihnen hatte, verachteten sie ihn und stellten den Jüngern Jesu die direkte Frage: „Warum ißt euer Lehrer mit den Zöllnern und Sündern und beansprucht trotzdem heilig zu sein.”

Dies gab Jesus die gewünschte Gelegenheit mit wenigen Worten eine große Lehre zu erteilen, indem er ihnen antwortete: „Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.” Hier haben wir den Schlüssel zu vielem Mißverständnis der Evangelien in jenen Tagen – und auch noch heute. Die erste Lektion, die alle lernen müssen, ist die, daß alle Sünde von Gott verurteilt wird, die kleinen Sünden und die großen – und daß alle Ungerechtigkeit Sünde ist, und daß „keiner gerecht ist, auch nicht einer”.

Mit anderen Worten gesagt muß ein jeder lernen, daß er selbst ein Sünder ist, der unter dem göttlichen Urteil steht und Vergebung benötigt, bevor er zur Gemeinschaft mit Gott kommen oder Teilhaber der Vorsorge Gottes auf ewiges Leben werden kann. Die Zöllner und Sünder waren tatsächlich von Gott verurteilt, und die Schriftgelehrten und Pharisäer, Glieder des gleichen unvollkommenen Geschlechts, standen ebenso unter der göttlichen Verurteilung, aber sie wollten ihre Sündhaftigkeit und ihre Unvollkommenheit nicht eingestehen noch die göttliche Vergebung suchen, und weil die anderen sich ihrer Sünde bewußt waren, waren diese eher bereit, Vergebung zu suchen und anzunehmen. Jesus illustrierte dies in einem seiner Gleichnisse, in welchem er sagte: Ein gewisser Pharisäer ging zum Tempel um zu beten, und voller Selbstzufriedenheit dankte er Gott, daß er nicht wie andere Menschen sei, noch wie der arme Zöllner neben ihm. Der Zöllner betete auch, aber in Demut, indem er fühlte, daß er ein Sünder war, der die göttliche Vergebung zu erlangen suchte. Jesus stellte fest, daß der weniger moralische Mensch, der weniger gewissenhaft besorgte Zöllner, der göttlichen Gerechtigkeit näher war, als der sorgfältigere und ehrenwertere orthodoxe Pharisäer, weil der Letztere es verfehlte, seine Sünden und Unvolkommenheiten einzugestehen, die nur bei einem Eingeständnis vergeben werden konnten. Darum sagte Jesus: „Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.” Es gab keinen Gerechten zu rufen, denn alle sind Sünder, und diejenigen, die sich für gerecht hielten, hatten ein Hindernis vor sich, daß sie davon abhielt, unter dem Ruf dieses Zeitalters zum Herrn zu kommen.

„Deine Jünger fasten nicht”

Zu jener Zeit wurde auch die Fastenzeit von den Pharisäern beachtet und auch von denen, die die Lehren von Johannes dem Täufer angenommen hatten, aber Jesus hatte bis zu dieser Zeit zu seinen Jüngern nichts über Fasten gesagt. Nun wurde die Frage nach dem „Warum” gestellt. Der Heiland erklärte, daß die Zeit, während er bei ihnen war, eher und richtigerweise als eine Zeit der Freude betrachtet werden sollte und nicht als eine Zeit des Fastens und der Trauer. Würde eine Verlobte trauern und weinen und fasten, während ihr Verlobter anwesend ist? Nein! Jedoch in nachfolgenden Tagen, nach seinem Weggang in ihrer Einsamkeit und besonders, wenn sie über die lange Verzögerung seines Kommens nachdachte, sie als seine Gemahlin zu empfangen, würde sie traurig sein. Damit deutete Jesus an, daß es auch so mit seinen Fußstapfennachfolgern sein würde. Sie würden, nachdem er weggegangen wäre, und während sie auf seine Wiederkehr warteten, viele Gelegenheiten haben, zu weinen und zu fasten.

Fasten sollte nicht als eine Pflicht oder ein Befehl aufgefaßt werden, sondern vielmehr als ein freiwilliges Opfer gegenwärtiger und zeitlich guter Dinge, so daß Herz und Sinn desto mehr ernstlich nach den Dingen, die man noch nicht sieht, aber erhofft, trachten mögen. So hat Gottes Volk neunzehn Jahrhunderte lang gefastet und gebetet und gewartet und sich nach der Wiederkehr des Bräutigams gesehnt. Aber zur Zeit seiner Gegenwart, ihrer Gemeinschaft mit ihm, ihrer Freude bei der Wahrnehmung der vollkommenen Verheißungen, sollten ihre Tränen weggewischt werden, um „ihnen Kopfschmuck statt Asche zu geben, Freudenöl statt Trauer … ein Ruhmesgewand statt eines verzagten Geistes.”

Die Kirche ist eine Neue Schöpfung

Es war für die Zuhörer des Erlösers schwierig, den eigentlichen Kern seiner Lehren zu erfassen. Sie konnten die Predigten von Johannes dem Täufer verstehen, der zur Buße und Erneuerung aufrief; aber als Jesus erklärte, „Das Gesetz und die Propheten (gehen) bis auf Johannes; von da an wird die gute Botschaft vom Reich Gottes verkündigt”, war dies eine so fundamentale Aussage, daß es für die Massen schwierig wurde, diese zu begreifen. Was konnte höher angesehen werden als das Gesetz und die Propheten? Welches Tor hätte für die Nachfolger Jesu geöffnet werden können, das nicht schon ihren Vorvätern geöffnet worden war? War nicht ihre jüdische Nation Gottes Königreich? Saß König David nicht „auf dem Thron des Herrn”? War nicht verheißen worden, daß der Messias auf dem Thron Davids sitzen sollte?

Verständnisvoll müssen wir zugestehen, daß es für die Juden schwierig war, zu verstehen, daß bevor die Segnungen zu dem natürlichen Israel kommen konnten, ein anderes, geistiges Israel, ausgewählt werden mußte. Zur Betonung dieses Gedankens gab der Herr zwei gleichnishafte Illustrationen und sagte: Niemand näht einen Flicken von neuem Tuch auf ein altes Gewand, denn durch die Schrumpfung des neuen Flickens würde das alte Kleid weiter beschädigt werden und der Schaden zunehmen. Ebenso würde kein Mensch daran denken, neuen Wein, dessen Gärungsprozeß noch nicht abgeschlossen ist, in alte Weinschläuche abzufüllen, deren Dehnfähigkeit eingeschränkt ist, und weil die alten Weinschläuche durch die Gärung des neuen Weins bersten würden.

Diese Illustrationen zeigen, daß die Lehren des Evangeliums nicht als ein Flicken auf dem Jüdischen Gesetz zu betrachten sind, sondern als eine neue Lehre. Und der neue Wein der Evangeliumszeit muß in neue Weinschläuche abgefüllt werden, die imstande sind, dem Streß der Gärung, die sicher kommen würde, standzuhalten. Damit versuchte unser Herr nicht die Lehren, die den Juden gegeben waren, zu entkräften, sondern er berief aus dem Judaismus eine besondere Klasse, welche die Schriften als „Neue Schöpfungen in Christo” bezeichnen. Diesen ist der neue Wein der Evangeliumsbotschaft übergeben worden, und diese müssen die Erfahrungen mit dem Gärungsprozeß machen, der die Vorbereitung auf das Königreich begleitet, – mit Trübsalen, Züchtigungen und Prüfungen.

Der das Lösegeld bezahlt hat, der erlöst hat, der das Sündopfer gestellt hat, der versöhnt hat, der als Fürsprecher und Mittler wirkt

Wenn wir auch eingestehen, daß wir nicht durch den Umfang an Erkenntnis über den göttlichen Plan gerechtfertigt sind, sondern durch das Maß unseres Glaubens, interessieren wir uns dennoch von Herzen für alles, was die Schrift über das Wahrheitsgebäude lehrt, und was die Reichweite unseres Glaubens als Ganzes erfaßt. Die Aufgabe war genauso groß, als wir uns zu Anfang damit befaßten, wie sie es heute ist, doch wir haben ihre einzelnen Züge nicht erkannt, wie wir es heute tun. Und sehr wahrscheinlich gibt es dort manche Punkte, die sich unseren Augen des Verständnisses in der Zukunft klarer erschließen werden. Unsere angemessene Haltung ist die der Dankbarkeit Gott gegenüber, daß wir anerkennen, daß Seine Sündenvergebung für uns irgendwie durch den Tod von Jesus möglich gemacht wurde. Die Anerkenntnis dieser Tatsache rechtfertigte uns und zog uns zum Herrn in unserer Taufe, wo wir sagten: „Die Liebe des Christus drängt uns.” – 2. Korinther 5:14 Von diesem gesegneten Moment an war es unser Vorrecht, immer weiter vorwärtszugehen, in Gnade und Erkenntnis und Wertschätzung, und in Liebe und opferbereitem Gehorsam zu wachsen. In dieser Gesinnung wollen wir weiter gehen und keiner Art von Vernünftelei erlauben, uns abzuziehen von den Segnungen und Vorrechten, die uns schon zur Gewißheit geworden sind. Manche sind in der Gefahr abzuirren, indem sie philosophische Ideen diskutieren, die verworren sind. Und durch den in den Streitgesprächen aufkommenden falschen Geist besteht die Gefahr, allen bisher empfangenen Segen zu verlieren. Hüten wir uns solch einem Weg zu folgen, sondern bemühen wir uns, unseren rechtfertigenden Glauben und unseren Geist der Hingabe beizubehalten und jeden Zug der göttlichen Wahrheit wertzuschätzen, wie es in Gottes Wort niedergelegt ist.

Lösegelderbringer und Lösegeld

Das Evangelium ist die gute Botschaft über ein Lösegeld-Opfer, aufgrund dessen Gott gerecht sein kann und doch den Glaubenden rechtfertigen kann. Über den Lösegelderbringer machte Gott Vater Abraham gegenüber die erste Andeutung, ohne jedoch die Einzelheiten zu erklären. Er deutete nur an, daß die göttliche Gerechtigkeit durch Abrahams Nachkommen, den Messias, zufriedengestellt würde, und daß in Folge davon durch diesen Samen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden würden. Als unser Herr als der Same Abrahams erschien, gab er die erste Erklärung ab über die Gestaltung von Gottes Plan, durch den er als Abrahams Same den verheißenen Segen bewerkstelligen sollte, er sagte: „Der Sohn des Menschen <ist> … gekommen …, um sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.” – Matthäus 20:28 Diese verständliche Aussage über das Lösegeld hat er nicht weiter ausgeführt und durch Einzelheiten erläutert. Im Gesetz Israels finden sich Bilder und Darstellungen des Lösegeldes, die wohl nicht von jedermann verstanden werden konnten, die aber Umrisse und Schatten hervorbrachten, und die zu des Herrn „gegebener Zeit” für die Menschen klar und verständlich sein würden, die die rechten Augen des Verständnisses haben würden, erleuchtet durch den Heiligen Geist.

Sündopfer und Versöhnung

Das Wort „Lösegeld” bedeutet, wie gesagt, einen dem Wert einer Sache entsprechenden Kaufpreis. Adam wurde als ungehorsamer Mensch und Sünder zum Tode verurteilt und mußte ausgelöst oder errettet oder losgekauft werden aus dem Tod und der Verdammung. Da er nur ein Mensch war, bedurfte es auch nur eines Menschen, um ihn auszulösen. Aber es war ein vollkommener Mensch vonnöten, und einen solchen gab es nicht. Und so sandte Gott Jesus, der heilig, sündlos und unbefleckt war, um das Lösegeld für Adam und zugleich seine gesamte Nachkommenschaft zu sein, denn alle waren durch seinen Ungehorsam betroffen. Als daher Jesus auf Golgatha starb, „der Gerechte für die Ungerechten” – 1. Petrus 3:18 -, wurde ein völlig ausreichender Preis hinterlegt, um Adam und sein Geschlecht auszulösen.

Aber dieses Verdienst ist noch nicht in die Hände der Gerechtigkeit gelegt worden; nur das Verdienst aus dem Opfer eines vollkommenen menschlichen Lebens wurde im Tod niedergelegt, und es gehörte unserem Herrn Jesus, als ihn der Vater durch Seine Macht aus den Toten erweckte.

Was tat der auferweckte Jesus mit dem Verdienst aus seinem Opfer? Wir antworten, daß er vierzig Tage danach in die Höhe auffuhr und dort für uns Gläubige, den „Haushalt des Glaubens”, in der Gegenwart Gottes erschien. Dies finden wir im Gesetz vorgeschattet, wie Jesus gesagt hatte: „Moses … hat von mir geschrieben.” – Johannes 5:46 Im Vorbild stellte Aaron, der Hohepriester, den gesalbten Jesus dar, geheiligt durch den Heiligen Geist. Er ist der Hohepriester unserer Berufung. So wie Aaron das Blut des Stieres, das sein eigenes Blut oder Leben oder Opfer repräsentierte, nahm und ins Allerheiligste ging und es auf den Gnadenstuhl sprengte, um Versöhnung für Sünden zu erlangen für sich (und die Priester) und für sein Haus (den Stamm Levi), so geschah es im Gegenbild durch unseren Herrn. Er nahm nicht das Blut des Stieres, sondern sein eigenes Blut, das Verdienst seines Opfers. Er hat es nicht für die buchstäblichen Priester und Leviten gesprengt, jene Vorbilder, sondern für die gegenbildliche königliche Priesterschaft und die Leviten (oder Diener) des „Haushalts des Glaubens”.

Was hat dies zu tun mit dem Lösegeld? Die Antwort lautet: Das ist sein Grundgedanke, wie er in der Schrift niedergeschrieben ist. Gott hatte nicht die Absicht, und auch wir meinen dies nicht, daß alle oder viele dieses „Geheimnis” verstehen können, wie auch unser Herr sagt, diese Lehre sei manchen zu verstehen „gegeben”, und anderen sei es nicht „gegeben”. – Matthäus 13:11 – 17 Wir schreiben in der Hoffnung, jene zu unterstützen, denen es „gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu wissen”. Wir schreiben nicht für Außenstehende, für die es nicht gedacht ist, daß sie diese Gedanken verstehen oder erfahren, weil sie entweder niemals die rechte Herzensstellung dazu erreicht haben oder weil sie nach dem Erreichen diese Einstellung der Ergebenheit, Demut und Lernfähigkeit wieder aufgegeben haben.

Unser Erlösungsopfer wurde also beim Vater niedergelegt, als Jesus nach seiner Auferweckung in die Höhe aufgestiegen ist, und es wurde gemäß dem göttlichen Vorbild nicht für das ganze Volk dargebracht, sondern nur für den „Haushalt des Glaubens”. Das Sündopfer, das von Christus für die göttliche Gerechtigkeit zur Tilgung der Sünde der Menschen erbrachte Opfer, war das Lösegeld. Nur er allein konnte es bekanntlich erbringen, und es konnte nur für einen aus dem Menschengeschlecht erbracht werden oder für alle aus Adams Geschlecht, je nachdem wie er sich entscheiden würde es anzuwenden. Als Preis war es ausreichend für alle, aber für wieviele von allen er es gelten lassen wollte, das lag vollständig in seiner Entscheidung und Gottes Plan, dem er folgte. Nun brachte er es dem Vorbild entsprechend nicht für alle zur Anwendung, sondern nur für den Haushalt des Glaubens, für uns. Nichtsdestoweniger wird es letztlich für alle verfügbar gemacht – „ein Lösegeld für alle” -, und das nicht nur in dem Sinne, daß es ausreichte, um das Todesurteil für alle aufzuheben, sondern auch in dem Sinn, daß schließlich alle – indirekt – Zugang dazu bekommen werden, indem ihnen das Verdienst durch den Haushalt des Glaubens, durch die Leibesglieder, zugänglich gemacht wird.

Das Wasser einer reichen Quelle wird hergenommen, um eine große Stadt zu versorgen; um diesen Zweck zu erreichen, wird es durch viele Leitungen und Rohrkupplungen geleitet. Aus jedem Hahn fließt dasselbe Wasser, denn es kommt aus derselben Quelle. Wenn wir dadurch erfrischt werden, können wir das dem Wasserhahn zuschreiben, aus dem es fließt, oder wir schreiben es der Quelle zu, oder wir beziehen es einmal auf dieses, einmal auf jenes. Wenn wir daher an das Verdienst aus dem Opfer unseres Herrn Jesus denken, sollten wir uns bewußt sein, daß alles an Sünden-Versöhnung daraus seine Quelle im Opfertod unseres Herrn hat, wann und wie auch immer es zur Anwendung kommt. Er hat das Lösegeld bezahlt. Sein Blut ist das Blut der Versöhnung für Adams Sünde, auf die das Todesurteil für ihn und sein Geschlecht folgte. Niemand fügt diesem Lösegeld etwas hinzu und niemand nimmt davon etwas weg. In Gottes Plan wird es der Kirche zugeteilt, der Herauswahl, damit sie das Vorrecht bekommt, sich ihrem Herrn als seine Leibesglieder anzuschließen und mit ihm zu sterben. Als Teilhaber seines Opfers reicht sie durch den neuen Bund sein Verdienst an das fleischliche Israel und an die Welt weiter. Er ist die Quelle, wir sind die Leitungen.

Die besseren Opfer als jene

In der Abhandlung Die Stiftshütte – ein Schatten der „besseren” Opfer wurde dieser Gegenstand bereits ausgeführt. Es wird erklärt, daß Christus, anstatt das Verdienst seines Opfers direkt für die ganze Welt anzuwenden, möglicherweise das Gleiche bewirkt, wenn er sein Verdienst für den vergleichsweise kleinen Personenkreis zur Anwendung bringt, den der Vater in diesem Zeitlauf auswählt. – Johannes 6:42 Zur „Rechtfertigung aus Glauben an sein Blut” zieht der Vater Menschen zu Seinem Sohn, die Gerechtigkeit lieben und das Böse hassen, die Gott aufspüren wollen, „ob sie ihn wohl tastend fühlen und finden möchten”. Der Sohn wendet sich ihnen zu und informiert sie darüber, daß er Versöhnung für die Sünde schon erbracht hat und sie „für jeden der glaubt” hinterlegt hat. Und dann führt er sie hin zu weiteren Vorrechten in unserem Evangeliumszeitalter, daß sie nämlich Mitopfernde gemeinsam mit ihm und so seine Braut und Miterbin in seinem Mittlerkönigreich werden können. Dieses Reich soll aufgerichtet werden für die Segnung der ungläubigen Welt, die jetzt nicht gezogen, nicht gerechtfertigt und nicht gesegnet wird. Der Sohn wird sie im Millennium zu sich ziehen. – Johannes 12:32

Warum soll das Verdienst Jesu dem Haushalt des Glaubens zur Verfügung gestellt werden und nicht der Menschheit im allgemeinen?

Dazu ist zu sagen, daß dieser Zug des göttlichen Planes der Zeitalter bis heute für alle ein Geheimnis ist, mit Ausnahme der Heiligen. Ihnen enthüllt Gott dieses wunderbare Geschehen, daß unter Führung von Jesus „viele Söhne zur Herrlichkeit” gebracht werden, die man „seine Brüder”, „seine Leibesglieder”, „seine Braut” nennt, je nach Standpunkt des Betrachters. Um an seiner Natur und Herrlichkeit teilzuhaben, müssen sie seine Leiden teilen, „seinen Tod”. Da er, der Gerechte für die Ungerechten, litt, müssen sie als Gerechtfertigte durch den Glauben an sein Blut ebenfalls als Gerechte für die Ungerechten, als seine Leibesglieder, leiden und ergänzen, „was noch rückständig ist von den Drangsalen des Christus”. – Kolosser 1:24 Dies sind nicht Drangsale, die unerfüllt sind aufgrund einer etwa mangelnden Fähigkeit des Erlösers, völlige Versöhnung für die Sünden der ganzen Welt zu bewirken, sondern übriggebliebene Leiden dahingehend, daß unser Herr sein eigenes Verdienst nicht direkt der Welt, den Nicht-Glaubenden, zur Verfügung stellt. Deren Sünden bleiben, damit das Verdienst Christi, das dann durch die Auserwählten dargereicht wird, ihnen am Ende in dem nötigen Maß zugute kommt. Außerdem sollen jene Sünden den Nachfolgern Jesu dieses Zeitlaufs Gelegenheit geben, mit ihrem Herrn und Haupt zu leiden, damit sie zu vorgesehener Zeit mit ihm verherrlicht werden.

Das wird ganz klar im Vorbild gezeigt, niedergeschrieben in 3. Mose 16. Wie das eigene persönliche Opfer des Hohenpriesters im Stier dargestellt wird, ist das Opfer seiner angenommenen Glieder, die durch sein Blut gerechtfertigt sind, in dem zweiten oder hinzugefügten Opfer des Bockes abgebildet. Wer sich gründlich mit dem Gegenstand befaßt hat, wird feststellen, daß alles, was mit dem Stier geschah, auch mit dem Bock gemacht wurde. So sagte unser Herr und bewies es, daß jedes zukünftige Glied der Herauswahl, die königliche Priesterschaft, ein Abbild Seines lieben Sohnes, des Hohenpriesters sein muß, durch dessen Opfer er gerechtfertigt ist. Wiederum sind diese Personen berufen, in den Fußstapfen von Jesus zu gehen, auf dem schmalen Pfad, dem Weg der Selbstaufopferung und des Kreuzes.

Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß eben diese besonders ausgezeichneten Menschen ursprünglich „Kinder des Zorns, waren, wie auch die übrigen” – Epheser 2:3 -, und viele von ihnen „Fremdlinge und ohne Bürgerrecht”, nun aber in seiner Nähe durch das Blut des Kreuzes sind. Und durch die Leiden dieses Evangeliumszeitalters , des gegenbildlichen Versöhnungstages der Sündopfer, kommen sie noch näher.

Wer kann nicht erkennen, daß unser Herr sich als Sündopfer ein für alle Mal dahingab? Und daß Christus eben nur dieses eine Mal und nie wieder stirbt? Wer kann nicht erkennen, daß das Vorbild zwei eigenständige Opfer enthält, den Stier und den Bock? Wer kann nicht sehen, daß im Evangeliumszeitalter zwei Sündopfer vorhanden sind, unser Herr und Heiland, der Mittelpunkt des ganzen Verdienstes, und das Opfer seiner Kirche, seines Leibes, für den sein Verdienst zur Anwendung kommt? Wer sollte nicht verstehen, daß diese beiden Opfer, der Stier (Jesus) und der Bock (die Glieder seines Leibes) die „besseren Opfer” sind, von denen Apostel Paulus spricht? – Hebräer 9:23 Wer kann nicht sehen, daß sie die Sündopfer sind, die als einzige außerhalb des Lagers verbrannt wurden? – 3. Mose 16:27 Wer kann nicht erkennen, daß der Apostel uns drängt, unsere Leiber als lebendige Schlachtopfer darzustellen und „außerhalb des Lagers seine Schmach <zu tragen>”? – Hebräer 13:13 So sicher wie zwei und zwei vier ist, sind wir, die wir mit unserem Herrn aus dem Lager hinausgehen, auch Teilhaber am Sündopfer, wie es der Apostel erklärt.

„Wir haben einen Fürsprecher”

Wir haben einen Fürsprecher beim Vater, Jesus Christus den Gerechten. Die Welt hat diesen Fürsprecher nicht, denn sie glaubt nicht und nimmt Jesus als ihren Erlöser und Mittler nicht an; er ist nicht für sie „erschienen”, nur für uns. Als er in der Gegenwart Gottes für uns erschienen ist, unmittelbar nach seiner Himmelfahrt, legte er sein Verdienst nieder für die Sünden von Gläubigen, die durch Gottes Verzeihung vergeben sind. Er nahm sein Verdienst nicht her für unsere zukünftigen Sünden, Übertretungen, Unzulänglichkeiten usw. Als Grundlage seines Handelns als unser Fürsprecher gebrauchte unser Herr einen Teil seines großen Verdienstes im Hinblick darauf, daß wir jeden Tag zum Thron der Gnade von oben kommen, um Barmherzigkeit zu erlangen, nicht für die Erbsünde, die für Gläubige durch Gottes Nachsicht getilgt ist, sondern für unsere täglichen Verfehlungen aus Unwissenheit oder Schwachheit. So ermutigt er uns daran zu denken, daß die Unvollkommenheiten unseres irdischen Gefäßes kein Hindernis sein müssen für die neue geistgezeugte Schöpfung, denn für alle diese menschlichen Schwächen haben wir „einen Sachwalter bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten.” – 1. Johannes 2:1 Somit werden wir aufgefordert, unser Kleid unbefleckt von der Welt zu erhalten, denn wenn wir in der richtigen Herzensstellung sind, können wir uns über das Vorrecht freuen, vor den Thron der Gnade zu treten und jeden Fehltritt aus Schwachheit und Torheit gelöscht, abgewaschen zu bekommen.

Auf diese Weise ist unser Herr der Heiland „für unsere Sünden und auch für die Sünden der ganzen Welt”. Es gibt jedoch einen Unterschied. Unsere Sünden werden dargestellt in einem Teil des Sündopfers, dem Stier, und die Sünden der Welt werden in einem anderen Teil, nämlich dem Bock, dargestellt. – Hebräer 139 Er hat für unsere Sünden schon Genugtuung geleistet. Nun bringt er seine „Leibesglieder” als Opfer dar, so daß wir seine Leiden und seine Herrlichkeit teilen. Er stellt uns sein Opfer zur Verfügung, damit wir es zu gegebener Zeit für die Sünden der ganzen Welt verwenden. Dieses Opfer des Versöhners wird in keiner Weise geschmälert dadurch, daß es durch diejenigen wirkt, die er annimmt, und die der Vater auf höherer Ebene als Leibesglieder Seines Sohnes annimmt.

Dieser Gedanke ist auch in der Aussage des Herrn enthalten, wo er sagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.” – Johannes 12:24 Das unmittelbar sich einstellende Ergebnis aus dem Tod unseres Herrn oder dessen Frucht war, daß die Kirche hervorgebracht wurde, der Haushalt des Glaubens. Der Tod jener Körner wiederum, die als sein Anteil angenommen wurden, sollen zu des Herrn gegebener Zeit die vorgesehene Ernte hervorbringen, auf die der Prophet hinweist: „Fülle von Korn möge sein im Lande bis auf die Gipfel der Berge, es rausche seine Frucht wie der Libanon.” – Psalm 72:16 nach Menge

„Mittler des neuen Bundes“

Das Wort „Mittler” ist kein Synonym der Worte „Versöhner”, „Erlöser” usw. Im Gegenteil, ein Mittler würde solange nicht gebraucht, bis ein Erlöser die Menschheit mit Gott versöhnt hätte. Das Wort „Mittler” kommt in der Schrift vor in Verbindung mit der Errichtung der Bündnisse, und nicht anders; z.B. „Moses, der Mittler des Gesetzesbundes” und Christus „der Mittler des Neuen Bundes”. Es ist jedoch anzumerken, daß Aaron, der Priester, niemals ein Bündnis vermittelt hat, und auch Jesus, der gegenbildliche Priester, vermittelt auch kein Bündnis. Die Aufgabe des Priesters war es, Opfer für Sünden darzubringen, und das hat unser Herr jahrhundertelang als gegenbildlicher Priester getan. Die gesamte gegebildliche Priesterschaft muß Opfer darbringen, „heilig und annehmbar für Gott”, sonst kann sie nicht das „königliche Priestertum” darstellen. – Römer 12:1

Anzumerken ist aber auch, daß Moses den größeren Christus, Jesus, das Haupt, und die Kirche, seine Glieder, vorschattete. Wie zum Beispiel Apostel Petrus sagt: „Moses hat schon gesagt: Einen Propheten wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken, gleich mir, auf ihn sollt ihr hören in allem, was irgend er zu euch reden wird. Es wird aber geschehen, jede Seele, die irgend auf jenen Propheten nicht hören wird, soll aus dem Volke ausgerottet werden.” – Apostelgeschichte 3:22 und 23 Der hier abgebildete Moses ist zweifellos der verherrlichte Christus, Haupt und Leib, bei seinem Aufrichtungswerk während des Millenniums. Es ist sicherlich nicht wahr, daß alle vernichtet werden, die dem Herrn im jetzigen Zeitlauf nicht gehorchen. Diesen gegenbildlichen Moses, der aus den Brüdern genommen wird, findet Gott im Evangeliumszeitalter. Unser Herr und Erlöser wurde als erster erhöht, um „das Haupt der Kirche, die sein Leib ist”, zu sein. Seitdem werden die Glieder aus der Welt herausgenommen und von der Welt abgesondert hin zum Herrn und zum Werk im Millennium. – Epheser 1:23, 4:4, 12 und 16, 4:30 sowie Kolosser 1:18 und 3:15

Moses war nicht der Priester im Vorbild und bewirkte nicht die vorbildliche Sühne für die Sünde; das war die Aufgabe des Priesters Aaron. Als Mittler des Gesetzesbundes bildete Moses den Christus Haupt und Leib ab, den Mittler des Neuen Bundes.

Damit aber verstanden wird, daß das Werk des zukünftigen Mittlers, der den Neuen Bund versiegelt, in engem Zusammenhang steht mit dem Versöhnungwerk, wurde uns die Erklärung des Vorbildes gegeben, das Moses zum Versiegeln des Gesetzesbundes gebrauchte, nämlich des Blut der Stiere und des Bockes im Vorbild. Die Lehre daraus ist unmißverständlich: Der große Mittler, Jesus das Haupt der Kirche, seiner Glieder, wird den Neuen Bund mit dem Blut beider Opfer besprengen oder versiegeln, mit dem verdienstvollen Blut des gegenbildlichen Stiers (unseres Herrn, unseres Erlösers) und auch mit dem Blut seiner Leibesglieder (der Kirche), dem Gegenbild des Bockes.

Kurze Zusammenfassung

Der Rückblick auf den ursprünglichen mit Abraham geschlossenen Bund ist wie ein fest verankertes Teleskop. Hunderte von Jahren schien das fleischliche Israel der Same Abrahams zu sein, das die Verheißungen hatte und durch das alle Nationen gesegnet werden sollten. Doch nach mehr als 1.600 Jahren wurde das Teleskop aus seiner Halterung gerutscht, und die Dinge veränderten sich so grundlegend, daß die Juden bis zum heutigen Tag nicht wissen was geschah. Was eintrat, war, daß Jesus Christus kam und selbst der Same Abrahams wurde, indem er das Gesetz befolgte. Er starb für Adams Geschlecht und wurde hoch erhöht, um der geistige Same Abrahams zu werden. Dann war er bereit, den irdischen Teil von Israels Segnungen allen zu geben, die ihn haben wollten – durch Rechtfertigung aus Glauben. Verwirrt hielt Israel sich fern, und Gottes Gunst ging über zu den wenigen aus Seinem Volk und zu den Tausenden anderer, den Nationen, die davor in Finsternis gelebt hatten. Nachdem nun diese das segensreiche Vorrecht der Rechtfertigung ihres Menschenlebens angenommen hatten, wurden sie eingeladen, dieses aufzugeben, zu opfern, wie es ihr Heiland getan hatte.

Dieses Werk des Opferns wurde viele Jahrhunderte hindurch vollbracht, und es wird bald beendet sein. Wenn dieser Zeitpunkt erreicht ist, an wen wird dann jenes segensreiche Vorrecht der Gemeinschaft mit Gott und jene Bündnisvorrechte weitergereicht? Darauf ist zu antworten, daß die Apostel und die Propheten erklären, daß sie Israel zurückgegeben werden, aber nicht in Form ihres eigenen Gesetzesbundes, sondern durch einen Gesetzesbund, den der Herr dann mit ihnen machen wird. Der Erlöser und seine opfernden Gefährten, seine Leibesglieder oder seine Braut, werden als Mittler dieses neuen Bundes zwischen Gott und Israel tätig sein. – Hesekiel 16:60 und 61, Römer 11:27 – 32

Darüberhinaus werden sich die segenbringenden Vorrechte nicht auf die Menschen jüdischer Nationalität beschränken, sondern alle Völker auf der Erde werden das Recht bekommen, wahrhaft und ohne Betrug „Israeliten” zu werden und unter den Vorgaben, Bedingungen und Segnungen dieses Neuen Bundes zu leben.

So wird sich schließlich das Blut Christi in seiner Wirkung und seinem Segen nicht nur auf den Haushalt des Glaubens in diesem Zeitlauf erstrecken, sondern im nächsten Zeitalter auch auf die Juden und durch sie auf alle Völker. Nichtsdestoweniger wird durch das Blut Christi die Segnung erfolgen, und durch die Wirksamkeit seines Blutes werden alle Nationen zur Gemeinschaft mit Gott zurückgeführt werden, denn 1. das geistige Israel und 2. das fleischliche Israel werden diesen Segen gemeinsam austeilen.

Wir sollen uns dabei klarmachen, daß ein Priester nie Mittler eines Bündnisses ist, und daß ein Mittler eines Vertrages nie Priester ist, der ein Sündopfer darbringt und Sühne bewirkt. Was also Gott in Seinem Wort klar getrennt hat, das müssen auch wir in unseren Gedanken und Worten auseinanderhalten, sonst werden sich die Begriffe in unserem Denken verwirren, auch wenn wir gut andere Dinge festhalten.

Gott trifft Vorbereitungen für die Ernte

„Was aber Zeiten und Zeitpunkte betrifft, Brüder, so habt ihr nicht nötig, daß euch geschrieben wird, denn ihr selbst wißt genau, daß der Tag des Herrn so kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit! Dann kommt ein plötzliches Verderben über sie wie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen. Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, daß euch der Tag wie ein Dieb ergreife; denn ihr alle seid Söhne des Lichtes und Söhne des Tages.” – 1. Thessalonicher 5:1 – 5

Die allgemeine Richtung der menschlichen Gedanken wird durch Petrus ausgedrückt, der über die gegenwärtige Zeit voraussagt, was weltlich gesinnte Menschen sagen werden: „Wo ist die Verheißung seiner Ankunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so von Anfang der Schöpfung an.” Von der Welt ist nicht zu erwarten, daß sie den Plan Gottes kennt, aber das wahre Volk Gottes besitzt die Verheißung Seiner besonderen Unterweisung, so daß sie hinsichtlich des göttlichen Planes nicht in Finsternis sein werden.

Unsere Welt ist sechtausend Jahre lang das Schlachtfeld zwischen den Mächten des Lichtes und der Finsternis gewesen, der Wahrheit und des Irrtums, der Gerechtigkeit und der Sünde, des Fürsten der Finsternis, der an anderer Stelle als „Fürst dieser Welt” bezeichnet wird. Dieser hat seine Streitkräfte persönlich geleitet und die Massen kontrolliert und kontrolliert sie noch immer. Der Fürst des Lichts wird auf eine schwache Weise durch Botschafter repräsentiert, die von ihm besonders gewarnt wurden, daß sie nicht fleischliche Waffen benutzen noch fleischliche Methoden anwenden, sondern daß sie diejenigen, welche ihnen entgegenstehen, mit Sanftmut zurechtweisen. Sie müssen den vorhandenen „Obrigkeitlichen Gewalten” in dem Ausmaß untertan sein, wie es ihnen ihr Gewissen erlaubt und so weit als möglich mit allen Menschen in Frieden leben. – Römer 12:18

Diese Erfahrung der Unterwerfung gegenüber den Mächten des Bösen ist eine schwer durchzuführende Lehre gewesen, schwer zu begreifen; eine Prüfung die sowohl für den Glauben als für das Ausharren, den Wert von dem zu erkennen, was machmal schwer fällt, wertgeschätz zu werden. Aber diese müssen im Glauben wandeln und nicht im Schauen, wenn sie dem Anführer ihrer Errettung gefallen wollen. Denn Jahrhunderte lang sind in ihren Herzen Gebete zu Gott aufgestiegen: „Wie lange o Herr!” Die Vernunft versichert ihnen, daß es nicht die göttliche Absicht gewesen sein kann, für immer den Sieg der Sünde und des Todes zu gestatten. – Offenbarung 6:10

Pflügen, säen, ernten

Gott stellt sich selbst als der große Landwirt dar. Jedes Zeitalter ist eine „Jahreszeit”, welche ihre eigene Ernte hat. Jede Zeitepoche hat ihre eigene Zeit, das Feld zu pflügen, guten Samen auszusäen und das Erntewerk zu betreiben. Als Bibelforscher haben wir schon das vollbrachte Werk des Zeitalters, das mit der Flut endete, erkannt, das unterschiedliche Werk, das während des Patriarchen-Zeitalters vollbracht wurde und das noch unterschiedliche Werk, das während des Jüdischen Zeitalters vollbracht wurde, welches vom Tod Jakobs an währte und besonders von der Einrichtung des Gesetzes an bis zum Tod von Jesus.

Unseres Herrn Dienst von dreieinhalb Jahren am Ende ihrer Zeit der Gunst oder des „Tages ihrer Heimsuchung” war eine Erntezeit für das jüdische Volk. Er sagte zu seinen Jüngern: „Ich habe euch gesandt zu ernten, woran ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten.” – Johannes 4:38 Das mit dem Jüdischen Zeitalter verbundene Pflügen und Säen fand in der fernen Vergangenheit statt. Die ägyptische Gefangenschaft diente dazu, ein Werk des Pflügens zu verrichten wie auch des Entkommen Israels aus der Gefangenschaft und der vierzigjährigen Wanderung in der Wüste, bevor sie Kanaan erreichten. Die Erteilung des Gesetzes und ihre Gründung als ein Volk, die Lektionen ihrer Opfer und die Ermahnung durch ihre Propheten, beinhalteten alle eine Erfahrung des Samensäens, des Eggens und des Entwickelns. Am Ende ihres Zeitalters sammelte Jesus die reifen Früchte jener Erfahrungen – diejenigen, die dadurch geheiligt und entwickelt wurden im Charakter und Gehorsam gegenüber Gott.

Die Ernte, die von unserem Herrn und den Aposteln eingesammelt wurde, umfaßte Tausende. Diese wurden aus dem Judaismus von denen, die unter dem Gesetzesbund waren, in die Christenheit hineingesammelt – gesammelt unter einem Bund und nur angewendet auf „die Kirche, welche der Leib Christi ist”. Dieser Bund, unter dem sie mit dem Messias verbunden wurden, lautet: „Versammelt mir meine Frommen [meine Heiligen], die meinen Bund geschlossen haben beim Opfer!” – Psalm 50:5 Alle, die so als Glieder des Leibes des Messias in eine Beziehung zu Gott kamen, kamen auf dem Weg des Kreuzes – indem sie ihre eigene Unvollkommenheit erkannten und Jesus und sein Opfer als eine Begleichung für ihre Sünden annahmen, als eine Bedeckung ihrer Mängel, durch welche allein ihre Opfer „heilig und annehmbar für Gott” gemacht wurden. – Römer 12:1

Das Säen folgt dem Ernten

Das Erntewerk des Jüdischen Zeitalters, welches in das Werk des Säens des Evangelium-Zeitalters überging als eine Einladung, Mitopferer mit Jesus zu werden, wurde auf solche ausgeweitet, die unter den Nationen – abgesehen von den Juden – hörende Ohren besaßen. Seit neunzehn Jahrhunderten ist dieses Werk des Säens mit „erschütternden” Erfahrungen und verschiedenartigen Entwicklungen fortgeschritten. Jetzt haben wir im Gegenzug die Ernte dieses Evangelium-Zeitalters erreicht – die Erntezeit, die Zeit des Einsammelns in die Scheune hinter den Vorhang – durch die Kraft der Ersten Auferstehung.

„Und die Gottlosen werden es alle nicht verstehen, die Verständigen aber werden es verstehen”, ist des Herrn Erklärung – Daniel 12:10 Unser Leittext erklärt, „ihr, Geschwister, seid, was diese Zeit betrifft, nicht in Finsternis”. Dies gibt zu verstehen, daß entweder die Geschwister nur sehr wenige sind oder daß eine beträchtliche Zahl von ihnen noch nicht ausreichend aufgewacht sind zu einer Wahrnehmung, in welcher Zeit und welchem Zeitalter wir leben. Viele der Geschwister und viele in der Welt und viele der „Bösen” erkennen, daß wir in seltsamen Zeiten und unter besonderen Umständen leben. Diese versuchen sich selbst zu überzeugen; was wir jedoch heute sehen ist nur eine Wiederholung von dem, was sich während der vergangenen Jahrhunderte immer wiederholt hat. So schläfern sie sich selbst ein, indem sie sagen: „Friede und Sicherheit!” – 1. Thessalonicher 5:3

Diese Haltung wird in der Schrift vorhergesagt: „Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit! Dann kommt ein plötzliches Verderben über sie.” Nur die „ Geschwister”, sind bevorrechtigt, das hellere Licht hinsichtlich der gegenwärtigen und zukünftigen Bedingungen zu empfangen. Wir wissen, daß wir uns in der Erntezeit dieses Zeitalters befinden – der Zeitrechnung – der Zeit der Prüfung – der Zeit, in der der „Weizen” in die himmlische „Scheune” eingesammelt werden soll – der Zeit, in der das Feld in einer feurigen Drangsal von allen „Unkräutern” gereinigt werden soll – der Zeit, wenn der Pflug der Drangsal durch die Menschenwelt pflügen wird, um die ganze Welt für das Neue Zeitalter vorzubereiten, das in Kürze beginnen wird.

Der Pflüger rückt nahe an den Schnitter

Die göttlichen Methoden und die in schneller Folge geschenden Ereignisse des göttlichen Planes illustrierend sagt uns der Herr durch den Propheten, daß „der Pflüger nahe an den Schnitter rücken wird”. – Amos 9:13 So ist jeder Zug des göttlichen Planes zeitlich so genau geplant, daß Teilstück um Teilstück und Werk für Werk eng zusammenpassen. Die Ernte der gegenwärtigen Zeit ist das Einsammeln der Früchte dieses Evangelium-Zeitalters – das Einsammeln der „Kirche der Erstgeborenen, deren Namen im Himmel angeschrieben sind” – jener, die einen Bund mit Jahwe beim Opfer geschlossen haben.

Das Haupt des heiligen Messias, das vor zwanzig Jahrhunderten entwickelt und verherrlicht wurde, ist Jesus. Die Glieder des Leibes dieses Messias sind aus jeder Nation, zuerst aus den Juden und dann aus allen Nationen, gesammelt worden. Gottes Ruf und Erwählung der heiligen Opferer dieses Evangelium-Zeitalters läßt alle Sektierer, alle namentlichen Bekenner, alle nationalen Schranken aus – „Der Herr kennt, die sein sind”. Die Winde der Gewalt, „die Winde der Luft”, die in Kürze losgelassen werden, und die den schrecklichen „Sturm” verursachen, werden zurückgehalten, bis die Versiegelung der Diener Gottes an ihren Stirnen vollendet worden sein wird.

Dieses Versiegeln an der Stirn zeigt eine intellektuelle Wertschätzung der himmlischen Dinge an, und sie ist aufs Engste mit dem Erntewerk verbunden. Die Versiegelten sind der reife Weizen, der in die himmlische Scheune eingesammelt wird. Sobald das Werk des Versiegelns vollendet worden sein wird, werden die Winde des Streites und der Drangsal losgelassen werden entsprechend der Erklärung des Meisters, und das Resultat wird „eine Zeit der Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist” – und auch nie sein wird. Die schreckliche Lektion, die dann von der Menschheit gelernt werden wird, wird für alle Zeit ausreichend sein. Streit, Haß und Bosheit, die Anarchie jenes Tages der Bedrängnis, wird an verschiedenen Stellen des Wortes Gottes beschrieben. – Offenbarung 7:1, Matthäus 24:21 und Psalm 46:8 – 10

Die drohende Zeit der Bedrängnis wird in der Tat als eine Zeit des Zornes Gottes erklärt, und wir dürfen nicht diesen Zug der Bedrängnis verkennen. Die göttliche Gerechtigkeit empfindet Empörung gegenüber Ungerechtigkeit und Selbstsucht im allgemeinen, denn Selbstsucht ist eine andere Bezeichnung für Sünde. Jede Sünde ist Selbstsucht und jede Selbstsucht ist Sünde. Industriekapitäne, führenden Erzieher und Besitzer von Reichtümern haben heute eine größere und günstigere Gelegenheit Gutes zu tun und tragen daher eine größere Verantwortung für ihre Handlungen gegenüber ihren Mitmenschen als die Könige der Erde.

Dann gibt es Führer des Volkes, Präsidenten und Sekretäre von Vereinigungen, usw., die auch in leitender Stellung sind und auch eine große Verantwortung tragen. Alle nehmen wahr, daß sich die Menschenwelt rapide einer Krise nähert. Das fast schon wunderbare Öffnen der Augen des Verständnisses, das Gott seit Kurzem gewährt hat, hat die Welt mechanische und technische Erfindungen und chemische Entwicklungensprozesse machen lassen, welche die Welt mit beeindruckender Schnelligkeit bereichert haben.

Auch wenn diese Segnungen in beträchtlichem Maße die Massen der Menschheit erreicht und alle auf eine höhere Ebene des Komforts gebracht haben, hat trotz alledem die Erziehung die Augen des menschlichen Verständnisses entsprechend geöffnet. „Das allgemeine Volk” schaut mit Staunen auf den Luxus der Reichen wie die Barbaren des Altertums auf die viel geringere Pracht Roms schauten. Sie sind begehrlich, sie sind hungrig auf das, was sie als ihren „Teil” der Belohnung bezeichnen, der durch die Vorsehung mit so verschwenderischer Hand ausgeteilt wurde.

Selbst wenn die unübersehbare Zunahme des Reichtums durch Maschinen, Chemie, usw., gleichmäßig verteilt sein sollten, bezweifeln wir, daß es diesen neugeborenen Sinn erfreuen würde.

Zwei möglich Lösungen

Es scheint zwei mögliche Lösungen zu geben:

  1. All die Reichen in Heilige zu bekehren, deren Freude es sein würde, die Flut des Reichtums, die nun einkommt, so zu verwalten, daß er zur allgemeinen Segnung der Menschheit dient, entsprechend der wohlwollendst vorstellbaren Richtlinie; oder
  2. die Massen der Menschheit in Heilige umzugestalten, und sie so mit den Himmlischen Hoffnungen und Aussichten zu erfüllen, so daß sie sich weder für die irdischen guten Dinge besonders sorgen, noch sich nach ihnen sehnen würden, sondern sich vielmehr dessen erfreuen würden, solche zu sein, „die in den Augen der Welt arm sind, daß sie reich im Glauben und Erben des Reiches würden”. – Jakobus 2:5

Wir bekennen, daß keine von beiden Lösungen praktisch durchführbar erscheint. Wir können nicht glauben, daß eine von beiden vollendet werden kann, da wir glauben, was die Bibel lehrt, daß ein schrecklicher Konflikt zwischen diesen zwei Klassen im Entstehen begriffen ist, weil weder die eine noch die andere völlig für die Wege des Herrn umgewandelt werden kann. Wie froh können wir sein, daß die Bibel zeigt, daß der Höhepunkt des Konflikts ewigen Frieden bringen wird – eine gerechte, liebevolle, unparteiische Einstellung der irdischen Angelegenheiten unter der Messianischen herrlichen Herrschaft von tausend Jahren.

Die göttliche Regelung

Jemand mag die Frage stellen, ob diese gleichen Schwierigkeiten nicht jede neue Regierungsform, welche der Messias oder andere einführen mögen, heimsuchen würden? Wird nicht das Element der Selbstsucht für immer in den menschlichen Herzen bestehen bleiben, und wird es nicht mit sich bringen, daß es in alle Ewigkeit einen Streit der selbstsüchtigen Interessen geben wird? Wir antworten, nein. Der göttliche Plan löst das Problem vollkommen. Jesus hat seine Selbstlosigkeit gegenüber den irdischen Dingen gezeigt. Seine Übergabe seines Lebens prüfte nicht nur seine Loyalität gegenüber der Gerechtigkeit und gegenüber dem Willen des Vaters, sondern prüfte auch seine Selbstlosigkeit – seine Liebe. „Größere Liebe hat niemand als die, daß er sein Leben hingibt für seine Freunde.” – Johannes 15:13

Dieser Freund der Menschlichkeit soll der große König der Welt in dem neuen Zeitalter sein, und die Seinen, die mit ihm sind in dem Königreich, die Brautklasse, sollen nur solche sein, die seinen Geist besitzen und die Gesinnung zum Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters – Selbstaufopferung und Liebe für den Mitmenschen – uneigennützige selbstlose Liebe. Unter den gegenwärtigen Bedingungen mögen diese nicht immer bekannt sein noch ihr wahrer Charakter und ihre Uneigennützigkeit erkannt werden, weil sie „ihren Schatz „in irdenen Gefäßen” haben, welche nicht immer ihre wahre Güte des Herzens offenbaren. – 2. Korinther 4:7

Es entspricht der göttlichen Vorsehung, daß denen, die ihre Selbstlosigkeit des Herzens und Treue gegenüber dem Herrn demonstrieren werden, in der Auferstehung neue Leiber gegeben werden sollen. – „Es wird gesät in Vergänglichkeit, es wird auferweckt in Unvergänglichkeit. Es wird gesät in Unehre, es wird auferweckt in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit, es wird auferweckt in Kraft, es wird gesät ein natürlicher Leib”, mit Adamischer Schwachheit und fleischlicher Unvollkommenheit. Sie werden auferweckt werden mit geistigen Leibern – vollkommen, völlig ohne irgendeinen Mangel. – 1. Korinther 15:42 – 44

Diese, die in der Gesellschaft ihres Erlösers sind, werden die Königreichs-Klasse ausmachen, welche in der Welt herrschen soll für tausend Jahre unter ihrem Haupt Jesus. Sicherlich können wir diesen vertrauen und unsere Zuversicht in sie setzen. Die Tatsache, daß Gott sie ausgewählt hat, und daß es Sein Wohlgefallen ist, ihnen die Herrschaft über die Welt für tausend Jahre zu übergeben, bezeugt ihre Würdigkeit und Fähigkeit über jeden Zweifel hinaus.

Jene Herrschaft wird keine Republik sein, sondern eine Monarchie, eine Theokratie, ein göttliches Königreich. Christus und seine Braut werden der König und die Königin des neuen Zeitalters sein, die den Satan und die gefallenen Engel verdrängen, die für Jahrhunderte die Kontrolle gehabt haben. Das Königreich Gottes wird unsichtbar sein, wie es das Königreich der Finsternis gewesen ist. Es wird durch menschliche Mittler wirken, wie die anderen auch. Aber sogar seine menschlichen Mittler sind vorgesehen worden. Die Schriften informieren uns, daß die Würdigen des Jüdischen Zeitalters und die vorher lebten, Fürsten auf der ganzen Erde sein werden, die das Königreich des Messias unter den Menschen darstellen werden. Und nicht nur das, werden sie auch vollkommene Menschen sein, die durch ihre Teilnahme an der „Auferstehung zum Leben” so gemacht wurden. Was für eine großartige Aussicht! – Psalm 45:16

Die Zeit der Bedrängnis wird, obwohl schrecklich, nur kurz sein, wie es vorbildlich in der schrecklichen Bedrängnis dargestellt ist, die in der folgenden Ernte über die jüdische Nation kam. Dann wird der Einebnungsprozeß kommen, der nach der göttlichen Ordnung einen Segen für einen jeden bekunden wird. Mit anderen Worten sind die Sozialisten und Anarchisten nicht so weit entfernt von einer genauen Vorstellung von dem, was schließlich vorherrschen wird, aber sie sind weit in die Irre gegangen, was die Methoden betrifft, durch die dies erlangt werden wird. Ihr Versuch das Ruder über die Weltangelegenheiten zu ergreifen, zeigt einen völligen Mangel von Wertschätzung des mächtigen Einflusses, mit dem sie zu kämpfen scheinen. Ihre Anstrengungen werden nur die schreckliche Drangsal, welche die Schriften vorhersagen, über sie selbst und über andere bringen.

Gottes Volk wird deutlich gewarnt, daß sie die Finger davon lassen, daß sie sich mit den Mächten, die gegenwärtig sind, nicht einlassen – ihr Vertrauen muß auf den Herrn beruhen und nicht auf den Gebrauch fleischlicher Waffen. Jakobus, der über diese Sache schreibt, erklärt die kommende Bedrängnis und sagt, daß diese besonders heftig über die Reichen kommen wird: „Nun also, ihr Reichen, weint und heult über eure Plagen, die über euch kommen.” – Jakobus 5:1 – 7 Zweifellos werden die Bedrängnisse gleichfalls über die Armen kommen; aber ihnen werden sie weniger schwer erscheinen, da sie an weniger gewohnt sind. Gottes Volk gilt die Botschaft: „Habt nun Geduld, Brüder, bis zur Ankunft des HERRN.” „Darum wartet auf mich, spricht der HERR, auf den Tag, an dem ich mich aufmache zur Beute!” – Zephanja 3:8 „Sucht Gerechtigkeit, sucht Demut! Vielleicht werdet ihr geborgen am Zornestag des HERRN.” – Zephanja 2:3

Der Heilige Geist

„Und sie wurden alle mit Heiligem Geiste erfüllt.” – Apostelgeschichte 2:4

In den unserem Leittext vorausgehenden Ausführungen der Apostelgeschichte ging es um die Zusage des Heiligen Geistes, des Trösters, und um die Anweisung an die Apostel und Gläubigen, in Jerusalem zu bleiben, bis sie mit der Kraft von oben ausgerüstet wären für ihren Dienst, den ihnen der Herr aufgetragen hatte: allen Menschen das Evangelium zu predigen. Es ging auch um die Art und Weise, wie der Herr seinen Nachfolgern seine Auferstehung, seine Verwandlung von der menschlichen zur geistigen Natur und seine Auffahrt zum Vater bewies. Dabei erklärte der Herr auch, daß er in ein weit entferntes Land gehen würde, daß er in sein Amt als König eingesetzt werden sollte, und daß er wiederkäme und seine Getreuen zu sich holen würde.

In der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten wird von manchen die Erfüllung der Zusage des Herrn „wiederzukommen” gesehen. Aber nichts in diesem Ereignis kann weiter entfernt sein von den Worten des Herrn und von den Erwartungen der Apostel als der Gedanke seiner unmittelbaren Wiederkunft, wie im Folgenden dargelegt werden soll.

Als der Herr zu den Aposteln sagte, daß er wiederkäme und sie zu sich nähme, sagte er auch, daß sie bis zum Ende des Zeitalters während seiner Abwesenheit das Evangelium der ganzen Welt zum Zeugnis predigen sollten. Er machte ihnen klar, daß sie währenddessen verfolgt werden und von den Menschen um seinetwillen verachtet werden würden, und daß sie zu diesem großen ihnen aufgetragenen Werk zunächst nicht fähig sein würden, und sie es deshalb erst anfangen sollten, wenn sie „mit der Kraft von oben” ausgestattet würden. Dies sei die Verheißung des Vaters, der Beweis Seiner Anerkennung, der Vorgeschmack Seines Segens, der vollendet wird in der Verherrlichung der Kirche im Reich Gottes. – Römer 8:23 Der Herr sagte nicht, daß der Heilige Geist er selbst ist, sondern daß der Geist nur eine Kraft oder ein Einfluß ist, der vom Vater und von ihm ausgeht. – Apostelgeschichte 1:4 und 5

Keiner der Apostel hatte den Gedanken, daß der Heilige Geist der Herr ist, noch daß dessen Ausgießung die zweite Gegenwart war. Ganz im Gegenteil: Sie sprachen von der Ausgießung als vom „Unterpfand” oder von den „Erstlingsfrüchten” des Geistes, eine göttliche Segnung für die Kirche. In seiner Ansprache in der Kraft des Heiligen Geistes sagte der Apostel Petrus, nachdem er den Tod und die Auferstehung Christi erläutert hatte: „Nachdem er nun durch die Rechte Gottes erhöht worden ist und die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater empfangen hat, hat er dieses ausgegossen, was ihr sehet und höret.” – Apostelgeschichte 2:33 Aus keiner Andeutung geht irgend hervor, daß ‚dieses‘, die Ausgießung des Geistes, das zweite Kommen des Herrn ist, wird doch an gleicher Stelle erklärt, daß der Herr zu diesem Zeitpunkt hoch erhöht beim Vater war und Geist oder Kraft auf seine Kirche strömen ließ, nachdem der Vater durch die Versöhnung, die er durch seinen Opfertod bewirkt hatte, ihm die Macht dazu gegeben hatte.

Einen besseren Beweis dafür, daß die Apostel die Ausgießung des Heiligen Geistes nicht als das zweite Kommen des Herrn, als die Aufrichtung seines Reiches usw. verstanden, konnte es nicht geben als die Tatsache, daß sie in ihren Ansprachen unter dem Einfluß dieser wundersamen Macht ständig und mehrfach die Kirche ermahnten, auf noch größere Segnungen bei der Wiederkunft des Herrn zu warten und damit zu rechnen, und daß sie den Zuhörern versicherten, daß das bisher Empfangene nur ein Vorgeschmack ist. Nicht nur einer der Apostel weist auf das spätere zweite Kommen des Herrn hin, sondern alle haben das getan – Paulus, Petrus, Jakobus, Judas und Johannes weisen sehr nachdrücklich auf das zweite Kommen des Herrn hin als auf die größte Hoffnung und den mächtigsten Ansporn für Glauben, Mut, geduldiges Ausharren und Hoffnung für die Dinge, die uns zuteil werden bei der Offenbarung unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus. Jene Interpretatoren der Schrift aber, die in dem Bestreben, die Aufmerksamkeit von Gottes Volk von der ihm bereiteten Hoffnung des Evangeliums, von der „herrlichen Erscheinung unseres Herrn und Heilands Jesus Christus” abzuziehen und ihnen nahezulegen, daß die zweite Gegenwart unseres Herrn an Pfingsten stattgefunden hat, machen sich einer groben Fehldeutung des Wortes Gottes schuldig. Angesichts der Fülle von Zeugnissen gegen diesen Standpunkt und des Fehlens von Zeugnissen, die ihn etwa stützen, ist es sicher nicht weit hergeholt, von einer bewußten „Verdrehung der Schrift” zu sprechen.

Trotz herrschender Irrtümer über dieses Thema sollten wir das Licht im Licht des Herrn sehen und uns nicht durch eigene oder anderer Leute Finsternis durcheinanderbringen lassen. Wie befremdlich wäre es denn für den Apostel Johannes in seiner fast 60 Jahre nach dem Pfingstereignis erfolgten bedeutsamen Vision, der Offenbarung, die zu unserer Information aufgezeichnet werden sollte, und die Symboldarstellungen von Vorgängen des Evangeliumszeitalters, von dessen Endphase, vom zweiten Kommen Christi, vom Gerichtstag im Millennium, von der schließlichen Vernichtung Satans und des Bösen und von der Aufrichtung des ewigen Reiches Gottes danach – wie befremdlich und unlogisch wären alle diese Abläufe, wenn die zweite Gegenwart unseres Herrn 60 Jahre zuvor stattgefunden hätte, wenn Johannes, zwar vom Heiligen Geist segensreich überwaltet und ausdrücklich inspiriert zur Unterweisung der Kirche, völlig unwissend im Bezug auf die Wahrheit gelassen worden wäre, als er sagte: „Komm, Herr Jesus, komm bald!”

In Apostelgeschichte 2 Vers 2 heißt es nicht, daß der Heilige Geist wie ein starker Wind kam, sondern es heißt, daß ein Geräusch wie von einem starken Wind zu hören war. Ein Wind ist eine unsichtbare Kraft, und so ist der Heilige Geist eine unsichtbare Kraft. Daher war das Windgeräusch als Symbol für den Heiligen Geist überaus passend, und es war das Mittel der Wahl, die Aufmerksamkeit der Apostel auf die über sie kommende wunderbare Segnung zu lenken. Etwas Besseres für jene unsichtbare Kraft, mit der sie ausgestattet wurden, ist nicht vorstellbar. Das Wort „Geist” kommt von den selben griechischen und hebräischen Worten wie die Worte „Atem” und „Wind”: nicht daß der Heilige Geist etwa nur Atem oder Wind wäre; doch im Symbol stellt nichts anderes Gottes unsichtbare Kraft so treffend dar.

Auch die zerteilten Zungen oder feuerähnlichen Lichter auf ihren Köpfen waren genauso offensichtlich symbolischer Natur und stellten Erleuchtung dar, die Einsicht, die durch den Geist geschieht. Dieser hätte mit gleicher Kraft ohne Windgeräusch oder Feuerzungen über sie ausgegossen werden können; doch diese äußeren Zeichen hatten zweifellos den Zweck, daß die Kirche die Situation voll erfaßte, daß sie auf die damit verbundene Segnung eingestellt war und sie wertschätzte, und daß die Sache bemerkenswerter und erfreulicher für sie war.

In dem Saal, in dem sich diese Ausgießung des Heiligen Geistes ereignete, waren damals 120 Gläubige. Sie alle wurden mit dem Geist erfüllt, der im ganzen Haus zugegen war. Ob aber die Feuerzungen auf anderen Personen als den Aposteln verweilten oder nicht, kann man nicht mit Gewißheit sagen. Es ist denkbar, daß sie nur auf den Aposteln gesehen wurden, könnte sie als Mundstücke des Geistes herausgehoben haben. Gewiß und vernünftig anzunehmen ist, daß die Apostel allein diejenigen waren, die anschließend predigten, was in verschiedenen Sprachen gehört wurde. Der Text sagt ja: „Siehe, sind nicht alle diese, die da reden, Galiläer?” – Apostelgeschichte 2 Vers 7 Es ist unwahrscheinlich, daß alle 120 anwesenden Personen Galiläer waren, eher kann man annehmen, daß die meisten Judäer waren; aber die elf Apostel waren alle aus Galiäa, und deshalb spricht vieles dafür, daß allein sie gepredigt haben und auch die Feuerzungen im Obersaal nur an ihnen zu sehen waren.

Die Zahl der Israeliten oder Juden, die in den umgebenden Ländern „verstreut unter den Heiden” wohnten, wo sie ihren Geschäften nachgingen, war weit größer als die Zahl der Einwohner des jüdischen Palästina. Unter ihnen herrschten jedoch Verehrung und Zuneigung zum Heiligen Land und zum Gesetz; in diesem war vorgeschrieben, daß man zumindest repräsentativ beim Passah oder zu Pfingsten zusammenkommen sollte. Daher kamen sehr viele aus den umgebenden Ländern nach Jerusalem als Abgesandte von Familien und Gemeinden, um bei der Gelegenheit den Zehnten zu entrichten und im Tempel zu beten und zu opfern. Gemäß einer zu Neros Zeit durchgeführten Volkszählung versammelten sich mehr als 2.700.000 Personen zum Passah, und eine noch größere Anzahl zu Pfingsten. Die letztgenannte Personenzahl zu Pfingsten erklärt sich zweifellos daraus, daß dieses Fest im Sommer stattfand. Diese vielen Leute kamen nicht aus bloßer Neugierde, sondern waren fromme Menschen.

Man kennt die Länder, aus denen viele von ihnen kamen; sie befinden sich in einem Radius von mehreren hundert Kilometern um Israel und gehören zu den aufgeklärtesten Teilen der damaligen Welt. Auch wenn Griechisch die vorherrschende Sprache der Zeit für Verwaltungsdinge und unter den Gebildeten war, beherrschte die Mehrheit der Leute im Wesentlichen nur ihre Muttersprache bzw. ihren heimatlichen Dialekt, und auch die Art des Gottesdienstes in Jerusalem erforderte nicht, daß man die dortige Sprache besonders gut konnte. Man kam zusammen, um anzubeten und Opfer darzubringen, weniger, um Predigten zu hören. Zweifellos aber zielte die Anordnung des Herrn durch Mose bezüglich dieses Festes darauf ab, die Gelegenheit zur Verbreitung der frohen Botschaft unseres Schriftberichts zu nützen. Und das dort vernommene Zeugnis der Apostel wurde ganz sicher in jede Ecke weitergetragen – wenn auch meist nicht so machtvoll, daß die Menschen sich zu Christus bekannten, so doch wirksam genug, um in gewissem Umfang den Weg zu bereiten für die Botschaft, die durch die Apostel und ganz allgemein durch Gläubige in der ganzen Welt verbreitet werden sollte. Diese Träger der Botschaft wurden, bedingt durch die ummittelbar folgenden Christenverfolgungen in Jerusalem, vielfach vertrieben und gingen „überall hin” und predigten das Evangelium.

Auch wenn die zuvor genannten Menschen religiös gesinnte, fromme Leute waren, scheint das Wunder der Apostel, die in verschiedenen Sprachen gehört und verstanden wurden, mehr bewirkt zu haben als einige neugierig zu machen; andere schlossen daraus auf eine üble Ursache, auf Trunkenheit. So versuchte Satan, der darauf aus war, unseren Herrn als „Weinsäufer” und vom obersten der Dämonen, Beelzebub, besessen hinzustellen, die Leute davon abzuhalten, daß sie die Evangeliumsbotschaft hörten, die mit Macht vorgetragen wurde, aus dem Himmel kam und sich in wunderbaren Zeichen kundtat. Damals wie heute wurde Gottes Volk von sogenannten frommen Leuten verleumdet.