Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Der Weizen und das Unkraut

„Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reich ihres Vaters.” – Matthäus 13:43

Wir finden das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut in Matthäus 13:24 – 30 und 36 – 54. In diesem Gleichnis, wie auch im Gleichnis vom Sämann, wird Samen ausgesät. Im Gleichnis vom Sämann wird der Samen als das „Wort vom Königreich” erklärt, während im Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut gesagt wird, daß diese die „Söhne des Königreichs” sind. – Verse 19 und 38 Diese Söhne des Königreichs kommen durch die Kraft des Wortes Gottes ins Dasein, das in ihre Herzen gesät wurde, aber in diesem Gleichnis sind sie selbst der Samen. Dies ist eine wichtige Unterscheidung, die wir im Sinn behalten sollten, wenn wir die verschiedenen Dinge unserer Lektion untersuchen.

In dem Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut gibt es zwei Saaten. Der „Weizen” oder der „gute Samen” wird zuerst gesät. Das Ergebnis ist, wie wir erwarten würden, daß das Unkraut den Weizen zu ersticken droht. Die Knechte des Eigentümers, die den guten Samen säten, schlugen vor, das Unkraut auszureißen und zu verbrennen. Aber der Eigentümer erklärte, daß dabei auch der Weizen mitausgerissen werden könnte. Er ordnete an, daß beide, der Weizen und das Unkraut zusammen wachsen sollten bis zur Ernte, und, daß dann das Unkraut in Bündeln gesammelt verbrannt werden sollte, während der Weizen in seine Scheune gesammelt werden sollte. – Verse 24 – 30

Die Erklärung, die Jesus in diesem Gleichnis gibt, beginnt mit den Versen 37 und 38, in welchen er erklärt, daß „der Acker die Welt”, und derjenige, der den guten Samen sät, „der Sohn des Menschen” ist. So ist die Anwendung des Gleichnisses weltweit und umfaßt das ganze Zeitalter, mit einem Säen durch Jesus zu Beginn und einer Ernte am Ende des Zeitalters. Das Gleichnis stellt nicht das Werk des Volkes des Herrn als solches dar, die während des Zeitalters den Samen säen wie in dem Gleichnis vom Sämann.

Das Säen des guten Samens durch den Sohn des Menschen stellt offensichtlich das Werk Jesu in der Herauswahl seiner Apostel und anderer treuer Jünger dar, welche die Keimzelle der frühen Kirche bildeten. Diese waren die ersten der „Söhne des Reiches”, wie Jesus sie in Vers 38 beschreibt. Wie angemessen ist dieser Titel, weil diese sich durch das „Evangelium vom Königreich”, welches er predigte, zu Jesus hingezogen fühlten. – Matthäus 4:23 und 9:35 Es geschah durch den Geist dieser Königreichsbotschaft, daß sie gezeugt wurden und ihr Leben dem Dienst des Meisters widmeten.

Ihre Nachfolger waren in jeder Generation des Zeitalters in ähnlicher Weise diejenigen, die durch das Evangelium – die gute Botschaft vom Königreich – angezogen und mit ihr erfüllt wurden. Sie sind mehr als nur moralisch rechtschaffene Leute, sondern sind diejenigen, die sich der Förderung der guten Botschaft vom kommenden Königreich des Messias widmen. Darum nennt sie Jesus „die Söhne des Reiches”.

Der Feind

Jesus erklärte im weiteren, „das Unkraut aber sind die Söhne des Bösen” und „der Feind aber, der es gesät hat, ist der Teufel”. – Matthäus 13:38 und 39 Dies ist eine deutliche Sprache und eine wahre Prophezeiung dessen, was tatsächlich eingetreten ist. In dem Gleichnis wird gesagt, daß der Feind den Unkrautsamen säte, „während die Menschen schliefen”. – Vers 25 Die „Menschen”, auf die hier hingewiesen wird, scheinen die Apostel gewesen zu sein, die über die Interessen der frühen Kirche so treu wachten, aber dann im Tod „schliefen” bis zu der Zeit der „Ersten Auferstehung”. – Offenbarung 20:6 Auf diese Zeit hinweisend alarmierte Paulus die Ältesten zu Ephesus mit der Feststellung: „Ich weiß, daß nach meinem Abschied grausame Wölfe zu euch hereinkommen werden, die die Herde nicht verschonen.” – Apostelgeschichte 20:29 Auch Petrus spricht eine ähnliche Warnung im voraus aus: „Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, die verderbenbringende Parteiungen heimlich einführen werden, indem sie auch den Gebieter, der sie erkauft hat, verleugnen. Die ziehen sich selbst schnelles Verderben zu: Und viele werden ihren Ausschweifungen nachfolgen, um derentwillen der Weg der Wahrheit verlästert werden wird.” – 2. Petrus 2:1 und 2

Nicht nur Jesus und die Apostel warnen die frühe Kirche vor falschen Lehrern, die unter ihnen aufstehen würden, auch die Geschichte offenbart, daß diese tatsächlich erschienen. Irrlehrer beschränken sich selten auf eine Unwahrheit, und dies ist bezüglich jener wahr, welche die Kirche bald, nachdem die Apostel im Tode entschlafen waren, unterrichteten. Durch die Einführung solcher Lehren wie die Dreieinigkeit und die Unsterblichkeit der Seele verleugneten sie in Wirklichkeit „den Herrn, der sie erkauft hat”. Zusätzlich wurde der liebende Gott der Bibel schon bald durch die gotteslästerliche Lehre vom Höllenfeuer zu einem quälenden Dämon gemacht.

Das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut betont eine noch andere falsche Lehre, die sich in dem „Unkraut” fortsetzt, das durch den großen Widersacher ausgesät wurde. Dies ist der Anspruch, das Königreich Christi sei von ihnen durch die Vereinigung von Kirche und Staat auf der Erde aufgerichtet worden. Als Jesus seinen Dienst antrat, bot ihm der Teufel an, ihm alle Königreiche dieser Welt unter der Bedingung zu übergeben, daß er sich ihm unterwerfe und ihn anbete. Jesus wies dieses Angebot von sich. – Matthäus 4:9 und 10 Später waren die „Söhne des Bösen”, die durch Satans verschiedene Lehren Gott entehrten, sehr willig diesen Vorschlag anzunehmen. Das Resultat, das daraus hervorging, war die Entwicklung einer Fälschung des Königreichs Christi in den Händen des „Unkrauts”.

Die Geschichte bestätigt diesen Wechsel der Sicht. Beginnend im zweiten Jahrhundert trat die Hoffnung auf ein kommendes Königreich auf Erden, das durch den wiedergekehrten Christus aufgerichtet werden sollte, allmählich in den Hintergrund. Philosophische und theologische Spekulationen begannen sich in der Kirche auszubreiten, und als Menschen in größerer Zahl unter den Einfluß dieser Art des Denkens kamen, verlor die Hoffnung auf ein zukünftiges Messianisches Königreich auf Erden seine Bedeutung und ihren Anreiz. So wurde an seiner Stelle der Weg für eine Aufrichtung der Fälschung des Königreichs bereitet.

Während diese Änderungen allmählich, am Ende des vierten Jahrhunderts, geschahen, wurde die Lehre von einem Messianischen Königreich von der „amtlichen” Theologie der Kirche verbannt. Von besonderer Bedeutung war während dieser Zeit die um sich greifende Idee einer politischen und gesellschaftlichen Wichtigkeit der Rolle der Kirche – nicht aber der religiösen. Dies führte schließlich zu der Lehre, daß die Kirche selbst das Königreich Christi wäre. Daher war es vielmehr eine vollendete Tatsache, als etwas, nach dem man Ausschau hält, wie Jesus und die Apostel über die Zeit seiner Zweiten Gegenwart gelehrt hatten. – Matthäus 25:31 – 34, Johannes 18:36 und 2. Timotheus 4:1

Wie klar und deutlich umreißen diese Ereignisse der Geschichte die von Jesus in seinem Gleichnis vorhergesagten Entwicklungen. Im vierten Jahrhundert hatte das „Unkraut”, oder die Nachahmung des Weizens, den Acker nahezu überwuchert. Von jener Zeit an hielten die wahren „Söhne des Reiches” an ihren Hoffnungen fest und verkündigten sie mit zunehmender Schwierigkeit. Jedoch konnte der Weizen, wie das Gleichnis vorhersagte, nicht völlig ausgerissen und vernichtet werden. Er solle vielmehr bleiben und mit dem Unkraut „zusammen wachsen” bis zum Ende des Zeitalters, an dem eine Ernte stattfinden sollte.

Auch dies spiegelt die geschichtliche Entwicklung wider. In einem Artikel eines anerkannten Nachschlagewerkes finden wir diese Worte: „Die Messianische Königreichshoffnung lebt noch weiterhin, jedoch in den niedrigeren Schichten der christlichen Gesellschaft und in verschiedenen Unterströmungen der Tradition, in der sie von Jahrhundert zu Jahrhundert übermittelt wurde. In verschiedenen Zeitperioden der Geschichte des Mittelalters begegnen wir plötzlichen Ausbrüchen von Millennarismus, manchmal als der Lehre einer kleinen Sekte, manchmal als einer weitreichenden Bewegung. Und seitdem sie durch die Hierachie in der politische Kirche unterdrückt worden ist, finden wir, daß dort wo die Lehre vom tausendjährigem Reich Christi (die Hoffnung auf ein zukünftiges Königreich) erscheint, sie seit dem Mittelalter gemeinsame Sache mit allen Feinden der verweltlichten Kirche macht … Diese waren gesetzliche Schlußfolgerungen der alten Traditionen … der Kirche.”

Diese „alten Traditionen” waren nichts anders als die Lehren unseres Herrn und der Apostel, die später von dem großen „Unkraut-System” als Ketzerei betrachtet wurden.

Der gleiche Artikel erklärt, daß, während die protestantischen Reformer des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts für eine Zeit lang der Lehre vom zukünftigen Messianischen Königreich einige Bedeutung gaben, sie bald danach den gleichen Standpunkt einnahmen, den die staatliche Kirche seit der Zeit des vierten Jahrhunderts eingenommen hatte. Im Wesentlichen verbanden sich all diese frühen Reformer tatsächlich mit den bürgerlichen Regierungen und bezogen sich auf ihre Organisationen mit der Fehlbezeichnung „Christenheit”.

Sie wuchsen zusammen

Kehren wir zurück zum Gleichnis: der Hausherr wies seine Diener an, den Weizen und das Unkraut zusammen wachsen zu lassen bis zur Ernte. – Matthäus 13:30 Was für ein wahres Bild dessen ist uns durch die Geschichte gegeben worden. Diejenigen, die an der Hoffnung der Wiederkunft Christi und der Aufrichtung seines tausendjährigen Königreichs festhielten, wurden nicht gänzlich von dem „Acker” gedrängt, obgleich das „Unkraut” einen beherrschenden Platz einnahm. Als jedoch die Kirche als Christi Königreich auf Erden verkündet wurde und später dem Staat die Hand reichte, wurde der Weizen – die Söhne des Reiches – eine höchst verfolgte Minderheit; und sie wurden dazu gedrängt, ihre Aktivitäten weitgehend in den „Untergrund” zu verlegen. Sie waren dort noch auf dem „Acker” und hielten das Licht der Königreichswahrheit hoch, bis sie völlig vernichtet wurden. So wuchsen der Weizen und das Unkraut ständig zusammen bis zum Ende des Zeitalters, als die Zeit zum Beginn der Ernte kam.

Das Unkraut als eine Gruppe setzte ihr Desinteresse und oftmals ihre Gegnerschaft gegenüber der Hoffnung auf das kommende Königreich auf Erden fort. Obwohl es zeitweise von verschiedenen Seiten viele Aufstände gegen bestimmte Übel des kirchen-staatlichen Systems der Regierung gab, setzte sich die Idee eines von Menschen errichteten Königreichs fort. Sogar heute halten verschiedene Theologen jene Meinung aufrecht, daß das einzige, was Gott jemals für die Menschen tun und vollenden wird, nicht durch die Aufrichtung einer mächtigen Herrschaft in den Händen Christi sein wird, sondern durch die moralischen Lehren von namenchristlichen Kirchen und durch den Umfang, in welchem sie die Regierungen beeinflussen und antreiben können, gerechte Gesetze zu erlassen. Jedoch inmitten all der quer laufenden Strömungen der Verwirrtheit, die durch widersprüchliche Reformbewegungen und durch die Infiltration höherer Kritik, der Lehre von der Evolution und verschiedener Interessensgruppen herbeigeführt werden, hat einiger „Weizen” überlebt. In jeder Generation gab es einige „Söhne des Reiches”, die an den Grundlehren festhielten, die ursprünglich von Jesus und den Aposteln gelehrt wurden.

Die „Engel” und die „Ernte”

In dem Gleichnis sagte der Hausherr: „Zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber sammelt in meine Scheune.” – Vers 30 Jesu Erklärung ist die: „Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle Ärgernisse zusammenlesen und die, die Gesetzloses tun; und sie werden sie in den Feuerofen werfen: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.“ – Verse 41 und 42

Das griechische Wort in dieser Schriftstelle, das mit „Engel” übersetzt wird, bedeutet buchstäblich „Botschafter”. Die Botschafter des Herrn konnten von zahlreicher Art und Weise sein. Als geweiht lebende Diener Christi konnten sie die heiligen Engel des Himmels sein oder Gottes geweihtes Volk hier auf Erden oder beides. Sicherlich, wenn wir all die verschiedenen Dinge beachten, die von diesen Engeln oder Botschaftern vollendet werden, kann der Eindruck entstehen, es müßten sehr viele Botschafter sein.

Zurückblickend sehen wir, daß es eine Ernte am Ende des Jüdischen Zeitalters gab – und Jesus bei seinem ersten Kommen seine Jünger aussandte, um seine Botschafter oder Engel in jenem Werk zu sein. Er wies sie auch an, zum Herrn der Ernte zu beten, daß „er Arbeiter in seine Ernte senden möge”. – Matthäus 9:38 Diese geweihten Nachfolger Jesu sollten in jener Ernte ihren Anteil an dem Predigen des Evangeliums vom Königreich haben, so wie es von Jesus gepredigt wurde.

In jener Ernte sollte die „Spreu” verbrannt werden. Johannes der Täufer sagte dies mit der Feststellung voraus: „Und er wird seine Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.” – Matthäus 3:12 und Lukas 3:16 und 17 Wir glauben, daß dies ein Prophezeiung der Verwüstung ist, die der Jüdischen Nation von Jesus kurz vor seinem Tod verkündet wurde, gefolgt von der buchstäblichen Verwüstung, die 70 bis 73 nach Christus über sie kam. – Matthäus 23:37 – 39 und 24:1 und 2 Die „Botschafter”, die weitgehend für dieses „Feuer” der Verwüstung verantwortlich waren, waren die Soldaten der Armee des Titus. Dies scheint eine offenbarende Illustration von den zwei Aspekten des Erntewerks am Ende des Evangelium-Zeitalters zu sein. Auch hier gibt es eine Ernte des „Weizens”. In dieser späteren Ernte wird „Unkraut” anstatt der „Spreu” gesammelt und verbrannt. Die Boten, die vom Herrn zu diesem Zweck benutzt werden, sind offenbar nicht seine geweihten Heiligen, sondern Stellvertreter und Einflüsse, die er dazu benutzt, den „Acker” von allen Dingen, und von denen, die beleidigen und die Unrecht tun, zu reinigen.

Der „Weizen” wird in die Scheune des Herrn gesammelt. Wir haben Jesu Erklärung darüber zuvor in unserem Leittext zitiert: „Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reich ihres Vaters.” Diese Erklärung beinhaltet die Erhöhung des „Weizens” in der Ersten Auferstehung, um mit Christus zu leben und zu herrschen. Diese scheinen zur gegenwärtigen Zeit nur als „Lichter”. – Matthäus 5:14 – 16 Bis das Königreich aufgerichtet ist „in Macht und großer Herrlichkeit” stellen diese „Söhne des Reiches” im Fleisch das einzige wahre Licht in „dieser gegenwärtigen bösen Welt” dar. – Matthäus 24:30 und Galater 1:4 Wenn sie in der Ersten Auferstehung hervorgekommen sind, um mit Christus zu herrschen, „werden sie leuchten wie die Sonne”. Tatsächlich werden sie ein Teil von jener „Sonne der Gerechtigkeit” sein, von der in Maleachi 3:20 prophetisch die Rede ist.

Es ist klar, die „Söhne des Königreichs” in der Ersten Auferstehung zur göttlichen Natur hervorzubringen erfordert die Ausübung der Macht durch Vermittlungen, die von uns nicht zu verstehen sind; und dieses Werk erfordert die völligen Fähigkeiten von Boten, die in der Ernte dieses Evangelium-Zeitalters ausgesandt werden. Es ist jedoch auch wahr, daß ein wichtiger Teil dieses Erntewerkes durch die „Söhne des Reiches” selbst vollendet wird durch ihre Verkündigung, als Sendboten des Evangeliums des Königreichs, sogar wie es in der Ernte des Jüdischen Zeitalters war.

Die Erntebotschaft

In diesem Vortrag, der die Zeit seiner Zweiten Gegenwart und das Ende des Zeitalters betrifft, sagte Jesus, daß er „seine Engel (Boten) mit einem starken Posaunenschall aussenden würde”, und daß sie „seine Auserwählten versammeln würden von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende”. – Matthäus 24:31 Hier sind die Boten deutlich die „Söhne des Reiches” wie auch die „Auserwählten”, die versammelt werden. Dieses Versammeln wird durch einen „Posaunenschall” vollbracht, der symbolisch von der Verkündigung einer Botschaft spricht.

Dies ist die Königreichsbotschaft der gegenwärtigen Wahrheit – die Erntebotschaft. Johannes der Offenbarer berichtet, daß es das „ewige Evangelium” ist, welches am Ende des Zeitalters jenen verkündigt werden sollte, „die auf der Erde ansässig sind, und jeder Nation und jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk”. Es werden von Johannes auch einige Details dieser Botschaft erwähnt: „Fürchtet Gott und gebt ihm Ehre! Denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen. Und betet den an, der den Himmel und die Erde und Meer und Wasserquellen gemacht hat.” – Offenbarung 14:6 und 7 Es ist in der Tat das gleiche „Evangelium vom Königreich” und die „gegenwärtige Wahrheit”, die Botschaft, die Jesus ausgesprochen hat und die durch die Apostel bekräftigt wurde. – Matthäus 24:14 und 2. Petrus 1:12

Der Haupternteherr

Jesus sagte, daß er seine Engel (Boten) aussenden würde, seine Auserwählten zu versammeln. Dies schließt ein, daß er dann auf dem „Acker” gegenwärtig sein würde, um die Rolle des Hauptschnitters anzunehmen. Dies wird ferner in Offenbarung 14:14 und 15 zu verstehen gegeben, wo wir lesen: „Und ich sah: und siehe, eine weiße Wolke, und auf der Wolke saß einer gleich einem Menschensohn, der auf seinem Haupt einen goldenen Siegeskranz und in seiner Hand eine scharfe Sichel hatte. Und ein anderer Engel kam aus dem Tempel hervor und rief dem, der auf der Wolke saß, mit lauter Stimme zu: Schicke deine Sichel und ernte! Denn die Stunde des Erntens ist gekommen, denn die Ernte der Erde ist überreif geworden.”

Später wird uns in diesem Kapitel von einem „anderen Engel” oder Boten berichtet, „der Macht über das Feuer hatte”. – Vers 18 Diesem Botschafter wird das Erntewerk zugeordnet, den Weinstock der Erde zu lesen und diese in die große Kelter des Grimmes Gottes zu werfen. – Vers 19 Während hier der bildliche Ausdruck vom „Feuer” zur „Kelter des Grimmes Gottes” wechselt, ist der symbolische Hinweis über das Werfen der „Bündel” von Trauben in die Kelter Gottes bemerkenswert ähnlich dem Sammeln des Unkrauts in „Bündeln”, um es zu verbrennen. So haben wir eine Bestätigung der Wahrheiten, die sich in dem Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut fortsetzen.

In Offenbarung 18:1 lesen wir: „Nach diesem sah ich einen anderen Engel aus dem Himmel herabkommen, der große Macht hatte; und die Erde wurde von seiner Herrlichkeit erleuchtet.” Dies scheint ein klarer Hinweis auf die Wiederkehr unseres Herrn zu sein und auf das Licht seiner Herrlichkeit, welches schließlich die Erde erfüllen wird. Über eine der ersten Dinge dieses Werkes lesen wir: „Und er rief mit starker Stimme und sprach: Gefallen, gefallen ist Babylon, die Große, und ist eine Behausung von Dämonen geworden und ein Gefängnis jedes unreinen Geistes und ein Gefängnis jedes unreinen und gehaßten Vogels. Denn von dem Wein der Wut ihrer Unzucht haben alle Nationen getrunken, und die Könige der Erde haben Unzucht mit ihr getrieben, und die Kaufleute der Erde sind durch die Kraft ihrer Üppigkeit reich geworden. Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel sagen: Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht an ihren Sünden teilhabt und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt!” – Verse 2 – 4

Diese Schriftstellen zeigen jenen Teil der Botschaft zu der Zeit der Wiederkehr unseres Herrn, und die Zeit seiner Gegenwart ist die Einladung für den „Weizen”, der zusammen mit dem „Unkraut” bis zur Ernte wachsen sollte, um sich dann von demselben zu trennen – „Geht aus ihr hinaus, mein Volk”. „Aus ihr” ist ein Hinweis auf Babylon, das große falsche System des „Unkrauts”, welches lange Zeit während des Evangelium-Zeitalters so große Macht über die Nationen ausgeübt hat. Auch dies ist im Einklang mit dem Zeugnis Jesu in seinem Gleichnis und in seiner großen Prophezeiung über das Ende des Zeitalters.

Es sollte beachtet werden, daß der Offenbarer sagt, daß Babylon während der Zeit der Zweiten Gegenwart unseres Herrn gefallen ist und Sein Ruf erscholl: „Geht aus ihr hinaus!” Dies beinhaltet nicht Babylons unmittelbare Zerstörung, sondern vielmehr ein Fallen aus ihrer früheren Stellung der Macht als Kirchenstaat, die sie so viele Jahrhunderte lang besaß. Über die letztliche Vernichtung von Babylon wird bis zum 21. Vers nicht gesprochen, wo Johannes sagt: „Und ein starker Engel hob einen Stein auf wie einen großen Mühlstein und warf ihn ins Meer und sprach. So wird Babylon, die große Stadt, mit Gewalt niedergeworfen und nie mehr gefunden werden.”

Jetzt in der Ernte

Bestimmte Prophezeiungen der Bibel – die wir hier aus Platzmangel nicht diskutieren können – und deren Erfüllung durch dokumentierte Ereignisse von verschiedenen „Zeichen”, die darin enthalten sind, beweisen, daß der Ernte des Evangelium-Zeitalters bestimmt war, in dem letzten Quartal des neunzehnten Jahrhunderts zu beginnen oder ungefähr vor 140 Jahren. Gibt es irgendwelche Beweise, die zeigen, daß diese Prophezeiungen richtig verstanden wurden? Wir glauben, daß dies so ist. Erinnern wir uns, daß die „Ernte” mit beiden zu tun hat, dem „Weizen” und dem „Unkraut”. Wir denken, daß der Beweis deutlich ist, daß ein Ernten des „Weizens” und ein Binden des „Unkrauts” in Bündeln für das schließliche Verbrennen stattgefunden hat und fortbesteht.

Wir wollen zuerst das symbolische Ernten des „Weizens” des Gleichnisses betrachten – der Söhne des Reiches. Es gibt Beweise, die zeigen, daß es um die 1870’er Jahre eine kleine Gruppe ernster Bibelforscher gab, die die herrlichen Verheißungen der Bibel, welche die Zeit und Art und Weise der Wiederkehr unseres Herrn betrifft, klar zu verstehen begann. Sie kamen auch zu dem Verständnis des Zweckes seiner Wiederkehr – daß er zunächst der Herr der Ernte sein sollte, um dann die Aufrichtung seines Königreichs „die Wiederherstellung aller Dinge, von denen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat” zu vollenden. – Apostelgeschichte 3:20 – 23

Eines zu dem viele ernste Bibelforscher gekommen sind, ist zu glauben, daß ein „treuer und kluger Knecht” durch den Herrn mit verschiedenen Fähigkeiten und Reichtümern gesegnet wurde und, was am wichtigsten ist, den opfernden Eifer besaß, diese Wahrheit weit und breit zu veröffentlichen. Diese wurde in gedruckter Form an Pastoren und Sonntagsschullehrer zunächst innerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika gesandt. „Die Söhne des Reiches” waren nicht länger unterdrückt wie in den vergangenen Jahrhunderten. Gott hatte ihnen die Botschaft und einen Weg gezeigt, sie zu verkündigen, und sie begann verkündigt zu werden.

Dies war nicht ein Werk, das in irgendeinem Winkel getan wurde, denn in wenigen Jahren wurde sie in dem größten Teil der christlichen Welt bekannt. Diese relativ kleinen Gruppen geweihter Nachfolger Christi, ein Volk, das sich von den traditionellen Glaubensbekenntnissen der Vergangenheit getrennt hielt, arbeitete zusammen, um das Evangelium vom Königreich in zunehmendem Umfang und zunehmender Klarheit zu verkünden.

Diese waren in der Tat „die Söhne des Reiches”, denn sie glaubten nicht nur an die Verheißungen der Bibel und das kommenden Königreich Christi, sondern seine herrliche Aussicht erfüllte sie mit einem sich selbst opferndem Eifer, daß sie nichts davon abhalten konnte, bei jeder passenden Gelegenheit die herrliche Ernte- und Königreichsbotschaft zu verkündigen. Sie sandten über das Radio die Gute Botschaft zu allen, die ein hörendes Ohr hinsichtlich der Wahrheit mit Bezug auf das tausendjährige Königreich Christi und dessen Segnungen des Friedens, der Gesundheit und des ewigen Lebens haben, welche das Volk durch die Anwendung seiner Gesetze der Gerechtigkeit erreichen wird. An diesem Tag, im Jahr 2015, hat das Zeugnis der Botschaft des „Evangeliums vom Königreich” nicht geendet. Tatsächlich hat Satan sich bemüht die „Söhne des Reichse” auf eine schlaue Weise zu entmutigen und zu stören. Sie sind jedoch immer dazu imstande gewesen, sich neu zu formieren und die Verkündigung der Ernte und der Königreichsbotschaft durch viele Mittel, die durch Gottes Gnade zur Verfügung gestellt wurden, fortzusetzen.

Das Unkraut

Das Unkraut des Gleichnisses, das Jesus erklärte, sind die „Söhne des Bösen”. Dies bedeutet nicht, daß diese unmoralische Leute und bekennende Diener des Teufels sind. Es bedeutet einfach, daß ihr Standpunkt und ihr Leben durch die das Königreich Gottes betreffenden Lehren, die durch den Betrug Satans verdorben worden sind, beherrscht werden. Viele von ihnen sind unter den feinsten Leuten in der Welt anzutreffen und halten treu an dem Konzept des Königreichs fest, welches in der Gesellschaft, von der sie ein Teil sind, so bekannt ist.

Über das Bündeln und Verbrennen des Unkrauts wird von Jesus gesagt, daß es ihre Entfernung vom Königreich bedeutet, von dem sie ein Teil zu sein bekennen. Der „Acker”, der ursprünglich mit dem Weizensamen besät wurde, war als ein Weizenfeld angelegt worden. Der Unkrautsamen wurde durch einen Feind gesät und gehörte nicht zum Weizen, und so wurde er entfernt. Das Gleichnis sagt, daß dieser Same in den Feuerofen geworfen wurde, wo ein Weinen und Zähneknierschen sein wird. – Matthäus 13:42

Wir verstehen, daß das Vernichten des Unkrauts nicht Personen betreffend betrachtet werden sollte, sondern nur eine symbolische Klasse. Dies wird durch die Feststellung gezeigt, daß selbst dann, als das Unkraut in den Feuerofen geworfen wird, dort noch Weinen und Zähneknirschen ist. Dies ist ein Ausdruck, der von Jesus benutzt wird, um große Enttäuschung und Trauer anzudeuten. Wie beunruhigend und enttäuschend wird es für viele sein, wenn sie lernen, daß ihr lang gedachtes Konzept vom Königreich des Himmels weder in Harmonie noch ein Teil von des Herrn Saat ist. Das Unkraut ist daher als eine Klasse vom Ackerfeld entfernt worden.

Das Gleichnis stellt fest: „Lest zuerst das Unkraut zusammen, und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen.” – Vers 30 Es ist nicht notwendig daraus zu schließen, daß das Bündeln und Verbrennen des Unkrauts im ganzen vollendet ist, bevor das Ernten des Weizens beginnt. In Wirklichkeit sehen wir, daß beides, sowohl das Bündeln und das Verbrennen des Unkrauts als auch das Einsammeln des Weizens während der Zeit der Ernte stattgefunden hat. Jesus weist einfach zuerst auf das Sammeln des Unkrauts hin, als von dem anderen Werk getrennt, das weitergeht – das Einsammeln des Weizens.

Es ist vernünftig daraus zu schließen, daß der „Feuerofen” in dem das Unkraut verbrannt wird, der Höhepunkt der großen Drangsal sein wird, in der die „gegenwärtige böse Welt” vernichtet werden wird. – Daniel 12:1, Matthäus 24:21 und Galater 1:4 Es wird all die verschiedenen Unkraut-Organisationen oder Bündel einschließen. Wenn diese Dinge erscheinen, wird der Weizen völlig in die Scheune gesammelt sein. In seiner Erklärung sagte Jesus: „Dann werden die Gerechten leuchten, wie die Sonne in dem Reich ihres Vaters.” – Matthäus 13:43

Folglich wird das wirkliche Königreich Christi schnell zum Segen der Menschen beginnen. Die Weizenklasse – die Söhne des Reiches – die in der Ersten Auferstehung hervorkommen, werden scheinen wie die „Sonne” zur Erleuchtung und Heilung aller Nationen. Die Herrschaft des Königreichs Christi wird alle Feinde Gottes und der Gerechtigkeit vernichten, sogar den Tod. – 1. Korinther 15:26 Jedes Knie wird sich beugen und jede Zunge bekennen, daß „Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters”. Dieses Werk vollendet das Gebet: „Dein Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden!” – Philipper 2:10 und 11 und Matthäus 6:10

Download PDF