Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Wenn ein Mensch stirbt

Nur sehr wenige von den zahlreichen Millionen der Menschheit, vor allem in den aufgeklärten Ländern der Erde, machen sich keine Gedanken darüber, was wohl ihr Los nach ihrem Tode sein mag. Einige möchten gern wissen, ob es ein künftiges Leben gibt oder nicht. Andere, die sich zum Glauben an ein künftiges Leben bekennen, fragen sich oft, ob es ein solches in Glück oder Leid sein wird. Nicht allzu viele haben eine bestimmte und zufriedenstellende Antwort gefunden auf die Frage: „Wo werde ich die Ewigkeit zubringen?“

Ebenso ist die Frage, ob unser ewiges Geschick beim Tode unabänderlich festgelegt ist, eine Lebensfrage. Wenn ja, dann werden viele Fragen aufgeworfen hinsichtlich der Gerechtigkeit und Liebe Gottes, denn Millionen sind gestorben, die niemals eine wirkliche Gelegenheit zur Umkehr gehabt haben.

Millionen dieser Menschen werden, an den Maßstäben dieser Welt gemessen, als durchaus gut und edel angesehen, dennoch bekennen sie sich nicht als Christen. Sie sind gute Nachbarn, in ihrem Geschäftsgebaren anständig, und stets bereit, Hilfsbedürftigen beizustehen; doch nach der biblischen Auffassung vom Christentum sind sie nicht gut genug, um beim Tode in den Himmel zu kommen. Andererseits sind sie gewiss zu gut, um als ewig verloren betrachtet zu werden.

Außer diesen gibt es viele, die sich zum Christentum bekennen, aber offen zugeben, dass sie nicht immer dem Maßstab der Gerechtigkeit gemäß leben, welchem sie nach ihrem Wissen entsprechen sollten; doch sie sind keineswegs solche, dass wir sie als böse Menschen bezeichnen könnten. Was wird mit diesen? Es gibt da die Geschichte von einem solchen namens Hans Zornig. Anscheinend träumte Hans, dass er starb und vor dem Richter aller erschien. Auf die Frage über seine Stellung in der Kirche konnte er mit Zuversicht antworten. Ferner hatte er gern in der Bibel gelesen. Aber scheinbar beherrschte er, wenn er aufgeregt war, nicht immer seine Zunge so, wie er es hätte tun sollen; und nun schien im Traum dieses eine ihn vom Himmel auszuschließen. Nach der Geschichte erwachte Hans aus seinem Traum mit dem Schrei: „Schick mich nicht zur Hölle!“

Freilich ist dies nur eine Geschichte, und nach der Schrift nicht in Übereinstimmung mit den tatsächlichen Erfahrungen von Sterbenden. Nichtsdestoweniger veranschaulicht sie die Tatsache, dass es Millionen Menschen gibt, deren Zustand im künftigen Leben ihnen selbst ungewiss ist. Außer diesen sind Millionen gestorben, ohne den Namen Jesus auch nur gehört zu haben — den einzigen Namen, der unter dem Himmel den Menschen gegeben ist, in dem jemand errettet werden kann. Was wird mit diesen? Es ist für Gläubige und Ungläubige angebracht, diesen Gegenstand über das Danach wohl zu erwägen, denn es ist eine Angelegenheit, die letztlich jeder ins Auge fassen muss. Zuletzt kommt der „Schnitter Tod“ doch zu jedem von uns.

Nein, wir können dem Tode nicht entgehen, aber wir sollten uns bemühen, etwas über den Zustand der Toten zu erfahren. Bei unserer jetzigen Untersuchung wollen wir die Theorien von Menschen beiseite lassen und uns direkt an die Bibel wenden. Alle bekennenden Christen anerkennen die Autorität der Bibel und nehmen sie als eine verlässliche Informationsquelle über Leben, Tod und das Danach an.

Gibt es eine schriftgemäße Begründung für „Hans Zornigs“ Furcht vor der Beförderung in die Hölle, wo er für immer von feuerfesten Dämonen gequält würde? Die maßgebenden Berichte der Bibel sind allen zur Nachprüfung zugänglich, und wenn wir diese inspirierten Aufzeichnungen untersuchen, finden wir Folgendes:

Im Alten Testament (nach der revidierten Luther-Übersetzung) kommt das Wort „Hölle“ fünfundvierzigmal vor. Es ist eine Übersetzung des hebräischen Wortes Scheol. Außerdem ist es dreimal mit „Grab“, siebenmal mit „Grube“, viermal mit „bei den Toten“ und sechsmal mit „Tod“ übersetzt. Wir glauben, es sollte allen einleuchten, dass dieses hebräische Wort dasselbe bedeuten muss, ob man es mit „Grab“ oder „Grube“, mit „Hölle“ oder „Tod“ übersetzt.

Dass zum Beispiel die Übersetzer einer amerikanischen Ausgabe der Bibel sich dieser Tatsache bewusst waren, ist aus ihrer Kritik englischer Revisoren ersichtlich, wie sie im Vorwort der amerikanischen Ausgabe zum Ausdruck kommt; dort heißt es: „Die einheitliche Anwendung des Wortes Scheol für Grab, Grube und Hölle an den Stellen, wo diese Bezeichnungen… [in England] beibehalten worden sind, bedarf kaum der Rechtfertigung. Die englischen Revisoren gebrauchen Scheol nur neunundzwanzigmal, während es im Original fünfundsechzigmal vorkommt. Für eine derartige Unterschiedlichkeit gibt es keinen guten Grund. Wenn diese Bezeichnung überhaupt gebraucht werden kann, so ist klar, dass es nur einheitlich geschehen sollte.“ [Die Übersetzer der Elberfelder Ausgabe der Bibel haben das Wort Scheol beibehalten].

Als erster von Gottes Dienern gebrauchte Jakob das Wort Scheol. Dieser heilige Mann der alten Zeit wurde zu dem Glauben veranlasst, dass sein geliebter Sohn Joseph von einem wilden Tier getötet worden sei. Es war eine herzzerreißende Nachricht für Jakob, und als er dieselbe erfuhr, erklärte er, dass er diesen schmerzlichen Verlust bis zu seinem Tode betrauern würde. Seinem Gram Ausdruck gebend sagte Jakob: „Ich werde mit Leid hinunterfahren in die Grube [Scheol] zu meinem Sohn.“ — 1. Mose 37:35

Das in Jakobs Ausdruck des Schmerzes mit Grube übersetzte hebräische Wort ist Scheol — das einzige Wort des Alten Testamentes, das mit Hölle übersetzt wird. Durch Anwendung desselben gab Jakob seiner Erwartung Ausdruck, zu der einzigen in den Zeiten des Alten Testaments erwähnten „Hölle“ zu gelangen. Darüber hinaus zeigte Jakob, dass seinem Verständnis nach Joseph sich bereits in dieser „Hölle“ befand, dass er dort verbleiben und Jakob selbst bei seinem Tode mit ihm vereinigt werden würde.

Jakob war einer von Gottes treuen Dienern. Joseph war es auch. Die Annahme ist undenkbar, dass sie bei ihrem Tode an einen Ort der Qual gingen, der die Hölle, wie man jetzt behauptet, sein soll. Wie der „Hans Zornig“ des Traumes waren beide durchaus zu gut, um an einen Ort der Qual zu gehen; und doch erwartete Jakob nach seinem eigenen Zeugnis, bei seinem Tode in die Hölle zu gelangen. Was für eine Art von Hölle war es, in welche Jakob zu kommen erwartete?

Das Gebet Hiobs

Wir sollten nicht annehmen, die Antwort auf die eben aufgeworfene Frage zu wissen, sondern wollen unsere Untersuchung weiter fortsetzen. Ein anderer gottesfürchtiger Mann war der Prophet Hiob. Die Bibel sagt uns, dass er „vollkommen [untadelig]“ vor Gott wandelte. (Hiob 1:1; Elberfelder Bibel) Hier haben wir einen so heiligen Menschen, dass er würdig zu sein schien, bei seinem Tode unmittelbar in den Himmel aufgenommen zu werden. Er war nicht nur zu gut, um in die traditionelle Hölle der Qual zu kommen, sondern nach dem Bericht war seine Untadeligkeit derart, dass wir ihn ohne weiteres für würdig halten würden, in den Himmel zu kommen, um bei Gott und seinen Engeln zu sein. Hiob aber rechnete nicht damit, in den Himmel zu kommen!

Obgleich Hiob als ein rechtschaffener Mensch angesehen wurde, ließ Gott es zu, dass viel Elend und Leid über ihn kam. Wir haben alle von der „Geduld Hiobs“ im Ertragen dieser erprobenden Erfahrungen gehört. (Jakobus 5:11) Bei einer Gelegenheit aber empfand Hiob, dass für ihn das Sterben besser sein würde, als weiter die Qualen der Krankheit und den Unwillen seiner Freunde und Verwandten, einschließlich seiner Frau, zu ertragen. Deshalb bat er Gott, ihn sterben zu lassen. In der Tat, er drängte Gott, ihn zu vernichten, und betete: „Ach dass du mich in der Hölle verdecktest und verbärgest, bis dein Zorn sich lege.“ — Hiob 14:13

Das von Hiob gebrauchte hebräische Wort, das in dem eben angeführten Gebet mit „Hölle“ übersetzt wird, ist Scheol, die Bibelhölle. In der Tat, Wahrheit ist seltsamer als Dichtung. Hier war ein Mensch, der bereits unsagbare körperliche und seelische Leiden erduldete. Seine Kinder waren getötet worden. Seine Herden waren fort. Seine Frau hatte sich gegen ihn gewandt, und er war mit einem ekelhaften Hautausschlag bedeckt. Ganz gewiss wollte er Gott nicht darum bitten, ihn an einen Platz zu bringen, wo sein Leiden noch vermehrt und es für ihn keine Hoffnung auf Entrinnen geben würde!

Warum betete Hiob darum, in die Hölle zu kommen? Weil er als einer der inspirierten Diener Gottes wusste, dass die Hölle ein Zustand des Friedens und der Ruhe ist. Salomo, der weiseste Mensch des Alten Testamentes und einer der inspirierten Schreiber Gottes, erklärt, dass im Scheol oder in der Hölle es weder „Tun“ noch „Berechnung“, noch „Kenntnis“ noch „Weisheit“ gibt. (Prediger 9:10) Zweifellos wusste dies Hiob, und das war der Grund für sein Gebet zu Gott, ihn sterben und zur Hölle gehen zu lassen.

Hiob war der Leiden müde und wollte sie beenden. Er wusste, dass er im Tode Befreiung von seinen Leiden und nicht Vermehrung derselben finden würde. Dies wird im 3. Kapitel des Buches, welches seinen Namen trägt, weiter ausgeführt. Dort fragt Hiob, warum er nicht starb, als er ein kleines Kind war. Er weist darauf hin, dass er in diesem Falle nicht all das Leid erduldet hätte, das er durchmachte. Er erklärt, dass er beim Tode im Kindesalter nun „läge“, „still wäre“, „schliefe“ und „Ruhe“ hätte.

Aber nicht nur das, sondern Hiob würde, wie er weiter erklärt, diesen Zustand des Friedens und der Ruhe — der Bewusstlosigkeit — mit „den Königen und Ratsherren der Erde“, mit „den Kleinen und Großen“, mit „den Fürsten“ und „Gottlosen“ teilen. In diesem „Zustand der Toten“, erklärt Hiob, „müssen doch aufhören die Gottlosen mit Toben; daselbst ruhen doch, die viel Mühe gehabt haben“. Er versichert uns auch, dass die Toten in diesem Zustand „nicht die Stimme des Drängers“ hören. — Hiob 3: 13-19

Das sind überraschende Tatsachen! Sie enthüllen, dass beim Tode Säuglinge, Könige, Fürsten, Politiker, bedeutende und geringe Menschen, die Gottlosen und die Müden, alle an den gleichen Ort gehen, an den einen Ort des Friedens, der Ruhe und des Schlafes — der Bewusstlosigkeit. Kein Wunder, dass der von seiner Frau und seinen Freunden verlassene und mit Beulen geplagte Hiob betete, an einen solchen Ort zu kommen. Auch ist ganz offensichtlich, dass sein Verständnis der Hölle völlig verschieden war von der Auffassung vieler Menschen von heute.

Und noch etwas anderes kommt durch diesen inspirierten Bericht über Hiob und seine Erfahrungen ans Licht. Während er darum betete, in die Hölle zu gelangen, tat er es nicht in der Erwartung, dass er für immer dort verbleiben sollte; denn in seinem Gebet drückte er seinen Glauben aus, dass er später aus diesem Todeszustand herausgerufen würde. Er betete: „Ach dass du mich in der Hölle [Scheol] verstecktest …, bis dein Zorn sich lege, und setztest mir ein Ziel, dass du an mich dächtest … Du würdest rufen und ich dir antworten, es würde dich verlangen nach dem Werk deiner Hände.“ — Hiob 14:13, 15

Hieraus ersehen wir, dass Hiob nur so lange in der Bibelhölle verbleiben wollte, bis Gottes „Zorn“ vorüber wäre. Hier ist wiederum ersichtlich, dass Hiobs Auffassung sehr von derjenigen vieler aufrichtiger Menschen abweicht. Diese glauben, dass die Hölle ein Ort ist, wo Gott die Sünder mit seinem Zorn heimsucht; aber gemäß diesem inspirierten Bibelbericht finden wir einen guten Menschen — einen heiligen Mann — darum beten, dass er in die Hölle kommen möchte, um Gottes Zorn zu ENTFLIEHEN, und darum bitten, in der Hölle zu verbleiben, bis jener Zorn vorüber ist.

Was meinte er? Was bedeutet dieser „Zorn“ Gottes, auf den Hiob sich bezieht? Paulus erklärt, dass dieser „Zorn“ vom Himmel her über alle Ungerechtigkeit geoffenbart wird. (Römer 1:18) Er ist der Fluch der Sünde und des Todes, welcher als das Ergebnis der ursprünglichen Sünde unserer ersten Eltern über das Menschengeschlecht kam. Der große Apostel Paulus erklärt, dass „die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist“. (Römer 5:18) Diese Verdammnis führte zum Tode.

Der Tod also ist die Bekundung des Zornes Gottes gegen eine sündige Welt. Er ist des Menschen größter Feind, und seine Verbündeten sind Krankheit und Schmerzen. (1. Korinther 15:26) Die ganze Welt leidet also, weil der gerechte Gott die Sünde nicht dulden kann. Sein Zorn wird geoffenbart gegen alle Ungerechtigkeit, und jedes Glied des gefallenen Geschlechtes teilt die Todesstrafe, die seit Edens Tagen von Geschlecht zu Geschlecht fortgeschritten ist.

Hiob erduldete mehr als das gewöhnliche Maß der Leiden, welche die Welt wegen des Zornes Gottes durchmacht; daher betete er um die Befreiung hiervon im Tode, um weiteren Qualen zu entgehen. Er wollte in der „Hölle“ nur solange verborgen bleiben, bis Gottes Zorn vorüber war, um dann wieder auf die Erde zurückgerufen zu werden. Dass Hiob zu einer solchen Hoffnung berechtigt war, wird durch die Verheißung Jesu bestätigt, dass eine Zeit kommen wird, in welcher „alle“, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und „hervorgehen“ werden.— Johannes 5:28, 29

Wie der treue und inspirierte Hiob die Sache ansah ist die traditionelle Ansicht über die Hölle demzufolge von mindestens drei wichtigen Gesichtspunkten aus falsch: (1) Sie ist kein Ort, wo Gottes Zorn die Sünder heimsucht; sie ist vielmehr ein Zustand, in welchem sowohl Sünder als auch Heilige dem Leiden entgehen, das infolge des Zornes Gottes in der Welt ist. (2) Sie ist ein Zustand der Bewusstlosigkeit, daher der Ruhe, und kein Ort des Leidens. (3) Und noch wichtiger ist, dass diejenigen, welche in die biblische „Hölle“ gehen, dort nicht für immer verbleiben, wie gewöhnlich geglaubt wird, sondern zurückkehren und eine Gelegenheit erhalten sollen, auf der Erde in einer Zeit zu leben, da Sünde und Tod ausgerottet sein werden.

Die Hölle wird vernichtet

Eine andere die Wahrheit offenbarende Verheißung Gottes wird im Alten Testament in Hosea 13:14 berichtet. Hier versichert uns der Herr, dass es seine Absicht ist, die Hölle zu vernichten. Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass die einzige Hölle des Alten Testamentes der Scheol ist, dann ist es in der Tat beruhigend, Gottes Verheißung zu lesen: „Ich will sie erlösen aus der Hölle [Scheol] und vom Tod erretten. Tod, ich will dir ein Gift sein; Hölle [Scheol], ich will dir eine Pestilenz sein.“

Wie wir gesehen haben, ist die „Hölle“ der Todeszustand, und der Apostel Paulus sagt uns, dass Christus den Tod vernichten wird. (1. Korinther 15:26) Dies bestätigt die Worte des Propheten und gibt uns die Gewissheit, dass es nicht Gottes Absicht ist, nahezu das gesamte Menschengeschlecht ewig in der Hölle zu quälen. In der Tat, es ist überhaupt nicht Gottes Absicht, Menschen zu quälen. „Gott ist Liebe“, sagt die Bibel, und nichts in der Bibel zeigt, dass er eine Feuer- und Schwefelhölle bereitet hat, in welcher er seine Menschengeschöpfe zu quälen beabsichtigt. (1. Johannes 4:8, 16) Diese Ansicht verleumdet den guten Namen des Schöpfers des Universums.

Die Hölle im Neuen Testament

Die authentischen Berichte des Neuen Testamentes über die Hölle stimmen mit denen des Alten Testamentes überein. Im Original wurde das Neue Testament in der griechischen Sprache geschrieben; es enthält drei griechische Wörter, die in der Lutherbibel mit „Hölle“ übersetzt werden. Das eine derselben ist Tartaroo und ist nur einmal in der Bibel zu finden. Die Schriftstelle, in welcher es vorkommt, behandelt nicht den Todeszustand der Menschen, und darum wollen wir nicht von unserem Thema abweichen, um die Bedeutung dieses Wortes zu untersuchen. Ein weiteres griechisches Wort des Neuen Testamentes, das in unseren Bibeln mit Hölle übersetzt wird, ist Gehenna. Dann gibt es noch ein Wort, nämlich Hades.

Das griechische Wort Gehenna bezieht sich auf das alte Tal Hinnom. Dieses Tal lag unmittelbar außerhalb der alten Stadt Jerusalem; man benutzte es als Schuttabladeplatz für den Müll und Abfall der Stadt. In diesem Tal wurden dauernd brennende Feuer unterhalten; es diente also als Verbrennungsofen. Das „höllische Feuer“ des Neuen Testamentes ist daher tatsächlich das Feuer, das in diesem Tal unterhalten und zur Vernichtung des Unrates verwendet wurde.

Zweifellos haben sich Tausende gefragt, wo sich die im Neuen Testament erwähnte „Feuer“-Hölle befindet. Nun, hier ist die Antwort. Sie befand sich unmittelbar außerhalb der Stadt Jerusalem. Natürlich sind diese Feuer nicht mehr dort, und Jesus wusste, dass man sie schließlich einmal ausgehen lassen würde. Aber Jesus wollte uns nicht glauben machen, dass alle bösen Menschen der Erde bei ihrem Tode nach Jerusalem gebracht werden sollten, um in die Flammen des buchstäblichen Tales Hinnom geworfen zu werden. Nein, er benutzte dieses Tal lediglich als ein Bild der Vernichtung— der Vernichtung dessen, was wertlos ist — denn wertlos werden alle diejenigen sein, welche willentlich fortfahren, sich Gott und seinen gerechten Gesetzen zu widersetzen, wenn ihnen eine volle Gelegenheit zu ewigwährender Errettung und ewigem Leben geboten wird.

Das Tal Hinnom, oder die Gehenna, stellt nicht einen solchen Ort der Qual dar, wie es von der traditionellen Hölle behauptet wird. Es ist ein Sinnbild der Vernichtung. Wir wissen dies, denn Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten …, fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in die Hölle [Gehenna].“ (Matthäus 10:28) In diesem Ausspruch betonte Jesus die Tatsache, dass das Feuer der Gehenna oder das „höllische Feuer“ Vernichtung bedeutet und nicht Qual, wie orthodoxe Protestanten uns glauben machen möchten.

Hades im Neuen Testament

Ein weiteres griechisches Wort, welches im Neuen Testament benutzt und in unseren Bibeln mit „Hölle“ übersetzt wird, ist das Wort Hades. Hades wird in einigen Fällen auch mit „Grab“ übersetzt. Dieses griechische Wort hat genau dieselbe Bedeutung wie das hebräische Wort Scheol, das, wie wir gesehen haben, nicht eine Hölle der Qual bezeichnet, wie Protestanten uns glauben machen möchten, sondern vielmehr den Todeszustand. Dass Hades im Griechischen dasselbe bedeutet wie Scheol im Hebräischen, wissen wir, weil der Apostel Petrus eine Prophezeiung aus dem Alten Testament anführt, in welcher das Wort Scheol vorkommt, und in seiner Anführung Scheol mit dem griechischen Wort Hades übersetzte.

Dieses Zitat Petri finden wir in Apostelgeschichte 2:27, 31. Die von ihm angeführte Prophezeiung ist aus dem 16, Psalm Davids. In diesem Psalm sagt der Prophet den Tod Jesu voraus, spricht davon, dass sein Fleisch „in der Hoffnung ruhen“ würde, und zeigt, dass bei Jesu Tod seine Seele in den Scheol, die Hölle des Alten Testamentes, ging. Petrus führt einen Teil der Prophezeiung an und benutzt ihn als Beweis dafür, dass Jesus von den Toten auferweckt worden ist, denn der Prophet hatte vorausgesagt, dass Jesu Seele nicht dem Tode [Hades] gelassen würde. — Psalm 16:10; Apostelgeschichte 2:27, 31

Nun wäre es sehr sonderbar, wenn die Hölle ein Ort wäre, wo die bösen Seelen immer und ewig gequält werden. Nach dem Propheten David und dem Apostel Petrus ging der heilige Jesus bei seinem Tode zur Hölle. Aber anstatt in der Hölle zu bleiben, wurde Jesus am dritten Tage nach seinem Tode daraus befreit. Dies beweist: Erstens, dass heilige und gerechte Menschen ebenso in die Hölle gehen wie Sünder; und zweitens, dass diejenigen, welche in die Hölle gehen, nicht notwendigerweise dort verbleiben. Damit ist, glauben wir, auch etwas anderes als Tatsache bewiesen; dass nämlich die Hölle überhaupt kein Ort der Qual ist, denn wir können uns nicht vorstellen, dass der Schöpfer zulassen würde, dass sein heiliger Sohn Jesus vom Teufel und seinen Geistern gepeinigt würde, nicht einmal drei Tage lang.

Die Schlüssel der Hölle

Der Überlieferung zufolge wurde angenommen, dass Satan der einzige ist, der die Schlüssel der Hölle besitzt. Aber auch das ist unwahr. In Offenbarung 1:18 spricht Jesus von seinem eigenen Tode und seiner Auferstehung und sagt, dass er die Schlüssel des Todes und der Hölle hat. Das ist lehrreich und tröstend zugleich; denn wenn Jesus die Schlüssel der Hölle besitzt, dann wissen wir, dass es Hoffnung für die darin Eingeschlossenen gibt. Der liebevolle Jesus, der ohne Geld und Lohn Kranke heilte, Aussätzige reinigte, aus Irrsinnigen Dämonen austrieb und Tote zum Leben erweckte, der wird gewiss eines Tages die Schlüssel der Hölle benutzen, um deren Tore aufzuschließen und ihre Gefangenen zu befreien. Dies ist tatsächlich genau das, was nach Aussage der Bibel Jesus tun wird. Dieses großartige Werk wird in der Bibel als die „Auferstehung der Toten“ beschrieben. — Apostelgeschichte 24:15

Wenn Jesus uns unterrichtet, dass er die „Schlüssel der Hölle“ besitzt, so sollen wir ihn nicht so verstehen, dass er buchstäbliche Schlüssel meinte. Dieselben sind vielmehr eins der bedeutungsvollen Sinnbilder der Bibel. Wenn jemand den Schlüssel zu einem Gebäude besitzt, so bedeutet dies, dass er das Recht und die Fähigkeit hat, die Türen dieses Gebäudes aufzuschließen. Von Jesu schreibt der große Apostel Paulus, dass er starb und von den Toten auferstand, und dass er deswegen jetzt Macht oder Autorität über Tote und Lebendige hat. — Römer 14:9

Für wahre Christen steht es außer Frage, dass Jesus ihr Herr ist, der Eine, der Autorität über sie hat. Aber Paulus führt diesen Gedanken weiter aus und erklärt, dass er auch Macht über die Toten hat. Dies ist gemeint damit, dass Jesus die „Schlüssel der Hölle“ hat, und das ist gewiss frohe Botschaft! Es bedeutet, dass alles, was auch immer mit den Toten geschieht, von Jesu getan wird. Und da Jesus den Lebenden ohne Geld und Lohn diente, weil er Mitgefühl mit den Armen und Hilflosen hatte, können wir sicher sein, dass die Segnungen, welche er für die Toten hat, auf der gleichen Grundlage in Erscheinung treten werden. Jesus verurteilte die religiösen Führer seiner Tage, weil sie vom Volke Geld für ihre Dienste erpressten, und wir sind gewiss, dass er heute ebenso ungehalten ist über diejenigen, welche aus Menschenseelen eine Ware machen.

Wie gesagt wird, dass der Hades oder die Hölle Schlüssel hat, ebenso spricht Jesus von deren „Pforten“. Einen Hinweis auf die „Pforten der Hölle“ finden wir in Matthäus 16:18. Diese Stelle ist ein Teil des höchst interessanten Berichtes über Jesu Frage an seine Jünger, für wen das Volk ihn wohl hielte. Der Bescheid der Jünger bezüglich der öffentlichen Meinung über Jesum war nicht sehr befriedigend, und so fragte Jesus sie: „Wer sagt denn ihr, daß ich sei?“ — Matthäus 16:15

Als Antwort auf diese direkte Frage erwiderte Petrus: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.“ (Matthäus 16:16) Darauf sagte Jesus zu Petrus: „Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel… Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“ — Matthäus 16:17, 18

Diese Feststellung des Meisters ist missbraucht worden, um zu beweisen, dass die Kirche Christi auf Petrus aufgebaut wurde. Aber nicht dies meinte Jesus. Als er sagte: „Du bist Petrus“, war das mit Petrus übersetzte Wort petros, was „ein Stück Felsen“ bedeutet. Als aber Jesus sagte: „Auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde“, gebrauchte er ein davon verschiedenes griechisches Wort, welches einen großen Block oder ein „Felsmassiv“ bedeutet. Jesus stellte lediglich die Bedeutung des Namens Petri dem viel Wichtigeren gegenüber, worauf seine Kirche aufgebaut werden würde.

Und auf was für einen „Felsen [Felsmassiv]“ ist die Kirche Jesu Christi gebaut? Petrus selbst erklärte später, dass Christus der „auserwählte Eckstein“ der Kirche ist. (1. Petrus 2:4-6) Petrus hatte zu Jesu gesagt: „Du bist Christus“, und hierauf bezog sich Jesus, als er sagte: „Auf DIESEN Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“ Auch Paulus erklärte: „Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ — 1. Korinther 3:11

In welchem Sinn ist es dann für die „Pforten der Hölle“ unmöglich, die Kirche zu überwältigen? Sowohl im Neuen- als auch im Alten Testament wird deutlich die Tatsache erklärt, dass die Guten und auch die Bösen beim Tode in die Bibelhölle gehen. Wie wir bereits herausgefunden haben, ist die Bibelhölle der Todeszustand. In diesen Zustand der Bewusstlosigkeit gehen beim Tode Heilige und Sünder gleicherweise. Dort gibt es keine Leiden, sondern vielmehr gerade einen ruhigen, traumlosen, friedlichen Schlaf.

Aber der Todesschlaf wird nicht ewig währen, denn Jesus wird die „Schlüssel der Hölle“ gebrauchen, um ihre „Pforten“ aufzuschließen und ihre Gefangenen zu befreien. Ja, jeder wahre Christ, jedes Glied der wahren Kirche Jesu Christi, wird in der „ersten Auferstehung“, wie die Schrift sie bezeichnet, vom Todesschlaf auferweckt werden. Die Pforten der Hölle werden diese nicht überwältigen, nicht im Todeszustand festhalten können. Jesus selbst wurde von den Toten auferweckt, und die Macht Gottes wird durch ihn angewandt werden, um alle seine treuen Nachfolger vom Tode aufzuerwecken. Dies geschieht zu dem Zweck, dass sie „leben und regieren mit Christo tausend Jahre.“ — Offenbarung 20:4, 6

Wir wissen, dass die in der Bibelhölle Befindlichen zur Erde zurückkehren sollen, denn in Offenbarung 20:7, 8, 12-14 wird uns diese gesegnete Zusicherung gegeben. Dort sagt uns Johannes, dass er in dem ihm gegebenen prophetischen Gesicht sah, wie der Tod und die Hölle die Toten herausgaben, die darin waren.

Die Bibel zeigt, dass sie zurückkehren werden, um belehrt, erzogen und gerichtet zu werden — um alle Missetaten und willentlichen Übertretungen wieder gutzumachen. Es wird kein leichter Weg sein, denn „Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten“. Der biblische Gedanke der Läuterung ist nicht der durch Leiden, sondern der durch „Zurechtweisung in der Gerechtigkeit“ unter der „eisernen Rute“ des großen Richters, Christus. Da wird es keine Bevorzugung des Reichen oder Armen, Großen oder Kleinen geben. Sie sollen zurückkehren und eine Gelegenheit erhalten, sich hier auf Erden ewig währenden Lebens zu erfreuen in einer Zeit, da Krankheit, Schmerz oder Tod nicht mehr sein wird. — Offenbarung 21:1-4

Auf den eben erwähnten Text, in welchem uns der inspirierte Apostel versichert, dass die Hölle ihre Toten herausgeben wird, folgt eine andere wunderbare Verheißung mit der Zusicherung, dass die Bibelhölle — die einzige Hölle, an welche zu glauben ein Christ berechtigt ist — vernichtet werden wird. Johannes sagt, dass er sah, wie der Tod und die Hölle „in den feurigen Pfuhl“ geworfen wurden, welcher „der andere Tod“ ist. (Offenbarung 20:14) Feuer ist dem Menschen als eines der verheerendsten Elemente bekannt, und Gott benutzt es in seinem Wort als ein Sinnbild gänzlicher Vernichtung. Diese wird bildlich durch den „feurigen Pfuhl“ dargestellt.

Der inspirierte Apostel sagt uns, dass der „Tod“ und die „Hölle“ in den „feurigen Pfuhl“ geworfen werden sollen. Im nächsten Kapitel, Offenbarung 21:4, erfahren wir: „Der Tod wird nicht mehr sein.“ Das ist der Fall, weil „der Tod“ in den „feurigen Pfuhl“ geworfen wird. Und so wird es auch keine Hölle mehr geben, weil auch die Hölle in den feurigen Pfuhl geworfen wird. Dies stimmt überein mit der Verheißung des Alten Testamentes in Hosea 13:14, wo Gott erklärt, dass es seine Absicht ist, den Scheol — die Bibelhölle — zu vernichten.

Wir haben jetzt das allgemeine Zeugnis der ganzen Bibel erklärt, soweit es sich auf den Gegenstand der Hölle bezieht; und wir haben gefunden, dass es keine Ermächtigung von Gott gibt für den Glauben, dass irgendwo in seinem großen Universum eine Hölle der Qual existiert. Und es gibt im Alten und im Neuen Testament keinen Schrifttext, der bei richtigem Verständnis im Widerspruch zu den eben untersuchten Stellen steht.

Der Beginn des Irrtums

Den Ursprung dieser Lehre von der ewigen Qual finden wir in der ersten schwärzesten und folgenschwersten Lüge, die jemals an menschliche Ohren drang. Diese Lüge wurde vom Teufel selbst erfunden und der Mutter Eva durch die „Schlange“ übermittelt. Gott hatte zu unseren ersten Eltern gesagt, dass sie sterben würden, falls sie ihm durch den Genuss der verbotenen Frucht ungehorsam werden sollten. Satan aber leugnete dies, indem er sagte: — „Ihr werdet mitnichten des Todes sterben!“ — 1. Mose 3:4

Die Bibel zeigt, dass der Teufel praktisch die ganze Welt getäuscht hat. Und wie wahr ist dies! Fast alle glauben seine Lüge: „Ihr werdet mitnichten des Todes sterben.“ Sie glauben nicht mit gerade diesen Worten daran, aber dieselbe irrtümliche Ansicht findet in all den verschiedenen „Kein Tod“- Theorien des Heidentums und der Christenheit ihren Ausdruck. Fast alle religiös eingestellten Menschen, wo immer sie auch seien, versuchen zu glauben, dass sie beim Tode nicht tatsächlich, sondern nur scheinbar sterben — „es gibt keinen Tod“, behaupten sie.

O ja, alle geben zu, dass der Leib stirbt. Es ist geradezu unmöglich, diese offensichtliche Tatsache zu leugnen. Aber man behauptet, dass in unseren Körpern ein unsichtbares Etwas versteckt sei, welches sie „Seele“ nennen, und man behauptet, dass diese Seele beim Tode des Leibes entflieht und irgendwo weiterlebt. In der Tat, man behauptet, dass die Seele nicht sterben kann, dass sie unzerstörbar ist. Sie wird oft unschriftgemäß als „unsterbliche Seele“ bezeichnet.

Aber gibt es nicht so etwas wie eine unsterbliche Seele? So werden manche fragen. Unsere Antwort ist: Nein! Diese Theorie ist eine reine Erfindung irregeleiteter Menschenweisheit. Der Ausdruck „unsterbliche Seele“ erscheint nirgendwo in der Bibel. Das Wort „Seele“ kommt in der Bibel vor, bezeichnet aber nicht ein unsichtbares Etwas, das in uns wohnt und nach dem Tode des Körpers weiter existieren kann. Nach dem biblischen Gebrauch ist die Bezeichnung Seele auf unser ganzes Wesen anzuwenden. Sie bedeutet ein empfindendes Lebewesen.

In 1. Mose 2:7 erscheint das Wort Seele zum ersten Mal in der Bibel, und in diesem Text wird uns genau gesagt, wie und woraus Gott die Seele schuf. Wir lesen: „Und Gott bildete den Menschen, Staub von dem Erdboden, und hauchte in seine Nase den Odem des Lebens; und der Mensch wurde eine lebendige Seele.“ Man beachte, dass Gott nicht eine unsterbliche Seele in den Menschen hineinblies, sondern dass vielmehr als Ergebnis der Verbindung des Leibes mit dem Lebensodem der Mensch eine Seele „wurde“.

Wenn also ein Mensch stirbt, so stirbt die Seele, denn der Mensch ist die Seele. Dies stimmt überein mit Hesekiel 18:4, wo wir lesen: „Welche Seele sündigt, die soll sterben.“ Adam, die erste Menschenseele, sündigte, und die Todesstrafe kam auf ihn. Ebenso sind alle seine Nachkommen sündige Seelen geworden, darum stirbt das ganze Menschengeschlecht, denn wir lesen im Neuen Testament: „Der Tod ist der Sünde Sold.“ (Römer 6:23) So ist es denn klar, dass der Lohn der Sünde der Tod ist und nicht Qual nach dem offensichtlich erfolgten Tode; und diese Strafe ist es, die dem ganzen Geschlecht auferlegt ist. Grabsteine, Leichenzüge, Krankheit und Schmerz sind alle Beweise für die Tatsache, dass der „Sünde Sold“ von einem sterbenden Geschlecht bezahlt wird.

Der Todesschlaf

Überall in der Schrift, im Alten und Neuen Testament, wird auf den Tod als „Schlaf“ hingewiesen. Von Abraham wird gesagt, dass er beim Tode „zu seinem Volk gesammelt“ wurde. (1. Mose 25:8) Abrahams Volk war heidnisch, doch der treue Abraham schläft mit ihnen im Tode. Vom König David wird ebenfalls gesagt, dass er mit seinen Vätern „entschlief“. (1. Könige 2:10) Als Lazarus, der Bruder von Martha und Maria, starb, sagte Jesus von ihm: „Lazarus, unser Freund, schläft.“ (Johannes 11:11) Als Jesus den Lazarus vom Todesschlaf auferweckte, sagt der Bericht: „Der Verstorbene kam heraus.“ (Johannes 11:44) Die Bibel sagt nicht, dass der im Fegefeuer oder an einem Ort der Qual Gewesene zurückkehrte. Die einfache Wahrheit ist, dass Lazarus im Tode — ohne Bewusstsein — schlief, und „der Verstorbene kam heraus“, als er auferweckt wurde.

Wir haben den biblischen Bericht von verschiedenen Personen, die aus dem Todesschlaf auferweckt wurden, doch keiner von ihnen sprach je ein Wort darüber, dass er entweder in der Hölle oder im Fegefeuer gewesen sei. Offensichtlich konnten sie von keinem dieser Orte einen Bericht geben aus dem einfachen Grunde, weil es keine derartigen Orte gab; außerdem waren sie im Tode ohne Bewusstsein. Sie waren nicht irgendwohin gegangen! Sie waren tot gewesen!

Es gibt Hoffnung auf Leben nach dem Tode, eine herrliche Hoffnung. Aber diese Hoffnung ist nicht gegründet auf den Irrtum, dass es keinen Tod gäbe, sondern auf die erhabene Wahrheit, dass Gott die Toten zum Leben wiederherstellen wird. Hiob fragte: „Wird ein toter Mensch wieder leben?“ (Hiob 14:14) Hiob wusste so gut Bescheid, dass er nicht fragte: „Ist ein toter Mensch wirklich tot?“ Hiob wusste, dass diejenigen, welche sterben, für immer aus dem Dasein gegangen sind, wenn Gott sie nicht zum Leben wiederherstellt. Das ist die Lehre des ganzen Wortes Gottes. Paulus bestätigt es, wenn er sagt: „Ist aber die Auferstehung der Toten nichts, so ist auch Christus nicht auferstanden … so sind auch die, so in Christo entschlafen sind, verloren.“ — 1. Korinther 15:13-18

Jawohl, die Toten sollen wiederhergestellt werden. Jesus sagte zu Martha: „Wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben.“ (Johannes 11:25, 26) Jesus hat die Schlüssel des Todes. Er wird sie benutzen, um das große Gefängnishaus des Todes zu öffnen und dessen Gefangene zu befreien.

Und das Fegefeuer?

Das Wort Fegefeuer erscheint in den Übersetzungen der Bibel nicht, und es gibt im Worte Gottes absolut keinen Hinweis auf die traditionelle Lehre vom Fegefeuer. Aber die Bibel legt den Gedanken einer Läuterung des Menschengeschlechtes als Teil des Planes Gottes zur Errettung von Sünde, Sterben und Tod dar. Das Wort Fegefeuer bedeutet einen Ort oder Zustand der Reinigung oder Läuterung. Alle werden zugeben, dass die Menschen der Welt einer Reinigung bedürfen, dass alle unvollkommen und Sünder sind; dass sie hinter dem vollkommenen Maßstab der Gerechtigkeit Zurückbleiben, welche Gott von allen fordert, die er ewigen Lebens in einem Zustand von Frieden und Glück für würdig erachten wird.

Aber das „Fegefeuer“ des Finsteren Mittelalters ist sowohl seiner Natur nach als auch hinsichtlich der zeitlichen Beziehung zum Plane Gottes unschriftgemäß. Diese Irrlehre besagt, dass diejenigen, welche nicht gut genug sind, um beim Tode in den Himmel zu gelangen, unmittelbar in ein Fegefeuer der Leiden gehen und nach erfolgter Läuterung in den Himmel kommen. Die Bibel aber lehrt, dass Heilige und Sünder beim Tode bewusstlos werden und so bis zur Auferstehung im Tode schlafen. In der Auferstehung werden nach der Bibel diejenigen, welche als fromme Christen gestorben sind, eine himmlische Belohnung erhalten, mit Jesu vereinigt werden und mit ihm zusammen für die Dauer von tausend Jahren die geistigen Herrscher über diese Erde sein.

Während dieses Zeitraumes von tausend Jahren werden diejenigen, welche nicht zu jener treuen Christus-Körperschaft derer gehörten, die mit ihm als himmlische Wesen leben und regieren werden, aus dem Todesschlaf auferweckt, um wieder als Menschen auf der Erde zu leben. Während dieser Herrschaft Christi werden dieselben eine Gelegenheit erhalten, von ihren Sünden geläutert oder gereinigt und so vorbereitet zu werden, ewig auf der Erde als vollkommene, wirklich heilige Menschen zu leben. Die Tausendjahrherrschaft Christi über die Völker der Erde wird daher die Läuterungsperiode zur Reinigung der Menschheit von den Befleckungen der Sünde und des Todes sein.

Das Opfer Jesu — eine Notwendigkeit

Das Menschengeschlecht benötigt mehr, als nur von Sünde gereinigt zu werden! Wie wir gesehen haben, war mit der Sünde eine Strafe verknüpft. Diese Strafe war der Tod. Es war nicht nur der Sterbeprozess, sondern der Tod an sich. Aus diesem Grunde würde das sündhafte Geschlecht für immer tot bleiben, hätte die Liebe Gottes nicht eine Vorkehrung getroffen, wodurch die Todesstrafe von einem anderen bezahlt werden konnte. Diese Vorkehrung geschah durch seinen eigenen geliebten Sohn, Christus Jesus. Darum wird Jesus der „Erlöser“ genannt. Er ist es, der die Welt „aus der Hölle“ erlöst. — Hosea 13:14

Der Prophet Jesaja sagt von Jesu: „Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten; und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jesaja 53:5) Der Apostel Paulus erklärt, dass Jesus „sich selbst gab zum Lösegeld für alle“. (1. Timotheus 2:6, Elberfelder Bibel) Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt.“ (Johannes 6:51) Alle diese inspirierten Aussprüche des Wortes Gottes zeigen, dass das erste Erfordernis zur Errettung und zum Frieden mit Gott für einen jeden vom gefallenen Menschengeschlecht diese Vorkehrung ist, welche der Schöpfer durch das Opferwerk des Erlösers getroffen hat. Der Apostel Petrus erklärt, dass kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben ist, in welchem wir errettet werden sollen. — Apostelgeschichte 4:12 Aber das Opferwerk Christi allein bewirkt kein Entrinnen vom Tode. Dazu ist es notwendig, dass der einzelne Mensch die Sünde bereut und die Gabe annimmt; d. h. dass er Glauben an das sühnende Blut Christi übt. Darüber hinaus ist es ebenso wesentlich, gegen die innewohnende Sünde anzukämpfen und sich soweit wie möglich von deren herabziehendem Einfluss zu reinigen. In dieser letzteren Hinsicht bilden die Läuterungslehren der Bibel einen Teil des Planes Gottes zur Erlösung und Errettung des Menschen.

Fegefeuer vor dem Tode

Wie wir gesehen haben, bedeutet die Bezeichnung Fegefeuer einen Ort oder Zustand der Reinigung, der Läuterung. Es wird viel in der Bibel über des Christen Reinigen oder Läutern von Sünde gesagt. Aber im Gegensatz zur traditionellen Ansicht vom Fegefeuer, welche behauptet, dass die Gläubigen nach dem Tode durchs Fegefeuer gehen und schließlich in die himmlische Seligkeit und Herrlichkeit eintreten, zeigt die Bibel, dass die Läuterung oder Reinigung des Christen vor dem Tode stattfindet.

„Lasset uns von aller Befleckung des Geistes uns reinigen“, schreibt der Apostel. (2. Korinther 7:1) Vom Christen wird erwartet, dass er dies vor seinem Tode tut, nicht danach. Jesus verglich sich selbst mit einem Weinstock und seine Nachfolger mit Reben an diesem Weinstock. (Johannes 15: 1-8) Dann sagte er, dass sein Himmlischer Vater die Reben reinigt oder beschneidet, damit sie mehr Frucht hervorbringen möchten. Hier wird wieder ein Werk der Läuterung beschrieben, welches im Christen vor und nicht nach dem Tode stattfindet.

Petrus, dessen Wort in der katholischen Kirche so viel Autorität beigemessen wird, schrieb an Christen Folgendes: „Geliebte, lasst euch das Feuer der Versuchung unter euch, das euch zur Prüfung geschieht, nicht befremden, als begegne euch etwas Fremdes; sondern insoweit ihr der Leiden des Christus teilhaftig seid, freuet euch.“ (1. Petri 4:12, 13- Elberfelder Bibel) Hier haben wir die unmissverständliche Erwähnung von „Feuer“ in Verbindung mit den Erfahrungen eines Christen, aber es ist kein Hinweis auf buchstäbliches Feuer, welches angeblich die Menschen nach dem Tode quälen wird, sondern auf die läuternden Erfahrungen, welche in diesem Leben an den Christen herantreten.

Der Apostel Paulus schrieb: „Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt.“ (Hebräer 12:6) Nichts in diesem Text zeigt an, dass das erwähnte Schlagen nach dem Tode stattfinden soll. Vielmehr sagt der Apostel den Christen, was sie in diesem Leben zu erwarten haben. Wenn wir den Herrn lieben und er uns liebt und mit uns handelt, so müssen wir erwarten, gezüchtigt oder erzogen zu werden, damit wir seinen Willen vollkommener lernen möchten und geübt werden, ihn treuer zu erfüllen.

Einige der läuternden Erfahrungen des Christen werden vom Herrn veranlasst, denn durch seine gütige Vorsehung wird sein Volk richtig geschult. Aber vom Christen wird auch erwartet, selbst etwas zu tun und auf freiwilliger Grundlage zur Läuterung beizutragen. Paulus schrieb: „Ich betäube meinen Leib und zähme ihn, dass ich nicht den anderen predige und selbst verwerflich werde.“ — 1. Korinther 9:27

Alle diese Stellen aus Gottes heiligem Wort zeigen über jeden Zweifel hinaus, dass im Leben eines jeden Nachfolgers des Meisters ein Läuterungswerk vor sich gehen muss. Auch offenbart die Schrift, dass das große Ziel dieses Läuterungswerkes die Entwicklung der Christen zur Ähnlichkeit mit ihrem Herrn ist. Paulus schreibt, dass es Gottes Wille ist, dass alle, die von ihm berufen werden, zu Ebenbildern seines teuren Sohnes gemacht werden sollen. (Römer 8:28, 29) Und es gibt viele Verheißungen der Bibel, welche zeigen, dass diejenigen, die ihre Sünden bereuen, Jesum als ihren Erlöser annehmen und dann getreu in seinen Fußstapfen des Opferns folgen, indem sie sich bemühen, ihm gleich zu werden, bei ihrer Auferweckung von den Toten seine himmlische Heimat teilen und mit ihm tausend Jahre zum Segen der übrigen Menschenwelt herrschen werden.

Tausend Jahre Fegefeuer

Die eben beschriebenen läuternden Reinigungen schließen nur eine sehr kleine Minderheit des Menschengeschlechtes ein. Jesus bezog sich auf diese Minderheit als eine „kleine Herde“, aber er sagte von diesen: „Es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.“ — Lukas 12:32

Wir haben bereits die Tausendjahr-Herrschaft Christi erwähnt. Jetzt erfahren wir von Jesu, dass seine treuen Nachfolger des gegenwärtigen Zeitalters, während sie ihre Zeit der Reinigung durchmachen, darauf vorbereitet werden, sich nicht nur einer himmlischen Heimat mit ihm zu erfreuen, sondern auch mit ihm teilzunehmen an dem Werk, die übrigen des Menschengeschlechtes wiederherzustellen und zu einem Leben in einem weltweiten Paradies auf Erden zurückzuführen; denn das ist das Werk, welches durch das Königreich Christi ausgeführt werden soll. Dieses gewaltige Unternehmen, so offenbart die Schrift, wird zu seiner Erfüllung ganze tausend Jahre erfordern.

Und während dieser tausend Jahre wird die Menschheit im allgemeinen ihre läuternden Erfahrungen durchmachen — ihre Läuterung oder Reinigung von der Unvollkommenheit, die auf Adams Fall zurückzuführen ist. Diese Tausendjahr-Periode, während welcher Jesus und seine Kirche über die Erde herrschen werden, wird in der Bibel auch als ein Gerichtstag beschrieben — dieser besondere „Tag“ wird tausend Jahre lang sein. — 2. Petrus 3:8; Apostelgeschichte 17:31; Offenbarung 5:10

Das „Gerichts“-Werk jenes Tages wird erzieherische Maßnahmen einschließen; oder wie der Prophet es ausdrückt, der Herr wird „viele Heiden [Nationen] strafen in fernen Landen“. (Micha 4:3) Wenn Gottes „Gerichte die Erde treffen, so lernen Gerechtigkeit die Bewohner des Erdkreises“, erklärt der Prophet Jesaja. (Jesaja 26:9, Elberfelder Bibel) Jesus wird der große Richter jenes Tages sein, und von ihm erklärt der Prophet: „Er wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande; und wird mit dem Stabe seines Mundes die Erde schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten.“ — Jesaja 11:4

Aus diesem letzteren Text erfahren wir, dass während der Erprobungs- oder Läuterungszeit der Welt schließlich diejenigen vernichtet werden, welche nicht Gerechtigkeit lernen, sondern in ihrem Widerstand gegen den Willen des Herrn fortfahren. Dies stimmt mit der in Apostelgeschichte 3:19-23 berichteten Feststellung des Apostels Petrus überein. In dieser Stelle zeigt Petrus den Zweck des zweiten Kommens Christi auf die Erde, nämlich die „Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge“ einzuführen; d. h. die Wiederherstellung des Menschen-Geschlechtes zum Leben auf Erden. Und dann fügt er hinsichtlich des göttlichen Verfahrens mit der Menschheit während jenes Zeitraumes hinzu, dass diejenigen, welche den Gesetzen jenes Königreiches nicht gehorchen, vernichtet werden. Petrus weist auf Jesum hin als „jenen Propheten“, dessen Kommen Mose voraussagte, und stellt fest: „Welche Seele denselben Propheten nicht hören [ihm nicht gehorchen] wird, die soll vertilgt werden aus dem Volk.“ (Apostelgeschichte 3:23) Nebenbei bemerkt ist beachtenswert, dass Petrus sich auf die ungehorsame „Seele“ bezieht, die vertilgt werden soll.

Die Schlafenden auferweckt

Die läuternden Segnungen des Königreichs-Zeitalters werden sowohl den Verstorbenen als auch den bei Beginn der Herrschaft Christi Lebenden zugute kommen; denn die im Tode Schlafenden sollen aus ihrem langen Schlaf auferweckt werden, um an jenen Segnungen teilzuhaben. Im Hinblick auf diese schrieb der Prophet Daniel: „Und viele von denen, die im Staube der Erde schlafen, werden erwachen.“ (Daniel 12:2, Elberfelder Bibel) Der Hinweis auf diejenigen, die „im Staube der Erde schlafen“, lenkt unsere Gedanken zurück in den Garten Eden, in die Zeit, als Gott zu unseren ersten Eltern sagte: „Staub bist du, und zum Staube wirst du zurückkehren.“ — 1. Mose 3:19

Die Erlösung von dieser ursprünglichen Strafe sah der Schöpfer durch Jesum vor; es werden daher die zum „Staube“ Zurückgekehrten aus dem Staube auferweckt werden; d. h. sie werden wiederhergestellt werden zum Leben auf der Erde, welche geschaffen wurde, um des Menschen ewige Wohnstätte zu sein. (Jesaja 45:18) Jesus sagte, dass die Zeit kommen wird, in welcher alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes des Menschen hören und hervorkommen werden. Und dann fügt der Meister hinzu: „Die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.“ — Johannes 5:28, 29

Die da Gutes getan haben, sind in erster Linie diejenigen, die in den Fußstapfen Jesu nachgefolgt sind — diejenigen, welche in diesem Leben von Sünde geläutert oder gereinigt worden sind. Die Auferstehung derselben zum „Leben“ wird in ihrer unmittelbaren Erhöhung zu himmlischer Herrlichkeit bestehen, auf dass sie mit Christo leben und herrschen mögen. Aber die da nicht Gutes sondern Übles getan haben, werden ebenfalls des Meisters Stimme hören und aus ihren Gräbern kommen. Diese, sagte, Jesus, werden hervorkommen „zur Auferstehung des Gerichts“.

Was bedeutet dies? Das in dieser wunderbaren Verheißung Jesu mit „Gericht“ übersetzte griechische Wort ist krisis. Es hat im wesentlichen die gleiche Bedeutung wie unser deutsches Wort „Krise“, d. h. einer Prüfung – oder Probezeit. Wir sagen zum Beispiel, dass die Krise einer Krankheit an einem bestimmten Tage erreicht wird. Dies bedeutet, dass an diesem besonderen Tage es sich entscheiden wird, ob der Patient leben wird oder nicht. Wird die Krise erfolgreich überstanden, dann geht es dem Patienten besser, und gewöhnlich wird er wieder gesund. Andernfalls stirbt er.

So wird es mit der Menschheit während der Läuterungszeit des messianischen Königreiches sein. Diejenigen, welche in diesem Leben Übles getan haben — was praktisch die ganze Menschenwelt einschließt, geboren als Glieder eines sündigen und sterbenden Geschlechtes — werden vom Tode auferweckt und für ewiges Leben auf die Probe gestellt werden. Das wird ihre krisis-Zeit sein. Sie werden über die für sie durch den Tod Jesu getroffene liebevolle Vorkehrung aufgeklärt und ihnen eine Gelegenheit gegeben werden, an ihn zu glauben und den Gesetzen seines Königreiches zu gehorchen. Wenn sie annehmen und gehorchen, wird es bedeuten, dass sie sich von der Sünde ab – und Gott und seiner Gerechtigkeit zugewendet haben; dass sie soweit die krisis erfolgreich überstanden haben und auf dem Wege zu Rechtschaffenheit und Leben sind.

Aber der Weg wird nicht leicht sein. Der Grad, bis zu welchem jeder in diesem Leben sich der Gerechtigkeit widersetzt hat, wird von Gewicht sein für die Schwere der läuternden Erfahrungen, die er wird durchmachen müssen, um in jener künftigen Gerichtszeit ewiges Leben zu erlangen. Jesus erklärte den hierin enthaltenen Grundsatz, wenn er sagte, dass diejenigen, welche den Willen Gottes nicht kennen und nicht tun, mit wenig Streichen geschlagen werden, während diejenigen, welche Gottes Willen kennen und nicht tun, mit vielen Streichen geschlagen werden. (Lukas 12:47, 48) Das ist nur eine andere Art der Darlegung, dass das Maß der erzieherischen Strafe, die ein Glied des Menschengeschlechtes erfahren wird — entweder jetzt oder in der Auferstehung — vom Maß der Willentlichkeit abhängen wird, mit welcher er sündigte.

Jesus erklärte, dass denen, welche in diesem Leben nicht das Gute getan haben, bei ihrer Auferweckung aus dem Todesschlaf eine „Auferstehung des Gerichts“ oder der krisis zuteil wird. Dies zeigt, dass das bloße Erwecken aus dem Todesschlaf nicht eine vollständige „Auferstehung“ sein wird. Der Grund hierfür wird offenbar, wenn wir uns an die herrliche Vollkommenheit erinnern, aus welcher das Menschengeschlecht fiel, an jene in Vater Adam vor seiner Übertretung des göttlichen Gesetzes dargestellte Vollkommenheit.

Das Auferwecken vom Tode wird nur der erste Schritt auf dem Wege zurück zu dieser ursprünglichen Vollkommenheit sein. Die weiteren Schritte werden stattfinden auf der Grundlage des Bestehens der Gehorsams-Erprobungen, welche zu jener Zeit allen Einzelpersonen auferlegt werden. So wird ihre Auferstehung oder ihr Emporheben zur Vollkommenheit durch „Gericht“ oder krisis stattfinden; alle ihre reinigenden und erzieherischen Erfahrungen werden als Erprobungen dienen und, wenn bestanden, zur Folge haben, dass sie ein wenig näher emporgehoben werden zu der schließlichen Vollkommenheit hin, nach welcher sie streben werden.

Der Weg zur Heiligkeit

Das Fortschreiten zur Heiligkeit hin während der Läuterungszeit der Welt wird von dem Propheten Jesaja mit dem Reisen über eine Landstraße oder einen öffentlichen Verkehrsweg verglichen. Er nennt ihn den „heiligen Weg“. (Jesaja 35:8) Der Prophet erklärt, dass es eine „Bahn [bequeme Straße]“ sein wird, und dass „kein Unreiner darauf gehen darf“; und doch wird „derselbe… für sie sein“ — d. h. für die Unreinen. Die Bedeutung ist klar: Er wird nämlich zu ihrer Förderung dienen, während niemand in der Lage sein wird, die ganze Strecke über diese Straße zu gehen und unrein zu bleiben: denn es ist ein Weg, über welchen der Unreine zur Heiligkeit voranschreiten kann — ein Weg, der zu Gerechtigkeit und Vollkommenheit führt.

Der Prophet erklärt ferner, dass auf diesem „Weg“ „kein Löwe sein und … kein reißendes Tier darauf treten“ wird. (Jesaja 35:9) Dank sei Gott für diese Zusicherung! Heute geht der Teufel umher „wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge“. (1. Petri 5:8) Aber gleich zu Beginn des Gerichts – oder Läuterungstages der Welt wird der Teufel gebunden werden, so dass es ihm während jener Zeit nicht möglich sein wird, die Menschen zu verführen. (Offenbarung 20:1-3) Heute werden Millionen von den reißenden Tieren der Versuchung zu berauschenden Getränken und anderen Lastern so sehr bedroht, dass sie unfähig zu sein scheinen, dagegen anzukämpfen. Aber das wird alles anders werden.

Und wer wird über diesen Weg wandeln, der zur Heiligkeit, zu menschlicher Vollkommenheit führt? Der Prophet antwortet: „Die Erlösten des Herrn werden wiederkommen und gen Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein. Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.“ (Jesaja 35:10) Ja, diese künftige Straße soll der Weg vom Tode zurück sein, und über ihn werden „die Erlösten des Herrn“ zurückschreiten zu Gesundheit, Freude und ewigem Leben.

Wer sind die „Erlösten des Herrn“? Paulus antwortet hierauf, wenn er sagt, dass Jesus sich selbst gegeben hat „für alle zur Erlösung“. (1. Timotheus 2:4-6) Also ist die gesamte Menschheit in die Bezeichnung der „Erlösten des Herrn“ einbezogen; denn der Herr Jesus Christus hat das ganze Menschengeschlecht von Sünde und Tod erlöst, indem er durch seinen eigenen Tod am Kreuz auf Golgatha Vorkehrung hierfür getroffen hat.

Und „die Erlösten des Herrn“ werden, wie der Prophet erklärt, „wiederkommen … mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein, Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen“. Welch eine herrliche Aussicht! Wahrlich. Gottes Wege sind höher als der Menschen Wege, und seine Gedanken als der Menschen Gedanken, wie schon der Prophet erklärt hat. — Jesaja 55:8, 9

Durch Fegefeuer zum Paradies

Die schließliche Bestimmung der Millionen der Menschheit, die dadurch, wie Christus während der tausend Jahre seiner Herrschaft mit ihnen verfuhr, vollkommen gemacht sein werden, wird ewiges Leben in einem irdischen Paradiese sein. Die Bibel ist klar und bestimmt in ihrer Lehre, dass die Erde geschaffen wurde, um für immer des Menschen Wohnstätte zu sein, und dass der Mensch erschaffen wurde, um auf der Erde und nicht im Himmel zu leben. Dass die Kirche des gegenwärtigen Zeitalters zu einer besonderen himmlischen Belohnung mit Jesu berufen ist, ändert nichts an Gottes ursprünglichem Plan für das Menschengeschlecht im allgemeinen.

Der Prophet Jesaja erklärt, dass Gott die Erde nicht schuf, dass sie leer sein soll, sondern er hat sie bereitet, dass man darauf wohne. (Jesaja 45:18) Dies stimmt überein mit dem ursprünglichen Schöpfungsbericht, wo wir lesen, dass Gott bei der Erschaffung des Menschen diesem gebot, sich zu mehren, die Erde zu füllen und sich untertan zu machen. (1. Mose 1:27, 28) Wäre der Mensch Gott gehorsam geblieben, und wäre dieser göttliche Auftrag nach der gegebenen Anordnung ausgeführt worden, so würde die ganze Erde zu einem weiten und prächtigen Paradies geworden sein, gefüllt mit einer vollkommenen und glücklichen Menschenfamilie, die von Sünde, Krankheit, Schmerz, Krieg und allen anderen Übeln, welche uns jetzt plagen, einschließlich des Todes, nichts wüsste.

Aber dieser ursprüngliche Plan Gottes ist nicht fehlgeschlagen. Es ist wahr, der Mensch verletzte das Gesetz Gottes und brachte die Todesstrafe über sich, doch durch Jesum ist Erlösung von den Folgen der Sünde vorgesehen worden. Dies bedeutet, dass das, was gewesen sein würde, noch werden wird. Der Mensch hat sich vermehrt, und die Erde ist gefüllt worden, wenn auch mit einem sterbenden Geschlecht. Aber das sterbende und tote Geschlecht soll zum Leben wiederhergestellt werden. Das ist der Zweck der tausend Jahre des Gerichts oder der Erprobung, welche bald für die Menschen kommen werden. Und am Ende dieser Gerichts- und Reinigungszeit — des wahren Fegefeuers der Schrift — werden diejenigen, welche ihre Erprobung erfolgreich bestanden haben, sich des Vorrechtes erfreuen, als vollkommene irdische Wesen in den endlosen Zeitaltern der Ewigkeit zu leben.

Feuer der Reinigung

Durch ein Missverstehen der biblischen Symbolik sind viele zum Glauben verleitet worden, dass der Planet Erde beim zweiten Kommen Christi zerstört werden soll, aber das ist nicht der Fall. Die Schrift erklärt: „Die Erde bleibt … ewiglich.“ (Prediger 1:4) Die missverstandenen Sinnbilder sind diejenigen, in welchen Feuer gebraucht wird als Schilderung der Zerstörung der bösen — politischen und religiösen — Elemente der Gesellschaft unmittelbar vor der völligen Aufrichtung des Königreiches Christi.

Viele Prophezeiungen sprechen von dem sinnbildlichen Feuer, welches die bösen Werke des Menschen zerstören und hierdurch als Vorbereitung für Gottes neue Ordnung die Welt reinigen wird. „Die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen“, erklärt Petrus. (2. Petri 3:10) Dies bezieht sich nicht auf das Zerschmelzen von Sonne, Mond und Sternen, sondern auf die bösen Elemente der menschlichen Gesellschaft, die alle als Vorbereitung für die vollständige Aufrichtung des Königreiches Christi verbrannt oder hinweggetan werden müssen.

Nachdem der Apostel Petrus das Vergehen der selbstsüchtigen und sündigen Welt beschrieben hat, erinnert er uns an Gottes Plan für eine neue Weltordnung, welche er als „neuen Himmel und eine neue Erde“ beschreibt. Er sagt: „Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner [Gottes] Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnt.“ (2. Petri 3:13) Gottes diesbezügliche Verheißung wird in Jesaja 65:17-25 berichtet. Der Prophet beschreibt die zu jener Zeit auf der Erde vorherrschenden gesegneten und glücklichen Verhältnisse und erklärt, dass die Menschen „Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen“, „Häuser bauen und bewohnen“ werden, und „das Werk ihrer Hände wird alt werden“.

Ja, das Paradies wird wiederhergestellt, und es wird für immer bleiben! Und in diesem irdischen Paradiese werden in Frieden, Freude und endlosem Leben alle die vielen Millionen Menschen wohnen, welche von Herzen gottesfürchtig und edel, aber durch Unwissenheit und verschiedenartigen Aberglauben verblendet waren. Sie waren im kotigen Schlamm der Sünde gefangen und hierdurch verhindert, in diesem Leben Christum anzunehmen und wahre Diener Gottes zu sein. Es ist Gott niemals in den Sinn gekommen, dass diese ewig gequält werden sollten.

Im Gegenteil, unbemerkt von diesen Millionen fuhr Gott fort, seinen Plan für deren ewiges Glück in einem irdischen Paradies auszuführen. Er sandte Jesum in die Welt, um ihr Erlöser zu werden. Er hat durch sein Wort und seine Vorsehung einige wenige aus dieser Welt herausgewählt, die fähig sind, Glauben zu üben und den Weg des Opferns zu gehen, und hat sie eingeladen, mit Jesu in himmlischer Wohnstätte beteiligt zu sein am künftigen Königreich der Wiederherstellung und Segnung.

Auch sollen wir nicht meinen, dass Gott versucht hat, möglichst viele für eine himmlische Belohnung vorzubereiten, um sie am Vorrecht der Herrschaft mit Christo teilnehmen zu lassen, und Segnungen irdischen Lebens nur für diejenigen vorzusehen, welche verfehlen, sich einer himmlischen Heimat als würdig zu erweisen. Vielmehr ist die Wiederherstellung des Menschengeschlechtes zu ewigem Leben auf der Erde das große Ziel des ganzen Planes Gottes, und die Herauswahl einer „kleinen Herde“ aus der Menschheit, um mit Christo zu leben und zu herrschen, ist nur ein Teil der göttlichen Anordnung, durch welche das große Vorhaben der Wiederherstellung des Menschen vollbracht werden soll.

Wenn wir diese wichtige Wahrheit des göttlichen Planes wahrnehmen, dann werden wir erkennen, dass Gottes Vorhaben auf Erden nicht fehlgeschlagen ist. Ungezählte Millionen sind gestorben ohne eine Gelegenheit, Christum und die liebreiche Vorkehrung durch sein erlösendes Blut kennen zu lernen; aber das ist nicht geschehen, weil sie im göttlichen Plan übersehen worden sind, oder weil Gottes Vorhaben mit ihnen misslungen ist. Es bedeutet einfach, dass seine Zeit, sie zu segnen, nicht gekommen ist; dass ihr Versinken im Todesschlaf zugelassen wurde, bis alle Anordnungen für ihre Segnung getroffen wären. Dann werden sie, wie wir gesehen haben, aus dem Tode auferweckt, erleuchtet und ihnen eine Gelegenheit gegeben werden, ewig auf Erden zu leben. Dies war des Schöpfers ursprünglicher Plan für sie.

Alle Anzeichen deuten jetzt darauf hin, dass die Zeit für die Segnung der Menschheit — der Lebenden und Toten—nahe ist. Die Prophezeiungen der Bibel über das Ende von Satans Mißherrschaft sind in der Erfüllung begriffen. Dies verursacht notwendigerweise eine große „Zeit der Drangsal“ auf der ganzen Erde; aber bald wird sich die Herrschergewalt des Königreiches Christi kundtun, und die Segnungen von Frieden, Freude und Leben werden beginnen, sich über die Menschheit zu ergießen.

Diese glorreiche Vollendung des göttlichen Planes der Errettung kommt zum Ausdruck durch jene wohlbekannten Worte des Gebetes des Herrn: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.“ Lasst uns also fortfahren, dieses inspirierte Gebet darzubringen im festen Glauben, dass die Antwort hierauf nahe ist.

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