Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Davids Schuldbekenntnis und die Vergebung

„Schaffe mir, Gott, eine reines Herz, und erneuere in meinem Inneren einen festen Geist.” – Psalm 51.10

Wir freuen uns, über den nachstehenden Text die Überschrift „Davids Schuldbekenntnis und die Vergebung” schreiben zu können und ziehen dabei in Betracht, daß wir, wenn sich nicht das Gute, das in ihm war, mit Nachdruck behauptet hätte, hätten schreiben müssen „Davids unbereuter Fall und dessen schreckliche Wiedergutmachung”. Angesichts dieser hervorragenden Persönlichkeit in der jüdischen Geschichte haben wir nun den Fokus auf die edlen Charakterzüge gerichtet, die ihn als rechtschaffenen, gerechten, gottergebenen Mann ausweisen, als einen Mann mit ganz besonderen moralischen und intellektuellen Qualitäten, dem nach Gottes Maßstab und Wohlgefallen Ehre und Segen zukamen und die Auszeichnung, ein auserwähltes Werkzeug in Seinem Dienst zu sein.

Doch trotz all seiner Vorzüge, seiner Weisheit, seiner Fertigkeiten, seines unbestechlichen Urteils und seiner Gottergebenheit erlag die arme gefallene Natur selbst dieses großen und hervorragenden Mannes den Versuchungen von Überfluß und Reichtum. Nur mit Überwindung kann man über den Fall eines solchen Mannes, eines in vieler Hinsicht so starken Charakters, wie es David war, berichten. Ein Kommentator aber argumentiert, wie wir meinen, völlig richtig, wenn er sagt: „In manchen Naturen, besonders den starken, beweisen beide, sowohl der alte als auch der neue Mensch ungewöhnliche Leidenschaftlichkeit. Die Eigenschaften des alten Menschen, die Auflehnung bewirken, werden in Schach gehalten durch die noch stärkere Durchsetzungskraft des neuen Menschen. Wenn es aber geschieht, daß die Opposition des neuen Menschen dem alten gegenüber schwächer wird oder abklingt, dann kommt Verdorbenheit in erschreckendem Ausmaß zu Tage.”

Dieser Sturz Davids hinein in jene sehr große Sünde geschah indessen nicht ganz plötzlich; es hat im Vorfeld falsche Schritte auf diesem Weg gegeben. Der Prozeß verlief allmählich, und durch jedes Element wurde das Gewissen ein bißchen mehr eingetrübt, der Höhepunkt wurde unmerklich erreicht, so daß schließlich zwei der gemeinsten Verbrechen begangen wurden, anscheinend ohne jede Regung des Gewissens. Und die Sünde wurde verdeckt, obwohl sie die bittere Frucht ruheloser Reuegedanken nach sich zog – Psalm 32:3 und 4 -, bis der Prophet Nathan gesandt wurde, um in David die Wahrnehmung seiner Schuld und die Notwendigkeit, unverzüglich zu gestehen, zu bereuen und umzukehren, wachzurufen. David war so vergiftet von jenem Geist, der meistens der Macht, der Beliebtheit und dem Erfolg anhaftet, daß er offenbar seinen nach und nach erfolgten moralischen Abstieg nicht realisierte. Als König war sein Wort Gesetz in den Augen der Leute; ganz Israel wartete auf seine Befehle; die wichtigsten Männer im Staat dienten ihm, auf jedem Schlachtfeld war der Erfolg seiner Truppen gewiß, sein Reich war groß und stand in Blüte. Aber bei all dem Erfolg und all dieser Großartigkeit lauerten, unmerklich und gefährlich, Versuchungen, gegen die man sich mit äußerster Sorgfalt hätte wehren und ihnen ausdauernd Widerstand entgegensetzen müssen.

Der König war der unumschränkte Herrscher des Staates, und so waren nur wenige Leute kühn genug, so aufrichtig wie zu einem Bruder ihm gegenüber zu sein und ihm seine Irrtümer und Gefahren aufzuzeigen. Andererseits handelten seine Untergebenen, wie es Mächtigen gegenüber üblich ist, eher so, daß sie, was der Herrscher tat, billigten und nachahmten, anstatt auf kluge, freundliche und respektvolle Art einen Tadel auszusprechen und an seine höchsten Interessen zu erinnern, weil man sich lieber um seine Gunst – zu Lasten jener Interessen – bemühte. Während wir mit Freude Davids edle Charakterzüge wahrnehmen, müssen wir die Stufen seines Niedergangs beklagen. Es war dahin mit ihm gekommen, daß er die Privilegien, die andere Könige beanspruchten, auch als ihm zukommend betrachtete, und das schließlich in einem Umfang – und gegen das göttliche Gesetz – vergleiche 3. Mose 18:1 – 4, 5. Mose 17:14 und 17 – 20 -, daß er Vielweiberei trieb.

So wandte er im Krieg gegen die Amoniter übermäßige Grausamkeit an und begnügte sich nicht mit dem Sieg, sondern wollte, wenig großmütig, darüber hinaus den Triumph über seine Feinde – vgl. Chronika 20:1 – 3 und 2. Samuel 11 -. Dann zählte er das Volk, was gegen das Gesetz Gottes war und gegen den Rat seiner weisesten Männer und gegen die religiöse Überzeugung des Volkes – vergleiche 1. Chronika 21:1 -. Auch dies zeigte, daß ein Niedergang von Frömmigkeit ihn dahin brachte, an Gottes Gunst zu zweifeln und als Folge davon sein Vertrauen auf Ausrüstung und Truppenstärke usw. zu setzen – Jeremia 17:5 -, anstatt auf Gott, dessen Zuwendung und Hilfe er nur erfahren konnte, wenn er auf dem Weg der Gerechtigkeit weiter ging.

Mitten in dieser Phase aus äußerem Wohlergehen und dem Schwinden der Frömmigkeit in seinem Innern erlag David der Versuchung und beging so das entsetzliche Verbrechen gegen Gott und Menschen. – 2. Samuel 11:1 – 27 Arme gefallene Menschennatur!, wie schwach, wie empfänglich für die Sünde selbst bei den Besten! In der Tat, vor der Macht der Sünde gibt es keine Rettung außer dem engen und beständigen Anschluß an Gott und der unwandelbaren Entschlossenheit, die vergiftenden Einflüsse des Geistes dieser Welt zu meiden und ihnen zu widerstehen. Wenn wir ihrem Stolz, ihrem leeren Schein oder ihrem Verlangen nach Selbstgenügsamkeit Raum in uns lassen, dann gerät unser Urteil von Gut und Böse in ebendem Umfang unter den betäubenden Einfluß dieses Geistes. Und wenn jemand damit (das heißt in hohem Maß mit dem Geist Satans) vergiftet ist, dann wird er blind vieles tun, was er bei klarem Verstand meiden und verabscheuen würde. So war es bei David, einem großen und klugen Mann, den Gott um dieser Eigenschaften willen liebte und ehrte – doch selbst er fiel; und die davor bestehende Größe und das untadelige Ethos seines Charakter machen seinen Niedergang und Fall nur um so bedauerlicher.

David hätte wirklich recht daran getan, wenn er sich an Gottes Gebot erinnert hätte: „Und es soll geschehen, wenn er auf dem Throne seines Königtums sitzt, so soll er sich eine Abschrift dieses Gesetzes in ein Buch schreiben, aus dem, was vor den Priestern, den Leviten, liegt. Und es soll bei ihm sein, und er soll alle Tage seines Lebens darin lesen, auf daß er Jahwe, seinen Gott, fürchten lerne, um zu beobachten alle Worte dieses Gesetzes und diese Satzungen, sie zu tun; damit sein Herz sich nicht über seine Brüder erhebe, und damit er von dem Gebote weder zur Rechten noch zur Linken abweiche, auf daß er die Tage seines Königtums verlängere, er und seine Söhne in der Mitte Israels.” – 5. Mose 17:18 – 20 Wenn in dieser Sache selbst ein Mann wie David versagt hat und der Macht der Versuchung erlegen ist, sollte jedes Kind Gottes auf sich aufpassen und sich an der Lektion seiner Verirrung ein Beispiel nehmen. Das Wort Gottes muß täglich Begleiter, Lehrer und Führer sein für den, groß oder klein, der auf dem Pfad der Gerechtigkeit bleiben will. Es ist nicht genug das Wort zu lesen und auch nicht es zu studieren für bloße Information oder zur fundierten Argumentation: Es wurde uns gegeben, damit wir darüber nachsinnen und es zu uns nehmen, damit seine Prinzipien ein Teil unserer Existenz werden, damit es unsere Gedanken formt und unser Tun anleitet. Das ist damit gemeint, wenn es heißt, das Wort Gottes wohnt in uns als eine belebende und antreibende Kraft. Wenn wir so mit Gott Gemeinschaft haben durch Sein Wort und das Vorrecht des Gebets, dann werden wir nicht von der Sünde betört und auch an jenem vergiftenden Geist der Welt nicht teilhaben.

Manche sagen, sozusagen um David zu entschuldigen, daß das Leben eines Menschen als Ganzes betrachtet werden soll und nicht im Hinblick auf sein Scheitern. Damit will man andeuten, daß, wenn bei dieser Betrachtungsweise das Gute überwiegt, sein Leben als gerecht angesehen werden soll und umgekehrt. Daher, so wird angenommen, sollten wir Davids Charakter und den vieler anderer wertschätzen; darunter könnten sich auch Inquisitoren vergangener Zeiten befinden, die Personen, die andere Meinungen vertraten, verbannt und gefoltert haben. Viele dieser Leute seien gute, wenn auch irrende Menschen gewesen.

Von dieser Argumentation sollten wir uns distanzieren, denn sie weicht erheblich von Gottes Beurteilung der Dinge ab, wie es der Prophet Hesekiel klar ausdrückt, wenn er sagt: „Wenn aber ein Gerechter von deiner Gerechtigkeit umkehrt und unrecht tut, nach all den Gräueln tut, die der Gesetzlose verübt hat, sollte er leben? Aller seiner gerechten Taten, die er getan hat, soll nicht gedacht werden; wegen seiner Treulosigkeit, die er begangen und wegen seiner Sünde, die er getan hat, wegen dieser soll er sterben.” – Hesekiel 18:24; vergleiche auch 2. Petrus 2:20 – 22

Es wäre ein großer Fehler anzunehmen, daß Blindheit und ein abgestumpfter Sinn, die aus der Vergiftung mit dem Geist der Welt herrühren, eine passende Entschuldigung für in diesem Geisteszustand begangene Sünden gelten können. Gott hat in Davids Fall so nicht geurteilt. Der Anfang jeder Sünde geht einher mit einem ersten Nachgeben seinem vergiftenden Einfluß gegenüber; deshalb begegnen uns in der Schrift – vergleiche 1. Thessalonicher 5:22 – eindeutige Warnungen, selbst den Anschein von Sünde zu meiden. Davids Sünde hat angefangen, wie die jedes anderen Sünders, als er dem ersten Anflug des Bösen nachgegeben hat; die darauf folgenden Schritte waren ein Leichtes. – vergleiche Jakobus 1:14 und 15

Aber es gibt, Gott sei Dank, so etwas wie Reue und Sündenerlaß. Und obwohl David fürchterlich gesündigt hatte und Gott sehr erzürnt über ihn war, besann Er sich in Seinem Zorn der Gnade und sandte den Propheten Nathan, um ihn zu tadeln. Ohne Frage war es für Nathan eine schwierige Aufgabe, den König mit diesem Auftrag aufzusuchen, aber er zögerte nicht, als der Herr ihn rief, noch versuchte er sich irgendwie zu drücken, sondern er ging die Sache geradewegs, mit Ehrerbietung und Schlichtheit an. Er fing nicht damit an, Davids damaligen bösen Wandel mit einer Aufzählung seiner guten Taten aus der Vergangenheit aufzuwiegen. Auch seinen Glauben, seinen Heldenmut, seine Gerechtigkeit und seine Demut erwähnte er nicht, um anzudeuten, daß die letztgenannten Eigenschaften die anderen Dinge ausglichen, sondern er ermahnte, daß in Gottes Beurteilung alle früheren guten Taten wertlos sind, wenn aktuelle Sünden ungesühnt bleiben, und er kam geradewegs auf den Punkt. Geschickt führte er David den Fall in Form eines Gleichnisses vor Augen, den der Angesprochene für einen tatsächlichen Fall hielt und zu dem er rasch das Todesurteil über den Täter sprach. Vielleicht wollte er dem Mann Gottes zeigen, wie bestrebt er um Gerechtigkeit war, nicht ahnend, daß der Prophet um seinen unrechten Lebenswandel wußte, bis Nathan mit der Kraft eines Helden, die jede andere Überlegung beiseite schob und nur Gottes Willen zu tun bestrebt war, dem Herrscher die Lehre zum Bewußtsein brachte, indem er sagte: „Du bist der Mann! Warum hast du das Wort Jahwes verachtet, indem du tatest, was übel ist in seinen Augen? Urija, den Hethiter, hast du mit dem Schwerte erschlagen, und sein Weib hast du dir zum Weibe genommen; ihn selbst hast du ja umgebracht durch das Schwert der Kinder Ammon. Nun denn, so soll von deinem Hause das Schwert nicht weichen … . So spricht Jahwe: Siehe, ich will aus deinem Hause Unglück über dich erwecken.” – 2. Samuel 12:7 – 12

Das war ein kritischer Moment für David, und es wird wohl eine Zeitlang Stille geherrscht haben. Was würde er tun? Würde er sich hochfahrend der Macht der Wahrheit widersetzen, wie er nun ruhig und nachdrücklich von seinem alten und bewährten Freund, dem ergebenen Mann Gottes zur Ordnung gerufen wurde? Vielleicht war Stolz, der durch seine erfolgreiche Laufbahn genährt wurde, sein erster Impuls; doch die Tatsachen standen so klar vor ihm – wie konnte er leugnen?, wie konnte er sein Tun entschuldigen oder es irgendwie rechtfertigen? Selbst in seinem eigenen Denken gab es offenbar keine Entschuldigung, kein Heilmittel. Das Gewissen, das seit dem Verbrechen andauernd mehr oder weiger unruhig und manchmal sogar zur Reue geneigt war, war nun gänzlich erwacht, und ein Wendepunkt war erreicht. Zwei Wege lagen vor dem König: der eine war Reue, Geständnis und Umkehr; der andere war ein noch weiteres Versinken in der Sünde, wenn er den Propheten ärgerlich abwies und seine Macht als König bösartig mißbrauchte und den Mann Gottes bestrafte, weil dieser es gewagt hat, ihm Vorwürfe zu machen, um dann stolz zu erklären, es sei sein Recht als König, als eines herausgehobenen Individuums, nach seinem Belieben zu verfahren – ein allgemein anerkannter Brauch von Königen in allen Völkern. „Welcher König”, hat er vielleicht gesagt, „läßt den Rechten seiner Untertanen den Vorrang vor seinen eigenen Wünschen?“

Doch wir sehen mit Erleichterung, daß David nicht diese Richtung eingeschlagen hat. Im Gegenteil; er sorgte dafür, daß seine bessere Veranlagung wieder zur Geltung kam. So sagte er zu Nathan: „Ich habe gegen Jahwe gesündigt.” – Vers 13 Und Nathan sagte zu David: „So hat auch Jahwe deine Sünde weggetan, du wirst nicht sterben.” – auch wenn David sich anhand des Gleichnisses unwissentlich zum Tode verurteilt hatte. Wie gnädig ist unser Gott, und wie sehr ist Er bereit zu verzeihen, wenn echte Reue vorhanden ist! Und Nathan fügte hinzu: „Nur weil du den Feinden Jahwes durch diese Sache Anlaß zur Lästerung gegeben hast, so soll auch der Sohn, der dir geboren ist, gewisslich sterben.” – Vers 14 Reuig und duldsam war David mit beidem einverstanden, mit dem Tadel und die gegen ihn verhängten Strafmaßnahmen. Er erkannte, daß seine Sünde sehr schwerwiegend war, und daß sein Beispiel für die Moral und die Religion des Volkes äußerst schädlich war. So entschied er sich und führte diesen Entschluß auch aus, seine tiefe Betroffenheit und seine Reue öffentlich zu machen und eine ebenso weitreichende Wirkung zum Guten zu erzielen, wie es seine Sünde zum Bösen gewesen war.

Das war eine edle Entscheidung, und der Edelmut des Mannes zeigte sich in keinem Punkt klarer als durch sein demütiges öffentliches Geständnis, durch seine Bemühungen, seine schlechten Taten so weit als irgend möglich ungeschehen zu machen. Er zeigte sich auch durch seine demütige Annahme der Strafen, die Gott in seiner Weisheit und Gnade für geeignet hielt ihm aufzuerlegen, damit sein Zorn über Sünde allen kundgetan wurde, und damit König und Volk die Warnung davor verstanden. „Besser ein Langmütiger als ein Held, und wer seinen Geist beherrscht, als wer eine Stadt erobert.” – Sprüche 16:32 Indem er so den Solz und die Selbstsucht, die breiten Raum in seinem Herzen eingenommen hatten, besiegte, erwies sich David als ein noch größerer Held als in jungen Jahren bei seinem Kampf gegen den Riesen Goliath oder sonst einer kriegerischen Auseinandersetzung.

Daß Gottes Vergebung nicht zwingend die Aufhebung aller auf die Sünde folgenden Strafen einschließt, offenbart sich in diesem Fall und in tausend anderen. Dem göttlichen Gesetz gemäß war die Strafe für Davids Sünde der Tod. Und dieses Urteil war, bei Anwendung der Strenge des Gesetzes, unter zwei Anklagepunkten gerecht – vergleiche 3. Mose 20:10 und 25:17 -; aber im Hinblick auf seine Reue erließ ihm der Herr die Todesstrafe – 2. Samuel 12:13 – und verhängte nur die Strafe über ihn, die für eine volle Zurechtweisung des Schädigers und die Warnung und Belehrung des Volkes unerläßlich war. Er zeigte damit auch, daß Er kein Ansehen der Person kannte, und daß König und Volk vor Gottes Gesetz auf gleicher Stufe standen. Es sollte auch beachtet werden, daß die verhängten Strafen in hohem Maß frühere Sünden einschloß. Die schlimmsten Verirrungen kamen aus seiner polygamen Lebensweise, und die Söhne, die ihm die größten Schwierigkeiten bescherten, hatten heidnische Mütter. – Und das Kind von Bathseba starb.

Wie wir in Psalm 51 lesen, bekennt David offen seine Sünde und Gottes Gnade durch die Vergebung; und Psalm 32 beschreibt die Gewißheit, Segen empfangen zu haben als ein Mann, dessen Übertretung vergeben wurde, dessen Sünde zugedeckt ist, dem der Herr die Missetat nicht zurechnet und in dessen Geist kein Falsch, kein Betrug, keine Heuchelei ist, dessen Handlungen offen und transparent sind und nachweisbar gerecht und rechtschaffen. Hier erklärt er: „Ich tat dir kund meine Sünde”, und er bezeugt die Vergebung des Herrn. – Vers 5 Und um diese Vergebung Gottes zu bekommen, fordert er alle Sünder auf zu Gott zu beten zu einer Zeit, wo man ihn finden kann – Vers 6 -, das heißt bevor ihr Herz verhärtet ist und definitiv in übles Fahrwasser gerät.

Selbst inmitten der schweren Dinge, die die Folge seiner Sünde waren, und die er demütig und geduldig auf sich nahm, lernte David durch den Glauben, sich im Herrn zu freuen und sagte: „Du bist ein Bergungsort für mich; vor Bedrängnis behütest du mich; du umgibst mich mit Rettungsjubel.” – Psalm 32:7 Denn der Herr wird nicht zulassen, daß Leid Seine treuen Heiligen überbürdet, denen Er das Siegel Seiner verzeihenden Liebe gegeben hat.

Dann faßt der König die Einstellung des Herrn seinen treuen, gehorsamen Kindern gegenüber in Worte, so wie wenn Dieser auf Davids Ausdruck demütigen, liebenden Vertrauens antworten würde, und sagt: „Ich will dich unterweisen und dich lehren den Weg, den du wandeln sollst; mein Auge auf dich richtend, will ich dir raten. Sei nicht wie ein Roß, ein Maultier, das keinen Verstand hat; mit Zaum und Zügel, ihrem Schmucke, mußt du sie bändigen, sonst nahen sie dir nicht.” – Psalm 32:8 und 9 – sonst entziehen sie sich deiner Kontrolle.

„Viele Schmerzen hat der Gesetzlose”, solange er gesetzlos bleibt; das war Davids bittere Erfahrung, „wer aber auf Jahwe vertraut <was in sich schließt, von der Ungerechtigkeit zu lassen>, den wird Güte umgeben.” – Psalm 32:10 Glauben und Vertrauen jenes Reuigen, der zur Freude der Errettung wiederhergestellt wurde, zeigen sich daher in den Worten: „Freuet euch in Jahwe und frohlocket, ihr Gerechten, und jubelt, alle ihr von Herzen Aufrichtigen.” – Vers 11

Wenn Gott Seinen reuigen Sünder und gläubigen Diener zu den Freuden der Errettung wiederhergestellt hat und „die Gebeine frohlocken <ließ>, die <er> zerschlagen hat” – Psalm 51:8 -, der in ihm ein reines Herz geschaffen und den rechten Geist erneuert hat – Vers 10 -, wer wollte dann dem Geliebten wiederum etwas als Last auferlegen? So wie Gott umsonst vergab, müssen es alle von Seinem Volk tun. Und daher freuen wir uns, in David einen der Alttestamentlichen Überwinder zu erkennen, der unserer Liebe, unseres Zutrauens würdig ist, und der ein edles Beispiel für uns zur Nachahmung darstellt, angesichts der vielen Tugenden seines Charakters. In keinem anderen Punkt ist er für uns ein leuchtenderes Vorbild als in dem Sieg über sich selbst. Besonders dann, wenn wir auf seine herausgehobene Position schauen, seine Führungsrolle im Staat, auf die skandalösen Verbrechen, deren er sich schuldig gemacht hat, die einzugestehen so demütigend gewesen sein muß, auf den zu erwartenden Verlust von Autorität und Vertrauen seitens seines Volkes, auf das Bewußtsein der hohen Meinung von seiner Person, das er zweifellos hatte und das ihm so zuverlässig und verdientermaßen über viele Jahre zukam, an die einschneidende Erkenntnis seiner Schande, die er gehabt haben muß, als sie ihm bei nüchterner Betrachtung vor Augen geführt wurde – wenn wir all diese Dinge betrachten, dann ist Davids Sieg über sich selbst in Demut und Reue eine der größten und erhabensten Errungenschaften in der Menschheitsgeschichte. Und dieser Weg muß jedem Kind Gottes nachdrücklich empfohlen werden, sollte es feststellen, daß es in irgendeinem Umfang oder auf irgendeine Art vom Weg der göttlichen Gerechtigkeit abgewichen ist.

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