Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Nahums Prophezeiung für unseren Tag

„Gut ist der HERR. Er ist ein Zufluchtsort am Tag der Bedrängnis; und er kennt die, die sich bei ihm bergen.” – Nahum 1:7

Nahum war der siebte der kleinen Propheten. In seinen Schriften stehen das Gericht und die Vernichtung des Assyrischen Reichs im Mittelpunkt. Der Name Nahum bedeutet „Tröster” oder „Büßer”, und seine prophetischen Schriften stellten eine Botschaft der Hoffnung und Ermutigung für den Stamm Juda dar. Zeit seines Lebens litt Juda unter der Gewaltherrschaft der Assyrer. Dies war in einer Zeitperiode kurz vor der Machtentfaltung des Babylonischen Reiches.

Fast ein Jahrhundert lang war Juda im Konflikt mit den Assyrern. Die Tyrannei der Assyrer setzte sich bis ungefähr zum Jahr 612 fort, bis Ninive von ihren früheren Untertanen, den Medern, Babyloniern und Persern angegriffen, überwältigt und verbrannt wurde. In wenigen Jahren ging das Assyrische Weltreich für immer zu Grunde, so wie Gott es in Seiner dem Nahum gegebenen Prophezeiung vorhergesagt hatte.

Während Gott durch Nahums Schriften viel offenbart, ist über das persönliche Leben Nahums nur sehr wenig bekannt. Es gibt unter Bibelforschern über seinen Geburtsort und wo er lebte unterschiedliche Meinungen. Nahum 1:1 besagt, daß er aus Elkosch kam. Die genaue Lokalisierung von „Elkosch” ist im Lauf der Zeit verloren gegangen, aber viele glauben, daß es an dem nordwestlichen Ufer des Sees Genezareth gelegen gewesen sein muß. Andere Bibelforscher denken, daß Nahum in der Stadt „Elkosch” oder „Alkusch” lebte, einer assyrischen Stadt am Fuß der Bayhidhra Berge im nördlichen Irak, aber dies erscheint unpassend, weil Nahum ein Prophet für Juda war.

Nahum, Jeremia und Zephanja waren Zeitgenossen, die für Juda prophezeiten. Nahums Botschaft berichtet über Gottes Gerichte über Assyrien und deren Vernichtung. Jeremia warnte Juda sich der Herrschaft Babylons zu unterstellen, und Zephanja rückte in seiner Prophezeiung die Buße, das Gericht und die Verheißung der Wiederherstellung in den Mittelpunkt. Es waren ihnen Botschaften erteilt worden, die auf den Fall Assyriens hinwiesen.

Drei Kapitel

Das Buch Nahum ist in einem poetischen Stil geschrieben, dem Kraft und Eleganz der prophetischen Botschaft hinzugefügt ist. Die drei Kapitel des Buches sind in zwei Hauptthemen unterteilt. Das erste Kapitel berichtet im Detail über den Niedergang Assyriens, während Kapitel zwei und drei detailliert über Gottes Gerichte über Assyrien und seine Hauptstadt Ninive berichten.

Das erste Kapitel des Buches Nahum offenbart, daß Gott Vergeltung an seinen Feinden übt, während Er Sein Volk beschützt und befreit. Nahum Kapitel 1 sagt in den Versen 4 und 5: „Er bedroht das Meer und legt es trocken. Alle Flüsse läßt er versiegen. … Die Berge erbeben vor ihm, und die Hügel zerfließen. Vor seinem Angesicht hebt sich die Erde, das Festland und alle die darauf wohnen.” Nichts kann das Gericht Gottes aufhalten. Dieses Kapitel bestätigt auch, daß Gott ein Bollwerk für Sein Volk ist, so daß sie Ihn preisen können. Dieses Kapitel schließt sich eng dem 97. Psalm an, wo wir ein ähnliches Bild von „Feuer” haben, das Gottes Feinde vernichtet, die Erde vor Furcht erbeben und die Berge wie Wachs zerfließen läßt.

Das zweite und dritte Kapitel des Buches Nahum künden Gericht über Ninive an. In seinem 2. Kapitel wird gezeigt, daß die Macht Assyriens durch Eindringlinge zu Stoppeln erniedrigt worden ist. Die Stadt sollte all ihrer Reichtümer beraubt, geplündert und öde gelassen werden. Kapitel 3 zeigt die Ursache für Ninives Sturz, die in den unaufhaltsamen Gerichten Gottes zu suchen sein würde. Niemand kann etwas dagegen tun, niemand kann diese aufhalten. Dieses Gericht wird auch in Jesaja 10:24 und 25 beschrieben, wo Gott ihnen sagt: „Darum, so spricht der Herr, der HERR der Heerscharen: Fürchte dich nicht, mein Volk, das in Zion wohnt, vor Assur, der dich mit dem Stock schlägt und seinen Stab gegen dich erhebt in der Art Ägyptens! Denn nur noch eine ganz kurze Weile, dann wird der Grimm zu Ende sein, und mein Zorn (richtet sich) auf ihre Vernichtung.”

Die große Stadt Ninive, (die in der Nähe des heutigen Mossul lag) gehörte zu einer Anzahl von Ländern, die zuvor ihre Untertanen gewesen waren. Sie plünderten und überwältigten die Stadt und brannten sie nieder bis auf den Grund. Es dauerte bis ins 20. Jahrhundert, daß ihr Umfang und ihr Glanz durch archäologische Ausgrabungen offenbar wurde. Ninive lag auf der Ostseite des Tigris, gegenüber dem heutigen Mossul.

Ninive war die Hauptstadt von Assyrien, und auf ihrem Höhepunkt war die Stadt das Zentrum des Handels für die zivilisierte Welt. Ihre Macht wurde durch das gewaltige Ausmaß der Stadt und die außerordentliche Schönheit seiner Bauwerke unter Beweis gestellt. Es war wirklich eine außergewöhnlich „große Stadt”, die von dem Propheten Jona, in Jona 3:3, beschrieben wird. Die Stadt lag an der „Seidenstraße”. Karawanen mit Seide, Gewürzen und anderen Gütern fuhren durch ihre Tore. Es war eine gewaltige Stadt, die sich Meilen weit im Osten des Tigris, entlang des Flusses, ausdehnte. Die fruchtbare Ebene zwischen Elkosch und Ninive war ein landwirtschaftlich genutztes Gebiet, das reichlich Nahrung lieferte.

Die Assyrer waren ein kriegserprobtes, brutales Volk, das seine Reichweite durch die Verbreitung von Furcht unter den Nationen mit eisernem Griff ausdehnte. Sie hielten ihre Forderungen gegenüber fremden Ländern durch Einschüchterung und Terror aufrecht. Ninive wird in Nahum 3:1 als eine Stadt des Blutvergießens beschrieben. „Wehe der Blutstadt! Ganz erfüllt mit Lüge (und) Gewalttat! Das Rauben hört nicht auf.” Die Assyrer quälten ihre Gefangenen, indem sie diese bei lebendigem Leibe verbrannten oder sie zerstückelten.

Der Niedergang Assyriens

Das Buch Nahum spricht prophetisch über den Niedergang des Assyrischen Reiches. Was auf viele Prophezeiungen zutrifft, so können wir auch diese Prophezeiung reichlich auf unsere Tage anwenden. Nahum 1:2 stellt fest: „Ein eifersüchtiger und rächender Gott ist der HERR, ein Rächer ist der HERR und voller Grimm. Rache übt der HERR an seinen Gegnern, und er grollt seinen Feinden.” Die Luther-Übersetzung übersetzt diesen Vers dem Sinn nach genauer: „Der HERR ist ein eifernder und vergeltender Gott, ja, ein Vergelter ist der HERR und zornig. Der HERR vergilt seinen Widersachern; er wird es seinen Feinden nicht vergessen.” Die Wortbegriffe „rächend” und „Rache” [Revidierte Elberfelder Übersetzung] sind aus dem gleichen hebräischen Wort naquam übersetzt worden – in der Bedeutung von „eine primitive Wurzel; grollen; rächen oder bestrafen” [Erläuterung nach dem amerikanischen Bibellexikon von Strong – H 5358].

„Vergelten” gibt den Sinn des Wortes viel genauer wieder als „rächen”. „Vergelten” hat die Nebenbedeutung im Sinn von „böse Handlungen bestrafen”, mit der Absicht, die Gerechtigkeit zu befriedigen, während „Rache” einen bösartigen und rachsüchtigen Beigeschmack hat, inbegriffen Vergeltung und Mißhandlung. Nahum 1:3 sagt: „Der HERR ist langsam zum Zorn und groß an Kraft. Doch keinesfalls lässt der HERR ungestraft.” Gottes Vergeltung besteht in der Ausübung von Gerechtigkeit an dem Verkehrten und wendet die Prinzipien der Gerechtigkeit an der ganzen Gesellschaft an, nicht nur an der Einzelperson. Psalm 37:17 sagt, daß der Herr „die Arme der Gottlosen zerbricht”. Aber ein gebrochener Arm kann geheilt werden. Vergelten bedeutet jedoch, die Situation wieder in einen richtigen Zustand zu versetzen, einen Mangel zu beheben, anstatt jemandem etwas heimzuzahlen. Es entspricht nicht Gottes Charakter, Rache für etwas zu nehmen, zu quälen und zu peinigen.

In Nahum 1:7 erklärt der Prophet: „Gut ist der HERR. Er ist ein Zufluchtsort am Tage der Bedrängnis; und er kennt die, die sich bei ihm bergen.” Dies war eine wundervolle Versicherung für Juda, daß Assyrien für immer völlig vernichtet werden und verödet bleiben würde. An dem „Tag der Bedrängnis” oder dem „Tag der Drangsal” können wir also fest darauf vertrauen, daß der Herr diejenigen beschützt, die bei Ihm Zuflucht suchen. Dies tröstet uns ganz besonders, wenn wir den Zerfall der Welt um uns herum betrachten. Denn wir wissen, daß Gott nicht nachlässig ist in der Erfüllung Seiner Prophezeiungen; und daß der Glaube Ihm fest vertrauen kann, mag kommen was da will.

Wenn wir uns den Schriften zuwenden, gibt es mehrere Schriftstellen, die mit der Beschreibung übereinstimmen, die wir in Nahum, Kapitel 2 und 3, finden. In Daniel 12:4 lesen wir, daß während dieser Zeit der Bedrängnis „viele (suchend) umherschweifen werden, und die Erkenntnis sich mehren wird”. Diese Schriftstelle ist mit des Herrn unsichtbarer Wiederkunft verknüpft, was durch eine Explosion an Erkenntnis und weltweitem Transportwesen deutlich wahrgenommen werden kann. In ähnlicher Weise sagt Nahum 2:5: „Auf den Straßen rasen die Wagen, sie überrennen sich auf den Plätzen. Ihr Aussehen ist wie Fackeln, wie Blitze fahren sie daher.” Wir werden an Bilder erinnert, die während der Nacht vom Weltraum aus gesehen werden können, und die hell erleuchtete Autostraßen zeigen, auf denen Millionen von Fahrzeugen durch die Nacht reisen.

Gottes Gerichte finden auch in unserer Zeit statt

In Nahum 2:3 finden wir die Bezeichnung „der Tag seiner Vorbereitung”. Dies läßt sich zunächst auf die Zeitumstände während der Zeit von Nahum beziehen, auf die Vorbereitung, die der Herr machte, um das Assyrische Reich zu vernichten. Wir können diese Prophezeiung aber auch auf unsere Tage anwenden. Während der Zeit der Bedrängnis bereitet der Herr die Elemente und die Zustände auf die turbulenten Ereignisse der Drangsal Jakobs vor, die in Harmagedon ihren Höhepunkt erreichen werden. Nur nachdem die alten Systeme dieser Welt vernichtet sind, kann Gott eine neues Zeitalter einführen. Ähnlich wie im Fall von Ninive müssen die korrupten Systeme dieser gegenwärtigen bösen Welt durch das Feuer des Zornes Gottes beraubt und danach verbrannt werden.

Es gibt mehrere Hauptwerke der Vorbereitung, die der Herr während des Tages seiner Vorbereitung instrumentiert. All diese Ereignisse sind notwendig, um mit ihrer Hilfe die alte Weltordnung zum Zusammenbruch zu bringen und das neue Zeitalter einzuführen. Ohne die Vernichtung dieser Systeme könnte Gottes meisterhafter Plan nicht auf festem Grund errichtet werden.

Ein Hauptwerk, daß während dieser Zeit vor sich geht, ist die Wiedereinsetzung der Nation Israel. Dies ist ein wunderbares Werk, weil die Juden fast zweitausend Jahre lang nicht mehr eine Nation gewesen sind. Die Zurückführung begann in den 1870’er Jahren. und sie setzt sich fort bis in unsere Tage. Daher ist Israel der Schlüssel zum Austeilen von Königreichs-Segnungen; es ist unerläßlich, daß sie vor dem Beginn des neuen Zeitalters wiederbelebt werden müssen. Wie könnten die Segnung von Israel fließen, wenn es nicht neu versammelt ist? In 1. Mose 28:14 machte Gott Jakob, dem Vater des jüdischen Volkes, die Verheißung: „In dir und in deiner Nachkommenschaft sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.” Es gibt heute schon mehr Juden in Israel als in irgendeinem anderen Land der Welt. Aber es gibt noch eine große Zahl von jüdischer Bevölkerung in den USA, und so erwarten wir weitere Auswanderungen von Juden von Amerika nach Israel. Nur nachdem diese Dinge geschehen sind, wird die Grundlage für die letzte Phase der Drangsal Jakobs gelegt sein, gefolgt von Gottes Königreich.

Der „Tag Seiner Vorbereitung” ist auch die letzte Zeitperiode für die Sichtung der Kirche. Währen dieser Zeit werden Weizen und Spreu voneinander getrennt, und das Reinigungswerk der Kirche wird vollendet sein. In Matthäus 25:31 lesen wir: „Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen … .” Dies zeigt, daß nach der Hochzeit des Lammes Christus mit allen seinen heiligen Engeln (seiner Kirche) zurückkehren wird, um Gericht an den falschen Systemen zu üben und eine neue Weltordnung einzuführen.

Während des Tages Seiner Vorbereitung inszeniert Christus die Zerstörung der alten Weltordnung. Die Zunahme der Erkenntnis ist wesentlich bei diesem Werk. Die religiösen, gesellschaftlichen, politischen und finanziellen Systeme sind bedenklich abgestürzt. Selbst mit der fortgeschrittenen Technologie unserer Tage sind diese zerbrechlichen Systeme am Rande des Zusammenbruchs, wie wir dies am 11. September 2001 schmerzlich erfahren mußten, daß ein schrecklicher Angriff auf ein Land (in diesem Fall die USA), einen weltweiten wirtschaftlichen Niedergang auslösen kann. Die Finanzmärkte der Welt sind so voneinander abhängig, daß eine Störung bei irgendeinem von ihnen eine Häufung von Zusammenbrüchen rund um die Welt verursachen kann. Dies wurde offenbar, als Griechenland seine Schulden nicht begleichen konnte, was die Stabilität der Europäischen Union und die Weltwirtschaft bedrohte.

Die Kirchensysteme sind, um solvent zu bleiben, in das Geschäftsleben eingetreten. Wegen des abnehmenden Kirchenbesuchs mußten sie sich nach anderen Einnahmequellen umsehen. Um ihre Finanzlage zu verbessern, haben sich die Kirchen am Gesundheitswesen, an Beratung, an Erziehung, an der Vorsorge für Senioren, an Publikationen und an Medien und anderen Unternehmungen beteiligt.

Politisch schreit die Welt nach einer Veränderung, um durch irgendetwas die Probleme zu beheben. Doch das Volk wird weiterhin mit politischen Versprechungen abgespeist, die sich nicht erfüllen. Diejenigen, die Macht ausüben, haben ihren Einfluß dazu benutzt, sich auf Kosten von nahezu jedem anderen zu bereichern. Sozial Media, das zum Wohl der Menschheit entworfen wurde, hat weltweit zur Verunsicherung beigetragen. Sozial Media war ein wichtiger Faktor bei dem Entstehen des „Arabischen Frühlings”, der den ganzen Mittleren Osten destabilisiert hat. Es ist wahr, die Welt bewegt sich am Rand der Zerstörung. Aber der Herr hält die „vier Winde” zurück, bis Seine Vorbereitung vollständig geschehen ist.

Das Abschlußwerk des Tages Seiner Vorbereitung ist das Versammeln des großen Heeres des Herrn. Die militärischen, politischen, religiösen und sozialen Kräfte der Welt sind unerkannt von Gott dazu eingestellt worden, die korrupten Systeme dieser Welt niederzureißen, wie es in Nahum 1:3 geschrieben steht: „Der HERR ist langsam zum Zorn und groß an Kraft. Doch keinesfalls lässt der HERR ungestraft.”

Die mit der Zunahme der Erkenntnis verbundene Technologie ist dazu benutzt worden, die verborgenen Dinge ans Licht zu bringen. Zu keiner anderen Zeit in der Geschichte ist die Wahrheit über die Angelegenheiten der Menschen auf so viele Art und Weise offenbart worden. Die Reichen und Mächtigen können nicht länger ihre Geheimnisse verbergen, und diese Erkenntnis hilft, das Große Heer des Herrn zu mobilisieren. Die Geschäftswelt mißbraucht fortwährend Daten ihrer Kunden, was denen Schaden zufügt, die aber andererseits auch ihre Geheimnisse offenbaren.

Die Vorbereitung auf etwas Besseres

Die Streitkräfte, die während des Tages Seiner Vorbereitung entfesselt sind, werden die gesellschaftlichen, politischen, finanziellen und religiösen Systeme dieser Welt in den Ruin führen, so wie Ninive vernichtet wurde. Alle diese Dinge werden zu einem gewaltigen Kampf führen, der die gegenwärtige Weltordnung auslöschen und die korrupten Systeme von heute vernichten wird. Dieser Abriß der gegenwärtigen Weltordnung wird den Weg für ein neues Zeitalter ebnen.

Gott achtet auf das individuellen Leiden, das dieser Zusammenbruch mit sich bringt, und Er erlaubt keine größere Vernichtung, als unbedingt notwendig ist, um Seine Absichten vollständig durchzusetzen. „Denn (selbst) der Grimm des Menschen wird dich preisen, den Rest des Grimmes wirst du zügeln.” – Psalm 76:11 Gott bringt dieses Gericht, um die Demütigen der Welt zu retten und eine neue Ära des Friedens und der Gerechtigkeit für alle Männer, Frauen und Kinder, die jemals gelebt haben, einzuführen. In Nahum 2:1 lesen wir: „Siehe auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der Heil verkündigt! Feiere deine Feste, Juda, erfülle deine Gelübde! Denn von nun an wird der Heillose nicht mehr durch dich hindurchziehen, er ist vollständig ausgerottet.”

Dies bestätigt, daß in Gottes Königreich und den kommenden Zeitaltern Gott symbolisch auf den Bergen der Erde stehen und in Frieden herrschen wird. Dieses neue Zeitalter wird allen erlauben, Gott zu preisen und Seinen liebevollen Charakter kennenzulernen. Das Böse wird für immer vernichtet sein. Gepriesen sei der Herr für Seine Verheißung der Befreiung.

Nahums Prophezeiung ist eine besondere Botschaft für die Fußstapfennachfolger von heute. Diese Botschaft des siebten kleinen Propheten ist besonders relevant für diejenigen, die den Bund geschlossen haben beim Opfer. – Psalm 50:5 Durch den Propheten Nahum versichert uns Gott, daß die korrupten Systeme gerichtet und gänzlich vernichtet werden. Der Herr bestätigt die Wichtigkeit dieser Botschaft für uns während dieser Zeit der Gewalt, der Kriege, der Habgier und der Korruption. Er versichert uns im Weiteren, daß Er allein die einzige Quelle des Trostes und des Schutzes ist, während dieser schwierigen Tage. In all diesen Dingen freuen wir uns, weil wir die Erlösung der Welt näher kommen sehen.

Was für einen wundervollen Trost Nahums Prophezeiung verleiht. Mögen wir unsere Anstrengungen verdoppeln, um uns des Vertrauen Gottes würdig zu erweisen. Gelobt sei Gott, der diese Ereignisse überwaltet und lenkt, als ein Teil Seines großen Planes zur Versöhnung des Menschen.

Die Löwengrube

Wir wollen eine Episode aus dem Leben Daniels betrachten, die aufregender ist, als jede Phantasiegeschichte. Sie betrifft die Löwengrube, die voller Lektionen für einen Christen ist. Zu der Zeit, in der von ihr die Rede ist, war Daniel schon ein alter Mann, nachdem man ihn im Alter von 14 Jahren gefangen nach Babylon gebracht hatte. Im Lauf der Jahre nahm er nach und nach hohe und wichtige Ämter ein.

Wenn wir das Buch Daniel studieren, so können wir nicht umhin, Bewunderung für die Könige der alten Zeit zu empfinden. Was auch immer ihre anderen Fehler waren, bemerken wir ihre Bereitschaft Charakter und Leistung anzuerkennen und zu belohnen, wo immer sie diese vorfanden. Es zeigt sich deutlich, daß diese Einstellung modernen Herrschern fehlt. Nach dem Stand heutiger Einstellung gewertet, sind wir über Nebukadnezars unparteiische Behandlung seiner hebräischen Gefangenen erstaunt, daß er Daniel und seine Gefährten für eine besondere Erziehung und Förderung zu einer herrschenden Stellung in seinem Königreich auswählte. Würde ein moderner Präsident unserer Tage so handeln? Würde er junge Männer aus seinen Kriegsgefangenen aussuchen, sie trainieren und sie zu einem wichtigen Regierungsamt erhöhen? Sie würden noch nicht einmal als Bürger des Landes Anerkennung finden, weil sie von dem falschen Menschenschlag, der falschen Nationalität, der falschen Sprache, der falschen Hautfarbe, der falschen politischen Parteizugehörigkeit und von „unsicherem” Hintergrund wären. Charakter, Fähigkeit und Leistung scheinen heute zweitrangig zu sein.

So sind wir erstaunt, daß Nebukadnezar Daniel für seine Deutung eines Traumes auf so großartige Weise ehrte. Wir sind erstaunt, daß er die Lauterkeit von Schadrach, Meschach und Abed-Nego bemerkte und respektierte und sie in seinem Reich begünstigte. Wir sind erstaunt, daß Belsazar auf Daniels Deutung der Schrift auf der Wand nicht feindlich reagierte, obwohl diese gegen ihn sprach. Stattdessen ehrte er Daniel für seine Treue und Ehrlichkeit trotz seiner ausgesprochenen Worten. Wir sind noch mehr erstaunt, daß König Darius von den Medern und Persern nach der Eroberung Babylons nicht alle Herrscher von Babylon, einschließlich Daniel, vernichtete. Darius verschonte anscheinend alle, ausgenommen König Belsazar und erhob Daniel in eine noch höhere Stellung in seinem Reich. Seine Fähigkeiten wurden sogleich erkannt und genutzt.

Im Gegensatz dazu sucht ein erfolgreicher moderner Präsident bei seinem Amtsantritt immer eine gänzlich neue Regierungsmannschaft aus.

Zur Zeit unserer Lektion war das universale Reich der Meder und Perser an der Macht. Es war in 120 Provinzen aufgeteilt mit 120 Fürsten oder Satrapen. Über diesen Satrapen standen drei Minister und über den Ministern der König Darius und über ihm als Haupteroberer Kyrus. Daniel war einer der drei Minister und zugleich der ranghöchste. Er war auf Grund seiner erkannten Redlichkeit und Fähigkeit dazu erhöht worden. Der Bericht stellt fest: „Und Darius, der Meder, übernahm die Königsherrschaft, als er 62 Jahre alt war. Es gefiel Darius, über das Königreich 120 Satrapen einzusetzen, die im ganzen Königreich sein sollten, und über sie drei Minister (zu setzen), von denen einer Daniel war, denen jene Satrapen Rechenschaft geben sollten, damit der König keinen Schaden erlitte.” – Daniel 6:1 – 3

Und was das bei der menschlichen Natur bedeutet, können wir sogleich erkennen, nämlich, daß diese Beförderung Daniels ihm Schwierigkeiten verursachte. Eifersucht und Neid wurden durch die Tatsache geweckt, daß Daniel ein Jude war und von einem verachteten Geschlecht abstammte. Aber es gab auch einen weiteren Grund, warum die Minister Daniel haßten. Es war seine völlige Ehrenhaftigkeit und Redlichkeit. Was wir über die Regierungen des Ostens in der Vergangenheit und Gegenwart gehört haben, ist, daß sie völlig unehrenhaft sind – was wir heute als „bestechlich” bezeichnen. Es war eine Art zu leben. Öffentliche Beamte erwarteten Schmiergelder und bereicherten sich durch die Vorteile ihres Amtes. Aber Darius hatte weise gehandelt, indem er die Geschäftsbücher seiner Minister durch Daniel kontrollieren ließ, so daß der König keinen Verlust erleiden sollte. So war Daniel in einer Position, Diebstahl, unehrliche Systeme und die Anordnung von wertvollen Vorteilen und Privilegien zum persönlichen Profit zu verhindern. Er verhinderte, daß sie die Schatzkammer plünderten, was sie als ihr Recht betrachteten. Dies bewirkte Mißmut und Zorn.

Die 120 Satrapen und die anderen zwei Minister kamen zusammen und entschieden „dieser Mann muß verschwinden”. Sie mußten bei seinem öffentlichen Dienst einige Fehler finden, die seine Entfernung aus dem Amt sicherstellen würden. Er mußte gedemütigt und in Mißkredit gebracht werden. Er mußte Fehler und Schwächen haben. Er mußte für Bestechung anfällig sein. Sie waren sich dessen sicher, weil sie ihn nach dem Wertmaßstab ihrer eigenen Herzen beurteilten. Zweifellos mögen sie zuerst versucht haben, ihn mit Geld bestechlich zu machen, so daß sie imstande gewesen wären, seine Unehrlichkeit zu beweisen und ihn so zu demütigen. Vielleicht versuchten sie auch ihn moralisch zu verunglimpfen. Aber ihre Anstrengungen schlugen fehl. Er verhielt sich treu gegenüber Gott und führte alle Dienste als für Gott getan aus. Sie konnten keinen Fehler an ihm finden. Es gab nichts, das sie als eine wirkliche Anklage, ein Verbrechen, gegen ihn vorbringen konnten. Aber sie haßten ihn auch weiterhin, weil er ehrenhaft, freundlich und wahrhaft war, und weil die Ausstrahlung seines Charakters den ihren in den Schatten stellte und sie der Schande aussetzte. Sie haßten ihn ohne einen Grund.

„Da suchten die Minister und die Satrapen einen Anklagegrund gegen Daniel in Bezug auf seine Amtsgeschäfte zu finden. Aber sie konnten keinen Anklagegrund und nichts Schlechtes finden, weil er treu war und keinerlei Nachlässigkeit oder Schlechtes bei ihm zu finden waren.” – Daniel 6:5

Während sie Daniel ausspionierten und jede seiner Bewegungen beobachteten, um ihn irgendeiner Unregelmäßigkeit überführen zu können, hatten sie etwas anderes bemerkt. Sie hatten Daniels ungewöhnliche Ergebenheit gegenüber Gott erkannt. Daniel bewohnte ein Haus, das eine obere Kammer mit Fenstern hatte, die nach Jerusalem ausgerichtet waren. Sie sahen, daß Daniel dreimal am Tag in dieser Kammer erschien, die Fenster weit öffnete und in Richtung nach Jerusalem niederkniete und laut betete, indem er seine Gebete an den Gott der Hebräer richtete, den Gott seiner Väter, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, und um Gottes Segnung und Leitung bat und Ihm für Seine Gunst dankte. Dies war Daniels unermüdliche Gewohnheit. Er vergaß dies niemals. Es war bei ihm Gesetz. So ratschlagten die Satrapen und Minister zusammen und heckten einen Plan aus, wie sie handeln wollten, bei dem sie diese Gewohnheit Daniels zur Grundlage machten. Sie konnten keinen anderen Weg finden, ihn anzuklagen.

Eine Falle wird gestellt

„Da sagten diese Männer: Wir werden bei diesem Daniel keinen Anklagegrund finden, es sei denn, daß wir im Gesetz seines Gottes etwas gegen ihn finden. Daraufhin stürzten diese Minister und Satrapen zum König und sprachen zu ihm so: König Darius, lebe ewig! Alle Minister des Königreichs, die Statthalter und die Satrapen, die Staatsräte und Verwalter haben sich beraten, daß der König eine Verordnung erlassen und ein Verbot bestätigen sollte, daß jeder, der innerhalb von dreißig Tagen an irgendeinen Gott oder Menschen eine Bitte richtet außer an dich, o König, in die Löwengrube geworfen werden soll. Nun, o König, erlaß das Verbot und laß ein Schriftstück anfertigen, das nicht geändert werden darf nach dem Gesetz der Meder und Perser, das unaufhebbar ist. Daraufhin ließ der König Darius das Schriftstück und das Verbot ausfertigen.” – Daniel 6:6 – 10

Achten wir darauf, daß sie ihre Forderung gegenüber dem König mit einer Lüge begannen. Sie mußten dies tun. Sie erklärten gegenüber dem König, daß alle Minister des Königreichs zugestimmt hätten, daß dieser Erlaß durchgeführt werden sollte, aber das entsprach nicht der Wahrheit. Daniel hatte dem nicht zugestimmt, und er war der erste an Rang der drei Minister. Er war noch nicht einmal zu Rate gezogen worden. Es ist ganz offensichtlich, warum sie lügen mußten. Wenn sie es nicht getan hätten, hätte Darius sicherlich Daniel zu sich gerufen, seinen hauptsächlichen Ratgeber, und ihn nach seiner Meinung über das Gesetz befragt, und ob er diesen Erlaß besiegeln sollte. Beachten wir auch, daß die Verschwörer den Erlaß formuliert und in einer gesetzlichen Form dem König zur Unterschrift vorgelegt hatten. Sie brauchten dieses Gesetz nur durchzubringen. Vielleicht hatten sie es so eingefädelt, daß Daniel zu dieser Zeit woanders dienstlich beschäftigt war. Irgendein Verzug in der Erteilung der Unterschrift hätte sich in der Enttarnung ihrer wahren Absichten offenbaren können.

Für Darius hatte das Gesetz einen Sinn. All die großen Könige der alten Zeiten stellten sich als Götter dar, oder genauer gesagt, als Hohepriester und Statthalter ihrer Götter. Dieser Hauch der Göttlichkeit gab ihnen Würde und beeindruckte ihre Untertanen zu einer abergläubischen Ehrerbietung und einer Furcht, den Gesetzen des Königs gegenüber ungehorsam zu sein. In dem Fall von Darius, weil Babylon erst vor Kurzem erobert worden war, war es logisch, daß diesen neuen Untertanen eine angemessene Verehrung ihres neuen Königs beigebracht werden mußte. So betrachtete Darius das Gesetz als einen Teil der Staatskunst zum Besten des Reiches, und natürlich schmeichelte es seiner Eitelkeit. Nicht einen einzigen Augenblick dachte daran, was mit Daniel geschehen würde. Nicht für einen Augenblick vermutete er, daß seine Ratgeber danach trachteten, ihm eine Falle zu stellten, so daß sie den Tod seines Beamten, dem er am meisten vertraute, gesetzmäßig vollziehen könnten.

Daniel erfuhr wahrscheinlich in Ausübung seiner öffentliche Pflichten von diesem Erlaß. Als erster Minister und Hauptgeschäftsführer wurde ihm jedes neue Gesetz vorgelegt. Als er den Erlaß sah, erkannte er sogleich das beabsichtigte Ziel, und wie es zum Haß seiner Kollegen gekommen war. Was war nun seine Reaktion? Er beeilte sich, die Sache dem Herrn vorzulegen.

„Und als Daniel erfuhr, daß das Schriftstück ausgefertigt worden war, ging er in sein Haus. Er hatte aber in seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem hin; und dreimal am Tag kniete er auf seine Knie nieder, betete und pries vor seinem Gott, wie er (es auch) vorher getan hatte. Da stürzten jene Männer herbei und fanden Daniel betend und flehend vor seinem Gott.” – Daniel 6:11

Daniel ignoriert den Erlass

Warum tat er dies? Er könnte zu sich selbst gesagt haben: „Das Gebet ist eine private Angelegenheit zwischen dem Herrn und mir. Angesichts des Erlasses ist alles, was ich jetzt zu tun habe, die Türen und die Fester zu schließen.” Aber er entschied sich nicht in dieser Weise. Man mag sich wundern, warum Daniel die Gewohnheit angenommen hatte, seinen Gott in einer öffentlichen Weise bei geöffneten Fenstern und Türen anzubeten, welche so unterschiedlich von dem war, was unser Herr uns empfahl: „Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergeben.” – Matthäus 6:6

Es gab einen guten Grund. Daniel befand sich unter Götzendienern, und ein jeder von ihnen betete das Abbild seines Gottes öffentlich an. Man schaute auf Daniel als ein Beispiel der hebräischen Gefangenen in Babel. Die Hebräer hatten kein Bild ihres Gottes. Wenn Daniel im Verborgenen gebetet hätte, so hätte dies falsch verstanden werden können, daß er überhaupt nicht bete. Unter diesen Umständen würde dies ein Tadel gegenüber dem wahren Gott gewesen sein. So betete er öffentlich an, sein Gesicht nach Jerusalem gewandt, der vorbildlichen Stadt Gottes, des großen Königs des Universums, und in Richtung auf den Tempel, die vorbildliche Wohnstätte Gottes. Dreimal am Tag bekannte er sich vor den Nationalitäten Babylons zu dem einzig wahren Gott. So handelnd war er auch eine Inspiration für sein eigenes Volk, die gefangenen Juden in Babylon. Er ermutigte zur Treue gegenüber Gott und zur Absonderung vom Götzendienst.

Dies waren stichhaltige Gründe dafür, daß Daniel öffentliche anbetete. Diese Gewohnheit wegen dieses neuen Gesetzes nicht fortzusetzen wäre ein Akt der Feigheit gewesen. Es kam ihm nie in den Sinn. Er ging in seine obere Kammer, öffnete die Fenster weit, kniete nieder mit dem Angesicht in der Richtung nach Jerusalem und betete laut, indem er sich an den Gott Israels wandte. Wie gut seine Feinde seinen Zeitplan kannten. Es befand sich sicherlich eine repräsentative Gruppe unter seinen Fenstern, die horchten, um danach Zeugnis von Daniels Mißachtung der Anordnung des Königs zu geben. „Da stürzten jene Männer herbei und fanden Daniel betend und flehend vor seinem Gott.” – Daniel 6:12

Es wäre wunderbar, wenn wir die Worte seines Gebetes hätten hören können. Wir können vermuten, daß, nachdem er sein Problem dem Herrn vorgelegt und sich völlig dem Willen des Herrn ergeben hatte, er um die Wiederherstellung Israels betete, sich erinnernd an die gnädigen Verheißungen, die das Heilige Land betrafen, in dessen Richtung er betete, daß es noch der Mittelpunkt der ganzen Erde und Gottes heiligen Volkes sein würde, und daß schließlich durch sie die göttlichen Segnungen über jede Nation, jedes Volk, jede Verwandtschaft und Zuge kommen würden.

Nachdem die Feinde Daniels den nötigen Beweis bekommen hatten, zögerten sie keinen Augenblick dem König darüber zu berichten. Es ist interessant zu beobachten, daß sich dieses Gesetz gegen niemand anderen als nur gegen Daniel richtete, obwohl es zahlreiche andere Übertreter unter den Götzenanbetern Babylons gegeben haben muß. Viele werden sich aus Macht der Gewohnheit vor ihren Bildnissen niedergebeugt haben und damit der Übertretung schuldig gewesen sein, aber nur Daniel wurde genannt.

„Darauf näherten sie sich dem König und sprachen vor (ihm) bezüglich des königlichen Verbotes: Hast du nicht ein Verbot anfertigen lassen, daß jedermann, der innerhalb von dreißig Tagen von irgendeinem Gott oder Menschen etwas erbittet außer von dir, o König, in die Löwengrube geworfen werden sollte? Der König antwortete und sprach: Das Wort ist unumstößlich nach dem Gesetz der Meder und Perser, das unaufhebbar ist. Darauf antworteten sie und sprachen vor dem König: Daniel, einer der Weggeführten aus Juda, schenkt weder dir, o König, noch dem Verbot, das du hast ausführen lassen, Beachtung; sondern er betet dreimal am Tag. Da mißfiel es dem König, als er die Sache hörte, und er sann darauf, Daniel zu retten; und bis zum Untergang der Sonne bemühte er sich, ihn zu befreien.” – Daniel 6:13 – 15

Der König erkannte die Falle, in die er bewußt mit der Absicht geführt worden war, seinen vertrautesten und wertvollsten Ratgeber zu vernichten. Die Regel des Königreichs war, daß ein Urteil vor Sonnenuntergang an dem selben Tag, an dem es gefällt wurde, vollstreckt werden mußte. Aber der König versuchte auf jede Weise die über Daniel verhängte Strafe aufzuheben oder zu verschieben.

Wenn Könige es wünschten, konnten sie von einigen Erlassen entbunden werden. Sie riefen ihre weisen Männer und Magier zusammen, die gewöhnlich geschickt einen Ausweg aus dem Dilemma anbieten konnten. So suchte der König ernsthaft ihren Rat und sprach von seinem Wunsch, daß Daniel von der Löwengrube bewahrt würde, trotz des Gesetzes, daß er erlassen hatte. Aber in diesem Fall hatten sich alle weisen Männer Babylons gegen Daniel verbunden.

„Da stürzten diese Männer zum König und sagten zum König: Wisse, o König, daß die Meder und Perser ein Gesetz haben, wonach kein Verbot und keine Verordnung, die der König erlassen hat, abgeändert werden darf.“

Der König setzte seine Anstrengungen bis zur letzten Minute fort, aber schließlich ging die Sonne unter, und er konnte nicht länger zögern. Das Urteil mußte nun ausgeführt werden. Er rief Daniel und sagte ihm, wie ihm eine Falle gestellt worden war, und daß er keinen Ausweg sah. Dann sagte er etwas, was für einen heidnischen König ungewöhnlich war. Er sagte: „Dein Gott, dem du ohne Unterlaß dienst, er möge dich retten!“ Wie dies Daniels Herz erwärmt haben muß. Daniel hatte sich schon in den Willen des Herrn ergeben, und daß der Herr vielleicht den Löwen gestatten würde ihn zu töten. Er war in des Herrn Dienst alt geworden. Vielleicht sollte sein Lauf jetzt beendet werden. Aber von den Lippen eines heidnischen Königs und gerade als er es am meisten benötigte, erhielt er eine Botschaft göttlicher Versicherung. Wenn heute ein Richter ein Todesurteil ausspricht, sagt er: „Möge Gott deiner Seele gnädig sein!” Aber die Feststellung von Darius war positiv: „Dein Gott … wird dich retten!”

„Dann befahl der König, und man brachte Daniel (herbei) und warf ihn in die Löwengrube.” – Daniel 6:17

Die Löwengrube von König Darius war einer abgesunkenen Grube ähnlich, wie man sie heute in zoologischen Gärten findet, ausgenommen, daß sie mit Marmor überwölbt war. Es waren viele Löwen in der Grube, und alle waren ausgesuchte Exemplare, groß und stark, geeignet für den Zweck der königlichen Menagerie.

„Und ein Stein wurde gebracht und auf die Öffnung der Grube gelegt; und der König versiegelte ihn mit seinem Siegelring und mit den Siegelringen seiner Gewaltigen, damit die Sache mit Daniel nicht verändert würde.” – Daniel 6:18

Wir sehen es so, daß es die Feinde Daniels waren, die auf dieser Prozedur bestanden, weil es eine technische Vorrichtung gab, durch die Daniel noch hätte gerettet werden können. Die Strafe war einfach, daß er in die Grube geworfen würde. Nehmen wir an, daß sie dachten, daß der König ihn danach sogleich herausgezogen hätte, bevor die Löwen ihn verletzt hätten. Dies würde ihre Absichten zunichte gemacht haben. So bestanden sie auf der Versiegelung „damit die Sache mit Daniel nicht verändert würde”. Sie wünschten seinen Tod! Wir wollen die Situation bildlich beschreiben, was wohl in der Löwengrube passierte, als Daniel durch die Öffnung hineingeworfen wurde. Stellen wir uns Adam vor, als er noch in Eden war, wenn er durch eine Löwengrube gegangen wäre, würden die Löwen ihn angefallen haben? Natürlich nicht! Er war ihr König und Wohltäter. Er hatte Macht über sie. Er war ihr Meister. Sie würden sich über seinen Besuch gefreut haben. Wir denken, es verhält sich hier sehr ähnlich, daß Gott seinen Diener Daniel mit diesem Tribut eines vollkommenen Menschen ausstattete, dem der Herrschaft über die bestialischen Tiere. Daniel bemerkte sogleich, daß etwas höchst Ungewöhnliches geschah, daß der Engel des Herrn gegenwärtig bei ihm war. Daniel muß zu dieser Zeit seine Stimme im Lobpreis zum Herrn erhoben haben. Wir können uns vorstellen, daß Daniel später sein Haupt an die Flanke des zuerst erscheinenden Löwen gelehnt und seinen Rücken an einen anderen gelehnt hat.

Es spricht in großartiger Weise für des Königs Gunst, daß er in dieser Nacht die Speise verweigerte und nicht schlief vor Sorge um Daniel. Schon früh am Morgen stand er auf und eilte zur Löwengrube.

„Dann stand der König bei der Morgenröte, sobald es hell wurde, auf und ging schnell zur Löwengrube. Und als er sich der Grube näherte, rief er mit trauriger Stimme nach Daniel. Der König begann und sagte zu Daniel: Daniel, Knecht des lebendigen Gottes, hat dein Gott, dem du ohne Unterlaß dienst, dich von den Löwen erretten können? Da redete Daniel mit dem König: o König, lebe ewig! Mein Gott hat seinen Engel gesandt, und er hat den Rachen der Löwen verschlossen, so daß sie mich nicht verletzt haben, weil vor ihm Unschuld an mir gefunden wurde. Und auch vor dir, o König, habe ich kein Verbrechen begangen. Da freute sich der König sehr, und er befahl, Daniel aus der Grube herauszuholen. Und Daniel wurde aus der Grube herausgeholt; und keine Verletzung wurde an ihm gefunden, weil er auf seinen Gott vertraut hatte.” – Daniel 6:20 – 24

Daniel war nun ein freier Mann. Das Urteil war vollstreckt worden, und er hatte keinen Schaden erlitten. Aber der Haß der Feinde Daniels war so groß, daß sie selbst dann nicht aufgaben. Der Historiker Josephus berichtet etwas über die Tradition, was sich hier bewahrheiten könnte. Er sagt, daß die Verschwörer Daniel ein weiteres Mal in die Löwengrube werfen wollten, indem sie behaupteten, daß irgendjemand die Löwen zuvor gefüttert habe, und daß sie Daniel deshalb nicht angefallen hätten, weil sie gesättigt waren. Dies gab dem König die Gelegenheit, die er sich wünschte. Er hatte ihre List, mit der sie ihn gegen seinen treuesten Beamten benutzt hatten, sehr übel genommen, und so sagte er zu ihnen: „Nun gut, wenn die Löwen nicht hungrig sind, so werden sie auch euch verschonen”, und warf sie alle in die Löwengrube. Dies war nun eine unterschiedliche Geschichte, denn als die Männer nach und nach in die Löwengrube geworfen wurden und kaum den Boden erreicht hatten, fielen die Löwen über sie her und zerrissen sie in Stücke.

Die weiteren Verse des Kapitels zeigen, was für ein mächtiges Zeugnis für den wahren Gott der ganzen Welt durch dieses Ereignis im Leben von Daniel gegeben worden war. Dann gab der König Darius die Anweisung: „Dann schrieb der König Darius an alle Völker, Nationen und Sprachen, die auf der ganzen Erde wohnten: Euer Friede sei groß! Von mir ergeht der Befehl, daß man in der ganzen Herrschaft meines Königreiches vor dem Gott Daniels zittere und sich fürchte! Denn er ist der lebendige Gott und bleibt in Ewigkeit und sein Königreich wird nicht zerstört werden, und seine Herrschaft (währt) bis ans Ende.” – Daniel 6:26 und 27

Dann schrieb er etwas, das uns zeigt, daß er ihm etwas über das zukünftige Messianische Königreich mitgeteilt haben muß, und daß Darius daran glaubte. Der König sagte in seinem Brief an die ganze Welt: „Und sein Königreich wird nicht zerstört werden, und seine Herrschaft (währt) bis ans Ende. (Er), der rettet und befreit und Zeichen und Wunder im Himmel und auf der Erde tut, er hat Daniel aus der Gewalt der Löwen errettet.” – Daniel 6:27 und 28

Jener Brief hatte eine ziemlich weite Verbreitung. Er wurde in jede Sprache der Welt übersetzt. Der Bericht endet mit den Worten: „Und dieser Daniel stand in großem Ansehen unter der Regierung des Darius und unter der Regierung des Kyrus, des Persers.”

Lektionen für uns

Wir wollen einige der wertvollen Lektionen betrachten, die uns durch diese inspirierenden Erfahrungen Daniels gegeben werden. Die Tatsache, daß der gerechte Daniel von seinen ungerechten Kollegen gehaßt wurde, erinnert uns an das Zeugnis des Apostels: „Alle aber auch, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.” – 2. Timotheus 3:12

Unser Herr sagte: „Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihre lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt.” – Johannes 15:19

Bösen Menschen gefällt nicht die Gemeinschaft mit denen, die von Herzen rein sind, weil es sie ständig verurteilt. Jemand hat richtig gesagt: „Wer auch immer das Gute tut und treu und wahrhaftig ist, während andere unehrenhaft und falsch sind, muß erwarten, bekämpft und gehaßt zu werden. Jede Anstrengung wird gemacht werden, seinen Charakter zu entstellen, um ihn in den Dreck zu ziehen und so erscheinen zu lassen, daß er nicht besser als diejenigen ist, die ihn angreifen. Eifersucht ist schärfer als der Zahn einer Schlange und tödlicher als das Gift einer Natter.”

Das beste Beispiel hierfür ist unser Herr. Markus sagt uns, daß ihn die Juden aus Neid überliefert haben, um gekreuzigt zu werden. – Markus 15:10 Jesus sagte, daß er „ohne Grund gehaßt wurde”. – Johannes 15:25 Dies ist genau die Erfahrung, die Daniel machte.

Eifersucht und Haß werden im Wort Gottes als Werke des Fleisches und des Teufels bezeichnet – extrem böse und feindselig gegenüber allem, was gut, gerecht und von dem Herrn anerkannt ist. Eifersucht muß aus unseren Herzen ausgerottet werden, wenn wir von der Königreichs-Klasse sein möchten. Der Geist der Eifersucht und des Hasses kann nicht in einem Herzen bleiben, in welchem der Geist des Herrn wohnt. Die beiden sind in jeder Hinsicht entgegengesetzt. Wir haben entweder den einen oder den anderen Geist. Wir können nicht beide haben. Der Geist des Herrn ist der Geist der Liebe, der nichts Böses denkt, nicht eifersüchtig ist und keinen Haß zeigt. – 1. Korinther 13:4 – 6

Um ihren Plan, Daniel zu vernichten, durchführen zu können, benutzten seine Feinde Schmeicheleien gegenüber König Darius. Tatsächlich sagten sie: „Du bist der wunderbarste Mann auf der Welt. Du bist ein wahrhafter Gott. Laß niemand irgendetwas von irgendeinem Gott oder Menschen erbitten, ausgenommen von dir, o König!” Schmeichelei ist eine heimtückische Sache und wird oft vom Teufel zur Vernichtung des Volkes des Herrn benutzt. Wir möchten dazu einen Vorfall in Apostelgeschichte, Kapitel 14, betrachten, als Paulus und Barnabas nach Lystra gingen, und Paulus dort zu predigen begann. Unter den Zuhörern war ein stark verkrüppelter Mann, der so geboren worden war, und der niemals in seinem Leben auf seinen Füßen gestanden hatte oder gelaufen war. Als Paulus Christus predigte, beobachtete dieser Mann ihn sehr aufmerksam. Es schien, daß er jedes Wort verschlang. Als Paulus seinen Glauben erkannte, zeigte er auf ihn und rief mit lauter Stimme: „Stelle dich auf deine Füße!” Der Mann folgte dem Aufruf sogleich und wandelte. Die Götzendiener, welche die Zuhörerschaft zusammengebracht hatten, waren über das Wunder erstaunt. Sie riefen: „Die Götter sind zu uns herabgekommen, um uns zu besuchen.”

Entsprechend ihrer Tradition hatten die von ihnen verehrten Götter Jupiter und Merkur Lystra viele Jahre zuvor in der Gestalt von Menschen besucht. In der Mythologie war Zeus der höchste Gott des Himmels; Hermes war der Gott der Beredsamkeit und der Herold von Zeus. Tatsächlich war am Stadttor dem Zeus ein Standbild errichtet worden. Weil Barnabas der größere der beiden Männer war, folgerten sie, daß er Zeus wäre. Weil Paulus der Redner war, hielten sie ihn für Hermes. Sie verbreiteten das Wort begeistert einer großen Menge, die dort versammelt war. Schon bald erschien der Hohepriester von Zeus mit Stieren und anderen Kulturrequisiten, bereit, das Volk bei der Anbetung und dem Opfer für Barnabas und Paulus anzuleiten. Das versammelte Volk kniete vor ihnen nieder, und sie schrien vor Freude und Lobpreis.

Paulus hätte von dieser Schmeichelei beeindruckt sein können. Er hätte denken können: „Warum sie nicht gewähren lassen, für den Augenblick zu denken, daß wir Götter sind. Welchen Schaden würde es anrichten? Tatsächlich würden sie uns zuhören und unsere Botschaft umso mehr wertschätzen. Und in einem Sinn sind wir Götter! Steht nicht in den Psalmen geschrieben: „Ich sagte (zwar); Ihr seid Götter, Söhne des Höchsten seid ihr alle.” – Psalm 82:6 Und unser Herr Jesus zitierte diese Schriftstelle in Johannes 10:34 Ging Paulus irgendein Gedanke dieser Art durch den Sinn? Wir lesen den Bericht: „Und sie nannten den Barnabas Zeus, den Paulus aber Hermes, weil er es war, der das Wort führte. Der Priester des Zeus(tempels) aber, der vor der Stadt war, brachte Stiere und Kränze an die Tore und wollte mit den Volksmengen opfern. Als aber die Apostel Barnabas und Paulus es hörten, zerrissen sie ihre Kleider, sprangen hinaus unter die Volksmenge und riefen und sprachen: Männer, warum tut ihr dies? Auch wir sind Menschen von gleichen Empfindungen wie ihr und verkündigen euch, daß ihr euch von diesen nichtigen (Götzen) bekehren sollt zu dem lebendigen Gott, der den Himmel und die Erde und das Meer gemacht hat und alles, was in ihnen ist.” – Apostelgeschichte 14:12 – 15

Das Volk des Herrn kann aus diesem Vorfall eine wichtige Lektion lernen, besonders diejenigen, die als Vertreter und Lehrer der Wahrheit bekannt sind. Die Wahrheit, wie sie uns der Herr offenbart hat, ist wunderbar und so brillant, daß sie auf natürliche Weise einiges von ihrem Glanz auf jene reflektiert, die sie darstellen. Dies mag Menschen veranlassen mit Bewunderung von jenen zu sagen, wie über Jesus gesagt wurde: „Woher hat er diese Weisheit und die Wunderwerke?” – Matthäus 13:54 In einigen Fällen mag es zu unangemessener Ehrerbietung solcher führen, eine Unterwürfigkeit zu empfangen, die für sie nicht angebracht wäre. „Einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder.” – Matthäus 23:8 Wenn an irgendjemand eine solche Prüfung herantritt, sollte er unangemessene Ehren sogleich und mit Nachdruck ablehnen, wie Paulus und Barnabas es taten, und sie sollten nicht von Schmeichelei beeinflußt werden und sie nicht annehmen noch rationalisieren, so daß sie allein zur Verherrlichung des Herrn gewendet werden kann. Es ist sogar noch wichtiger, daß die Geschwister ihre Lehrer und Leiter nicht solchen Prüfungen unterwerfen. Es gibt einen völlig berechtigten Respekt gegenüber Ältesten. – 1. Timotheus 5:17 und 18 Jeder benötigt von Zeit zu Zeit freundliche Ermutigung und Bestätigung. Aber unangemessene Ehre und unaufrichtige Schmeichelei sollten als Werkzeuge des Teufels betrachtet werden, welche die Entwicklung von Stolz und Eitelkeit fördern und die Neue Schöpfung vernichten können.

Als Daniel erkannte, daß Darius das Schriftstück unterzeichnet hatte, das seinen Tod besiegelte, mag ihn für einen Augenblick Furcht befallen haben. Er war bei allem ein Mensch. Aber wir sind uns sicher, daß er nicht wie Belsazar erschrocken war, als er die geheimnisvolle Hand auf der Wand sah. Belsazar war wirklich erschrocken, wie wir lesen: „Da veränderte sich die Gesichtsfarbe des Königs, und seine Gedanken erschreckten ihn, und seine Hüftgelenke erschlafften, und seine Knie schlugen aneinander.” – Daniel 5:6 Jemand hat einst gesagt: „Wenn deine Knie zittern, knie nieder.” Daniel verlor keine Zeit, zum Herrn zu gehen und im Gebet niederzuknien, obwohl er mit dieser Handlung seinen Feinden den Beweis lieferte, den sie gegen ihn brauchten.

Die Lektion ist, daß wir niemals irgendetwas erlauben sollten, uns vom Thron der Gnade fernzuhalten. Das Gebet sollte eine feststehende Gewohnheit bei uns sein, wie sie es bei Daniel war, eine häufiges und freudiges Zwischenspiel, wenn wir zu unserem Himmlischen Vater reden und unsere Freuden und Leiden mit Ihm teilen; wenn wir die Fenster unserer Herzen nach Zion hin öffnen, dem himmlischen Jerusalem, indem wir unsere Hoffnungen auf das Königreich Gottes richten, dem wir zustreben.

Als Daniel in die Löwengrube fiel, war er völlig von seinem Tod überzeugt. Aber er wurde nicht verletzt. So verhält es sich auch bei uns, daß unsere schlimmsten Befürchtungen sich oft nicht erfüllen. Was für eine Vergeudung von Zeit sich über eine Sache zu sorgen, bei der wir einst dem Herrn vertrauten. Ein alter Spruch sagt: „Furcht klopft an die Tür. Der Glaube antwortet, es ist niemand hier.” Gott kann uns von jeder Art des Bösen befreien. Wenn Er erlaubt, daß etwas Böses in unserem Leben geschieht, so wird es zu unserem Guten benutzt. Er hat uns dies verheißen. Der Glaube kann Ihm fest vertrauen, mag kommen was will.

Nicht viele von des Herrn Volk sind in eine Löwengrube geworfen worden. Zuweilen hat jedoch eine Anzahl von ihnen Erfahrungen gemacht, die diesem sehr ähneln. Paulus erwähnt seine Erfahrungen, eine Vielfalt von Gefahren und endet mit der besonderen Feststellung: „in Gefahren unter falschen Brüdern.” – 2. Korinther 11:26 Es ist für den menschlichen Mund möglich, mehr Schaden anzurichten als das Maul eines Löwen. Der Apostel Jakobus weist darauf hin, wenn er sagt: „So ist auch die Zunge ein kleines Glied und rühmt sich großer Dinge. Siehe, welch kleines Feuer, welch einen großen Wald zündet es an! Auch die Zunge ist ein Feuer; als die Welt der Ungerechtigkeit erweist sich die Zunge unter unseren Gliedern, (als diejenige), die den ganzen Leib befleckt und den Lauf des Daseins entzündet und von der Hölle entzündet wird. Denn jede Art, sowohl der wilden Tiere als auch der Vögel, sowohl der kriechenden als auch der Seetiere, wird gebändigt und ist gebändigt worden durch die menschliche Art; die Zunge aber kann keiner der Menschen bändigen: (sie ist) ein unstetes Übel, voll tödlichen Giftes. Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bild Gottes geschaffen worden sind. Aus dem selben Mund geht Segen und Fluch hervor. Dies, meine Brüder, sollte nicht so sein.” – Jakobus 3:5 – 10

Im Verlaufe eines irdischen Lebens geschehen oft seltsame Dinge. Da werden Menschen Gottes im übertragenen Sinne den „Löwen” zum Fraß vorgeworfen und von ihnen verschlungen. Da werden treue Älteste durch bösartigen Klatsch ihrer Ämter beraubt. Wie Jakobus sagte: „Dies, meine Brüder, sollte nicht so sein!”

Klatsch ist nie unschuldig. Er ist immer bösartig und verwerflich. Wir wissen, daß die Zunge nicht gänzlich gezähmt werden kann. Wir lesen: „Wenn jemand nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann.” – Jakobus 3:2 Aber die Zunge kann und muß gezügelt werden, sie muß zurückgehalten werden; sie muß kontrolliert werden. Wenn dies nicht geschieht, werden wir unsere hohe Berufung verlieren, wie auch Jakobus sagt: „Wenn jemand meint, er diene Gott, und zügelt nicht seine Zunge, sondern betrügt sein Herz, dessen Gottesdienst ist vergeblich.” – Jakobus 1:26

Die Tatsache, daß Daniel von den Löwen nicht verletzt wurde, erinnert uns an die Versicherung von Psalm 34:7: „Dieser Elende rief, und der HERR hörte, und aus allen seinen Bedrängnissen rettete er ihn.” Es ist von Bedeutung, daß der Herr Daniel nicht davor bewahrte, in die Löwengrube geworfen zu werden. Gott schützt uns nicht immer vor einem drohenden Unheil. Er mag es erlauben, daß wir so zu sagen den „Löwen” vorgeworfen werden, aber, wie im Fall von Daniel, wird sein Engel dort sein. Die Neue Schöpfung wird keine wirkliche Verletzung davontragen. Uns wird versichert, daß, wie tragisch unsere Erfahrungen auch zeitweise erscheinen mögen, sie zu unserem höchsten, besten und ewigen geistigen Wohlbefinden beitragen werden. Diejenigen, die diese Verheißung glaubensvoll für sich in Anspruch nehmen, werden den „Frieden Gottes” haben. – Philipper 4:7

Wir finden in dem Bericht, daß jene, die veranlaßt hatten, daß Daniel den Löwen vorgeworfen wurde, selbst in die gleiche Grube geworfen wurden. Dieses Prinzip wird in den Psalmen wie folgt ausgedrückt: „Er hat eine Grube gegraben und hat sie ausgehöhlt, doch ist er in die Falle gefallen, die er gemacht hat. Sein Unheil kehrt auf sein Haupt zurück, und auf seinen Scheitel herab kommt seine Gewalttat.” – Psalm 7:15 und 16

„In dem Netz, das sie versteckt haben, hat sich ihr eigener Fuß gefangen. Der HERR hat sich zu erkennen gegeben, er hat Gericht geübt; der Gottlose hat sich verstrickt im Werk seiner Hände.” – Psalm 9:16 und 17

Es steht uns nicht zu, wenn wir befreit worden sind, über die Bestrafung unserer Feinde nachzudenken. Es steht uns auch nicht zu, uns über ihren Fall zu freuen. Der Herr hat gesagt: „Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr.” – Römer 12:19 Anstatt uns über die Bestrafung unserer Feinde zu freuen, wird uns gesagt: „Wenn deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken.” – Römer 12:20 Unsere Geisteshaltung sollte Liebe und Mitgefühl gegenüber der ganzen Welt offenbaren, einschließlich jener, die uns verfolgen, verletzen und jedes böse Wort gegen uns reden. Stephanus gab ein wundervolles Beispiel dieser christlichen Grundhaltung. Während seine Feinde ihn töteten, betete er für sie: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu!“ – Apostelgeschichte 7:60 Jedes Gericht und jede Vergeltung muß dem Herrn überlassen werden.

Paulus spricht im 11. Kapitel des Hebräerbriefes von würdigen Männern der alten Zeit, Männer von starkem Glauben, die Gott gefielen. Sie erlitten und ertrugen viele Dinge, um eine bessere Auferstehung zu erlangen. Vers 33 spricht über Daniel: „Die durch Glauben Königreiche bezwangen”. Daniel stieg zu einer Stellung der Herrschaft auf, zuerst in Babylon, dann in Medo-Persien; der „Gerechtigkeit wirkte”, oder wie eine andere Übersetzung sagt, der „Gerechtigkeit bewahrte”. Es war gerade Daniels Verwaltung, die seine Feinde erzürnte. Durch seine stetige Treue erlangte Daniel die Verheißung, die Israel gegeben wurde: „Der HERR wird deine Feinde, die sich gegen dich erheben, geschlagen vor dir dahingeben. Auf einem Weg werden sie gegen dich ausziehen, und auf sieben Wegen werden sie vor dir fliehen.” – 5. Mose 28:7

Die … „der Löwen Rachen verstopften”. Was für ein Nervenkitzel an jene großen Raubtiere zu denken, die zahm vor Daniel standen, und zu erkennen, daß der gleiche Gott über uns wacht!

Wir lesen: „An Stelle deiner Väter werden deine Söhne treten; als Oberste wirst du sie einsetzen auf der ganzen Erde.” – Psalm 45:17 Was für ein wunderbarer „Oberster” Daniel sein wird mit seiner Weisheit, Rechtschaffenheit und Erfahrung in der Herrschaft. Zusammen mit anderen Alten Glaubenshelden wird er fortfahren Gerechtigkeit auszuüben in jenem großen Messianischen Königreich, nach welchem er ausschaute und Darius davon berichtete und von welchem geschrieben steht: „Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da werde ich dem David einen gerechten Sproß erwecken. Der wird als König regieren und verständig handeln und Recht und Gerechtigkeit im Land üben.” – Jeremia 23:5

Daniel wird sich in jenem Königreich sehr wohlfühlen!

Sieben Weiber werden einen Mann ergreifen

„An jenem Tage werden sieben Weiber einen Mann ergreifen und sprechen: Wir wollen unser eigenes Brot essen und uns mit unseren eigenen Kleidern bekleiden; nur laß uns nach deinem Namen genannt werden, nimm unsere Schmach hinweg.” – Jesaja 4:1

Viele Weissagungen sind in hohem Grade bildlich, symbolisch. Ohne Zweifel bezogen sie sich in einem gewissen Grad auf die Umstände und Verhältnisse des Volkes Israel zu der Zeit, als sie geschrieben wurden, aber wir haben apostolische Autorität dafür, anzunehmen, daß ihre Hauptlehren für das geistliche Israel bestimmt sind. Apostel Paulus sagt, daß „heilige Männer ehemals redeten und schrieben, getrieben vom Heiligen Geist”, und daß „sie nicht für sich selbst, sondern für uns die Dinge bedienten, die euch jetzt verkündigt worden sind”. – 2. Petrus 1:21 und 1. Petrus 1:12

Unser Herr und die Apostel zitierten immer aus den Weissagungen und bezogen die Lektionen stets auf ihre Zeit oder auf ein bestimmtes Ereignis dieses Evangelium-Zeitalters. Daher nehmen wir auch in diesem Fall an, daß unser Leittext sich auf eine Periode dieses Evangelium-Zeitalters bezieht. Der besondere Ausdruck, „An jenen Tagen”, bezieht sich die ganze Schrift hindurch auf die letzte Periode dieses Evangelium-Zeitalters und die Zeit der Drangsal und allgemeinen Verwirrungen in Kirchen und Welt, die mit der Einführung der neuen Ordnung des Millenniums zusammenhängt. So dürfte es angemessen sein, daß wir diese Schriftstelle auf unsere Zeit anwenden und, was immer sie lehrt, beherzigen. Die ganze Schrift hindurch ist ein Weib ein Symbol der Kirche – ein reines Weib von der wahren Kirche, ein unreines Weib von der falschen Kirche. Unser Herr vergleicht die wahre Kirche am Ende dieses Zeitalters mit einer Gemeinschaft von Jungfrauen – die zum Teil weise und zum Teil töricht sind, – und sich selbst mit dem Bräutigam, der am Ende des Zeitalters gekommen ist, seine verlobte Kirche in seine Herrlichkeit aufzunehmen. Johannes der Täufer spricht hiervon in der selben Weise, wenn er sagt: „Ich habe euch (die geweihte Kirche), einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau Christus darzustellen.” – Johannes 3:29 und 2. Korinther 11:2

Hier, wie in dem Gleichnis von den Jungfrauen, ist der Brauch einer jüdischen Hochzeit als Illustration der Vereinigung Christi mit seiner Kirche angenommen – ein von den Hochzeitsgebräuchen der heutigen Zeit sehr verschiedenes Bild. Bei den Juden der alten Zeit wurden bei einer Verlobung von beiden Parteien oder in ihrer Vertretung reichlich bindende Dokumente unterzeichnet, aber innerhalb eines Jahres fand keine wirkliche Heirat statt. Während des Jahres, in welchem die Braut auf das Kommen des Bräutigams, sie heimzuholen, wartete, erwartete man, daß sie ihrem Bräutigams ebenso treu blieb, wie man es von jeder verheirateten Frau erwartete.

Wir sehen die Harmonie zwischen den Gebräuchen der jüdischen Hochzeit und der Verhaltensweise des Herrn mit seiner Kirche. Niemand ist mit dem Herrn verlobt, bis auf die, die einen formellen, bestimmten Vertrag mit ihm eingegangen sind. Den Vertrag auf Seiten des Herrn bilden die überaus großen und köstlichen Verheißungen der Heiligen Schrift, welche der Verlobten versichern, daß sie, wenn treu erfunden, Miterbin ihres Herrn und Bräutigam werden soll, in seinem tausendjährigen Königreich und in seiner himmlischen Herrschaft. Der Vertrag auf Seiten der Kirche besteht in dem Bund des Glaubens und der Treue bis zum Tod gegenüber unserem Erlöser, dem wir verlobt sind. Nachdem wir die gnädigen Verheißungen des Herrn durch völlige Weihung alles dessen, was wir sind und haben, für ihn und seinen Dienst angenommen haben, folgt ein Zeitraum, bis wir unser Leben mit dem Tode beschließen.

Diese Zeit gleicht in gewissem Maße dem Verlobungsjahr einer jüdischen Jungfrau; aber die noch klarere und genauere Erfüllung des Vorbildes finden wir in der Geschichte der Kirche als Ganzes. Die jungfräuliche Kirche des Herrn wurde ihm zu Pfingsten verlobt und hat auf das Kommen des Bräutigams und die Auferstehungs-Verwandlung zu Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit – auf die Hochzeit, die Vereinigung – über Jahrhunderte gewartet.

Die Braut in Königsherrlichkeit

Unser Herr gibt die Fortsetzung zu dieser Illustration in seiner letzten Botschaft an die Kirche in der Offenbarung des Apostel Johannes. Auch dort wird die Kirche als eine verlobte Jungfrau dargestellt, unvermählt, aber verpflichtet, Reinheit und Treue zu bewahren – bis zum Ende des Evangelium-Zeitalters. Es wird gezeigt, wie sie sich auf die Zeit des Kommens des Bräutigams und auf die Hochzeit vorbereitet. Um bereit zu sein, wie der Apostel sagt, muß sie das hochzeitliche Kleid anhaben, und zwar in einem Zustande „ohne Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen”. – Epheser 5:27

Nicht, daß irgend ein Glied dieser glorreichen Gemeinschaft hoffen dürfte, absolute Reinheit und Vollkommenheit zu bewahren, da alle „in Sünde empfangen und in Ungerechtigkeit geboren sind”. – Psalm 51:5 Das Hochzeitskleid der zugerechneten Gerechtigkeit Christi bedeckt zwar alle unbeabsichtigten Mängel und Unvollkommenheiten, aber jeder Mangel oder Schmutz und jede Runzel auf diesem Kleid sollte Grund zur Sorge für die Verlobte sein, daß der Flecken entfernt und die Runzel geglättet werden würde durch die gnädigen Einrichtungen des himmlischen Bräutigams, der das Kleid darbot und die Anweisung gab, wie es „von der Welt unbefleckt erhalten” werden solle.

Dieser Bericht zeigt, daß es nach der Auferstehungs-„Verwandlung” am Ende dieses Zeitalters eine „verlobte Jungfrau” – oder Kirche nicht mehr geben wird, denn sie wird aus ihrem verlobten Stand in den höheren der Braut eingetreten sein – vermählt oder vereinigt mit ihrem Herrn und Bräutigam. Beachten wir das symbolische Bild, unter dem sie dargestellt wird: das Neue Jerusalem, das aus dem Himmel hernieder kommt. Wir sehen, daß das himmlische Königreich, die neue Regierung oder Herrschaft der Welt, als die verherrliche Kirche dargestellt wird, die Braut; denn wir lesen, daß der Engel zu Johannes sagte: „Komm, und ich will dir die Braut, des Lammes Weib, zeigen” (nicht mehr die verlobte Jungfrau). Dann zeigte er ihm die heilige Stadt, die von der Herrlichkeit Gottes erfüllt war. – Offenbarung 21:9 – 10

Das große Amt oder Werk der Kirche in Herrlichkeit wird uns auch als das Werk der Braut gezeigt – „Der Geist und die Braut werden sagen: Komm! Und wer da will, nehme, das Wasser des Lebens umsonst.” In der gegenwärtigen Zeit ist die Kirche nicht nur nicht die Braut, sondern ist auch gar nicht berechtigt zu sagen: Komm! zu jedem der will, sondern zu „so vielen, als der Herr, unser Gott, herzurufen wird”; – denn bei dem Berufen und Ziehen dieser jetzigen Zeit kommt ein gewisses Maß Erwählung mit in Betracht, wie unser Herr sagt: „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, daß der Vater, der mich gesandt hat, ihn ziehe.” – Apostelgeschichte 2:39 und Johannes 6:44

Ferner gibt es jetzt keinen Strom des Lebens. Diese wundervolle Einrichtung ist für die Zukunft – für die Welt im Millennium-Zeitalter. Wie unser Herr erklärt, haben jetzt alle, die an ihn glauben und seine geweihten Nachfolger werden, in sich selbst „eine Quelle Wassers, das ins ewige Leben quillt”. – Johannes 4:14 Der Strom des Wassers des Lebens und seine reichen Vorräte für die Welt der Menschen, zu denen alle werden eingeladen werden, gehört der Epoche des tausendjährigen Königreich an, wie klar und bestimmt gezeigt wird, wenn die Kirche nicht mehr eine verlobte Jungfrau sein wird, sondern die Braut, des Lammes Weib – wenn sie nicht länger in den Zustand der Demütigung und des Seufzens über ihre Bürden verharren wird, sondern erfüllt sein wird mit der Herrlichkeit Gottes.

Das Königreich ihres Bräutigams, mit dem sie vereint sein wird, wird die Quelle (die heilige Stadt) sein, von wo aus ein großer Strom von Wahrheit und Gnade ausgehen wird, aus dem die ganze Menschheit trinken mag bis zu voller Befriedigung und ewigem Leben, wenn sie wollen.

Viele Kirchen Christi

Sowohl Heiden als auch Kinder in den christlichen Ländern werden, wenn sie anfangen, die Bibel zu studieren, sich verwundert fragen: Welche ist die Kirche Christi? Sie sehen verschiedene Kirchen mit verschiedenen Namen, die behaupten, daß sie Zweige der Kirche Christi seien. Das arglose Gemüt fragt: Welches ist die wahre Kirche? Welche hat Jesus gegründet? Von welcher war er das Haupt und der Gründer? Zu welcher gehörten die Apostel?

Die Antwort bringt Verwirrung und Beschämung. Jede Denomination behauptet, ebenso gut zu sein, wie irgend eine andere und noch etwas besser, eben so wahr zu sein, wie irgend eine andere oder noch etwas mehr, ebenso rechtmäßig des Herrn verlobte Braut zu sein, wie irgend eine andere. Die Verwirrung beginnt, wenn sie anfangen, von ihrem Ursprung und Gründer zu erzählen, denn eine sagt: „Ich bin von Calvin”, eine andere, „Ich bin von Luther”; eine andere, „Ich bin von Wesley”, eine andere, „Ich bin von Zwingli”.

Und wenn ihnen entgegnet wird, daß diese verschiedenen Sekten und Parteien alle in den letzten Jahrhunderten entstanden sind, und wenn sie gefragt werden, wie sie diese Tatsache mit der Erklärung der Schrift in Einklang bringen können, die da sagt, daß Christus die Kirche gegründet hat, deren lebendige Grundsteine die zwölf Apostel waren, so sind sie verwirrt.

Die Mutigsten versuchen eine Erklärung und sagen uns, daß ihre Kirche die ursprüngliche war, die der Herr und die Apostel gegründet haben, daß aber ein großer Abfall von der ursprünglichen Einfalt stattfand, so daß lange Jahrhunderte hindurch der Methodismus in Vergessenheit geraten war, desgleichen Calvinismus und Luthertum, bis später Wesley, Calvin und Luther sie wieder erweckten. Aber, fragen wir: Wie konnte Wesley die ursprüngliche Kirche wieder aufrichten, wenn Calvin es schon getan hatte? Wie konnte Luther sie wieder aufrichten, wenn Zwingli es getan hatte? Dann gibt es wieder Verwirrung des Angesichts und Stottern und Zögern mit der Antwort.

Dann kommt die Kirche Roms, die griechische Kirche, die Kirche Englands, und sie erklären, daß ihre Organisationen älter sind, als irgend eine von diesen anderen, und daß sie daher die wahre, die ursprüngliche Kirche seien; aber wieder fragen wir: Welche von ihnen ist die älteste? Und wo begann ihre Organisation? Sie sollen uns Beweise geben. Alle beanspruchen Ursprünglichkeit und Originalität, aber keine kann irgend eine Existenz ihrer gegenwärtigen Organisation vor dem dritten Jahrhundert nachweisen.

Und wenn wir ihre prächtigen und ausgeschmückten Gottesdienste mit der Einfachheit der ersten Kirche vergleichen, wie sie im Neuen Testament geschildert wird, so sind wir gewiß, daß es keine Identität zwischen den beiden geben kann. Wenn wir ihre Lehren mit den Lehren Christi und der Apostel vergleichen, wie das Neue Testament sie gibt, so finden wir die gleiche Disharmonie – ihre Behauptungen fallen zu Boden, weil sie keinen Grund haben. Die Lehren und Handlungen der Kirche aus der Reformationszeit und seither sind offenbar mehr in Harmonie mit den Handlungen und Lehren der Apostolischen Kirchen, als die anderen Systeme; aber auch sie sind fern von Einklang miteinander – und mit der ersten Kirche.

Verschieden in Glauben und Praxis

Wir haben an dieser Stelle keinen Raum, die Verschiedenheiten des Glaubens und der Praxis zwischen den verschiedenen heute bestehenden Denominationen eingehend zu erörtern, noch den Glauben und die Praxis der Kirche damit zu vergleichen, welche der Herr gegründet hat. Die Schrift lehrt, daß nur „ein Gott ist, der Vater, und ein Herr, Jesus Christus” – 1.Korinther 8:6-; daß der Vater über allen ist, daß Er den Sohn als unseren Erlöser in die Welt sandte, und daß, nachdem er das Werk treulich erfüllt hatte, der Vater ihn vom Tod auferweckte und ihn zu Seiner Rechten, dem Platz der Gunst, erhöhte – Ihm selbst am nächsten, – und der Erlöser selbst sagte: „Mein Vater ist größer als ich.” – Johannes 14:28

Aber die verschiedenen Kirchen, von denen jede behauptet, daß sie die ursprüngliche Kirche sei, sind einig darin, zu sagen, daß es drei Götter gibt, „gleich in Macht und Herrlichkeit”. Zuweilen sagen sie, daß die drei Götter als ein Gott wirken; zu anderen Zeiten sagen sie, daß es nur einen Gott gibt, daß er aber drei verschiedene Offenbarungen von sich selbst gegeben habe, damit wir ihn erkennen, und daß jede Offenbarung der eine Gott sei.

Welche Verwirrung! Wie unmöglich ist es für diejenigen, deren Geist so verwirrt ist, den göttlichen Heilsplan zu verstehen, die Aussage der Heiligen Schrift zu fassen, daß „ein Gott ist und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst zum Lösegeld gab für alle, wovon das Zeugnis zu seiner Zeit verkündigt werden soll!” – 1.Timotheus 2:5 – 6 Wie könnte ein Teil Gottes ein Mittler für die Menschen sein mit dem anderen Teil desselben Gottes? Vor allen Dingen, wie könnte Gott in einer Offenbarung als Adams Stellvertreter und Lösegeld sterben, während derselbe Gott in anderem Sinn dieses Lösegeld annehmen und den anderen Teil Seiner Selbst vom Tod aufwecken sollte?

Wie können diese Menschen, verwirrt von Irrtümern der „dunklen Jahrhunderte”, verstehen und würdigen, daß Christus für unsere Sünden starb nach der Schrift, und daß der Vater ihn durch Seine Macht vom Tod auferweckte am dritten Tage? In ihrer Verwirrung bei dem Versuch zu denken, daß der Herr Jesus mit dem Vater eins ist in der Person und im Wesen usw., können sie sich nicht vorstellen, daß er überhaupt starb, denn wenn Gott in irgend einem faßbaren Sinn starb, so gab es eine Zeit, in der das Universum ohne einen Gott war! Und wie konnte der Vater den Sohn vom Tod erwecken, wenn „der Sohn” nur ein anderer Name für den Vater war?

All diese Verwirrung hat dazu geführt, den Glauben der etwas vernünftiger denkenden Glieder all dieser verschiedenen Kirchen zu untergraben, so daß heute ihr Glaube eine sehr unbestimmte Sache ist, schwer zu erklären, wenn er sich überhaupt erklären läßt. Die Unfähigkeit, ihre Glaubensbekenntnisse aus den „dunklen Jahrhunderten” mit gesundem Menschenverstand in Einklang zu bringen, ist den Leuten so widerwärtig geworden, daß viele der Intelligentesten die Sache aufgeben und versucht haben, neue und vernünftigere Auffassungen zu finden.

Aber der Widersacher hat, wie der Apostel vorhergesagt hat, sich als Engel des Lichts und Führer in alle Wahrheit ausgegeben, und ihre Universitätsprofessoren und die hervorragendsten Geistlichen gefangen genommen. Er hat betrogen, wie die Schlange Eva betrog, der Hoffnung und dem Verlangen nach größerer Erkenntnis als die, welche die göttliche Offenbarung darreicht. Sie sind mit wunderbarer Einstimmigkeit „Höhere Kritiker” und „Evolutionisten” geworden. Im Namen alles Heiligen und Guten überreden sie die führenden Geister in all diesen verschiedenen Kirchen, daß die Bibel nicht Gottes Wort ist, daß sie gar nicht zuverlässig sei, daß „Jesus und die Apostel zwar aufrichtig, aber keine glänzenden Gelehrten waren und Irrtümer des Alten Testaments, auf das all ihre Lehren sich gründeten, nicht entdecken konnten”.

Diese weisen Männer unser Zeit versichern uns, daß die Geschichte von Adam und Eva nicht eine Darstellung von Tatsachen ist – daß sie höchstens als Allegorie aufzufassen ist, die zehn Menschen ausdenken und auf zehnfache Weise auslegen können. Sie sagen uns, daß es nie einen Garten in Eden gegeben habe, nie eine verbotene Frucht, nie einen Urteilsspruch über Adam gab, daß er in vollkommenem Zustand ungehorsam war, und daß die Schrift uns irreführt, wenn sie sagt, daß dadurch Sünde und Tod in die Welt kam. Sie sagen uns, daß Adam sich nur ein wenig von einem Affen unterschieden habe, und deshalb gar nicht fähig war, ein göttliches Gesetz zu halten oder um seines Ungehorsams willen gerichtet und zum Tode verurteilt zu werden. Und da sie den Sündenfall leugnen, und daß der Mensch sein Heim, sein Leben, sein Verhältnis zu Gott verlor, so leugnen sie auch die Notwendigkeit eines Heillandes.

Sie leugnen des Herrn Worte, daß er kam, „zu suchen und zu erretten, was verloren war”. Da sie leugnen, daß es Sünde gibt, so leugnen sie auch, daß Christus für unsere Sünde starb und zu unserer Rechtfertigung auferstand. – 1.Korinther 15:3 – 4 Sie ignorieren völlig des Apostels Aussage, daß „durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben”. – Römer 5:12 So machen sie das Wort Gottes nichtig und stellen an seine Stelle menschliche Theorien – das goldene Bild, von dem sich alle beugen, und das alle anbeten sollen, wenn sie als achtenswert, intelligent und geistig gesund gelten wollen.

Kirchentum – Verwirrung – Babylon

Wir haben gesehen, daß die Schrift die wahre Kirche Christi als die verlobte Jungfrau des Herrn bezeichnet und klar ausspricht, daß sie schließlich die Braut, das Weib des Lammes, werden soll. Aber wo ist sie jetzt? Wo ist sie in der ganzen Zeit zwischen den Tagen der Apostel und der heutigen Zeit gewesen? Wir antworten, daß die Schrift sagt, sie sei in der „Wüste” gewesen. – Offenbarung 12:14 Mit anderen Worten, sie war in Ungunst, unbeachtet und den Weltweisen unbekannt. Einige ihrer Glieder waren verstreut in den verschiedenen Denominationen und andere außerhalb derselben. Von der wahren Kirche sagte der Meister: „Wenn ihr von der Welt wäret, so würde die Welt das Ihrige lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt auserwählt habe, darum haßt euch die Welt”. Der Apostel wiederum, wenn er diese Klasse schildert, sagt, daß nicht viele Weise, nicht viele Große, nicht viele Edle, nicht viele Gelehrte, nicht viele Mächtige berufen sind – sondern hauptsächlich die Armen dieser Welt, reich im Glauben. Die namhaften Institutionen, von denen wir gesprochen haben, sind weltlich; ihre Bestrebungen, ihr Ehrgeiz, ihre Methoden sind weltlich, und daher kann es nur wenig Sympathie, Gemeinschaft und Zusammenwirken zwischen der Mehrzahl dieser Sekten-Systeme und der Minderheit in ihnen geben, welche den Herrn und seinem Worte treu sind.

Die Mehrheit findet es seltsam, daß die Minderheit so sonderbare Leute sind; daß sie so verschiedene Ansichten vom Leben und seinen Verhältnissen haben; daß sie ihr Verlangen auf die Dinge droben richten und nicht auf die Dinge dieser Erde; daß sie eine Gebetsversammlung lieber haben, als einen Ball, Konzert oder Theater. Sie finden es sonderbar, daß sie sich nicht mit ihnen vereinigen in all den verschiedenen fragwürdigen Veranstaltungen, um Geld für kirchliche Zwecke zu sammeln, Feste, Gesellschaften, lebende Bilder, Lotterien usw.; und wie der Apostel sagt, sind sie sehr geneigt, von denen übel zu reden, die vor allem mehr vom Geist des Herrn und der Apostel, vom Geist der Heiligung, haben.

Unseres Herrn Gleichnis vom Weizen und Scheinweizen erklärt die Situation ganz genau. Er säte den guten Weizensamen, und die Apostel folgten in demselben Werk; aber nachher säte der große Widersacher Scheinweizen, Irrtümer, und brachte viele in die Namen-Christenheit, die nur den Namen nach Christen waren, und die zu ihrem eigenen Vorteil Moralität bekannten – entweder in der Hoffnung, der zukünftigen Qual zu entrinnen, oder in der Hoffnung, zeitlichen Gewinn in diesem Leben zu erlangen. Dieses Säen hemmte den wahren Weizen und hinderte seine Entwicklung sehr, so daß wir heute, wo wir auch hinschauen auf dem Feld der Christenheit, verhältnismäßig wenige wahre Jünger des Herrn sehen, die gern und willig in seinen Fußstapfen auf dem schmalen Weg der Selbstverleugnung und des Dienens wandeln. Wir sehen die große Mehrzahl unwissend über die Wahrheit und Gnade des Herrn – die den Herrn Jesu als den persönlichen Heiland nicht kennen, nicht wissen, wovon sie erlöst sind, nicht den Ruf kennen, und wozu sie berufen sind, nicht wissen, daß die Prüfungen und Schwierigkeiten dieser gegenwärtigen Zeit notwendig sind für alle, welche dem Herrn treu sein wollen, und nicht die überaus großen und kostbaren Dinge kennen, die Gott für diejenigen bereit hält, die ihn lieben.

Wir sehen, daß die Früchte des Geistes – Sanftmut, Freundlichkeit, Geduld, Langmut, Liebe, – welche die Weizenklasse besitzt, von der Scheinweizen-Klasse nicht geschätzt und begehrt werden. Wir sehen im Gegenteil, daß die Scheinweizen-Klasse voll von irdischem Ehrgeiz ist, voll von irdischen Entwürfen und Plänen, und die im vollen Sinn des Wortes zeigen, daß sie von der Erde, irdisch sind. Einige von diesem Schwein-Weizen sind in vieler Hinsicht feine, edle Leute; einige von ihnen geben reichlich von ihrem Überfluß, um die Gräber der Gerechten zu schmücken, für Fenster von Glasmalereien, die den Herrn am Kreuz darstellen, oder die Apostel, wie sie die Wahrheit predigen; aber sie haben nicht die Wurzel der Sache in sich; sie haben niemals ihr Kreuz auf sich genommen, um dem Sanftmütigen und Demütigen nachzufolgen; sie haben niemals ihr Leben dem Dienst des Herrn bis zum Tod geweiht; sie haben nie den schmalen Weg betreten, der allein zu Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit führt, wozu die wahre Kirche berufen ist.

Wenn wir an die verschiedenen Arten des Kirchentums denken – Reformierte, Methodisten, Lutheraner, Römisch-Katholische usw., – und wenn wir uns ihrer verschiedenen widersprechenden Lehren erinnern, so können wir uns nicht wundern, daß die Schrift das Wort Babylon als Bezeichnung für diese Systeme im Allgemeinen gebraucht – besonders, wenn wir wissen, daß das Wort Babylon Verwirrung bedeutet.

Man kann mit einem gewissen Grad von Bestimmtheit die Lehren des Konfuzius und seiner Nachfolger kennen, und wissen, was sie glauben; man kann dasselbe tun mit Buddhisten, Brahmanen und anderen, aber nicht so mit Christen, denn ihre Lehren sind Legion, wie ihre Namen, und es ist nötig, herauszufinden, was für eine Art Christ jemand ist, um zu wissen, was er glaubt.

Unsere Schmach hinweg nehmen

Die Verwirrung der Lehren in den verschiedenen Zweigen des Kirchentums hat Schmach über alle gebracht. Die Heiden fragen, wie es kommt, daß es so viele Arten von Christen gibt, und wie es kommt, daß sie alle ihre verschiedenen Theorien aus demselben Buch nehmen können. Das ist eine Schmach, die von den leitenden Geistern aller Denominationen scharf empfunden wird. Folglich ignorieren sie allgemein ihre Bekenntnisse, während die Gemeinden, welche durch und auf dieselben gegründet sind, als auf Grundlagen, die von anderen getrennt sind, um so fester gehalten werden. Ein Presbyterianer mag sein Bekenntnis verachten und offen aussprechen, wie ein solcher Prediger es getan hat, daß wenn er das Bekenntnis glauben wollte, er es wie eine bittere Pille schlucken müßte, denn wenn er versuchen wolle, es zu kauen, würde er es niemals herunterschlucken können. Daher sind der große und kleine Katechismus tatsächlich begraben, wie die Dinge, die besser vergessen werden im Interesse des Gedeihens der Denomination, welche früher darauf erbaut wurden. Und es ist mit anderen Denominationen und ihren Bekenntnissen sehr ähnlich; die Systeme werden mehr denn je angebetet, und die Bekenntnisse mehr denn je verachtet.

Aber warum sollte das der Fall sein, wenn zugegeben wird, daß die Bekenntnisse unzulänglich sind und besser begraben werden? Warum sollten nicht alle Christen sich versammeln auf den schlichten Grund des Glaubens an die Bibel – und sie als ihr einziges Bekenntnis – annehmen? Warum? Weil das ihren Stolz verletzen, die Integrität ihrer Denomination vernichten und das Bild zerstören würde, das sie so lange angebetet haben. Jede Denomination erklärt sich bereit, alle anderen in sich aufgehen zu lassen, aber keine ist bereit, in einer anderen aufzugehen – nicht, daß es dabei um das Behaupten eines Prinzips ginge, sondern lediglich aus Stolz und Kirchentum und Mangel am Geist des Herrn.

Und der Apostel sagt: „Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein”. – Römer 8:9 Daher sind in den verschiedenen Zweigen des Kirchentums offenbar viele, die große Mehrzahl, die im Herzen nicht dem Herrn angehören, sondern der Kirche. Sie sagen die Wahrheit, wenn sie sagen, sie „gehören” zu dieser oder jener Denomination. Sie gehören ihr mit Leib und Seele; sie dienen ihr und beten sie an, wie die Heiden ihre Götzen.

Da die Situation immer klarer erkannt wird, und die Leute immer mehr die Unzulänglichkeit ihrer alten Bekenntnisse erkennen, und da die Theologen ihnen ihr neues Bekenntnis der Höheren Kritik und Evolution und das Heil durch Selbsthilfe und gute Werke darreichen, so sagen die verschiedenen Denominationen untereinander: Wohlan! Laßt uns einen großen Turm zu Babel bauen; laßt uns einen Bund von Denominationen zustande bringen – ohne besonderes Bekenntnis, ohne bestimmten Glauben, ohne bestimmte Hoffnung, ohne besonderen Zweck, außer unserer Selbsterhaltung als Denominationen. Laßt uns hoch bauen, daß die Fluten der Drangsal, die wir kommen sehen, uns nicht schaden können; aber laßt uns kein Vertrauen zu der Arche, Jesus Christus, haben, und nicht suchen, uns darin bergen zu lassen, noch begraben zu werden in der Gleichheit des Todes Christi und so hinübergetragen zu werden in die neue Ordnung der Dinge, die verheißen ist.

Sieben Weiber an jenem Tag

Wer sind die sieben Weiber? Wir haben gesehen, daß in sinnbildlicher Weise die Kirchen als Weiber bezeichnet werden, – daß die wahre Kirche als ein Weib, eine Jungfrau, bezeichnet wird und die falschen Systeme als Huren, die ihren Gatten untreu geworden sind und sich zur Welt gesellt haben. – Offenbarung 17:5 Die Zahl sieben wird in der ganzen Schrift als ein Symbol der Vollendung erkannt. Und so nehmen wir an, daß sie hier von der Welt ist und ihrem Lauf nicht folgt. Wir haben die Zeit erreicht, wo diese sieben Weiber – das heißt all die verschiedenen Sekten und Denominationen – einmütig und einstimmig die Schmach ihrer Situationen verspüren.

Und welchen Weg haben sie einzuschlagen beschlossen? Wir antworten, daß der eine Mann in unserem Leittext unseren Herrn, den himmlischen Bräutigam, repräsentiert, und daß unser Leittext sagt, daß all die Namen-Kirchen „an jenem Tag” dahin gekommen oder im Begriff sind, dahin zu kommen, daß sie wünschen, nur die Kirche Christi genannt zu werden, wohingegen sie nichts weiter mit ihm zu tun haben wollen. Sie wollen ihren Sekten-Namen behalten, Lutheraner, Katholiken, Methodisten, usw., aber sie wollen auch Christen genannt werden – das ist ihr höchster Besitz, beinahe ihr einziger Besitz. Um die Lehren Christi kümmern sie sich nicht und fragen nicht nach Erlösung und Bedeckung der Sünden durch ihn; sie begehren nur den Namen. „Wir wollen unser eigenes Brot essen und uns mit unseren eigenen Kleidern bekleiden – nur laß uns nach deinen Namen genannt werden.”

Die wahre Kirche im Gegensatz dazu

Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß Glieder der wahren Kirche noch mit diesen verschiedenen irdischen Systemen, die durch die sieben Weiber unseres Textes repräsentiert werden, in Verbindung stehen, aber sie werden nicht lange mehr darin sein, denn eins nach den anderen hören sie die Stimme der Wahrheit, die ihnen zuruft: „Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht an ihren Sünden teilhabt und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt.” – Offenbarung 18:4 Je mehr diese Weiber ihr eigenes Brot essen und selbstgemachte Kleider tragen wollen, um so mehr werden all die Treuen vom Volk des Herrn unter ihnen die wahre Situation erkennen und finden, daß sie dort weder Hab noch Gut haben. Die wahre Kirche will nicht ihr eigenes Brot essen; sie begehrt das Brot, das vom Himmel hernieder kam. Sie will nicht ihre eigenen Theorien, ihren eigenen Heilsplan, ihre eigenen Pläne und Methoden haben; sondern sie begehrt vielmehr das, was Gott als ihre tägliche Speise gibt – „Speise zur rechten Zeit für den Haushalt des Glaubens” – Neues und Altes aus dem Schatz göttlicher Wahrheit.

Noch will die verlobte Jungfrau des Herrn ihr eigenes Kleid tragen, denn sie hat verstehen gelernt, daß ihre eigene Gerechtigkeit ein unflätiges Kleid ist. Sie hat gelernt und lernt immer mehr, das Kleid zu würdigen, das der himmlische Bräutigam ihr gegeben hat – das Hochzeitskleid. Sie vertraut immer mehr auf das Verdienst ihres Erlösers, dessen bedeckende Rechtfertigung symbolisch gezeigt wurde durch die Felle der Opfer, die Adam und Eva gegeben wurden, um ihre Blöße zu bedecken.

Die Botschaft des Herrn ist an seine in der gegenwärtigen Epoche auserwählte Kirche ergangen und rät allen denen, welche vorgeben, Sein zu sein, daß sie nicht auf ungewissen Reichtum vertrauen, auf irdische Reichtümer, sondern daß sie in gläubigem Opfer der irdischen Interessen von dem Herrn Gold kaufen, das im Feuer geläutert ist, die göttliche Natur, und daß sie das weiße Kleid der Rechtfertigung bewahren, damit ihre Augen klar erkennen mögen, was zu ihrem Frieden dient, und die künftigen Dinge – die Reichtümer der Gnade, die Erkenntnis dessen, was nicht in des natürlichen Menschen Sinn gekommen ist. Der Herr redet zu dem Namen-System der gegenwärtigen Zeit in der Schluß-Epoche dieses Zeitalters und spricht: „Du sagst, ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts, und weißt nicht, daß du der Elende und Jämmerliche und arm und blind und bloß bist. Ich rate dir, Gold von mir zu kaufen, geläutert im Feuer, auf daß du reich wirst; und weiße Kleider, auf daß du bekleidet wirst, und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde; und Augensalbe, deine Augen zu salben, auf daß du sehen mögest.” – Offenbarung 3:17 – 18

In welchem Grade immer wir den Geist Babylons gehabt haben, den Geist der Welt und der Verwirrung der Lehren, die dem Worte Gottes zuwider sind, wir wollen davon frei werden. In welchem Grade immer wir blind waren gegen den Wert der wahren Reichtümer, in welchem Maße immer wir das weiße Kleid der Gerechtigkeit Christi würdigen, wir wollen endlich die Gnade des Herrn annehmen und unsere Augen salben und die Herrlichkeit der Stellung der wahren Verlobten des Herrn erkennen, daß wir unsere Berufung und Erwählung festmachen und brennende und scheinende Lichter in der Welt sein mögen für diejenigen, welche die rechten Wege des Herrn suchen.

Gottes Sorge um die Verlorenen

Lukas 15:1 – 10 „Also wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut.”

Das Wort ‚verloren‘ hat, auf die Menschheit bezogen, eine ganz andere Bedeutung in der Bibel als diejenige, die von der Theologie gebraucht wird. Dort wird der Begriff ‚verloren‘ angewendet auf Verdammte, für die es keine Hoffnung gibt; es schließt gemäß der Orthodoxie hoffnungslose, endlose, ewige Qual ein. In der Schrift aber wird ‚verloren‘ in einem beinahe entgegengesetzten Sinn gebraucht, wie wir sehen werden.

Unser Herr, heilig in Wort und Wandel, wollte natürlich die frommen Leute seiner Tage an sich ziehen, so scheinbar die Pharisäer. Doch unter ihnen waren viele, deren Frömmigkeit Heuchelei war, und die sich in äußerer Zurschaustellung gefielen, anstatt in Reinheit und Heiligkeit des Herzens. Wir erleben den Herrn als Gast und in der Gesellschaft bekannter Pharisäer, wo er die Gelegenheit gut nutzte, um ihnen und anderen das Evangelium zu predigen. Aber die Pharisäer, die gewohnt waren, sich selbst für die frömmere Klasse der Juden zu halten, waren nach und nach von den niedrigeren Leuten des Volkes abgerückt, so daß in Jesu Tagen beide Klassen kaum etwas miteinander zu tun hatten. Die Pharisäer lehnten es ab, die anderen als Brüder und Miterben der göttlichen Verheißungen anzuerkennen. Als sie nun sahen, daß sich die niedrigen Schichten der Juden für Jesu Lehren interessierten, und daß Jesus sich nicht von ihnen fernhielt, sondern sich unter sie mischte und auch sie wie jeden anderen lehrte, wunderten sie sich daher. Und das bewog sie Jesus abzulehnen, den sie gerne als einen der Ihren in ihren Kreis aufgenommen hätten, wenn er willens gewesen wäre, sich als Pharisäer einen Namen zu machen, und wenn er ihre Umgangsformen angenommen hätte. Um die falschen Vorstellungen jener Pharisäer richtigzustellen, sprach Jesus in fünf Gleichnissen zu ihnen, von denen wir zwei in diesem Text besprechen wollen.

Das Gleichnis vom treuen Hirten, der seine Schafe liebte und so für sie sorgte, daß er 99 von ihnen in der Obhut von Huthelfern in den Gefilden (nicht in der Wüste) zurückließ, und dem einen verlorenen Schaf nachging, bis er es fand, gibt uns eine Illustration von Gottes Fürsorge. Vielleicht hatte Jesus allein die Absicht, daß wir dies seinen Worten entnehmen. Wenn wir aber davon ausgehen, daß das Gleichnis dazu dienen sollte, in seinen tiefen Besonderheiten verstanden zu werden und Grundzüge des göttlichen Heilsplans abzubilden, müßten wir annehmen, daß das eine Schaf, das verloren war, Adam und die Menschheitsfamilie darstellte, und daß die 99 vorhandenen Schafe, die unter der Hut des Hirten geblieben waren, die Engel und andere Geistwesen sind, die sich nicht in Sünde und Gottesferne begeben haben, und die unter seiner Überwaltung und Fürsorge geblieben sind. So betrachtet würde der Hirte, der dem streunenden Schaf nachging, unseren Herrn Jesus darstellen, der die Herrlichkeit, die er vor Grundlegung der Welt beim Vater hatte, verließ und für die Menschheit ein irdisches Wesen wurde.

Eine andere Deutung des Gleichnisses wäre ungereimt, wenn man z. B. annehmen würde, daß das verlorene Schaf das heruntergekommene Element der Menschheit und 99 Schafe eine Klasse von Gottergebenen abbildet, dies wäre in zweierlei Hinsicht widersprüchlich:

  1. „Da ist kein Gerechter, auch nicht einer”, wie die Schrift sagt, und mit den Worten des Propheten: „Wir alle irrten umher wie Schafe.” – Römer 3.10, Jesaja 53:6
  2. Selbst wenn behauptet würde, daß die 99 für etliche Leute stehen, die relativ intakt sind – was nicht zu allen Zeiten zutrifft- würde das Bild nicht passen, denn ohne Frage ist nur eine verschwindende Minderheit der Weltbevölkerung im Zustand zugerechneter und relativer Harmonie mit Jahwe, dem großen Hirten.

Wenn wir das eine Schaf als Vertreter der ganzen Menschheit betrachten, die in Adam gefallen ist und weit weg von den Pfaden der Gerechtigkeit umherirrt, und wenn wir Jesus als den guten Hirten, den Repräsentanten des Vaters, des großen Hirten – Psalm 23:1 – ansehen, dann stellen wir fest, daß das Werk des Suchens nach dem verlorenen Schaf bei der ersten Gegenwart unseres Herrn begann. Wir sehen, daß die Kosten dafür für unseren Herrn da anfielen, wo er anfing, das Schaf zurückzugewinnen, aber wir sehen noch nicht, daß das Schaf wiedergefunden wurde, denn noch in keinem Wortsinn ist die Menschheit in die Harmonie mit Gott zurückgebracht worden. Was wir jedoch sehen, ist, daß Gott im Evangeliumszeitalter eine besondere Kirche heraussucht, die den Leib Christi bilden soll, die Glieder des guten Hirten als ihrem Haupt sein sollen. Wir sehen auch, daß es jedes Glied dieses Leibes etwas kostet, sich vorzubereiten auf die Teilnahme an diesem Werk des Suchens nach dem verlorenen Schaf der Menschheit im allgemeinen, was im Millennium geschieht.

Das Schaf wurde bereits in dem Sinne gefunden, daß man seinen Standort kennt, in diesem Sinn war es eigentlich nicht verloren. Doch es war insofern verlorengegangen, daß es sich von Gott abgewandt und der Sünde und dem Verfall zugewandt hat. Aus dieser Perspektive betrachtet muß es erneuert bzw. zurückgebracht werden durch den Prozeß der Wiederherstellung – Apostelgeschichte 3:19 – 21 -, heraus aus der Erniedrigung, heraus aus dem Sündensumpf und der Grube von Abscheulichkeiten und Tod. Das ganze Millennium wird nötig sein, um das Schaf im vollen Wortsinn des Gleichnisses zurückzubringen. Unser Herr versichert uns, daß in der Zwischenzeit die himmlischen Heerscharen, das heißt die nicht in Irrtümer verfallenen und aus Gottes Herde weggelaufenen Schafe, jeden Schritt dieses großen Heilsplans für die Menschheit genau beobachten. Dabei verändert sich in der Darstellung des Herrn das Bild etwas, und es ist nicht mehr von einem Schaf die Rede, sondern von vielen (wie es auch mit der Menschheitsfamilie zugegangen ist, die ursprünglich aus einem Menschen bestand und jetzt aus vielen). Er bekundet, daß Freude bei den Engeln Gottes über einen reuigen Sünder herrscht, der zur Herde, zum Gleichklang mit Gott zurückkehrt.

Wer nun in diese Harmonie zurückkehrt, ist angenommen in dem Geliebten und ist umsonst gerechtfertigt durch die in ihm wohnende Gnade, und er ist „Jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen.” – 1. Petrus 2:25 -, um mit den Worten des Apostels zu sprechen. Er ist berufen, als Leibesglied Mitarbeiter des guten Hirten zu werden.

Was Vater Adam anbelangt, das allererste irrende Schaf, ist für viele seiner Nachkommen der verlorene Zustand nicht der wünschenswerte, denn er und viele andere wären sonst zur Herde, von der sie abgeirrt sind, zurückgegangen. Aber durch den Verfall und das Meer der Sünde wurden sie so degeneriert und hilflos, daß sie unmöglich aus eigener Kraft auf dem Weg, auf dem sie weggelaufen sind, zurückkehren konnten. Sie bedurften eines Heilands, der imstande sein mußte sie gänzlich zu erretten, sie völlig wiederherzustellen, heraus aus der Sündenverdammnis, und sie gänzlich in Gottes Herde zurückzubringen. Und genau diesen hat Gott in Jesus Christus bereitgestellt: „Daher vermag er auch völlig zu erretten, die durch ihn Gott nahen.” – Hebräer 7:25

Nach dem klaren Zeugnis der Schrift wird es einen Personenkreis geben, der, nachdem er aus der Hand des Herrn alle Segnungen und Chancen, die seine Liebe für ihre Wiederherstellung bereitgestellt hat, auf seinem eigenen Willen besteht und so die angebotene Hilfe des guten Hirten verschmäht. Über solche Leute heißt es in der Schrift: „Denn wenn wir mit Willen sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben … .” – Hebräer 10:26 Für sie bleibt kein Anteil am Sündopfer, wie der Apostel sagt, und „es ist unmöglich, diejenigen … wiederum zur Buße zu erneuern.” – Hebräer 6:4 und 6 – oder wiederherzustellen. Über ihren Weg steht geschrieben: „Es gibt Sünde zum Tode; nicht für diese sage ich, daß er bitten solle.” – 1. Johannes 5:16 Nicht für die „Bock”-Klasse hat der gute Hirte sein Leben gegeben und sucht sie in der Wüste, und auch nicht für die „Wölfe”, sondern allein für solche, in denen wenigstens etwas von den „Schafen” und ihrem Wesen steckt, trotz ihrer Degeneriertheit durch die Sünde. Adam war ein „Schaf”, oder, wie die Schrift sagt, ein „Sohn Gottes” – Lukas 3:38 -, und seine Übertretung geschah zwar unter gewissen Gesichtspunkten willentlich, doch wir haben keinen Grund anzunehmen, daß es mehr war als ein Abschweifen des „Schafes” von der Herde, hin zu eigenwilligem Tun; es bedeutete nicht eine Veränderung des Wesens von der Schafsnatur hin zu der eines Bockes oder eines Wolfs. Es bedeutete nicht, daß Adam lieber ein „Kind des Teufels” sein wollte.

Wenn Adam aus tiefstem Herzen wissentlich und mit Willen ein Feind Gottes und der Gerechtigkeit geworden wäre, dann können wir nicht davon ausgehen, daß der allweise Hirte Seinen Sohn ihm nachgeschickt hätte als einem „Schaf”. Es stimmt, viele von Adams Kindern haben nachweisbare Merkmale einer Bocksnatur erreicht, und sind, wie der Apostel sagt, Feinde Gottes „nach der Gesinnung in den bösen Werken”. – Kolosser 1:21 Dennoch, der Apostel erklärt auch, daß viele von Satan verführt worden sind, der Licht als Finsternis und Finsternis als Licht ausgibt und ihre Augen des Verständnisses täuscht. Er sagt, daß „der Gott dieser Welt den Sinn der Ungläubigen verblendet hat, damit ihnen nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums.” – 2. Korinther 4:4 Vielen Menschen, die, da sie sich mit dem Widersacher eingelassen haben, in vielerlei Hinsicht den Böcken ähnlich wurden, ist ein Rest Schafsnatur geblieben, die, einmal erleuchtet, sich durchsetzen und froh sein wird darüber, daß sie der gute Hirte gänzlich in Gottes Gunst und in die Herde wiederherstellen wird.

Im Rahmen dieser Deutung, die wir für die richtige und die einzig mit den verschiedenen Bestandteilen des Gleichnisses übereinstimmende halten, bemerken wir, daß Personen, die in den Zweiten Tod gehen, überhaupt nicht erwähnt werden. Sie existieren sozusagen nicht, soweit es um Gott und Seinen Plan geht, von dem Moment an, in dem sie ihre Natur als Schaf verlieren. Und das eine Schaf, das unser Herr während der Wiederherstellung und am Ende des Millenniums heilen und vollständig in die Herde Gottes zurückbringen wird, ist die Menschheitsfamilie, wie Gott sie ganz zu Anfang gedacht hat, das heißt der in Gottes Ebenbild geschaffene Mensch, der diese Ebenbildlichkeit nie völlig verloren hat, und in dem eben diese Eigenschaft im Millennium wieder belebt und wiederhergestellt wird. Das verlorene Schaf, das ursprünglich in Einem (Adam) vorhanden war, wird bei seiner Wiederherstellung von Milliarden der erlösten und geheilten Menschen repräsentiert.

Die verlorene Drachme

Das Gleichnis von der Frau, die ein Stück Silbergeld, das vermutlich als Hochzeitsgabe an einem Armband hing, verloren hatte und sich eifrig daranmachte es zu suchen, bis sie es gefunden hatte, ist eine weitere Darstellung des zuvor geschilderten Gedankens. Die Energie der Frau bei der Suche nach der verlorenen Drachme gebraucht der Herr als Illustration für die göttliche Energie für die verlorene Menschheit. Auch hier sehen wir, daß die Schrift das Wort „verloren” im Bezug auf den allerersten Verlust und durchaus nicht im Hinblick auf diejenigen, die im Zweiten Tod umkommen werden, gebraucht; sie kommen in den göttlichen Berechnungen nicht vor und sind es nicht wert erwähnt zu werden; Gott hat nicht die Absicht, diesen Personenkreis zu retten.

Das Geldstück aus Silber hatte nicht nur einen beträchtlichen Wert, sondern die Münzen sind gekennzeichnet durch ihre Prägung; üblicherweise findet sich darauf ein Bildnis oder ein Symbol. Das trifft auch auf die Söhne Gottes zu, auf Engel, Erzengel und wohl auf viele Arten von Geistwesen, die im Ebenbild Gottes gemacht sind. Eines dieser Geschöpfe war verloren, der Mensch, er war verloren, wurde gesucht und letztlich gefunden.

Die Häuser längst vergangener Zeiten, die hauptsächlich durch die Türöffnung Licht bekamen, und die gestampfte, mehr oder weniger schmutzige und schadhafte Fußböden hatten, verkörpern zutreffend den Zustand von Sünde und Verfall, in dem die Menschheit untergegangen war, wie wir ihn in Vater Adam vorfinden, der das Ebenbild Gottes trug, wie wir es in der verlorenen Drachme des Gleichnisses sehen. Dieses bildet nicht den Prozeß der Wiederherstellung ab, sondern nur den ursprünglichen Verlust und die dafür aufgewendete Energie. Das Anzünden der Lampe und das sorgfältige Suchen stehen für Gottes Handeln durch Jesus Christus, das am Ende des Millenniums abgeschlossen sein wird, wenn das, was verloren war und gesucht worden war, gänzlich zurückgewonnen sein wird.

Wenn die wiederhergestellte Menschheit am Ende des Millenniums zum Himmlischen Vater zurückkehrt, wird sie ebenso vollkommen in Seinem Ebenbild dastehen, wie es Vater Adam bei seiner Schöpfung war, und noch zusätzlich größere Erkenntnis und höhere Wertschätzung des Göttlichen, dessen Ebenbild sie trägt, gewonnen haben. Im Gleichnis bleibt auch das Anwachsen der Menschheitsfamilie unerwähnt, genauso wie jene Glieder von Adams Nachkommenschaft, die durch bewußt begangene Sünde (Personen, die die Sünde mehr lieben als die Gerechtigkeit) „aus dem Volke ausgerottet werden“ wird. -Apostelgeschichte 3:32 Sie haben in Gottes Augen keine Stellung; Er nimmt nur das Verlorene wahr, das letztlich durch Seinen treuen Stellvertreter, Christus, der sucht und findet, Ihm heil zurückgegeben wird.

Die hohe Zeit des Jubelschalls im Himmel und auf der Erde wird am Ende des Millenniums kommen, wenn alle Dinge im Himmel und auf Erden den rühmen, der auf dem Thron sitzt, und das Lamm. Für die Jetztzeit und sozusagen in der Vorausschau versichert uns der Herr, daß die himmlischen Heerscharen bei jedem Anzeichen für die Durchführung des großen Werkes und auch über jeden reuigen Sünder, der sich von seinem verderblichen Weg abwendet, jubeln. Und so wie sich die Engel im Himmel freuen, so werden sich entsprechend ihrem Maß an Harmonie mit Gott und den Himmlischen all diejenigen auf der Erde freuen über die Errettung ihrer Mitmenschen, die herausfinden aus den Fallstricken von Sünde und Satan.

Dieser Gedanke sollte insbesondere den Pharisäern nahegebracht werden, daß sie nämlich, anstatt sich fernzuhalten und sich angegriffen zu fühlen von Leuten, die freudig Jesus zuhören, froh sein sollten über jedes Anzeichen von innerer Umkehr und Besserung – vorausgesetzt sie seien in Harmonie mit Gott und den Geistwesen im Himmel. Sie sollten froh sein, die Leute beim Erreichen dieser Hamonie zu unterstützen, solche, die nach den Worten des Apostels „Gott suchen, ob sie ihn wohl tastend fühlen und finden möchten.” – Apostelgeschichte 17:27

So sollte die Einstellung aller von Gottes Volk heute sein: Wenn sie nicht von Herzen dieses Bedürfnis haben, sind sie in der Gefahr, sich vom Geist des Herrn abzuwenden. Und wenn jemand bestrebt ist, mit liebevoller Anteilnahme andere von der Sünde abzubringen und ihnen behilflich zu sein, in die Übereinstimmung mit Gott zurückzukehren, dann beweist er seine Gott wohlgefällige Herzensstellung; er leistet auch Hilfestellung für sie und tut das Seine dazu, die Wege für ihre Füße gerade zu machen, damit sie, unter der Fürsorge des Hirten, letztlich sicher die Herde erreichen.

Daher werden alle von des Herrn geliebtem Volk, die er schon gefunden hat und die seine Fürsorge und Hilfestellung zurück zu Gott angenommen haben, mehr und mehr den Geist des Mitgefühls für andere und der Mitarbeit an dem vom guten Hirten begonnenen Werk pflegen. Sie kümmern sich nicht um die Menschheit im allgemeinen, sondern leisten insbesondere denen Hilfe, die der Herr im jetztigen Zeitalter auswählt als die „Erstlingsfrüchte” seines Werkes und seines Sieges. Dabei richten sie einander auf in ihrem allerheiligsten Glauben und machen sich gegenseitig Mut; sie helfen einander beim Anlegen des Hochzeitskleides, um bereit zu sein für das Erbe der Heiligen im Licht als Miterben im Reich Gottes. – 1. Thessalonicher 5:11, Judas 20, Kolosser 1:12 und Römer 8:17