Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Seligkeit ist mehr wert als Glück

„Glückselig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.” – Matthäus 5:8

Mit Glück beschreibt man die Stimmung der Freude, die Menschen von Zeit zu Zeit haben, Seligkeit aber kommt aus jener dauernden Freude und dem Trost, wenn ein Mensch sein Wesen auf Übereinstimmung mit Gott ausrichtet. In der Welt sind die Menschen manchmal glücklich, manchmal niedergeschlagen, traurig und beunruhigt. Aber wer ein Nachfolger des Herrn und Schüler in Christi Schule wird und von ihm unterrichtet wird, für den gibt es den Frieden Gottes, der allen Verstand übersteigt und das Herz leitet. Er bringt Trost und Ruhe selbst unter den widrigsten äußeren Umständen. Die nachstehende Lektion beschreibt den Herzenszustand, der notwendig ist, um den Frieden Gottes zu erlangen. So wie wir uns die rechte Auffassung aneignen und dann daran arbeiten, dieses Ideal zu erreichen, genau so bewegt sich das Maß oder der Fortschritt der Seligkeit, die in unser Herz und unser Leben kommt, dort die Leitung übernimmt und uns in der Liebe Gottes erhält.

Unser Herr und seine Jünger standen während der ’Seligpreisungen’ wohl erhöht, und eine Volksmenge kam und hörte der Botschaft des großen Lehrers zu, in der es um jenes so lange erwartete Königreich ging, von dem er sagte, es stehe nahe bevor. Durch seine Wunder war er beglaubigt als jemand, der in göttlicher Autorität und Lehrbefugnis sprach, und das zog die Leute an. „Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch.” – Johannes 7:46 Wie die Volksmenge sich um ihn scharte, ging Jesus an eine erhöhte Stelle, von der aus er besser gesehen und gehört werden konnte. Vermutlich hat er sich hingesetzt, und die Leute taten desgleichen.

Die Predigt richtete sich in erster Linie an die Umstehenden, seine Jünger, und die Menge warteten auf erklärende Gedanken in seiner Ansprache. Es muß den Zuhörern seltsam vorgekommen sein, daß unser Herr nicht mehr über das Königreich an sich sagte und ausführte, wann und wie es errichtet werden würde. Aber er wußte, daß er zuerst für den Loskauf der Menschheit leiden mußte, bevor sein Reich aufgerichtet würde und der Wille Gottes auf Erden geschieht, wie er im Himmel geschieht. Er wußte auch, daß zuerst auch das vorbereitende Werk für sein Reich, die Berufung der Kirche, der Auserwählten, seiner Braut und Miterben erfolgen mußte. Seine Predigt war daher so angelegt, daß sich die Zuhörer in zwei Gruppen aufteilten: In die Enttäuschten, die sich mehr für die Herrlichkeiten, Ehren und hohen Stellungen des erhofften Königreichs interessierten, als für die Herzensstellung, die für einen Platz dort notwendig war. Vielleicht sind solche Zuhörer dann weggegangen in dem Gedanken, daß Jesus zweifellos ein großer Lehrer war für Leute, die diese Art von Auffassung mochten; sie selbst fanden wohl diese Gedanken sehr trocken und unbefriedigend.

Die zweite – angenommene – Gruppe, die vielleicht auch enttäuscht war über die Art der Predigt, fand daran etwas, das ihre Sehnsucht wie nichts anderes stillte, sie fand Nahrung, Trost, Auferbauung. Das ist auch heute der Fall: Mancher hört der frohen Botschaft großer Freude mit Interesse zu und beschränkt sich auf die Aussagen, die die Wiederherstellung betreffen. Er freut sich über die Information, daß es in Gottes Plan keine ewige Qual gibt, sondern daß stattdessen Zeiten der Erquickung auf die Menschheit zukommen und Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von denen die Propheten seit Anbeginn der Welt geredet haben. – Apostelgeschichte 3:19 – 21 Aber alles, was darüber hinausgeht, alles Ansprechen von Weihung und die Erklärungen zum Leben als Nachfolger und die Beschreibung der Merkmale, die jemand für Christi Reich tauglich machen, scheinen ihnen ermüdend und nicht verlockend. So scheidet die Wahrheit die Geister.

Die Armen im Geiste

Die Botschaft dieses großen Lehrers unterschied sich von allen anderen, und sie war gerade für die Bescheidenen, die einfachen Leute attraktiv. Wo andere gesagt hätten: Glückselig sind die Reichen, die Gebildeten, die Ausgezeichneten, die führenden Köpfe, da drehte dieser Lehrer die Dinge um und sagte: „Glückselig sind die Armen im Geiste”, gesegnet sind die Leute, die nicht von sich überzeugt sind, die nicht hoch von sich denken, die sich ihrer Kleinheit und Unvollkommenheit bewußt sind. Merkwürdig! Wie können die glückselig sein? Jeder weiß, daß die Welt keine hohe Meinung von Leuten hat, die in ihrer eigenen Einschätzung nicht gut dastehen; solche Leute bringen die Menschheit nicht voran. Stimmt. Aber, sagt der Meister, ihre Glückseligkeit besteht darin, daß sie seinem Reich angehören, daß aus ihnen die Klasse für das Reich der Himmel ausgewählt wird.

Selbstvertrauen, Selbstachtung kann jemand einen hohen und ehrenvollen Platz im jetzigen Zeitlauf einbringen; das ist aber beim Herrn nicht angesehen. Und die Menschen, die dieser Haltung anhängen, werden für die Prüfungen und Anforderungen, die der Herr bei der Auswahl der Erben seines Reiches, seiner Miterben, verlangen wird, schlecht vorbereitet sein. Ja, wahrlich, Glückseligkeit und Gnade sind eng verbunden mit der Eigenschaft, in der Selbstwahrnehmung klein zu sein: Sie bewahrt vor manchem falschen Schritt, der durch Ichbezogenheit entstehen könnte. Wer danach strebt, den Anweisungen des großen Lehrers zu folgen, wer von Haus aus arm im Geiste, demütig, ohne großes Selbstvertrauen ist, wird anderen gegenüber sehr im Vorteil sein, was diesen Wesenszug anbelangt. Und wer nun nicht von Haus aus demütig ist, sollte den Angaben des Meisters Folge leisten und sich der mächtigen Hand Gottes unterwerfen, um zu gegebener Zeit erhöht zu werden. – 1. Petrus 5:6 Die Nachfolger des Herrn sollten sich immer in Bescheidenheit üben und vor Stolz, Überheblichkeit usw. auf der Hut sein. Wenigstens durch die Aussage des Apostels und die Autorität des Herrn sollten sie wissen, daß Gott den Hochmütigen widersteht, Gnade aber den Demütigen, den Armen im Geiste gibt, so daß nur diese zusammen mit dem Herrn das Reich ererben. – 1. Petrus 5:5 und Jakobus 4:6

Segen und Trost für Trauernde

Und wieder kommt es uns seltsam vor und anders als man denken sollte, wenn es heißt: „Glückselig die Trauernden”. Allgemein denkt man dabei, daß man Trauernden besondere Anteilnahme entgegenbringen muß. Welcher Gedanke liegt nun der Aussage des Herrn zugrunde, daß jemand, der trauert, glückselig ist? Wir können nicht annehmen, daß im Himmel Trauer herrscht, sondern wir müssen davon ausgehen, daß dort Glück und Seligkeit herrschen. Daher wird die Glückseligkeit des Trauernden irgendwie durch unseren gegenwärtigen unvollkommenen, sündigen Stand und ebensolcher Zustände auf der Erde bedingt sein. Die Sünde ist in der Welt, und der Tod, der Lohn der Sünde, wird von der ganzen Menschheitsfamilie bezahlt. Darum dringen in jedes Haus Enttäuschung, Sorgen und Kummer ein. Wo diese wahrgenommen werden, da ist unweigerlich Trauer. Die Welt ist krank und liegt im Sterben; mit ihren Milliarden von Toten und weiteren Milliarden von vor Sorgen, Schmerzen und Hoffnungslosigkeit Sterbenden ist ein Fröhlicher zwangsläufig ein Fremdkörper. Wer anders als ein Irrer könnte im Schatten dieses Beinhauses fröhlich sein! Wer unter solchen Umständen fröhlich ist, dessen Herzens- und Verstandeszustand ist so verrückt, daß er strenge disziplinarische Maßnahmen braucht (die im übrigen im Millennium der Mehrheit der Menschen bevorstehen), um ihn zum rechten Gebrauch seiner fünf Sinne zurückzuführen.

Wer aber trauert, weil er sich seiner Unvollkommenheit und seiner gefallenen Natur bewußt ist, und wer trauert aus Mitgefühl mit der armen seufzenden Schöpfung, der ist verhältnismäßig im Vorteil wegen seiner gesünderen Einstellung. Und er wird auch bereitwilliger das Evangelium aufnehmen, das die herrlichen Segnungen ankündigt, die durch Jesu Loskauf und durch sein Reich kommen werden, das wie die aufgehende Sonne Gerechtigkeit, Gesundheit, Heilung, Leben und Trost allen Geschlechtern der Erde bringen wird. Glückselig sind diese Trauernden jetzt, denn sie sind in einer weitaus günstigeren Verfassung, die Stimme dessen zu hören, der aus dem Himmel spricht, der Frieden verkündigt durch unseren Herrn Jesus Christus. Sie sollen getröstet werden. Ihr Trost kommt nicht erst, wenn das neue Zeitalter gänzlich angebrochen ist und die Segnungen der Wiederherstellung erfolgen: Ihr Trost beginnt sofort, denn die Trauer bringt ihre innere Bereitschaft mit sich, ein offenes Ohr für die Gnade des Herrn zu haben. Daher werden diese Menschen gerne von der Gnadenfülle und liebevollen Zuwendung durch Jesus anderen mitteilen. Sie haben so durch den Heiligen Geist die wunderbare Möglichkeit, den Frieden Gottes, der allen Verstand übersteigt, im jetzigen sowie im zukünftigen Zeitlauf zu bekommen. Sorgen gehen oft einher mit Sünde und Unvollkommenheit. Es ist richtig, wenn wir uns unseres gefallenen Zustandes bewußt sind, und wir sollten ihn bedauern; aber diese Sorgen können unmittelbar durch die Erkenntnis des gewaltigen Erlösungsopfers und dadurch geheilt werden, daß uns erlaubt wird, daran Anteil zu haben. Es gibt aber noch andere Sorgen oder eine andere Art der Trauer, die nicht in der Sünde, sondern im Mitleiden begründet ist. Unser Herr, der abgesondert war von den Sündern, trauerte so. Diese Trauer aus dem Mitleiden ließ den Herrn am Grab von Lazarus Tränen vergießen, und über sein Mitempfinden steht geschrieben: „… ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut.” – Jesaja 53:3

In unserem unvollkommenen, gefallenen Zustand wird es uns, auch wenn wir uns völlig und von ganzem Herzen dem Herrn geweiht haben und von Seinem Geist erfüllt sind, nicht möglich sein, so ungeteilt Mitgefühl mit andern zu haben wie unser Meister; wir sollen aber diesen Geist des Mitempfindens pflegen, der Teil des Geistes der Liebe ist. Je mehr wir in der Gnade und der Wesensähnlichkeit mit unserem Lehrer wachsen, desto mehr werden wir uns von dieser Regung aneignen und desto mehr werden uns Sorgen und Trauer zu Herzen gehen. Andererseits jedoch, je mehr Anteil uns an diesem Heiligen Geist zuwächst, desto größer werden unser innerer Friede, die Freude im Herrn und unser Jubel sein, weil wir durch diese wunderbaren Dinge immer mehr die Entfaltung des großen Heilsplanes wahrnehmen dürfen, unter dem alle Trauernden in Zion getröstet werden sollen. So sollten die Christen, die in ihrer Entwicklung am weitesten sind und die die tiefste und heiligste Freude haben, auch das tiefste Mitleid mit den Trauernden und Sorgenbeladenen empfinden. Wir sehen daher, daß derjenige unter den Geweihten dem Vorbild unseres Herrn und Lehrers, des Vollkommenen, am nächsten kommt, der gründliche Erfahrungen in der Schule der Sorgen und der Trauer hat und in dessen Herz und Wesen nachhaltige Lektionen und Merkmale des Fortschritts eingraviert sind.

Das Wort ’Trost’ enthält nicht unbedingt den Gedanken von Hilfe, sondern den von gemeinsam aufgewendeter Kraft oder zugeflossener Stärke. Anders ausgedrückt, der Herr beabsichtigt nicht, uns jene edle Regung des Mitgefühls, die uns in der Schule der Erfahrung zugewachsen ist, wegzunehmen, sondern er bietet jedem, der ein wahrer Nachfolger werden will, an, getröstet und gestärkt zu werden, ihn durch seinen Segen zum Ausharren zu kräftigen, und diese Zuwendung wird ihm zum Gegengewicht für seine Trauer und seine Schwierigkeiten. Dazu bedient sich der Herr der Verheißungen seines Wortes und der wunderbaren uns vorgestellten Hoffnung und auch der lebendigen Briefe der Glieder des Haushalts des Glaubens. Halten wir fest, wie uns der Apostel diese Tatsache ins Gedächtnis zurückruft – vergleiche 2. Korinther 1:4 -, wo er mehrere Male den Gedanken wiederholt, daß wir einander trösten sollen mit dem Trost, den schon der Herr uns hat zuteil werden lassen. Was für ein Vorrecht, nicht nur vom Herrn durch sein Wort getröstet zu werden, sondern auch von ihm gebraucht zu werden als Werkzeuge, um einer den andern zu trösten, zu stärken, aufzuerbauen in dieser Zeit des Trauerns, wo der eine mehr, der andere weniger Schwachheiten und Unzulänglichkeiten in sich trägt, die für ihn selbst und für andere Anlaß zur Trauer sind! Glückselig der, der, selbst getröstet, vom Herrn gebraucht wird, andern Gliedern seines Leibes Trost zu spenden.

Glückselig die Sanftmütigen

Die Armen im Geiste oder die demütig Gesinnten, die nicht groß von sich denken, sind zweifellos die selben wie die Sanftmütigen, die Milden. Wörterbücher definieren das Wort als ’selbstbeherrscht und sanft; nicht leicht reizbar oder aufgeregt; nachsichtig bei Angriff oder Belästigung’; oder für Sanftmut: ’Unterwerfung unter den Willen Gottes; Geduld und Sanftmut aus moralischen und geistlichen Beweggründen’. Wenn wir in der Welt um uns schauen und die Sanftmütigen sehen, stellen wir fest, daß sie keineswegs reicher sind als andere, und wir könnten uns über das Wort unseres Herrn, daß diese „das Land ererben” werden, wundern, und es erschiene uns ziemlich daneben, wenn uns nicht bewußt wäre, daß er sich auf Segnungen jenseits dieses Zeitlaufs bezieht. Die Millionäre dieser Welt, die den Großteil des Landes und viele Reichtümer besitzen, denen ganze Täler und Höhenzüge gehören, werden sehr selten zu den Sanftmütigen gerechnet. Und daher fällt uns auf, daß der Herr nicht gesagt hat: glückselig die Sanftmütigen, denn sie besitzen die Erde, sondern: sie werden die Erde besitzen.

Wann, Herr?

Wenn Gottes Reich kommt und Sein Wille auf Erden geschieht, wie es im Himmel der Fall ist – dann werden die Sanftmütigen die Erde besitzen. Wenn wir daher beobachten, daß die Rücksichtslosen, die Ungerechten, die Selbstbewußten sich jetzt die Fülle der Erde aneignen, und wenn wir uns aufgrund unserer Sanftmut weggedrängt sehen, dann trifft das Wort des Herrn auf uns zu, daß wir uns nämlich als glückselig betrachten dürfen. Wir wollen diese Eigenschaft der Sanftmut zunehmend mehr pflegen und sie keinesfalls gegen Arroganz, Überzeugtsein von sich oder Unversöhnlichkeit eintauschen, um Ansehen in der Welt, einen Namen und Reichtümer zu bekommen. Besser beschränken wir uns darauf, die Einstellung zu pflegen, die der Herr, wie wir wissen, gutheißt und auf die Zeit zu warten, in der jene Klasse die Erde erbt. Wir verstehen, daß unter diesem Erbe in Aussicht gestellt wird, daß die Erde dann unter den von Gott eingerichteten Vorgaben und Bedingungen im Millennium der Menschheitsfamilie geschenkt wird. Dann werden die Sanftmütigen der wiederhergestellten Menschheit die Erde erben; sie werden überall Vorteile haben, und vielleicht werden dann alle, die nicht sanftmütig sind, letztlich im zweiten Tod ausgelöscht, aus dem Volke ausgerottet.

In gewissem Umfang erleben die Sanftmütigen unter Gottes Volk schon jetzt die Erfüllung dieser Verheißung, wie es der Apostel ausdrückt: „… alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.” . 1. Korinther 3:22 und 23 Sie haben mehr Freude an der Erde als die anderen; während die Welt sich darauf stürzt, freuen sich die Nachfolger. Der Apostel drückt es so aus: „… Hoffnung zu setzen … auf Gott, der uns alles reichlich darreicht zum Genuß.” – 1. Timotheus 6:17 Frei vom Geist der Habgier können wir durch die Straßen laufen und die reichhaltigen Auslagen der Geschäfte anschauen ohne Begehrlichkeit, ohne den Wunsch, die verschiedenen schönen und kunstvollen Dinge in unserer Hand und in unserem Besitz zu haben. Unsere Augen können sich an ihnen freuen, und wir müssen uns keine Sorgen um sie machen, wissend, daß alle unsere Talente dem Herrn und seinem Dienst geweiht sind, und daß wir Wichtigeres zu tun haben als uns um kostbare Gegenstände und Kunstwerke zu kümmern.

Glückselig, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten

Hier spricht der Herr die beiden stärksten Triebe des Menschen an. Was lassen uns nicht Hunger und Durst alles tun! Dem vergleichbar wohnt in manchen der Herzens-Hunger und -Durst nach dem, was recht ist, nach dem, was wahr ist. Die meisten Leute haben wohl diesen Hunger der Seele nicht: tatsächliches Essen und Trinken ist ihnen vor allem anderen wichtig. Doch nicht alle sind so; und für die, die diesen Hunger der Seele haben, gibt es nach Jesu Worten eine besondere Segnung: „Sie werden gesättigt werden”, ihr Hunger wird gestillt.

In dieser Verheißung steht nichts von einer wundersamen Sättigung, sondern der in diesem Bild enthaltene Gedanke ist der, daß diese Menschen, die hungrig und durstig sind, ihre Zeit, ihr Wissen und eventuell sich ergebende Gelegenheiten nützen, um das Brot des ewigen Lebens zu suchen, das sättigt, und das Wasser des Lebens, das zuverlässig den Durst stillt. Und in dem Maß des Suchens, des Findens und der Anwendung dieser Dinge wird der Segen ausfallen. Wir haben die Zusicherung des Herrn für Segen für jeden, der in der Herzensstellung ist, die von ihm angebotene Erfrischung zu suchen und zu benutzen.

Die Gerechtigkeit wird hier hergenommen, um in jeder Angelegenheit zu richten – durch die Wahrheit. Gott ist der allein gültige Maßstab für Gerechtigkeit, und diesen teilt Er durch sein Wort mit, durch Seine überaus großen und herrlichen Verheißungen, die uns durch Jesus und seine Apostel mitgeteilt wurden. Die meisten Leute kümmern sich um die Nahrung, die vergeht, denken wenig an die Wahrheit und bekommen davon wenig. Die wenigen, die nach ihr hungern und dürsten, werden durch sie gesättigt, erfrischt, geheiligt, und in Wort, Tat und Gedanken werden sie ausgerüstet und vorbereitet für immer noch mehr Segnungen zu Gottes gegebener Zeit, zur Teilhabe mit ihrem Erlöser an seinem Reich und zum Anteil mit ihm am Werk der Segnung und der Aufrichtung der Menschheit.

Glückselig die Barmherzigen

Gnade bzw. Erbarmen ist der Liebe ähnlich; und genauso wie der Sündenfall die Liebe aus den Herzen getilgt hat, besteht auch ein Mangel an Erbarmen. Natürlich können wir nicht immer nach dem äußeren Auftreten eines Menschen urteilen, denn es gibt äußerliche Ausdrucksformen von Liebe, die ohne Herz sind; gelegentlich wird Barmherzigkeit ohne den echten Geist des zugrundeliegenden Erbarmens erwiesen. Wir könnten sagen, hier wird nach einem Grundsatz gehandelt, ohne daß man diesem Grundsatz innerlich zustimmt. Ein aufrichtiger Christ bemerkt in der Schule Christi nicht nur seine Unvollkommenheiten und daß für ihn Gottes Erbarmen unerläßlich ist, sondern, da er diese Barmherzigkeit erfahren hat und in die Schule Christi eingetreten ist, wird eine der wichtigsten Lektionen für ihn darin bestehen, ähnliches Erbarmen anderen zuteil werden zu lassen. Dazu sagt der Apostel: „Die Barmherzigkeit rühmt sich wider das Gericht” – gegen die Anwendung der Gerechtigkeit. – Jakobus 2:13 Es ist befremdlich zu beobachten, daß Leute, die Barmherzigkeit am meisten für die eigene Person nötig haben, am wenigsten bereit sind, sie bei einem Fehlverhalten anderer denen zukommen zu lassen.

Die Menschen wiederum, die im Geist des Herrn wachsen, werden dem entsprechend barmherziger und mitfühlender. Der eine aus dem Volk des Herrn hat in dieser Hinsicht einen schwereren Zugang zu dieser Qualität als ein anderer und wird im Vergleich zu seinen Bemühungen weniger Fortschritte aufzuweisen haben. Aber jeder sollte im Gedächtnis behalten, daß es für jemand, der selbst des göttlichen Erbarmens bedarf, sehr unpassend ist, es in seinen Forderungen nach Gerechtigkeit und seiner Verweigerung von Barmherzigkeit andern gegenüber peinlich genau zu nehmen. Und nicht nur das – dieser Lektion, die der Herr so oft betont hat, verlieh er besonderen Nachdruck, als er sagte: Wenn ihr nicht aus ganzem Herzen denen vergebt, die schlecht gegen auch gehandelt haben, dann wird auch der himmlische Vater eure Verfehlungen nicht vergeben. Damit drückt er aus, daß wir mehr als nur formales Erbarmen, mehr als äußerliche Vergebung und Versöhnung üben sollen, nein, dies muß aufrichtig und von Herzen getan werden. Da wir nun alle erkennen, daß wir Gottes Barmherzigkeit durch Jesus nötig haben, so wollen wir anderen gegenüber barmherzig sein, besonders den Geschwistern und all solchen gegenüber, die irgendwie ihre Sehnsucht nach Gerechtigkeit offenbaren.

Glückselig, die reinen Herzens sind

Das Wort ’rein’ ist leicht verständlich: aufrichtig, ohne Falschheit, unbefleckt. Kein Glied der Menschheitsfamilie ist von Natur aus so. Das Gegenteil ist der Fall. Die Schrift versichert uns, daß das Herz des natürlichen Menschen außerordentlich falsch und zum Verzweifeln bösartig ist. – Jeremia 17:9 In dieser Schriftstelle wie auch im allgemeinen Gebrauch wird ’Herz’ nicht als Bezeichnung für eines der Organe des menschlichen Körpers verwendet, sondern um die Gedanken, den Willen, die Absichten einer Person zu umschreiben. Bei seiner Erschaffung war der Mensch Gottes Ebenbild und war daher reinen Herzens, aufrichtig, ehrbar, treu, vollkommen in seinem Bestreben. Aber durch den Ungehorsam haben sich Sünde und Selbstsucht in seinem Herzen und Willen breitgemacht, und die Gott ebenbildlichen ursprünglichen Eigenschaften sind in erheblichem Maß ausgelöscht worden. Wer nun Glied des Volkes des Herr geworden ist, von dem heißt es, er habe ein neues Herz bekommen, einen neuen Willen, neues Streben, neue Wünsche. Da wo die Verwandlung von der Sünde zur Gerechtigkeit völlig ist, heißt es daher richtig: „… das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden.” – 2. Korinther 5:17

Um so einen grundlegenden Wandel des Willens, der Absichten zu bewirken, ist eine einflußreiche Macht nötig. Das kann die Furcht oder die Liebe sein; wir wissen aber, daß das Produkt der Furcht unvollkommen ist, und daß nur die Liebe dauerhafte, vollkommene und erfreuliche Verhältnisse schafft. Die Furcht kann am Anfang der Umkehr stehen, doch sie kann gewiß nicht die Verwandlung eines Herzens zur Vollendung führen. In diesem Sinn sagt die Schrift: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein.” – 1. Johannes 4:18 Der Friede Gottes kann nicht in einem kummervollen Herzen herrschen. So bietet uns die Schrift die Verwandlung des Herzens an, die sich aus der Erkenntnis Gottes und der Liebe zu Ihm ergibt; es heißt ja: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen.” – Markus 12:30

Die Worte unseres Herrn deuten an, daß es verschiedene Grade der Unreinheit des Herzens gibt, und das ist es auch, was wir sehen: Es gibt Menschen, deren Herz richtig schwarz ist, richtig teuflisch; bei anderen ist es düster, grau oder gesprenkelt. Doch der Herr wählt die Art von Herzen aus, die dem Vater willkommen sein können, die Menschen ’reinen Herzens’. Wir können alle Zeugnis davon ablegen, daß Reinheit des Herzens, der Absicht, der Beweggründe, der Wünsche von sehr vielen unserer Freunde und Nachbarn aus der Namenchristenheit nicht beansprucht werden kann, und daß dieser Mangel in der heidnischen Welt relativ noch größer ist. Die Andeutung in unserem Leittext kann so verstanden werden, daß allein der, der Reinheit des Herzens erreicht, hoffen kann Gott zu sehen, Seiner Liebe teilhaftig zu werden.

Doch damit nicht jemand entmutigt wird durch die Annahme, daß Reinheit das Herzens absolute Vollkommenheit in Gedanken, Worten und Taten bedeutet, soll doch der Gedanke dahingehend richtiggestellt werden und darauf hingewiesen werden, daß Worte und Verhalten nicht immer der Absicht entsprechen. Das Rechte zu wollen, das Vollkommene zu wollen, reinen Herzens zu sein ist durchaus möglich und notwendig bei solchen, die sich um Gottes Wohlgefallen bemühen, doch dies gänzlich zu verwirklichen, übersteigt die Fähigkeiten auch des ernstesten Nachfolgers. Der neue Wille, das neue Herz muß sich durch den alten Körper ausdrücken, dessen Handlungstendenz ständig dem neuen Willen widerstrebt, was andauernden Kampf nach sich zieht. Solange wir nun im Fleische sind, solange wir in der unvollkommenen Struktur unserer gefallenen Natur denken, sprechen und handeln müssen, so lange brauchen wir das Verdienst Christi, um beständig deren Befleckungen zuzudecken. Dies ist unerläßlich, damit der neue Wille, das neue Herz und nicht das Fleisch, vom Herrn beurteilt und auf seine Würdigkeit oder Unwürdigkeit hin überprüft wird, und ob wir das von Ihm in Aussicht gestellte ewige Leben und Seine Segnungen bekommen können.

Was für ein kostbarer Gedanke, daß wir zur absoluten Reinheit der Absicht, der Liebe usw. allen Menschen und auch dem Herrn gegenüber durchdringen können, und daß Gott uns so in dem Geliebten annehmen wird, indem Er uns die nicht vorsätzlichen Schwachheiten und Fehler nicht anrechnet, die wir bemerken und die andere vielleicht noch deutlicher als wir selbst wahrnehmen. Wie selig auch der Gedanke, daß solche Gott sehen werden, daß sie jetzt die klarste Vorstellung von Gottes Charakter und Plan haben, daß sie einmal in der Gleichheit mit ihrem geliebten Meister auferweckt werden!

Gesegnet die Friedensstifter

Zu keiner Zeit war diese Aussage unseres Herrn zutreffender als jetzt. Wir leben in einer Zeit, in der Zank und Neid überall verbreitet sind, und das in allen Gesellschaftsschichten, allen Völkern, in der Politik, in Geschäften, in der Wirtschaft, in den Häusern und Familien, in den Namenkirchen und auch unter den Geweihten der Kirche Christi. Die Tendenz zum Streit hängt in gewissem Maß mit der anstrengenden Zeit zusammen, in der wir leben. Wer sich nun aber zu den treuen Leibesgliedern des Herrn zählt, sollte sich daher um so mehr die mahnenden Schriftstellen ins Gedächtnis rufen: „Jaget dem Frieden nach” – Hebräer 12:14 und „Seid in Frieden untereinander” – 1. Thessalonicher 5:13 Die besten Menschen in der Welt legen großen Wert auf ihre Auseinandersetzungskultur, doch sie sollten sie zu kontrollieren lernen, um nur solche Sachen zu attackieren, die böse und schädlich sind, um Raum zu lassen für großzügige, freundliche, liebevolle Gedanken denen gegenüber, die – nur – andere Ansichten haben. Sie halten meist an ihren Prinzipien fest und sollten besser sehen, daß diese Prinzipien in sehr wenigen ihrer Auseinandersetzungen und Streitigkeiten eine Rolle spielen.

Jedes Kind Gottes sollte Tag für Tag lernen, die Früchte und Gnadengaben des Heiligen Geistes zu pflegen, besonders Geduld, Langmut, brüderliche Liebe, Liebe. Wenn diese Dinge in uns wohnen und reichlich vorhanden sind, werden wir zunehmend mehr das Wohlwollen des Herrn gewinnen und fähig sein, anderen für die gleiche Ausrichtung zu helfen, also Friedensstifter zu sein. Denn wie kann jemand ein Friedensstifter sein, wenn er nicht von Herzen den Frieden liebt?

Bei den meisten Menschen scheint ein Hang zum Streit vorhanden zu sein, der sie streitsüchtig und auf Auseinandersetzungen bedacht macht, gestört und verstörend für andere. Dieser Hang führt auch bei vielen dazu, Aufruhr in anderen Menschen zu erzeugen – da wo gerade der oberste Grundsatz des Umgangs miteinander, nämlich sich um die eigenen Angelegenheiten und nicht um fremde zu kümmern, dem Frieden förderlich wäre. Da jeder vom Volk des Herrn im Lauf seines Lebens immer mehr die Selbstsucht und Streitsucht kennenlernt, die die ganze Welt durch Sünde und Verfall geerbt hat, und sieht, wie sehr dies alles im Gegensatz zum Geist des Herrn steht, zu Sanftmut, Freundlichkeit, Geduld, Langmut und Liebe, sollte er nicht nur bestrebt sein, den Frieden im eigenen Herzen und Leben zu befördern, sondern Friedensstifter unter den Menschen zu sein.

„Glückselig sind die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.” Ja, wahrhaftig, die Friedliebenden, Friedensstifter zeigen durch ihr Verhalten, daß sie zumindest in diesem Punkt den Heiligen Geist, den Geist Gottes haben. Wir bemühen uns, nicht nur die Bezeichnung ’Söhne Gottes’ jetzt unter den Menschen, die unsere guten Werke und unsere Friedensliebe sehen und daher unseren Vater im Himmel preisen, zu verdienen, sondern wir bemühen uns auch, unter der Leitung des großen Erlösers diese Eigenschaft beständig zu pflegen und so die Auszeichnung, Söhne Gottes zu sein, auf einer höheren Daseinsstufe im Reich unseres Herrn zu verdienen.

Glückselig die Verfolgten

Damit sind nicht alle Verfolgten gemeint, sondern nur die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten. Viele erleben Verfolgung aus törichtem Verhalten und weil sie sich in die Angelegenheiten anderer einmischen. Wir sollten dem Wort des Apostels folgen und Verfolgungen und Leiden wegen böser Taten jeder Art nicht auf uns ziehen. Wiederum lesen wir, daß, wer als Christ leidet, Gott dafür verherrlicht. – 1. Petrus 4:16 Auch in diesem Punkt wie in allen anderen ist es wichtig, den Geist eines gesunden Sinnes zu bewahren. So gibt es zum Beispiel Menschen, die sich offenbar einbilden verfolgt zu werden, während man sie in Wirklichkeit sehr freundlich behandelt; sie sind Opfer ihrer krankhaften Vorstellung. Das Volk des Herrn sollte so vom Geist der Dankbarkeit und Wertschätzung erfüllt sein, daß es nicht in der Gefahr ist, sich diesbezüglich falsch zu verhalten. Die Nachfolger des Herrn sollten in ihrem Nachdenken über die Beweggründe und Absichten ihrer Freunde und Nachbarn so großzügig sein, daß sie sie eben nicht mißverstehen und sich von anderen, die ihnen in Wahrheit wohlwollen, verfolgt fühlen.

Wie die vollkommene Liebe die Furcht austreibt, so treibt sie auch diese falsche Wahrnehmung über böse Taten oder Vorsätze uns gegenüber aus. Ein wohlwollendes Herz, das von der Liebe für andere erfüllt ist, nimmt vielmehr an, daß eine Kränkung ein unabsichtliches Versehen ist, oder es interpretiert das Verhalten seiner Freunde auf andere Weise mit aller Nachsicht. Verfolgung wird nur angenommen, wenn die Absicht unmißverständlich ist. Und selbst da sollte man vom Verfolger großzügig denken, auch seine gefallene Natur in Betracht ziehen und beten für die, die jemand verächtlich behandeln und gegebenfalls verfolgen. Glückselig sind die, die sich so an die Gerechtigkeit und den Geist der Liebe ihren Feinden und Verfolgern gegenüber halten, und die daher die Gewißheit haben, daß sie für ihre Treue der Wahrheit und Gerechtigkeit gegenüber verfolgt werden und nicht wegen persönlicher Eigenheiten oder Verhaltensweisen. Sie sind gesegnet, denn ihrer ist das Himmelreich. Der Herr hält Ausschau nach Menschen, die den Grundsätzen der Gerechtigkeit so treu sind, daß sie diese auch ihren Feinden gegenüber aufrechterhalten, selbst wenn sie von ihnen dieserhalb verfolgt werden. Wenn das Reich der Himmel solchen Menschen vorbehalten ist, dann handelt es sich wahrhaftig um eine kleine Herde. Wir wollen um so sorgfältiger dafür kämpfen, zu dieser kleinen Herde zu gehören, unsere Berufung und Erwählung fest machen.

Geschmäht um Christi willen

Das Volk des Herrn wird untereinander oder bei Außenstehenden niemand beschimpfen und dies unter keinen Umständen tun. Es wird sich daran erinnern, daß alle Schüler sind und Nachfolger des Herrn, der selbst nicht schalt, auch wenn er gescholten wurde. Was für Bosheiten auch immer andere über uns äußern – wir müssen unserem Lehrer treu sein und nicht Böses mit Bösem vergelten, nicht üble Nachrede mit übler Nachrede oder Unterstellung mit Unterstellung, sondern im Gegenteil sollen wir von niemandem Abfälliges reden und uns freuen, wenn wir gute Eigenschaften sehen, die vielleicht auch unsere Feinde besitzen.

Den Worten unseres Herrn entnehmen wir die Gewißheit und die Erwartung, daß, wer ihm treu ist, seine Erfahrungen in übler Nachrede teilen wird. Wenn wir uns seine Worte vor Augen halten, dann sollten wir nicht überrascht sein über falsche Anschuldigungen und Unterstellungen, die auf seine Nachfolger kommen, und das je nachdem sie als seine Diener und Nachfolger mehr oder weniger bekannt sind. Die Wendung ’alle Arten von Bösem’ ist sehr aussagekräftig, und das Wort ’um seinetwillen’ sollte uns aufmerksam machen. Damit ist nicht gemeint, daß jemand, der mit der Faust, der Waffe oder der Zunge kämpft und Pfeile, bittere Worte, abschießt, sagen kann, wir tun ihnen das an um Christi willen und weil wir zu den Seinen gehören. Ein derart Verfolgter ist uns unbekannt, und das kann auch die Zielrichtung sein, die der Herr im Sinn hatte.

Er hat damit gemeint, daß seine Nachfolger genau wie er selbst, die ehrbar und bescheiden sind, gesunden Sinn besitzen, die treu, zuverlässig und tugendhaft sind, selbstverständlich bei den Pharisäern und Schriftgelehrten, den nominell Guten hoch angesehen wären und hohe Stellungen hätten – wenn es nicht um ihre Treue zum Herrn und zur Wahrheit ginge. Wegen ihrer Loyalität zu einer Wahrheit, die im Widerspruch zu weit verbreiteten Irrtümern steht, wegen ihrer Treue zum Wort des Herrn sind sie unangesehen und werden, wie der Herr, von den Großen der Namenchristenheit gehaßt. Diese Gegebenheiten bringen eine zweifache Prüfung für uns mit sich:

1. Sie testen die Anhänger der Christenheit gemäß den Vorgaben der goldenen Regel, und wenn deren Anführer und Obere aus Bosheit, aus Haß, im Streit oder aus bloßer Gegnerschaft verwerfliche Dinge sagen, dann richten und verurteilen sie sich durch die goldene Regel selbst, denn sie wissen durchaus, daß sie es sehr schlecht fänden, wenn andere in dieser Weise Böses über sie sagten, sei es aus Bosheit oder durch ein Lügengebäude oder vom Hörensagen.

2. Die zuvor erwähnte Ausgrenzung wird auch ein Test für die Treuen: Sind sie bereit, diese Verfolgungen und diese Gegnerschaft freudig zu ertragen als einen Teil der „Kosten” dafür, daß sie das Volk des Herrn sind? Wenn sie unter dem Druck zurückweichen und ihrerseits mit Schmähungen antworten, verleumden und lästern, dann sind sie eines Platzes im Reich des Herrn nicht würdig. Wenn sie aber diese Lektionen und Erfahrungen mit Geduld und Langmut ertragen, dienen diese dazu, nach und nach in ihnen jene Wesensähnlichkeit mit ihrem Erlöser zu erzeugen, und sie führen um so mehr dazu, sie für ihren Anteil mit ihm in seinem herrlichen Reich zuzubereiten. Unser Herr versichert uns, daß der, der in dieser Weise geprüft wird und die Prüfung besteht, eine große Belohnung im Himmel bekommt, und er erinnert daran, daß alle heiligen Propheten der Vergangenheit vergleichbare Verfolgungen wie die jetzt dem Herrn geweihten Personen erlebt haben.

Das Salz der Erde

Die Aussage „Ihr seid das Salz der Erde” und „Ihr seid das Licht der Welt” paßt genau auf die Nachfolger des Herrn, die seine Belehrungen befolgen und nach den vorstehenden Seligpreisungen ihr Leben ausrichten. In dem Maß, in dem diese Gesegneten diese Qualitäten erreicht haben, sind sie wahrhaftig das Salz der Erde und das Licht der Welt. Salz wird verwendet, um etwas zu konservieren; genauso ist der Einfluß der Nachfolger, auch wenn es in der Welt wenige sind, die Erhaltung und Bewahrung bewirken. Wenn wir den Lauf der Geschichte betrachten, dann sehen wir, daß von dem mit Israel geschlossenen Gesetzesbund Gottes ein guter Einfluß ausging.

So wie die Juden sich in andere Länder zerstreuten, brachten sie mehr oder weniger klare Vorstellungen von den göttlichen Maßstäben mit, wie sie im Gesetz verankert sind, und diese Grundsätze hatten einen konservierenden und korrigierenden Einfluß an den jeweiligen Wohnorten. Aber erst Jesus und sein höheres Gesetz der Liebe, modellhaft vorgestellt in seinem eigenen Leben und im Leben der Apostel und seiner Nachfolger, wurde das wahre Salz der Erde in einer Zeit, von der wir nicht wissen, wie sie sich ohne Jesu Vorgaben gestalten würde. Nicht nur die kleine Stelle, an der die Lampe steht, wird nämlich durch sie beleuchtet, sondern so wie die Strahlen sich in alle Richtungen ausbreiten, so breitet sich der Einfluß von jedem wahren Christen aus. Dies hat nicht nur Wirkung auf die eigene Person und seine unmittelbare Umgebung, sondern strahlt weiter aus. Genauso wird durch einen Klumpen Salz nicht nur eine Stelle konserviert, sondern der Einfluß dieses Klumpens breitet sich mit seiner die Substanz erhaltenden Wirkung über eine große Fläche aus.

Zur Zeit der ersten Gegenwart unseres Herrn befand sich die Welt in einem Zustand, in dem sich schnell Abstieg und Verfall eingestellt hätten, doch die Entstehung des Leibes Christi und der heilsame Einfluß jedes Gliedes dieses Leibes wirkte mäßigend auf die Verfallstendenzen jener Zeit. Das Licht der Welt, das Licht Jesu und seiner Nachfolger hatte zweifellos einen guten Einfluß auf das damalige Zentrum der zivilisierten Welt. Dieser Einfluß manifestiert sich immer noch im sogenannten Christentum. Und selbst heute, wenn auch die wahren geweihten Gläubigen des großen Erlösers bekanntlich sehr wenige sind, üben sie ganz allgemein ihren Einfluß aus. Sie bringen die Qualität des Salzes aus den Aussagen Jesu in die Welt. Ohne diese Wirkung wären zweifellos Verderbnis und ein völliger Zusammenbruch schon lange eingetreten. Trotzdem beobachten wir verderbliche und verdorbene Einflüsse in jeder Richtung am Werk, und je weiter unser Horizont reicht, je globaler unsere Information, desto deutlicher wird diese Beobachtung.

Wir gehen davon aus, daß alle Überwinder des Leibes Christi in einer nur noch verhältnismäßig kurzen Zeitspanne verwandelt und verherrlicht werden und der fertige Leib bedingt, daß sich keine Glieder mehr auf dieser Seite des Vorhangs befinden. Die Lichter werden verschwunden sein, und die Dunkelheit wird mächtiger denn je um sich greifen. Das Salz wird fort sein, und die Verderbnis wird sich schnell ausbreiten. Die Folge davon wird die große Zeit der Drangsal sein, wie es sie seit Menschengedenken nicht gegeben hat.

Bis dahin wollen wir unser Licht scheinen lassen und so den Vater verherrlichen, ob die Menschen dem Beachtung schenken oder es vorziehen dies nicht zu tun. Wir sollen unser Salz bzw. unsere bewahrende Wirkung, unseren Einfluß für Gerechtigkeit und Wahrheit geltend machen, ob die Leute aufmerken oder nicht. Und auch, wenn wir klar erkennen, daß es nicht Gottes Absicht ist, die Welt jetzt durch die Kirche in ihrer derzeitigen bescheidenen Gestalt aufzuklären. Diese Dinge sind eine Prüfung für uns, und sie zeigen, ob wir würdig sind oder nicht, Glieder des verherrlichten Leibes Christi zu sein. Dieser wird bald scheinen wie die Sonne in der Herrlichkeit des Vaters und die Welt in einem Maß erleuchten, mit dem sich unsere kleinen Lampen des gegenwärtigen Zeitlaufs nicht vergleichen lassen.

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