Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Die Einheit des Christus

„Damit sie alle eins seien, wie du Vater, in mir und ich in dir, daß auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast … Ich in ihnen und du in mir – daß sie in eins vollendet seien.” – Johannes 17:21 und 23

Jesus betete in der Nacht seiner Kreuzigung mit den Worten unseres Leittextes, daß seine Nachfolger, wir inbegriffen, die zweitausend Jahre später leben, untereinander und mit ihm eins sein sollten, wie er mit dem Himmlischen Vater eins war. Wie aus den Worten Jesu klar hervorgeht, sprach er nicht von der Einheit der Person oder der Identität, sondern von der Einheit in der Absicht und der Einheit des Charakters. Jesus hatte zuvor an diesem Abend gesagt: „Mein Vater ist größer als ich!” – Johannes 14:28 Wir wissen, daß auch unser Meister Jesus dem Rang nach höher als seine Fußstapfennachfolger steht, was von dem Apostel Paulus bestätigt wird, der von ihm sagt: „Und er ist das Haupt des Leibes, der Gemeinde, … damit er in allem den Vorrang habe.” – Kolosser 1:18 So gibt es in der weiteren Entwicklung dieses Themas keinen Gedanken, der uns dazu führen würde, an eine buchstäbliche Darstellung der Einheit in der Person zwischen Gott, Seinem Sohn Jesus und denjenigen, für die Jesus hier betete – seine Fußstapfennachfolger, zu denken.

Ein wichtiger Teil unseres Verständnisses den Sinn Christi zu haben, besteht darin, den Geist der Einheit und des Einsseins zu verstehen, der zwischen ihm und dem Vater besteht. Dann müssen wir die Prinzipien anzuwenden versuchen, die ihre Einheit auf uns lenken. Eine der hauptsächlichen Maßstäbe und Beweise der Einheit mit Gott und Seinem Sohn Christus Jesus besteht in dem Maß, in welchem wir mit unseren Geschwistern eins sind. In Epheser, Kapitel 4, gibt uns der Apostel einen weisen Ratschlag, der die Einheit unter des Herrn Volk betrifft. Er beginnt mit den Worten: „Mit aller Demut und Sanftmut und Langmut einander ertragend! Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens.” – Epheser 4:2 und 3

In diesen Versen macht Paulus deutlich, daß Einheit, Friede und Harmonie unter den Geschwistern Christi nur dort möglich sind, wo eine Haltung der Langmut und Demut besteht, die uns dazu in die Lage versetzt. Diese, so sagt er, müssen mit stillem Ertragen vermischt sein, die es uns möglich machen, die Unvollkommenheiten, die untereinander bestehen, zu ertragen, weil wir die Geschwister als Glieder des Leibes lieben. Paulus weist auf die gesegnete Harmonie unter den Geschwistern als die „Einheit des Geistes” hin, und wo diese Elemente des christusähnlichen Charakters fehlen, wird es keine Einheit des Geistes geben. Andererseits können Sanftmut, Demut Langmut und Liebe getrennt von anderen Erwägungen nicht die „Einheit des Geistes” herstellen, von der der Apostel Paulus spricht.

Zusätzlich zu dem Besitz dieser grundsätzlich wichtigen Elemente des Charakters müssen sie auf der Grundlage und in Harmonie mit unserer Erkenntnis der Tatsache ausgeübt werden, daß da ist, „Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung! Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist.” – Epheser 4:4 – 6 Dies weißt darauf hin, daß wahre Einheit in Christo auf der Grundlage einer Einheit der grundlegenden Erkenntnis besteht. Es ist nicht schwierig zu erkennen, warum dies so ist. Jede Gruppe von Menschen, deren Ziel und deren Anstrengungen miteinander verwandt sind, werden sich durch ein gemeinsames Interesse angezogen fühlen. In dem Kreis der Familie Christi und ihrer Bemühungen bewahrheitet sich das gleiche Prinzip. Wir alle sollten die Ermahnung des Paulus beachten, „die Einheit des Geistes zu bewahren”. Wie der Brief zeigt, benötigten die Geschwister von Ephesus dies im besonderen. In der Urkirche vollzog sich, daß einige aus den Nationen in den Christus gekommen waren. Dies wird in den Kapiteln 2 und 3 deutlich gezeigt. In diesen Kapiteln erklärt Paulus, daß diese zwei Gruppen in dem Christus zusammengefügt wurden – daß diejenigen, die aus den Nationen kamen, die ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels Fremdlinge hinsichtlich der Bündnisse und Verheißungen waren, durch das Blut des Christus nahe geworden waren. Paulus sagt, daß den Nationen Frieden gepredigt wurde, „euch den Fernen, und Frieden den Nahen (den Juden)”. Er erklärt, daß darum beide, sowohl Juden als auch Nationen nun „durch einen Geist den Zugang zum Vater haben”. – Epheser 2:6, 12, 13, 17 und 18

Die Einheit von Juden und Nationen in dem Christus

Es ist leicht zu verstehen, warum es einer Versammlung, die sich aus bekehrten Juden und Christen zusammensetzte, nur schwer möglich war, untereinander Liebe zu zeigen. Ihre früheren Ansichten und Lebenserfahrungen waren gänzlich unterschiedlich. Die Ansicht der Juden war die, daß ausschließlich sie Gottes Volk waren. Zu ihnen hatte Gott gesagt: „Nur euch habe ich von allen Geschlechtern der Erde erkannt.” – Amos 3:2 Sie waren das „Auserwählte Volk” des Herrn, und die Nationen waren in den Augen der Juden nur „Hunde”. – Matthäus 15:22 – 28

Andererseits sahen die Bekehrten aus den Nationen die Dinge völlig anders. Gewöhnt von den Juden als „Hunde” bezeichnet zu werden, war es nun für sie fast unmöglich, für diese Zuneigung zu empfinden, die sie so verächtlich angesehen hatten. Es ist wahr, sie waren Nachfolger des jüdischen Messias geworden, aber die alten Vorurteile konnten nicht so schnell vergessen werden. Die von den Nationen machten auch naturgemäß ein größeres Maß an Freiheit gegenüber ihrer Speise und anderen lebendigen Gewohnheiten geltend, als die Bekehrten aus den Juden. Sie hatten nicht die beschränkenden Anordnungen des Gesetzes im Sinn und waren daher geneigt, Dinge zu tun, die den Bekehrten aus den Juden völlig falsch erschienen. Auch sonst würden diese zwei Gruppen von Nachfolgern Christi Hindernisse auf dem Weg ihrer Ansichten und Tätigkeiten finden, zu einer Einheit von ganzem Herzen vermischt zu werden.

Unter diesen Umständen konnten nur eine Einheit und ein Einssein, welche durch den Heiligen Geist bewirkt wurden, Harmonie in die Kirche von Ephesus bringen. Tatsächlich kann nur die Kraft des Heiligen Geistes den fleischlichen Geist der Trennung überwinden, wo immer dieser zu finden ist. Solch eine Einheit ist mehr als nur eine Gefühlsregung, die Geschwister füreinander empfinden mögen. Diese „Einheit” ist bewundernswert, aber sie beruht nur auf Freundschaft, und Freundschaft entsteht gewöhnlich aufgrund eines bestimmten Maßes von Ähnlichkeit im Temperament, den Gewohnheiten, den Situationen im Leben, usw. Andererseits bewirkt der Heilige Geist Einheit unter den Geschwistern, trotz der natürlichen Hindernisse, die dieser im Weg stehen mögen, wie Unterschiede in der Herkunft, der Ausbildung, Erziehung und Nationalität.

Die Einheit des Geistes ist jene Einheit unter den Geschwistern, die nur durch das Wort Gottes eingeprägt wird. Durch die Propheten, durch Jesus und die Apostel sprechend, hatte Gott klargestellt, daß die Gläubigen aus den Nationen und die Juden „Miterben” in Christo werden sollten. – Epheser 3:6 Dies stand im Gegensatz zu den Erfahrungen der Juden, die sie in all den Jahrhunderten ihrer Existenz gemacht hatten, aber es war nun Gottes Wille, der durch das Wirken des Heiligen Geistes uneingeschränkt offenbar gemacht wurde. In der Konferenz in Jerusalem erklärte Petrus, daß der Heilige Geist zu den Bekehrten aus den Nationen gekommen war, wie er auch auf die Juden gekommen war, und aus diesem Grund sollte kein Unterschied zwischen ihnen bestehen. – Apostelgeschichte 15:8 und 9

Ein Gott und ein Glaube

Bevor diese Nachfolger Christi wurden, hatten die Bekehrten aus den Nationen anderen Göttern gedient. Die Nationen hatten gewöhnlich viele Götter. Nun hatten sie jedoch nur einen Gott, welcher der Vater von ihnen allen war. Sie waren alle Glieder des einen Leibes des Christus. Es sollte nicht ein Leib aus den Juden bestehen und ein anderer aus den Nationen. Es gab nur einen Glauben für alle – „der allerheiligste Glaube”. – Judas 20 Nachfolger des Meisters, ob von den Juden oder den Nationen wurden alle in „eine Hoffnung” ihres Rufes berufen. Es gab nur eine wahre Taufe für alle, und das war die Taufe in den Christus, in der Bedeutung, daß „wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes”. – Römer 6:5 Für eine gemischte Gruppe von Bekehrten aus den Juden und den Nationen war ein innewohnendes weitreichendes Maß des Heiligen Geistes erforderlich, um ihr Leben im diesen Sinne des Zusammenlebens neu zu ordnen.

Denn wenn der Geist Gottes im Herzen wohnen und das Leben kontrollieren soll, erfordert dies die Bezwingung des selbstsüchtigen menschlichen Willens und seiner Wünsche. Gottes Geist ist ein erleuchtender Einfluß im Leben der Fußstapfennachfolger Christi. Und die Kraft das Leben zu verändern ist zum Teil darin begründet, daß er die Notwendigkeit der Veränderung offenbar macht und einen neuen Lebensinhalt entwirft, das befolgt werden muß. Es war diese Phase des Einflusses des Geistes in dem Leben der Geschwister in Ephesus, das zu dem „Bemühen” aufrief, das in dem zuvor zitierten Schrifttext erwähnt wurde, „an der Einheit festzuhalten”. Dies bedeutet, daß alle vom geweihten Volk des Herrn in Harmonie mit dem göttlichen Plan des Evangeliums arbeiten sollten, wie er ihnen übermittelt wurde.

Dieses neue Herangehen, das ihnen durch den Heiligen Geist durch die göttlich vorgesehenen Kanäle unseres Herrn offenbart wurde, die Propheten und Apostel, unterschied sich von dem, welchem ein jeder von ihnen zuvor nachgefolgt war. Dies bedeutete, daß alle von ihnen, von den Juden und von den Nationen, ihre vorherigen Standpunkte und Gewohnheiten aufzugeben hatten und bemüht sein sollten, sich durch Gottes Gnade durch Seinen Plan umformen zu lassen, wie es ihnen offenbart worden war durch Seinen Geist. Der eine Gott, der eine Glaube, die eine Taufe ihres Willens sollten den Platz ihrer früheren vielen Götter, vielen Glaubensbekenntnisse und vielen Formen der Anbetung einnehmen.

Um bei einem solchen Unternehmen erfolgreich zu sein, benötigten sie wahre Demut des Sinnes, sehr viel Langmut und viel christliche Liebe. Dies bewahrheitet sich bei allen geweihten Nachfolgern des Meisters während dieses Zeitalters. Mit wahrer Sanftmut des Geistes wird keiner versuchen seine eigenen Meinungen und Wege über die Erkenntnis des Christus zu erhöhen. Er wird einsehen, daß die Erkenntnis des Christus die Ordnung seines Lebens sein sollte, wie sie auch die Richtlinie im Leben aller Geschwister sein sollte.

Demut muss ausgeübt werden

Über Demut soll nicht nur nachgedacht und gesprochen werden, sie muß auch ausgeübt werden. Man mag seine eigenen Mängel an Weisheit und Fähigkeit richtig einschätzen, dies jedoch in der Gesellschaft gegenüber den Geschwistern nicht offenbaren. Dies könnte einen Anlaß zum Ärger geben, wenn es scheint, daß andere mehr im Dienst des Herrn gebraucht werden. Es kann auch zu unberechtigten Streitfragen über Einzelheiten in der Wahrheit führen. Wenn jemand demütig ist, wahrhaft niedrigen Sinnes, wird er kein Unruhestifter unter den Brüdern sein. Ein solcher wird sich vielmehr von der Szene des Streites zurückziehen, als zu erlauben, Mittelpunkt der Unruhe zu werden.

Sanftmut ist auch eine nötige Befähigung für jene, die darin erfolgreich sind, „die Einheit des Geistes zu bewahren”. Der Sanftmütige ist belehrbar, und wenn wir nicht willens sind, von Gott durch den Einfluß Seines Geistes belehrt zu werden, können wir niemals in Harmonie mit anderen sein, die in ähnlicher Weise belehrt werden. Die Weisheit der Welt und des fleischlichen Geistes ist Torheit bei Gott. In der Kirche von Ephesus hatten sowohl Juden als auch Nationen, bevor sie Nachfolger des Meisters wurden, törichte Ideen. Es konnte in der frühen Kirche keine Einheit geben, weil die Gläubigen ihre eigenen Ideen mitbrachten und darauf bestanden, sie unter den Geschwistern zu verbreiten. In ähnlicher Weise müssen wir unsere Theorien und unsere Lieblingsbeschäftigungen aufgeben, damit wir alle in „einem Glauben” gelehrt werden.

Keine Schwäche

Sanftmut ist keine Schwäche. Gott wünscht, daß wir belehrbar sind, indem wir die Anweisungen Seines Wortes rückhaltlos und ohne zu zweifeln annehmen werden, aber Er will unsere Gedanken nicht für Lehren öffnen, die nicht von Seinem Wort ausgehen und nicht in Harmonie mit Seinem Geist sind – dem Geist der Wahrheit. Wir sollten nicht nur unsere eigenen Ideen beiseite lassen, sondern auch den falschen Ideen anderer widerstehen. Wenn jeder geweihte Nachfolger des Meisters bemüht ist durch Sein Wort seine Gedanken und sein Herz in engere Harmonie mit dem Herrn zu bringen, wird er sich auch in größerer Einheit mit all den anderen befinden, die ein Gleiches tun. So ist der Wunsch vom Herrn belehrt zu werden sehr wichtig, wenn wir darin erfolgreich sein wollen, unseren Teil zur Einheit des Geistes beizutragen.

Der Geist der Langmut und der Nachsicht ist auch nötig. Jemand mag niedriggesinnt und demütig sein, jedoch nicht imstande die Unvollkommenheiten anderer geduldig zu ertragen. In der Urkirche bestand eine dringende Notwendigkeit zur Nachsicht unter den verschiedenen Gruppen der Jünger, und sie besteht noch heute. Wir sind alle so unvollkommen, daß Nachsicht miteinander höchst wichtig ist, wenn wir zusammen anbeten und dienen, wenn sich unsere Ansichten und Aktivitäten zu einem harmonischen Programm vermischen sollen, welches für uns von dem Heiligen Geist zusammengefaßt wird.

Das Motiv hinter diesem Bemühen muß Liebe sein. Nur selbstlose Liebe, die von dem Wunsch beseelt ist, Gott zu verherrlichen und anderen zu dienen, wird die Ausführung wahrer Nachsicht und Demut in der Gemeinschaft mit den Geschwistern ermöglichen. In dem Maße, in dem Selbstsucht in unsere Gemeinschaft Einlaß findet, wird es an wahrer Demut und Nachsicht mangeln. Es mag für eine Zeit lang möglich sein, mit den Geschwistern zu verkehren, während nur eine übertünchte Demut und Nachsicht besteht, und einer nach einer Stellung oder nach Ansehen trachten mag, und es für eine gute Politik hält, höflich zu den Geschwistern zu sein. Dies ist jedoch keine passende Grundlage, die Einheit des Geistes zu erlangen.

Die göttliche Vorsehung

Wie sehr die Geschwister jetzt der Gnade Gottes bedürfen, ihnen zu helfen, die Einheit des Geistes zu erlangen. Einheit des Geistes ist wie alle anderen geistigen Errungenschaften nur durch die Gnade Gottes möglich, daß wir „Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe”. – Hebräer 4:16 Dies ist besonders heute wahr, angesichts der schweren Trübsale, durch die alle während dieser gegenwärtigen „Zeit der Drangsal” gehen. – Daniel 12:1 Wie notwendig ist es, daß wir alle demütig vor dem Herrn bleiben und einer vor dem anderen, daß wir geduldig die Unvollkommenheiten der Geschwister ertragen und dies im Geist der Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft. So wird der Name des Herrn und nicht der unsrige verherrlicht werden, und Seine Sache wird erhöht werden und nicht unsere selbstsüchtigen Interessen.

Dies kann nur durch Gottes Gnade getan werden. Wir wollen unsere Betrachtung vom Epheserbrief, Kapitel 4, fortsetzen, in welchem Paulus von dieser Gnade spricht. Er sagt in Vers 7: „Jedem einzelnen von uns aber ist die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi gegeben worden.” Hier sagt Paulus, daß Gottes Gnade gegenüber uns von der „Gabe” Christi bemessen wird. Wenn wir die nachfolgenden Verse studieren, lernen wir, daß die „Gabe” der Gnade Gottes hier darauf hinweist, zusammengesetzt in den Aposteln, Propheten, Evangelisten, Lehreren und Brüdern, in allen, die der Herr vorgesehen hat, den Zweck der „Vollendung”, der Vollkommenmachung der Heiligen, auszudrücken. Diese sind ihnen durch Gottes Gnade gegeben worden, wie Paulus weiter ausführt, „für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi.” – Epheser 4:11 – 13

Vom Geist und vom Glauben

Es ist augenscheinlich die Folge der Argumentation des Paulus, daß er uns zu verstehen geben will, daß die Einheit des Geistes die Einheit des Glaubens einschließt, wie sie auch die Einheit bei der Taufe einschließt. Sein Zeugnis ist, „da ist ein Glaube”, und der Herr, der uns die Einheit des Glaubens in unserem Verständnis zu erlangen hilft, jenes Glaubens, der uns durch die Apostel, Propheten, Evangelisten, Lehrer und Brüder gegeben wurde. Es geschieht durch diese verschiedenen Diener des Leibes Christi, durch die der Geist Gottes Ausdruck findet. Wenn wir ihre Lehren genau prüfen, so wird uns Erkenntnis vermittelt, die den „einen Glauben” betrifft, der die Grundlage unserer Einheit in dem Christus ausmacht.

Verursacht durch nicht endende Unterschiede in der Lehre unter den namenchristlichen Gruppen, haben viele ihrer Lehrer eine Auslegung dieses Kapitels dahingehend vorgenommen, nach der die Einheit des Geistes einfach eine Art von Einstellung bedeute, welche die an Christus Gläubigen gegenüber anderen zu zeigen imstande sein sollten, während die Einheit des Glaubens, obgleich wünschenswert, aus ihrer Sicht nicht grundlegend wichtig ist. In diesen Kreisen wird gewöhnlich die Einheit des Glaubens als ein gutes Ideal gesehen, aber als ein Zustand, der wahrscheinlich niemals erreicht wird.

Dieses Aufgeben der Lehre der Apostel ist nicht in Übereinstimmung mit dem, was er uns zu verstehen geben wollte. Es scheint klar zu sein, daß der „Geist”, welcher das Mittel der Einheit in Christo ist, nicht unser Geist oder unser Wesen ist, sondern der Geist Gottes. Es folgt daher, daß Einheit in dem Umfang erlangt wird, und es bedeutet auch eine Einheit des Glaubens, oder eine, die dazu führt. Dieser eine Glaube ist der „allerheiligste Glaube”, der von allen von Gott inspirierten Schreibern der Schriften in der Darstellung des Plans Gottes gelehrt wurde. Die Lehren dieser inspirierten Diener machen den Umriß des Glaubens aus, in welchem sich die Nachfolger unseres Meisters befinden, um anzubeten und zu dienen.

Das Maß, in dem diese Einheit erlangt werden kann, steht im Verhältnis zu dem Grad der Demut und Entschlossenheit, mit der die Bemühung gemacht wird. Wir sollten keine Vollkommenheit diesseits des Vorhangs erwarten, und so lange wie Unvollkommenheit besteht, wird es keine vollkommene Einheit des Geistes und des Glaubens geben. Dies ist nicht so, weil der Geist durch das inspirierte Wort die Grundlage der Einheit nicht klar gemacht hätte, sondern wegen der fleischlichen Gesinnung des gefallenen Leibes, welche mehr oder weniger den Einfluß des Heiligen Geistes in unserem Leben begrenzt. Wenn das Schema des Paulus ohne Vorbehalt geprüft würde, würde vollständige Einheit des Geistes und des Glaubens erlangt werden. Die gefallenen und unvollkommenen Neigungen des Fleisches behaupten sich jedoch und verhindern so in einem bestimmten Maß das Erlangen der vollkommenen Einheit. In einigen Fällen mögen wir nicht imstande sein, die Unvollkommenheiten der anderen zu ertragen, wie wir sollten. In anderen Erfahrungen mag ein wenig Selbstsucht der einen oder anderen Art die göttliche Liebe hindern unser Leben völlig zu bestimmen. Irgendwelche von diesen oder leichte Mängel anderer Art des gefallenen Fleisches werden die Einheit beeinträchtigen, nach der wir alle streben.

Darüber hinaus mag unsere Vision vom „einen Herrn”, „einem Glauben” und der „einen Taufe” nicht so klar sein, wie sie es sein sollte. Vielleicht erlauben wir anderen Göttern unsere von ganzem Herzen bestehenden Zuwendungen gegenüber dem einen Herrn, der uns durch Seinen Geist offenbart worden ist, in einem geringen Grad zu verdrängen. Es gibt viele dieser Götter, die geneigt sind, unseren eigenwilligen Herzen eine Falle zu stellen, wenn wir ihnen erlauben, den „einen Herrn” zu ersetzen, dessen Wille die einigende Kraft unter allen Geweihten sein sollte. Bis zu welchem Ausmaß wir den Göttern des Vergnügens oder des Stolzes oder des Ehrgeizes oder der Prahlerei oder des Reichtums oder der Bequemlichkeit unsere Gewohnheiten der Gedanken und des Handelns zu beeinflussen erlauben, bedeutet, daß wir nicht völlig eins mit jenen sind, deren Anbetung des „einen Herrn” völliger geschieht.

Es mag sein, daß der „eine Glaube” nicht so klar in unseren Herzen und Sinnen eingezeichnet ist, wie es zurückführend auf unsere Unvollkommenheiten hätte sein sollten. Vielleicht finden wir ein Maß von selbstsüchtiger Zufriedenheit, das sich mit eigenen Theorien in den „allerheiligsten Glauben” einmischt. Diese Theorien mögen an sich keinen Schaden anrichten, aber weil sie von uns kommen, mögen wir ihnen zu viel Beachtung schenken, und zu versuchen, sie den Geschwistern aufzudrängen, könnte unseren Einfluß eher in die Richtung der Uneinigkeit führen, als zur Einheit.

Es zu unterlassen von ganzem Herzen in die „eine Taufe” einzutreten, durch die unser Wille in den göttlichen Willen geweiht ist, würde auch unsere Einheit mit den Geschwistern berühren. Die Einheit des Geistes besteht nur in dem Maß, in welchem ein jeder des geweihten Volkes des Herrn seinen Willen den Anweisungen und Führungen des Herrn unterwirft. In welchem Umfang unserem eigenen Geist – oder dem Geist von anderen, die uns entgegen dem göttlichen Willen beeinflussen mögen – darüber zu herrschen gestattet wird, was wir denken, sagen und tun, werden wir auf dem Weg gehen, die völlige Einheit unter den Geschwistern nicht zu erlangen, die unser gesegnetes Teil sein könnte, wenn wir dem Willen Gottes völliger geweiht wären.

Die Kirchenorganisation

Wir finden auch, daß die Schriften bestimmte Regeln des Anstands für die Kirche lehren, die die örtlichen Gemeinden betreffen, in denen Älteste und Diakone von den Geschwistern gewählt werden, um diesen zu dienen. Wir sollten niedrig genug gesinnt sein, diese Anordnungen anzuerkennen und uns ihnen unterwerfen. Dies wird zur Langmut und Geduld des einen mit dem anderen in Liebe aufrufen. Wenn wir jedoch unseren eigenen Interessen erlauben, welcher Art diese auch sein mögen, den Einfluß dieser christlichen Qualitäten zu verdrängen oder zunichtemachen und entscheiden, daß wir unseren Weg besser eigenständig gehen könnten, als mit den Geschwistern, wird sich dies als ein Fehler in dem Maß erweisen, die Einheit des Geistes zu bewahren.

Wir könnten versuchen, unser Fehlverhalten damit zu rechtfertigen, daß wir für Prinzipien einstehen. Laßt uns jedoch auf der Hut sein, daß wir nicht letztlich unsere eigene fleischliche Herangehensweise als ein Prinzip der Gerechtigkeit darstellen. Es gibt wirkliche Prinzipien, für die ein jedes geweihtes Kind Gottes einstehen sollte, und wenn diese auf dem Spiel stehen, sollte der richtige Weg klar erkannt und unser Lauf ohne Kompromisse fortgesetzt werden. Laßt uns daran erinnern, daß es die Geschwister ebenso schwierig finden, mit uns umzugehen, wie wir es schwierig finden, mit ihnen umzugehen. Laßt uns vielmehr uns alle untereinander ermutigen, unsere Herzen und Sinne mehr und mehr auf das vollkommene Beispiel Jesu gerichtet zu halten und unser Leben mehr und mehr unter die Kontrolle der Wahrheit des göttlichen Plans zu bringen, den „allerheiligsten Glauben”.

Christus das Haupt

Wenn wir auf irgendeine Art und Weise auf Abwege falscher Lehren und falscher Praktiken geraten sollten, laßt uns schnell zu den „alten Pfaden” zurückkehren, zurück auf den schmalen Weg der völligen Unterwerfung unter den göttlichen Willen, da Sein Wille in den Schriften offenbart ist. So mag der Heilige Geist uns durch das Wort immer näher zu dem Zentrum führen, wo wir nicht mehr „unmündig sein sollen, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen, durch (ihre) Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum. Laßt uns aber die Wahrheit reden in Liebe und in allem hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus.” – Epheser 4:14 und 15

Während Paulus bestimmte Diener des Leibes Christi erwähnt und den Wert ihrer Hilfe zeigt, indem sie den Geschwistern hilfreich sind, die Einheit im Glauben zu erlangen, will er uns nicht zu verstehen geben, daß diese besonderen Diener die einzigen sind, die helfen, diese wahre Einheit in Christo herbeizuführen. Tatsache ist, daß alle dabei eine hilfreiche Rolle einzunehmen haben, diese Einheit herbeizuführen, und ganz gleich, welche Rolle es sein mag, wir sollten darin treu sein, sie auszuführen, sollten wir alle Förderer der Einheit und Liebe unter den Geschwistern sein.

Die Grundlage jener Einheit muß jedoch die Wahrheit sein. Wir können nicht wahre Einheit in Christo fördern, indem wir gegenüber den Lehren der Wahrheit Kompromisse machen. Wir können jedoch die Einheit fördern, indem wir miteinander „die Wahrheit in Liebe reden” und in Langmut des Geistes und der Demut. Wenn so unsere Bemühungen in Harmonie mit der Wahrheit sind und dem Geist der Wahrheit, werden wir Gottes Segen erlangen, weil wir in Harmonie mit Seinem Willen wirken werden. Paulus drückt den Gedanken wunderbar aus, indem er sagt: „Aus ihm wird der ganze Leib zusammengefügt und verbunden durch jedes der Unterstützung (dienende) Gelenk, entsprechend der Wirksamkeit nach dem Maß jedes einzelnen Teils; und (so) wirkt er das Wachstum des Leibes zu seiner Selbstauferbauung in Liebe.” – Epheser 4:16

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