Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Sünde und Krankheit hängen zusammen

„Auf daß ihr aber wisset, daß der Sohn des Menschen Gewalt hat, auf der Erde Sünden zu vergeben.“ -Matthäus 9:6

Jesus verließ das Land der Gergesener auf deren Bitten hin, denn sie befürchteten, daß durch noch mehr Heilungen auch andere Schweineherden, ihre Haupteinnahmequelle, vernichtet würden. Mit dem Schiff setzte er in seine Stadt Kapernaum über, wo er den Großteil seiner Wunderwerke vollbrachte. Die Leute strömten in Scharen dorthin, und bald predigte er in einem Haus voller Leute über die Liebe und Güte Gottes und über die Pflicht und die Verantwortung des Menschen. Es war ein gewöhnliches einstöckiges Haus, dessen flaches Dach mit breiten Pfannen gedeckt war, das man über eine Außentreppe begehen konnte. Bei dieser Gelegenheit wurde ein von Geburt an Lahmer auf einer Tragbahre von seinen Freunden hergebracht, um geheilt zu werden. Wegen der Masse Leute sogar noch im Hof konnten sie das Haus nicht betreten. Ihr Anliegen war aber so ernsthaft, daß sie die Treppe hinaufstiegen, die Dachpfannen in der Mitte des Hauses abdeckten und den Mann auf der Tragbahre direkt vor dem Heiland niederließen. Erklärungen oder flehentliche Bitten waren nicht nötig, und das mitfühlende Herz des großen Arztes wurde sehr bewegt. Er erkannte ihren Glauben und ihr Flehen und antwortete sofort darauf, aber nicht, wie man es hätte erwarten können.

Mit dem Ziel, eine wichtige Lehre über den Zusammenhang von Sünde und Krankheit mitzuteilen, und um seine Macht zu erweisen, indem er beides heilte, sagte er zu dem Kranken: „Sei guten Mutes, Kind, deine Sünden sind vergeben.” Vielleicht waren der Gelähmte und seine Freunde nun enttäuscht. So wie viele Leute unserer Tage haben sie vielleicht die Brote und die Fische und die Heilungen, die unser Herr für sie wirkte, höher geschätzt, als daß sie fähig gewesen wären, sein Werk als Erlöser und Träger ihrer Sünden wertzuschätzen, als in ihm den zu sehen, durch den die Vergebung der Sünden kam.

Unter den Anwesenden jedoch waren auch einige sehr religiöse und im Gesetz bewanderte Leute, die wußten, daß Übertretung von Gottes Gesetz nur durch strikte Befolgung dieses Gesetzes vergeben werden konnte. Diese Männer murrten innerlich. Jesus wußte das und sagte für alle hörbar: „… was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und wandle?” So überzeugte er sie, daß das, was sie für das Schwierigere gehalten haben, in Wirklichkeit einfacher war, und daß jemand, der das zweite sagen konnte, zweifellos wahrheitsgemäß den ersten Satz sagen konnte. Dann wandte sich Jesus dem Kranken zu und sagte: „Stehe auf, nimm dein Bett auf und geh nach deinem Hause.” – und das geschah.

Bei einer sehr ähnlichen Gelegenheit, wie wir in der Schrift lesen, sagte unser Herr zu dem Geheilten: „Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, auf daß dir nichts Ärgeres widerfahre.” – Johannes 5:14 Mit diesen Worten drückt der Herr den Zusammenhang aus, der zwischen Sünde und Krankheit besteht. Je genauer wir diesen Gedanken betrachten, desto mehr überzeugt er uns. Krankheit ist ein Bestandteil des Todes; sie wirkt in uns bis zum Ende. Vor dem Todesurteil gab es keine Krankheit. Später, im Millennium, wird unser Erlöser die Sünde wegnehmen; da wird mit Gewißheit die Zeit kommen, wo es heißt: „der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein.” – Offenbarung 21:4 Sehen wir nicht auch noch, daß das Sterben, das wir von Vater Adam geerbt haben, uns all die Jahrhunderte hindurch in Form von geistiger, moralischer und körperlicher Krankheit und eingeschränkten Körper- und Geisteskräften betroffen hat? Und merkt nicht jeder, daß überall da, wo in unterschiedlichem Ausmaß und bewußt der Sünde gefrönt wird, die Folge geistiger Verfall und auch ein Mehr an Schwachheit, Krankheit und Tod im Menschen wirkt?

Die Juden standen unter ihrem Gesetzesbund mit der Maßgabe tu es und lebe. Daraus ergab sich, daß bei ihnen je nach Vergebung der Sünden die Befreiung von den Übeln der Sünde erfolgten sollte, und zwar unter dem neuen Bund im Millennium. – Jeremia 31:31 Wenn – nach dem Gegenbild – der verherrlichte Christus am Ende dieses Zeitalters das Verdienst seines Nebenopfers auf den Gnadenstuhl sprengen wird, wird dies nicht wie vorher für die Kirche geschehen, sondern für die Welt, „für das ganze Volk”. – 3. Mose 16:33 Für die Kirche im Evangeliumszeitalter hat Gott einen anderen Plan. Sie ist unter dem Abrahamischen Bund angenommen worden, und die Vergebung ihrer Sünden ist an ihr Weihegelübde geknüpft; dabei opfern sie ihr irdisches Leben und dessen Interessen, um Leben auf geistiger Stufe und Miterbschaft mit ihrem Erlöser in seinem Reich zu bekommen. Daher bedeutet Sündenvergebung für die Kirche nicht Befreiung von körperlichen Gebrechen.

Kurz nach der geschilderten Begebenheit wurde Matthäus, alias Levi, berufen, einer der zwölf Apostel zu werden. Er war von Beruf Zöllner, also ein Steuereinnehmer für das römische Reich. Zöllner waren aus zwei Gründen verachtet:

  1. Es galt als sehr unehrenhaft, wenn man einer fremden Regierung half, Steuern von Freunden und Verwandten einzuheben.
  2. Viele unter diesen Zöllnern waren Gauner und nutzten ihre Stellung aus, um für sich durch Übertaxierung und Bestechung und Ähnliches Reichtum anzuhäufen.

Wir dürfen davon ausgehen, daß Matthäus / Levi nicht zu diesen unehrenhaften Leuten gehört hat, sonst wäre er nicht berufen worden, Gefährte des Messias zu werden als einer seiner Apostel und zukünftigen Miterben in seinem Reich. Für solch eine Stellung ist der höchste Grad an Ehrbarkeit unerläßlich. Und Jesus hätte niemals einen unehrlichen Menschen berufen, und ein Unehrlicher hätte den Ruf auch nicht angenommen, denn es gab nichts zu gewinnen, weder Ansehen noch Lohn, noch verbrecherische Taten. Auch Zachäus war ein ehrlicher Zöllner, der gelobte, jedem vierfach zu vergelten, den er etwa falsch taxiert hat, und der damit bezeugte, daß er alles andere als unehrenhaft war.

Andere Schriftstellen deuten an, daß Matthäus sogleich zu einem Abendessen für seine Freunde und Bekannten einlud, wo er ihnen die Gelegenheit gab, den Herrn kennenzulernen, der ebenfalls sein Gast war. Aber die Pharisäer, wie gewohnt zynisch, kritisch und auf Fehler anderer aus, bemängelten, daß Jesus sich nicht in solche Gesellschaft begeben hätte, wenn er gerecht wäre. Unser Herr jedoch parierte ihre Worte und sagte, daß nicht die Gesunden, sondern die Kranken den Arzt brauchen, womit er andeutet, daß er sich aus diesem Grund unter Sündern aufhielt: um ihnen Gutes zu tun. Er stieg nicht irgendwie hinab zur Sünde, sondern war bemüht, Sünder hinaufzuziehen. Dann zitierte er – unfehlbar – die Worte des Propheten Hosea: „Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer.” – Hosea 6:6 -, und unterstrich, daß er nicht gekommen ist, die Gerechten zu sich zu rufen, sondern die Sünder.

Halten wir die Lehre daraus fest, für uns und für andere: „Da ist kein Gerechter, auch nicht einer.” – Römer 3:10 Alle sind Sünder. Niemand erreicht Gottes Vorgabe für Vollkommenheit. Wer daher behauptet, gerecht zu sein und aufgrund dieser Einschätzung den Erlöser ablehnt, der ist ein Heuchler, und seine innere Einstellung ist falsch; er ist nicht geeignet, auch nur eine der Segnungen zu empfangen, die Gott jetzt bereithält.

Gott beruft niemand, Nachfolger Jesu zu werden, wenn er nicht anerkennt, daß er wie alle Menschen ein Kind des Zorns ist, und daß er zuerst die Vergebung der Sünden durch Christi teures Blut nötig hat.

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