Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

David, König von Juda

„Jahwe regiert. Es frohlocke die Erde.” – Psalm 97:1

In Davids Persönlichkeit begegnen uns außerordentliche und vielfältige Qualitäten, die er von Natur aus besaß. In ihm erleben wir die seltene Kombination aus einem erfolgreichen Staatsmann, Heerführer, Musiker und Dichter. Seinem Wesen nach war er, insgesamt betrachtet, edel, großzügig, demütig, freundlich, begeisterungsfähig und heldenhaft. Er war ehrfürchtig gegen Gott und hatte wohl von Jugend an einen festen Glauben an die Verheißungen Gottes und Seine Vorsehung. Doch David war nicht ein Musterheiliger: Es gab einige seltsame Widersprüchlichkeiten in seinem Charakter, die um so auffallender sind, weil sie sich von den schönen und edlen Wesenszügen abheben, die uns mit Bewunderung erfüllen. Doch weil er diese Ungereimtheiten, soweit er sie erkennen konnte, in aller Aufrichtigkeit bereute, schätzen wir die Niedriggesinntheit, mit der er von seinen Verfehlungen Abstand nahm. Wir müssen David die gleiche liebevolle und gnädige Wertschätzung angedeihen lassen, mit der Gott all Seine gefallenen und schwachen Kinder ansieht, die gegen die in ihnen wohnende Sündhaftigkeit ankämpfen, ihre Nachlässigkeiten anerkennen, und müssen uns auf Seine Gnade und Nachsicht verlassen. In seiner Jugend, zu der Zeit, als seine Salbung zum König von Israel bevorstand, hieß es über David: „Jahwe hat sich einen Mann gesucht nach seinem Herzen.” – . Samuel 13:14 Das Gleiche konnte in vielfacher Hinsicht auch später von ihm gesagt werden, ungeachtet seiner Fehler, wenn man seine tiefe Reue bedenkt. Diese in der Schrift verankerte Feststellung kann indessen nicht als Zeugnis von Vollkommenheit verstanden werden, weder des jungen Mannes noch des Erwachsenen, sondern damit wurde unterstrichen, daß er für das von Gott vorgesehene Amt geeignet war. Und da es sich um ein Amt von großer Ehre und Verantwortung handelte, bedeutete die Eignung in Gottes Wahl zu diesem Amt hohe Qualität an Fähigkeiten und Charakter, besonders zu dem Zeitpunkt, als er dazu ausersehen wurde. Dies traf auch im Fall von Saul zur Zeit von dessen Salbung zu; der Prophet Samuel sagte von ihm: „Habt ihr gesehen, den Jahwe erwählt hat? Denn keiner ist wie er im ganzen Volke.”- 1. Samuel 10:24

Die speziellen Erfahrungen in Davids Leben als junger Mann waren prägend für ihn als Vorbereitung auf sein Lebenswerk als König über Israel. Seine Begegnung mit dem Löwen und dem Bären als junger Hirte, sein späterer Kampf mit dem Riesen Goliath, seine Erfahrungen an Sauls Hof, seine Bekanntschaft und Freundschaft mit Jonathan und anderen, seine Fluchten vor den Nachstellungen Sauls, all das diente dazu, ihn heranzubilden und vorzubereiten für den Dienst, den er nach Sauls Tod ausfüllen sollte. In dieser Schule machte er jene Erfahrungen, durch Mut, Stärke und Gottvertrauen in besonderen Schwierigkeiten und großen Prüfungen und Versuchungen klug zu handeln.

So wählte Gott Seinen Diener nicht nur aus, sondern schulte ihn für die Aufgaben, zu denen Er ihn berufen hatte. Diese Vorsorge in Davids Fall erinnert uns an Gottes Vorsehung im allgemeinen; in Seiner Weisheit richtet Er Mittel und Wege für bestimmte Ziele ein, und Seine Führung wirkt in allen Dingen, damit Sein Wille hinausgeführt wird. Viele der tröstlichen Psalmen Davids resultierten aus den bitteren Erfahrungen seiner Verbannungszeit. Diese außergewöhnlichen und sehr vielfältigen Dinge und die dabei gewonnenen Erkenntnisse, die in den Psalmen ihren Niederschlag fanden, sind Trost und Segen für Gottes Volk zu allen Zeiten. Ganz allgemein entsprechen Davids Erfahrungen denen der Kirche des Evangeliumszeitalters, die Gott in ähnlicher Weise für Sein himmlisches Reich vorbereitet. Und ohne Zweifel spiegeln sich die Lehren daraus in unseren Herzen.

Der Bericht über Davids Weg, beginnend mit seiner Salbung bis zur Inthronisation, zeigt ein unbedingtes Vertrauen in Gott: daß Der, Der ihn berufen und gesalbt hat, ihn auch zu gegebener Zeit auf den Thron bringen und sein Königtum aufrichten kann. Er unternahm überhaupt nichts, Saul abzusetzen oder etwa seine Autorität zu untergraben, selbst als Saul ihn verfolgte und nach seinem Leben trachtete. Und als Saul ohne es zu wissen in seiner Macht war und er ihn umbringen hätte können, streckte er die Hand nicht aus und rührte den Gesalbten des Herrn nicht an. Bereitwillig und in Geduld wartete er auf die gegebene Zeit, und er wußte, daß Gott, was Er verheißen hatte, auch ins Werk setzen würde. Selbst nach Sauls Tod beanspruchte er nicht sogleich das freigewordene Amt, sondern forschte erst im Gebet zum Herrn, ob seine Zeit gekommen war.

Gottes Zeit war gekommen, und David und seine Familie, sowie seine Leute und deren Familien wurden nach Hebron beordert, wo er ohne Pomp oder Zurschaustellung seiner Rechte ruhig die Anweisungen der Vorsehung abwartete: „Und die Männer von Juda kamen und salbten daselbst David zum König über das Haus Juda.” – 2. Samuel 2:4 -, was nicht nur in Übereinstimmung mit der göttlichen Salbung war, sondern auch mit dem, was jene Männer wollten. Und so erhielt David die Königswürde durch Gottes Berufung und auch durch die Wahl des Volkes.

In dem, was David bei diesen Ereignissen tat und erlebte und aus Gottes Vorkehrungen für ihn läßt sich eine nutzbringende Lehre für Gottes geweihtes Volk, die Kirche des Evangeliums, in diesem Zeitlauf erkennen. Sie wurde von Ihm berufen und geweiht, um Seine Könige und Priester, Seine Erben und Miterben mit Jesus Christus zu sein, um Herrlichkeit und Königswürde zu bekommen, und so ist es ihre Pflicht, geduldig Gottes Zeit für diese Erhöhung abzuwarten und in der Zeit bis dahin wie David alle Züchtigungen zu ertragen, die Gott in Seiner weisen Vorausschau für notwendig erachtet, um die Kandidaten für die für sie bestimmten Aufgaben, die sie dann mit Autorität und Macht ausüben sollen, auszubilden und sie umsichtig auf die Segnung aller Geschlechter der Erde vorzubereiten.

Einmal auf dem Thron zeichnete sich Davids Verhalten durch die gleiche Weisheit und Großherzigkeit aus, die er davor hatte. Klug ließ er unter anderem dem Gedächtnis seines verstorbenen Vorgängers und Feindes alle Ehre angedeihen; ein bemerkenswerter und in der Geschichte einzigartiger Vorgang. David sandte Boten zu den Leuten von Jabes-Gilead und ließ ihnen seine Wertschätzung über ihre noble Tat bekunden, daß sie die Leichname von Saul und seinen Söhnen geborgen hatten, und daß sie diese nicht der Würdelosigkeit durch die Philister überlassen hatten, sondern sie ehrenvoll bestattet haben. Die Männer von Jabes hatten dies im Gedenken an eine Wohltat getan, die ihnen Saul früher erwiesen hatte. – 1. Samuel 1:1 – 11 David ließ ihnen sagen: „Gesegnet seid ihr von Jahwe, daß ihr diese Güte an euerem Herrn, an Saul, erwiesen und ihn begraben habt! Und so erweise nun Jahwe Güte und Treue an Euch; und auch ich will euch dieses Gute vergelten, weil ihr diese Sache getan habt.” – 2. Samuel 2:5 und 6

Wie sehr unterscheidet sich doch diese Haltung von jener bösartigen Art und Weise, über den Tod eines mächtigen Rivalen und unerbittlichen Feindes zu triumphieren! Stattdessen wollte David all die guten Charakterzüge Sauls in Erinnerung rufen und den bösen Geist beklagen, der in seinen späteren Lebensjahren von ihm Besitz ergriffen hatte und ihn zu solch niederträchtigem Handeln veranlaßt hatte; zudem war ihm das liebevolle Gedenken an Jonathan immer kostbar. Dadurch, mehr als durch irgendetwas anderes, triumphierte er über seinen Feind.

Während nun David der wohlbestallte König von Juda war, machten die anderen Stämme Israels, die über die göttliche Salbung Davids nichts wußten, Isboseth, den überlebenden Sohn Sauls, zum König. David widersetzte sich dem nicht, und er verhielt sich seinem Rivalen gegenüber rein defensiv und griff ihn nicht an. In verschiedenen Schlachten und Scharmützeln waren seine Soldaten siegreich; und seine Stärke und sein Einfluß nahmen zu, während die seines Widersachers abnahmen. – Es wäre zu wünschen, daß jener Geist der Nachsicht und jene Zurückhaltung im Ergreifen einer Machtstellung unter politischen und geistlichen Führern allgemein verbreitet wären. Üblicherweise drängen sich Autoritäten eher der Bevölkerung auf, sie suchen von sich aus ein Amt, anstatt das Amt auf sich zukommen zu lassen.

Unser Leittext: „Jahwe regiert. Es frohlocke die Erde” ist die prophetische Vorausschau auf jene gesegnete Zeit, in der das Gegenbild von Davids Königtum, das Reich des Gesalbten Gottes, unseres Herrn Jesus auf der ganzen Erde aufgerichtet sein wird. Dann wird wahrhaftig die Erde frohlocken, und Recht und Gerechtigkeit werden die Grundfeste seines Thrones sein.

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