Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Das Hochzeitsfest (Matthäus 22:1-14)

„Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Brut unter die Flügel, und ihr habt nicht gewollt!” – Lukas 13:34

Hier haben wir ein weiteres Gleichnis über das Reich Gottes vor uns. Es ist eine Lektion darüber, daß Gottes Verheißungen und Seine Vorsorge für Israel unter dem Gesetzesbund alle darauf gerichtet sind, die Israeliten zu rüsten und vorzubereiten, damit sie Gottes heiliges Volk werden, und besonders, damit beim Kommen Christi eine genügende Anzahl vorhanden ist, daß die auserwählte Kirche, die Miterben des Messias in seinem Reich, eine Braut, vorhanden ist. Das Gleichnis offenbart, daß nur wenige von ihnen aufrichtige und „wahre Israeliten” waren- zu wenige, um die Königreichsklasse zu bilden. Deshalb erging der Ruf des Evangelium-Zeitalters, durch den aus den Nationen eine ausreichende Anzahl untadelige Charaktere ausgewählt werden, um mit dem jüdischen Überrest Miterben im Reich des Messias zu werden.

Dieses Reich, auch Reich Gottes genannt, wird kein irdisches, sondern ein himmlisches Reich sein, dessen Regent, der verherrlichte Christus, auch kein irdischer, sondern ein himmlischer König der höchsten Daseinsstufe, der göttlichen Natur, sein wird. Dieses Königreich, das Gott und die himmlische Herrschaft oder Regierung repräsentiert, wird zur Austilgung der Sünde unter den Menschen errichtet. Sein erstes Werk wird das Binden Satans sein, des Fürsten dieser Welt. Danach werden alle Akteure der Finsternis beseitigt. Dieses Umstürzen wird zunächst eine große Drangsalszeit mit sich bringen. So wie dann die Herrschaft der Gerechtigkeit zunimmt, wird danach der Fluch in jeder Form den Segnungen des Messianischen Reiches weichen, bis er gänzlich hinweggetan sein wird, genauso wie alles Seufzen, Weinen und Sterben.

Bevor aber dieses himmlische Reich aufgerichtet wird, erfüllt sich ein Teil des göttlichen Plans und Seiner Anordnungen, daß nämlich aus den Menschen eine Brautklasse gefunden wird. Damit sind die Geistgezeugten und Gottes Helfer gemeint, in denen Er wirkt durch die außerordentlich großen und kostbaren Verheißungen der Schrift und durch Seine Einflußnahme. So werden sie in ihrem Denken umgewandelt und zubereitet für ihre Auferweckung als Neugeborene, in der sie verwandelt werden „in einem Nu, in einem Augenblick” aus der irdischen zur geistigen Natur. Dergestalt werden sie in die Freuden ihres Herrn eingehen und seine Miterben, seine Brautklasse in seinem Reich sein.

Bedeutung des Gleichnisses

Auf die Bildung dieser Klasse wartet die Welt seit Jesu Tagen, als er durch seinen Tod einen neuen Weg zum Leben eröffnet hat und der Fürsprecher vor dem Vater wurde für all die Menschen, die den Wunsch haben, seine Jünger, seine Miterben, seine Braut zu werden.

Unsere Ausführungen betreffen das Projekt „Königreich” zur Zeit des Wirkens unseres Herrn auf der Erde. „Er kam in das Seinige, und die Seinigen nahmen ihn nicht an; so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden.” – Johannes 1:11 und 12

Jahwe selbst ist der König, der für Seinen Sohn ein Hochzeitsfest ausgerichtet hat und vor Grundlegung der Welt geplant hat, daß Christus in Seinem Reich Miterben zugesellt werden. Diese Hochzeit konnte natürlich erst stattfinden, als der Sohn des Königs in die Welt gekommen war und für seine Nachfolger und für sein Reich, dessen König er sein sollte, die Bahn freigemacht hatte.

Zur gegebenen Zeit sandte Gott Seine Diener und ließ die Geladenen zur Hochzeit bitten; sie aber wollten nicht kommen. Johannes der Täufer und seine Jünger leisteten Vorarbeit und machten das jüdische Volk darauf aufmerksam, daß der Sohn des Königs in ihrer Mitte war. Er sagte. „… mitten unter euch steht, den ihr nicht kennt.” – Johannes 1:26 Und er sagte auch: „Der die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der da steht und ihn hört, ist hoch erfreut über die Stimme des Bräutigams; diese meine Freude ist nun erfüllt.” – Johannes 3:29 Johannes freute sich, die Stimme des Bräutigams zu hören. Vorausschauend sagte er, daß die Berufung der Brautklasse da war, wenngleich er selbst kein Mitglied dieser Klasse sein konnte.

Die Botschaft nicht ernst genommen

Dann wurden nochmal andere Diener ausgesandt. Jesus schickte seine Helfer zu den Juden und ließ sagen: „Saget den Geladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit.” – Matthäus 22:4

Wurde aber die Botschaft von Jesus und seinen Jüngern angenommen? Nein! Unter der Führung der Schriftgelehrten und Pharisäer, der Theologen jener Zeit, bagatellisierte das Volk die Mitteilung und setzte einfach seinen Weg fort, der eine auf seinem Bauernhof, der andere in seinen Handelsgeschäften, und sie sagten: Wir glauben nicht an die Botschaft vom Königreich. Manche benahmen sich noch schlimmer. Sie bedrängten bösartig und gehässig jene Knechte und brachten sie um.

Diese Ungläubigen, die zum Fest eingeladen worden waren, ermordeten nicht nur Jesus selbst, sondern auch seine treuen Nachfolger wurden mißhandelt und getötet.

Schließlich erzürnte Jahwe über dieses Volk Israel, wie wir aus einem anderen Gleichnis sehen; er sandte seine Heerscharen, vernichtete jene Mörder und zerstörte ihre Stadt. Bekanntlich war es die römische Streitmacht unter Titus, die im Jahr 70 n. Chr., die dieses nicht schlechter ausführte als Jahwes Armee, denn Gott kann den Zorn der Menschen zu Seinem Ruhm verwenden, und Er wird zu Seinem Botschafter oder Diener einsetzen, wen Er will.

Nationen zur Hochzeit berufen

Inzwischen sagte Gott zu Seinen Dienern, den Aposteln und durch sie zu anderen: Die Hochzeit ist vorbereitet, aber das jüdische Volk, das ausdrücklich eingeladen war, hat sich als der Ehre nicht würdig erwiesen. Geht daher an die Straßen und bittet zum Hochzeitsfest, wen immer ihr da findet. Da gingen die Knechte an die Straßen und sammelten so viele sie fanden ein und brachten sie herbei. Auf diese Weise war das Fest voll mit Gästen.

Straßen stehen für viele Menschen im öffentlichen Raum für die ganze Welt. Die Gesandten des Herrn sollten sich nicht mehr auf die Juden beschränken, sondern sollten jedermann, gleichgültig aus welchem Volk, welcher Herkunft und Sprache, darüber belehren, daß Gott jetzt eine kleine Schar aus der Welt herausruft, die die Gerechtigkeit liebt, und die Nachfolger des Lammes werden soll und bei Erfüllung der Voraussetzungen Miterbe des Erlösers in Seinem Reich. Dabei ist festzuhalten, daß diese Gesandten nicht alle Leute auf den Straßen mitnehmen sollten, sondern nur alle, die sie in der Öffentlichkeit antrafen, denen sie das große Vorrecht der offenen Tür zum Hochzeitsfest eindringlich nahebringen sollten.

Diese Leute waren nicht alle fromm und gut; manche waren schlecht. Die Apostel erklären das und sagen, daß Gott nicht viele bedeutende, nicht viele reiche Leute ausgewählt hat, auch nicht viele edle, sondern hauptsächlich die armen Leute und die sehr Mittelmäßigen dieser Welt. Die Apostel sprechen, bezogen auf unser Thema, von dem Personenkreis, den der Herr in der Welt sucht. Gleichgültig wie armselig, wie gleichgültig wie unbedeutend, gleichgültig wie von Haus aus unwürdig – wer bereit ist, die Gnade Gottes anzunehmen, der wird für die Hochzeit passend gemacht durch das ihm übergestreifte Hochzeitskleid, die Gerechtigkeit Christi.

Wie vornehm oder würdig auch viele von Natur aus sind, so sind sie doch nicht gerüstet für die Gegenwart des Königs. Wer am Fest teilnimmt, muß das Hochzeitskleid tragen, das heißt, er muß mit dem Verdienst von Christi Gerechtigkeit bedeckt sein. So ist kein Mangel an Hochzeitsgästen, alle die der König vorgesehen hatte, und alle Plätze sind besetzt. So und auch mit anderen Beispielen zeigt der Herr, daß die Anzahl der Auserwählten feststeht, und daß bei Erreichen dieser Zahl der Ruf aufhören wird.

Das Kontrollieren der Gäste

Dem ohne Zweifel durch göttliche Vorsehung eingerichteten Brauch zufolge legte jeder Hochzeitsgast ein weißes Hochzeitsgewand an, das seine eigene Kleidung bedeckte. So waren alle Anwesenden auf gleichem Fuß hinsichtlich ihrer Würde, denn alle waren Gäste des Gastgebers. So werden alle, die zu dem durch Christus ermöglichten großen Fest kommen, dies nicht durch irgendwelche persönliche Ehrenhaftigkeit im Fleisch erreichen, sondern durch das Bewußtsein, daß ihnen ein großer Mangel an Verdienst anhaftet, um Gott annehmbar zu sein. Und alle müssen das Verdienst Christi anerkennen, das sie der Ehre wert macht, die sie durch ihr Annehmen der Einladung anstreben.

Jeder Gast wurde beim Betreten des Hauses mit dem Oberkleid versorgt, das er sogleich anlegen sollte, denn jeder ohne dieses Hochzeitskleid hätte sich als respektlos dem Gastgeber gegenüber ausgewiesen, der das Kleid bereitgestellt hatte. In der Tat, wer beim Hochzeitsfest ohne das weiße Gewand erschienen wäre, bei dem müßte man denken, er habe es ausgezogen, denn ohne es hätte niemand eintreten dürfen. Dieses Bild vermittelt uns das Gleichnis. Dort wurde nämlich ein Gast vorgefunden, der das Hochzeitskleid nicht anhatte, jemand also, der unter Geringschätzung des Hausherrn sein Überkleid ausgezogen haben mußte, und der damit gegen die Bedingung für seine Anwesenheit verstieß.

Die Worte „als der König hereinkam” sagen aus, daß dem Fest eine Kontrolle vorausging. Da der König im Gleichnis Jahwe selbst ist, würde das bedeuten, daß Gott durch die Anwendung der göttlichen Gerechtigkeit in gewisser Weise bei jedem einzelnen zur Kenntnis nimmt, ob jener etwa nur Loyalität bekundet und doch das Verdienst von Christi Tod mißachtet. In diesem Fall kann auch der Text so verstanden werden, daß Christus der König ist, denn bei seinem Kommen wird er vom Himmlischen Vater inthronisiert mit königlicher Autorität und Macht, wie es unser Herr selbst darstellt in den Gleichnissen von den Pfunden und den Talenten. Nach seinen Worten wird er bei seinem zweiten Kommen all jene kontrollieren, die sich als seine Diener ausgeben, alle die das Hochzeitsfest feiern wollen.

In dem Mann, der ohne Hochzeitskleid in der Gegenwart des Königs aufgefunden wurde, können wir einen Vertreter einer Klasse sehen und nicht nur eine Einzelperson. Und wir werden diese Art Klasse auch heute antreffen, nämlich Leute, die bekunden, Nachfolger Christi zu sein, die auch angeben, daß sie auf die Hochzeit des Lammes warten, und die auch hoffen in die Freuden ihres Herrn einzugehen, die uns aber sagen, daß sie nicht mehr an das Verdienst von Christi Opfer für ihre Beziehung zum Vater vertrauen. Diese Leute haben Jesus als ihren Heiland, als ihren Erlöser, als den Versöhner für ihre Sünden abgelehnt. Sie akzeptieren ihn nur als ihren Lehrer und übernehmen zudem offensichtlich nur einen Teil seiner Lehren.

Sie sind erkennbar ungeeignet, Glieder der Braut Christi zu sein, denn dieser Personenkreis der Braut umfaßt nur die Loyalen, nur die Treuen. Das Gleichnis zeigt, daß all diejenigen, die das Verdienst von Christi Opfer ablehnen, von der Königreichsklasse ausgeschlossen werden. Sie können nicht sagen, wie sie, ohne das „Hochzeitskleid” zunächst übergestreift zu haben, hineingekommen sind; ohne Kleid gewiß nicht. Niemals konnte jemand in die Gemeinschaft des Geistes in der Kirche, die die Braut Christi ist, eintreten, ohne zuerst das Hochzeitskleid von Christi Verdienst, das seine Unvollkommenheit zudeckt, angelegt zu haben. Man wird also davon ausgehen, daß sie ihr Hochzeitskleid ausgezogen haben. Diese Gäste werden ohne Ausnahme hinausgeworfen. Der König sagte zu den Dienern: „Bindet ihm Füße und Hände, nehmet ihn und werfet ihn hinaus in die äußere Finsternis; da wird sein das Heulen und das Zähneknirschen.”

Die äußere Finsternis

Als unsere Gedanken voll waren von wirren Vorstellungen von den dunklen Zeitaltern, haben wir in diese und andere Schriftstellen Dinge hineingelesen, die sie nicht enthalten. Wir haben angenommen, daß die durch jenen Mann dargestellte Klasse in die ewige Qual geworfen würde, wo sie in alle Ewigkeit leiden würde. Wenn wir aber nun die Schriftstelle genauer untersuchen, sehen wir, daß alle diese Hochzeitsgäste aus der Finsternis der Welt außen ins Licht des Hochzeitssaales gekommen sind. So bedeutet das Hinauswerfen eines Gastes nur, ihm das Wissen und die durch das Licht das Raumes versinnbildliche Freude wegzunehmen.

Was die Welt außen anbelangt, so wissen wir, daß Apostel Johannes sagt, daß die ganze Welt „in dem Bösen”, in Finsternis liegt. Wir wissen auch, daß, sobald die Brautklasse vollständig ist, eine schlimme Zeit der Drangsal die Welt für die späteren Segnungen des Messianischen Reiches vorbereiten wird. In dieser Drangsal wird bei allen in der Finsternis Befindlichen Weinen und Zähneknirschen sein, sowie Unzufriedenheit, Angst, Enttäuschung und Ähnliches, und daß viele ihrer auf schwankender Grundlage basierenden Hoffnungen und Erwartungen zunichte werden.

Unser Herr schloß das Gleichnis mit den Worten: „Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.” Das bedeutet nicht, wie wir früher geglaubt haben, daß nur eine kleine auserwählte Schar Gnade von Gott in der Zukunft erfahren wird und die übrige Menschheit ewig gequält wird. Wir müssen beim Lesen den Zusammenhang berücksichtigen. Das jüdische Volk war zur Hochzeit gerufen oder eingeladen, und es hat versagt, mit Ausnahme der wenigen „wahren Israeliten”. Viele Jahrhunderte lang ist die Botschaft auf den Straßen verkündet worden, zu einem Heidenvolk nach dem andern, bis viele den Ruf des Evangelium-Zeitalters deutlicher oder weniger deutlich gehört haben. Doch nur wenige haben ihn angenommen und sind daher in den Stand von Auserwählten gekommen. Und unter denen, die den Zustand des Auserwähltseins erreicht haben, gibt es immer noch eine Klasse, die die Gunst nicht richtig zu schätzen weiß; sie wird hinausgeworfen oder zurückgewiesen.

An anderer Stelle machte der Herr auf den Gegenstand aufmerksam, als er sagte: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben.” – Lukas 12:32 Die Kleine Herde, bestehend aus Juden und Leuten aus den Nationen, wird durch ihre Treue Gottes auserwähltes Volk werden, Seine Kirche, die Braut Christi. Dieser Personenkreis wird später zusammen mit ihrem Herrn Gottes ausführendes Organ sein, um auch alle Nicht-Auserwählten mit den herrlichen Dingen der Wiederherstellung zu segnen, und zwar mit allen Segnungen und guten Dingen, die durch Adams Ungehorsam und Fall verloren gegangen sind. „Wenn ihr aber Christi seid, so seid ihr dann Abrahams Same und nach Verheißung Erben.” – Galater 3:29

Wird der Mensch das „Verheißene Land” erreichen?

„Durch Glauben siedelte Abraham sich im Land der Verheißung an wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben der selben Verheißung; denn er erwartete die Stadt, die Grundlagen hat, deren Baumeister der Schöpfer Gott ist.” – Hebräer 11:9 – 10

Vor fünfzig Jahren, im April 1968, hielt Dr. Martin Luther King Jr. ein Referat in Memphis, Tennessee, das er mit den Worten beendete: „Ich wünsche nur Gottes Willen zu tun; und, daß Er mir erlaubt, auf den Berg hinaufzusteigen. Und ich habe umhergeschaut und habe das Verheißene Land gesehen. Ich vermag nicht mit euch dorthin zu gehen. Aber ich wünsche, daß ihr heute Nacht wißt, daß wir als ein Volk im Verheißenen Land ankommen werden. … Meine Augen haben die Herrlichkeit des Kommens des Herrn gesehen.”

Dieser Vortrag sollte der letzte von Dr. King sein. Am nächsten Tag, als er sich außerhalb seines Motelraums in Memphis befand, wurde er von der Kugel eines Attentäters tödlich getroffen. Es wurde später von einem Arzt, der die Autopsie durchführte, festgestellt, daß, obgleich er nur 39 Jahre alt wurde, sein Herz den Zustand eines 60 Jahre alten Mannes zeigte. Viele führten dies auf den außergewöhnlichen Streß seiner vielen Jahre der Mitwirkung bei der Bürgerrechtsbewegung zurück, für die er sich einsetzte. Der Grund dafür war sicherlich sein unermüdlicher Einsatz für die gute Sache der Gleichheit, des Friedens und der Brüderlichkeit unter allen Völkern.

Der Geist des Wunsches Martin Luther Kings, den er für sich selbst und die vielen Völker, die er repräsentierte, äußerte, in das verheißene Land einzutreten, hat zweifellos ein Echo in den Gedanken und Herzen bei vielen Menschen gefunden. Die Menschheit im allgemeinen hat lange nach einer Zeit und einem Ort Ausschau gehalten, in dem eine heile Welt des Friedens, der Sicherheit, der Gesundheit und des Respekts unter den Bewohnern der Erde vorhanden ist. In der ganzen Welt halten aufrichtige Männer und Frauen diese Hoffnung aufrecht und beten sogar für eine positive Antwort auf die Frage dieses Wunsches, der vor einem halben Jahrhundert von Dr. King so anschaulich ausgedrückt wurde.

Der biblische Ursprung

Der Begriff „Verheißenes Land” hat seinen Ursprung in der Bibel, in welcher er besonders das Land bezeichnet, das Abraham, Isaak und Jakob verheißen wurde, wie dies auch unsere am Anfang zitierte Schriftstelle erklärt. Die Verse stellen im Weiteren fest, daß die treuen Patriarchen nur als Fremde in diesem Land lebten. Sie warteten geduldig auf die Zeit, in der Gott das Land zu einem ständigen Wohnplatz für ihre Nachkommen zubereiten würde, einschließlich der Errichtung von Städten mit „Grundlage”.

Mit dem Fortschreiten der Zeit wurden die Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs zahlreich, und Gott begann sie mit dem Namen „Israel” zu benennen. – 1. Mose 35:9 – 12 Weil es jedoch noch nicht die von Gott bestimmte Zeit für die Israeliten war, das Land zu besitzen, das ihren Vorvätern verheißen worden war, überwaltete Gott es so, daß sie für eine längere Zeitperiode in Ägypten lebten. In Ägypten aber waren die Söhne Israel fruchtbar „und wimmelten und mehrten sich, und wurden sehr sehr stark”. – 2. Mose 1:1 – 7 Schließlich kam die Zeit, in der sich Gottes Absicht, die Israeliten ständig in dem Land wohnen zu lassen, das Er ihrem Vater Abraham verheißen hatte, in Erfüllung gehen sollte. „Und Gott dachte an seinen Bund mit Abraham.” – 2. Mose 2:24

Unter der Führung von Mose und Aaron, die von Gott zu diesem großartigen Zweck ernannt worden waren, verließen die Israeliten Ägypten. Es sollte weitere vierzig Jahre dauern, bevor der Augenblick kam, daß sie in das verheißene Land eintraten, und es dauerte ungefähr sechs weitere Jahre, es zu erobern und unter den verschiedenen Stämme aufzuteilen. – Josua 14:7 und 10 Obwohl wir sie hier nicht näher betrachten werden, sei erwähnt, daß die Schriften über viele bedeutende Ereignisse berichten, die während dieser Zeitspanne stattfanden. So gab es zehn Plagen in Ägypten; die Einrichtung von Israels Passah, die wunderbare Durchquerung des Schilfmeeres, die Aussendung von Kundschaftern in das Land der Verheißung und die schlechten Berichte, mit denen sie zurückkehrten, die Wanderung der Israeliten in der Wüste, die vierzig Jahre dauerte, die Beschaffung von Nahrung und Wasser, die Gott für Sein Volk vorsah und das Schließen des Bundes Israels mit Gott, mit Seinen Gesetzen und religiösen Diensten. Das 2. Buch Mose, das 3. Buch Mose und das 5. Buch Mose beinhalten viele Einzelheiten über diese und viele andere Erfahrungen, die die Israeliten während ihrer Wanderung machten.

Die große Erwartung

Der Bericht über den Eintritt der Israeliten in das Land der Verheißung ist im Buch Josua wiedergegeben. Wenn wir diese augenblickliche Episode in ihrer Geschichte betrachten, können wir einen Hauch von Aufregung im Lager Israels spüren. Die Erfüllung der Prophezeiung, die ihrem Vater Abraham vor nahezu fünf Jahrhunderten gegeben wurde, war im Begriff, verwirklicht zu werden. Gott hatte gesagt, daß Er das Land Kanaan den Nachkommen Abrahams zum ewigen Besitztum geben werde. – 1. Mose 12:1 – 7 und 13:15 Als Mose vor seinem Tod von dem Gipfel des Berges Pisga aus das Land Kanaan überblickte, zeigte ihm Gott in einem Umriß die Ausdehnung des Landes, das Israel gehören sollte. – 5. Mose 34:1 – 4 Es wurde Mose nicht erlaubt, Kanaan zu betreten, aber jetzt, unter der Führung von Josua, lagerten die Israeliten an der Grenze zu jenem Land.

Vierzig Jahre zuvor waren die Israeliten an der gleichen Stelle gewesen, an der Schwelle des Landes, in das sie eintreten sollten. Zu jener Zeit, nur wenige Monate nachdem sie Ägypten mit erhobenen Händen und mit triumphierenden Gesängen zum Lobe Gottes verlassen hatten, erreichten sie die Grenze des Landes Kanaan. – 2. Mose 14:8, 15:1 – 21, 19:1, 5. Mose 1:2, 19 und 21 Als Mose jedoch die zwölf Kundschafter aussandte, um das Land auszukundschaften, kehrten nur zwei mit einem positiven Bericht zurück, Josua und Kaleb. Und sie sagten: „Laßt uns nur hinaufziehen und es in Besitz nehmen, denn wir werden es gewiß bezwingen.” „Wirklich es fließt von Milch und Honig über.” Die anderen zehn Kundschafter brachten jedoch „ein böses Gerücht über das Land auf”: „Das Land, das wir durchzogen haben, um es zu erkunden, ist ein Land, das seine Bewohner frißt; und alles Volk, das wir darin gesehen haben, sind Leute von hohem Wuchs.” „Und das Volk weinte in jener Nacht.” – 4. Mose 13:25 – 33 und 14:1 Ihre Erwartung wurde zu einer so großen Furcht, daß das Volk in Erwägung zog, Kaleb und Josua zu steinigen. – 4. Mose 14:10 Ihr Glaube an Gott war nicht stark genug, um Seiner Führung zu folgen. Nun, nach vierzig Jahren der Wanderung in der Wüste, war diese ungläubige Generation der Israeliten gestorben, wie Gott verheißen hatte. – 4. Mose 14:22 und 23 Und auch ihr standhafter Führer Mose war inzwischen gestorben. Nur die zwei treuen Kundschafter, Josua und Kaleb, blieben von der erwachsenen Generation, die aus Ägypten kam, übrig. – 4. Mose 32:11 – 13 Diese waren noch immer überzeugt, daß Jahwe ein mächtiger Gott war, der ihnen das verheißene Land Kanaan geben konnte, das von Milch und Honig floß.

Nach Moses Tod war Josua die logische Wahl Gottes, die Kinder Israel nach Kanaan hineinzuführen. Er war die treue rechte Hand von Mose gewesen und hatte schon große Führungsfähigkeiten gezeigt. Er war es auch, der die Israeliten in ihren Kampf gegen die Amalekiter, in welchem sie mit des Herrn Hilfe und einen großen Sieg errungen hatten, angeführt hatte. – 4. Mose 17:8 – 14 Nun wandte sich das Volk an Josua, und sie setzten ihr Vertrauen in ihn, wissend, daß er von Gott besonders ernannt worden war.

Josua war wie Mose ein demütiger Mann, der nicht Verantwortung und Autorität an sich riß, was er hätte tun können. Jedoch als Gott ihn mit der Aufgabe betraute, die er ausführen sollte, nahm er dieses Vorrecht sogleich an und handelte. Der Herr hatte verheißen: „Es soll niemand vor dir standhalten (können), alle Tage deines Lebens. Wie ich mit Mose gewesen bin, werde ich mit dir sein, ich werde dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen. … Habe ich dir nicht geboten: Sei stark und mutig? Erschrick nicht und fürchte dich nicht! Denn mit dir ist der HERR, dein Gott, wo immer du gehst.” – Josua 1:5 und 9

Josua übernimmt die Führung

Josua gab seinen Aufsehern die Anweisung: „Geht mitten durch das Lager und befehlt dem Volk und sprecht: Versorgt euch mit Wegzehrung, denn in noch drei Tagen werdet ihr über diesen Jordan ziehen, um hineinzugehen, das Land einzunehmen, das der HERR, euer Gott, euch gibt, es zu besitzen!” – Josua 1:11 Das Volk antwortete: „Alles, was du uns geboten hast, werden wir tun, und wohin immer du uns sendest, werden wir hingehen.” – Josua 1:16 Die Zeiten hatten sich geändert und mit ihnen das Volk. Diese Generation zeigte viel mehr Vertrauen als ihre Väter. Sie sehnten sich vielmehr nach der Beendigung ihrer Wüstenwanderung und dem Eintritt in das Land.

Zwei von ihnen, denen Josua völlig vertraute, wurden ausgesandt, die Stadt Jericho im Geheimen zu erkunden. Die Kundschafter wurden ausgesandt und begegneten einer Frau mit Namen Rahab, die sie sogleich in ihr Haus aufnahm und versteckte. Aus der Äußerung Rahabs wissen wir, daß die Bewohner der Stadt sich fürchteten und der König von Jericho die Anweisung gegeben hatte, nach hebräischen Kundschaftern Ausschau zu halten. – Josua 2:1 – 7 Rahabs Glaube wird in ihren Worten offenbart: „Denn der HERR, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf der Erde.” – Josua 2:11 Obwohl Rahab keinen guten Ruf hatte, wurde sie von dem Apostel Paulus für ihre Überzeugung gelobt: „Durch Glauben kam Rahab, die Hure, nicht mit den Ungehorsamen um, da sie die Kundschafter in Frieden aufgenommen hatte.” – Hebräer 11:31 Ihre Überzeugung war so stark, daß sie willens war, sich selbst in Gefahr zu bringen, indem sie die Kundschafter in ihrem Haus versteckte und ihnen dann zu entkommen half mittels eines Seils, das sie aus dem Fenster ihres Hauses, das an der Stadtmauer stand, herabließ.

Auf den Rat der Rahab hielten sie sich drei Tage im Gebirge versteckt, um ihren Verfolgern aus dem Weg zu gehen; danach durchschritten sie den Jordan und kehrten zu Josua zurück. Ihr Bericht fiel sehr positiv aus: „Der HERR hat das ganze Land in unsere Hand gegeben; auch sind alle Bewohner des Landes vor uns mutlos geworden.” – Josua 2:16 und 22 – 24 Mit dieser überzeugenden Feststellung setzte Josua seine Pläne, den Jordanfluß zu überschreiten, in Bewegung. Nachdem er alle Befehle dazu erteilt hatte, sprach er zu dem Volk und sagte: „Heiligt euch! Denn morgen wird der HERR in eurer Mitte Wunder tun.” – Josua 3:5

Die Durchschreitung des Jordan

Vom militärischen Standpunkt war es eine sehr ungünstige Zeit im Jahr, den Jordanfluß zu durchschreiten, weil es im Frühjahr war, der Zeit der Überflutung von Ufer zu Ufer. In normalem Zustand war der Jordan an dieser Stelle nicht sehr breit, aber jetzt war er auf ein Vielfaches angeschwollen. Sein Lauf war gefährlich schnell und tief geworden. Dies hielt den Eifer der Israeliten nicht zurück. Sie schlugen in jener Nacht ihr Lager an dem Ufer des Flusses auf und berieten den Plan für den kommenden Tag ohne ein Wort der Unmutsäußerung. Ihr Glaube an Gottes Macht und Weisheit war stark.

Durch Josua unterwies der Herr das Volk, daß sie am nächsten Tag auf die levitischen Priester achtgeben sollten, welche die Bundeslade aus der Stiftshütte vor ihnen hertragen würden. Die ganze Menge des Volkes sollten ihnen in einem Abstand von ungefähr 1.000 Metern (2.000 Ellen) folgen. Gott würde dann ein Wunder geschehen lassen. Sobald die Füße der Priester in dem Wasser des Flusses stillstehen würden, würde der Fluß zu fließen aufhören und stehenbleiben „wie ein Damm”. – Josua 3:3 – 13 Die Priester, welche die Lade trugen, sollten in der Mitte des Flusses anhalten und stehenbleiben, bis alle Israeliten sicher hinübergegangen wären.

Es geschah genau so, wie Gott es Josua beschrieben hatte, daß „ganz Israel auf dem Trockenen hinüberzog, bis die ganze Nation vollständig den Jordan überquert hatte”. Dies schloß ein, daß „ungefähr 40.000 zum Krieg Gerüstete vor dem HERRN her zum Kampf in die Steppen von Jericho zogen”. – Josua 3:17 und 4:13 Welche Methode der Herr auch dazu benutzte, die Strömung des gefährlichen Jordanfluß aufzuhalten, wir wissen, daß es die mächtige Hand Gottes war, die dies im Interesse Seines auserwählten Volkes tat.

Steine zur Erinnerung

Der Herr wies Josua an, jeweils einen Mann aus jedem der zwölf Stämme auszuwählen und ihnen den Befehl zu geben, daß jeder einen Stein aus der Mitte des Jordan auf die Schultern heben sollte von der Stelle, wo die Füße der Priester gestanden hatten, welche die Bundeslade trugen, und die zwölf Steine „in das Nachtlager” zu bringen, welches in Gilgal war. „Und diese Steine sollen den Söhnen Israel für alle Zeiten zur Erinnerung dienen. … Wenn eure Söhne künftig ihre Väter fragen werden: Was bedeuten diese Steine? (dann) sollt ihr es euren Söhnen (so) erklären: Trockenen Fußes hat Israel diesen Jordan durchquert. Denn der HERR, euer Gott, hat das Wasser des Jordan vor euch vertrocknen lassen, bis ihr hinüber gezogen wart, wie der HERR, euer Gott, es mit dem Schilfmeer tat, das er vor uns vertrocknen ließ, bis wir hindurchgezogen waren, damit alle Völker der Erde erkennen sollen, wie stark die Hand des HERRN ist, damit ihr den HERRN, euren Gott, allezeit fürchtet.” – Josua 4:2 – 7 und 20 – 24 Bevor die Priester ihren Standort im Fluß verließen, „richtete Josua zwölf Steine mitten im Jordan auf, an der Stelle, wo die Füße der Priester, die die Bundeslade trugen, gestanden hatten. Dort sind sie noch bis zum heutigen Tag.” – Josua 4:9

„Und es geschah, als die Priester, die die Lade des Bundes des HERRN trugen, aus der Mitte des Jordans heraufstiegen, als die Fußsohlen der Priester, kaum das Trockene berührt hatten, da kehrte das Wasser des Jordan an seinen Platz zurück, und es floß wie früher über alle Ufer. – Josua 4:18 Die Könige der Amoriter und Kanaaniter begriffen, daß Gott die Wasser des Jordan vor den Kindern Israel hatte vertrocknen lassen. Weil der über seine Ufer getretene Fluß nicht mehr länger ein Schutz zu ihrer Sicherheit war, zerschmolz ihr Herz, und es war kein Mut mehr in ihnen vor den Söhnen Israel.” – Josua 5:1

Auf Anweisung Gottes brachten sie die Steine der Erinnerung nach Gilgal, wo Israel für die erste Zeit sein Lager im verheißenen Land aufschlug. Vier Tage nach der Überquerung des Jordan hielten sie das Passah in der Ebene von Jericho. „Und sie aßen von dem Ertrag des Landes nach dem Passah, ungesäuertes Brot und geröstete Körner, an eben diesem Tag. Und das Man hörte auf am folgenden Tag, als sie von dem Ertrag des Landes aßen, und es gab für die Söhne Israel (künftig) kein Man mehr. Und sie aßen von der Ernte des Landes Kanaan in jenem Jahr.” – Josua 5:10 – 12

Vorbilder kommender Dinge

Es sind hier viele wertvolle Bilder und Lektionen in diesem spannenden Bericht über den Eintritt in das Land Kanaan zu finden. Wir erfahren, daß Glaube belohnt wird, wie wir im Fall von Rahab bemerken können. Wir erkennen, wie Gott Israel förderte, wenn sie auf ihn vertrauten, und ihnen Stärke verlieh, die großen Hindernisse zu überwinden, welche ihnen bei dem Eintritt in das Land und der Eroberung des Landes begegneten.

Paulus zieht wichtige Lektionen aus der Tatsache, daß den treulosen Israeliten, die ursprünglich aus Ägypten zogen, nicht erlaubt wurde in das verheißene Land einzutreten. Er stellt in diesem Zusammenhang fest: „So schwor ich in meinem Zorn: Sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen … welche haben denn gehört und sich aufgelehnt? (Waren es) denn nicht alle, die durch Mose von Ägypten ausgezogen waren? Welchen aber zürnte er vierzig Jahre? Nicht denen, welche gesündigt hatten, deren Leiber in der Wüste fielen? Welchen aber schwor er, daß sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten, wenn nicht denen, die ungehorsam gewesen waren? Und wir sehen, daß sie wegen des Unglaubens nicht hineingehen konnten.” – Hebräer 3:11 und 16 – 19 Diese Worte ermahnen uns, unser Vertrauen in unseren starken und treuen Gott zu setzen, der diejenigen niemals verlassen wird, die Ihm vertrauen.

Die Schriften stellen diese Erfahrungen von Israel auch in einer anderen bildhaften Weise dar. Es wird uns gesagt, daß Gott am siebten Schöpfungstag von jener Phase Seines Schöpfungswerkes ruhte. Es war ein Tag, an dem die letzten Schritte hinsichtlich der Vollendung Seiner Absichten für die Erde und für die Menschheit zu sehen waren. – 1. Mose 2:1 – 3 Der Mensch war in seiner ursprünglichen Vollkommenheit beauftragt bei diesem Werk mitzuhelfen. „Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie (euch) untertan; und herrscht über die Fische des Meeres und über alle Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen!” – 1. Mose 1:28 Nach Adams Fall verlor der Mensch jedoch seine Herrschaft. Er war nicht imstande, die Erde zu unterwerfen, und er war unfähig, sie mit einem Geschlecht zu füllen, welches Leben besaß. Die schrecklichen „Wüsten”-Erfahrungen des Menschen begannen, als er seinen Mangel an Glauben an Gott zeigte und stattdessen der Lüge Satans Glauben schenkte.

Josua ist die hebräische Form des Namen „Jesus” und bedeutet: „Jahwe ist Rettung”. Mit dieser Feststellung im Sinn, stellt die Nation Israel die Menschenwelt dar, die verloren in der Wüste von Sünde, Krankheit und Tod umherzieht. „Denn wir wissen, daß die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt.” – Römer 8:22 Es ist für das Volk unmöglich ohne die Hilfe der mächtigen Hand Gottes den Jordanfluß zu überqueren, auch wenn sie seit sechstausend Jahren schmerzhaft darauf warten. Der Name Jordan bedeutet, „abwärts gehen” und ist ein passendes Bild der göttlichen Verdammung, dem Todesurteil, das über Adam ausgesprochen wurde und durch Vererbung über seine ganzen Nachkommenschaft kam. Gottes Plan der Errettung, in dessen Mittelpunkt Sein Sohn Jesus steht, hat jedoch die Mittel vorgesehen, die den Menschen dazu verhelfen, zur bestimmten Zeit diesen symbolischen Fluß zu durchschreiten und in das verheißene Land der Ruhe einzutreten. – Römer 5:17 – 19, 1. Korinther 15:21 und 22

Die Bundeslade

Die Bundeslade, die in der Mitte des Flusses stand, als die Israeliten hinübergingen, war ein Symbol der Gunst Gottes für sie. In ihrer ganzen Bedeutung stellte sie passend Gottes zukünftige Gunst für die ganze Welt durch Christus dar. Die Wasser des Jordan stellen bildlich das Todesurteil dar, das verdorrte, als die von den Priestern getragene Bundeslade in den Fluß hineinging. Die Bundeslade stellt sowohl den Tod als auch die Auferstehung von Jesus dar, durch den die Annullierung des Todesurteils kommt, damit das verheißene Land der Segnungen und der Ruhe von der Menschheit erreicht werden kann. Gottes Wort stellt fest, daß durch Abrahams Same, welcher Christus ist, „alle Nationen” gesegnet werden. – Galater 3:8 und 16

Es ist auch von Bedeutung, daß die Bundeslade von Priestern getragen wurde, und daß diese zuerst in das Wasser des Jordan gingen, bevor irgendeiner des Volkes hinübergehen konnte. In der Mitte des Flusses zu stehen illustrierte die wichtige Rolle, die der Hohepriester und die ihm zugesellten Priester bei der Befreiung des Volkes vom Todesurteil spielten. Jesus starb für die Sünden der Welt, indem er symbolisch in der Mitte des Jordan stehenblieb, damit die Welt die günstige Gelegenheit bekommen möchte, hinüberzugehen. – Johannes 1:29 Die Unterpriester, Christi Fußstapfennachfolger, halten auch dort an. Sie legen ihr Leben als Opfer nieder, damit sie im nächsten Zeitalter an dem Werk teilhaben mögen, der Welt bei ihrer Aufrichtung zu helfen und sie von den Auswirkungen dieses schrecklichen Todesurteils zu befreien.

Es war nicht notwendig, daß die Priester im Jordanfluß blieben, um dieses Bild zu vervollständigen. Zwölf Steine wurden aufgehoben und genau dort hingelegt, wo die Füße der Priester gestanden hatten. Diese Steine illustrieren gut die „kleine Herde” der Gläubigen, die aus „allen Völkern und Nationen” berufen und zur Verwendung als „Könige und Priester” zubereitet wurden. Sie werden in dem kommenden Königreich mit Christus, ihrem Haupt, als Gottes „Königliche Priesterschaft” über die Erde herrschen. – Lukas 12:32, Offenbarung 5:9 und 10 sowie 1. Petrus 2:9 Diese Nachfolger des Meisters werden entsprechend dem Fleisch als „mit Christus gestorben” gesehen. – Römer 6:8 Sie gehen nicht über den Jordan, sondern bleiben in seiner Mitte, wie die Steine, „die dort noch sind, bis zum heutigen Tag”. – Josua 4:9 Sie verzichten auf ihr Erbteil in dem irdischen Kanaan, um nach dem Hohen Ruf zur göttlichen Natur zu streben, so daß sie in dem kommenden Zeitalter zur Segnung der Menschheit ein Teil der priesterlichen Klasse sein mögen.

Die Zerstörung von Jericho

Nach Israels Überquerung des Jordan lag noch ein schweres Hindernis vor ihnen, die befestigte Stadt Jericho. Mit ihren hochragenden Mauern erwies sie sich als eine starke Festung, die ihren Weg in das verheißene Land versperrte. Josua sann darüber nach, wie er einen Schwachpunkt entdecken konnte, der zu ihren Vorteil ausschlagen würde, so daß sie in die Stadt gelangen könnten, um gegen sie zu kämpfen. Die Erzählung berichtet, daß Josua, „als er bei Jericho war, da erhob er seine Augen und sah: und siehe, ein Mann stand ihm gegenüber, und sein Schwert war gezückt in seiner Hand. Da ging Josua auf ihn zu und sagte zu ihm: Gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden? Und er sprach: Nein, sondern ich bin der Oberste des Heeres des HERRN; (gerade) jetzt bin ich gekommen. Da fiel Josua auf sein Angesicht zur Erde und huldigte ihm und sagte zu ihm: Was redet mein Herr zu seinem Knecht? Da sprach der Oberste des Heeres des HERRN zu Josua: Zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, auf dem du stehst, ist heilig! Und Josua tat es.” – Josua 5:13 – 15

Dieser mächtige Engel teilte dann Josua mit, daß Gott beabsichtigte, ihnen den Sieg über Jericho auf eine ungewöhnliche Weise zu geben, jedoch nicht durch militärische Strategie. Es sollte auf eine Art und Weise geschehen, die den Glauben eines jeden im Lager Israel prüfen würde. Anstatt ihre Armeen zum Brechen und Zerstören der Mauern einzusetzen, befahl ihnen der Engel wiederum die Bundeslade zu benutzen. Israels Heer sollte sechs Tage lang jeden Tag mit seinem Heer einmal die Stadt umrunden. Dabei sollten sieben Priester die Bundeslade tragen und Widderhörner ertönen lassen. Das Heer sollte vor den Priestern hergehen, danach sollte die Bundeslade getragen werden, und die Priester sollten folgen und ständig ihre Hörner ertönen lassen. Dies sollte das einzige Geräusch sein, das bis zu dem siebten Tag gehört werden sollte, wenn Josua für das Volk das Zeichen geben würde, das Kriegsgeschrei zu erheben. – Josua 6:1 – 10

Vom menschlichen Standpunkt betrachtet schien es sehr zweifelhaft, daß diese Herangehensweise Erfolg haben würde. Doch wer konnte die mächtige Kraft bezweifeln, welche die trügerische Kraft des Jordan zurückgehalten hatte? Die Israeliten waren bereit, auf Gott zu hören und seine Anweisungen zu befolgen. Bis zum Beginn des siebten Tages sollten sie die Stadt wie zuvor umrunden, aber für diesen Tag war die Anweisung, die Stadt siebenmal zu umrunden. „Und es geschah beim siebten Mal, da stießen die Priester in die Hörner und Josua sagte zum Volk: Erhebt das Kriegsgeschrei! Denn der HERR hat euch die Stadt gegeben.” Als sie dies taten, „da stürzte die Mauer in sich zusammen”. – Josua 6:15 – 20

Der endgültige Sieg über die Sünde und Satan

Die Zerstörung der Stadt Jericho ist eine bemerkenswerte Illustration des endgültigen Sieges über die Sünde und Satan. Die ganze Menschheit wird aufgrund ihrer Auferstehung vom Todesschlaf von dem gesetzmäßigen Todesurteil befreit worden sein. Sie werden den Jordan überschritten haben. Sie werden sogar ihre Füße in das Land der Verheißung gesetzt haben. Sie werden nicht länger unter der Herrschaft Satans ziellos in der Wüste von Sünde und Tod umherirren.

Jedoch vor der Menschheit stehend wird dies ihr Jericho sein, das sich wie ein gewaltiges Hindernis gegenüber ihrer ewigen Wohnstatt und der Freude über das Land vor ihnen auftürmt. Es ist das große Bollwerk der Sünde, welches überwunden werden muß. Die vielen verbleibenden Anzeichen der Unvollkommenheit im Charakter der Menschen, die auf die gegenwärtige Herrschaft von Sünde und Tod zurückzuführen sind, werden bekämpft und besiegt werden müssen. Wie die mächtige Kraft Gottes den Israeliten zur Verfügung stand, als sie im Glauben gegen den Feind ankämpften, so wird im Königreich für jeden Einzelnen alle benötigte Hilfe vorhanden sein. Auch sie werden in der Kraft Gottes den Sieg erlangen. – Offenbarung 21:3 – 7

Der Apostel Paulus sagt: „Durch Glauben fielen die Mauern Jerichos.” – Hebräer 11:30 Die Menschheit wird bereit sein den Anweisungen des Befreiers, ihres Josua, Christus und seiner Kirche, zu folgen. Das Volk wird ihr Jericho umrunden und es mit dem Freudenruf vernichten: „Dem, der auf dem Thron sitzt; und dem Lamm den Lobpreis und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit!” – Offenbarung 5:13 Wie die Israeliten unter Josua von ganzem Herzen und mit Eifer in Gottes Plan eintraten, trotz der Tatsache, daß es als eine unvernünftige, sogar törichte Methode erschien, die Stadt auf diese Weise zu erobern. So eifrig werden auch „alle Nationen zu ihm hinströmen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, laßt uns hinaufziehen zum Berg des HERRN, zum Haus des Gottes Jakobs, daß er uns aufgrund seiner Wege belehre und wir auf seinen Pfaden gehen.” – Jesaja 2:2 – 5

Das Volk wird die Gegenwart Gottes bemerken und folgen, wie dies in der Bundeslade dargestellt wird, in dem Christus, und ihm folgen, der sie in Gerechtigkeit regieren wird. Das Horn der Wahrheit wird von der Priesterschaft jenes Zeitalters ertönen, und die Menschheit wird in ihrem Wunsch völlig in das Land einzutreten ein Freudengeschrei hören lassen. Keine Spur der Sünde wird bleiben, wenn das Werk des Königreichs beendet ist, denn die Willigen und Gehorsamen des Volkes werden jeden Rest derselben aus ihrem Charakter entfernt haben. – Offenbarung 21:24 – 27 Die hohe Festungsmauer der Sünde und des Bösen wird unter diesem Ansturm in sich zusammenfallen. Sie war für sechstausend Jahre lang vom Satan geheimgehalten worden, jedoch in der vergleichsweise kurzen Zeit von tausend Jahren, wird Gott veranlassen, daß sie gänzlich vernichtet wird und sich nie wieder erhebt. Das gemeinsame Zusammenwirken von Gott, Christus und seiner Kirche und der Menschheit, wird das Königreich der Gerechtigkeit zu einem ewigen Erfolg machen.

Wir wollen durch Wachsen im Glauben und Vertrauen unsere Hoffnung verstärken und fest bleiben in unserem Streben, Gerechtigkeit zu lernen und Sünde in unserem beschnittenen Herzen zu bezwingen, um vorbereitet zu sein, Jericho zu umrunden als zukünftige Priester, die ins Horn stoßen. Wir werden die Bundeslade tragen; und die Mauern Jerichos werden zusammenfallen. Die ganze Menschheit wird dann Gott Ehre und Lobpreis erweisen. Die Antwort auf unseren Titel wird ein lautstarkes „Ja” sein. Der Mensch wird in der Tat nicht nur ewiges Leben erreichen, sondern auch ewig leben in dem verheißenen Land einer vollkommenen Erde. Auf diese Weise werden die von Martin Luther King Jr. vor fünfzig Jahren so gut ausgedrückten Wünsche und Hoffnungen erfüllt sein, die zuvor ein Echo in den Herzen von Millionen Menschen fanden und ein Echo finden werden, zur Ehre und Herrlichkeit Gottes, unseres Himmlischen Vaters. – 1. Timotheus 1:17

Zwei unterschiedliche Errettungen

„Wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Errettung mißachten? Sie ist (ja), nachdem sie ihren Anfang (damit) genommen hatte, daß sie durch den Herrn verkündet wurde, uns gegenüber von denen bestätigt worden, die es gehört haben.” – Hebräer 2:34

In der Vergangenheit haben viele diese Worte mißverstanden – eine so große Errettung – und haben gedacht, daß sie sich nur auf „Auserwählte” bezöge, auf die wenigen heiligen Nachfolger unseres großen Erlösers. Sicherlich sollte es nicht falsch verstanden werden, wenn eine engere Betrachtung des Wortes Gottes uns zeigen würde, daß, wie die Himmel höher sind als die Erde, so auch Seine Wege höher sind als die unsrigen. – Jesaja 55:9

Es sollte uns nicht überraschen, zu erkennen, daß unsere Vorväter sich im allgemeinen in beträchtlicher Finsternis befanden, hinsichtlich der allen Verstand übersteigenden „Länge und Breite und Höhe und Tiefe der Liebe Christi”. – Epheser 3:18 und 19 Es sollte uns nicht überraschen, zu erkennen, daß unser Erretter noch „um der Mühsal seiner Seele willen Frucht sehen und sich sättigen wird”, – Jesaja 53:11, und daß diese Befriedigung auf Grund der Errettung von mehreren als der „kleinen Herde” geschehen wird, die in seinen Fußstapfen wandeln, und die wie er ihre Leiber darstellen als ein „lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was ihr Dienst gegenüber der Wahrheit und der Gerechtigkeit ist“. – Römer 12:1

Es gibt verschiedene Wege, diesen Gedanken zu behandeln, daß mehr als ein paar „Erwählte” durch den Erlöser der Menschheit schließlich ewiges Leben bekommen werden. Ein Weg, von dem viele annehmen, daß unser Herr und die Apostel nicht wirklich einen so hohen Standard der Heiligkeit im Sinn hatten, als ihre Worte anzuzeigen scheinen, um dann daraus zu schließen, daß diejenigen, die nicht heilig sind, ebenso wie die Heiligen ewiges Leben bekommen werden – ausgenommen die verkommenen Bösen. Diese Sicht der Angelegenheit, die allgemein vertreten wird, entstand zweifellos aus Mitgefühl für Freunde, Verwandte, Nachbarn und Heiden; sie befindet sich aber in einem völligen Gegensatz zum Wort Gottes.

Eine andere Ansicht, die noch von einigen vertreten wird, ist die, daß jeder, ausgenommen die Heiligen, ewige Pein und Hoffnungslosigkeit davontragen wird.

Von der dritten Theorie, die wir hier behandeln, sind wir überzeugt, daß sie sich in Übereinstimmung mit jedem Schrifttext, mit der Gerechtigkeit, Weisheit, Liebe und der göttlichen Macht und dem geheiligten allgemeinen Sinn befindet. Wir werden einen Umriß dieses umfangreichen Planes vorstellen.

Die heilige Neue Schöpfung

Errettung begann in keinem Sinn, bevor der Erlöser geboren wurde, vor einer Vielzahl von Jahrhunderten nach dem Fall unserer ersten Eltern. In dieser langen Zeit wurde niemand errettet. Der Apostel erklärt in unserem Leittext, daß Jesus damit begann, Errettung zu predigen. Wiederum lesen wir, daß Jesus Leben und Unsterblichkeit durch sein Evangelium ans Licht brachte. – 2. Timotheus 1:10 So begann das Predigen von Leben und Unsterblichkeit und der Evangeliumsbotschaft durch unseren Herrn, und sie wurde vor seinen Tagen nicht gepredigt. In der Tat können wir bemerken, daß „kein anderer Name unter dem Himmel gegeben ist, in welchem wir errettet werden müssen”, als der Name von Jesus, denn er konnte zuvor nicht gepredigt worden sein. Nichts konnte zuvor gepredigt werden, ausgenommen die göttliche Erklärung, daß Gott zur bestimmten Zeit beabsichtigte, die Menschheit von Sünde und Tod durch einen Erlöser und einen Großen zu erlösen, einen, der imstande war, alle die durch ihn zum Vater kommen würden bis auf den allerletzten zu erretten.

Diese Überlegung ist sicherlich hinsichtlich der Fakten wahr. Durchsuchen wir das ganze Alte Testament, so werden wir keine Verheißung über ewiges, sich fortsetzendes Leben finden, ausgenommen das durch das Gesetz dem kleinen Volk Israel gegebene Leben. Das Gesetz erklärte, daß derjenige, der diese Dinge tun würde, durch seinen Gehorsam gegenüber diesem leben würde; und der Apostel versichert uns, daß Jesus starb, weil keiner von ihnen das Gesetz hielt – weil kein unvollkommenes menschliches Wesen den Erfordernissen des vollkommenen Gesetzes Gottes erfolgreich nachkommen konnte. – Römer 10:5 „Darum: aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden.” – Römer 3:20

Der Apostel erklärt die Sache im Weiteren, indem er sagt: „Was (soll) nun das Gesetz?” Und er erwidert auf diese Frage: „Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt – bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung galt.” – Galater 3:19

Der verheißene Same

Des Apostels Worte lenken unsere Gedanken zurück nach Eden, als Gott erklärte, daß der Same des Weibes in zukünftiger Zeit den Kopf der Schlage zermalmen würde. Aber der Same existierte nicht für über viertausend Jahre danach und hat noch nicht den Kopf der Schlange zermalmt – die Sünde und die Werke Satans vernichtet.

Die Worte der Apostel erinnern uns wiederum an Gottes Verheißung für Abraham: „Und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.” – 1. Mose 12:3 Abraham wurde nicht so gesegnet, noch wurde ein anderer so gesegnet, wie treu sie auch waren. Alle Segnungen sollten durch Abrahams Samen kommen, und der konnte nicht ausgeteilt werden vor seinem Kommen. Daher sagte der Apostel, indem er auf Abraham, Isaak und Jakob und all die Treuen der Vergangenheit hinwies: „Diese alle sind im Glauben gestorben und haben die Verheißungen nicht erlangt”, – die Segnungen – die Versöhnung mit Gott und ewiges Leben. – Hebräer 11:13

Und als Jesus kam, machte er keine Anstalten, die Welt zu segnen, sondern im Gegenteil erklärte er in seinem Gebet: „Nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, welche du mir gegeben hast” – die Heiligen, die „Aus-erwählten”. Johannes 17:9 und Matthäus 24:24 Diese hat er gerufen, diese hat er gelehrt, – „wahrhafte Israeliten”. Diese beauftragte er, die gleiche Botschaft anderen zu bringen, nicht zum Gesprächsstoff für die Welt, sondern zur Berufung, zur Anweisung und Erziehung „der Kirche, welche der Leib Christi ist”. Die Botschaft für diese war vom Ersten bis zum Letzten, daß sie dazu berufen wurden, mit ihm zu leiden, damit sie auch mit ihm herrschen mögen.

Die Kirche, der Leib Christi

In der Vergangenheit haben viele von uns die Tatsache übersehen, daß die Kirche bildlich gesehen „der Leib Christi” ist, wie auch der Apostel erklärt: „die Kirche, welche sein Leib ist”. Und wiederum sind wir im Besonderen die Glieder des Leibes Christi, welche seine Kirche sind. – 1. Korinther 12:27 In einem Wort ausgedrückt schließt der ganze Christus die Leibesglieder mit dem herrlichen Haupt des Leibes ein. Und dieser herrliche Christus, der am Ende dieses Evangelium-Zeitalters vollendet sein wird, wird als ein Ganzes der verheißene Same Abrahams sein. – Galater 3:8, 16 und 29

Aus dieser Sicht können wir erkennen, warum die lang verheißenen Segnungen Gottes die Welt noch nicht erreicht haben. Wir können auch weiterhin erkennen, daß er nur die Kirche auswählt und erwählt, den Samen Abrahams. Die Verheißung für Abraham ist: „In deinem Samen werden gesegnet werden alle Geschlechter der Erde”; und wie wir gesehen haben, ist der Same Abrahams „Jesus, das Haupt und die Kirche, sein Leib”. In wenigen Worten gesagt war unsere vorherige Sicht des göttlichen Planes zu eng gesehen.

Wir erkannten die Erwählung der Kirche, aber wir erkannten nicht Gottes gnadenreiche Vorkehrungen für „alle Geschlechter der Erde”. Wie die Schriften erklären, stellt die Kirche für Gott unter Seinen Schöpfungen nur eine Erstlingsfrucht dar, und sie ist in keiner Weise die ganze Ernte. Wir wollen hier an die Darstellung des Paulus in dieser Sache erinnern, welcher erklärend sagt: „Ihr aber, Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheißung”, – Erben der Verheißung – durch uns alle Geschlechter der Erde zu segnen. – Galater 4:28 und 1. Mose 26:1 – 4

Es ist keine zweite Chance hierin zu sehen

Es mag in der Tat in einem bestimmten Sinn des Wortes gesagt werden, daß ja Vater Adam, als er in Eden hinsichtlich einer Belohnung mit ewigem Leben oder der Todesstrafe geprüft wurde, seine Chance auf ewiges Leben durch Ungehorsam einbüßte und daher jede weitere Chance auf ewiges Leben, die zu ihm oder irgendeinem Glied seines Geschlechts notwendigerweise kommen würde, eine zweite Chance sein würde. Dies ist zweifellos wahr. Von diesem Standpunkt aus gesehen, muß jedes Glied der menschlichen Familie schließlich eine zweite Chance bekommen, weil es aus diesem Grund geschah, daß unser Erlöser seine himmlische Herrlichkeit verließ, Fleisch wurde und unter uns wohnte und „starb, der Gerechte für den Ungerechten”. Wer sich dieser zweiten Chance erfreut, muß nicht mehr erwarten, weil „Christus nicht mehr stirbt”. Wie wir aber schon gesehen haben, hatte niemand eine Chance auf ewiges Leben, bevor unser Erlöser in die Welt kam. „Er brachte Leben und Unsterblichkeit ans Licht”. Er starb, der Gerechte für den Ungerechten, um Versöhnung für Ungerechtigkeit zu machen – und diese Botschaft von so großer Errettung begann von unserem Herrn ausgesprochen zu werden.

Die vergleichsweise Wenigen, die das Evangelium seit den Tagen Jesu gehört haben – „Gute Botschaft großer Freude, die für das ganze Volk sein soll” – diese vergleichsweise Wenigen, die gehört haben, daß „kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben ist, in dem wir errettet werden müssen” – sind die Einzigen, die in irgendeinem Sinn des Wortes ihre zweite Chance gehabt haben. In der Tat mögen wir dies schriftgemäß viel weiter begrenzen und sagen, daß das Evangelium der Mehrheit jener, die davon gehört haben, verborgen geblieben ist, daß ihre geistig blinden Augen und ihre geistig tauben Ohren die Botschaft nicht erfassen konnten, und sie daher verwarfen.

Auf die „hohe Berufung” und die „große Errettung”, welche so wenige wirklich gehört und erkannt haben, weist unser großer Erlöser hin, wenn er sagt: „Selig sind aber eure Augen, daß sie sehen und eure Ohren, daß sie hören”. „Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistig beurteilt wird … aber Gott hat es uns geoffenbart durch seinen Geist.” – 1. Korinther 2:14 Mit anderen Worten gesagt befinden sich nur die Geistgezeugten jetzt in der Prüfung für ewiges Leben oder ewigen Tod. Und nur die treuen Fußstapfennachfolger werden Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit und die Miterbschaft mit ihm in seinem Königreich erlangen. Diese sind die „Erwählten” und „Auserwählten”. Diese sind diejenigen, die ihre Berufung und Erwählung fest machen, indem sie so rennen, daß sie diesen großen Preis als Glieder in dem Leib Christi erlangen.

Diese Erwählten erfahren einen Wechsel der Natur und werden in der Zukunft keine menschlichen Wesen sein, sondern Teilhaber der göttlichen Natur. – 2. Petrus 1:4 Sie werden in der Ersten Auferstehung, der Hauptauferstehung in die Vollkommenheit der göttlichen Natur geführt, in einem Augenblick, in dem sie verwandelt werden, weil Fleisch und Blut das Königreich Gottes nicht erben werden.

Die menschliche Errettung ist die Wiederherstellung

Wir wurden alle mit dem Gedanken geknebelt, daß die Heiden und ein jeder, ausgenommen die Heiligen, einer ewigen Pein ausgeliefert worden wären. Wir bemerkten jedoch alle, daß der Himmel nicht ein Ort zur Entwicklung ist, sondern Vollkommenheit voraussetzt. Wir waren verwirrt und verblüfft. Wir folgten der Aussage der Bibel nicht mit der nötigen Sorgfalt. Viele von uns verdrehten die Schriften und rissen Schriftstellen offensichtlich aus dem deutlichen Zusammenhang und immer zu ihrem eigenen Nachteil. Einige gingen in die Richtung des Universalismus, andere halbwegs und noch andere verwarfen das Heilige Buch. Jetzt aber ist zu erkennen, wo wir uns geirrt haben.

Gott hat zwei Errettungen, eine für die Kirche und eine völlig unterschiedliche für die Welt. Die Errettung für die Kirche ist zur himmlischen Natur, zu geistigen Leibern und der Miterbschaft mit dem Meister in seinem Königreich, welches Fleisch und Blut nicht erben können, wie wir schon gesehen haben. Die andere Errettung für die Menschheit ist eine irdische, welche in den Schriften als „Wiederherstellung” bezeichnet wird. Der Mensch war ursprünglich kein Engel, kein geistiges Wesen, sondern, wie die Schriften erklären, war „der erste Mensch von der Erde, irdisch”.

Jener irdische Mensch war vollkommen nach dem Bild seines Schöpfers erschaffen, für dessen Wohlbefinden Eden besonders zubereitet wurde. Durch Gehorsam gegenüber Gott hätte er sich fortgesetzt an Eden als seiner ewigen Heimat erfreuen können. Durch Ungehorsam verlor er zuerst seine Gemeinschaft mit Gott und dann sein Heim in Eden und nach 930 Jahren, in denen er mit Schweiß im Angesicht gegen Dornen und Disteln angekämpft hatte, erreichte ihn die Todesstrafe völlig – und er starb. Adams Geschlecht erbte seine Schwächen durch Gesetze der Vererbung, wie auch seinen Tod.

Durch ihn wird die Welt errettet werden

Die Schriften teilen uns mit, daß Gottes wirklicher Zweck, seinen Sohn in die Welt zu senden, darin bestand, daß „die Welt durch ihn errettet würde” – und nicht zur Errettung der Kirche, welche eine Besonderheit nebenbei war. Die Kirche ist auserwählt, damit sie während des Messianischen Königreichs als die Braut oder die Königin mit ihrem Herrn, den König, als der Same Abrahams an der Errettung Adams und seines Geschlechts beteiligt ist oder so vieler von ihnen, als willig sind, sich von der Sünde und dem Todeszustand erretten zu lassen. Wir erinnern uns an die Worte des Meisters mit der Aussage, daß „er gekommen ist, zu suchen und zu retten, was verloren ist.” – Lukas 19:10

Wir haben gerade gesehen, daß es ein menschliches Leben war, menschliche Vollkommenheit und ein Heim, die verloren gingen. Diese sind es, die Jesus zur bestimmten Zeit für Adam und seine Familie wiederherzustellen beabsichtigt. Die Messianische Herrschaft von Jesus und seinem Leib – dem Gesalbten, dem Christus, dem Messias – wird zu dem Zweck der Segnung von Adam und seinem ganzen Geschlecht geschehen, mit den herrlichen Gelegenheiten einer irdischen Errettung. Die aufrichtenden und wiederherstellenden Einflüsse des Messianischen Königreichs werden nicht nur Adam und sein Geschlecht betreffen, sondern auch die Erde. Allmählich wird aus dem verlorenen Paradies ein wiederhergestelltes Paradies werden, wie ein kleiner Garten Eden. Dann werden sich freuen die Wüste und das trockene Land.

Zeiten der Wiederherstellung

Bei unseres Herrn erstem Kommen begann die „angenehme Zeit” – die Zeit, in der Gott, nachdem er das Opfer Jesu angenommen hatte, durch ihn willens war, die Opfer aller anzunehmen, die wünschten, seine Jünger zu werden – ihr Kreuz aufzunehmen und ihm nachzufolgen durch böse und gute Nachrede, sogar bis in den Tod. Die ganzen gegenbildlichen Opfer des Evangelium-Zeitalters, die Opfer unseres Herrn und der Kirche, seines Leibes, sind die „besseren Opfer”, vorgeschattet durch den Stier und den Bock, die vorbildlich von den Juden geopfert wurden. Dies ist das angenehme Jahr des Herrn, wie Jesus erklärte. – Jesaja 61:2 und Lukas 4:19 Das treue Volk Gottes dieses angenehmen Tages ist froh dazu eingeladen worden zu sein, „ihre Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer”. – Römer 12:1 Am Ende dieses angenehmen Tages wird das Ende aller Gelegenheiten zu solch einem Opfer der menschlichen Natur und Miterben der himmlischen Natur mit Christus zu werden, kommen.

Dann wird eine neue Zeitperiode eingeführt werden, die in den Schriften als „Zeiten [oder Jahre] der Wiederherstellung” genannt wird. Das angenehme Jahr für das Opfer der Kirche hat fast zwanzig Jahrhunderte fortgedauert. Und wir wissen, wie lang die „Zeiten der Wiederherstellung” fortdauern werden – nahezu eintausend Jahre. Petrus sagt uns, wann genau diese „Zeiten der Wiederherstellung” beginnen werden. Sie haben in seinen Tagen noch nicht begonnen. Sie haben immer noch nicht begonnen. Sie werden beginnen als ein Resultat des zweiten Kommens von Jesus, dem Messias und der Aufrichtung seines Königreichs und der Gerechtigkeit, wie wir auch lesen: „Damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn, und er den euch vorausbestimmten Jesus Christus sende! Den muß freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von denen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat. Mose hat schon gesagt: ‚Einen Propheten wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken, gleich mir. Auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch reden wird! Es wird aber geschehen: jede Seele, die auf jenen Propheten nicht hören wird, soll aus dem Volk ausgerottet werden’” – Apostelgeschichte 3:19 – 23 – in den zweiten Tod gehen, von dem es keine Wiederherstellung gibt.

Dieser große Prophet ist nun seit nahezu zwanzig Jahrhunderten im Begriff der Aufrichtung gewesen. Und wenn das letzte Glied seines Leibes hinter den Vorhang gegangen sein wird, wird er aufstehen in den Herrlichkeiten seines Königreichs, um zu herrschen, zu richten, Anweisungen zu geben und alle Geschlechter der Erde wiederherzustellen und zu segnen mit der günstigen Gelegenheit zur Wiederherstellung alles dessen, das in Eden verloren gegangen und auf Golgatha erlöst worden ist.

Krisen im Leben von Petrus

„Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt, und erkannt ,daß du der Heilige Gottes bist.” – Johannes 6:68 und 69

Der Apostel Petrus ist eine der schillerndsten und fesselndsten Charaktere im Neuen Testament. Er war unter denen, die zuerst Jünger des Herrn wurden. Es war Andreas, der Bruder des Petrus, der ihn zuerst Jesus vorstellte. Dies geschah kurz nachdem Jesus von den vierzig Tagen der Meditation in der Wüste zurückkehrte, während der er auch von dem Teufel versucht worden war. – Johannes 1:35 – 42 und Matthäus 4:1 – 11

Wenn wir all die Erfahrungen des Petrus in seiner Gesellschaft mit Jesus während der folgenden dreieinhalb Jahre betrachten würden, würde dies bedeuten, über den größten Teil der Geschichte unseres Herrn während dieser Zeit zu berichten. Petrus war nicht nur einer der zuerst Berufenen, sondern wurde auch einer von den drei besonderen Gefährten Jesu, der die Ehre und das Vorrecht mit Jakobus und Johannes teilte, die sowohl Brüder im Fleisch als auch im Geist waren.

Diese drei waren zusammen mit Andreas, dem Bruder des Petrus, Fischer, und an dem Fischereigeschäft am See von Galiläa, der auch als Tiberiassee bekannt wurde, beteiligt. – Johannes 6:1 Es wird vermutet, daß diese vier ihre Tätigkeit als Fischer fortsetzten, nachdem sie Jünger Jesu geworden waren. Sie verbrachten auch gern einen beträchtlichen Teil dieser Zeit mit Jesus, um näher mit seinem Dienst verbunden zu sein.

Das Ende ihres Fischereigeschäftes

Die erste Erfahrung, die wir betrachten werden, stand in einem Zusammenhang mit Petrus und den anderen drei Jüngern und Fischen. Der Bericht wird uns in Lukas 5:1 – 11 und in Matthäus 4:18 – 22 gegeben. Es ist die Geschichte, in der Jesus einer Volksmenge am Ufer des Sees predigte. Um einen wünschenswerten und geeigneten Platz zu finden, von dem aus er seine Botschaft mitteilen konnte, stieg er in das Boot von Simon Petrus, den er gebeten hatte, sein Boot ein wenig weg vom Seeufer zu rudern. Und er „lehrte die Volksmengen vom Boot aus.” – Lukas 5:3

Als er seine Predigt beendet hatte, wandte er sich an seine Jünger, um ihnen einige besondere und tiefere Lektionen zu erteilen. Er gab Petrus zu verstehen, daß er in tieferes Wasser hinausfahren und dort sein Netz auswerfen sollte. Petrus erwiderte, daß sie die ganze Nacht gefischt aber nichts gefangen hätten, daß sie aber aufgrund seines Wortes das Netz noch einmal auswerfen würden. Das Ergebnis war erstaunlich. Sie fingen nun eine so große Menge von Fischen, daß das Netz riß, und sie riefen ihre Partner, Jakobus und Johannes, daß diese ihnen helfen sollten. Beide Boote wurden so übervoll, daß sie zu sinken begannen. – Lukas 5:4 – 7

Diese wunderbare und herrliche Botschaft vom Königreich, die mit der Demonstration der Kraft Jesu verbunden war, war zu viel für Petrus. Der Bericht erzählt uns, daß er sich Jesu zu Füßen warf und die überraschende Bitte aussprach: „Geh von mir hinaus! Denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr.” – Lukas 5:8

Hier gab es einen, der sich seiner eigenen Unvollkommenheit sehr bewußt und von der Vollkommenheit des Meisters tief beeindruckt war. Petrus zweifelte an seiner eigenen Fähigkeit, dem Vorbild eines Jüngers Jesu zu entsprechen und fühlte sich unwürdig, mit ihm verbunden zu sein. Dies war jedoch genau die Haltung der Ehrenhaftigkeit und Demut, die für Petrus nötig war, wie sie auch für alle zu erlangen nötig ist, die Jünger Jesu sein möchten, bevor der Herr sie gefahrlos und wirkungsvoll in seinem Werk gebrauchen kann. Dies erkennend antwortete Jesus dem Petrus und ebenso seinen Gefährten: „Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen!” – Lukas 5:10

Wie lieblich müssen diese Worte für den ungestümen Petrus geklungen haben. Auf welche großartige Weise beeindruckten sie diesen Jünger, der den Herrn gebeten hatte, von ihm wegzugehen. In seinem Herzen fühlte Petrus zweifellos eine tiefere Hingabe für den Meister als zuvor und ein ernsthafteres Verlangen, mit ihm verbunden zu sein. Ganz sicher sollte Petrus diese wichtige Erfahrung bei vielen nachfolgenden Gelegenheiten im Gedächtnis behalten.

Das scheint für jene vier Jünger das Ende des Fischereigeschäftes gewesen zu sein, bis zu einer Zeit, ein paar Jahre danach, die wir später bei unserem Studium der Erfahrungen von Petrus betrachten werden. Jetzt wird uns jedoch gesagt, „Und als sie die Boote an Land gebracht hatten, verließen sie alles und folgten ihm nach.” – Lukas 5:11 Danach verbrachte Petrus nicht mehr nur einen Teil seiner Zeit mit dem Meister und seinem Werk, sondern entwickelte eine solch völlige Hingabe, daß er später sagen konnte: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.” – Matthäus 19:27

Lektionen aus diesen frühen Erfahrungen

Wir finden in diesem frühen Bericht über jene Jünger Lektionen, die wir auf unser Leben anwenden können. Ähnlich wie bei ihnen mag es in unserem Leben eine Zeit gegeben haben, nachdem wir des Herrn Jünger wurden, in der wir gegenüber dieser neuen Berufung noch eine geteilte Aufmerksamkeit zeigten. Vielleicht befaßten wir uns in unseren Gedanken nicht völlig mit den himmlischen Dingen und verfolgten noch bis zu einem bestimmten Grad selbstsüchtige Ziele und Wunschträume, die keinen geistigen Gewinn bringen. – Matthäus 6:19 und 20, Kolosser 3:1 und 2

Wir mögen uns wundern, wie es nach seiner anfänglichen Vorstellung bei Jesus und der Annahme als ein Nachfolger für Petrus möglich war, sein Fischereigeschäft fortzusetzen. Warum hatte er nicht schon vor dieser wunderbaren Demonstration gefühlt, daß in des Meisters Gegenwart zu sein und in seinem Dienst zu stehen ein so fabelhaftes Vorrecht sein würde, alles zu verlassen und ihm sogleich von Anfang an zu folgen?

Wir könnten diese Frage an uns selbst richten und uns daran erinnern ob, nachdem wir eine volle Weihung gegenüber Gott gemacht hatten, eine Zeit verging, bevor wir wahrhaftig zu verstehen begannen und ein Leben voller Hingabe führten, welches eine solche Vereinbarung erfordert. Noch weiter unsere Selbstprüfung fortführend könnten wir fragen, ob wir selbst jetzt die Lektion gemeistert haben, die Petrus und seine Gefährten an jenem Tag in dem Boot mit Jesus lernten, und ob wir in unseren Herzen und so völlig wie nur möglich von unserem Leben wirklich sagen können: „Jesu alles, alles Jesus: Tag und Stunden meiner Zeit.” – Zionslied 35

Ein anderer Gedanke, der bei Betrachtung dieser Anweisung zu einem völlig ausfüllenden Dienst entstehen mag, ist der, daß Petrus selbst völlig „gefischt” werden mußte, bevor er ein erfolgreicher Menschenfischer sein konnte. Die harten Spitzen der Wahrheit mußten zuerst sein Herz erreichen und seine Hilflosigkeit und Unwürdigkeit offenbaren. Er mußte wahrhaftig „arm im Geist” werden, bevor er sicher verwendet werden konnte. Er mußte „murren”, bevor er getröstet werden konnte, um dann als einer der besonderen Repräsentanten des Herrn an der Tröstung anderer teilhaben zu können. – Matthäus 5:3 und 4

Dies ist heute nicht weniger wahr. Wer vom Herrn in seinem Dienst verwendet werden möchte, muß zuerst sein eigenes Herz und seine eigenen Sinne gegenüber den Anweisungen des Herrn völlig öffnen. Paulus zeigt dies in seinem Brief an Timotheus, in welchem er sagt, daß jemand, der als Ackerbauer sich müht, „als Erster an den Früchten Anteil haben muß”. – 2. Timotheus 2:6 Denjenigen, die wie Petrus geantwortet haben, gibt unser gnädiger Herr die gleiche tröstliche Versicherung, welche er Petrus gab, und die Verheißung, daß wir an seinem Dienst teilhaben werden, sowohl jetzt als auch in der Zukunft.

„Du bist der Christus”

Über das nächste Ereignis, das im Leben von Petrus von höchster Wichtigkeit war, und das wir nunmehr betrachten werden, wird in Matthäus 16:13 – 23 berichtet. Der Bericht spricht über eine Unterhaltung, die zwischen Jesus und seinen Jüngern stattfand, als sie durch den nördlichen Teil Israels wanderten, und nach „Cäsarea Philippi” kamen. Jesus führte schon seit mehr als zwei Jahren seinen Dienst aus und fragte seine Jünger, was wohl das Ergebnis seines Auftretens gewesen war: „Was sagen die Menschen, wer der Sohn des Menschen ist?”

Ihre Antwort war unbestimmt und nicht ermutigend: „Einige sagen Johannes der Täufer; andere aber: Elia; und andere wieder: Jeremia oder einer der Propheten.” – Matthäus 16:14 Wie bemerkenswert, daß die Jünger keinen von der Volksmenge, denen Jesus gepredigt hatte, herbeirufen konnten, die die Tatsache erkannt hatten, das er weit größer war, als irgendeiner von diesen berühmten Dienern.

Es ist schon immer ein schwieriges Unterfangen gewesen, gefallenen und unvollkommenen Menschen eine neue Idee zu vermitteln. Es ist gut, uns der dürftigen Resultate zu erinnern, die in der Feststellung der Jünger zutage traten. So werden wir nicht entmutigt sein, wenn unsere herrliche Botschaft von der Nähe des Königreichs Gottes auf taube Ohren trifft oder nur zu einer unbestimmten vom Unglauben geprägten Antwort führt. Wir sollten vielmehr ermutigt werden, denn wir befinden uns noch in dem Zeitalter, in welchem wir „im Glauben wandeln und nicht im Schauen”, und zur gegenwärtigen Zeit „der Glaube nicht aller Menschen Sache ist”. – 2. Korinther 5:7 und 2. Thessalonicher 3:2 Wir befinden uns in der Gesellschaft des Meisters und seiner Jünger. Und als solche müssen wir am Ende dieses Zeitalters unseren Eifer im Dienen, unseren Gehorsam und unsere Treue bei der Verkündigung des Evangeliums, unter Beweis stellen, wie sie dies am Anfang des Zeitalters getan haben.

In unserer Erzählung richtete sich Jesus’ Frage an die Jünger, wen sie erwarteten, wer er sei, dann mehr auf die Person. Dies war die Gelegenheit zu dem großen Bekenntnis von Petrus: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!” Das Lob, das Petrus von Jesus in Erwiderung auf seine Erklärung bekam, ist allen Bibelforschern bekannt: „Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist.” Jesus war nicht nur ein vollkommener Mensch, sondern war der lang verheißene Messias, der Sohn Gottes. Die Jünger wurden nun überzeugt von seinem wahren Ursprung und seinem Amt. Sie wurden vorbereitet, diese unglaublich wichtigen Tatsachen zu bezeugen. – Matthäus 16:15 – 17

Er mußte zuerst leiden und sterben

Dieser Einblick in den wahren Charakter ihres Meisters war nur ein Teil der Mitteilungen, die er seinen Jüngern noch in der Kürze der verbleibenden Zeit machen konnte, die er mit ihnen im Fleisch verbringen würde. So lesen wir: „Von der Zeit an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen, daß er nach Jerusalem hingehen müsse und von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten vieles leiden und getötet und am dritten Tag auferweckt werden müsse.” – Matthäus 16:21

Es überrascht uns nicht, daß die Feststellung, die Jesus machte, nicht mit der Idee, die Petrus hatte, was nach den Schriften das Schicksal für Jesus sein würde, übereinstimmte, die in den Schriften für Christus, den Messias, aufgezeichnet waren. Wir lesen, daß Petrus, der nie zögerte sich auszudrücken, Jesus sogleich beiseite nahm, „und anfing ihn zu tadeln, indem er sagte: (Gott) behüte dich, Herr! Dies wird dir keinesfalls widerfahren”.- Matthäus 16:22

Dies war eine gutgemeinte Anstrengung von Seiten des hingebungsvollen Petrus, Jesus von dem Lauf abzuhalten, von dem er wußte, daß er von den Propheten des Alten Testaments vorhergesagt und von wesentlicher Wichtigkeit bei der Vollendung des Planes Gottes war. Jesus reagierte augenblicklich und entschieden: „Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist.” – Matthäus 16:23

Was müssen jene strengen Worte des Tadels für eine Prüfung für Petrus gewesen sein, die seine Demut als ein Jünger, der jetzt nur ein Jünger des Meisters war, auf die Probe stellten. Nur eine kurze Zeit zuvor bekam er das höchste Lob des Neuen Testaments mit der Versicherung, daß Gott ihm die Identität von Jesus offenbart habe. Jetzt wurde er jedoch mit Satan, dem Feind Gottes, personifiziert.

Wir mögen uns wundern, warum Jesus Petrus so streng tadelte. Wenn wir über die Umstände und das Gespräch nachdenken, so erkennen wir, daß Petrus’ gutgemeinte Bemerkung tatsächlich wie die des Satans in der Wüste war. Es war nämlich eine Anstrengung, Jesus von seinem Lauf der Treue gegenüber Gottes Plänen abzubringen, welche die Übergabe seines menschlichen Lebens als ein freiwilliges Opfer einbezog.

Kein Fortschritt konnte in dem Verständnis von Petrus erfolgen, so lange er glaubte, daß Jesus der Christus war, der Sohn Gottes, und zur gleichen Zeit, daß er Verfolgung, Leiden und den Tod vermeiden sollte. Dieser grundsätzliche Irrtum, daß es unter Vermeidung von Opfer und Tod möglich sein würde der Christus zu sein, oder ein wahrer Nachfolger Christi zu sein, mußte durch den Meister mit deutlichen Worten widerlegt werden. Dies geschah nicht nur zum Nutzen von Petrus, sondern seitdem auch zum Schutz und zur Führung der Nachfolger des Herrn.

Später, als Jesus wiederum gegenüber den Jüngern von seinem bevorstehenden Tod sprach, wurden sie „bestürzt” und „außerordentlich betrübt”. „Und sie verstanden nichts von diesen Worten”, was der Grund für Jesu Entschlossenheit war, sich seinen Feinden auszuliefern. – Markus 10:32, Matthäus 26:22 und Lukas 18:34 Es geschah mit den Erklärungen, die Jesus ihnen während seiner Erscheinungen nach der Auferstehung gab und durch die spätere Erleuchtung durch den Heiligen Geist, die ihnen am Pfingsttag gegeben wurde, mit der den Jüngern das genaue Verständnis hinsichtlich dieser Ereignisse übermittelt wurde. – Lukas 24:25 – 27, 44 – 46; Apostelgeschichte 1:8 und 2:1 – 4 Nachfolgend liefert uns Petrus mit seinem Verhalten reichliche und überzeugende Beispiele, daß er demütig die ernüchternde Lektion gelernt hatte, die ihm vor Monaten von seinem Meister in Cäsarea Philippi erteilt worden war.

Die Prüfung im Garten Gethsemane

Wir erkennen, daß Petrus nur Stunden vor dem Verrat an Jesus der Ankündigung des Herrn widersprach, daß sie sich alle in dieser Nacht an ihm „ärgern” würden. Prahlerisch erwiderte Petrus Jesus: „Selbst wenn ich mit dir sterben müßte, werde ich dich nicht verleugnen. Ebenso sprachen auch alle Jünger.” – Matthäus 26:31 – 35 Diese lieben Nachfolger Christi mußten eine große Lektion lernen, obwohl sie noch nicht imstande waren, diese praktisch anzuwenden, bis „sie mit Kraft aus der Höhe bekleidet wurden” durch die Zeugung des Heiligen Geistes. – Lukas 24:49 Trotzdem hatten sie beschlossen, ihre Treue gegenüber dem Meister zu bekennen, sogar bis in den Tod.

Ein anderes Ereignis der Erfahrungen, das Petrus betrifft, trug sich während jener verhängnisvollen Nacht im Garten Gethsemane zu. In Lukas 22:35 – 38 wird uns über Anweisungen von Jesus an seine Jünger berichtet, als sie den Obersaal verließen. Unter anderem wurden sie darauf vorbereitet, sich mit Schwertern zu versehen. Er offenbarte ihnen, daß das, was geschrieben steht, noch an ihm erfüllt werden mußte: „Und er ist unter die Gesetzlosen gerechnet worden; denn auch das, was mich betrifft, hat eine Vollendung.” Die Jünger erwiderten, daß sie zwei Schwerter besäßen. „Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug.”

Wir halten inne, die bemerkenswerte Feststellung des Herrn zu erwägen, daß er nun den Höhepunkt seiner irdischen Erfahrungen erreicht hatte, und daß die Prophezeiung bald ihre Erfüllung finden würde, welche besagte, daß er sich zu den Verbrechern zählen ließ. – Jesaja 53:12 Was für ein herrliches Zeugnis über ein Leben vollkommener Hingabe und Treue gegenüber jeden einzelnen Abschnitt des göttlichen Willens für ihn, wie er es in den Schriften erkannt hatte. Es geschah um der Gnade und der Stärke wegen, daß der Meister diese Endprüfung empfing, die ihn im Gebet in jener Nacht in Gethsemane quälte. – Lukas 22:41-44

Nachdem er durch den Dienst eines Engels gestärkt worden war, näherte sich die von Judas angeführte jüdische Volksmenge, um Jesus gefangenzunehmen. Petrus hatte zweifellos des Herrn Anordnung hinsichtlich der Schwerter im Sinn. Er fragte: „Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?” Und ohne auf die Antwort zu warten, schlug der ungestüme Jünger „den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab”. – Lukas 22:49 und 50

Nun wurde Petrus und seinen Gefährten eine andere wichtige Belehrung erteilt, die für sie wie auch für alle Jünger des Herrn das ganze Zeitalter hindurch von weitreichender Bedeutung sein sollte und besonders für uns, die am Ende des Zeitalters leben. Sie mögen die Mittel gehabt haben, Leiden zu vermeiden, Ungerechtigkeit und Verfolgung zu widerstehen, aber sie machten keinen Gebrauch davon. Es war Gottes Wille, zu leiden. Es war der Vater, der den Kelch für Jesus in jener Nacht füllte und ihm zu trinken gab. Entsprechend lesen wir in dem Bericht des Johannes: „Da sprach Jesus zu Petrus: Stecke dein Schwert in die Scheide! Den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, soll ich den nicht trinken?” – Johannes 18:11 Dann heilte Jesus die Wunde, die das von Petrus geführte Schwert geschlagen hatte mit der Feststellung: „Stecke dein Schwert wieder an seinen Ort! Denn alle, die das Schwert nehmen, werden durchs Schwert umkommen.” – Matthäus 26:52

Wir haben keinen Bericht über eine Erwiderung von Petrus auf des Herrn Tadel, aber wir haben den Beweis seiner späteren herzlichen Annahme dieser neuen Idee. Nach Pfingsten, als Petrus und die anderen Apostel ins Gefängnis geworfen und auf Anordnung des Sanhedrin geschlagen wurden, gingen sie aus dem hohen Rat fort, „voller Freude, daß sie gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu leiden”. – Apostelgeschichte 5:29, 40 und 41 Später lesen wir von Petrus’ deutlicher Feststellung dem Meister zu folgen und die Anweisungen zu beachten, die er in jener Nacht im Garten Gethsemane gab und veranschaulichte. Die Ermahnung, die er Petrus gab, besteht für die Geschwister darin, uns nicht mit Schwertern zu wappnen, sondern mit „der selben Gesinnung”, die in Jesus war. – 1. Petrus 2:19 – 24 und 4:1

Die am meisten zu Herzen gehende Prüfung des Petrus

Wir kommen nun zu den vielleicht traurigsten Stunden in der Geschichte des menschlichen Geschlechts. Der Sohn Gottes, der völlig vom Geist der Demut beherrscht wurde und den Geist der Demut vollkommen offenbarte, Bescheidenheit, Gnade und Liebe, ist nun Gliedern der menschlichen Familie zur Prüfung überliefert, an deren Erschaffung er mitbeteiligt gewesen war. Dort brachten die Repräsentanten unseres Geschlechts von Stolz, Eifersucht und Haß motiviert falsche Zeugen, die gegen ihn aussagten und ihn zum Tod verurteilten. Außerdem waren jene, die die Schuld an jenem unvergleichlichen Unrecht trugen nicht die unwissenden und gottlosen Elemente der Gesellschaft, sondern die am meisten erleuchtete Gruppe der auserwählten Nation Israel – ihre religiösen Führer.

Petrus war dort in jener Nacht im Palast des Hohenpriesters. Seine Liebe für den Meister gab ihm den Mut, ihm in die Gegenwart seiner Feinde zu folgen. Einer der dort Anwesenden wies auf ihn als ein Gefährte der Gesellschaft Jesu hin. Dann, in der unmittelbaren Gegenwart des Meisters, den er liebte, verleugnete Petrus sogar ihn zu kennen. Was für eine erstaunliche Kombination von Werten wir in Petrus finden. Hier hatten ihn seine Liebe und sein Mut in Gefahr gebracht. Jedoch, was auch die Ursache dazu war, verleugnete er ihn mit einem Schwur, denjenigen, dem er vor wenigen Stunden versichert hatte, „wenn sich alle an dir ärgern werden, ich werde mich niemals ärgern. … Selbst wenn ich mit dir sterben müßte, werde ich dich nicht verleugnen.” – Matthäus 26:33 – 35

Jesus erschien von Soldaten bewacht, und er blickte Petrus an. – Lukas 22:61 Wie muß ihm dieser Blick ins Herz gedrungen sein. Es war so weit zweifellos der kritischste Augenblick all seiner Erfahrungen mit dem Meister. Würde er Reue zeigen oder würde er am Ende wie Judas Ablehnung gegenüber seinem Meisters zeigen? Wenn wir dort gewesen wären, wie atemlos würden wir darauf gewartet haben, die Reaktion von Petrus zu sehen. Jesu Blick war ohne Zweifel voller Sehnsucht für seinen schmerzlich bedrückten Jünger, der in Gefahr war, „wie Weizen” gesichtet zu werden, wie Jesus am Abend zuvor im Obersaal gesagt hatte. – Matthäus 26:31

Als der Hahn krähte, erinnerte sich Petrus, daß Jesus ihn gewarnt hatte: „bevor der Hahn kräht, wirst du mich drei Mal verleugnen”. Petrus verließ den Palast. Gott sei Dank, daß er nicht wie Judas hinausging, um sich zu erhängen. Er ging auch nicht hinaus, um sich mit dem Gedanken zu trösten, daß er unter großer Belastung gestanden hatte, und damit nach einer Entschuldigung für seine Verleugnung des Meisters suchte. Petrus „ging hinaus und weinte bitterlich”. – Matthäus 26:75 Petrus hatte diesen großen Höhepunkt der Prüfung erfolgreich beendet. Der Prozeß der Erniedrigung hatte wahrhaft begonnen, ein lebendiger Schritt in Vorbereitung auf das große apostolisch Werk, das bald beginnen sollte, wenn die Jünger mit dem Heiligen Geist bekleidet sein würden.

Liebst du mich?

Dieser Prozeß der Erniedrigung wurde kurze Zeit später fortgesetzt, nach der Auferstehung Jesu von den Toten. Noch nicht völlig bewußt über den Lauf, den sie verfolgen sollten, beschäftigten sich Petrus und die anderen Jünger wieder mit dem Fischen. Wie es drei Jahre zuvor geschehen war, fischten sie die ganze Nacht und fingen nichts. Dann gab ihnen ein Fremder vom Ufer aus den Rat ihr Netz auf der rechten Seite auszulegen mit der Versicherung, daß sie dort Fische fangen würden. Und wiederum fingen sie eine wunderbare Menge Fisch. Überzeugt, daß der Herr am Ufer stand, konnte Petrus nicht länger warten und stürzte sich in den See, um zu ihm hinzuschwimmen. – Johannes 21:1 – 7

Später, nach dem Mahl, führte der auferstandene Herr, der an dem Mahl als Gast teilnahm, ein Gespräch mit Petrus. Jesus fragte Petrus dreimal „Liebst du mich?” Und Petrus antwortete: „Herr, du weißt alles; du erkennst, daß ich dich lieb habe.” Petrus antwortete auf die Aufforderung des Herrn: „Weide meine Lämmer … weide meine Schafe”. Der auferstandene Herr erinnerte dann Petrus daran, daß er bisher gewohnt war, sich selbst zu gürten, daß aber die Zeit kommen würde, in der „ein anderer ihn gürten und hinbringen würde, wohin er nicht wollte”. Der Bericht stellt ferner fest, daß Jesus Petrus andeutete, auf welche Art er sterben sollte – durch Kreuzigung. Es wird vermutet, daß Petrus auf diese Weise „Gott verherrlichen sollte”. Nachdem er völlig erniedrigt worden war, konnte Gott damit beginnen, ihn zu ehren und als Apostel zu benutzen. – Johannes 21:15 – 19

Völlig vorbereitet

Jahre danach weist Petrus auf dieses Gespräch hin, das am Seeufer stattfand. Die Zeit ist gekommen, zu sagen, „ich weiß, daß das Ablegen meines Zeltes bald geschieht, wie auch unser Herr Jesus Christus mir kundgetan hat”. Er war nun auf jene letzte Prüfung völlig vorbereitet. In der Tat scheint der Bericht zu zeigen, daß es ihm wenig ausmachte, und seine größere Sorge war, in Treue seinen Dienst unter des Herrn Nachfolgern zu vollenden, an die er schrieb, daß er sie immer an das Evangelium erinnern würde, und den Wandel, der sicherstellen würde „ihre Berufung und Erwählung festzumachen”, obwohl sie diese Dinge kannten, über die er schrieb, und die sie in „der gegenwärtigen Wahrheit befestigen würden”. – 2. Petrus 1:10 – 14

Tatsächlich fühlte Petrus die Notwendigkeit damit fortzufahren, die Geschwister aufzurütteln, indem er sie an diese Dinge erinnerte, „so lange er sich noch in diesem Zelt befand”. Sogar auf seinen Dienst jenseits des Fleisches blickend schreibt er: „Ich werde aber darauf bedacht sein, daß ihr auch nach meinem Abschied jederzeit imstande seid, euch diese Dinge ins Gedächtnis zu rufen.” – 2. Petrus 1:15

Eine Inspiration für uns

Kephas oder Petrus war der Name, den Jesus dem Simon gab, als dieser das erste Mal zu ihm kam. Er bedeutet „Fels”. – Johannes 1:42 Wie wenig schien er den Namen in einigen der Prüfungen zu verdienen, die der Herr ihm auferlegte. Jesus sah jedoch in ihm das belebende Prinzip der Ehrfurcht vor Gott. Er liebte Petrus, und Petrus liebte seinen Meister. Jesus konnte auf die Entwicklung des Petrus geduldig und hoffnungsvoll warten. Er betrachtet und behandelt uns in gleicher Weise, und er gibt uns Gelegenheiten ähnlich das Gold im Charakter unserer Geschwister zu erkennen. Er wünscht, daß wir an ihrer Ermutigung teilhaben, wie er sie durch kritische Lebenserfahrungen bringt, bis ihr Charakter völlig entwickelt ist.

Am Anfang war der Charakter des Petrus komplex und einer, der manchmal menschlichen Impulsen und Anordnungen widersprach. Der Herr führte ihn jedoch seine Erfahrungen überwaltend, indem er ihm durch Sein Wort und Seine Vorsehung in einer solchen Weise Anweisungen gab, daß er jene Konfliktsituationen, soweit es sein Herz betraf, überwand. Die neuen Impulse und die gottähnlichen Eigenschaften wurden allmählich in einen felsähnlichen festen und unerschütterlichen Charakter kristallisiert, zubereitet zu einem „lebendigen Stein” für den Tempel Gottes. – 1. Petrus 2:4 und 5

Wie herrlich ist es, dieses Wachstum des Petrus an Gnade zu beobachten und seinem letztlichen Erfolg zu betrachten! Wir freuen uns auch, an die Heiligen dieses Zeitalters zu denken – die nur „eine kleine Herde” sind, die ähnlich durch unbegrenzte Liebe und Gnade Gottes von ihm „erkauft” den göttlichen Charakter entwickelten, „im Feuer geläutertes Gold”. – Lukas 12:32 und Offenbarung 3:18 Wie Jesus deutlich zeigt, sind die Kosten eines solchen Charakters: Opfer, Trübsal, Tod des Fleisches mit seinen Wünschen und Ambitionen. Der herrlichste Gedanke ist jedoch der, daß es für uns noch möglich ist, dieses Gold von solch unvorstellbar hohem Wert zu „kaufen”. Möge unsere Betrachtung dieser Ereignisse im Leben des Petrus uns inspirieren und ermutigen in der gleichen Weise voran zu drängen, bis auch wir „unsere Berufung und Erwählung festgemacht haben”.