Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Die Liebe neidet nicht

„Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig; sie neidet nicht; die Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf.” – 1. Korinther 13:4

Wahre Liebe verkörpert das Prinzip der Selbstlosigkeit. Diese Liebe wird nicht von Emotionen beherrscht, obgleich diejenigen, deren Herzen von Liebe erfüllt und kontrolliert werden, leidenschaftlich dazu aufgewühlt werden, zum Wohl von anderen zu handeln. In der Tat wurde Gott durch Seine selbstlose Liebe dazu bewegt, Seinen Sohn zu geben, um der Erlöser und Erretter der Welt zu sein. Weil Liebe auf der Grundlage der Selbstlosigkeit besteht, kann sie nicht eifersüchtig auf andere sein, noch auf die guten Dinge, die sie besitzen.

Paulus kennzeichnet die Liebe als wesentlich, als „Frucht des Geistes”, während er Neid als eines der „Werke des Fleisches” bezeichnet. – Galater 5:19 – 23 Er schreibt weiterhin in den Versen 25 und 26: „Wenn wir durch den Geist leben, so lasst uns durch den Geist wandeln! Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, indem wir einander herausfordern, einander beneiden.” Jeder Nachfolger des Meisters sollte wünschen von dem Geist der Liebe erfüllt und kontrolliert zu werden, und jeden Grund zu vermeiden, auf andere neidisch zu sein. Das menschliche Herz ist jedoch „trügerisch” und „bösartig”. – Jeremia 17:9 Es ist nötig, dass wir stets auf der Hut sind, dass wir nicht zu dem Glauben verleitet werden, dass es unter bestimmten Bedingungen angebracht ist, auf Gottes Segnungen für andere neidisch zu sein.

Neid und Eifersucht sind einander sehr ähnlich. Salomon schrieb: „Eifersucht ist hart wie das Totenreich.” – Hohelied 8:6 (Schlachter-Übersetzung) Wenn wir ihren giftigen Reißzähnen erlauben unsere Herzen zu durchdringen, so sind wir des Friedens und der Freude in dem Herrn beraubt, deren wir uns ansonsten erfreuen könnten. Wir sollten nicht annehmen, dass wir immun gegenüber den Angriffen dieses grausamen Giftes der Eifersucht sind. Wir müssen nicht nur über unsere Herzen wachen, sondern auch durch Gebet um Gottes Hilfe und Schutz nachsuchen, indem wir erkennen, dass wir in unserer Schwachheit nicht immer unsere eigenen Wege und Beweggründe verstehen können. David schrieb: „Verirrungen – wer bemerkt sie? Von (den) verborgenen Sünden sprich mich frei!” – Psalm 19:13

Kain und Abel

Die Schriften liefern uns eine Anzahl von Beispielen von Einzelpersonen, die es zuließen, dass sie von Eifersucht heimgesucht wurden und zu den Übeln, zu denen sie führt. Während weder das Wort Neid noch das Wort Eifersucht im Zusammenhang mit Kain benutzt wird, war es ohne Zweifel dieser besondere Ausdruck der Sünde, der ihn durch Selbstsucht ausgelöst überwältigte. Der Bericht stellt fest, dass er sehr zornig über die Tatsache war, dass Gott das Opfer von Abel annahm und sein Opfer ablehnte. – 1. Mose 4:5 Der Apostel Johannes warnt uns, dass wir stattdessen „einander lieben sollen” und nicht „wie Kain (sein sollen), der aus dem Bösen war und seinen Bruder ermordete.” – 1. Johannes 3:11 und 12

Im Fall von Kain wie auch bei den anderen Beispielen der Sünde von Neid und Eifersucht finden wir in der Bibel, dass die Einzelpersonen, die davon betroffen waren, Gott ignorierten und Seinen Teil in ihren Erfahrungen. Tatsächlich hatte Abel nichts mit der Ablehnung des Opfers von Kain zu tun. Richtiges demütiges Nachdenken würde Kain zu Gott geführt haben, um herauszufinden, warum sein Opfer nicht so „ausgezeichnet” war wie das Opfer von Abel. – Hebräer 11:4 Aber er tat dies nicht, sondern erschlug den Einen, über den Gott Seinen Segen sichtbar kundgetan hatte. Wie töricht wäre es für uns selbst, den geringsten Argwohn von Eifersucht gegenüber diejenigen zu hegen, die Gott segnet. Wenn wir dies tun würden, würde es zeigen, dass wir selbst der segensreichen guten Dinge unwürdig wären, die Er über diejenigen ausgießt, die wir beneiden.

Aaron, Miriam und Moses

Aaron und Miriam, die seine Schwester war, waren schuldig, weil sie dem Geist der Eifersucht erlaubt hatten, ihre Einstellung gegenüber ihrem Bruder Mose negativ zu beeinflussen. Der Bericht zeigt, dass diese zwei Diener Gottes eine Anklage gegen Moses vorbrachten, in welcher sie verbargen, was sie wirklich im Sinn hatten. Wir lesen: „Und Miriam und Aaron redeten gegen Mose wegen der kuschitischen Frau, die er genommen hatte; und sie sagten: Hat der HERR nur etwa mit Mose geredet? Hat er nicht auch mit uns geredet? Und der HERR hörte es.” – 4. Mose 12:1 und 2

Wir sollen uns immer der Tatsache bewusst sein, dass der Herr hört, was wir sagen, und dass Er die Gedanken und Absichten unserer Herzen kennt. Psalm 94:11 und 139:23 Paulus schrieb: „Und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben.” – Hebräer 4:13 Dies verhielt sich so im Fall von Aaron und Miriam. Gott kannte den Vorwand ihrer Anklage, dass Mose eine Äthiopierin zur Frau genommen hatte. Was wirklich in ihren Herzen war, war der Geist des Neides hinsichtlich der Tatsache, dass ihr Bruder Moses so deutlich als Gottes Mundstück in Erscheinung trat, während sie fühlten, dass sie dazu ebenso geeignet gewesen wären.

Der Herr, der in ihren Herzen lesen konnte, wusste, dass Aaron und Miriam zeitweise von dem großen Widersacher überwunden worden waren, und handelte in dieser Situation so, um sie von dieser „Schlinge des Vogelfängers” zu befreien. – Psalm 91:3 Da Er augenscheinlich keine Anstrengungen machte, ihn gegen die Anklage zu verteidigen, obwohl dies für Mose eine schwerwiegende Erfahrung gewesen sein muss, von einem Glied seiner eigenen Familie angegriffen zu werden. Der Herr rechtfertigte Mose jedoch, und nachdem Er Miriam streng bestraft hatte, nahm Er sie wieder an, Ihm zu dienen. – 4. Mose 12:5 – 14

Saul und David

In dem König Saul von Israel haben wir ein anderes Beispiel für das grausame Unheil des Neides und der Eifersucht, wenn diesen erlaubt wird im Herzen zu wurzeln. Saul war von seiner Statur her einen Kopf größer als alle Israeliten. – 1. Samuel 9:2 Anscheinend war er jedoch nie davon beeindruckt, dass ihn dies wichtiger mache als alle anderen. So stellte er fest, als er erwählt wurde: „Bin ich nicht ein Benjaminiter und aus einem der kleinsten Stämme Israels, und ist meine Sippe nicht die geringste unter allen Sippen des Stammes Benjamin?” – 1. Samuel 9:21

Doch Saul behielt nicht diese demütige Einschätzung seiner selbst. Er wurde in seinen eigenen Augen so wichtig, dass er überheblich wurde und den Anweisungen des Herrn nicht gehorchte. Samuel erinnerte Saul daran, dass er, als er sich selbst als „gering” sah, zum König von Israel gemacht wurde. Saul spürte jedoch eines Tages, dass er die Macht in seinen Händen hielt, und er vergaß, dass er „gering” war, und er zögerte nicht entgegen den Anweisungen des Herrn zu handeln. Als er dessen angeklagt wurde, schob er die Sünde auf das Volk, aber Gott hielt Saul für verantwortlich und verwarf ihn. – 1. Samuel 13:8 – 14 und 15:17 – 23

Wie es immer geschieht, wenn Selbstinteresse Kontrolle über das Leben eines Dieners Gottes ausübt, suchte Saul seine Herrschaft auf der Grundlage, was für ihn das Beste sein würde, auszuüben. Gott hatte ihn verworfen, aber erlaubt, dass seine Herrschaft eine Zeit lang fortbestehen sollte. Aber sein Herzenszustand änderte sich nicht. Saul begann Israel so zu regieren, als ob Gott in den Angelegenheiten der Nation nichts zu sagen hätte. Dies führte zu seinem weiteren Verhängnis. Und mit diesem Rückzug von Gott, ergriff ihn der hässlichen Geist des Neides und der Eifersucht.

Saul wurde als ein tapferer und tüchtiger Kriegsmann unter den Israeliten gerühmt. Beginnend mit dem Kampf gegen Goliath nahm jedoch Davids Ruf als Kriegsmann zu und übertraf den Ruhm von Saul. Der Bericht sagt: „Und es geschah, als sie heimkamen, als David vom Sieg über den Philister zurückkehrte, zogen die Frauen aus allen Städten Israels zu Gesang und Reigen dem König Saul entgegen mit Tamburinen, mit Jubel und mit Triangeln. Und die Frauen tanzten, sangen und riefen: Saul hat seine Tausende erschlagen und David seine Zehntausende. Da ergrimmte Saul sehr. Und diese Sache war in seinen Augen böse, und er sagte: Sie haben David Zehntausende gegeben, und mir haben sie (nur) die Tausende gegeben, es (fehlt) ihm nur noch das Königtum.” – 1. Samuel 18:6 – 9

Saul sah von da an „neidisch auf David” und suchte ihn in seiner Eifersucht zu töten. David musste vor dem Zorn Sauls fliehen, während Saul ihn wie ein wildes Tier jagte. David zeigte im Gegensatz zu Saul keine Neigung, Vergeltung gegen seinen Verfolger zu üben. Bei einer Gelegenheit, als Saul dem Objekt seines unkontrollierbaren Neides und seiner Eifersucht nachjagte und sich selbst in eine Lage brachte, von David gefangen und getötet zu werden, sagten die Freunde Davids, unter ihnen Abischai: „Heute hat Gott deinen Feind in deine Hand ausgeliefert: Nun lass mich ihn doch mit dem Speer an den Boden spießen, einmal nur!” – 1. Samuel 26:8

Dies war ein überzeugendes Argument – Gott hatte seinen Feind in seine Hände geliefert. Wenn David das geringste Anzeichen des Hasses gegenüber Saul gezeigt hätte, würde ihn diese Art des Denkens überzeugt haben, und er würde erlaubt haben, dass dieser getötet würde. Hier gibt es einen herzergreifenden Punkt für unsere Betrachtung. Gibt es irgendeine Möglichkeit zufrieden in der Idee zu ruhen, wenn wir neidisch reagieren oder eine solche Handlung gestatten, dass diese gegenüber dem Herrn annehmbar ist? David hatte eine andere und bessere Sicht, die den göttlichen Willen zur Grundlage machte. Er antwortete: „Bring ihn nicht um! Denn wer könnte seine Hand gegen den Gesalbten des HERRN ausstrecken und ungestraft bleiben? Und David sagte (weiter): So wahr der HERR lebt, sicher wird ihn der HERR schlagen, wenn seine Zeit kommt, dass er sterbe, oder er wird in den Krieg ziehen und umkommen! Der HERR lasse es fern von mir sein, dass ich meine Hand an den Gesalbten des HERRN legen sollte!” – 1. Samuel 26:9 – 11

Wie wundervoll zeigte David damit sein Vertrauen in die Vorsehung Gottes. Während Samuel ihn gesalbt hatte, schließlich als Gottes Wahl der neue König Israels zu sein, zeigte sich David völlig willig, auf die vom Herrn bestimmte Zeit zu warten, die Zügel der Herrschaft zu übernehmen. Anscheinend hegte er keinen Groll gegen Saul, obwohl er so ungerecht von ihm behandelt worden war.

In dieser Erfahrung von Saul und David gibt es wertvolle Lektionen für uns. Die meisten des Volkes Gottes fühlen sich zweifellos ganz „gering” während der Zeit ihrer Weihung. Wie wichtig ist es, dass diese Haltung der Sanftmut und Demut beibehalten wird. Der Herr möge uns in Seinem Dienst segnen. Er mag sogar einigen von Seinem Volk ein bestimmtes Maß von Bedeutung unter den Geschwistern erlauben. Dies ist eine wirkliche Prüfung. Es könnte sein, dass diejenigen, die anfangs gering in ihren eigenen Augen waren, stolz und in ihrem Stolz neidisch auf Andere werden, die der Herr ähnlich reich segnen mag in Seinem Dienst.

Davids großzügiger und vergebender Geist wurde im weiteren in dem Fall mit seinem Sohn Absalom offenbar, der gegen seinen Vater rebellierte und ihm den Thron zu entreißen suchte. Als Absalom schließlich sein Leben verlor, weinte David vor Leid. Wir lesen: „Da schrak der König zusammen, und er stieg hinauf ins Obergemach des Tor(-gebäudes) und weinte. Und so rief er im Gehen: Mein Sohn Absalom! Mein Sohn, mein Sohn Absalom! Wäre ich doch an deiner Stelle gestorben! Absalom, mein Sohn, mein Sohn!” – 2. Samuel 19:1

Unter solchen Umständen würden viele ihrer Genugtuung Ausdruck verliehen haben, dass ein Rivale, sogar einer von der eigenen Familie, beseitigt worden wäre, sich darüber freuend, dass Gottes Gerichte mit Sicherheit auf ihn gekommen wären. David nahm aber nicht diese Stellung ein. Er war ein Mann nach dem Herzen Gottes, und die Vorzüge seines Charakters schlossen Langmut, Erbarmen und den Geist der Vergebung ein. – 1. Samuel 13:14 und Apostelgeschichte 13:22 Es blieb kein Raum für Neid und Eifersucht in dem Herzen übrig, welches so sehr mit dem Geist des Herrn gefüllt war.

Jesu vollkommenes Beispiel

Entlang dieser Richtschnur ist Jesus unser krönendes Beispiel. Noch vor Pfingsten waren die Jünger oft damit beschäftigt, wer wohl der Erste unter ihnen sein sollte, wie auch berichtet wird: „Es stieg aber unter ihnen eine Überlegung auf, wer wohl der Größte unter ihnen sei. Als Jesus aber die Überlegung ihres Herzens erkannte, nahm er ein Kind und stellte es neben sich und sprach zu ihnen: Wer dieses Kind aufnehmen wird in meinem Namen, nimmt mich auf, und wer mich aufnehmen wird, nimmt den auf, der mich gesandt hat; denn wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groß.” – Lukas 9:46 – 48

Die Worte der Antwort, welche die Jünger auf die Lektion von Jesus gaben, ist höchst ungewöhnlich: „Johannes aber antwortete und sprach: Meister, wir sahen jemand Dämonen austreiben in deinem Namen, und wir wehrten ihm, weil er (dir) nicht mit uns nachfolgt. Und Jesus sprach zu ihm: Wehrt nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, ist für euch.” – Lukas 9:49 und 50 Der Zusammenhang ist hier interessant. Den Jüngern war gerade gesagt worden, dass die wichtige Handlung, für die es zu eifern galt, nicht darin besteht groß zu sein, sondern „der Kleinste” unter ihnen zu sein. Hier ging es jedoch um einen Menschen außerhalb ihrer Gemeinschaft, und sicherlich würde Jesus ihre Schau der Autorität gegenüber ihm genehmigen. Es scheint, dass das gefallene Fleisch zeitweilig dafür anfällig ist, wichtigtuerisch und aufdringlich zu sein.

Wiederum sagte Jesus seinen Jüngern, dass sie falsch urteilten. Er hatte diesen Arbeiter nicht besonders zum Dienst eingeladen, aber Jesus war ganz und gar nicht neidisch darauf, was er tat. Tatsächlich hatte Jesus seine Jünger nicht angewiesen, hinauszugehen und mit dieser Person zusammenzuarbeiten, noch zu versuchen ihn in ihre Gemeinschaft zu bringen. Der Punkt, der unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, ist jedoch, dass Jesus in keiner Weise eifersüchtig auf diesen Mann war, der unabhängig von ihm und seinen Jüngern diente. „Wehrt ihm nicht” – das heißt, lass ihn allein – war die Anweisung des Meisters. Dies ist auch eine gute Lektion für uns. Der Herr der Ernte ist so groß und allmächtig, dass er seine Angelegenheiten mit denen, die nicht wie wir dienen, oder jenen Geschwistern, die sehr eng mit uns zusammenarbeiten, auch ohne unser Einschreiten regeln kann.

Diesem Beispiel und der Anweisung Jesu zu folgen bedeutet nicht, dass wir in irgendeiner Weise hinsichtlich der Wahrheit Kompromisse eingehen sollen. Es bedeutet einfach, dass wir im Dienst des Herrn voranschreiten sollen, so wie er uns die Gelegenheit gibt, und nicht so sehr besorgt sein sollen über den Lauf, den andere einschlagen. Die Versuchung zu verhindern, wie es die Jünger taten, zeigt nicht notwendigerweise einen neidischen Geist. Es könnte sein, und es ist vielleicht nur das Ergebnis eines fehlgeleiteten Eifers. Was auch immer das Motiv sein mag, sagte Jesus jedoch: „Wehrt ihm nicht!”

Paulus – ein anderes Beispiel

In dem Apostel Paulus besitzen wir ein anderes, wundervolles Beispiel der Langmut des Herzens, um die wir uns bemühen sollten. In der Kirche in Korinth gab es viel Rivalität, von der Paulus sagte, dass sie vom fleischlichen Denken herrührte. In seinem Schreiben zeigte er diesen Geschwistern den Irrtum ihrer Einstellung. Einige der Geschwister in Korinth behaupteten, dass sie Paulus geweiht wären und andere, dass sie dem Apollos nachfolgten. Paulus jedoch schrieb: „Was ist denn Apollos? Und was ist Paulus? Diener, durch die ihr gläubig geworden seid, und zwar wie der Herr einem jeden gegeben hat. Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat das Wachstum gegeben. So ist weder der da pflanzt etwas, noch der da begießt, sondern Gott, der das Wachstum gibt. Der aber pflanzt und der gießt, sind eins, jeder aber wird seinen eigenen Lohn empfangen nach seiner eigenen Arbeit.” – 1. Korinther 3:5 – 8

Wir sollten beachten, dass das Problem, welches hier von Paulus erörtert wird, nicht eine falsche Lehre betrifft. Er sagt nicht, dass diejenigen, die die Wahrheit predigen und diejenigen, die Irrtum predigen, „eins sind”. Das Problem war vielmehr die Rivalität darüber, wer als ein Diener des Herrn wahrgenommen werden sollte. Hier kommt Paulus direkt auf den Punkt, wenn er sagt: „wie der Herr einem jeden gegeben hat” – zu diesem Dienst der Wahrheit gegeben hat, das heißt, jedem Menschen in Christus Jesus. So sind diejenigen, die vom Heiligen Geist motiviert werden, ihre Vorrechte als Diener des Evangeliums auszuführen, „alle eins” in Christus Jesus, soweit es die freudige Gelegenheit des Dienstes betrifft. – Galater 3:28

Die Langmut des Herzens und die Haltung, die Paulus zeigte, werden uns in dem Brief an die Geschwister in Philippi wieder in Erinnerung gebracht. Als Paulus aus dem Gefängnis in Rom schrieb, sagte er: „Ich will aber, dass ihr wisst, Brüder, dass meine Umstände mehr zur Förderung des Evangeliums ausgeschlagen sind, so dass meine Fesseln in Christus im ganzen Prätorium und bei allen anderen offenbar geworden sind und dass die meisten der Brüder im Herrn Vertrauen gewonnen haben durch meine Fesseln und viel mehr wagen, das Wort Gottes ohne Furcht zu reden. Einige zwar predigen Christus auch aus Neid und Streit, einige aber auch aus gutem Willen. Die einen aus Liebe, weil sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums eingesetzt bin; die anderen aus Eigennutz verkündigen Christus nicht lauter, weil sie (mir in) meinen Fesseln Bedrängnis zu erwecken gedenken. Was (macht es) denn? Wird doch auf jede Weise, sei es aus Vorwand oder in Wahrheit, Christus verkündigt, und darüber freue ich mich. Ja ich werde mich auch freuen.” – Philipper 1:12 – 18

Was für ein herrliches Zeugnis wird hier gegeben! Viele, die sich in den schwierigen Umständen des Paulus befunden hätten, würden viel von ihrem Interesse im Dienst des Herrn verloren haben, fühlend dass sie sozusagen „zur Seite geschoben” worden wären und daher keine weitere Verantwortung im Zusammenhang mit diesem Dienst hätten. Paulus jedoch, angekettet an eine römische Wache, bezeugte weiterhin die Wahrheit und freute sich darüber, dass andere aktiver in des Herrn Dienst wirksam wurden. – Apostelgeschichte 28:16 und 20

Paulus hatte erfahren, dass einige, die das Evangelium predigten, „aus Neid und Streit predigten … , nicht lauter”. Seine Macht und Autorität als einer der inspirierten Apostel befähigten ihn, die Motive jener zu erkennen, die bestrebt waren, mit ihren Predigten seinen Fesseln „Bedrängnis hinzuzufügen”. Er tat jedoch nichts, ihre widergöttlichen Anstrengungen zu hindern und ließ das Gericht ihrer Herzen in den Händen des Herrn. Paulus sagte einfach, dass er sich darüber freue, dass Christus „auf jede Weise, sei es aus Vorwand oder in Wahrheit, verkündigt wird”. Sollten wir nicht nach einer solchen Verwirklichung der Liebe streben?

Die Situation war schwieriger für Paulus, als sie es für uns ist. Er kannte die Unaufrichtigkeit jener, die bemüht waren, ihm Schaden zuzufügen. Wir können jedoch nicht die Herzen anderer lesen und sollten es niemals versuchen. Wir können nur vermuten, dass alle Anstrengungen, dem Herrn mit der Verkündigung des Evangeliums zu dienen, ehrlich sind. Wenn wir die Angelegenheit in dieser Weise sehen, sollten wir uns jener Anstrengungen erfreuen. Wir wollen noch einmal betonen, dass dieser Punkt nicht das Predigen von Irrtum betrifft. Kein wahres Kind Gottes sollte oder könnte sich an dem Predigen des Irrtums erfreuen, und Paulus sicherlich auch nicht. Paulus freute sich zu erkennen, und sicherlich sollten wir dies auch tun, dass das herrliche Evangelium vom Königreich gepredigt wurde, obgleich in einigen Fällen jene, die es verkündigten, nicht richtig motiviert gewesen sein mögen, wie dies auch unser Leittext zum Ausdruck bringt: „Die Liebe neidet nicht”.

Die Haltung des Paulus erinnert uns an eine Erfahrung, in welcher Mose in gleicher Weise eine ähnliche Langmut des Ausblicks zeigte. Siebzig Älteste aus Israel wurden von Mose rund um die Stiftshütte versammelt, und Gottes Geist kam über sie, und sie begannen zu prophezeien. Zwei von den Ältesten blieben jedoch im Lager, „und der Geist ruhte auf ihnen … und sie prophezeiten im Lager”. Josua, der später der Nachfolger Mose wurde, richtete seine Aufmerksamkeit auf diese Sache und bat Mose diesen beiden zu verbieten, unpassend zu predigen. „Mein Herr, Mose, halte sie zurück! Aber Mose sagte zu ihm: Eiferst du für mich? Mögen doch alle im Volk des HERRN Propheten sein, dass der HERR seinen Geist auf sie lege!” – 4. Mose 11:25 – 29

Der Sinn dieser Lektion ist zu erkennen, dass Mose nicht eifersüchtig war. Wäre er in die Einzelheiten gegangen, so hätte er gegenüber Josua sagen können, dass es für jene zwei Älteste wirklich besser gewesen wäre, sich um die Stiftshütte zu versammeln, wie es die anderen im Gehorsam gegenüber seinen Anweisungen getan hatten. Da sie dies aber nicht getan hatten, und Gott es noch wohlwollend ansah, indem Er Seinen Geist auf sie legte, wollte Mose die Tatsache, dass sie mehr oder weniger ihm gegenüber ungehorsam gewesen waren, nicht beklagen. So weit es ihn betraf, würde er es freudig begrüßen, wenn Gott Seinen Geist auf alle Israeliten ausgießen und sie zu Propheten machen würde.

In seinem zweiten Brief an die Geschwister in Korinth schrieb Paulus: „Unser Mund hat sich euch gegenüber geöffnet, ihr Korinther; unser Herz ist weit geworden. Ihr seid nicht beengt in uns, sondern ihr seid beengt in euren (eigenen) Herzen – ich rede wie zu Kindern – werdet auch ihr weit.” – 2. Korinther 6:11 – 13

Sicherlich war Paulus in seiner Langmut des Herzens den Geschwister in Korinth insgesamt weit voraus. Weil nur einige von ihnen anfänglich behauptet hatten, seine Nachfolger zu sein, müssen andere letztlich für eine Zeit lang in einem gewissen Grad ihm gegenüber feindlich gesinnt gewesen sein. Dies spielte für Paulus keine Rolle. Sein Herz war weit, sie alle darin aufzunehmen und im allerheiligsten Glauben aufzubauen.

Er bemerkte, wie auch wir das sollen, dass sich alle in der Kirche Christi in unterschiedlichen Stadien der christlichen Entwicklung befinden. Es wäre vielleicht ideal, wenn alle den gleichen Grad des christlichen Wachstums erreicht hätten, von dem wir hoffen, dass dies auf uns zutrifft. Dies wird jedoch nicht so sein, während sich die Kirche in Fleisch befindet. Wenn einige uns im Wachstum zu übertreffen scheinen, und Gott sie mehr segnet als uns, sollen wir nicht neidisch sein. Wenn andere unsere Geduld beanspruchen, weil sie in der Gnade und Erkenntnis nachzuhinken scheinen, sollten unsere Herzen ihnen gegenüber weit sein.

Wir bedürfen einander jetzt mehr als je zuvor. „Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht; oder wieder das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht; sondern gerade die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig; und die uns die weniger ehrbaren am Leib zu sein scheinen, die umgeben wir mit größerer Ehre; und unsere nichtanständigen haben größere Wohlanständigkeit; unsere Wohlanständigen aber brauchen es nicht. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dabei dem Mangelhafteren größere Ehre gegeben.” – 1. Korinther 12:21 – 24

Wir wollen bemüht sein durch Gebet und eine eifrige Anwendung der Prinzipien der Liebe dem Geist des Neides keinen Unterschlupf zu gewähren. Stattdessen sollten wir, wie Paulus schrieb: „Nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht (tun), sondern dass in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst; ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen.” – Philipper 2:3 und 4 Wenn wir bemerken, dass unsere Geschwister in Christo in einigen oder vielen Beziehungen besser sind als wir, sollten wir uns über ihre höheren Fähigkeiten freuen, und es wird in unseren Herzen keinen Raum für Neid geben. Möge der Herr uns helfen diesen hohen und gesegneten Stand der Liebe in unserem Verständnis und unserem Handeln miteinander zu erlangen.

Seht zu, dass ihr nicht fallt

„Daher, wer zu stehen meint, sehe zu, dass er nicht falle.” – 1. Korinther 10:12

Das Gedächtnismahl, das geweihte Nachfolger Christi feiern, wurde von Jesus nicht beabsichtigt, um nur eine zeitliche Erinnerung an sein Leben der Widmung und des Dienstes gegenüber Gott und seines Todes als der Erlöser des Menschen zu sein. Diese ist tatsächlich die wichtigste Grundlage unserer Gemeinschaft mit ihm. Das Brot und der Kelch sind jedoch leere Symbole, wenn ihre Bedeutung nicht auch eine aussagekräftige, persönliche Auswirkung auf unser Leben hat. Es ist unsere Hoffnung, dass dieser Artikel in einer sehr praktischen Weise unsere fortwährende Verantwortung gegenüber Gott, der Wahrheit und unseren Geschwistern ins Gedächtnis ruft.

Unser Leittext ist einer von vielen in der Heiligen Schrift, der uns an die Möglichkeit erinnert, aus der besonderen Gunst bei Gott zu fallen. Die Worte des Apostels zeigen auch deutlich, dass es für uns eine sehr deutlich gekennzeichnete Rolle gibt, die wir bei der Beibehaltung unseres Standes spielen müssen – eine Rolle, die er mit dem Ausdruck „seht zu” beschreibt. „Zusehen” bedeutet auf etwas zu achten, etwas zu beobachten, etwas wahrzunehmen. Zusehen bedeutet für einen Christen und bei allem was seine geistigen Angelegenheiten betrifft, ständig gewarnt und aufmerksam zu sein, so dass er, wenn er die vor ihm liegenden Gefahren erkennt, vorbereitet sein kann, diesen zu begegnen.

Der Apostel deutet an, dass die Wichtigkeit unseres Zusehens darin besteht, dass wir aufpassen, damit wir nicht fallen. Dass die Gefahr besteht, dass ein Christ zu Fall kommen kann, wird prophetisch durch die Worte des Psalmisten belegt, welcher sagt: „Tausend fallen an deiner Seite, Zehntausend an deiner Rechten – dich erreicht es nicht.” – Psalm 91:7 Ein Studium dieser Worte im Zusammenhang mit dem Leittext zeigt, dass der Grund für jemand nicht zu fallen darin besteht, dass er „im Schatten des Allmächtigen bleibt” und Seine Wahrheit „zum Schild und zur Schutzwehr” gemacht hat. – Psalm 91: 1 und 4

Offensichtlich kann niemand aus seinem Stand vor Gott fallen, es sei denn, dass er zu irgendeiner Zeit zuvor sich dieses Standes erfreut hat. Daher ist es wichtig, klar im Sinn zu behalten, was es bedeutet „zu stehen”, damit wir mit Intelligenz darauf bedacht sind, dass wir nicht fallen. Die Schriften umfassen unser Stehen von verschiedenen Gesichtspunkten, und wenn wir die verschiedenen Zeugnisse der Bibel zusammenfügen, die über diese Sache sprechen, lernen wir, dass fest zu stehen in Gottes Sicht eine sehr bestimmte und wichtige Angelegenheit ist. Folglich ist die Möglichkeit aus diesem festen Stand zu fallen eine höchst ernste Angelegenheit, die zu bedenken ist.

Im Herrn stehen

Der Apostel schrieb: „Daher, meine geliebten und ersehnten Brüder, meine Freunde und mein Siegeskranz. Steht in dieser Weise fest im Herrn, Geliebte.” – Philipper 4:1 Fest in dem Herrn zu stehen bedeutet auf das Verdienst des vergossenen Blutes von Jesus zu vertrauen, und durch völlige Weihung und Versenkung unseres Willens in den Willen Gottes, um als Glieder zu der gesalbten Herde gezählt zu werden, von der Christus das Haupt ist. Was für ein gesegneter Stand dies ist! Er beinhaltet und fordert Demut in der Erkenntnis unseres Bedarfs der errettenden Gnade Gottes durch das Blut. Er fordert zur völligen und bedingungslosen Unterwerfung unseres Willens auf, und den göttlichen Willen zu tun. Achtzugeben auf die Aufrechterhaltung dieses Standes bedeutet ein tägliches Untersuchen unserer Herzen, um sicher zu sein, dass wir keinen eigenen Willen besitzen, der im Gegensatz zu dem Willen Gottes steht, welcher durch unser Haupt, Christus Jesus, ausgedrückt wird.

Im Herrn zu stehen beinhaltet auch ein Stehen für weitere Grundsätze. An anderer Stelle sagt Paulus: „Wacht, steht fest im Glauben, seid mannhaft, seid stark!” – 1. Korinther 16:13 Der Glaube, in welchem wir fest stehen sollen, ist der Glaube, „der ein für allemal den Heiligen überliefert wurde”. – Judas 3 Dieser Glaube ist bei dem Namenchristentum im allgemeinen verlorengegangen. Dies ist der gleiche Glaube, den zuerst Abraham, dann Isaak und Jakob und danach alle Propheten verkündeten. Das große zentrale Thema dieses Glaubens ist die Messianische Hoffnung eines zukünftigen Königreichs, das alle Nationen segnen wird und Gottes Hohe Berufung für die Christen in jenem Königreich. Wir wollen sicher sein, dass wir fest in jenem Glauben stehen, und dass es nicht nur eine alte und uninteressante Fabel ist, wie manche meinen.

Paulus stellt fest, dass der Glaube Kraft erfordern würde, um wirklich fest im Glauben zu stehen, „seid mannhaft, seid stark”. Es hat schon immer Mut erfordert, in dem reinen Glauben des Evangeliums zu stehen. Dies wird durch den schnellen Abfall vom wahren Glauben offenbar, nachdem die Apostel entschlafen waren. – 2. Thessalonicher 2:3 Nicht lange nach ihrem Tod wurden die reinen Lehren des Glaubens verdorben, und denen, die geistigen Speise suchten, wurden verdorbene Speisen angeboten. Ja heute glauben sogar viele, dass dieser Austausch für den Glauben, der einst den Heiligen gegeben wurde, der wünschenswertere wäre. Wir sollten uns jedoch immer daran erinnern, dass, wenn wir wünschen, in unserem Geist der Nachfolge nahe bei dem Herrn zu sein, wir an dem interessiert sein müssen, was Er tut, und wir unsere Energie dort einsetzen müssen, wo Er wirkt. Das ist nur möglich, wenn wir im Glauben an Gottes Plan fest stehen.

Wenn wir wirklich im Herrn stehen, werden wir auch in der Freiheit des Herrn stehen. „Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht. Steht nun fest und lasst euch nicht wieder durch ein Joch der Sklaverei belasten.” – Galater 5:1 In der Freiheit des Christus zu stehen, bedeutet die Freiheit zu haben, alles zu tun, was Christus uns zu tun wünschen würde. So schließt dies ein, dass wir nicht Gegenstand des Willens von Menschen sein können noch von menschengemachten Institutionen. Wenn wir uns „wieder verstrickt” finden in der Knechtschaft des Willens von Menschen und uns dabei zurückhalten, Dinge zu sagen und zu tun, von denen wir wissen, das sie gegenüber Gott und Christus wohlgefällig sind, dann stehen wir nicht ganz fest in der Freiheit des Christus. Wir wollen dann auch in dieser Richtung achtgeben, dass wir nicht fallen.

Der Apostel erwähnt noch eine andere wichtige Phase unseres Standes im Herrn, nämlich, fest zu stehen „in einem Geist”. Er sagte: „Wandelt nur würdig des Evangeliums des Christus, damit ich, sei es, dass ich komme und euch sehe oder abwesend bin, von euch höre, dass ihr fest steht in einem Geist und mit einer Seele zusammen für den Glauben des Evangeliums kämpft.” – Philipper 1:27

Es gibt eine bemerkenswerte Mischung von wichtigen christlichen Prinzipien, die sich in diesen Worten fortsetzen. Die Apostel ermahnen uns in einem Geist festzustehen und keine Kompromisse gegenüber dem Glauben einzugehen, aber dass wir zusammen für den Glauben eifern, der in dem Evangelium seinen Mittelpunkt hat. So unterschiedlich dies von dem modernen Rezept für die Einheit des Geistes ist, so vorherrschend ist dies in den Kirchen von heute, die nicht Einheit durch das gemeinsame Streben für den Glauben befürworten, sondern das Streben und Kämpfen zu beenden oder sogar das Studieren des einst den Heiligen überlieferten Glaubens.

Es ist in dem Geist der „Wahrheit des Evangeliums”, in welchem wir zusammenstehen sollen. – Kolosser 1:5 Wir können nicht in dem Geist stehen, es sei denn, dass wir zusammen für die Wahrheiten eintreten, die in der Evangeliumsbotschaft enthalten sind. Im Geist zusammenzustehen ist sehr eng verbunden mit dem gemeinsamen Streben für den Glauben. In einem solchen Stand zu verharren wird Mut, Stärke und innere Kraft und die Hilfe von Gott erfordern, uns zu befähigen, uns gemeinsam zu bemühen, und den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen. Dies bedeutet, dass wir „stark im Herrn und in der Macht seiner Stärke werden.” – Epheser 6:10

Hochmut kommt vor dem Fall

Es gibt verschiedene gefährliche Signale, durch die wir vor einem drohenden Fall vorher gewarnt werden können, und dieselben sind schnell erkennbar, wenn wir wachsam achtgeben. Eines von diesen ist stolze Überheblichkeit. „Vor dem Verderben (kommt) Stolz und Hochmut vor dem Fall.” – Sprüche 16:18 Wie leicht geschieht es, dass Stolz in unser Herz gelangt und uns veranlasst, hochmütig und überheblich zu sein. Der Geist der Demut führt zu Sanftmut, Milde, Belehrbarkeit, Geduld und Vergebung. Wie wichtig ist es doch, „nicht höher (von sich) zu denken, als zu denken sich gebührt.” – Römer 12:3

Ein anderes gefährliches Zeichen ist das der Gleichgültigkeit gegenüber dem Wort Gottes. Das Wort Gottes ist Seine Stimme, die zu uns spricht. Wenn wir unseren Stand in Ihm aufrechterhalten sollen, wie aufmerksam sollten wir dann sein, auf Seine Stimme zu hören, und wie sorgfältig sollten wir uns gegenüber Seiner Botschaft verhalten. Unser Stand im Herrn ist abhängig von unserem Gehorsam gegenüber Seiner Wahrheit, denn wir werden durch die Wahrheit geheiligt. – Johannes 17:17 Satan möchte, dass wir glauben, dass im Herrn zu stehen, eine Sache ist, und in der Wahrheit zu stehen, etwas anderes ist. Er möchte, dass wir glauben, dass es keinen Unterschied macht, wo wir hinsichtlich des Wortes der Wahrheit stehen, so lange wir den Herrn lieben. Dies ist jedoch eine jener Listen des Teufels, mit welchen er uns von Gott abzuziehen beabsichtigt, indem er uns dazu veranlasst, die Wertschätzung für Seine herrliche Botschaft der Wahrheit zu verlieren, durch die Er zu uns redet und uns auf dem schmalen Weg leitet. Wir wollen darin fortfahren, die Wahrheit zu lieben und von ihr ernährt zu werden, dass wir durch sie erstarken und stark bleiben mögen, so dass wir nicht fallen werden, weil wir die Wahrheit zu unserem Beschützer und unserem Schild gemacht haben.

Sich nicht mit den Geschwistern versammeln zu wollen, oder Gleichgültigkeit gegenüber dem Vorrecht der Gemeinschaft zu zeigen, sind andere gefährliche Signale. Gott hat die Angelegenheiten der Kirche so gestaltet, um die Gemeinschaft mit anderen von dem gleichen kostbaren Glauben zu ermöglichen, einem der wichtigen Instrumente der Gnade. Wenn wir diese Vorsorge des Herrn zu unserer Stärkung im Glauben und im Geist nicht entsprechend den Möglichkeiten wertschätzen, vernachlässigen wir eines der wichtigen Instrumente, durch die wir vor dem Fall bewahrt werden.

Der Geist der „Bitterkeit, und des Zornes und des Ärgers” ist ein weiteres gefährliches Signal, das von denen schnell beseitigt werden sollte, die in der rechten Weise achtgeben. – Epheser 4:31 Diese heillosen Kundgebungen des Charakters stehen im genauen Gegensatz zu dem Geist der Liebe, welcher der Geist Gottes ist. Diesen Einzug in unsere Herzen zu erlauben, und was noch schlimmer ist, ihnen Unterschlupf zu gewähren und danach zu handeln, wird früher oder später zum großem Verlust unseres Standes in Christus Jesus führen. Wir sollten in dieser Beziehung mit Eifer bestrebt sein, jeden Beweis dieser sündigen Eigenschaften schnell und gründlich aus unseren Herzen durch Gebet zu beseitigen, und stattdessen danach trachten von dem Geist der Liebe erfüllt und kontrolliert zu werden.

Wir sollten auch dem Geist der Welt nicht erlauben, Kontrolle über unsere Herzen und unser Leben auszuüben. Der Geist der Welt offenbart sich in Selbstsucht, Ehrgeiz und Prahlerei. Kurz gesagt ist es der Geist der Selbstsucht, welcher der Geist des Widersachers ist. Wenn wir finden, dass der Geist dieser Welt sich in unseren Gedanken und Herzen zu verbreiten beginnt, sollten wir es als ein gefährliches Signal eines Fallstricks und einer Falle wahrnehmen, mit welcher der Satan uns aus unserer Standfestigkeit zu Fall zu bringen beabsichtigt. Wir wollen danach trachten, mit dem Geist des Herrn erfüllt zu sein, und so mit den Dingen des Herrn beschäftigt zu sein, dass für den Geist der Welt keine Zeit oder kein Raum mehr bleibt, auch nur den geringsten Eintritt in unser Leben zu erlangen.

Wie wir fallen können

Es bestehen viele Möglichkeiten durch Achtlosigkeit aus der Stellung der völligen Treue vor Gott zu fallen und aus unserem gesegneten Stand Seiner Gnade. Wir können zum Beispiel in einen geistigen Schlaf verfallen, wenn wir erlauben, dass ein Geist der Trägheit uns befällt, der unsere geistigen Sinne einschlummern lässt. – Sprüche 6:10 und 11, 1. Thessalonicher 5:6

Dies führt allmählich zu einem Mangel in der Wertschätzung der Wahrheit, einer Sorglosigkeit Gottes Willen zu tun, einem Mangel an Eifer für Seinen Dienst und zu einer Kälte und Gleichgültigkeit gegenüber unseren Geschwistern in Christo und den Vorrechten unser Leben für sie niederzulegen.

Wir können fallen, wenn wir uns fortgesetzt untreu gegenüber irgendeiner Richtlinie verhalten und besonders, wenn wir unseren Himmlischen Vater danach nicht um Vergebung bitten, wenn wir das göttliche Gesetz übertreten. Wir können fallen, wenn wir etwas tun, „was den Sohn Gottes mit Füßen tritt”. Es könnte uns vorgeworfen werden, dass wir eigensinnig unsere eigenen Pläne auszuführen bestrebt sind. Wir können „in Versuchung fallen”, wenn wir nicht glaubensvoll die gefährlichen Signale entlang unseres Weges beachten und so in eine oder mehrere Fallen des Satan verstrickt werden. – Hebräer 10:29, 1. Timotheus 3:7 und 6:9

Wir können aus dem Dienst im Glauben fallen. Wir können aus unserer Liebe für die Geschwister fallen und unserer Liebe für Gott. Wir können fallen, wenn wir willentlich einen Weg gehen, der im Gegensatz zu der Führung des Heiligen Geistes verläuft. Wir können aus unserer Standfestigkeit fallen, indem wir „durch den Irrwahn der Ruchlosen mit fortgerissen werden”. – 2. Petrus 3:17 Paulus schreibt jedoch: „Wir aber sind, wenn wir auch so reden, im Hinblick auf euch, Geliebte, vom Besseren und zum Heil Dienlichen überzeugt” … „Daher, meine geliebten Brüder, seid fest, unerschütterlich, allezeit überreich in dem Werk des Herrn, da ihr wisst, dass eure Mühe im Herrn nicht vergeblich ist.” – Hebräer 6:9 und 1. Korinther 15:58

Ihr werdet niemals fallen

Der Apostel Petrus gibt uns einen vortrefflichen Hinweis, der uns vor dem Fall bewahren kann. Er erinnert uns an die kostbaren Verheißungen, auf die sich unsere Hoffnung auf die göttliche Natur gründet und zeigt, dass diese Verheißungen auch die Grundlage unseres Glaubens sind. Dann gebietet er uns unserem Glauben die Tugend, der Tugend die Erkenntnis, der Erkenntnis die Enthaltsamkeit, der Enthaltsamkeit das Ausharren, dem Ausharren aber die Gottseligkeit, der Gottseligkeit aber die Bruderliebe, der Bruderliebe aber die Liebe hinzuzufügen. „Denn wenn diese (Dinge) bei euch vorhanden sind und zunehmen”, sagt der Apostel, „lassen sie (euch) im Hinblick auf die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus nicht träge und nicht fruchtleer sein. Denn bei wem diese (Dinge) nicht vorhanden sind, der ist blind, kurzsichtig und hat die Reinigung von seinen früheren Sünden vergessen. Darum Brüder, befleißigt euch um so mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen! Denn wenn ihr diese (Dinge) tut, werdet ihr niemals straucheln. Denn so wird euch reichlich gewährt werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus.” – 2. Petrus 1:4 – 11

Wir sollten uns daran erinnern, dass, wenn die Bibel vom „Fallen” spricht, dies mehr bedeutet als nur zu „straucheln”. In einem Sinn straucheln wir zu jeder Zeit, in der wir Fehler begehen. Wegen fleischlicher Unvollkommenheiten straucheln und stolpern wir mehr oder weniger, während wir auf dem schmalen Weg gehen. Wenn unsere Herzen jedoch vor Gott rein sind, wird Er über uns wachen und Seine ewigen Arme werden uns auffangen und uns zu jeder Zeit, in der wir Seine Gnade benötigen, neu beginnen lassen. Wir wollen dann Mut fassen und in dem gesegneten Tun Seines Willens voranschreiten in dem Wissen, dass schließlich, wenn wir fortfahren wachsam zu sein, wir „mehr als Überwinder sein werden durch den, der uns geliebt hat” und für uns gestorben ist. – Römer 8:37

Wir wollen auf all diese Weise uns immer dessen bewusst werden und aufmerksam sein, so dass wir fest stehen können im Herrn.

War Jakobs Handlungsweise gegenüber Esau unehrenhaft?

Es ist die Frage gestellt worden: Warum hat Jakob das Erstgeburtsrecht und die Segnung seinem Bruder Esau weggenommen? Warum hat er ihm das Gericht nicht gegeben, als er hungrig war, anstatt es ihm zu verkaufen? Der Gedanke scheint naheliegend, dass Esau und Jakob hungrig waren. Dass Jakob hungrig war, wird dadurch bewiesen, dass er das Essen zubereitet hatte. Es ist auch bewiesen, dass Esau hungrig war; aber niemand weiß, wer größeren Hunger hatte. Gehen wir davon aus, dass es bei beiden gleich war, und dass nicht genug für zwei Mahlzeiten vorhanden war. Esau sagte, dass er etwas zu essen wolle, und Jakob hielt das für den richtigen Zeitpunkt, sich etwas zu sichern, das Esau besaß, und woran dieser kein Interesse hatte.

Man kann wohl auch annehmen, dass Esau in seinem ganzen Leben religiöse Dinge und Interessen vernachlässigt hat. Er heiratete ein in heidnische Familien aus der Umgebung, ließ dabei völlig die Verheißung an Abraham außer Acht, holte sich mehrere unwürdige Frauen, wie seine Mutter sagte. Aufgrund dessen ist es sehr wahrscheinlich, dass er und Jakob sich häufig unterhielten über Gottes Verheißung an ihren Großvater Abraham, und wie sie sich erfüllen würde, und es ist auch wahrscheinlich, dass Esau die ganze Zeit ohne Glauben lebte. Als sich nun die Gelegenheit bot, beide Hunger hatten und das Essen da war, sagte Jakob: ‚Du hast kein Interesse an deinem Geburtsrecht, Esau, und du wertschätzt diese Verheißung von Abraham nicht; das zählt für dich überhaupt nicht. Ich will dir sagen, was wir tun. Du kannst das Essen haben und ich das Erstgeburtsrecht. Ist das ein Angebot?‘ Esau antwortete: ‚Das ist ein Angebot. Ich möchte lieber das Gericht haben als das Erstgeburtsrecht.‘

Es war ein fairer Handel. Wenn jemand ein Geschäft macht und ein Haus kauft und beide, Käufer und Verkäufer sind zufrieden damit, würden wir das nicht als Betrug und Diebstahl bezeichnen; so war es bei Jakob. Was Esaus Erwartungen in Bezug auf die Abrahamische Verheißung anbelangte, so war diese für ihn wertlos. Er hatte in diese Verheißung kein Zutrauen. Der Apostel Paulus ruft uns diese Angelegenheit ins Gedächtnis und sagt, dass Esau „ungöttlich” – Hebräer 12:16 – war, dass er also Gottes Verheißung für wertlos erachtete; er war bereit, sie für ein Linsengericht zu verkaufen, so als hätte er den besseren Teil des Handels gemacht; so als würde er sich sagen: ‚Mein armer Bruder weiß nicht, was Leben ist; wenn er einen guten Rat von mit annehmen würde, würde er anfangen zu leben. Er glaubt etwas, was Gott zu Großvater Abraham gesagt hat, und er denkt, dass er damit eines Tages etwas Großartiges davon bekommen wird. Es lohnt nicht der Mühe darüber nachzudenken.‘ Und so dachte Esau bestimmt, er sei der Gewinner über Jakob, als er die Mahlzeit bekam.

Esau kümmerte sich nur um den irdischen Teil des Erstgeburtsrechts

Es ist auch die Frage gestellt worden: Warum hat Jakob versucht seinen Vater zu täuschen? Jakob versuchte, das in Besitz zu nehmen, was er gekauft hatte, und was der Verkäufer nicht hergeben wollte. Er wusste, dass er es bei seinem Bruder mit einem unehrlichen Menschen zu tun hatte. Alle Vorkehrungen waren getroffen, dass Esau den Segen bekommen würde – den er verkauft hatte, und jetzt war er dabei ihn zu stehlen. Jakob muss überlegt haben: ‚Ich will sein Stehlen verhindern; ich habe das Erstgeburtsrecht gekauft; ich habe das Recht, in dieser Sache an Stelle Esaus zu handeln. Ich will nur versuchen Gerechtigkeit eintreten zu lassen, so dass mein Vater tut, was recht und angemessen ist, und von dem ich weiß, dass es Gottes Wille ist, denn Gott sagte zu unserer Mutter, als wir geboren wurden, dass der Segen auf mich kommen soll. Und nun ist er auf mich gekommen dadurch, dass mein Bruder keinerlei Interessen daran hat, ich mich darum aber ganz außerordentlich kümmere. Jetzt geht es nur um die Frage, wie ich den Segen bekomme. Feststeht, dass Esau das Erstgeburtsrecht ausschließlich vom irdischen Standpunkt aus für wert hält. Ich weiß, dass ihn die unserem Vater gegebene Verheißung keinen Deut interessiert; er vertraut nicht darauf. Sein ganzes Denken dreht sich um den Besitz, der an mich gehen wird, wenn ich als der ältere Sohn anerkannt werde.‘

Jakob wusste, dass er Schwierigkeiten bekäme, wenn er versuchen sollte, den Segen zu bekommen, aber er liebte die Verheißung so sehr und wusste, dass daraus ein großer Segen hervorgehen würde, dass er alles andere geringschätzte. Er war willens, in seiner Heimat ein Ausgestoßener zu werden, wenn er nur den geistigen Teil der Verheißung bekäme, und so verließ er sein Zuhause, und es war ihm völlig klar, dass er die irdischen Besitztümer einbüßte und nur die geistige Segnung behielt, die Esau nicht haben wollte. Er hat nicht versucht, Esau die Dinge wegzunehmen, an denen seinem Bruder gelegen war.

Hier könnte man einwenden: Wenn Jakob wusste, dass der Herr ihm diese Segnung durch seine Mutter verheißen hatte, war es dann nicht ein Mangel an Glauben, nicht zu erkennen, dass der Herr sie ihm zukommen lassen würde ohne Betrug oder Verfälschung? Wir überlegen, dass Jakob, wenn er in unseren Tagen leben würde und alle Vorteile hätte, die wir haben, die Unterweisung des Alten und Neuen Testaments und die Geisteszeugung, lernen würde seinen Glauben einzusetzen, der bereits ein starker Glaube hinsichtlich Gottes Verheißungen war; er hätte gelernt, auf den Herrn zu warten. Wir haben ihm gegenüber viele Vorteile in diesen Dingen. Er nun hatte sehr wenige Vorbilder dafür, was das Warten auf den Herrn oder ähnliches anbelangte, und schließlich bewies er Eifer und Energie und Gottvertrauen auf dem Weg, den er beschritt. Und für jemand, der nicht geistgezeugt war, hat er außerordentlich richtig gehandelt.

Jakob wurde vom Herrn nicht getadelt

Wir denken, es ist bei Betrachtung dieser Vorgänge gut für uns, wenn wir alle unsere Ideen am göttlichen Maßstab ausrichten; wenn wir dies versäumen, machen wir einen Fehler. Die göttliche Norm hat immer Vorrang. Den Aufzeichnungen nach findet sich nun hier kein Wort des Herrn gegen Jakob im ganzen Geschehen, und wenn Gott nichts gegen ihn zu sagen hatte, wer sind wir, dass wir es tun sollten?

Jakob floh aus Angst vor seinem Bruder nach Paddan-Aram und gab sein Zuhause und seinen ganzen Besitz auf, gemäß der Vereinbarung, nach der er bereit war, diese Dinge für immer in Esaus Hand zu lassen, wie er es geplant hatte. Als er nun von Zuhause floh und nichts als einen Stein als Kopfkissen hatte, da erschien ihm in jener Nacht der Herr im Traum: Er sah eine Vision oder ein Bild der Segnung, die er besaß. Das war das Zeugnis, dass Gottes Gunst bei ihm war. Zu denken, dass Gott mit einem bösen Menschen zusammenarbeiten sollte, ist nicht unsere Art über die Angelegenheit zu urteilen. Wer darüber anders denkt, möge dies tun. Wir werden gemäß dem Maßstab des Herrn vorgehen und sagen. „Es steht geschrieben.”

Es kann sein, dass der Bericht Informationen nicht enthält, die einen anderen Blick auf die Dinge erlauben würden, und die es leichter machen würden, zu verstehen. Der Apostel Paulus lobt Jakobs Glauben, tadelt aber Esaus Verkauf seines Erstgeburtsrechts und ermahnt uns, nicht so zu handeln wie „ein Ungöttlicher wie Esau, der für eine Speise sein Erstgeburtsrecht verkaufte”. – Hebräer 12:16 Damit scheint Paulus anzudeuten, dass es Leute geben mag, die ihr Geburtsrecht verkaufen möchten, und andere, die es kaufen möchten.

Die Juden in Jesu Tagen, die es versäumten, die Einladung des Herrn anzunehmen, und die keine wahren Israeliten waren, verkauften für ein „Linsengericht” von irdischen Segnungen und irdischer Anerkennung ihre himmlischen, ihre geistigen Rechte. Und wir aus den Nationen, denen dieses Recht nicht von Natur aus zukam, wurden dazu eingeladen, um herauszufinden, ob wir die Vorrechte wertschätzen und den Preis gewinnen – und wir werden ihn gewinnen, wir werden das Geburtsrecht bekommen, aber die Esau-Klasse nicht.

Ich werde dieses Haus mit Herrlichkeit füllen

„Noch einen kleinen Augenblick, und ich erschüttere den Himmel und die Erde, das Meer und das Trockene; und ich will auch alle Nationen erschüttern.” – Haggai 2:6 und 7

Achtzehn Jahre nach Israels Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft war der Tempel noch nicht wiederhergestellt worden. Obwohl der König Kyrus von Persien einen Erlaß herausgegeben hatte, den Tempel wiederaufzubauen, und die Grundlage desselben mit Freuden gelegt worden war, war die Fortsetzung der Bemühungen von den Feinden Israels behindert worden. – Esra 1:1, 3:6, 8 – 11 und 4:4 – 24

Jetzt, im zweiten Jahr des Königs Darius, erging das Wort des Propheten Haggai an Serubbabel, den Statthalter von Juda, und Josua, den Hohenpriester. „So spricht der HERR der Heerscharen: Dieses Volk sagt: Die Zeit ist (noch) nicht gekommen, das Haus des HERRN zu bauen. … Ist es für euch selber (an der) Zeit, in euren getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus verödet daliegt.” – Haggai 1: 2 und 4

Israel versäumt Gottes Haus wiederaufzubauen

Von ihren Feinden daran gehindert, hatten die zurückgekehrten Israeliten ihren Sinn auf die Wiedererrichtung ihrer Häuser und des diesseitigen Lebens gerichtet und den Wiederaufbau des Hauses Gottes vernachlässigt. Die Vernachlässigung hatte ihre diesseitigen Lebensumstände beeinflusst, wie Gott erklärte. „Und nun, so spricht der HERR der Heerscharen: Richtet euer Herz auf eure Wege! Ihr habt viel gesät, aber wenig eingebracht; ihr esst, aber ihr werdet nicht satt; ihr trinkt, aber ihr seid noch durstig; ihr kleidet euch, aber es wird keinem warm; und der Lohnarbeiter erwirbt Lohn in einem durchlöcherten Beutel. … So spricht der HERR der Heerscharen: Richtet euer Herz auf eure Wege! Steigt hinauf ins Gebirge und bringt Holz herbei und baut das Haus! Dann werde ich Gefallen daran haben und mich verherrlichen, spricht der HERR.” – Haggai 1:5 – 8

Bruder Russell schrieb: „Ein beträchtlicher Teil der Schwierigkeit liegt in der Lauheit gegenüber der Religion. Die Leute hatten, wie es scheint, sich selbst komfortable Häuser gebaut und Gärten angelegt, usw., während der Tempel, das Haus des Herrn, verwüstet vor ihnen lag.” Daher sandte Gott Haggai zu den Juden, sie sowohl zu tadeln als auch zu ermutigen. – Esra 5:1 und 2 sowie 6:4

Diese Verbindung zwischen Israels Dienst für Gott und ihrem zeitlichen Überfluss war ein Teil der Verheißung unter dem Gesetzesbund. Wenn Israel der Stimme des HERR ihres Gottes genau gehorchen würde, sollten sie gesegnet werden. – 5. Mose 28:1 – 14 Wegen ihrer Vernachlässigung des Wiederaufbaus des Hauses Gottes war der Fluch von Haggai 1:5 – 8 über die Juden gekommen.

Heute denken viele Christen irrigerweise, dass zeitlicher Überfluss einen guten geistigen Stand bei dem Herrn bedeutet. Sie vergessen, dass der Christ sich unter einem Bund über Opfer befindet. – Psalm 50:5 Heute gedeihen Bosheit und Übel und werden belohnt, aber nicht die Gerechtigkeit. „Und nun, wir preisen die Frechen glücklich. Sie kamen sogar (noch) voran, als sie gottlos handelten; ja, sie versuchten Gott und kamen davon.” – Maleachi 3:15

Für den wahren Christen zeigt sich der Lohn für ihr Opfer und für ihren Dienst für den Herrn in ihrem geistigen Überfluss, aber nicht in ihrem zeitlichen Überfluss – in ihrer Nähe zu Gott und zu Seinem Sohn Jesus in ihrer Herzensstellung, ihrem Charakter und ihrer Lebensweise. Wenn sie zu dem Bild von Gottes lieben Sohn umgewandelt werden, werden sie dem Rat des Apostels Paulus gefolgt sein, auf der Grundlage des Glaubens an Christus mit Gold, Silber und kostbaren Steinen zu bauen. – Römer 8:29 und 1. Korinther 3:11 – 15 Wenn der Christ seinem Glauben moralische Werte, Erkenntnis Gottes, Seiner Wahrheit und Seines Sohnes hinzufügt, Selbstbeherrschung, ausdauernden Gehorsam gegenüber Gott, Frömmigkeit, brüderliche Liebe und Liebe, dann wird uns „reichlich gewährt werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus”. – 2. Petrus 1:5 – 11 Dies ist der Reichtum, nach welchem der wahre Christ sucht.

Israel antwortet auf die Botschaft des Propheten Haggai

„Da hörten Serubbabel, der Sohn des Schealtiel, und der Hohepriester Jeshua, der Sohn des Jozadak, und der ganze Überrest des Volkes auf die Stimme des HERRN, ihres Gottes, und auf die Worte des Propheten Haggai … und das Volk fürchtete sich vor dem HERRN.” – Haggai 1:12 Die positive Antwort der Israeliten bezeugte ihre Ehrfurcht vor dem HERRN. Dies änderte die Botschaft des Propheten vom Vorwurf zur Ermutigung. „Da sprach Haggai, der Bote des HERRN, im Auftrag des HERRN zum Volk: Ich bin mit euch, spricht der HERR!” – was die Israeliten weiterhin zu Anstrengungen bei dem Wiederaufbau anregte. – Haggai 1:13 „Und der HERR erweckte den Geist Serubbabels, des Sohnes Schealtiels, des Statthalters von Juda, und den Geist Jeschuas, des Sohnes Jozadaks, des Hohenpriesters, und den Geist des ganzen Überrestes des Volkes, so dass sie kamen und sich an die Arbeit am Haus des HERRN der Heerscharen, ihres Gottes, machten.” – Haggai 1:14

Haggais Botschaft der Ermutigung setzt sich in Kapitel 2 fort, obwohl der wiederhergestellte Tempel nicht so herrlich wie der des Salomo war. „Wer ist unter euch noch übriggeblieben, der dieses Haus in seiner früheren Herrlichkeit gesehen hat? Und wie seht ihr es jetzt? Ist es nicht wie nichts in euren Augen? Und nun sei stark, Serubbabel! spricht der HERR. Und sei stark Jeschua, Sohn des Jozadaks, du Hoherpriester, und seid stark, alles Volk des Landes, spricht der HERR, und arbeitet! Denn ich bin mit euch, spricht der HERR der Heerscharen.” – Haggai 2:3 – 4

Ich werde den Himmel und die Erde erschüttern

Haggais Botschaft wurde dann eine Prophezeiung für zukünftige Tage, wenn ein größerer Tempel vollendet wird, der durch den Tempel von Salomo und den Tempel von Serubbabel im Vorbild dargestellt wurde. „Denn so spricht der HERR der Heerscharen: Noch einmal – wenig (Zeit) ist es (noch) – und ich werde den Himmel und die Erde und das Meer und das Trockene erschüttern. Dann werde ich alle Nationen erschüttern, und die Kostbarkeiten aller Nationen werden kommen, und ich werde dieses Haus mit Herrlichkeit füllen, spricht der HERR der Heerscharen. Größer wird die Herrlichkeit dieses künftigen Hauses sein als die des früheren, spricht der HERR der Heerscharen, und an diesem Ort will ich Frieden geben, spricht der HERR der Heerscharen.” – Haggai 2:6, 7 und 9

Vielleicht erinnerte diese Ankündigung, Himmel und Erde zu erschüttern, die Juden an die Ereignisse am Berg Sinai, als den Israeliten das Gesetz gegeben wurde, und „die Erscheinung so furchtbar war, dass Mose sagte: ‚Ich bin voll Furcht und Zittern‘.” – Hebräer 12:21 Haggais Ankündigung war jedoch für die Zukunft – „Es wird aber der Tag des HERRN kommen wie ein Dieb, an ihm werden die Himmel mit gewaltigem Geräusch vergehen, die Elemente aber werden im Brand aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr (im Gericht) erfunden werden.” – 2. Petrus 3:10

Der Apostel Paulus zitiert Haggais Prophezeiung in Hebräer 12:26 – 27 und schreibt: „Noch einmal werde ich nicht nur die Erde bewegen, sondern auch den Himmel.” – Vers 26 Dieser Ausdruck „noch einmal” bezeichnet die Beseitigung jener Dinge, die als geschaffene erschüttert werden können, so dass diejenigen Dinge, die nicht erschüttert werden können, bestehen bleiben. Die Einrichtungen dieser gegenwärtigen bösen Welt, die religiösen, finanziellen, gesellschaftlichen und politischen Einrichtungen werden weggefegt werden, so dass „ein neuer Himmel und eine neue Erde, in welcher Gerechtigkeit wohnt”, ihren Platz einnehmen können. – 2. Petrus 3:13

Die neuen (geistigen) Himmel wurden sowohl durch Salomos Tempel illustriert als auch durch den Tempel, an dem Serubbabel und die Israeliten bauten. Der Apostel Paulus beschreibt Christus und die Kirche als einen Tempel und sagt: „So seid ihr nun nicht mehr Fremde und Nichtbürger, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. (Ihr seid) aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist. In ihm zusammengefügt, wächst der ganze Bau zu einem heiligen Tempel im Herrn.” – Epheser 2:19 – 21 Und er fügt hinzu: „Wißt ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?” – 1. Korinther 3:16

Das Bauen des geistigen (gegenbildlichen) Tempels

Der Wiederaufbau des Hauses Gottes in den Tagen von Haggai ist ein wunderbares Bild dafür, wie Gottes geistiger Tempel, die Kirche, während des Evangelium-Zeitalters errichtet wird, Glied um Glied. Jesus Christus ist der Haupteckstein dieses Tempels und all seine treuen Nachfolger werden geformt, passend gemacht, poliert und zu seinen Abbildern gemacht, als lebendige Steine für einen Platz in seinem geistigen Tempel, dessen Bildner und Schöpfer Gott ist. – 1. Petrus 2:5 – 7 und Hebräer 11:10

Wie Gottes Werk werden wir für einen Platz in diesem geistigen Tempel zubereitet. – Epheser 2:10 „Wer überwindet, den werde ich im Tempel meines Gottes zu einer Säule machen, und er wird nie mehr hinausgehen.” – Offenbarung 3:12

Die Herrlichkeit dieses geistigen Tempels wird größer sein als die Herrlichkeit des Tempels von Salomon oder Serubbabel. Durch diesen geistigen Tempel wird Gott den Frieden zu allen Nationen bringen. Jesus, der Haupteckstein des Tempels, wird der Fürst des Friedens sein. Durch den Christus, Haupt und Leib, wird Gott den Frieden über Israel und die ganze Menschheit ausdehnen wie einen Fluß. – Jesaja 9:6, 66:12 und Sacharja 9:10

Gott wird Israels Anstrengungen segnen

Haggai fährt fort: „Und nun richtet doch euer Herz (auf die Zeit) von diesem Tag an und darüber hinaus! Bevor Stein auf Stein gelegt wurde am Tempel des HERRN. … Von diesem Tag an will ich segnen.” – Haggai 2:15, 16 und 19 Gott sah die Absicht der Herzen der Israeliten und ihren Wunsch, Sein Haus wiederaufzurichten und war bereit, ihr Werk zu segnen, dass sie erfolgreich waren. Auf eine ähnliche Weise segnet Gott die Kirche im Evangelium-Zeitalter, obgleich ihre Anstrengungen nach außen erfolglos erscheinen mögen und nur durch das Verdienst des Lösegeldopfers Christi annehmbar sind. „Denn Gott ist es, der in euch wirkt, sowohl das Wollen als auch das Wirken zu (seinem) Wohlgefallen”, und wenn der geistige Tempel vollendet ist, wird er mit der Herrlichkeit Gottes erfüllt sein. – Philipper 2:13 und Offenbarung 15:8

Haggais letzte Worte

In Haggais letzten Worten betont Gott den großen Umfang der zukünftigen Erschütterung mit der Feststellung: „Und ich werde den Thron der Königreiche umstürzen und die Macht der Königreiche der Nationen vernichten; und ich werde die Streitwagen und ihre Fahrer umstürzen, und die Pferde und ihre Reiter sollen (zu Boden) sinken. Jeder (fällt) durch das Schwert des anderen.” – Haggai 2:22 Das Erschüttern wird die Autorität [Throne] und die Macht der Königreiche der Nationen stürzen und die Lehren [Pferde], Fahrer [Reiter] und weltlichen Organisationen [Wagen] der Menschheit durch das Schwert des anderen.

Was für eine prägnante Beschreibung des Werkes des Großen Heeres des HERRN und der hierdurch entstehenden Schlacht von Harmageddon, wenn jede Hand des Menschen gegen seinen Nachbarn sein wird. – Hesekiel 38:21 und Sacharja 14:13 Diese Drangsal wird den Weg für den geistigen Tempel vorbereiten, um, wenn sie vollendet ist, allen Frieden zu bringen.

Schlußfolgerung

Haggais Botschaft erinnert uns daran, dass die Aufrichtung des geistigen Tempels [neuer Himmel] während dieses Evangelium-Zeitalters im Gange ist. Seine Herrlichkeit, wenn vollendet, wird größer sein, als jeder der irdischen Tempel Israels, und er wird dem Volk Frieden bringen.

Mögen die Worte des Propheten Haggai uns zu größerem Dienst bei der Aufrichtung des geistigen Tempels Gottes anspornen, besonders, dass wir einander dabei helfen, Steine für seinen neuen Tempel zu werden.