Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Die schwankende Welt von heute

„Die Erde wird schwanken wie ein Betrunkener und schaukeln wie eine Hängematte; ihre Missetat liegt schwer auf ihr; sie fällt und steht nicht wieder auf!” – Jesaja 24:20

Über die Welt von heute wurde durch die prophetische Aussage der Bibel zutreffend vorhergesagt, daß sie „schwanken würde wie ein Betrunkener”. Der Mensch lebt heute in einem Umfeld, das sich von dem der vorhergehenden Generationen völlig unterscheidet, es ist dem aller vorausgehenden Zeitperioden der menschlichen Existenz nicht zu vergleichen. Zweifellos ist eine der größten daran mitwirkenden Faktoren die Möglichkeit der Menschen – des Einzelnen wie von Gruppen – sich ohne Zeitverzug mit jedem anderen austauschen zu können und Zugang zu jeder erreichbaren Information zu bekommen. Dem Großteil der Menschen ist diese Möglichkeit buchstäblich „in die Hand gegeben”.

Was geschieht heute? Es gibt weltumspannende Organisationen. Eine von ihnen ist die Handelsvereinigung GSMA (Groupe Speciale Mobile-Association), die weltweit die Nutzung mobiler Nachrichtenübermittlung überwacht. Sie veröffentlichte vor kurzem ihre aktuelle Statistiken. Danach stellte die GSMA fest, daß die Zahl der mobilen Nachrichtenübermittlungsgeräte in der Welt jetzt 7,5 Milliarden beträgt. Diese ist nahezu 3 % größer als die Zahl der ganzen Weltbevölkerung, die gegenwärtig auf 7,3 Milliarden Menschen geschätzt wird. Die GSMA rechnet auch hoch, daß die Zahl der mobilen Geräte, die im Gebrauch sind, auf mehr als 10 pro Sekunde steigt und sich damit zu einer Rate entwickelt, die 5 mal schneller vor sich geht, als die Zunahme der Erdbevölkerung. Als die Zahl der mobilen Telefongeräte im Jahr 2014 zum ersten Mal die Zahl der Weltbevölkerung übertraf, stellte eine prominente Führungskraft der Finanzwelt fest: „Keine andere Technologie hat uns so beeinflußt wie das mobile Telefon. Es ist das am schnellsten wachsende, jemals von Menschen geschaffene Phänomen: von null auf 7,2 Milliarden in drei Jahrzehnten zuzunehmen.

Man könnte erwarten, daß solch eine Explosion der Kommunikation im Zeitabschnitt von nur einer Generation und der dazugehörigen Leistungsfähigkeit scheinbar unbegrenzter Information und des Wissens in einen größeren Prozeß zur Lösung der vielen Probleme in der Welt münden sollte. Es ist jedoch klar erkennbar, daß diese Entwicklung eine gegensätzliche Auswirkung gehabt hat. Gott sagte dies durch den Propheten Daniel mit der Feststellung voraus, „zur Zeit des Endes wird die Erkenntnis zunehmen”. Die Erkenntnisse sollen jedoch nicht zur Lösung der Drangsale der Menschen beitragen, denn diese sollten von einer „Zeit der Bedrängnis, wie sie noch nie gewesen ist, seitdem (irgend)eine Nation entstand”, begleitet werden. – Daniel 12:1, 4

Die „Enge” unserer Welt von heute setzt voraus, daß die Problemlösungen von globaler Natur sein müssen, weil die Nationen und Völker in jeder Ecke der Erde durch Ereignisse und Drangsale in allen anderen Teilen des Planeten beeinflußt werden. Einige Staatsmänner und Historiker gehen so weit, zu sagen, daß unsere Schwierigkeiten jetzt so kompliziert sind, daß eine wirkliche Lösung nur von einer weltweiten Regierung ausgehen könnte. Die bestehende Zersplitterung in den politischen, wirtschaftlichen, religiösen und gesellschaftlichen Ansichten unserer Welt wie auch die allgemein selbstsüchtigen Beweggründe haben diese Lösung jedoch praktisch unmöglich gemacht.

Unsere Welt ist im Begriff in so viele Richtungen gezogen zu werden, daß ihr Stabilität und ein festes Ziel fehlen. Die meisten Menschen haben das Gefühl, daß die Zukunft sehr unsicher ist, und so schwanken sie hin und her vor Furcht, indem sie nicht wissen, worauf der Mensch hinsteuert. Wir glauben, daß die Schriften in ihrer Vorhersage der Zustände auf der Erde von heute sehr deutlich sind. Es ist jedoch eine vernünftige Frage, die sich stellt: Wenn Gott die gegenwärtigen Zustände schon Zeitalter zuvor gekannt hat, hält Er dann auch Lösungen bereit?

Die Erde wird nicht buchstäblich vernichtet

Unser Leittext ist eine anschauliche Beschreibung einer Weltordnung, die in die Richtung der unvermeidlichen Vernichtung schwankt und stolpert. In diesem Kapitel von Jesaja ist fast alles ähnlich prophetisch. Uns wird gesagt, daß die Erde „entleert und verheert wird” und „ihre Oberfläche umgekehrt” wird. Der Prophet erklärt auch, daß die Erde „trauert und welkt”. Die gleiche Erde wird entsprechend dieser Prophezeiung als „berstend und zerbrechend”, als „wankend wie eine Nachthütte” dargestellt. – Jesaja 24:1, 4, 19 und 20

Es ist klar, daß die hier erwähnte „Erde” nicht dieser buchstäbliche Planet ist, auf dem wir leben. Die buchstäbliche Erde kann weder trauern, noch hat sie gesündigt, und sie kann auch keine Bestrafung für Übertretungen bekommen. Diese Wortwahl wird benutzt, um das zu bezeichnen, was wir die „Welt” nennen – oder die Weltordnung. Im vierten Vers dieses Kapitels werden die Worte „Erde” und „Welt” abwechselnd gebraucht. Der Begriff Erde ist hier symbolisch angewandt wie auch alle Formulierungen, die mit der Vernichtung der symbolischen Erde im Zusammenhang stehen. Der Gebrauch von so vielen beschreibenden Bildern durch den Propheten vermittelt den unmißverständlichen Gedanken, daß die hier beschriebene Welt völlig zerstört werden soll.

Die Welt, von der Jesaja spricht, ist die gleiche, auf die sich im Neuen Testament der Apostel Paulus mit den Worten „diese gegenwärtige böse Welt” bezieht. – Galater 1:4 Ihr Herrscher ist Satan, von dem der Apostel sagt, „der Gott dieser Welt”, und den Jesus als den „Fürst dieser Welt” bezeichnete. – 2. Korinther 4:4 und Johannes 16:11 Satans böse Welt muß tatsächlich vernichtet werden, bevor Gottes neue Welt aufgerichtet werden kann. Jene neue Welt oder „neue Erde” wird vom Apostel Petrus als eine Erde beschrieben, „in der Gerechtigkeit wohnt”. – Petrus 3:13

Der Tag des Herrn

Das Alte und das Neue Testament liefern uns Bilder und prophetische Einsichten, welche die Ereignisse betreffen, die in der Welt geschehen. Diese Prophezeiungen bezeichnen die gegenwätige Zeitperiode menschlicher Erfahrungen als den „Tag des Herrn” und den „Tag Gottes”. – Jesaja 13:6, Joel 2:1 und 11, 2. Petrus 3:10 und 12 Es ist die „Zeit des Endes” des gegenwärtigen Evangelium-Zeitalters. Die Herrschaft des Menschen, die auf der Grundlage von Selbstsucht besteht und weitgehend unter Satans täuschendem Einfluß steht, bröckelt bis zu ihrem Fall. – Daniel 12:4 und 9

Nicht wissend, daß die Zeit für das göttliche Eingreifen in die Angelegenheiten der Menschen gekommen ist, hält die menschliche Weisheit noch an der Hoffnung auf die Aufrichtung einer besseren Welt auf den Ruinen der alten Weltordnung fest. Zeitlich und in einem sehr begrenzten Umfang mag dies gelegentlich auch stattfinden. Die Prophezeiungen der Bibel zeigen jedoch deutlich, daß, bevor die Ereignisse dieses „Tages des Herrn” vollendet sind, Gottes lang verheißenes Königreichs den Platz eingenommen haben wird, der früher von den gefallenen Institutionen des Menschen eingenommen wurde.

Diese gegenwärtige Zeitperiode wird auch der „Tag der Rache unseres Gottes” und der „Tag des Zorns” genannt. – Jesaja 61:2, 63:1 – 4 und Psalm 110:5 Wir wissen jedoch, daß sich der göttliche Zorn nicht gegen den Menschen richtet. Gott hat bestimmte Gesetze gegeben, mit denen Er in Übereinstimmung wirkt, und diejenigen, die mit ihnen in Konflikt kommen, werden die Strafe ihres Laufs ernten. So erntet die Menschheit heute das Resultat ihrer unbereuten Selbstsucht und Sünde, aber nicht wegen persönlicher Bosheit ihres Schöpfers.

Was Jesaja als den „Tag der Rache” beschreibt, und wovon Daniel als einer „Zeit der Drangsal” spricht, haben andere Propheten Gottes ähnlich ausgedrückt. Der Prophet Maleachi sagt über die gleiche Zeit: „Denn siehe, der Tag kommt brennend wie ein Ofen! Da werden alle Übermütigen und alle, die gottlos handeln, wie Stoppeln sein.” – Maleachi 3:19 Joel, der über die gleiche Zeit der Not für die Welt spricht, sagt voraus, daß sie „ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks” sein soll. – Joel 2:2 Jesus, Gottes „großer Prophet”, weist auf diese Zeit als eine Zeit „großer Drangsal”hin, die in ihrem Charakter so zerstörerisch ist, daß, wenn sie nicht verkürzt, „kein Fleisch” geretten werden würde. – Matthäus 24:21 und 22

Symbolische Blitze

Der Psalmist beschreibt prophetische „Blitze”, die mit unserem Tag verbunden sind, indem er feststellt, „Seine Blitze erleuchten die Welt. Die Erde sah es und bebte.” – Psalm 97:4 Hier ist ein Symbolismus, der darstellt, was der Prophet Daniel beschrieb, wie zuvor zitiert wurde, der die Zeit betrifft, in der „die Erkenntnis zunehmen soll”. Viele bemerken heute die Beziehung zwischen der Möglichkeit der Information – einschließlich der Leichtigkeit der Kommunikation und der gegenwärtigen Unordnung und des Aufruhrs in der Welt. Während sie bemerken, daß es die „erleuchtenden” Einflüsse in der Welt von heute sind, die dies herbeigeführt haben, erkennen sie nicht, daß dies in Erfüllung der biblischen Prophezeiungen geschehen ist, weil Gottes Zeit gekommen ist, die Aufrichtung Seines Königreich vorzubereiten.

Jahrhundertelang glaubte man, daß Erkenntnis in den Händen des einfachen Volkes und die Möglichkeit, im großen Maßstab zu kommunizieren, unsicher wäre. Jahrhundertelang war dies tatsächlich gefährlich für die erblich herrschenden Klassen. Es wurde jede mögliche Anstrengung unternommen, das Volk zum größten Teil in Unwissenheit zu halten. Dies zeigte sich besonders während der Zeitperiode, die als das dunkle Zeitalter bezeichnet wird. Es kam jedoch die Zeit, daß Gott wünschte, daß das Volk Erkenntnis erlangen sollte. Seine symbolischen Blitze begannen die Welt zu erleuchten und die erste Auswirkung davon ist die Drangsal und das „Zittern”, das wir heute auf der Erde sehen.

Der Symbolismus des „Blitzes” wird besonders bedeutsam im Zusammenhang mit Joels Prophezeiung, welche diese gleiche Zeit als einen „Tag des Gewölks und der Dunkelheit” beschreibt. In der Tat, wie passend ist dieses Bild! Die Lichtstrahlen in der Mitte der Dunkelheit und die Verwirrung dieses wolkigen Tages sind Gottes große Prinzipien der Wahrheit und Gerechtigkeit. Blitze, die von Seinem unbekannten Thron ausgehen, offenbaren in den gesellschaftlichen, politischen, religiösen und wirtschaftlichen Ansichten und Praktiken der Vergangenheit hier einen und dort einen anderen Irrtum. Diese Lichtstrahlen treiben das Volk an, auf bessere Dinge zu drängen, von denen sie glauben, daß ihnen diese gerechterweise zustehen. Niemals zuvor wurden solche Forderungen in solch einem weltweiten Umfang erhoben.

Wie deutlich helfen die prophetischen Blitzstrahlen, die von Gottes Thron ausgehen, die Verderbtheit in der Welt zu offenbaren, die Unehrenhaftigkeit in höheren Stellen. Sie machen die Notwendigkeit zu radikalen Veränderungen sichtbar, die in der Welt stattfinden müssen. Wie aber können diese falschen Dinge, welche die Welt nicht erkennen kann, verändert werden? Das Ergebnis ist, daß der Mensch ständig von sich widersprechenden Ideen, Stimmen, Theorien und Bedrohungen hört. Dies alles fügt sich noch der Verwirrtheit hinzu und läßt das Hin- und Herschwanken der Erde zunehmen und schwächt die Möglichkeiten des Menschen, die Welt unter Kontrolle zu halten. Heute zittert die Erde tatsächlich erheblich unter dem Lärm sich widersprechender Worte, wie in der Vergangenheit unter dem explosionsartigem Lärm eines globalen Krieges.

Des Herrn Volk sollen „Wächter” sein

Was sollte in der Mitte aller Drangsal und Tumulte die Haltung des wahrhaft geweihten Volkes des Herrn sein? Leiden sie auch unter Furcht und Zweifel und Verwirrung? Dies wird nicht der Fall sein, wenn sie nach ihren Vorrechten als Wächter in Zion leben. – Jesaja 52:8 Während es wahr ist, daß des Herrn Volk unter den gleichen Nöten leidet wie der Rest der Menschheit, die den Ausgang nicht kennt, „heben sie ihre Häupter empor”, weil sie wissen, daß „ihre Erlösung naht”. – Lukas 21:28 Darauf vertrauend erkennen sie, daß nicht nur ihre Erlösung in der Ersten Auferstehung naht, sondern, daß auch die Erlösung der Erde von der Knechtschaft der Sünde uns des Todes nahe bevorsteht.

In den Schriften wird dem geweihten Volk des Herrn eine Erkenntnis des Planes Gottes hinsichtlich Seiner Zeiten und Zeitalter gegeben. Ihr Verständnis befähigt sie, die Notwendigkeiten für die Maßnahme Seines gegenwärtigen Handelns mit der Welt und auch die „friedvolle Frucht der Gerechtigkeit”, die bald daraus hervorgehen wird, zu erkennen. – Hebräer 12:11 In der Mitte des Sturmes dieses großen „Tages des Herrn” hören sie die allweise Simme Gottes, und ihre Herzen freuen sich. Sie setzen völliges Vertrauen in Seine Fähigkeit, Ordnung in die Verwirrung und das Chaos zu bringen. Sie erkennen, daß es in den Gerichten dieses Tages Gott ist, der vom Himmel spricht – dem Ort der höchsten Autorität und Kontrolle. Sie sagen dank, daß diese bestimmte Zeit gekommen ist, sich mit dem Werk zu beschäftigen, die Ordnung der Dinge, die Sünde und Selbstsucht hervorgebracht haben, zu beseitigen, damit Sein langverheißenes Königreich an seinem Ort aufgerichtet werden mag.

Die in den Prophezeiungen dargestellten Strahlen der Blitze sprechen symbolisch von Erkenntnis, die in alle Richtungen des Laufes des menschlichen Verhaltens geht. Geistige Wahrheit, die Gottes Willen für Sein eigenes Volk betrifft, wird auch durch die Schriften und die geweihten Nachfolger des Meisters offenbart und verbreitet. Die prophetische Bedeutung der Zeiten, in denen wir leben, zu verstehen, ist daher als eine besondere Segnung vom Herrn zu betrachten. Daher sollte unsere Haltung größte Dankbarkeit gegenüber Gott ausdrücken für die wunderbare Wahrheit, die zu erkennen Er uns das Vorrecht gegeben hat. Unsere Dankbarkeit sollte sich aber in einem zunehmenden Eifer zeigen, die Wahrheit anderen bekannt zu machen.

Wenn wir die Ereignisse unseres Tages mit dem Zeugnis biblischer Prophezeiungen in eine Linie bringen, so glauben wir, daß der „Tag des Herrn” deutlich fortschreitet. Es ist ein „Tag”, der Stufen allmählicher Entwicklung hat. Sein allgemeiner Charakter ist der Kampf von Licht gegen Finsternis, von Freiheit gegen Unterdrückung und von Wahrheit gegen Irrtum. Er ist so umfassend in seinen Auswirkungen und so universal in all seinen Verzweigungen, daß nicht ein Symbol allein ihn beschreiben könnte. Sehr wichtig ist für das Volk des Herrn jedoch das Verständnis durch den Glauben an Gottes Wort, das uns befähigt, den herrlichen Ausgang zu erkennen – das Messianische Königreich. Wir wollen auch die Warnung des Apostel Petrus beachten, um nicht zu denen zu gehören, die er als „Spötter” unter des Herrn Volk kennzeichnete – welche sagen „seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so, wie es am Anfang der Schöpfung war”. – 2. Petrus 3:3 und 4

Andere prophetische Bilder

Ergänzend zu den anderen Prophezeiungen, die wir im Hinblick auf die gegenwärtige „Zeit der Drangsal” und dem „Tag des Herrn” schon erwähnt haben, beschreiben die Schriften diese im weiteren als die Zeit, in der „die ganze Erde durch den Eifer meines (Gottes) Zornes verzehrt werden soll”. – Zephanja 3:8 Eine andere Prophezeiung des Herrn informiert uns darüber, daß es Gottes Handlungsweise ist, während dieser Zeit „im Sturmwind und Ungewitter” zu sein. – Nahum 1:3 Sie wird prophetisch auch als ein „Hagelwetter” und ein verheerender „Sturmwind” und ein „großes Erdbeben” beschrieben, „desgleichen nicht geschehen ist, seitdem ein Mensch auf der Erde war”. – Jesaja 28:2 und Offenbarung 16:18

Es geht aus so vielfältigen Beschreibungen deutlich hervor, daß keine von ihnen buchstäblich anzuwenden ist. Es sind prophetische Bilder und Symbole, welche die verschiedenen Züge der gegenwärtigen Drangsal der Welt und Gottes Antwort darauf darlegen.

Der Herr zeigt uns dies in einer symbolischen Ausdrucksweise Seiner Gedanken. In Jesaja 34:3 wird von den Königreichen der Erde als von „Bergen”, die von ihrem Blut zerfließen”, gesprochen.

Ein noch anderer Symbolismus der Prophezeiungen ist der des Tretens der „Weinpresse”. Der von der frühen Zeit der Zweiten Gegenwart Christi prophezeiende Prophet sagte: „Ich habe die Kelter allein getreten … . Ich zertrat sie in meinem Zorn … und ihr Saft spritzte auf meine Kleider und ich besudelte mein ganzes Gewand.” – Jesaja 63:1 – 6 Wir glauben, daß dieses Werk in einer ernsten Weise als ein Ergebnis der Ereignisse um 1914 mit dem Beginn des ersten Weltkriegs begann. Dieses symbolische Treten der „großen Kelter des Zornes Gottes” hat seitdem während des Jahrhunderts Jahr für Jahr an Heftigkeit zugenommen und dies setzt sich noch bis heute fort. – Offenbarung 14:19

Das große Standbild, das zerschlagen wird

Eine zusätzliche Beschreibung, die uns die Schrift gibt, zeigt den Sturz der bestellten Obrigkeiten, der erblichen Herrschaftshäuser, die vor dem 1. Weltkrieg über den größten Teil Europas regierten. Das Buch Daniel, Kapitel 2, berichtet darüber. Diese Prophezeiung geschieht im Hinblick auf die Durchführung der göttlichen Absicht, die durch das von Nebukadnezar in einem Traum gesehene menschliche Standbild dargestellt wird, das geschlagen wurde. – Daniel 2:31 – 45 Dieses Standbild sollte der Prophezeiung entsprechend von einem Stein zerschlagen werden – „ein Stein, der losgerissen ward ohne Handanlegung”. Der Berg stellt hier Gottes höchste Herrschaft über die Erde dar.

Die früheren mächtigen kirchen-staatlichen Herrschaftshäuser, die in Europa regierten, die für Jahrhunderte lang für sich das „göttliche Recht als Könige” in Anspruch nahmen, wurden im 1. Weltkrieg weitgehend vernichtet. Die historischen Ereignisse jener Zeit liefern, wie wir glauben, den Beweis für den Beginn der Erfüllung von Daniels Prophezeiung, daß das „Standbild” der Autorität der Nationen „geschlagen” wurde und zu zerbröckeln begann. Wir sehen in der Tat, wie die verbleibenden Fragmente nun weiterhin „in Stücke geschlagen” und zu Staub zermahlen und darauf vorbereitet werden „wie Spreu von den Sommertennen” hinweggefegt zu werden. – Daniel 2:34, 35 und 44 In Übereinstimmung mit dieser angedeuteten Darstellung sehen wir, daß Europa heute nicht länger von diesem großen „Bild” der Macht der Nationen beherrscht wird, sondern zumeist von den zersplitterten Regierungen, die sich aus der Masse des Volkes erhoben haben.

Der Apostel Paulus spricht auch von den symbolischen Schlägen der Zerstörung, die Satans Reich in Vorbereitung auf die Aufrichtung des Königreichs Gottes betreffen. Er vergleicht die Drangsal mit Geburtswehen – „wie die Wehen einer schwangeren Frau”. – 1. Thessalonicher 5:1 – 3 In Daniels Prophezeiung wird zu verstehen gegeben, daß es drei dieser größeren „Wehen” oder „Krämpfe” der Drangsal geben sollte. Sie zeigen sich zuerst in dem Zucken des Bildes, zweitens, in dem Zermahlen der Stücke zu Staub, und drittens in dem Wind, der die „Spreu” oder den Staub hinwegbläst. Die Ereignisse des vergangenen Jahrhunderts scheinen zu verstehen zu geben, daß wir uns in der zweiten von diesen größeren Wehen befinden und uns vielleicht der dritten nähern.

Gott überwaltet alles

Beachten wir eine weitere Prophezeiung dieses gegenwärtigen Tages der Drangsal. Wir zitieren aus dem Buch Joel: „Beben sollen alle Bewohner des Landes! Denn es kommt der Tag des HERRN, ja er ist nahe: ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und des Wetterdunkels … . Vor ihm her verzehrt das Feuer, und nach ihm lodert die Flamme … . Vor ihnen erbebt die Erde, erzittert der Himmel; Sonne und Mond verfinstern sich, und die Sterne verlieren ihren Glanz.” – Joel 2:1 – 3 und 10

Wie wir gesehen haben, sind von den Propheten von alters her viele Symbole benutzt worden, um ein oder mehrere Ereignisse zu beschreiben, die an dem bedeutsamen „Tag des Herrn” geschehen. Es ist jedoch tatsächlich so, daß Gott für den Sturz dieser „gegenwärtigen bösen Welt” die Verantwortung trägt. Der Herr erklärt uns in Seinem Wort, daß Er dies am Ende durch die prophetische Zunahme der Erkenntnis vollendet – die Strahlen Seiner Blitze – und deren Auswirkungen auf alle Bereiche der Gesellschaft.

Das „Hin- und Hertaumeln der Erde” ist als ein Resultat der Auswirkungen der Blitze Gottes eine sehr umfassende Beschreibung. Die Erde mag taumeln und zittern wie in einem Sturm, vom Wind, vom Feuer, von Erdbeben und Fluten, oder auf andere Weise, aber es setzt sich fort, daß sie „erschüttert” wird, bis sie schließlich zu Fall kommt. Dann wird das Königreich des Messias „das unerschütterlich ist” an seiner Stelle aufgerichtet werden. – Hebräer 12:26 – 28

Eine neue und bessere Welt

Die Nöte der Welt, die in einem direkten Zusammenhang zu den jetzt erscheinenden überleitenden Veränderungen stehen, haben Männer und Frauen aller Nationen dazu veranlaßt, nach einer neuen und besseren Welt Ausschau zu halten. Wir können auch gut den Wunsch jener aufrichtigen Führer der Welt verstehen, alles was in ihrer Macht ist, zu tun, um eine neue Ordnung hervorzubringen, die vollen Frieden und Glück mit sich bringt.

Wir sprechen nicht geringschätzig über solch aufrichtige menschliche Anstrengungen, wenn wir sagen, daß es keine ideale Weltordnung geben kann, bis das Königreich Christi aufgerichtet ist. Es gibt nichts, was eine solche Hoffnung und den Mut in den Herzen der Menschheit von heute mehr erzeugen könnte, als zu wissen, daß aus all dem Chaos und all der Drangsal, welche die gegenwärtige Zeit mit sich bringt, bald eine Ära von echtem und dauerhaftem Frieden und der Freude entsteht. Dies ist genau das, was wir erwarten können und erwarten sollten, nicht weil der Mensch letztlich über seine Selbstsucht triumphieren wird, sondern weil Gott in die Angelegenheiten des Menschen eingegriffen hat und bald göttliche Kontrolle durch das Königreich Seines Sohnes, Christus Jesus, über die Nationen ausüben wird. In dem letzten Vers des Kapitels unseres Leittextes wird uns die Versicherung gegeben, „Denn der HERR der Heerscharen herrscht als König auf dem Berg Zion und in Jerusalem, und vor seinen Ältesten ist Herrlichkeit.” – Jesaja 24:23

Der Berg Zion – der Mittelpunkt von Gottes Königreich

Jerusalem war die Hauptstadt von Judäa und auf dem Berg Zion in Jerusalem befand sich das Zentrum der Herrschaft Israels. Die Verheißung Gottes, „auf dem Berg Zion zu herrschen”, zeigt Seine Kontrolle über die menschlichen Angelegenheiten an. Dieser Symbolismus vom göttlichen Königreich wird viele Male sowohl im Alten- wie auch im Neuen Testament erwähnt. Im 2. Psalm erklärt Gott: „Habe doch ich meinen König geweiht auf Zion, meinem heiligen Berg.” – Psalm 2:6 Der Psalmist sagt dann, daß Gottes König, Christus Jesus, alle Nationen dieser gegenwärtigen bösen Weltordnung „zerschmettern” wird, daß er sie „wie Töpfergeschirr zerschmeißen wird”. – Psalm 2:9

Im Buch der Offenbarung wird gezeigt, daß Jesus und seine Kirche zusammen auf dem Berg Zion stehen. – Offenbarung 14:1 Die Prophezeiung von Obadja zeigt die gleiche Darstellung des Königreichs, indem sie sagt: „Und es werden Retter hinaufziehen auf den Berg Zion … Und die Königsherrschaft wird dem HERRN gehören.” – Obadja 21 Es scheint aus diesen Darstellungen klar hervorzugehen, daß der Begriff „Zion” in den Schriften benutzt wird, um die erhöhte Stellung von Christus und seiner Kirche hervorzuheben, da sie zusammen herrschen und die sündenkranke und sterbende Menschheit emporheben und segnen werden.

Micha 4:2 erklärt: „Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem.” Dies ist eine weitere der Prophezeiungen Gottes, in der symbolisch von Zion gesagt wird, daß es den Christus, Haupt und Leib, darstellt. Es gibt guten Grund auch zu glauben, daß der Begriff Jerusalem hier verwendet wird, um die irdischen oder sichtbaren Auswirkungen des neuen Königreichs zu beschreiben. Tatsächlich werden die Gesetze jenes Königreichs vom himmlischen Zion ausgehen – von Christus und seiner Kirche. Es werden keine irdischen Gesetzgeber nötig sein, weil es keine Notwendigkeit dafür gibt, die Gesetze auszutauschen oder zu ändern – noch werden neue Gesetze nötig sein, um unvorhergesehene Probleme zu lösen.

Es wird jedoch notwendig sein, diese neuen Gesetze „von Zion” bekannt zu machen, und das Volk wird Anweisungen zu ihrer genauen Ausführung benötigen. Dies wird durch die irdischen Repräsentanten des Königreichs geschehen, von denen Micha als dem „Wort des HERRN” spricht, welches von „Jerusalem” ausgehen wird. Diejenigen, die den Christus darstellen werden – das himmlische Zion – in der irdischen oder „Jerusalem”-Phase des Königreichs sind schon von Gott gesammelt und für diese hohe Stellung des Vertrauens als Lehrer der Menschheit unter Christus vorbereitet worden. In Lukas 13:28 und 29 werden sie von Jesus als Abraham, Isaak, Jakob und alle Propheten gekennzeichnet. Im Psalm 45:16 wird auf sie als die „Väter” Israels hingewiesen, und es ist die Verheißung gegeben, daß sie zu „Fürsten auf der ganzen Erde”, gemacht werden sollen. Paulus bezeichnet diese Gruppe auch als Israels „Älteste”, die „durch Glauben ein gutes Zeugnis erlangten”. – Hebräer 11:1, 2 und 39

Der einzige Plan, der erfolgreich sein wird

Wenn wir dieses schriftgemäße Bild von Gottes neuer Welt vom menschlichen Standpunkt aus betrachten, so ist dies ziemlich unvorstellbar, und wir würden guten Grund zu der Frage haben, wird es ausführbar sein? Wir müssen uns jedoch daran erinnern, daß dies nicht ein menschlich erdachter Zukunftstraum ist. Wenn es nur dies wäre, so würden wir guten Grund haben, irgendeine Hoffnung auf Erfolg zu bezweifeln. Gott sei dank, daß es Seine neue Anordnung für die sündenkranke und sterbende Welt ist. Der Schöpfer des Universums, die große erste Ursache allen Lebens, hat es geplant, und sicherlich würde Er dem menschlichen Geschlecht keine Verheißungen machen, die Er nicht erfüllen kann.

Wie beruhigend sind des Himmlischen Vaters Worte: „Gedenket des Früheren von der Urzeit her, daß ich Gott bin. Es gibt keinen sonst, keinen Gott gleich mir, der ich von Anfang an den Ausgang verkünde und von alters her, was noch nicht geschehen ist, – der ich spreche: Mein Ratschluß soll zustande kommen, und alles, was mir gefällt, führe ich aus … Ja, ich habe (es) geredet, ja, ich werde es auch kommen lassen.” – Jesaja 46:9 – 11

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