Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Salomo, der gesalbte König

Lesedauer: 5 Minuten

1. Könige 1:28 – 39

Daß Salomo unter Davids Söhnen vom Herrn ausgewählt war, jenem auf den Thron Israels zu folgen, geht aus 1. Chronika 22:8 und 9 hervor: „… das Wort Jahwes geschah zu mir, indem er sprach: … Siehe, ein Sohn wird dir geboren werden, der wird ein Mann der Ruhe sein, und ich werde ihm Ruhe schaffen vor allen seinen Feinden ringsum. Denn Salomo wird sein Name sein, und Frieden und Ruhe werde ich Israel geben in seinen Tagen.” – vergleiche auch 2. Samuel 12:24 und 25, 1. Chronika 17:11 – 15 und 2. Samuel 7:12 – 17 Und in der Vorausschau darauf, daß Salomo Gottes Wahl war, sicherte David der Mutter Salomos, Bathseba, zu, daß ihr Sohn auf jeden Fall das Königreich erben würde. – 1. Könige 1:13 und 30

Salomo war der zweite Sohn Davids von Bathseba. Sein Name bedeutet „der Friedliche”, was an die ihn betreffende Verheißung Gottes erinnert. Den zweiten Namen Jedijah („Geliebter Jahs”) scheint er vom Propheten Nathan bekommen zu haben zum Zeichen der Vergebung für David und seine Wiederannahme in Gottes Gunst. – 2. Samuel 12:25 Dies sollte auch die große Liebe ausdrücken, bevor das Kind gut oder böse unterscheiden konnte, und daß dies auch nicht sein eigenes Verdienst war, sondern daß dies um seines Vaters willen geschah, den Gott liebte und erwählt hatte, und aus dessen Nachkommenschaft der lang verheißene Messias hervorgehen sollte, der König von Gottes gegenbildlichem Reich. So zeigten die Namen Salomo (der Friedliche) und Jedijah (Geliebter Jahs), daß David immer noch der Geliebte war, daß er ganz und gar in Gottes Gunst wiederhergestellt war, und daß die ihm und seiner Nachkommenschaft von Gott gegebenen Verheißungen volle Gültigkeit besaßen.

Salomo kam früh auf den Thron, vielleicht mit neunzehn oder zwanzig Jahren. Über seine Voraussetzungen, etwa eine Ausbildung, wissen wir ganz wenig, mit Ausnahme einer Erwähnung in 1. Könige 3:3: „Und Salomo liebte Jahwe, indem er in den Satzungen seines Vaters David wandelte; nur opferte und räucherte er auf den Höhen.” Das war durch das Mosaische Gesetz verboten – 5. Mose 12:13 und 14 -, aber von Gott zugelassen, bis der Tempel erbaut war. – vergleiche 1. Samuel 9:12 und 1. Könige 3:2

Es dauerte jedoch nicht lang, bis der verführerische Einfluß von Stellung, Macht, Reichtum und allgemeinem Wohlstand fühlbar wurde und seine Wirkung auf den Charakter dieses so begünstigten jungen Mannes tat, dem so eine strahlende Zukunft verheißen war. Sein Charakter hatte nie die Schule der Erfahrung durchgemacht, denn von Kindheit an war er im Luxus aufgewachsen, und seine Prinzipien hatten sich nie dem Praxistest unterziehen müssen; sie waren daher weder klar noch fest. Auch wenn er Gott liebte, weil er Kenntnis hatte von Seiner Güte Seinem Volk und seinem Vater David gegenüber, und weil Gott ihn liebte und ihn zum König auserkoren hatte, war doch sein Herz nicht fest in Gott gegründet. Er hatte nicht gelernt, Gott für dessen untrennbar im Sein verankerte Güte zu lieben, der die Verkörperung und herrliche Darstellung von Gerechtigkeit und Wahrheit ist. Nur wer Gerechtigkeit liebt und deshalb Gott liebt, weil er Gerechtigkeit ist, ist tatsächlich in Gott fest gegründet und besitzt die notwendige innere Charakterfestigkeit. Daß Salomo einen bedauernswerten Mangel an dieser Art Liebe zu Gott und in Folge davon an innerer Charakterfestigkeit offenbarte, zeigte bald sein anschließender Lebensweg.

Und doch, obwohl Gott das Ende kannte und alle Zwischenstufen seines Weges von Anfang an, obwohl Er den Niedergang seiner Sitten und den damit einhergehenden schlechten Einfluß auf das Volk kannte, erwählte Er in Seinem weisen Ratschluß Salomo zum König über Israel. Und der Zweck Gottes, ihn zu bestimmen, wurde wunderbar erfüllt, ungeachtet jenes Niedergangs und der Sünden, in die er das Volk hineinführte. Man wird diesen Ratschluß und seine Ausführung durch die hier dargestellte Lektion leicht verstehen. Indessen muß man bedenken, daß Gott keineswegs immer dafür gesorgt hat, einen König für Israel zu bestimmen, durch dessen Regierung das größtmögliche Wohlergehen garantiert war. Wenn sie nach einem König verlangten und Er gab diesem Ansinnen statt, hat Er sie nämlich getreulich vor den Gesetzesverstößen gewarnt, die der König gegen die Rechte und Freiheiten des Volkes begehen würde. – vergleiche 1. Samuel 8:9 – 18 Diese Dinge erlebte das Volk in den darauffolgenden Jahren seiner Geschichte.

Das war nicht die Art von Regierung, die Gottes Vorsatz entsprach. Er sah aber voraus und ließ prophezeien, was das unvollkommene und selbstsüchtige Herz des Menschen, einmal an der Macht, tun würde, denn Er weiß, was der Mensch ist. So war es in Israel, und so war es auf der ganzen Welt: Selbstsucht, an die Macht gelangt, hat diese Macht noch immer benutzt, meistens zur Erhöhung der eigenen Person.

Die Anweisungen des Herrn an die Könige Israels waren jedoch das genaue Gegenteil, nämlich, daß der König Gottes Gesetz studieren und diese Grundsätze in die Tat umsetzen soll: „… damit sein Herz sich nicht über seine Brüder erhebe, und damit er von dem Gebote weder zur Rechten noch zur Linken abweiche.” – 5. Mose 17:18 – 20 Aber kein König, sei er von Israel oder von einem anderen Volk, auch wenn er weise und gut war, hat jemals so gehandelt. Alle waren sie mehr oder weniger durch Stolz und Macht aufgeblasen, und sie haben sich über ihre Brüder erhoben. Selbst David, der Geliebte Gottes, erlag diesem unheilvollen Einfluß, bis er, davon in hohem Maß vergiftet, eine schwere Sünde beging. Die Versuchungen der Macht sind für uns unvollkommene Kreaturen in jeder Position immer eine Genugtuung aus Stolz, Ehrgeiz und Selbsterhöhung. Der einzige Regent der Welt, der den Forderungen des Gesetzes in vollem Umfang nachkommt und nicht zur Rechten oder zur Linken davon abweicht, wird Jahwes Gesalbter sein, unser gesegneter Herr Jesus, der seine (zukünftigen) Untertanen so sehr liebte, daß er für sie sein Leben dahingab. Sein Herz schwillt nicht im Stolz, obgleich Gott ihn hoch erhoben hat und ihm einen Namen gegeben hat, der über jedem Namen ist, daß im Namen Jesu jedes Knie sich beugen wird sowohl aller Himmlischen als auch aller Irdischen. – Philipper 2:9 – 11

An ihm findet sich nicht ein Hauch von Selbsterhöhung und kein eigenes Bestreben, außer aus freiem Willen und in Liebe seinen Untertanen zu dienen und sie zu segnen, und das nicht nur theoretisch, sondern in einer wunderbaren Wirklichkeit. Dies hat er umfassend durch sein großes Opfer für sie unter Beweis gestellt. Obwohl er reich war, wurde er arm um ihretwillen; obwohl er ewiges Leben hatte, gab er freiwillig sein Leben als Lösegeld für ihres dahin. Von ihm steht geschrieben: „Siehe, ein König wird regieren im Gerechtigkeit.” – Jesaja 32:1 -, und er wird „Friedefürst” genannt. Bis auf der Erde seine gerechte Herrschaft aufgerichtet wird, seufzt die ganze Schöpfung und quält sich in Schmerzen, und weder Israel noch die Nationen können die Segnungen jedes Friedens und jenes Wohlergehens erleben, das Gott durch Christus in Aussicht stellt. Die Herrschaft Salomos ist nur deren Vorbild, und Frieden und Wohlstand seiner Regierung waren sehr brüchig und befriedigten nicht, und der glänzende äußere Schein war nur ein anschauliches Bild für die zukünftige herrliche Wirklichkeit. Und als seine Funktion, die erwartete Herrlichkeit Christi abzubilden, erfüllt war, löste sich der äußere Schein auf, und die seufzende Schöpfung klagte wieder unter der Knute des Unterdrückers, und dies wird so weitergehen, bis der, dem das Recht gehört, sein Reich an sich nehmen und besitzen wird. Dann, und erst dann, wird Gerechtigkeit auf der Erde aufgerichtet werden.

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