Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Der Fall von Jericho

„Durch Glauben fielen die Mauern Jerichos, nachdem sie sieben Tage umzogen worden waren.” – Hebräer 11:30

Als Mose 120 Jahre alt war, hörte er eines Tages die Stimme des Herrn. Und weil es die größte Freude seines Lebens war, mit Gott zu sprechen, antwortete er sogleich: „Hier bin ich! Und die vertraute und geliebte Stimme des Herrn sagte: „Triff dich mit mir auf dem Gipfel des Berges, ich möchte dir etwas zeigen.”

„Und Mose stieg von den Ebenen Moabs auf den Berg Nebo, den Gipfel des Pisga, der Jericho gegenüber (liegt). Und der HERR ließ ihn das ganze Land sehen: das (Land) Gilead bis nach Dan und das ganze (Land) Naftali, das Land Ephraim und Manasse und das ganze Land Juda bis zum westlichen Meer und den Süden und den Umkreis (des Jordan), die Ebene von Jericho, der Palmenstadt, bis (hin nach) Zoar. Und der HERR sprach zu ihm: Das ist das Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob zugeschworen habe, indem ich sprach: Deinen Nachkommen werde ich es geben. Ich habe es dich mit deinen Augen sehen lassen, aber du sollst nicht nach dort hinübergehen. Und Mose, der Knecht des HERRN, starb dort im Land Moab nach dem Wort des HERRN. Und er begrub ihn im Tal, im Land Moab, Bet-Peor gegenüber; und niemand kennt sein Grab bis auf diesen Tag.” – 5. Mose 34:1 – 6

Und als Nächstes lesen wir in Josua 1:1 und 2: „Und es geschah nach dem Tod des Mose, des Knechtes des HERRN, da sprach der HERR zu Josua, dem Sohn des Nun, dem Diener des Mose: Mein Knecht Mose ist gestorben. So mache dich nun auf und gehe über diesen Jordan, du und dieses ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Söhnen Israel, gebe!”

Mit dem Ausdruck „dieses ganze Volk” zeigte Gott eine große Zahl an. Wir erfahren aus 2. Mose 12:37, daß die Zahl der Israeliten, die Ägypten 40 Jahre zuvor verließen, mit 600.000 Männer beziffert wurde, dazu kamen noch die Kinder. Es ist vermutet worden, daß diese Zahl zu hoch angegeben ist, daß anstatt der 600.000 in dieser Schriftstelle von 600 Familien auszugehen ist. Aber diese Vermutung scheint nicht zutreffend zu sein, weil die Schriften von den Kindern sprechen, die der Zahl noch zuzurechnen sind. Wenn Familien gemeint wären, würden die Frauen und Kinder in der Zahl eingeschlossen sein und nicht extra genannt werden. Auch in den ersten zwei Kapiteln von 4. Mose wird eine Aufstellung der Stämme gegeben. Die genaue Gesamtzahl von männlichen Erwachsenen wird in 4. Mose 2:32 mit 603.550 angegeben, die die Leviten nicht miteinschließt. Wenn wir davon ausgehen, daß eine Familie durchschnittlich aus fünf Personen bestand, eine nicht unrealistische Annahme für ein so fruchtbares Volk, so würde dies eine Bevölkerung von über drei Millionen bedeuten. Während ihrer vierzigjährigen Wanderung in der menschenfeindlichen Wüste überstiegen die Geburtsraten vielleicht nicht sehr die Todesraten, und es gab keine bedeutende Zunahme in der Gesamtzahl. Dennoch können wir sicher davon ausgehen, daß zur Zeit unserer Lektion die Zahl der Israeliten ungefähr 3 Millionen Menschen ausgemacht haben mag. So bekommen wir einen besseren Eindruck von der Größe Israels und dem gewaltigen Gebiet, das ihr Lager umfaßt haben muß. Nun begreifen wir die Probleme, die in dem Herbeischaffen von Gütern und deren Verteilung bestanden, und was für eine furchterrregende Verantwortung auf dem Befehl ruhte, als Gott zu Josua sagte: „So mache dich nun auf und gehe über diesen Jordan, du und dieses ganze Volk.”

Für den Fall, daß Josua von dieser großen Verantwortung, die auf ihn gelegte wurde, überwältigt werden könnte, gab ihm Gott eine wunderbare Versicherung: „Es soll niemand vor dir standhalten (können), alle Tage deines Lebens. Wie ich mit Mose gewesen bin, werde ich mit dir sein; ich werde dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen … Habe ich dir nicht geboten: Sei stark und mutig? Erschrick nicht und fürchte dich nicht! Denn mit dir ist der HERR, dein Gott, wo immer du gehst.” – Josua 1:5 und 9

Josua bereitet sich sorgfältig vor

Josua gehorchte weiterhin Gottes Befehl: „So mache dich nun auf und gehe über diesen Jordan, du und dieses ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Söhnen Israel, gebe.” Aber er brach nicht auf, ohne sich sorgfältig darauf vorzubereiten. Des Herrn großzügige Verheißung, daß niemand vor ihm würde standhalten können, ließ ihn nicht leichtsinnig fortfahren. Er erkannte, daß das erste hauptsächliche Problem, das den Kindern Israel nach der Überquerung des Jordan entgegentreten würde, das Besiegen Jerichos sein würde. Jericho war eine stark befestigte Stadt, die nur etwa 15 Kilometer vom Jordan entfernt und mit feindlichen Truppen belegt war. Diese blockierten ihnen den Eintritt in das Land. Es würde für die Israeliten nicht einmal möglich sein, die Inbesitznahme des ver-heißenen Landes zu beginnen, ohne zuerst dieses Hindernis zu beseitigen. So sandte Josua zwei Männer, denen er vertraute, als Einheimische verkleidet nach Jericho, um die Stadt auszuspionieren und die nötigen Informationen zu seinem weiteren Vorgehen zu erlangen. Es werden keine weiteren Einzelheiten erwähnt, aber es ist interessant sich vorzustellen, wie dies zustande kommen sollte. Vielleicht sandte Josua eine Gruppe über den Fluß, die den Einheimischen auflauerten, und zwei von ihnen ihre Kleider und Kamele raubten, mit welchen er seine Spione ausrüstete. Wie dem auch sei, die Spione waren erfolgreich und erlangten Eintritt in die Stadt und blieben im Haus einer Frau mit Namen Rahab.

Das alte Jericho muß eine wunderschöne und farbenprächtige Stadt gewesen sein. Der Name Jericho bedeutet „Ort des Wohlgeruchs”. In 5. Mose 34:3 und in 2. Chronik 28:15 wird sie die „Palmenstadt” genannt, was daruf hindeutet, daß sie um eine Oase herum gebaut wurde. Anscheinend hatte sie einen Überfluß an Wasser und viele bearbeitete Gärten mit duftenden Blumen, Sträuchern und Bäumen. Es war keine große Stadt, aber sie wird als sehr reich beschrieben, nicht nur an Gold und Silber, sondern auch an teuren Stoffen, feinen Geweben und anderem Luxus. Ausgrabungen zeigen, daß die Stadt mit einer massiven doppelten Mauer umgeben war. Wir wissen aus Josua 2:15, daß diese Mauer so breit war, daß auf ihr Häuser errichtet worden waren. Das Haus von Rahab, die die Spione verbarg, war eines von diesen. Von hier hatten die Spione einen idealen Ausblick. Sie konnten erkennen, was innerhalb der Stadt geschah, und sie konnten auch die Umgegend außerhalb der Mauer beobachten.

Die Einwohner Jerichos hatten selbstverständlich bemerkt, daß die Kinder Israel nur wenige Kilometer entfernt auf der anderen Seite des angeschwollenen Jordan lagerten und darauf warteten, ihr Land einzunehmen. Natürlich kann ein Aufmarsch einer Nation von 3 Millionen Menschen nicht verborgen bleiben. Wir können sicher sein, daß die Bewohner von Jericho auch ihrerseits Spione aussandten und das Lager Israels beobachteten. Sie hatten wahrscheinlich bemerkt, daß Josuas Spione den Jordan überschritten hatten und weiterhin beobachtet, daß sie in das Haus der Rahab eintraten. Wir denken, daß dies eine vernünftige Schlußfolgerung ist, weil wir lesen: „Das wurde jedoch dem König von Jericho berichtet: Siehe, in dieser Nacht sind Männer von den Söhnen Israel hierhergekommen, um das Land zu erkunden. Da schickte der König von Jericho zu Rahab und ließ (ihr) sagen: Gib die Männer heraus, die zu dir gekommen und in dein Haus eingekehrt sind! Denn um das ganze Land zu erkunden, sind sie gekommen.” – Josua 2:2 und 3

Es ist leicht, sein Erscheinungsbild zu verbergen, aber nicht leicht seinen Akzent zu verbergen. Rahab hatte zweifellos am Tonfall erkannt, daß diese Männer keine Einheimischen waren, sondern Israeliten waren. Dann hörte sie plötzlich von der Straße aus unter ihrem Haus einen Tumult. Es muß einen ziemlich langen Aufgang von der Straße zu ihrem Haus hochoben auf der Mauer gegeben haben. Wir können uns vorstellen, wie Rahab sich aus dem Fenster lehnte und einen Beamten des Königs erblickte, der die Treppen heraufkam. Sie erahnte sogleich dessen Botschaft und führte die zwei Spione schnell auf das Dach ihres Hauses und verbarg sie unter einem Stapel von Flachsstengeln. Dann ging sie herunter und öffnete die Tür. Als die Beamten des Königs ihre Forderung vorgetragen hatten, erkannte Rahab sogleich, daß die Spione dabei beobachtet worden waren, als sie in ihr Haus gingen, und es zwecklos wäre, dies zu leugnen. So bestätigte sie, daß sie in ihrem Haus gewesen, dies aber nach wenigen Augenblicken wieder verlassen hätten, gerade zu der Zeit, als die Stadttore geschlossen wurden. Dann drängte sie die Beamten, diese sogleich zu verfolgen und gefangen zu nehmen. Sie sprach sehr überzeugend und redete ihnen ein, daß große Eile geboten sei, damit die Beamten nicht anhielten, um ihr Haus zu durchsuchen. Von der Mauer aus sah Rahab, daß die Beamten des Königs die Stadt verließen und die Tore hinter ihnen geschlossen wurden. Dann sah sie, wie sie in Richtung des Jordan davonritten. Nun ging sie auf das Dach und berichtete den zwei Spionen, was geschehen war. Wir lesen in dem Bericht: „Und sie sagte zu den Männern: Ich habe erkannt, daß der HERR euch das Land gegeben hat, und daß der Schrecken vor euch auf uns gefallen ist, so daß alle Bewohner des Landes vor euch mutlos geworden sind. Denn wir haben gehört, daß der HERR die Wasser des Schilfmeeres vor euch ausgetrocknet hat, als ihr aus Ägypten zogt und was ihr den beiden Königen der Amoriter getan habt, die jenseits des Jordan waren, dem Sihon und dem Og, an denen ihr den Bann vollstreckt habt. Als wir es hörten, da zerschmolz unser Herz, und in keinem blieb noch Mut euch gegenüber. Denn der HERR, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf der Erde.” – Josua 2:9 – 11

Seltsam, daß sie sich daran erinnerten! Dies war etwas, das sich vor 40 Jahren ereignet hatte, wahrscheinlich bevor Rahab geboren wurde.

Dies war eine wertvolle Information, welche sich die ausgesandten Spione erhofft hatten. Sie verriet, daß die Bewohner des Landes zu Tode erschrocken und am Rand einer Panik waren, daß sie vor den Israeliten demoralisiert und schon in ihren Herzen besiegt waren. Rahab zeigte mit dem, was sie sagte, daß sie eine zum Gott Israels Übergetretene war, daß sie glaubte, daß Jahwe der einzige wahre Gott sei. Sie selbst lieferte sich dann der Barmherzigkeit der Spione aus, indem sie darum bat, daß sie und ihre Famile verschont würden, wenn Jericho zerstört werden würde, was sie zuversichtlich erwartete. Wir lesen im Vers 14, wie die Spione mit ihr ein Übereinkommen treffen: „Da sagten die Männer zu ihr: Unsere Seele soll an eurer Statt sterben, wenn ihr diese unsere Sache nicht verratet.”

Rahab zeigte sofort ihre Aufrichtigkeit, indem sie einen vernünftigen Plan zu ihrem Entkommen vorschlug. Sie wollte sie mit einem Seil aus dem Fenster zur anderen Seite der Mauer herablassen. Dann sollten sie sich im nahen Gebirge drei Tage lang verstecken, bis ihre Verfolger ihre Suche nach ihnen abbrechen und in die Stadt zurückkehren würden. Danach konnten sie sicher in das Lager Israels zurückkehren. Der Plan gefiel den Spionen. Sie versprachen ihr, daß sie und ihre ganze Familie im Haus versammelt am Leben bleiben würden, wenn Jericho angegriffen würde.

Aber wie konnte ihr Haus erkannt werden? Wie konnten die angreifenden Israeliten es im Kampf verschonen? Es gab wahrscheinlich viele Häuser, die über der Stadtmauer errichtet worden waren, und es konnte in der Hitze des Kampfes leicht eine Verwechslung geschehen. Wir können uns vorstellen, daß an dieser Stelle einer der Spione auf ein rotes Band hinwies, das Rahabs Haar zierte und sagte: „Wenn der Kampf beginnt, binde das rote Band an das Fenster, durch das du uns hinabgelassen hast. Das soll das Zeichen sein.” In dem Bericht spricht unsere Übersetzung von einem „scharlachroten Faden”. Aber ein in großer Höhe an einem Fenster befestigter Faden konnte nicht von weit her gesehen werden und so denken wir, daß es wahrscheinlich ein Seil war. Rahab stimmte zu. Sie brachte ein starkes Hanfseil, das bis zum Boden reichte, und befestigte es am Fensterrahmen, und die Spione ließen sich daran herab und entkamen in der Dunkelheit.

Es ist interessant zu beobachten, daß Rahab, obwohl sie wußte, daß die Spione erst in drei Tagen in ihr Lager zurückkehren, und der Angriff auf Jericho erst einige Zeit danach erfolgen würde, doch sogleich das scharlachrote Seil am Fenster befestigte, wie wir aus Vers 21 entnehmen können. Es war ein Trost für sie, das Seil dort zu sehen. Es gab ihr ein Gefühl der Sicherheit und des Friedens, daß sie unter dem Schutz des großen Gottes Israels stand.

Nachdem sich die Spione drei Tage lang im Gebirge verborgen hatten, kehrten sie sicher zurück und berichteten Josua alles, was sie erlebt hatten. „Und sie sagten zu Josua: Der HERR hat das ganze Land in unsere Hand gegeben; auch sind alle Bewohner des Landes vor uns mutlos geworden.” – Josua 2:24

Das Volk durchquert den Jordan

Dann folgte das erstaunliche Wunder, daß der Jordan, der zu dieser Zeit Hochwasser führte, austrocknete und der großen Menge Israels, die von der Bundeslade angeführt wurde, es ermöglichte, den Fluß trockenen Fußes zu durchqueren. Als sie hinübergingen, hob ein jeder Repräsentant eines Stammes einen großen Stein vom Flußbett auf und trug ihn auf seiner Schulter zum jenseitigen Ufer – zwölf Steine, jeweils ein Stein für einen Stamm. So wurden 40.000 bewaffnete Männer über den Jordan geführt, nur für den Fall, daß ein Angriff des Feindes erfolgen sollte, der jedoch ausblieb.

Das Wunder der Austrocknung des Jordan vor Israel wurde auch von den feindlichen Spionen beobachtet, und eine Sache muß die Spione besonders beeindruckt haben. Sie sahen, daß vier Männer in Priesterkleidung der Menge Israels vorangingen, die zwischen sich einen goldschimmernden Gegenstand trugen. Als sich die Priester dem Fluß näherten, gingen die tobenden Wasser vor ihnen buchstäblich zurück. Es war offenkundig für die feindlichen Beobachter, daß eine unerklärliche Macht von jenem goldenen Gegenstand ausging. Die feindlichen Spione überbrachten diese Informationen sogleich ihren Königen: „Und es geschah, als alle Könige der Amoriter, die jenseits des Jordan im Westen, und alle Könige der Kanaaniter, die am Meer wohnten, hörten, daß der HERR das Wasser des Jordan vor den Söhnen Israel hatte vertrocknen lassen, bis wir hinübergezogen waren, da zerschmolz ihr Herz, und es war kein Mut mehr in ihnen vor den Söhnen Israel.” – Josua 5:1

Diese große Demonstration der Macht brachte eindringlich das Wunder des Auszugs durch das Rote Meer in ihre Erinnerung zurück, als 40 Jahre zuvor die Macht Ägyptens gebrochen wurde. Hier setzte sich der gleiche Allmächtige Gott weiterhin stark für Sein Volk ein. Wenn sie vorher furchtsam waren, wie Rahab den Spionen mitgeteilt hatte, so waren sie es jetzt noch mehr.

Gleich nachdem sie den Jordan durchschritten hatten, gingen die Kinder Israel auf Jericho zu. Sie schlugen ihr Lager zwischen dem Fluß und der Stadt auf, an einem Ort, der Gilgal genannt wurde. Hier richteten sie die zwölf Steine, die sie aus dem Jordan aufgehoben hatten, zu einem Denkmal auf, einem Zeichen der Erinnerung an das große Wunder, das der Herr dort getan hatte.

Die Bewohner von Jericho waren in Schrecken versetzt und schlossen schnell ihre bronzenen Stadttore. „Und Jericho hatte (seine Tore) geschlossen und blieb verschlossen vor den Söhnen Israel.”

Hier in Gilgal wurden nach dem Befehl des Herrn alle Männer Israels beschnitten. „Da sprach der HERR zu Josua: Siehe, ich habe Jericho, seinen König (und seine) tüchtigen Krieger in deine Hand gegeben.” – Josua 6:1 und 2

Aber wie war dies durchzuführen? Die Stadt war stark befestigt. Die Israeliten waren nicht entsprechend ausgerüstet, um eine mit Mauern umgebene Stadt auf herkömmliche Weise zu belagern. Sie hatten keine Rammböcke, um die Tore aufzubrechen. Sie besaßen keine Katapulte, um große Steine über die Mauern zu schleudern. Sie hatten keine großen Bögen, um feurige Pfeile in die Stadt zu schießen und sie in Brand zu setzen. Als Josua die Mauern Jerichos von Ferne sah und Ausschau hielt, wie er diese überwinden könnte, stand plötzlich ein Mann im glänzenden Gewand und mit einem Schwert in der Hand vor ihm. Josua erinnerte sich sogleich an des Herrn Verheißung: „Es soll niemand vor dir standhalten (können), alle Tage deines Lebens.” Kühn zog er sein eigenes Schwert und ging auf den Mann zu: „Da ging Josua auf ihn zu und sagte zu ihm: Gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden? Und er sprach: Nein, sondern ich bin der Oberste des Heeres des HERRN; (gerade) jetzt bin ich gekommen.” – Josua 5:13 und 14

Eine Randbemerkung sagt, daß er der „Fürst” der Heerscharen des Herrn gewesen sei. Vielleicht war er die gleiche Person, auf die sich Daniel 12:1 bezieht, als „Michael … der große Fürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt”, der sich hier materialisierte und als Mensch erschien.

„Da fiel Josua auf sein Angesicht zur Erde und huldigte ihm und sagte zu ihm: Was redet mein Herr zu seinem Knecht?” Der Engel des Herrn unterwies Josua, was er zu tun sollte, um Jericho einzunehmen. Die Anweisungen werden in Josua 6:3 – 5 gegeben: „So zieht nun um die Stadt: alle Kriegsleute, einmal rings um die Stadt herum! So sollst du es sechs Tage lang machen. Und sieben Priester sollen sieben Widderhörner vor der Lade hertragen. Aber am siebten Tag sollt ihr siebenmal um die Stadt herumziehen, und die Priester sollen (dabei) in die Hörner stoßen. Und es soll geschehen, wenn man das Widderhorn anhaltend bläst und ihr den Schall des Horns hört, (dann) soll das ganze Volk ein großes Kriegsgeschrei erheben. Die Mauer der Stadt wird dann in sich zusammenstürzen, und das Volk soll hinaufsteigen, jeder gerade vor sich hin.“

Die Belagerung beginnt

Josua gehorchte sogleich. Am nächsten Morgen sahen die Wächter auf den Mauern Jerichos die Heerschar sich nähern, und sie schlugen Alarm. Diese wurde von Josua angeführt, danach sieben Priester in ihren unverwechselbaren Gewändern, die in ihre Widderhörner bliesen, dann vier Priester, die zwischen sich mit großer Sorgfalt die glitzernde goldene Lade trugen. Sobald sie diese erblickten, erfüllte die Männer von Jericho ein großer Schrecken. Dies war das gleiche Objekt, vor dessen Macht die Wasser des Jordan zurückgewichen waren. Der Bundeslade folgte eine große repräsentative Gruppe von Männern Israels. Die Verteidiger von Jericho erwarteten ihrgendeine Kampfhandlung, aber nichts geschah. Sie sahen keine Rammböcke oder andere Kriegsgeräte. Die Israeliten umrundeten einmal die Stadt und gingen dann in ihr Lager zurück. Dies wiederholte sich sechs Tage. Noch geschah nichts, und die Bewohner von Jericho atmeten auf hinter ihren starken Mauern. Dann am siebten Tag begann die gewöhnliche Stadtumrundung schon sehr früh am Morgen. Als sie ihren Marsch um die Stadtmauern begannen, näherte sich die ganze Heerschar Israels der Stadt und formte einen weiten Ring um sie herum, indem sie genug Raum für diejenigen ließen, die zwischen ihnen und der Mauer gingen. Die Männer von Jericho beobachteten dies gespannt vom oberen Rand der Mauern. Diesmal marschierten die Israeliten nicht nur einmal um die Mauern, sondern siebenmal. Während sie marschierten beobachteten sie besonders die Häuser, die auf der Mauer errichtet waren. Alle Fenster waren verriegelt, aber an einem der Fenster eines Hauses, das auf der Mauer stand, sahen sie ein scharlachrotes Band befestigt. Dies war das Haus von Rahab. Den Kriegsleuten wurde gesagt, daß sie sorgfältig auf das Haus achthaben sollten, während sie die Stadt umzogen. Der Befehl erging, daß alle, die sich in diesem Haus befanden, verschont werden sollten. Plötzlich kam dann das Signal von Josua, und sie hielten an; und die Priester ließen ihre Widderhörner ertönen. Dann ertönte ein Kriegsgeschrei, wie es zuvor in jener Zeit nicht gehört wurde, als drei Millionen Menschen mit all ihrer Kraft ihre Stimmen vereinten. Was für eine Auswirkung muß dieser Schrei gehabt haben!

„Da erhob das Volk das Kriegsgeschrei, und sie stießen in die Hörner. Und es geschah, als das Volk den Schall der Hörner hörte, da erhob das Volk ein großes Kriegsgeschrei. Da stürzte die Mauer in sich zusammen, und das Volk stieg in die Stadt, ein jeder gerade vor sich hin, und sie nahmen die Stadt ein.” – Josua 6:20

Sie nahmen die Stadt ein. Aber ein Teil der Stadtmauer fiel nicht. Es war der Teil, auf welchem das Haus Rahabs stand und an dessen Fenster ein scharlachrotes Seil befestigt war. Wir wissen dies, weil Josua Männer zu ihrem Haus sandte, um sie sicher mit all ihren Verwandten und ihrem Besitz herauszubringen. Dies war die gleiche Rahab, die später in den Stamm Juda einheiratete und eine Israelitin wurde und die die Ehre erlangte, eine Vorfahrin unseres Herrn Jesus zu werden. Sie wird im 11. Kapitel des Hebräerbriefes als eine der Alten Glaubenshelden bezeichnet.

Nach dem Befehl des Herrn wurde Jericho völlig zerstört. Nur die Metallgegenstände, die in der Stadt waren, wurden gesammelt und zum Gebrauch des Herrn aufbewahrt. „Die Stadt aber und alles, was darin war, verbrannten sie mit Feuer. Das Silber jedoch und das Gold und die bronzennen und eisernen Geräte legten sie in den Schatz des Hauses des HERRN.” – Josua 6:24

Diese Beschreibung der Einnahme von Jericho wird in der Bibel nicht nur als eine interessante Erzählung berichtet, sondern aus einem viel wichtigerem Grund. Wie uns in 1. Korinther 10:11 gesagt wird, hat sie eine vorbildliche Bedeutung. Sie ist „zur Ermahnung für uns geschrieben worden, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist”. Wir wollen nun einige dieser Ermahnungen betrachten und zu Herzen nehmen.

Belehrungen für uns

Der Name „Josua” ist eine andere Form des Namen „Jesus” und bedeutet „Erretter”. Interessant ist, daß Josua eine von wenigen Personen in der Bibel ist, die uns in jeder Einzelheit makellos dargestellt wird. Über die Mängel der anderen Patriarchen wird in der Bibel unumwunden berichtet. Noah war betrunken. Abraham führte sich so auf, daß er die Rüge des Pharao von Ägypten verdiente. – 1. Mose 12:18 und 19 Moses schlug den Fels und es wurde ihm verwehrt, in das Land der Verheißung zu gehen. Samson verkehrte mit Sündern. David wurde des Mordes schuldig. Aber soweit der Bericht zeigt, war Josuas Werdegang makellos. Natürlich bedeutet das nicht, daß er ein vollkommener Mensch war, aber es zeigt passend an, daß er ein Vorbild des Christus war, der „heilig, sündlos, unbefleckt, abgesondert von den Sündern” war. – Hebräer 7:26

Wir wollen nun die wunderbare Versicherung betrachten, die Gott Josua gab: „Es soll niemand vor dir standhalten (können) alle Tage deines Lebens. Wie ich mit Mose gewesen bin, werde ich mit dir sein; ich werde dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen … Habe ich dir nicht geboten: Sei stark und mutig? Erschrick nicht und fürchte dich nicht! Denn mit dir ist der HERR, dein Gott, wo immer du gehst.” – Josua 1:5 und 9

Stellen wir uns vor, Gott sagt das zu uns persönlich! Unmöglich? Keineswegs! Er sagt es zu uns. Diese herrliche Verheißung ist mit gleicher und größerer Auswirkung auf jedes Glied des geistigen Israel anzuwenden, auf jedes geweihte Kind Gottes. Es muß uns kein solch ein wichtiger und hochrangiger Auftrag gegeben werden, wie ihn Josua bekam. Wenn wir gegenüber der Wahrheit treu sind und Gottes Willen tun, sogar in einem kleinen Umfang, den unsere Hände finden, so sind wir Erbe dieser Verheißung. „Es soll niemand vor dir standhalten (können).” „Ich werde dich nicht aufgeben, und dich nicht verlassen.” „Mit dir ist der HERR, dein Gott, wo immer du gehst.” Gott wird keine Einmischung von irgendjemand, Mensch oder Teufel, bei unserer Entwicklung als eine Neue Schöpfung erlauben. Feindschaft gegen uns wird kein Gedeihen haben. Diese großartige Verheißung ist ein Erbe für einen jeden des treuen Volkes Gottes. Dies wird von Jesaja großartig bestätigt: „Keiner Waffe, die gegen dich geschmiedet wird, soll es gelingen; und jede Zunge, die vor Gericht gegen dich aufsteht, wirst du schuldig sprechen. Das ist das Erbteil der Knechte des HERRN und ihre Gerechtigkeit von mir her, spricht der HERR.” – Jesaja 54:17

Wir wollen wie Josua an dieser außerordentlich großen und kostbaren Verheißung festhalten und in ihrer Stärke mutig voranschreiten.

Die Eroberung der sündigen Stadt Jericho liefert ein allgemeines Bild des göttlichen Planes. In diesem Bild stellt der König von Jericho Satan, den Teufel, dar und die Stadt seine weltweite Herrschaft. Wie Jericho den Weg nach Kanaan blockierte, dem Land von Milch und Honig, so steht Satans Herrschaft der Welt bei der Erlangung der Messianischen Segnungen im Weg. Wie der König von Jericho die Stadt fest verschloß, so daß niemand heraus kam, so lesen wir von Satan, daß „er seine Gefangenen nicht nach Hause ließ”. – Jesaja 14:17 Josua stellt Jesus Christus dar und Israel sein Königreich. Nach sechs Tagen (oder sechstausend Jahren) der scheinbaren Untätigkeit gegen Satans Bollwerk kommt schließlich der siebte Tag (der siebte Tausendjahrtag). Dann bricht Satans Herrschaft mit einem großen Geschrei, wie es niemals zuvor gehört wurde, zusammen, und Christi Königreich übernimmt die Kontrolle, mit der Folge, daß jeder Rest von Sünde vernichtet wird.

Wir leben jetzt im Anbruch jenes siebten Tages. Wie die Priester ihre Hörner bliesen, so ertönt nun die Jubeljahrposaune und der letzte Ton, der den völligen Zusammenbruch der Herrschaft Satans signalisiert, ist sehr nahe. Jesaja beschreibt diese Situation: „Der HERR zieht aus wie ein Held, wie ein Kriegsmann weckt er den Eifer. Er erhebt einen Schlachtruf, ja, ein gellendes Feldgeschrei, er beweist sich als Held gegen seine Feinde. Seit ewigen (Zeiten) habe ich geschwiegen, war still, habe an mich gehalten. Wie eine Gebärende will ich (nun) stöhnen, schnauben, und (nach Luft) schnappen zugleich.” -Jesaja 42:13 und 14

Und auch Jeremia sagt: „Der HERR brüllt aus der Höhe und erhebt seine Stimme aus seiner heiligen Wohnung. Laut brüllt er über seine Weide; ein Jauchzen wie die Kelterer stimmt er an gegen alle Bewohner der Erde. Ein Getöse dringt bis ans Ende der Erde, denn einen Rechtsstreit hat der HERR mit den Nationen, er hält Gericht mit allem Fleisch; die Gottlosen gibt er dem Schwert preis, spricht der HERR.” – Jeremia 25:30 und 31

Aber neben dieser allgemeinen Anwendung gibt es eine tiefere und persönlichere Lektion für uns in dem Sieg über Jericho, die zu unserer Ermahnung gegeben ist. In diesem Bild stellt Jericho unsere gefallene menschliche Sinnesart dar, die Charakterzüge, die im Gegensatz zum Geist Gottes stehen, und welche, wie es 1. Petrus 2:11 ausdrückt, „gegen die Seele streiten”. Jericho stellt die selbstsüchtigen und verderbten Begierden des Fleisches dar, wie wir in Galater 5:17 lesen: „Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, war ihr wollt.” – Galater 5:17

Jericho war reich an einer Fülle von teuren Stoffen, feinen Gewändern und anderem Luxus, und es war umschlossen von starken Mauern. Der natürliche Mensch besitzt einen Reichtum an fest eingewurzelten menschlichen gefallenen Eigenschaften und Begierden. Der natürliche Mensch schätzt die guten Dingen der Welt als höchst wichtig. Aber wie der Herr die völlige Vernichtung von Jericho anordnete, müssen diese gefallenen menschlichen Neigungen systematisch und vollständig von jedem Christen beseitigt werden. Wir dürfen Jericho nicht gestatten unseren Weg zu unserem verheißenen Erbteil zu blockieren. Mit seinen starken doppelten Mauern schien Jericho unüberwindlich zu sein. Wie konnte seine Eroberung ermöglicht werden? Die Überwindung unserer gefallenen menschlichen Natur mit ihren feststehenden und tief eingewurzelten Gewohnheiten erscheint ähnlich unmöglich. Ein weiser Mann hat gesagt: „Die Gewohnheit ist mit einem Tau zu vergleichen, das aus vielen Fäden besteht. Wir flechten jeden Tag einen Faden, und zuletzt können wir es nicht mehr zerreißen.”

Wie wäre es, wenn wir den Prozeß umkehren würden? Anstatt jeden Tag einen Faden zu flechten, wollen wir jeden Tag einen Faden zerreißen. So wird ein mächtiges Werk allmählich vollbracht, und wir werden die Herrschaft über uns selbst erlangen, wie wir in den Sprüchen lesen: „Besser ein Langmütiger als ein Held, und besser, wer seinen Geist beherrscht, als wer eine Stadt erobert.” – Sprüche 16:32

Dies gibt die Eroberung Jerichos zu verstehen. Wir müssen jede Anstrengung machen, unsere persönlichen Jerichos zu überwinden und zu zerstören, wenn wir den Preis erlangen wollen. „Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben.” – Römer 8:13

Aber wie der Sieg der Israeliten durch die Kraft Gottes erlangt wurde, so siegen wir nicht durch unsere eigene Stärke. Es wäre unmöglich dies zu tun. Wie Josua nicht zögerte, dem Befehl des Herrn zu gehorchen gegen Jericho vorzugehen, so sollten auch wir bezüglich diesen sogleich und entschlossen gehorchen. Wie die Herzen der Könige der Amoriter mutlos wurden, als die Israeliten ihren Einnahme des Landes begannen, so ist die Verheißung für die geistigen Israeliten: „Widersteht aber dem Teufel! Und er wird von euch fliehen.” – Jakobus 4:7

Die Bundeslade begleitete die Israeliten, und von ihr strahlte die große Macht Gottes aus. Auch wir erfreuen uns der Gegenwart Gottes und Seiner großen Macht Gottes, die Er unseretwegen ausübt. „Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken … ” – Römer 8:28

Bevor sie in das verheißene Land eintraten, sandten sie Spione aus, um den Aufwand für die Eroberung Jerichos festzustellen. Ähnlich verhält es sich bei der Erwägung und Erlangung des himmlischen Königreichs, für welches das Kind Gottes die Kosten berechnet. Gesegnet ist derjenige, der, nachdem er die Kosten berechnet hat, an des Herrn Verheißung festhält, „Gnade zu finden zur rechtzeitigen Hilfe” – Hebräer 4:16 -, und der wie Kaleb sagt: „Laßt uns nur hinaufziehen und es in Besitz nehmen, denn wir werden es gewiß bezwingen.” – 4. Mose 13:30

Als die Israeliten das Flußbett des Jordan durchquerten, wurden sie bildlich in seinem Wasser getauft. Dies stellt symbolisch Weihung dar, die auch bildlich durch die Zeremonie der Beschneidung der Vorhaut dargestellt wurde, die unmittelbar danach erfolgte. Es geschah danach, daß die Kinder Israel sich gegen Jericho wandten. Ähnlich verhält es sich nach unserer Weihung, daß das Kind Gottes mit dem Kampf gegen das Fleisch beginnt und der Entwicklung eines annehmbaren christlichen Charakters. Daß Rahab einen scharlachrotes Band als ein Zeichen an dem Fenster ihres Hauses befestigte, durch das sie und ihr Haus der Vernichtung entkommen sollten, erinnert uns an das erste Passah, als jeder Haushalt von dem scharlachroten Blut des Lammes nahm und es an die äußeren Türpfosten und die Türschwelle des Hauses strichen. Und das Ergebnis wurde ihnen mitgeteilt: „Aber das Blut soll für euch zum Zeichen an den Häusern werden, in denen ihr seid. Und wenn ich das Blut sehe, dann werde ich an euch vorübergehen: so wird keine Plage, die Verderben bringt, unter euch sein, wenn ich das Land Ägypten schlage.” – 2. Mose 12:13

Der Glaube, den Rahab zeigte, daß das scharlachrote Band sie schützen würde, stellt unseren Glauben an das kostbare Blut Christi bildlich dar. So wie es für sie ein Trost war, so ist es für uns ein lebenserhaltender Trost. Die Israeliten wurden aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben, die in jener Passahnacht mit dem Blut gekennzeichnet waren, so daß die Erstgeborenen der Vernichtung entkommen konnten. Rahab und ihre Familie wurden aufgefordert in ihrem Haus zu bleiben, das mit dem scharlachroten Band gekennzeichnet war. Die Familie Gottes, die Kirche der Erstgeborenen, muß ebenso unter dem Blut bleiben, durch das sie geheiligt ist. Und wie es bei dem ersten Passah war, so ist die Alternative der Tod. Wir lesen im Brief an die Hebräer: „Hat jemand das Gesetz Mose verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin. Wieviel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat.” – Hebräer 10:28 und 29

Rahab war von den Nationen, aber sie wurde wegen ihres Glaubens in das Gemeinwesen Israels aufgenommen, und so werden auch wir durch den Glauben an Christi Blut als geistige Israeliten angenommen. Dies wird uns im Epheserbrief zu verstehen gegeben: „Deshalb denkt daran, daß ihr einst (aus den) Nationen dem Fleisch nach – „Unbeschnittene” genannt von der sogenannten „Beschneidung”, die im Fleisch mit Händen geschieht – zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremdlinge hinsichtlich der Bündnisse der Verheißung; und ihr hattet keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden.”

Der Umzug um Jericho an sechs Tagen, das Blasen der Hörner, ohne daß ein Angriff erfolgte, erschien denen, die beobachteten, als töricht und zwecklos. In ähnlicher Weise verstehen Namenchristen unsere Methoden nicht. Sie sagen: „Anstatt nur auf dem christlichen Weg zu wandeln sollet ihr einen Frontalangriff auf die Hochburg der Sünde machen. Ihr solltet euch mit uns in den Anstrengungen für gesellschaftlichen Aufschwung verbinden und die Welt bekehren.”

Aber wir sind zufrieden, dem Befehl des Herrn zu gehorchen, einfach den Schmalen Weg zu gehen. Während wir gehen, blasen wir unsere Hörner der Wahrheit, indem wir die Evangeliumsbotschaft in dem völligen Bewußtsein verkünden, daß jetzt nicht die bestimmte Zeit für die Segnung der Welt ist. Das wird am siebten Tag in dem Messianischen Königreich geschehen, wenn Satans Festung zerstört sein wird. Dies wird durch des Herrn Macht geschehen und nicht durch die unsrige.

Als die Mauern von Jericho zusammenstürzten, lesen wir, „und das Volk stieg in die Stadt, ein jeder gerade vor sich hin, und sie nahmen die Stadt ein.” – Josua 6:20 Wir denken, es gibt hier eine Lektion für uns. Jeder sollte den Teil von Jericho angreifen, der direkt vor ihm liegt. Es soll ein jeder mit sich selbst handeln bei der Überwindung seiner eigenen Unzulänglichkeiten und nicht mit denen seines Nächsten. Jesus sagte: „Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist … zieh zuerst den Balken aus deinem Auge!” – Matthäus 7:3 und 5

Wir werden genug zu tun haben, unseren eigenen Teil von Jericho zu überwinden. Jericho wurde durch Feuer zerstört, und wir lesen: „Das Silber jedoch und das Gold und die bronzenen und eisernen Geräte legten sie in den Schatz des Hauses des HERRN.” – Josua 6:24

Niemand ist gänzlich verdorben. Es gibt bei jedem Menschen einige menschliche Eigenschaften, die gut und lobenswert sind, besonders bei denen, die von Gott gerufen sind. Ein jeder hat einige Besitztümer, Talente und Gelegenheiten, die dem sündigen und unnützen Gebrauch entzogen in den Dienst Gottes gestellt werden können. Sie können „in die Schatzkammer des Hauses des Herrn gelegt werden”. Mit unserer Weihung sind wir ernannte Verwalter all des Guten, was wir haben und was wir sind. Uns wurde gesagt, daß „man hier an den Verwaltern sucht, daß einer treu befunden werde”. – 1. Korinther 4:2 Manche sind dem Gold und dem Silber vergleichbar im größeren Maß mit Besitztümern und Fähigkeiten ausgestattet. Einige von uns können nur „Bronze und Eisen” geben. Aber alle sind annehmbar „im Schatzhaus des HERRN”, wenn sie ihre völlige Weihung aufrecht erhalten. Jesus verglich die Dinge von Jericho, die in uns sind und hinweggetan werden müssen, mit den Dingen in uns, die geweiht sind und in Gottes Schatzhaus bleiben: „Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Fraß zerstören und wo Diebe durchgraben und stehlen; sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Fraß zerstören und wo Diebe nicht durchgraben noch stehlen! Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.” – Matthäus 6:19 – 21

Dies ist ein Bild unserer höchsten Freude, wenn wir schließlich die Fesseln des Fleisches zerbrochen haben und in das Königreich der Himmel eingetreten sind. Judas erhaschte einen flüchtigen Blick von dieser gesegneten Stellung, als er in seinem Brief sagte: „Dem aber, der euch ohne Straucheln zu bewahren und vor seine Herrlichkeit tadellos mit Jubel hinzustellen vermag, dem alleinigen Gott, unserem Heiland durch Jesus Christus, unseren Herrn, sei Herrlichkeit, Majestät, Gewalt und Macht vor aller Zeit und jetzt und in alle Ewigkeiten!” – Judas 24 und 25

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