Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Ein besserer Versöhnungstag

„Doch am Zehnten dieses siebten Monats, da ist der Versöhnungstag, […] um Sühnung für euch zu erwirken vor dem HERRN, eurem Gott.” – 3. Mose 23:27 und 28

Am 3. und 4. Oktober 2014 von Sonnenuntergang zu Sonnenuntergang feierten Juden in der ganzen Welt Yom Kippur oder den Versöhnungstag, ihren heiligsten Tag des Jahres. Die zentralen Themen des Yom Kippur sind Versöhnung und Buße. Dieser heilige Tag wird traditionell vom jüdischen Volk mit Fasten und intensivem Beten verbracht, oft, indem sie die meiste Zeit des Tages im Dienst in der Synagoge verbringen. Wie in unserem Leittext angemerkt wird, wird der Versöhnungstag Iaraels, Yom Kippur, in jedem Jahr am zehnten Tag des siebten Monats, der Tischri genannt wird, begangen. Obwohl Tischri der siebte Monat des jüdischen religiösen Kalenders ist, wird er als der erste Monat ihres bürgerlichen Jahres betrachtet, und Rosh Hashana – der erste Tag des Tishri – ist das Jüdische Neujahr. Yom Kippur vervollständigt die jährliche zehn Tage Zeitperiode, die im Judentum bekannt sind, als die „Hochheiligen Tage”, die mit Rosh Hashana beginnen.

Israels Versöhnungstag wurde von Gott als ein Teil des Gesetzes festgelegt und ihnen durch Seinen Diener Mose am Berg Sinai gegeben. An diesem Tag sollten verschiedene Opfer dargebracht werden, die Gott, wenn sie nach Seinen Anweisungen vollzogen wurden, als angebotene Versöhnung für ihre Sünden wertete. Wenn sie entsprechend handelten, betrachtete Gott Israel als annehmbar vor Ihm, und Er konnte für das folgende Jahr fortfahren mit ihm als einem auserwählten Bundesvolk zu handeln.

In Wirklichkeit waren die Wohltaten dieses besonderen Tages für Israel begrenzt. Er mußte jedes Jahr wiederholt werden, weil die Nation weiterhin sündigte und es ihr nicht gelang, den Bund zu halten. Der Bund verfehlte für das Volk Leben vorzusehen, weil trotz ihrer zumeist mutigen Anstrengungen jeder Einzelne noch sündigte; und die Schriften sagen uns, „Die Seele, die sündigt, die soll sterben.” – Hesekiel 18:4 Israels Versöhnungstag wurde jedoch von Gott benutzt, um auf eine „bessere” Anordnung hinzuweisen, durch die nicht nur die Juden, sondern auch die ganze Menschheit Versöhnung für Sünde empfangen würde, die ewig wirksam sein sollte. Dies ist eine bessere „Versöhnung”, die das Thema unserer Abhandlung sein wird.

Blut und Versöhnung

Blut wird in der Bibel als ein Symbol des Lebens benutzt, besonders des Lebens, das zur Versöhnung vergossen wird. Die Schrift sagt: „Denn die Seele des Fleisches ist im Blut, und ich selbst habe es euch auf den Altar gegeben Sühnung für eure Seelen zu erwirken. Denn das Blut ist es, das Sühnung tut durch die Seele (in ihm).” – 3. Mose 17:11

Gottes Anordnungen für das vorbildliche Israel, die durch die Priesterschaft und den Stiftshüttendienst ausgeführt wurden, riefen zu viel Vergießen von Blut auf. Während den Israeliten ein gewisser Grad von Segnungen von diesen Opfern zufloß, bestand ihr Hauptzweck darin, auf das Opfer Jesu hinzuweisen. Jesus vergoß sein Blut – schüttete sein menschliches Leben aus – um eine Versöhnung für die ganze Menschheit zu bewirken. Diese Tat geschah, um „durch ihn alles mit sich zu versöhnen … sei es, was auf der Erde oder was in den Himmeln ist” – das heißt, sowohl für die Menschheit als auch für jene, die Teilhaber der „Himmlischen Berufung” sind. – Kolosser 1:20 und Hebräer 3:1

Ein ähnlicher Gedanke wird hinsichtlich der Versöhnung durch das Wort „Sühne” ausgedrückt. Beide bedeuten zu büßen oder zufriedenzustellen. Paulus sagt, indem er von Jesus spricht, „ihn hat Gott hingestellt als einen Sühneort durch den Glauben an sein Blut zur Erweisung seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden”. – Römer 3:25 In 1. Johannes 2:2 lesen wir: „Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt.”

Gottes große Liebe traf Vorkehrung zur Versöhnung durch das Blut Christi. Die Notwendigkeit dafür erschien, als Adam das göttliche Gesetz übertrat und die Todesstrafe über sich selbst und seine Nachkommen brachte. Nicht bis Zufriedenstellung oder Sühnung für seine Sünde gemacht worden war, konnte er oder irgendeiner des verdammten Geschlechts von der Todesstrafe befreit werden. Die durch das Blut Christi vorgesehene Sühnung von Sünden führt daher für diejenigen, die diese Gabe der Gnade Gottes annehmen, zum Leben.

Vorbildliche Versöhnung

Im zweiten, dritten und vierten Buch Mose, wo das vorbildliche Werk des Opferns beschrieben wird, erscheint das Wort dreiundsiebzig Mal. Im dritten Buch Mose wird im sechzehnten Kapitel nochmals von dem jährlichen Versöhnungstag und seinen Opfern berichtet. Die Nation Israel bekam ein bestimmtes Maß von Segnungen von diesen jährlichen Diensten, aber sie sahen keine Sühnung für ihre Sünden und deren Strafe, den Tod, vor, den sie von Vater Adam ererbt hatten, und so blieben sie unter dem Adamischen Fluch und starben weiterhin.

Paulus erklärt diese Sache mit der Feststellung, „denn da das Gesetz einen Schatten der zukünftigen Güter, nicht der Dinge Ebenbild selbst hat, so kann es niemals mit denselben Schlachtopfern, die sie alljährlich darbringen, die Hinzunahenden für immer vollkommen machen”. – Hebräer 10:1 Nur durch Vollkommenmachung durch die Befreiung vom Adamischen Fluch kann jemand der Todesstrafe entkommen. Die jährlichen Versöhnungstagsopfer, die von der vorbildlichen Priesterschaft geopfert wurden, brachten keine Vollkommenheit für diejenigen, die durch sie Vergünstigung suchten.

„Denn das Gesetz hat nichts zur Vollkommenheit gebracht”, schreibt Paulus, „eingeführt aber eine bessere Hoffnung, durch die wir uns Gott nahen”. – Hebräer 7:19 Diese „bessere Hoffnung” beruht auf dem versöhnenden Wert des Blutes Christi. Sein Blut ist wirksam, Vollkommenheit zu sichern und daher das Leben. Dies ist, weil sein Leben, das er ausschüttete, und das, wie symbolisch durch sein vergossenes Blut gezeigt, ein genaues Gegengewicht für das vollkommenene Leben von Adam war – das Leben, das Adam verwirkt hatte, als er gegen seinen Schöpfer sündigte. Paulus betont diesen grundlegenden Aspekt des Versöhnungswerkes Christi durch den Gebrauch des Wortes „Lösegeld”, indem er sagt, daß der Mensch Christus Jesus, sich selbst „als Lösegeld für alle gab”. – 1. Timotheus 2:3 – 6

Erlangt durch Glauben

Gottes Liebe sah durch Christus eine Versöhnung für die Sünde vor, die im Gegenzug den Weg zum Leben öffnet. Allein die Tatsache, daß Jesus als Erlöser und Erretter der Welt starb, gibt jedoch an sich Adam und seinem Geschlecht noch kein Leben. Ein jeder von dem unter dem Fluch stehenden Geschlecht, der durch diese Vorsehung Leben erlangt, muß zuvor glauben und diese Gabe individuell annehmen. Johannes 3:16 macht dies mit der Feststellung deutlich, „denn so hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat”.

Jesus sagte weiterhin: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, (der) hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.” – Johannes 5:24 Dies ist eine höchst umfangreiche Feststellung, die nur in dem Licht der weiteren Erklärung Jesu genau verstanden werden kann. In Vers 25 erinnert er uns an die Hoffnung der Auferstehung, indem er sagt: „daß die Stunde kommt … wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben leben werden.”

Nachdem er erklärt hatte, daß ihm die Autorität Gericht zu üben und daß ihm Leben in sich selbst gegeben sei, – Verse 26 und 27 – spricht Jesus wiederum von der Auferstehung. Er stellt fest, daß diejenigen, die zu allen Zeitaltern Gott gegenüber treu waren und „das Gute getan haben”, hervorkommen werden zur „Auferstehung des Lebens”. Diejenigen, die „das Böse getan” haben – daß heißt, alle anderen, die mehr oder weniger in Sünde verstrickt sind – sollen zur Auferstehung des Gerichts hervorkommen. – Verse 28 und 29 Wie in Vers 24 erklärt, kommen aber die treuen Gläubigen nicht in dieses Gericht.

Es ist klar, daß Jesus, als er sagte, „Wer mein Wort hört … hat ewiges Leben”, meinte, daß sie dieses auf der Grundlage des Glaubens bekommen würden. Dies bedeutet, daß Gott sie nicht länger als Sünder ansieht, die unter dem Todesurteil stehen, sondern als vollkommen in der Gerechtigkeit Christi und als solche das Recht zum Leben besitzen. Vom menschlichen Standpunkt gesehen scheinen diese jedoch wie jeder andere zu sterben oder wie Psalm 82:7 es ausgedrückt, daß sie „wie ein Mensch sterben”. Tatsächlich ist es so, wie es in dieser Prophezeiung über den Teil der Kirche im Plan Gottes weiter erklärt wird, daß sie „wie einer der Obersten (in den Tod) fallen werden”.

Das hebräische Wort, das hier mit „Oberste” übersetzt wird, bedeutet buchstäblich Haupt und wird im Alten Testament benutzt, um Anführer und Generale in Armeen oder leitende Persönlichkeiten in der Gesellschaft zu beschreiben. Die buchstäbliche Bedeutung führt zu der Tatsache, daß diejenigen, auf die in diesem besonderen Schrifttext als Oberste hingewiesen wird, die Häupter des menschlichen Geschlechts sind – Adam, der fiel und Jesus, der das Haupt des wiederhergestellten Menschengeschlechts sein wird.

Der erste Oberste starb als ein verurteilter Sünder. Der zweite Oberste starb den Opfertod anstelle des Ersten und seines Geschlechts. Er starb, um einen Weg für die Menschheit vorzubereiten der Strafe für die Sünde, die der Tod war, zu entkommen. Die Prophezeiung stellt fest, daß die „Söhne des Höchsten” – Vers 6 -, an die diese Worte gerichtet sind, vom menschlichen Standpunkt aus „wie Menschen zu sterben scheinen” tatsächlich jedoch „fallen wie einer der Obersten”.

Sie fallen nicht wie der Oberste Adam, weil er unter dem Todesurteil war. Durch ihre Annahme des Glaubens an das versöhnende Verdienst des Blutes Christi sind diese „Söhne” vom Tod in das Leben übergegangen und sind nicht länger unter dem Todesurteil. Sie sterben daher wie der Oberste Jesus starb – daß heißt, als ein Opfer. Ihr Leben wurde ihnen nicht aufgrund der Sünde genommen. Vielmehr legten sie es nieder durch Selbstverleugnung, indem sie ihr Kreuz aufnahmen und Jesus in den Tod folgten. Sie „folgen dem Lamm, wohin es geht” und werden dabei in den Tod geführt, so wie er „wie ein Lamm zur Schlachtung geführt wurde”. – Offenbarung 14:4 und Jesaja 53:7

Ein lebendiges Opfer

Im Neuen Testament wird vieles berichtet um anzuzeigen, daß die Fußstapfennachfolger Jesu Mit-Opferer mit ihm sind. Paulus schrieb, „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist.” – Römer 12:1 Es ist ein „heiliges” Opfer und daher „annehmbar” für Gott. Es ist heilig, weil Glaube an das versöhnende Blut Christi Vollkommenheit zeitigt – nicht tatsächliche, sondern zugerechnete.

In Römer 6:3 – 11 begründet Paulus die Angelegenheit für uns im Einzelnen und zeigt, warum uns das Vorrecht des Niederlegen unseres Lebens als ein annehmbares Opfer für Gott gegeben wird. Erstens spricht er von ihm als einer Taufe oder einem Begräbnis in den Tod Christi – einem Opfertod. Er sagt, wir sind „mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod” – was bedeutet wie einer der Obersten zu sterben.

Paulus erklärt weiter in den Versen 6 und 7, daß unser „alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, daß wir der Sünde nicht mehr dienen. Denn wer gestorben ist, ist freigesprochen von der Sünde”. Diese Leiber, die von der Sünde freigesprochen sind, sind daher nicht der „Leib der Sünde”, der abgetan ist, sondern unsere eigenen gerechtfertigten Leiber, die willig Gott als ein „lebendiges Opfer” dargstellt werden.

Was ist dann der „Leib der Sünde”, der abgetan ist? Strongs Bibelkonkordanz erklärt das griechische Wort, das mit Leib übersetzt wird, wie folgt: „Der Leib (als ein intaktes Ganzes), wenn er in einem sehr weiten Anwendungsbereich buchstäblich oder bildlich benutzt wird.” Der Leib der Sünde, der von Paulus erwähnt wird, ist als ein bildlicher Leib zu verstehen – jene sündigen Aspekte des Charakters, welche die Menschheit seit Eden verderben. Das versöhnende Werk Jesu öffnet den Weg zur Vernichtung dieses symbolischen Leibes der Sünde. Der Tod unserer gerechtfertigten Leiber als ein „lebendiges Opfer” ist ein weiterer Aspekt der göttlichen Anordnungen, durch welche die böse Herrschaft der Sünde überwunden und zerstört werden wird.

Paulus bestätigt dies in Vers 10. Über den Tod Jesu sprechend, sagt er: „Denn was er gestorben ist, ist er ein für allemal der Sünde gestorben.” In Vers 11 fährt er fort: „so auch ihr: Haltet euch der Sünde für tot”. Es gibt in dieser Feststellung zwei Schlüsselworte – „so auch ihr” und „haltet euch”. Wir sind verwachsen mit der Gleichheit des Todes Christi, sagte Paulus zuvor, und er sagt uns jetzt, daß der Tod Jesu „wegen der Sünde war”. Jesus war selbst kein Sünder und starb nicht wegen der Sünde seines eigenen Leibes. Er starb um der Sünde willen als ein „Sündopfer”.

Ähnlich oder in der Gleichheit seines Todes sterben wir der Sünde wegen. Mit unseren unvollkommenen Leibern konnten wir Gott nichts opfern, das in irgendeiner Weise ein annehmbares Opfer gewesen wäre. Um in dem göttlichen Plan der Versöhnung der Welt mit Gott Partner mit Jesus zu sein, sind wir befugt zu glauben oder zu meinen, daß wir dem entsprechend handeln. Wir können dies tun, weil Gott uns als vom Tod in das Leben hinübergegangen rechnet. Wenn wir mit Christus gestorben sind, dann sind unsere Leiber von der Verdammnis durch die Sünde befreit oder gerechtfertigt. So sind wir durch die Autorität des Wortes Gottes bevorrechtigt, uns selbst als teilnehmend an den „besseren Opfern” und dem großen Sündopferwerk dieses Zeitalters zu rechnen. – Hebräer 9:23

Lösegeld und Sündopfer

Wenn wir Gottes Versöhnungsplan mit dem Menschen betrachten, gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen der Bedeutung der Wörter Lösegeld und Sündopfer. Das Wort Lösegeld, wie es in der Bibel benutzt wird, bedeutet ein „entsprechender Preis”. So erklärt Paulus, daß der Mensch Christus Jesus … sich selbst als Lösegeld für alle gab. – 1. Timotheus 2:5 und 6 Kein anderer als ein vollkommener Mensch konnte dies tun, denn es war der vollkommene Mensch Adam, der sündigte und den Todesfluch auf sich selbst und seine Nachkommen brachte. Daher gab der unbefleckte Jesus sich selbst als ein Lösegeld und nichts weiter ist notwendig oder kann dem hinzugefügt werden.

Ein Sündopfer ist einfach eine Opferung oder ein Opfer für Sünden. Ein Sündopfer kann irgendetwas sein, was Gott zu irgendeinem Zweck, den Er planen mag, anzuerkennen bereit ist. Im Zusammenhang mit den vorbildlichen Stiftshüttendiensten wurden Stiere und Böcke für Sünden geopfert, und der Herr nahm sie an. Durch Gottes Planung entstanden für Israel bestimmte Segnungen aus diesen Opfern. Diese machten den Opferer nicht vollkommen, noch gaben sie ihm Leben. Nur das vollkommene Sündopfer verbunden mit dem entsprechendem Preis, wie er von dem Menschen Christus Jesus gegeben wurde, konnte dies tun.

Das Lösegeld, ein entsprechender Preis, wurde von Jesus beschafft, und dies war der erste Schritt, Adam und seinem Geschlecht Leben zu geben. Der Welt muß eine Erkenntnis dieser Bereitstellung gegeben werden, und sie muß eine Gelegenheit bekommen, diese anzunehmen. Sogar nachdem sie diese angenommen hat, wird sie mitfühlende Hilfe und Verständnis benötigen, um ihr Leben in Harmonie mit den gerechten Prinzipien zu bringen, die von allen jenen gefordert werden, die das Vorrecht haben werden, ewiges Leben zu erlangen. Dieser zweite Schritt beschreibt das Werk und den Zweck des Sündopfers.

Es ist besonders in diesem Zusammenhang, daß die Fußstapfennachfolger eingeladen sind, an dem Werk der Versöhnung der Welt mit Gott teilzuhaben – die Menschheit in Versöhnung mit dem Schöpfer zu bringen, damit sie leben mögen. Paulus schreibt, daß „Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte”. Zuvor sagte er: „Gott, der uns (die Nachfolger Christi) mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat”. So repräsentieren wir Christus als seine Botschafter, um der Welt das „Wort der Versöhnung” zu geben. – 2. Korinther 5:18 – 21

Dieser Plan der Zusammenarbeit, in welchem den Fußstapfennachfolgern Jesu das Wort der Versöhnung anvertraut ist, beginnt während des Evangelium-Zeitalters, während wir noch im Fleisch sind. Die Bedingung ist, daß wir an der Taufe in den Tod Jesu teilnehmen müssen. Wir müssen in die Ähnlichkeit seines Todes gemeinsam geplant werden und mit ihm leiden. Dieses Leiden und Opfern muß jetzt im Interesse der Leibesglieder Christi geschehen – aber auch während des nächsten Zeitalters zum Wohl der ganzen Menschheit.

Paulus schrieb, „jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleisch, was noch aussteht von den Bedrängnissen des Christus für seinen Leib, das ist die Gemeinde”. – Kolosser 1:24 Dies ist eine sehr praktische Angelegenheit. Alle diejenigen, die schließlich Glieder an dem Leib Christi werden, waren früher einmal in der Welt. Die Wahrheit, die sie erleuchtet und zum Herrn zieht fällt nicht wie ein Blitz vom Himmel, sondern wird ihnen durch die zuvor Erleuchteten überbracht. Weil die Finsternis das Licht haßt, hat dieser Dienst des Evangeliums, der Dienst der Versöhnung, Leiden zur Folge.

Bittere, todbringende Verfolgung ist nicht immer das Resultat des Zeugnisgebens der Wahrheit, obgleich es zu Beginn des Zeitalters sich oft so verhielt. Jetzt ist der Haß gegenüber dem Licht verfeinerter und zeigt sich oft in Gestalt von Ausgrenzung und kalter Gleichgültigkeit. Treue im Dienst an der Wahrheit wird jedoch zur Ermüdung des Fleisches führen. Kein wahrer Heiliger Gottes kann jemals zufrieden sein und das Leben leicht nehmen, wenn es Geschwister gibt, denen gedient werden sollte, oder wenn das Evangelium verkündigt werden sollte, um jene zu erreichen, die der Herr berufen mag seine Geschwister zu werden.

Wir finden in dem Dienst des Apostel Paulus ein wundervolles Beispiel. Was für eine Vielzahl von Leiden entstanden aufgrund seines treuen Dienstes – Schläge, Gefängnisaufenthalte, Steinigungen, Gefahren auf dem Meer und in der Stadt und sogar Gefahren unter falschen Brüdern. – 2. Korinther 11:23 – 28 All dies, so sagte er, war „um des Leibes Christi willen, welcher die Kirche ist”.

Die Leiden des Paulus waren nicht nur für die Kirche vorgesehen. In seinem meisterlichen Argument über die Notwendigkeit der Auferstehung spricht er wiederum von seinen Leiden und den Leiden für alle Leibesglieder. „Was werden sonst die tun”, fragt er, „die sich für die Toten taufen lassen? Wenn überhaupt Tote nicht auferweckt werden”? – 1. Korinther 15:29 Hier weist Paulus wiederum auf unsere Taufe in den Tod hin, und er sagt, daß es im Interesse der Toten geschieht – das heißt für das schließliche Wohlbefinden der toten Welt der Menschheit.

Eine mitfühlende Priesterschaft

Jesus ist der große gegenbildliche Hohepriester, und seine Fußstapfennachfolger werden im Neuen Testament deutlich als mit ihm in der Priesterschaft verbunden gezeigt. – Hebräer 3:1 und 1. Petrus 2:5 und 9 Eine der prinzipiellen Funktionen der Priesterschaft Israels war die Darbringung von Opfern. Die Priesterschaft unseres Zeitalters, beginnend mit Jesus als Haupt und sich fortsetzend mit seinen treuen Leibesgliedern, bringt auch Opfer dar – keine Tieropfer, sondern sie opfert sich selbst. Jesus gab das Beispiel eines in Treue dargebrachten Opfers selbst bis in den Tod, und wir sind mit ihm in den Tod getauft.

Gestützt auf die dargebrachten Opfer teilten die Priester Israels Segnungen an das Volk aus, wie zum Beispiel am Ende des vorbildlichen Opferdienstes, von dem in 3. Mose, Kapitel 9, gesprochen wird: „Und Aaron erhob seine Hände zum Volk hin und segnete sie.” – Vers 22 Die gegenbildliche Priesterschaft, die in Jesus und seiner Kirche besteht, wird im Messianischen Königreich der Kanal der Segnung für die ganze Menschheit sein. Die Segnung, die sie dem Volk austeilen werden, wird die günstige Gelegenheit sein, ewiges Leben zu erlangen, das verfügbar gemacht wurde durch das erlösende Blut des Erlösers.

Welch eine Weisheit und Liebe werden in diesen Anordnungen offenbart! Die Glieder der gegenbildliche Priesterschaft sind die Söhne Gottes des Evangelium-Zeitalters, und wir lesen, „Denn es geziemte ihm, um dessentwillen alle Dinge und durch den alle Dinge sind, indem er viele Söhne zur Herrlichkeit führte, den Urheber ihrer Errettung durch Leiden vollkommen zu machen.” – Hebräer 2:10 Jesus ist nie unvollkommen gewesen. Der Gedanke unseres Leittextes ist, daß er durch Leiden vollkommen gemacht wurde zum Anführer unserer Errettung.

Dieses in Leiden geübt sein machte Jesus zu einem mitfühlenden Hohepriester. Paulus schrieb, „Denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht worden ist, kann er denen helfen, die versucht werden”. „Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise (wie wir) versucht worden ist, (doch) ohne Sünde. Laßt uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe.” – Hebräer 2:18 und 4:15 und 16

Diese Bezugnahmen beschreiben das Verhältnis Jesu als Hohepriester zu seinen geweihten Nachfolgern. Das gleiche Prinzip wird sich im nächsten Zeitalter in dem Verhältnis der Menschenwelt zu der göttlichen Priesterschaft als wahr erweisen, die von Jesus und seiner verherrlichten Kirche gebildet wird. Die ganze Priesterschaft ist durch Leiden vollkommen gemacht worden für jenes hohe Amt, so daß, wenn die bestimmte Zeit kommt, mit der Welt mit Mitgefühl und Verständnis gehandelt wird.

Nur das Blut Jesu

Es ist Jesu Blut allein – darstellend sein ausgegossenes Leben – welches das Lösegeld, den entsprechenden Preis, darstellt. Wie wir jedoch gesehen haben, werden diejenigen, die mit ihm während des gegenwärtigen Zeitalters leiden und sterben, als an dem großen Sündopfer anteilhabend gerechnet, das auf dem Lösegeld beruht. Das Opfer und die Leiden der Nachfolger Christi tragen zu der zukünftigen Segnung der Welt bei. Weil dieses Opfer ein Teil der Anordnung Gottes zur Vernichtung des Leibes der Sünde und der Entlassung der sündenverdammten Menschheit vom Tod ist, wird es passend als ein Sündopfer bezeichnet. Wie Paulus erklärt, „sterben wir der Sünde”. – Römer 6:10 und 11

Das ganze die Sünde beseitigende Verdienst ist in dem Lösegeld gegeben. Die Teilnahme der Kirche am Sündopfer liegt – wie wir gesehen haben -,in dem Opferwerk dieses Zeitalters, das gegeben wurde, um uns vorzubereiten jene Art von Priesterschaft zu sein, die ihr Leben geben wird, das durch das Lösegeld unter höchst günstigen Umständen bereitgestellt wurde. So werden sich alle schmerzvollen Umstände, in denen wir in Treue ausharren, zum Wohl der Welt auswirken, wenn die lebengebenden Segnungen des Lösegeldes ihnen angeboten werden.

Das ganze Evangelium-Zeitalter wird dazu benutzt eine verständnisvolle, mitfühlende und barmherzige Priesterschaft auszubilden, welche die heilenden Kräfte des Lösegeldes für die Welt tragen wird. Diese geben sich selbst, mit Christus zu sterben, damit sie daran teilhaben können die Welt von der Sünde und ihren negativen Auswirkungen über die Menschheit zu befreien. Ihre Opfer und Leiden fügen dem Lösegeld nichts hinzu. Sie sind einfach Gottes Weg den Wert des Lösegeldes zu einer ewigen Wohltat für das sterbende Menschengeschlecht zu machen.

Gott hätte die Wahrheit über das Lösegeld für die ganze Menschheit vielleicht auf wunderbare Art und Weise offenbaren und sagen können: „Nehmt diese Bestimmung an oder ihr werdet weiterhin sterben.” In Seiner großen Liebe hat Er jedoch diesen besseren Weg vorgesehen. Es geschieht auf eine Weise, welche die Glieder des gefallenen Geschlechts berührt, indem sie die Schwächen und Nöte der Welt fühlend die Maßnahmen des Lösegeldes mit Mitgefühl zur Beachtung der Menschheit bringen und das Volk liebevoll über den Weg, der zum Leben führt, unterrichten.

Wahrhaft können wir mit Paulus sagen: „O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unaufspürbar seine Wege!” – Römer 11:33

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