Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Diotrephes – Wie sollen wir mit einem schwierigen Bruder umgehen

„Eine größere Freude habe ich nicht als dies, daß ich höre, daß meine Kinder in der Wahrheit wandeln.“ – 3. Johannes 4

Hast du jemals den Gedanken gehabt: „Wenn nur der Herr hier wäre, er würde die Dinge richtig gehandhabt haben.“ „Wenn nur Paulus hier wäre! Er würde uns sagen, was in dieser Situation das Rechte wäre.“ Oder, „wenn nur ein schon lange verstorbener und sehr respektierter Ältester noch hier in der Kirche wäre; er würde unsere Probleme lösen.“

Während wir das Beispiel unseres Herrn Jesus lieben und wertschätzen und jene, die ihm fähig dienen, ist die Vorstellung, daß all unsere Probleme durch eine große leitende Persönlichkeit gelöst werden könnten, nicht realistisch. Ruft euch ins Gedächtnis zurück, daß trotz der Gegenwart Jesu, und daß er die Jünger täglich lehrte, diese noch untereinander zerstritten waren. Die Evangelien berichten über ihr Streitgespräch, wer der Größte im Königreich sein und wer von ihnen zur Rechten oder zur Linken Jesu sitzen würde. Paulus und Barnabas hatten eine Meinungsverschiedenheit, und Paulus mußte Petrus zurechtweisen. Selbst Pastor Russell hatte in seinen Tagen Anfechtungen durch Geschwister hinzunehmen, die seine Stellung in der Kirche in Frage stellten. Es sind schon immer Schwierigkeiten in der Brüderschaft vorhanden gewesen.

Wir mögen schlußfolgern: „Wenn wir eine starke Persönlichkeit zum Leiter hätten, so könnte er die Verantwortung übernehmen und uns sagen, was richtig und was falsch ist. Würde dies nicht unser Leben erleichtern? Nicht wirklich – weil dies ablehnt persönliche Verantwortung zu übernehmen. Es setzt unsere Notwendigkeit außer Kraft, in schwierigen Situationen ein persönliches Urteil zu fällen. Unser geistiges Wachstum würde verkümmern. „Die feste Speise aber ist für Erwachsene, die infolge der Gewöhnung geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten wie auch des Bösen.“ – Hebräer 5:14

Johannes lobte die Jünger Gajus und Demetrius wegen ihrer Großzügigkeit und Gastfreundschaft gegenüber den Brüdern. Er fordert uns auf, Geschwister zu unterstützen, die ähnliche Eigenschaften zeigen. So sollten wir Geschwister unterstützen, die nicht nur die Wahrheit reden, sondern auch in der Wahrheit wandeln, jenen Beihilfe leisten, die ohne den Wunsch nach irdischem Lohn demütig wirken, um das Evangelium vom Königreich zu verkünden. Laßt uns diejenigen unterstützen, die den Geist der Einheit und Brüderlichkeit unter Gottes Volk fördern.

In einem starken Gegensatz zu Gajus und Demetrius widerstand ein Bruder in der Kirche auffallend der Autorität des Johannes. Es war Diotrephes – ein herrschsüchtiger falscher Lehrer. Wir erkennen Diotrephes ganze Bosheit. Wir sprechen über ihn mit Unwillen! Wie herausfordernd er den Apostel Johannes in Frage stellt.

Beachte seine großen Verstöße in Vers 9 und 10. (1) Er liebte es, in der Kirche in einer Vorrangstellung zu stehen – indem er den Rat Jesu verwarf: „Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein. Wer sich aber selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigen wird; wird erhöht werden.“ (Matthäus 23:11, 12) (2) Er redete Böses über Johannes – indem er mit schlechten Worten gegen ihn redete. (3) Er wollte den Apostel Johannes nicht empfangen – augenscheinlich weder in Person noch durch Brief. (4) Er wollte keine Geschwister empfangen, die von Johannes als Botschafter ausgesandt wurden, und (5) wenn Geschwister, die Botschafter des Johannes empfingen, so warf er diese aus der Kirche.

Vielleicht hatte Johannes Diotrephes als ein Beispiel jener im Sinn, die schon den Geist des Antichristen zeigten. Entsprechend wird auch sein Name gedeutet: Diotrephes „ernährt von Jove/Dios“ dem Römischen Hauptgott, Optimus Maximus, (der Beste, der Größte), dessen Kult auf Roms Kapitolinischem Hügel sein Zentrum hatte. Diotrephes Eifer „der Beste und Größte“ zu sein zeigt den Geist des Antichristen. Der Antichrist, der große Abfall, konnte wachsen und die Kirche beherrschen, weil seine selbstherrlichen Führer durch die Kirche, als einen Leib nicht richtig behandelt wurden. Diese ernste und praktische Lektion gilt noch weiterhin.

Welche praktische Lehre können wir aus dem Studium von 3. Johannes entnehmen? „Ich ermahne euch aber, Brüder, daß ihr achthabt auf die, welche entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, Parteiungen und Ärgernisse anrichten, und wendet euch von ihnen ab.“ (Römer 16:17) Falschen Lehrern irgeneine Aufmerksamkeit zu erweisen ermächtigt sie. Ihre Empörungen zu diskutieren unterstützt nur ihre Statur. (Wenn niemand Hitler, Stalin oder Jim Jones zugehört hätte, wären sie an die Macht gelangt?)

Unterstütze Versammlungsleiter, die nicht nur die Wahrheit reden, sondern auch in der Wahrheit wandeln. Unterstütze keine Versammlungsleiter, die Böses reden, um ihre Themen durchzusetzen. Wähle Älteste, die den Kirchen und Versammlungen dienen, die die gesunde Wahrheit darstellen und einen gesunden Geist besitzen. Übe Gastfreundschaft gegenüber allen von des Herrn Volk aus, die danach trachten, Ihm im Geist und in der Wahrheit zu dienen. „Es grüßen dich die Freunde. Grüße die Freunde mit Namen!“ – 3. Johannes 15

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