Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Israel in Geschichte und Prophetie

Der Name „Israel“ hat heute internationale Bedeutung erlangt, und das bereits seit einer Reihe von Jahren. Aber auch in der Bibel ist dieser Name von herausragender Bedeutung, denn er erscheint in den Büchern der Heiligen Schrift mehr als zweitausend Mal. Professor Strong übersetzt „Israel“ mit: „Er wird herrschen wie Gott“. Der Name Israel wird erstmals in 1. Mose 32:28 genannt, wo er dem Jakob – Abrahams Enkel – von jenem Engel verliehen wurde, mit dem er die Nacht hindurch gerungen hatte. Der Engel sprach: „Dein Name soll nicht mehr Jakob sein, sondern Israel, denn wie ein Fürst hast du mit Gott und Menschen gekämpft und hast gewonnen!“ So übersetzt übersetzt es Professor Strong.

Von da an war „Israel“ der Volksname der Nachkommen Abrahams über Isaak und Jakob; er wurde für alle zwölf Stämme Jakobs angewendet. Einzige Ausnahme von dieser Regelung war jene Zeit, als die Nation sich in ein nördliches und ein südliches Königreich gespalten hatte. Da wurden die zehn Stämme im Norden Palästinas als Israel und die zwei Stämme im Süden als Juda bekannt. Dies dauerte vom Tod Salomos bis zur Wegführung nach Babylon. Alle, die aus der Gefangenschaft zurückkehrten, wurden – unabhängig davon, welchem Stamm sie angehörten – als Israeliten oder als das Volk Israel bezeichnet.

Dies ist der Name, den die Nachkommen Abrahams auf sich selbst anwandten und auf den sie stolz waren, denn sie glaubten mit gutem Recht, dass er ihnen von ihrem Gott, Jehova, verliehen worden war. Bevor sie als geschichtlich bedeutsame Nation den Namen Israel bekamen, waren sie als das Volk der Hebräer bekannt. Und tatsächlich werden sie auch jetzt noch oft als Hebräer bezeichnet. Dieser Name erscheint in der Bibel erstmalig in 1. Mose 14:13, wo von „Abram, dem Hebräer“ die Rede ist. Abram oder Abraham war ein direkter Nachkomme Hebers. – 1. Mose 11:14-26.

Der Name Hebräer bedeutet „überquert“ oder „von jenseits“. Abraham und seine Familie mögen – zumindest teilweise – Hebräer genannt worden sein, um damit den Unterschied zwischen den alten Volksstämmen östlich und westlich des Euphrat hervorzuheben. Abraham hat auf seinem Reiseweg in das ihm von Gott verheißene Land den Fluss nach Westen „überquert“. Wir können es uns wohl so erklären, dass außenstehende Völker Abrahams Nachkommen als Hebräer bezeichneten, dass aber Israel der Name ist, den dieses Volk selbst höher schätzte und liebte und deshalb zum Namen ihrer Nation erhob. Der Name „Jude“ ist von Juda hergeleitet.

Die dem Abraham gegebene Verheißung

Gottes besondere Zuwendung zu diesem Volk begann mit Abraham, ihrem Vater. Die erste schriftlich aufgezeichnete Verheißung an Abraham lautet: „Gehe aus deinem Lande und aus deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause, in das Land, das ich dir zeigen werde. Und ich will dich zu einer großen Nation machen und dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen; und du sollst ein Segen sein! Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!“ – 1. Mose 12:1-3.

Drei wesentliche Punkte sollten in dieser Verheißung beachtet werden. (1) Abrahams Nachkommenschaft würde zu einer großen Nation werden. (2) Abraham würde einen „Samen“ (einen Nachkommen) haben, durch den (3) alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollen. In Galater 3:8 bezieht sich der Apostel Paulus auf diese Verheißung und gebraucht das Wort „Nationen“ anstelle von „Geschlechtern“. Tatsächlich besteht aus der Sicht Abrahams wenig oder kein Unterschied in der Bedeutung der Wörter „Geschlechter“ und „Nationen“; denn die „Nationen“ zu seiner Zeit waren Großfamilien oder Stammesgruppen.

In Vers 7 des 12. Kapitels von 1. Mose fügt der Herr hinzu: „Deinem Samen will ich dieses Land geben.“ Und in Kapitel 13, Verse 14 und 15, lesen wir in einer Verheißung Gottes an Abraham: „Hebe doch deine Augen auf und schaue von dem Orte, wo du bist, gegen Norden und gegen Süden und gegen Osten und gegen Westen! Denn das ganze Land, das du siehst, dir will ich es geben und deinem Samen auf ewig.“ Hier sehen wir einen vierten bedeutenden Punkt in der Verheißung an Abraham, nämlich dass das Land Kanaan ihm und seinen Kindern zum ewigen Besitztum gegeben werden würde.

Nicht bedingungslos

Im Licht der biblischen Darlegung wird es klar, dass Gott in den Verheißungen an Abraham einen Plan zur ewigen Segnung aller Geschlechter der Erde mit Frieden, Gesundheit und Leben offenbarte. Diese Absicht Gottes ist unerschütterlich und wird ganz sicher ausgeführt. Andererseits ist es aber auch klar, dass jene, die von Gott zur Verwirklichung seines Vorsatzes mit herangezogen werden, sich für diese im Plan Gottes vorgesehene hohe Stellung qualifizieren müssen, indem sie ihre Würdigkeit durch völligen Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes beweisen.

Solcher Gehorsam wurde auch bereits erwartet, als Gott sich erstmals dem Abraham zuwandte. „Gehe aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus, in das Land, das ich dir zeigen werde; und ich will dich zu einer großen Nation machen“, sprach der Herr. Hätte Abraham nicht sein eigenes Volk und das Haus seines Vaters verlassen, um nach Kanaan zu gehen, dann würde sich auch die ihm gegebene Verheißung, ihn zu einer großen Nation zu machen, nicht erfüllt haben.

Dieser Grundsatz wird auch in Verbindung mit der Verleihung des Namens ISRAEL deutlich. Jakob, dessen Name in Israel geändert wurde, war der Zwillingsbruder von Esau. Esau war der Erstgeborene, und gemäß dem in jener Zeit herrschenden Rechtsverständnis hatte er ein Anrecht auf das Familienerbe. Doch der Herr traf eine andere Wahl. Bereits bevor die Kinder geboren waren, hatte Gott zu ihrer Mutter Rebekka gesprochen: „Zwei Nationen sind in deinem Leibe, und zwei Völkerschaften werden sich scheiden aus deinem Innern; und eine Völkerschaft wird stärker sein als die andere, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen.“ – 1. Mose 25:23

Der hier genannte „Jüngere“ war Jakob samt seiner ganzen Nachkommenschaft. Gott hatte ihm den Vorzug vor Esau gegeben, wie er vorher den Abraham erwählt hatte. Dennoch war es auch für Jakob notwendig, sich dieser Erwählung würdig zu erweisen. Er musste seine Berufung festmachen. Dass er dies erfolgreich tat, findet eine herrliche Bestätigung in Verbindung mit der Änderung seines Namens Jakob in Israel. Der Engel, mit dem Jakob die ganze Nacht hindurch gerungen hatte, erklärte ihm, dass er bei Gott einen Sieg errungen hatte; das heißt, er hatte seine Würdigkeit bewiesen und bekam dafür einen angemessenen Namen.

Gottes Erwählung derer, die ihn repräsentieren sollten, war auch vorher in Bezug auf Isaak, den Sohn Abrahams und Vater Jakobs, deutlich geworden. Abraham hatte noch einen anderen Sohn, Ismael, den er als seinen rechtmäßigen Erben betrachtete. Er sprach zum Herrn: „Möchte doch Ismael vor dir leben!“ Aber Gott antwortete: „Sara, dein Weib, wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Isaak geben; und ich werde meinen Bund mit ihm errichten zu einem ewigen Bunde für seinen Samen nach ihm.“ (1. Mose 17:18, 19) Später sagte Gott zu Abraham: „In Isaak soll dir ein Same genannt werden.“ – 1. Mose 21:12

Der Herr bestätigte seine Wahl Isaaks zum Vorfahr des verheißenen Samens zu der Zeit, als Sara, seine Mutter, die Vertreibung Ismaels, des Sohnes Abrahams und seiner ägyptischen Magd, forderte. Ismaels Leben wurde jedoch bewahrt, und er wurde zum Haupt der arabischen Völker, der Araber, die nach seinem Namen benannt werden. Auch sie erscheinen heute oft in den Medien. Der junge Ismael quälte Isaak, und bis heute besteht Feindschaft zwischen den Nachkommen jener beiden Knaben. Esau heiratete eine Tochter Ismaels, und seine Nachfahren, die früheren Edomiter, vermischten sich ebenfalls mit den Stämmen der Ismaeliter, den Arabern.

In ägyptischer Knechtschaft

Durch eine Reihe besonderer und anrührender Ereignisse, wie den Verkauf Josephs, des jungen Sohnes Jakobs, in ägyptische Knechtschaft, wurde das hebräische Volk zu Sklaven in jenem Land. Der Herr überwaltete die Ereignisse im Leben Josephs, so dass dieser zum Herrscher über Ägypten aufstieg, besonders um die Versorgung des ganzen Landes mit Nahrungsmitteln während einer siebenjährigen Hungersnot sicherzustellen. Durch seine hohe Stellung in der ägyptischen Regierung ergab es sich, dass sein Vater Jakob mit der gesamten Familie nach Ägypten zog.

Zu jener Zeit waren sie nur wenige, doch sie vermehrten sich rasch. Jakob, dessen Name nun Israel war, starb in Ägypten. Vor seinem Tod segnete er seine zwölf Söhne und machte bei jedem einige Bemerkungen darüber, wie Gott später mit ihm verfahren würde. (1. Mose 49) Vom Tod Jakobs an waren seine Söhne der Ausgangspunkt für die Nation Israel. Von da ab handelte Gott mit ihnen nicht mehr als Einzelpersonen, sondern als Familie – eine Familie, die den Verhältnissen jener Zeit entsprechend zu einer „großen Nation“ heranwuchs.

Zu Beginn, als Israel und seine Familie sich in Ägypten niedergelassen hatten, da wurden sie dort gut behandelt. Joseph hatte eine hohe Stellung in der Regierung, und der seinerzeit herrschende Pharao begegnete ihnen – mit Blick auf das, was Joseph für das Land getan hatte – sehr freundlich. Doch dieser Pharao starb; und Joseph starb; und die Israeliten wurden zu einem Volk in ägyptischer Knechtschaft und sehnten sich nach Befreiung.

Moses

Nach vielen Jahren der Unterdrückung geschah es, dass Moses vom Herrn dazu ersehen wurde, Israel aus der Knechtschaft zu befreien. Die Umstände waren ganz außergewöhnlich. Um zu verhindern, dass die Israeliten zu zahlreich und damit eine Bedrohung für die Sicherheit Ägyptens werden könnten, wurde ein Befehl erlassen, der die Tötung aller männlichen hebräischen Kinder sofort nach ihrer Geburt anordnete. Die Mutter Moses´ entschied sich dafür, den Befehl zu missachten; sie verbarg ihren kleinen Sohn in einem Korb, den sie in das Schilf des flachen Nilufers setzte.

Moses´ Schwester versteckte sich in der Nähe, um zu beobachten, was geschehen würde. Schon bald kam die Tochter des Pharao, um im Fluss ein Bad zu nehmen, und das Kind wurde entdeckt. Sie hatte Erbarmen mit dem Kleinen und entschied, ihn mit an den königlichen Hof zu nehmen, um ihn aufzuziehen. Da zeigte sich die Schwester von Moses und bot an, eine Amme für das Baby ausfindig zu machen. Das Angebot wurde angenommen, und Moses´ eigene Mutter wurde damit betraut, ihn zu stillen.

Durch die Erziehung am Hof des Pharao wurde Moses ein gebildeter Mann, der befähigt war, ein großer Führer seines Volkes zu sein. Im Alter von vierzig Jahren bemerkte er mit großer Betrübnis, in welcher schlimmen Lage sich sein Volk befand, und er versuchte, etwas dagegen zu unternehmen. Aber die von Gott vorgesehene Zeit für die Befreiung der Israeliten war noch nicht gekommen. Moses sah sich gezwungen, aus Ägypten zu fliehen. Er ging in das Land Midian, wo er vierzig Jahre zurückgezogen lebte.

Dann sprach der Herr zu Moses aus einem „brennenden Dornbusch“ und beauftragte ihn, die Israeliten aus Ägypten heraus in die Freiheit zu führen. Einige der bemerkenswertesten Wunder, die wir in der Bibel aufgezeichnet finden, wurden unter der Leitung von Moses im Zusammenhang mit der Befreiung Israels vollbracht. Insgesamt waren es zehn Plagen, die über die Ägypter hereinbrachen, ehe der Pharao seine Einwilligung zu ihrer Freilassung gab. Die zehnte Plage hatte den Tod aller Erstgeborenen der Ägypter zur Folge. Israels Erstgeborene wurden davor bewahrt; sie befanden sich unter dem Schutz des Blutes des Passahlamms. Bis heute fahren die Israeliten fort, dieses wunderbaren Ereignisses in der Geschichte ihrer Nation zu gedenken.

Aber es gab danach noch weitere Wunder, wie die Durchquerung des Roten Meers und das vom Himmel herabfallende Manna – ein Nahrungsmittel, das die Israeliten während ihrer vierzigjährigen Wanderung durch die Wüste des Sinai am Leben erhielt. Ferner erlebten sie, dass ihnen bitteres Wasser in süßes Wasser verwandelt wurde und dass Wasser aus einem Felsen hervorkam. Während jener vierzig Jahre der Wanderschaft wurden ihre Schuhe nicht abgetragen, was ebenfalls als Wunder angesehen werden kann. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs sorgte für sie, denn sie waren sein Volk.

Das Gesetz

Bald nachdem Moses die Israeliten durch das Rote Meer und in die Wüste hinein geführt hatte, wurde er vom Herrn beauftragt, der Nation das Gesetz zu geben. Das geschah am Berg Sinai. Da wurde das Gesetz kurz zusammengefasst in den zehn Geboten übergeben. Das Verordnen des Gesetzes war ein höchst bedeutsames Ereignis in den Erfahrungen Israels. Gott versprach jedem, der das Gesetzt vollkommen halten könne und würde, Leben. (3. Mose 18:5; Nehemia 9:29; Hesekiel 20:11) Das bedeutete, dass ein solcher Gesetzestreuer nie altersschwach werden und schließlich sterben würde.

In einer Bezugnahme auf die Bedeutung dieses Versprechens Gottes schrieb Paulus im Neuen Testament: „Der Tod herrschte von Adam bis auf Moses, selbst über die, welche nicht gesündigt hatten in der Gleichheit der Übertretung Adams.“ (Römer 5:14) Adam sündigte willentlich und brachte damit selbst die Todesstrafe über sich. Seitdem sind alle seine Nachkommen infolge seiner Übertretung gestorben.

Das Gesetz diente als Beweis dafür, dass die gefallene Menschheit nicht fähig ist, sich durch eigene Gerechtigkeit dauerhaft das Leben zu bewahren. Wenn auch nur diese eine kleine Nation Israel dieser Prüfung unterzogen wurde, so würde das Ergebnis bei allen anderen Nationen und Volksstämmen nicht anders ausgefallen sein. Alle sind unvollkommen und mit Sünde beladen. Alle sterben und benötigen die Hilfe Gottes, um dauerhaftes Leben erhalten zu können.

In Bezug auf Israel diente das Gesetz auch noch einem anderen Zweck. Durch Moses sprach der Herr zu dem Volk: „Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe, wie ich euch getragen auf Adlers Flügeln und euch zu mir gebracht habe. Und nun, wenn ihr fleißig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein; und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein.“ – 2. Mose 19:4-6

Wie wir bemerkt haben, bezeichnet der Name Israel jemanden, der mit Gott herrscht, nämlich als dessen Repräsentant. Der Gedanke ist, dass das Volk, dem Gott diesen Namen verlieh, erwählt wurde, ihn auf der Erde zu vertreten, das heißt – in Übereinstimmung mit Gottes Verheißungen und seinem Plan – zu lehren und zu herrschen und zu segnen. Aber es war keine bedingungslose Erwählung. Um diese ehrenvolle Mitherrschaft gemäß der göttlichen Vorsehung antreten zu können, müssen die Kinder Jakobs zuerst ihre Würdigkeit beweisen, und zwar durch aufrichtiges und entschlossenes Bemühen, der Stimme des Herrn zu gehorchen und seinen Bund, den sie mit ihm eingegangen sind – den Gesetzesbund – treu zu halten.

Sechs Zeitperioden

Beginnend mit dem Auszug aus Ägypten und dem Empfang des Gesetzes, durchlief Israel sechs Zeitperioden ihrer nationalen Existenz, ehe die Nation aufgelöst und das Volk über die ganze Erde zerstreut wurde.

(1) Die erste dieser Perioden war ihre vierzigjährige Wanderung durch die Wüste. Wegen ihres rebellischen Verhaltens – das sich besonders deutlich zeigte, als sie den Bericht der Minderheit der ausgesandten Kundschafter bezüglich ihrer Fähigkeit, das Land Kanaan zu erobern, ablehnten – entschied der Herr, dass alle Männer, die beim Verlassen Ägyptens älter als zwanzig Jahre waren, in der Wüste sterben sollten. Nur für die zwei treuen Kundschafter Kaleb und Josua sollte dies nicht gelten.

(2) Nach dem Tod Moses´ wurde Josua der Führer der Nation, und unter ihm überquerten sie den Jordan in das verheißene Land Kanaan. Hier begann eine weitere Zeitperiode ihrer nationalen Erfahrung. Es handelte sich dabei hauptsächlich um die Verteilung des Landes unter die zwölf Stämme und um Konflikte, die sich bei der Inbesitznahme der ihnen zugesprochenen Landesteile ergaben. Josua war ein treuer Anführer – treu gegenüber seinem Volk und gegenüber dem Herrn.

(3) Nach Josuas Tod folgte die Periode der Richter. Die Nation wurde nicht von einer zentralen Regierung aus beherrscht, sondern jeder war frei zu tun, was ihm beliebte, wobei er natürlich seinem eigenen Gewissen hinsichtlich der Bedingungen des am Sinai gegebenen Gesetzes gehorchen sollte. Das Verhalten des Volkes unter dieser Regelung war überhaupt nicht hinnehmbar. Wenn sie zu sehr in Sünde verstrickt waren, besonders den Götzendienst betreffend, dann bestrafte der Herr sie, indem er zuließ, dass andere Nationen, wie zum Beispiel die Midianiter, sie überfielen. Schrien sie dann zum Herrn um Hilfe, erweckte er ihnen „Richter“, um sie zu befreien.

(4) Der letzte der Richter war Samuel, der zugleich als Prophet diente. Während seiner Amtszeit rief das Volk nach einem König. Sie wollten sein wie andere Nationen. Der Herr forderte Samuel auf, die Israeliten vor den Schwierigkeiten zu warnen, die unter der Herrschaft eines Königs auf sie zukommen würden. Doch sie bestanden darauf, einen König zu bekommen; und der Herr wies Samuel an, einen König als Herrscher über sie zu salben. Ihr erster König war Saul, der durch seine Bosheit bekannt wurde und den der Herr verwarf; sein Tod war ein schmählicher, nämlich durch Selbstmord.

Als Nachfolger Sauls wurde David erwählt. Gott sagte von David, dass er ein Mann nach seinem Herzen sei. (Apostelgeschichte 13:22) Nach dem Willen des Herrn sollte aus Davids Familie der große Befreier Israels und der ganzen Welt hervorgehen – der Messias. Mit Bezug auf Davids Sohn Salomo, der auf dem Thron Israels folgte, sprach der Herr zu David: „Meine Güte soll nicht von ihm weichen, wie ich sie von Saul weichen ließ, den ich vor dir weggetan habe. Und dein Haus und dein Königtum sollen vor dir beständig sein auf ewig, dein Thron soll fest sein auf ewig.“ – 2. Samuel 7:15

Auf dieses Versprechen wird in der Bibel Bezug genommen als auf „die gewissen Gnaden Davids“. (Jesaja 55:3) Das ist eine Beschreibung dessen, dass die Erfüllung des Versprechens Gottes von der Gnade des Herrn abhängig sein würde. Nicht nur Salomo, sondern auch andere Nachfolger aus der Linie Davids haben in abscheulicher Weise das Gesetz Gottes übertreten. Dennoch hat er das Königtum nicht von der Familie genommen. Es ist interessant und glaubensstärkend zu lesen, in welch’ wunderbarer Weise der Herr die Thronerben Davids über die Periode der Könige hinweg beschützte.

Nach dem Tod Salomos erfolgte eine Teilung des Königtums. Rehabeam war der rechtmäßige Erbe des Throns, aber unter der Führung Jerobeams sagten sich zehn der Stämme von Juda und Benjamin los. Danach herrschte die davidische Königslinie nur noch über zwei Stämme. Es änderte sich dadurch aber nichts an Gottes ursprünglicher Absicht bezüglich des großen Königs und Messias, den zu senden er versprochen hatte; denn dieser große Eine, der von Gott Ausersehene, sollte aus dem Stamm Juda kommen. – 1. Mose 49:10

Das Zehn-Stämme-Reich der Nation wurde ausnahmslos von bösen Königen regiert. Und zur bestimmten Zeit erfolgte eine Eroberung durch die Assyrer; das Volk wurde nach Assyrien in die Gefangenschaft geführt. Einige Könige aus der Linie Davids, die das Zwei-Stämme-Reich regierten, waren dem Herrn treu, einige waren es nicht. Auf den letzten von ihnen wird in Hesekiel 21:30 hingewiesen als auf einen unheiligen, gesetzlosen Fürsten Israels; und es wird erklärt, dass der Tag gekommen sei, der Ungerechtigkeit ein Ende zu machen.

Das geschah im Jahr 606 v. Chr., als Nebukadnezar, König von Babylon, das Heilige Land erobert hatte, Jerusalem zerstörte und den König Zedekia sowie auch das Volk nach Babylon in die Gefangenschaft führte. Auf den ersten Blick mag es an dieser Stelle so scheinen, als habe Gott sein Versprechen, das „Zepter“ von Juda nicht weichen zu lassen und die davidische Königslinie zu bewahren, nicht halten können. Doch so ist es nicht! Der Prophet Hesekiel sagte: „Dies wird nicht mehr sein – bis der kommt, welchem das Recht gehört“, was bedeutet, dass das Königtum nur für eine gewisse Zeit unterbrochen, später aber wiederhergestellt werden würde. – Hesekiel 21:32

(5) Die nächste Periode in Israels nationaler Existenz war die Zeit der Gefangenschaft in Babylon. Sie dauerte siebzig Jahre. Die Nation war nicht zerschlagen worden, wenn sie auch ihre nationale Unabhängigkeit verloren hatte. Als die Gefangenschaft endete und dem Volk gestattet wurde, nach Palästina zurückzukehren, erhielt die Nation dennoch nicht ihre volle Freiheit zurück. Sie blieben als Nation weiterhin in Abhängigkeit.

Eine der hervorragendsten Persönlichkeiten in Israels Geschichte trat während der babylonischen Gefangenschaft ins Licht der Öffentlichkeit. Es war der Prophet Daniel. Daniel diente nicht nur dem Herrn als ergebener Prophet, sondern er wurde auch der Premierminister des Reiches, der nur dem König selbst unterstellt war. Dieses hohe Amt blieb ihm auch erhalten unter dem König der Meder, der Babylon erobert hatte. Einmal geschah es, dass Daniel sich weigerte, einem Erlass des Königs zu gehorchen, worauf er in eine Löwengrube geworfen wurde, in der sein Leben wie durch ein Wunder nicht angetastet wurde.

(6) Am Ende der siebzigjährigen Gefangenschaft erließ König Cyrus (Kores) ein Dekret, das den Israeliten gestattete, in ihr Land zurückzukehren, und sie ermächtigte, ihren Tempel in Jerusalem wieder aufzubauen. Wie uns in 2. Chronik 36:22 und Esra 1:1 berichtet wird, „erweckte der Herr den Geist Kores, des Königs von Persien,“ um diesen Erlass zu verkünden. Da Daniel bis in die Zeit dieses Königs hinein lebte, geschah es vermutlich in Verbindung mit ihm, dass der Herr den Cyrus dazu bewegte, diesen für die Israeliten so günstigen Beschluss zu fassen.

In den Büchern Esra und Nehemia haben wir einen ziemlich ausführlichen Bericht über die ersten zehn Jahre nach dem offiziellen Ende der Gefangenschaft. In diesen Aufzeichnungen erscheinen die Namen von Esra, Nehemia, Serubbabel und anderen, die vom Herrn dazu ersehen wurden, zuerst den Tempel und dann die Stadt Jerusalem und ihre Mauern wieder aufzubauen, die zur Zeit ihrer Wegführung in die babylonische Gefangenschaft zerstört worden waren.

Unter der Leitung Esras und Nehemias erfolgte eine Wiederhinwendung des Volkes zu Gott, und Esra las ihnen die Worte des Gesetzes vor. (Nehemia 8) In Nehemia, Kapitel 10, ist von einem feierlich eingeweihten Bund die Rede, in den viele unter Anleitung ihrer Obersten eintraten. Dessen Gebote gingen noch über die Forderungen des Gesetzes hinaus, und einige Gelehrte glauben, dass dies die ersten kleinen Anfänge der späteren Schriften des Talmud waren, die auch heute im Leben vieler Israeliten maßgebend sind.

Nach der Beschreibung der Ereignisse im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des Tempels, der Stadt und der Mauern von Jerusalem folgen in der Bibel keine weiteren Informationen über die Nation bis zur Geburt Jesu. In den Büchern der Apokryphen wird von den heroischen Bemühungen der Familie der Makkabäer berichtet, sich von den assyrischen Unterdrückern der Israeliten zu befreien. Für eine kurze Zeit wurden Könige in Jerusalem eingesetzt, doch diese kurzlebige Dynastie wurde durch die Römischen Eroberer beendet.

Die Geburt Jesu

Als Jesus geboren wurde, war die Nation Israel mehrere Jahrhunderte hindurch ohne jeden besonderen Gunsterweis Gottes gewesen. Maleachi war der letzte der Propheten; und er diente während der Zeit Nehemias. Aber trotz des Ausbleibens besonderer prophetischer Unterweisung bewahrten sich viele in Israel ihr Interesse am Wort und Gesetz des Herrn. Das ging so weit, dass sich das Volk beim Auftreten Johannes des Täufers fragte, ob er wohl der verheißene Messias sei oder nicht. – Lukas 3:15, 16

Es ist vernünftig anzunehmen, dass die Priester und Schriftgelehrten in Israel die in Daniel 9:25 erwähnte Prophetie kannten, in der von neunundsechzig symbolischen Wochen bis zum Kommen des Messias die Rede ist. In prophetischer Zeit war dies eine Länge von 483 Jahren. Die Zeitspanne sollte mit dem Erlass, Stadt und Mauern Jerusalems aufzubauen, beginnen, also 454 v. Chr. Wenn die religiösen Führer Israels tatsächlich ein Verständnis dieser Prophetie hatten, dann hätten sie auch wissen müssen, dass sie in der Zeit lebten, in welcher der Messias erscheinen sollte.

Ein Engel des Herrn sprach zu Maria, der Mutter Jesu: „Siehe, du wirst im Leib empfangen und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus heißen. Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben; und er wird über das Haus Jakobs herrschen ewiglich, und seines Reiches wird kein Ende sein.“ – Lukas 1:31-33

Sollte es irgendeinen Zweifel geben, wie und durch wen die Verheißungen Gottes hinsichtlich des ewigen Bestehens des Throns Davids erfüllt werden – hier haben wir die Antwort. Und diese Erklärung des Engels gegenüber der Maria bestätigt die in einer Prophezeiung dargelegte Wahrheit über Jesu Geburt, welche so lautet: „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Berater, starker Gott, Ewigvater, Friedefürst. Die Mehrung der Herrschaft und der Friede werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über sein Königreich, um es zu befestigen und zu stützen durch Gericht und durch Gerechtigkeit, von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer Jehovas der Heerscharen wird dieses tun.“ – Jesaja 9:6, 7

Messias – der „Gesalbte“

Das Wort „Messias“ bedeutet „der Gesalbte“. Und so ist es auch bei dem griechischen Wort „Christus“ im Neuen Testament. Jesus war von dem Augenblick an der Gesalbte, als er im Alter von dreißig Jahren von Johannes dem Täufer im Jordan getauft wurde. Der alttestamentliche Brauch, Könige und Priester für ihr Amt mit heiligem Salböl zu salben, war vorbildlich und wurde nun ersetzt durch das Gegenbild, nämlich die Salbung mit dem heiligen Geist. Am Jordan wurde Johannes dem Täufer durch eine sichtbare Demonstration bewiesen, dass der Heilige Geist oder die Kraft Gottes auf Jesus gekommen war.

Bald nach diesem Ereignis besuchte Jesus eine Synagoge in Nazareth, seiner Heimatstadt. Als man ihm die Schriften gereicht hatte, öffnete er das 61. Kapitel von Jesaja und las: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er [Jehova] mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, Gefangenen Befreiung auszurufen und Blinden das Gesicht, Zerschlagene in Freiheit hinzusenden, auszurufen das angenehme Jahr des Herrn.“ – Lukas 4:18, Jesaja 61:1-3

Jesus durchwanderte Palästina und verkündete das Evangelium, die frohe Botschaft. Es war die gute Botschaft vom Königreich, nämlich die Botschaft, dass das von Gott verheißene Königreich bzw. seine Herrschaft tatsächlich aufgerichtet werden würde und dass durch dessen Wirksamkeit die Kranken geheilt, die Toten auferweckt und Frieden und Sicherheit für Israel und für alle Nationen herbeigeführt werden. Bei diesem Dienst der Verkündigung wurde er von seinen zwölf Aposteln unterstützt – und später auch von siebzig anderen Jüngern, die man Evangelisten nannte.

Mehr als drei Jahre versahen sie gemeinsam diesen Dienst in dem kleinen Land Palästina. Zusätzlich zu ihrer mündlichen Verkündigung der guten Botschaft demonstrierten sie die praktische Bedeutung dessen, was sie lehrten, indem sie Wunder der Krankenheilung und selbst die Auferweckung von Toten vollbrachten. Dies waren sichtbare Beispiele für die Segnungen, die den Menschen im verheißenen Messianischen Königreich gebracht werden sollen. Und die Jesus und seinen Mitarbeitern verliehene Macht, solche Wunder zu wirken, sollte ein überzeugendes Zeugnis dafür sein, dass er tatsächlich der verheißene Messias war.

Aber nur wenige der Nation akzeptierten Jesus als den Messias, und besonders die religiösen Führer begegneten ihm mit Ablehnung. Johannes schrieb: „Er kam in das Seinige, und die Seinigen nahmen ihn nicht an.“ (Johannes 1:11) Zeitweilig musste Jesus sich in seinem Auftreten danach richten, dass er nicht in zu engen Kontakt mit jenen in Israel kam, die seine Gegner waren. Doch gegen Ende seines Dienstes, als Jesus erkannte, dass gemäß Gottes Plan für ihn die Zeit gekommen war, als der Welt Erlöser zu sterben, da kehrte er in das Gebiet von Judäa zurück, wo ihn große Feindseligkeit erwartete. Und in diesen letzten Tagen machte er einige sehr aufschlussreiche Bemerkungen. Eine davon war:

„Siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und etliche von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und etliche von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln und werdet sie verfolgen von Stadt zu Stadt; damit über euch komme alles gerechte Blut, das auf der Erde vergossen wurde, von dem Blut Abels, des Gerechten, bis zu dem Blut Zacharias des Sohnes Barachias´ den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar ermordet habt. Wahrlich, ich sage euch, dies alles wird über dieses Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen; denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: ‚Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!‘“ – Matthäus 23:34-39

Es muss zugegeben werden, dass Jesus ein wahrer Prophet war hinsichtlich dessen, was der Nation noch während der Lebenszeit jener Generation, zu der er sprach, widerfahren würde. In weniger als vierzig Jahren nach der von Jesus geäußerten, vorstehend zitierten Prophetie geschah es, dass Jerusalem zerstört und das Volk Israel über die ganze Erde zerstreut wurde, was den Beginn ihrer Diaspora [Vertreibung] bedeutete.

Das war zugleich das Ende der sechsten Periode ihrer nationalen Geschichte, wie sie in der Bibel verzeichnet ist. Diese Periode hatte mit ihrer Rückkehr von Babylon aus dem Exil begonnen, und sie endete 70 – 73 n. Chr., als die schwerste und längste aller ihrer nationalen Notzeiten über sie hereinbrach. Anfangend mit der Diaspora, beschreibt die Bibel viele der Erfahrungen dieses von Gott auserwählten Volkes. Das sind keine historischen Berichte, aber prophetische Hinweise – wenn man so will: Vorhersagen der Geschichte.

Aber inzwischen entfaltet sich ein anderer Grundzug des göttlichen Planes zur Erlösung und Befreiung der Menschheit von Sünde und Tod; und darin ist der Name Israel weiterhin präsent. Als Johannes mit Bezug auf jene, die Jesus abgelehnt hatten, schrieb: „Die Seinigen nahmen ihn nicht an“, da fügte er noch hinzu: „So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht [oder das Vorrecht], Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“ Heute wird der Ausdruck „Kinder Gottes“ recht freizügig angewendet. Manche behaupten, dass die ganze Menschheit als Kinder Gottes betrachtet werden kann. Es ist wahr, dass die Menschheitsfamilie Gottes Schöpfung ist, und Adam wird in der Bibel tatsächlich als „Sohn Gottes“ bezeichnet. (Lukas 3:38) Aber dieses Verhältnis der Sohnschaft ging durch die Sünde verloren.

Johannes hatte jedoch viel Bedeutenderes im Sinn, als er sagte, dass gläubige Israeliten das Vorrecht bekommen würden, „Kinder Gottes“ zu sein. In der Bibel sind die Söhne oder Kinder Gottes solche, die erwählt wurden, um Mitglieder des Herrscherhauses Gottes, seiner königlichen Familie, zu sein. Paulus schrieb: „Wenn aber Kinder, so auch Erben – Erben Gottes und Miterben Christi.“ – Römer 8:17

Einzelne Israeliten, die Jesus als den verheißenen Messias annahmen und seine Fußstapfen-Nachfolger wurden, waren die ersten „Söhne“, um Mitteilhaber mit ihm zu werden. Unter ihnen befanden sich die Apostel. Am Tag der Pfingsten waren es etwa dreitausend, die glaubten, und es gab noch viele andere. Doch die Zahl der gläubigen Israeliten war nicht ausreichend. In Offenbarung 7:4-14 und 14:1 wird gezeigt, dass die für die Mitherrschaft erwählte Familie Gottes aus 144.000 Kindern bestehen soll, aus solchen, die den Namen des Vaters an ihren Stirnen geschrieben tragen. Die Zahl der gläubigen Israeliten war jedoch weit geringer.

Daraufhin wandte Gott sich erstmals den Nationen (den Heiden) zu. In Apostelgeschichte 15:14 wird gesagt, „dass Gott die Nationen heimgesucht hat, um aus ihnen ein Volk zu nehmen für seinen Namen.“ So hatte es gar nicht lange gedauert, bis die frühe Kirche zu einer gemischten Gruppe aus gläubigen Israeliten und bekehrten Heiden wurde.

„Eine heilige Nation“

Wie wir bemerkt haben, hat Gott den Israeliten kurz vor ihrem Verlassen Ägyptens verheißen, dass sie „ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation“ werden könnten. (2. Mose 19:5, 6) Doch dies war abhängig gemacht worden von ihrem Gehorsam ihm und seinem Gesetz gegenüber. Sie haben die Bedingungen nicht erfüllt; und als die Nation in ihrer letzten Prüfung versagte, da sprach Jesus zu ihnen: „Euer Haus wird euch öde gelassen.“ (Matthäus 23:38) Es war das „Haus“ Israel, das öde geworden, d. h. ihres Vorrechts verlustig gegangen war, weiterhin Gottes „Königreich von Priestern“, seine „heilige Nation“ zu sein.

Jesus hatte schon vorher bezüglich Israels gesagt: „Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, welche dessen Früchte bringen wird.“ (Matthäus 21:43) Der Apostel Petrus erklärt uns, wer diese neue „Nation“ ist. Er schrieb: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, … die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber ein Volk Gottes seid.“ (1. Petrus 2:9, 10)

Die Worte, die Petrus hier gebraucht, sind denen sehr ähnlich, die Gott in seiner Verheißung an die Israeliten ausgesprochen hatte. Petrus erklärt damit, dass ein Volk, für welches die Verheißungen Gottes bisher nicht galten, nun das Volk sein sollte, dem diese Verheißungen zugesprochen würden. Dies ist die von Jesus erwähnte „Nation“, der das Königreich gegeben wird, das von Israel genommen wurde.

Das Bürgerrecht Israels

In seinem Schreiben an die Kirche in Ephesus, in der sich sowohl Israeliten als auch Heiden befanden, sagte Paulus zu den bekehrten Nichtjuden: „Dass ihr … ohne Christum wart, entfremdet dem Bürgerrecht Israels, und Fremdlinge betreffs der Bündnisse der Verheißung.“ Und weiter: „Also seid ihr denn nicht mehr Fremdlinge und ohne Bürgerrecht, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.“ – Epheser 2:12, 19

Damit erklärt Paulus, dass die Verheißungen Gottes, die einst ausschließlich den natürlichen Nachkommen Abrahams gegeben worden waren, nun auch für die Gläubigen aus den Heiden gelten würden. Gott hat keine neue Vorkehrung für die bekehrten Gläubigen aus den Nationen getroffen, sondern er lud sie ein, durch Glauben an Christus an dem Bürgerrecht Israels Anteil zu haben und ebenfalls „Hausgenossen“ Gottes, seine Familie, wahre Israeliten zu werden.

Ausgebrochene Zweige

Im 11. Kapitel seines Römerbriefes gibt Paulus eine Belehrung, die sich auf die Israeliten bezieht. Zur besseren Veranschaulichung redet er von einem Olivenbaum mit seinen Zweigen, wobei die ungläubigen Israeliten durch die ausgebrochenen Zweige dieses Baums dargestellt werden. Der Grund für diese Illustration ist zu zeigen, dass Gottes ursprüngliche Absicht in Bezug auf Israel sich nicht geändert hat, sondern dass den Heiden eine Gelegenheit gegeben wird, in seinen Plan eingeschlossen zu werden.

In Vers 2 sagt Paulus: „Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erkannt hat.“ Und das widerspricht nicht der Aussage Jesu: „Euer Haus wird euch öde gelassen.“ Jesus hatte hier die Ausschließlichkeit Israels als Herrscherfamilie Gottes im Auge. Und die natürlichen Nachkommen Abrahams, die Nation Israel, konnten nicht länger für sich in Anspruch nehmen, Gottes herrschende Nation zu sein.

Aber das bedeutet nicht, dass Gott Israel als Volk verstoßen hat, noch dass er den einzelnen Israeliten die Möglichkeit genommen hat, sich als Erben Gottes und Miterben Christi zu bewähren. Um dies zu beweisen, zog Paulus die Erfahrungen des Elias heran. Elias war der Meinung gewesen, dass zu seiner Zeit ganz Israel sich von Jehova abgewandt und den Baal angebetet hatte. Aber er irrte sich. Der Herr sprach zu ihm: „Ich habe siebentausend in Israel übriggelassen, alle die Knie, die sich nicht vor dem Baal gebeugt haben.“ – Römer 11:4, 1. Könige 19:18

Dieses Bild anwendend, sagte Paulus: „Also ist auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Wahl der Gnade.“ (Vers 5) Dieser Überrest bestand aus solchen, die in Johannes 1:12 erwähnt sind, die Jesus angenommen und die damit das Vorrecht erlangt hatten, Kinder Gottes zu werden, Mitglieder seines Herrscherhauses. Auch die dreitausend, die Christus am Pfingsttag annahmen, gehören dazu. Ja, alle natürlichen Nachkommen Abrahams sind eingeschlossen, die Jesus während dieses Zeitalters annahmen und annehmen.

Das ist ein starker Beweis dafür, dass Gott sein Volk nicht verstoßen oder in irgendeiner Weise abgelehnt hat. Er hat lediglich veranlasst, dass sie nicht mehr das alleinige Vorrecht als Nation behielten. In Vers 7 fügt Paulus noch hinzu: „Was Israel suchte, das hat es nicht erlangt; aber die Auserwählten haben es erlangt, die übrigen aber sind verstockt worden.“ Alle Israeliten waren das auserwählte Volk Gottes, aber nur ein Überrest, die Gläubigen unter ihnen, haben sich durch ihren Glauben und ihre Treue ihre Auserwählung gesichert. Diese haben „erlangt“, was sie gesucht haben, nämlich einen Platz in Gottes Familie oder Herrscherhaus.

„Die übrigen aber sind verstockt worden“, erklärt Paulus. Ihre Verstockung, ihr Unglaube, führte dazu, dass sie aus dem die Nation Israel darstellenden Baum ausgebrochen wurden, um Gläubige aus den Nationen an ihrer Stelle einzupfropfen. In den Versen 8-24 dieses bemerkenswerten Kapitels hebt Paulus die Notwendigkeit hervor, Glauben und Gehorsam zu üben, um das von Gott in Aussicht gestellte Ziel erreichen zu können. Die gläubigen Heiden, die großen Vorteil haben durch das Ausbrechen der natürlichen Zweige, womit durch sie Raum geschaffen wurde, sollten stets daran denken, dass Unglaube ihrerseits ebenfalls eine Entfernung von dem Baum zur Folge haben würde.

Im 24. Vers sagt Paulus, dass das Einpfropfen der „wilden“ heidnischen Zweige „wider die Natur“ war. Wenn Zweige von Fruchtbäumen in Bäume einer anderen Gattung – ob „wild“ oder veredelt – eingepfropft werden, bringen sie die Früchte jenes Baumes, aus dem sie herausgeschnitten wurden. Es ist ein Gesetz der Natur, dass der Lebenssaft und die Nährstoffe des Baums, auf den die Zweige übertragen wurden, deren ursprüngliche Art nicht verändern. Aber bei dem Einpfropfen der heidnischen „Zweige“ in den israelitischen „Baum“ ist das anders. Das Ergebnis ist gegen die Natur, denn in diesem Fall verändern sich die Zweige. Sie werden wie der Baum, der sie trägt, das heißt, dass sie „wahre Israeliten“ werden.

Darum wird die zur Ausübung der Herrschaft bestimmte Familie Gottes, sein königlicher Haushalt, in Offenbarung 7:4-8 so beschrieben, als käme jedes ihrer Mitglieder aus den zwölf Stämmen Israels. Tatsache ist, dass der Name Israel bestehen bleibt, um jene darzustellen, die Gott während des gegenwärtigen Zeitalters beruft, erwählt und prüft, um mit Christus zu herrschen. Ursprünglich waren alle Angehörigen dieser Familie natürliche Nachkommen Abrahams; der Rest wurde zu Israeliten durch das Einpfropfen in den israelitischen Baum.

Der „Same“ der Segnung

Wie wir feststellen konnten, hatte Gott Abraham versprochen, dass durch seinen „Samen“ alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollen. Ismael war Abrahams Sohn, und er hatte auch noch Kinder von seiner zweiten Frau Ketura. Aber Gott sagte zu Abraham: „In Isaak soll dir ein Same genannt werden.“ Paulus nimmt hierauf im 9. Kapitel seines Briefes an die Römer Bezug und erklärt die geistige Bedeutung. Er schreibt, dass er „große Traurigkeit“ und „unaufhörlichen Schmerz“ in seinem Herzen habe, weil die Israeliten Christus nicht angenommen und sich somit ihre Berufung und Erwählung zur Miterbschaft mit Christo nicht gesichert haben.

Dann fügt er (im 6. Vers) hinzu: „Nicht aber als ob das Wort Gottes hinfällig geworden wäre.“ Anders ausgedrückt: Gottes Plan ist in Bezug auf Israel nicht fehlgeschlagen. Wie könnte das auch geschehen? Gottes Wort kehrt niemals leer zu ihm zurück. (Jesaja 55:11) Paulus fährt fort zu erklären, inwiefern das hier zutrifft. Wir zitieren: „Denn nicht alle, die aus Israel sind, diese sind Israel; auch nicht, weil sie Abrahams Same sind, sind alle Kinder, sondern, in Isaak wird dir ein Same genannt werden.“ – Verse 6, 7

Isaak war tatsächlich ein Same aus Glauben; und wie Paulus erläutert, stellt er im Gegenbild Abrahams Samen aus Glauben während dieses gegenwärtigen Zeitalters des Glaubens dar. In Galater 4:28 schreibt Paulus: „Ihr aber, Brüder, seid, gleichwie Isaak, Kinder der Verheißung.“ Und in Vers 7 desselben Kapitels: „Also bist du nicht mehr Knecht, sondern Sohn, wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott“, das heißt als Miterbe Christi ein Mitglied des göttlichen Herrscherhauses.

Und in Galater 3:27 – 29 lesen wir nochmals: „Denn so viele euer auf Christum getauft worden sind, ihr habt Christum angezogen. Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Weib; denn ihr alle seid e i n e r in Christus Jesus. Wenn ihr aber Christi seid, so seid ihr denn Abrahams Same und nach Verheißung Erben.“ Was könnte überzeugender die Tatsache beweisen, dass Gott – als er die Verheißung gab, Abrahams Same solle alle Geschlechter der Erde segnen, – von dem Samen aus Glauben im Evangelium-Zeitalter sprach? Dieser Same besteht aus Juden und Heiden; und die Annahme der Gläubigen für diese hohe Stellung im göttlichen Plan hat nichts zu tun mit ihrer Abstammung.

Ein geistiges Herrscherhaus

Damit die von Gott Erwählten im Messianischen Königreich herrschen können, müssen sie von den Toten auferweckt werden. Das traf für Jesus zu, der nach seiner Auferstehung zu seinen Jüngern sagte: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden.“ (Matthäus 28:18) Nachdem Jesus aus den Toten auferstanden war, war er hoch erhöht „über jedes Fürstentum und jede Gewalt und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht allein in diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen.“ – Epheser 1:21

Diese Erhöhung geschah nicht nur in Bezug auf seine Autorität und Macht, sondern auch bezüglich seiner Natur. Er war nicht länger Mensch, denn er hatte sein Fleisch für das Leben der Welt gegeben. (Johannes 6:51) Jetzt ist er „das Bild des unsichtbaren Gottes“, was besagt, dass er die göttliche Natur besitzt. (Kolosser 1:15) Von dieser hohen Stellung in Herrlichkeit und Macht redete Jesus, als er sagte: „Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater gesetzt habe auf seinen Thron.“ – Offenbarung 3:21

Im 15. Kapitel des 1. Briefes an die Korinther sagt Paulus von jenen, die zu diesem hohen Stand erhöht werden, dass sie dann „himmlische“ Leiber haben. In diesem Kapitel spricht Paulus von Christi Königreich und sagt, er müsse herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. (Vers 25) Um das Königreich aufzurichten, ist die Auferweckung jener, die mit Christus regieren werden, erforderlich; und in der Auferstehung erhalten sie „himmlische“ oder geistige Leiber. – Verse 39-44

Der Plan Gottes, der ein geistiges, unsichtbares Herrscherhaus von Söhnen auf göttlicher Lebensstufe vorsieht, ist nicht plötzlich als eine Alternative entstanden, als die Nation Israel es verfehlte, Jesus anzunehmen und sich dafür zu bewähren, Gottes „Königreich von Priestern“ und eine „heilige Nation“ zu sein. Es war Gottes Plan von Anbeginn, doch bevor der Messias kam, war die Zeit noch nicht fällig, dies zu offenbaren.

Gott hatte von Anfang an die Absicht, dass Gläubige aus den Heiden zugleich mit gläubigen Juden Miterben der Herrlichkeit im Königreich werden sollten. Nur war dies nicht eher bekannt gemacht worden – „welches in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden, wie es jetzt geoffenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geiste: dass die aus den Nationen Miterben seien und Miteinverleibte und Mitteilhaber seiner Verheißung in Christo Jesu durch das Evangelium.“ – Epheser 3:5, 6

„Aus Zion“

König David errichtete sein Herrscherhaus auf dem Berg Zion. Gott sah dieses Königreich Israels gnädig als sein Reich an und verwendete es als Vorbild für das wahre Messianische Königreich der Verheißung. Deshalb ist Zion sowohl im Alten Testament als auch im Neuen Testament ein Symbol für die Herrschaft Christi und seiner Miterben. In Offenbarung 14:1 werden sie zusammen als der „Berg Zion“ beschrieben.

In Micha 4:2 und Jesaja 2:3 wird uns mitgeteilt, dass im Königreich des Messias, wenn das Haus des Herrn aufgerichtet ist, das Gesetz von „Zion“ ausgehen werde. Hier handelt es sich um dieselbe geistige Phase des Reiches, auf die Römer 11:26, 27 hinweist. Da lesen wir: „Also wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: ‚Es wird aus Zion der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden; und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde‘.“

Wie Paulus vorher in diesem 11. Kapitel von Römer erklärt, wird nur ein „Überrest“ erlangen, was Israel suchte, nämlich die Miterbschaft mit Christo, dem Messias der Verheißung. „Die Übrigen aber sind verstockt worden.“ Das bedeutet jedoch nicht, dass Gott aufhörte, diese Verstockten oder Verblendeten in Israel zu lieben. Es geht nur darum, dass sie verfehlten, den „Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christo Jesu“ zu erlangen. (Philipper 3:14) Wir lesen, „dass Verstockung [Verblendung] Israel … widerfahren ist, bis die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird“ – das heißt bis genügend Gläubige aus den Heiden ihre Würdigkeit bewiesen haben, die Stelle der „natürlichen Zweige“, welche ausgebrochen worden waren, einzunehmen. Und dann, wenn dieses geschehen ist, „wird ganz Israel errettet werden.“ – Römer 11:25, 26

Wenn „die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird“, dann ist die Klasse des geistigen Zion vollzählig und zu himmlischer Herrlichkeit erhöht. Und dann werden von diesem „Zion“ aus die Segnungen des vor so langer Zeit verheißenen Königreichs hervorzuströmen beginnen. Diese Segnungen werden zuerst „ganz Israel“ erreichen, in Verbindung mit dem Bund, den Gott mit ihnen aufrichtet, um ihre Sünden wegzunehmen.

Paulus fährt fort: „Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde, um euretwillen“ – das heißt als Ergebnis ihrer Feindseligkeit gegenüber Jesus und seinem Evangelium vom Reiche Gottes haben die Gläubigen aus den Heiden einen Zugang zu dem hohen Preis der Miterbschaft mit Jesus bekommen – „hinsichtlich der Auswahl aber Geliebte, um der Väter willen. Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar.“ – Verse 28, 29

Das Wort „Auswahl“ in diesem Text ist interessant und aufschlussreich. Abraham wurde von Gott erwählt, der Vater des natürlichen Israel zu sein und das Land Kanaan zu erben. Und sein natürlicher Same ist Vorbild für den Glaubenssamen im Evangelium-Zeitalter, der zu Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit erhöht werden und der verheißene Kanal der Segnung für alle Geschlechter der Erde sein soll. Aber Abraham musste seine Erwählung festmachen. Die erste Prüfung war für ihn, sein eigenes Land und seines Vaters Haus zu verlassen. Er gehorchte. (Hebräer 11:8) Seine letzte Prüfung kam mit des Herrn Aufforderung, seinen Sohn Isaak als Brandopfer darzubringen. Und auch hier triumphierte sein Glaube.

Durch Moses als Vermittler trat Gott mit den Israeliten in eine Bundesbeziehung, um sie zu einem „Königreich von Priestern“ und einer „heiligen Nation“ zu machen; aber es gab eine Bedingung: „Wenn ihr auf meine Stimme hören werdet.“ (2. Mose 19:5, 6) In der wirksamen Kraft seiner Vorkenntnis wusste Gott, dass die Israeliten als Volk seiner Stimme nicht wahrhaft und dauerhaft gehorchen würden. Als sie dies erkannten, versprach der Herr, einen „neuen Bund“ mit ihnen zu schließen. Dieser Bund wurde ihnen während der Zeit verheißen, als die Nation sich gespalten hatte, wobei der eine Teil als „Israel“ und der andere als „Juda“ bezeichnet wurde. Gott wollte ihnen versichern, dass er ganz Israel liebt; und seine Verheißung lautet deshalb auch:

„Siehe, Tage kommen, spricht der Herr, dass ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund machen werde: nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tag, da ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen, welchen meinen Bund sie gebrochen haben; und doch hatte ich mich mit ihnen vermählt, spricht der Herr. Sondern dies ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel machen werde nach jenen Tagen, spricht der Herr: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben; und ich werde ihr Gott, und sie werden mein Volk sein. Und sie werden nicht mehr ein jeder seinen Nächsten und ein jeder seinen Bruder lehren und sprechen: Erkennet den Herrn! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der Herr. Denn ich werde ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken.“ – Jeremia 31:31-34

Es ist diese Verheißung, auf die Römer 11:27 sich bezieht – „Dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.“ Und es ist dieser Bund, an den Paulus dachte, als er schrieb: „Die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar“ oder unwandelbar. (Römer 11:29) Der vorherige Bund war, wie Gott selbst erklärt, gebrochen worden. Israel hatte verfehlt, sich für das, was der Bund verhieß, zu bewähren. Gott hat nichts verändert, sondern sie haben versäumt, die Bedingungen zu erfüllen; und dadurch wurde der Bund, allein aus ihnen ein „Königreich von Priestern“ und eine „heilige Nation“ hervorgehen zu lassen, null und nichtig.

Aber Gott hat in seiner Liebe versprochen, einen „neuen Bund“ mit ihnen zu errichten, einen Bund, der Leben verheißt, jedoch nicht Herrschaft und Herrlichkeit. Wie Paulus erklärt, soll dieser Bund mit Israel geschlossen werden, sobald die „Vollzahl aus den Nationen eingegangen“ sein wird. Dann wird der große Mittler des „Neuen Bundes“ mit Israel der göttliche Christus sein, der die geistige Phase des Königreiches darstellt, – „aus Zion wird der Erretter kommen und wird „alle Ungerechtigkeit von Jakob [dessen Name in Israel geändert wurde] abwenden.“

Die Zeit ist herbeigekommen

Unser Interesse an Israel und an allem, was mit diesem Namen zusammenhängt, wird durch die heutigen Weltereignisse erheblich gesteigert. Es sind Ereignisse, die mit immer größerer Klarheit offenbaren, dass wir das Ende des Evangelium-Zeitalters erreicht haben und uns jetzt in seiner Endphase befinden, die zur Aufrichtung des Messianischen Königreichs überleitet. Von besonderer Bedeutung unter diesen Ereignissen ist für uns die Entwicklung in Palästina – allein die Tatsache, dass mehr als zwei Millionen Israeliten dorthin gegangen sind, dass sie ihre eigene Regierung haben, einen freien, unabhängigen Staat, dass Israel eine Nation unter den Nationen der Welt ist.

Die Propheten der Bibel sagen uns ja, dass in Vorbereitung für die Errichtung des „Neuen Bundes“ mit Israel dieses zerstreute Volk zunächst wieder in das verheißene Land zurückgebracht werden sollte und dass Gott dort seine ihnen gegebene Verheißung erfüllen würde, nämlich seine Verheißung, sein Gesetz „in ihr Inneres“ zu schreiben. Diese Absicht Gottes wird klar und wunderbar vom Herrn durch den Propheten Hesekiel bekundet. Wir zitieren:

„Ich habe meinen heiligen Namen verschont, welchen das Haus Israel entweiht hat unter den Nationen [Nichtjuden], wohin sie kamen. – Darum sprich zum Haus Israel: So spricht der Herr, Jehova: Nicht um euretwillen tue ich es, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr entweiht habt unter den Nationen, wohin ihr gekommen seid. Und ich werde meinen großen Namen heiligen, der entweiht ist unter den Nationen, welchen ihr entweiht habt in ihrer Mitte. Und die Nationen werden wissen, dass ich Jehova bin, spricht der Herr, Jehova, wenn ich mich vor ihren Augen an euch heilige. – Und ich werde euch aus den Nationen holen und euch sammeln aus allen Ländern und euch in euer Land bringen. Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von allen euren Unreinigkeiten und von allen euren Götzen werde ich euch reinigen. Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechte bewahrt und tut. Und ihr werdet in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe; und ihr werdet mein Volk, und ich werde euer Gott sein.“ – Hesekiel 36:21 – 28

Die Prophetie Jeremias (Kapitel 30, Verse 3-5) weist darauf hin, dass die Rückkehr der Israeliten in ihr Land der Verheißung nicht ohne Schwierigkeiten erfolgen würde. Wir zitieren: „Siehe, Tage kommen, spricht Jehova, da ich die Gefangenschaft meines Volkes Israel und Juda wenden werde, spricht Jehova; und ich werde sie in das Land zurückbringen, welches ich ihren Vätern gegeben habe, damit sie es besitzen. … Denn so spricht Jehova: Eine Stimme des Schreckens haben wir gehört; da ist Furcht und kein Friede.“ – Es war die Hoffnung der Israeliten, dass die Errichtung des neuen Staates Israel ihnen Frieden bringen würde; aber statt mit Frieden gesegnet zu werden, wurden sie von Furcht geplagt.

In dieser Prophezeiung sagt der Herr deutlich, dass er sie in ihr Land zurückführen werde. In Kapitel 16, Verse 14 – 16, werden wir darüber unterrichtet, dass der Herr „Fischer“ und „Jäger“ unter sein Volk senden würde, um sie zu zwingen, in ihr Land zurückzukehren, das er ihren Vätern gegeben hatte. Eine andere sehr anschauliche Prophetie, die einen ähnlichen Gedanken zum Ausdruck bringt, finden wir in Hesekiel 20:33 – 38. Sie lautet:

„So wahr ich lebe, spricht der Herr, Jehova, wenn ich nicht mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm und mit ausgegossenem Grimm über euch regieren werde! Und ich werde euch herausführen aus den Völkern und euch aus den Ländern sammeln, in welche ihr zerstreut worden seid, mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm und mit ausgegossenem Grimm. Und ich werde euch in die Wüste der Völker bringen und daselbst mit euch rechten von Angesicht zu Angesicht; wie ich mit euren Vätern gerechtet habe in der Wüste des Landes Ägypten, also werde ich mit euch rechten, spricht der Herr, Jehova. Und ich werde euch unter dem Stabe [der Rute] hindurchziehen lassen, und euch in das Band des Bundes bringen. Und ich werde die Empörer und die von mir Abgefallenen von euch ausscheiden; ich werde sie herausführen aus dem Land ihrer Fremdlingschaft, aber in das Land Israel soll keiner von ihnen kommen. Und ihr werdet wissen, dass ich Jehova bin.“

Eine Reihe von interessanten Ankündigungen finden wir in dieser Prophetie. Erst einmal sollen die Israeliten aus den Ländern, in denen sie sich aufgehalten haben, durch des Herrn „Grimm“ herausgerissen werden, was auf leidvolle Umstände hinweist, die ihre Auswanderung in die Wege leiten würden. Die Älteren in unserer Generation haben diese Umstände noch miterlebt.

Als nächstes sollte geschehen, dass sie, statt in einen friedlichen und sicheren Staat einzuziehen, in eine Lage kommen würden, die als „die Wüste der Völker“ beschrieben ist. Das gibt zu verstehen, dass dieser neuzeitliche Exodus und die Rückkehr nach Kanaan (Palästina) zu einer Zeit stattfinden würde, wenn die ganze Welt sich in einem Zustand der Unsicherheit und Angst befände – ebenso, wie die Israeliten es vor langer Zeit erlebten, als sie Ägypten verließen und über das Rote Meer in die Wüste gelangten. Die Welt ist in einem solchen Zustand furchtvollen Erwartens dessen, was auf sie zukommen mag; und Israel befindet sich mittendrin.

Weiterhin sagt der Herr, dass er mit seinem Volk „rechten“ werde, wie er mit ihnen „in der Wüste des Landes Ägypten“ gerechtet hat. Und ferner, dass er sie „unter dem Stabe [der Rute] hindurchziehen lassen“ würde. Wir dürfen dies wohl so verstehen, dass die Schwierigkeiten, durch welche die zurückgekehrten Israeliten hindurchgingen und noch hindurchgehen, vom Herrn als erzieherische Maßnahmen beabsichtigt sind, und zwar zu dem Zweck, sie auf ihren späteren Eintritt in das „Band des Bundes“, den „Neuen Bund“, vorzubereiten.

Und schließlich erklärt der Herr, dass er aus den Israeliten jene „ausscheiden“ würde, die empörerisch sind. Das sind solche, die es ablehnen, in das „Band des Bundes“ zu gelangen, wenn ihnen dafür die Gelegenheit geboten wird. Bezüglich dieser äußerte der Herr: „Ich werde sie herausführen aus dem Land ihrer Fremdlingschaft, aber in das Land Israel soll keiner von ihnen kommen.“

Das hebräische Wort, das hier mit „kommen“ im Sinne von hineinkommen übersetzt ist, hat gemäß Professor Strong die Bedeutung von „gehen“ oder „kommen“ (mit verschiedener Anwendungsmöglichkeit). In 4. Mose 31:23 wird dieses selbe Wort im Sinne von „hindurchgehen“ angewendet. Dabei handelt es sich um gewisse Metalle, die durch Feuer „hindurchgehen“ und dadurch gereinigt, aber nicht vernichtet werden. Dieses ist offenbar der beabsichtigte Gedanke in der hier betrachteten Prophetie.

Die „Empörer“, wie der Herr sie nennt, kehren mit anderen in das Land der Verheißung zurück, doch sie erweisen sich nicht als würdig dort zu bleiben. Sie gehen nicht durch die feurigen Prüfungen hindurch, die Gott zu ihrer Erfahrung zulässt, indem er mit ihnen „rechtet“. Statt durch diese Erfahrungen dem Herrn näherzukommen und in das „Band des Bundes“ zu gelangen, lehnen sie ihn und seine mit Liebe getroffenen Vorkehrungen für Israel und die Welt ab – und werden vernichtet. Petrus sagt es so: „Jede Seele, die irgend auf jenen Propheten nicht hören wird, soll aus dem Volke ausgerottet werden.“ – Apostelgeschichte 3:23

Eine schrittweise Entwicklung

Das 37. Kapitel von Hesekiel enthält eine andere Prophetie, welche uns versichert, dass eine Wiederherstellung des natürlichen Israels erfolgen wird. In der dem Hesekiel gegebenen Vision wird er aufgefordert zu prophezeien, und so sagte er:

„Da entstand ein Geräusch, als ich weissagte, und siehe, ein Getöse: und die Gebeine rückten zusammen, Gebein an Gebein. Und ich sah, und siehe, es kamen Sehnen über sie, und Fleisch wuchs, und Haut zog sich darüber obenher; aber es war kein Odem in ihnen. Und er sprach zu mir: Weissage dem Odem, weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Odem; So spricht der Herr, Jehova: Komm von den vier Winden her, du Odem, und hauche diese Getöteten an, dass sie lebendig werden! Und ich weissagte, wie er mir geboten hatte; und der Odem kam in sie, und sie wurden lebendig und standen auf ihren Füßen, ein überaus großes Heer.“ – Verse 7-10

Während die Verheißungen Gottes hinreichend versichern, dass es eine Auferstehung der Toten geben wird, was sowohl für Israel als auch für die ganze Welt zutreffen soll, gehört diese Prophetie nicht zu jenen Verheißungen. Aber wenn wir den Beginn ihrer Erfüllung sehen, können wir daran erkennen, dass die Auferstehung nahe ist. Paulus schrieb: „Was wird die Annahme anders sein als Leben aus den Toten?“ Das bedeutet, dass die Wiederherstellung Israels, die bereits begann, fortgeführt werden wird, bis auch die Toten wieder zum Leben wiederhergestellt sind und eine Gelegenheit erhalten, an den Segnungen des Königreichs des Messias teilzuhaben. – Römer 11:15

In Hesekiels Darstellung einer allmählichen Wiederherstellung – von dem ersten Zusammenrücken der „Gebeine“ bis „Fleisch“ und „Haut“ sich darüber hinziehen und schließlich der lebengebende „Odem“ hineinkommt – wird uns auch von einem „Geräusch“ berichtet, einem „Getöse“ und dem Heranwehen von „vier Winden“. Das scheint nahezulegen, dass die Wiederherstellung Israels während einer Zeit großer Unruhen auf der Erde geschehen würde, in einer „Zeit der Drangsal“, welche mit den „vier Winden“ ihren Höhepunkt erreicht. Der Odem des Lebens soll von den „vier Winden“ her kommen, das heißt inmitten der Zeit, in der jene Winde wehen.

Gott erklärte dem Hesekiel: „Menschensohn, diese Gebeine sind das ganze Haus Israel. Siehe, sie sprechen: Unsere Gebeine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren; wir sind dahin.“ Die Tatsache, dass die „Gebeine“ so sprechen, beweist, dass es sich hier nicht um das Bild eines buchstäblichen Todeszustandes handelt, sondern um die verdorrten Hoffnungen Israels. Aber der Herr hat verheißen, dass dieser Zustand sich ändern würde. „Siehe, ich werde eure Gräber öffnen und euch aus euren Gräbern heraufkommen lassen, mein Volk, und werde euch in das Land Israel bringen.“ – Verse 11, 12

Die „Gräber“, in denen die Israeliten während der Jahrhunderte ihrer Zerstreuung begraben waren, sind offensichtlich die verschiedenen Länder oder Nationen, in denen sie gewohnt haben. „Wir sind dahin“, so hatten sie es wohl tatsächlich oft geklagt. Manche befanden sich in dem einen „Grab“, manche wieder in einem ganz anderen, aber alle waren sie „tot“, soweit es ihre nationalen Hoffnungen betraf.

Inzwischen aber haben sich die meisten „Gräber“ dieses Volkes geöffnet, und die Israeliten sind aus ihnen herausgeströmt; bereits mehr als sechs Millionen zogen ein in das Land Israel. Und doch haben nur wenige von ihnen die Bedeutung dieses großen Ereignisses nicht erkannt. Sie wissen nicht, dass der Herr es war, der dies für sie veranlasst hatte. Und sie werden es nicht gewahr werden, bis die letzte Phase der Wiederherstellung vollendet ist, das heißt, bis sie den Odem „von den vier Winden her“ erhalten – oder, wie Vers 14 sagt, bis der Herr seinen Geist in sie geben wird, auf dass sie leben.

Das Öffnen ihrer „Gräber“, ihre Heimkehr in das Verheißene Land und dass sie den Geist des Herrn empfangen, das alles ist notwendig, ehe sie bemerken, dass der Herr diese wunderbare Entwicklung für sie überwaltet hat. Aber dann werden sie es erkennen und sich darüber freuen. Danach werden auch die anderen Nationen erkennen, dass der Herr die Geschicke zum Wohl Israels gelenkt hat. Die Israeliten werden dann in ihrem Land in Frieden und Sicherheit leben, und der gegenbildliche David, der ja ihr verheißener Messias ist, wird als König über sie regieren. – Verse 24-28

Angriff aus dem Norden

In den folgenden Kapiteln, Hesekiel 38 bis 39, werden uns einige Einzelheiten über die Drangsal mitgeteilt, durch welche Israel hindurchgehen muss. In Kapitel 38 wird ein Angriff auf Israel beschrieben, der aus dem „Norden“ und unter der Leitung eines sogenannten „Gog“ kommen würde. Dessen Führung schließen sich Verbündete an, zum Beispiel Persien, Äthiopien, Libyen, Gomer und Togarma. Es handelt sich hier um Namen aus früherer Zeit, und es ist wohl nicht möglich, ihre der jetzigen Zeit entsprechenden Gebiete genau zuzuordnen. Aber das ist auch nicht unbedingt erforderlich, um die Bedeutung dieser Prophetie zu verstehen.

Dieser Angriff beschreibt die letzte schreckliche Bedrängnis Israels. Zu jener Zeit wird göttliches Eingreifen den Ausgang bestimmen. Wenn durch Gottes Macht die Befreiung Israels erfolgt, dann wird das klar als sein Dazwischentreten erkannt werden, sowohl von Israel selbst als auch von allen Nationen. Nach der Vernichtung der eindringenden Heere wird die Prophetie des Herrn sich erfüllen: „Ich werde mich groß und heilig erweisen, und werde mich kundtun vor den Augen vieler Nationen. Und sie werden wissen, dass ich Jehova bin.“ – Hesekiel 38:23

Wenn jene Zeit des Angriffs sich nähert, dann wird die letzte Erfahrung Israels unter der „Rute“ des Herrn eingeleitet werden. Die Prophetie lautet: „So spricht der Herr, Jehova: Wirst du es an jenem Tage nicht wissen, wenn mein Volk Israel in Sicherheit [Hebräisch: vertrauensvoll] wohnt?“ Diese Worte sind an Gog gerichtet, womit gesagt ist, dass diese starke Macht aus dem „Norden“ darum wissen wird, in was für einer hilflosen Lage sich Israel dann befindet. Die Prophetie fährt fort:

„Und du wirst von deinem Ort kommen, vom äußersten Norden her, du und viele Völker mit dir, auf Rossen reitend allesamt [eine äußerst mobile Armee], eine große Schar und ein zahlreiches Heer. Und du wirst wider mein Volk Israel heraufziehen wie eine Wolke, um das Land zu bedecken. Am Ende der Tage wird es geschehen, dass ich dich heranbringen werde wider mein Land, auf dass die Nationen mich kennen, wenn ich mich an dir, Gog, vor ihren Augen heilige.“ – Hesekiel 38:14-16

„Wahrlich, an selbigem Tag wird ein großes Beben sein im Land Israel“, sagt der Prophet. (Hesekiel 38:19) Das ist zweifellos das „Getöse“, das beim Zusammenrücken der „Gebeine“ und beim Wachsen des „Fleisches“ entsteht, wie in Hesekiel 37:7, 8 erwähnt. Ja, es wird eine Zeit größter Not für Israel sein, vielleicht schlimmer als irgendeine andere, durch die dieses Volk in Verbindung mit der Wiedererlangung des verheißenen Landes bisher hindurchging. Aber der Herr wird zu Gunsten seines Volkes eingreifen. Er sagt:

„Ich werde nach allen meinen Bergen hin das Schwert über ihn [Gog und seine Armeen] herbeirufen, spricht der Herr, Jehova; das Schwert des einen wird wider den anderen sein.“ (Hesekiel 38:21) Das lässt darauf schließen, dass sich ein Zustand der Verwirrung unter den verschiedenen Verbündeten entwickeln wird, die in dem letzten Angriff gegen Israel gemeinsame Sache machen wollen. Im Blick auf die vielen Debatten der Nationen der Welt mit Vorschlägen und Gegenvorschlägen ist es nicht schwer sich vorzustellen, wie schnell Konflikte in Verbindung mit Angriffsplänen gegen Israel entstehen können. Der Herr fährt fort:

„Ich will Gericht an ihm üben durch die Pest und durch Blut; und einen überschwemmenden Regen und Hagelsteine, Feuer und Schwefel werde ich regnen lassen auf ihn und auf seine Haufen und auf die vielen Völker, die mit ihm sind. Und ich werde mich groß und heilig erweisen, und werde mich kundtun vor den Augen vieler Nationen. Und sie werden wissen, dass ich Jehova bin.“ – Verse 22, 23

Wir können die hier gegebene Darstellung nicht völlig erklären. Sie beschreibt aber göttliches Eingreifen zu Gunsten Israels in einer so kritischen Zeit, dass Israel mit eigener Kraft gegen die Vernichtung und wahrscheinlich sogar die Vertreibung aus ihrem Land nichts würde unternehmen können. Es ist nicht nötig, dass wir genau wissen, wie dieses vor sich gehen wird. Es reicht zu wissen, dass es geschehen wird und dass durch diese gewaltige Zurschaustellung Wunder wirkender Mächte vielen Nationen die Augen geöffnet werden, indem sie die Hand Gottes in den Angelegenheiten seines alten Bundesvolkes erkennen.

Die ersten sechs Verse des nächsten (39.) Kapitels zeigen die verheerenden Ergebnisse des göttlichen Eingreifens gegen die Feinde Israels. Der dann folgende Vers lautet: „Und ich werde meinen heiligen Namen kundtun inmitten meines Volkes Israel, und werde meinen heiligen Namen nicht mehr entweihen lassen. Und die Nationen werden wissen, dass ich Jehova bin, der Heilige in Israel.“

Diese Zeit wird ein überwältigendes Erlebnis für Israel und für die Nationen sein. Bis zu jener Zeit sind die Augen des Volkes Israel blind; sie können die wahre Bedeutung dessen, was dort geschieht, nicht erkennen. Viele von ihnen hatten sich aus einem Nationalgefühl heraus oder um wirtschaftlicher Sicherheit willen dazu entschlossen, sich in Palästina niederzulassen. Manche werden dorthin gegangen sein, weil sie aus ihren „Gräbern“ in anderen Ländern herausgerissen wurden und es einfach keine weitere Möglichkeit einer Immigration gab.

Welches auch immer ihre Motive gewesen sein mögen, in Palästina eine Heimat zu suchen – gemeinsam haben sie die Anfeindungen seitens ihrer Nachbarn erlebt sowie auch die kaum verhehlte Entschlossenheit der Araber, sie zu vernichten und das Land wieder in Besitz zu nehmen, von dem sie überzeugt sind, dass es Israel nicht zusteht. Sie haben miteinander Bombenattentate durch Terroristen erleben müssen und wurden von den Vereinten Nationen, an die sie sich um eine Garantie für ihre Sicherheit wandten, dazu gedrängt, Land für Frieden zu geben.

Während all´ dieser schlimmen Erfahrungen gab es kaum Gelegenheit, mehr als nur eine Handvoll von ihnen zu überzeugen, auf irgendetwas anderes zu vertrauen, als auf ihre eigene Klugheit und militärische Macht. Wenn sie sich dann schließlich einer kurzen Zeit des Friedens und der Ruhe erfreuen dürfen, wahrscheinlich mit dem Gefühl, dass sie nun die Hindernisse auf ihrem Weg zu Sicherheit und Glück überwunden haben, dann werden sie plötzlich die unheilvollste Bedrohung ihrer Existenz als neuer, aufstrebender Nation auf sich zukommen sehen. Furcht und Verzweiflung wird sie überfallen.

Und dann tritt das Wunder ein – das „Gericht“ Gottes zu ihren Gunsten mit symbolischer Pest, großen Hagelsteinen, Feuer und Schwefel (ja, vielleicht nicht einmal nur mit symbolischen Plagen). Wie werden ihnen dann die Augen aufgehen! So wird der Herr seinen heiligen Namen kundtun inmitten seines Volkes Israel.

Die letzten Verse dieses Kapitels (23-29) fassen den ganzen Ablauf der Ereignisse aus den Kapiteln 36 bis 39 noch einmal zusammen. Und im letzten Vers steht die endgültige Zusage an Israel. Der Herr sagt: „Ich werde mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen, weil ich meinen Geist über das Haus Israel ausgegossen habe, spricht der Herr, Jehova.“

Die irdische Phase des Königreichs

Die wunderbare Befreiung Israels wird das Zeichen für den Beginn der Königreichs-Segnungen sein, die ab jenem Zeitpunkt Israel und die ganze Welt erreichen. Von da an wird das Königreich wirksam sein, die völlige Kontrolle über alle Angelegenheiten Israels übernehmen und dann schnell seinen Einfluss und seine Herrschaft über die ganze Erde erstrecken. Dann wird es geschehen, dass die irdischen Repräsentanten des Christus – des geistigen „Zion“ der Prophetien – in Erscheinung treten.

Und wer werden diese sein? Jesus beantwortet die Frage. Er sprach zu den Israeliten von seinem Tag, wie in Matthäus 8:11, 12 und Lukas 13:28, 29 berichtet, dass dann Menschen von Osten und Westen und von Norden und Süden – aus der ganzen Welt – kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob sowie allen Propheten im Reiche Gottes „zu Tische liegen“ würden, die „Söhne des Reiches“ aber „hinausgeworfen“ seien. Das bedeutet, dass die alten Würdigen früherer Zeiten dann von den Toten auferstanden sind.

Während der ganzen langen Epoche, die mit Abel beginnt und mit Johannes dem Täufer endet, hat Gott diese Alttestamentlichen Überwinder für ihr verantwortungsvolles Amt, das sie als die menschlichen Vertreter des Königreichs übernehmen sollen, geprüft und zubereitet. Im 11. Kapitel des Hebräerbriefes wird uns von ihren Drangsalen berichtet und wie sie treu darin ausgeharrt haben, aufrecht gehalten von der Hoffnung, eine „bessere Auferstehung“ zu erlangen.

In Psalm 45:16 werden diese Getreuen der vorchristlichen Zeit als die „Väter“ beschrieben, die dann als „Söhne“ betrachtet und als „Fürsten auf der ganzen Erde“ eingesetzt werden. Sie werden „Söhne“ des göttlichen Christus sein, weil sie durch ihn Leben empfangen. Sie werden nicht als Könige regieren, sondern zu „Fürsten“ ernannt. In Bezug auf die geistigen Israeliten des jetzigen Zeitalters und im Vergleich ihrer Belohnung mit der Belohnung der Alttestamentlichen Überwinder schrieb Paulus, dass Gott „für uns etwas Besseres vorgesehen hat, auf dass sie nicht ohne uns vollkommen gemacht würden.“ – Hebräer 11:40

Das „Bessere“, das die Nachfolger Jesu erhalten sollen, ist ihr geistiges Erbe der Herrlichkeit und Ehre und Unsterblichkeit – das ist die Ehre und Herrlichkeit, mit Christus regieren zu dürfen, und es ist die Unsterblichkeit der göttlichen Natur. (Römer 2:7; 2. Petrus 1:4) Wenn diese sich alle „bis in den Tod“ treu erwiesen haben und in der „ersten Auferstehung“ von den Toten auferweckt wurden und Anteil an der himmlischen oder geistigen Phase des Königreiches bekamen, dann wird die Auferstehung der Alttestamentlichen Überwinder erfolgen, damit diese das Königreich auf der Erde repräsentieren.

Es scheint vernünftig anzunehmen, dass dieses überaus große Wunder um die Zeit herum geschehen wird, wenn der Herr eingreift, um sein Volk Israel vor der Vernichtung durch seine Feinde zu bewahren – oder sehr kurze Zeit danach. Da bei der Vernichtung der feindlichen Mächte durch das Eingreifen Gottes den Israeliten die Augen aufgehen werden, so dass sie den Herrn erkennen, werden sie dann auch bereit sein, sich von dem neuen Königreich leiten zu lassen. Dazu benötigen sie Anweisungen und geeignete Führer. Und für die Übernahme dieser Aufgaben werden die Alttestamentlichen Überwinder zur Verfügung stehen.

„Zion“ und „Jerusalem“

Jerusalem war die Hauptstadt des alten Israel; doch wie wir festgestellt haben, befand sich der Regierungssitz auf dem Berg Zion in Jerusalem. Wie nun der Herr „Zion“ gebraucht, um die geistige Phase des Königreichs zu symbolisieren, so gebraucht er „Jerusalem“, um die irdische Phase des Reiches darzustellen, die sich unter der Kontrolle der Alttestamentlichen Überwinder befinden wird. Deshalb lesen wir: „Von Zion wird das Gesetz ausgehen, und das Wort des Herrn von Jerusalem.“ (Micha 4:2) Ja, das „Wort des Herrn“ – die Auslegungen und Anweisungen zur richtigen Anwendung des Gesetzes des Königreichs, das von „Zion“ her kommt – wird von den Alttestamentlichen Überwindern ausgehen.

Das ist es, was Jesus meinte, als er davon sprach, dass die Menschen aus allen Teilen der Erde mit Abraham, Isaak, Jakob und allen Propheten im Reiche Gottes „zu Tische liegen“ werden. Die Verwendung dieses Ausdrucks – „zu Tische liegen“ mit den Alttestamentlichen Überwindern – wird durch Jesu weitere Erklärung verständlich, dass die „Söhne des Reiches“ „hinausgeworfen“ werden. Die ursprüngliche Verheißung an Israel war, wie wir sahen, dass sie ein „Königreich von Priestern“ werden sollten, um die Menschheit zu leiten und zu segnen. Sie verfehlten es, die Bedingungen dafür zu erfüllen. Und wenn sie auch nicht die Gelegenheit verloren haben, Leben unter den Gesetzen des Königreichs zu empfangen, so wird das begehrte Amt, Wortführer unter den Nationen zu sein, doch in die Hände der Alttestamentlichen Überwinder gelegt werden.

Die „Errichtung“ des Neuen Bundes

Die Erfahrungen Israels während der gegenwärtigen Übergangsperiode, die in das Königreich hineinleitet, bereiten sie für die Segnungen des verheißenen Neuen Bundes vor. Der Herr wollte, dass sie in ihrem eigenen Land sind, wenn die Zeit kommt, jenen Bund mit ihnen zu schließen. Denn nach der göttlichen Vorkehrung sollen sie die Ersten sein, denen die Segnungen des Reiches angeboten werden. Wir dürfen deshalb annehmen, dass die Errichtung dieses Bundes sehr bald nach dem großen Wunder ihrer Befreiung von allen ihren Feinden beginnen wird.

Doch lasst uns im Gedächtnis behalten, von welcher Art dieser Bund sein wird. Der Herr sagte, dass dieser Bund „nicht wie der Bund“ sein würde, den er mit ihnen aufrichtete, als sie Ägypten verlassen hatten. Gottes Gesetze ändern sich nicht. Die Gesetze des Neuen Bundes werden keine anderen sein. Der Unterschied besteht in der Art, wie er geschlossen wird.

Die Gesetze des früheren Bundes waren auf Steintafeln geschrieben, und das Volk stimmte zu, diese Gesetze zu halten, während Gott verhieß, sie im Falle ihres Gehorsams zu segnen. Das Aufschreiben des Gesetzes und die Zustimmung des Volkes es zu halten, waren die Bestätigung für den Bund. Die Errichtung des Neuen Bundes wird jedoch nicht in dieser Weise erfolgen, denn die Verheißung lautet, dass sein Gesetz auf die Herzen der Menschen geschrieben und in „ihr Inneres“ gelegt werden wird. – Jeremia 31:31-34; Hesekiel 36:24-28

Dies kann und wird nicht innerhalb weniger Stunden oder einiger Tage durchgeführt werden. Es erfordert viel Zeit, viele Anweisungen, viel Disziplin und viel Aufmerksamkeit. Das Schreiben des Gesetzes Gottes in die Herzen der Menschen – aller Menschen, auch derer, die verstorben sind und dann von den Toten auferstehen – wird tatsächlich das Werk der ganzen tausend Jahre der Herrschaft Christi sein. Dies ist ein Werk der „Wiederherstellung“; denn wenn Gottes Gesetze in die Herzen der Menschen geschrieben werden sollen, bedeutet dies, dass sie Vollkommenheit erreicht haben müssen, jene Vollkommenheit, deren Adam sich erfreute, bevor er Gottes Gebot übertrat.

Die Tatsache, dass den Israeliten in Palästina plötzlich und als Ergebnis eines Wunders die Augen des Verständnisses aufgehen werden, um den Herrn zu erkennen, bedeutet nicht, dass das Gesetz des Neuen Bundes ebenso plötzlich in ihre Herzen und ihr „Inneres“ eingeprägt wird. Die Prophetie besagt, dass die heidnischen Nationen, sogar jene, die zuvor gegen Israel in den Kampf gezogen waren, durch dasselbe Wunder die Augen geöffnet bekommen. Aber bei ihnen wird es ebenfalls nur der erste Schritt in die richtige Richtung sein, und es wird dauern, bis sie mit dem Königreich in völlige Übereinstimmung gelangt sind und die Gesetze des Reiches in ihren Herzen festgeschrieben haben.

Die Juden zuerst

Mit Bezug auf die Strafen, die Gott den Menschen zumisst, und die Segnungen, die er austeilt, schrieb der Apostel Paulus: „Drangsal und Angst über jede Seele eines Menschen, der das Böse vollbringt, sowohl des Juden zuerst als auch des Griechen; Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden jedem, der das Gute wirkt, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen; denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott.“ – Römer 2:9-11

Genau so wird es sein, wenn die Segnungen des Königreiches hervor zu strömen beginnen – sie werden die „Juden zuerst“ erreichen. Aber dieselben Segnungen gehen dann schnell auch zu den Nationen der Welt über, denn, wie Paulus schrieb, „ist kein Ansehen der Person bei Gott.“ Wenn die Israeliten in Harmonie mit den gerechten Gesetzen des Königreichs kommen und jene Gesetze wie in früherer Zeit ihr Leben bestimmen, dann werden sie Gelegenheit haben, mit den Alttestamentlichen Überwindern in dem großen Werk der „Wiederherstellung“ zusammenzuarbeiten. Und dasselbe gilt für die Nationen.

Diese Zusicherung wird uns von Jesus in seinem Gleichnis von den Schafen und Böcken gegeben. (Matthäus 25:31-46) In diesem Gleichnis wird beschrieben, wie „alle Nationen“ sich vor dem „Sohn des Menschen“ befinden, der dann „auf dem Thron seiner Herrlichkeit“ sitzt. Die Menschen aus allen Nationen werden dann voneinander geschieden, „gleichwie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.“ Zu den „Schafen“ an seiner rechten Seite wird der „König“ sagen: „Kommt her, Gesegnete meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an.“

Hier handelt es sich um das „Reich“ oder die Herrschaft, die unseren ersten Eltern gegeben worden war – eine Herrschaft über die Erde. Jehova ist der mächtige Beherrscher des gesamten Universums; und er hatte den Menschen als seinen Vertreter damit betraut, die Herrschaft über die Erde auszuüben. Auf diese Weise regierte der Mensch in seiner ursprünglichen Vollkommenheit wie Gott oder stellvertretend für Gott. Die Herrschaft über dieses irdische Reich soll den Willigen und Gehorsamen aus allen Völkern schließlich wieder völlig überantwortet werden, so dass sie alle „mit Gott regieren“. Da dieses die Bedeutung des Wortes „Israel“ ist, legt das den Schluss nahe, dass alle, die ewiges Leben auf der Erde erhalten werden, dann Israeliten sind.

Aber auf welcher Grundlage werden sie zu dieser vom Herrn vorgesehenen Ehrenstellung kommen? Vor allem natürlich dadurch, dass sie Jesus Christus als ihren Erlöser und Lebengeber annehmen, und dann durch Gehorsam gegenüber den Gesetzen des Königreichs. Das muss jedoch mehr sein als ein äußerlich zur Schau getragener Gehorsam. Das Gesetz muss in ihre „Herzen“ und in ihr „Inneres“ aufgenommen sein.

Alle Gebote Gottes sind ein Widerschein seines herrlichen Charakters der Liebe, der Selbstlosigkeit, der Anteilnahme an anderen. Und so werden jene aus allen Nationen, die als die Schafe dieses Gleichnisses die einladenden Worte hören: „Kommt … ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an“, sich für diese Segnungen dadurch qualifizieren, indem sie sich bedürftiger Mitmenschen annehmen. Mit anderen Worten: Sie denken nicht nur an sich selbst, sondern auch an andere. Sie nehmen teil an dem Werk des Reiches. Und wie das Gleichnis zeigt, ist dies ein Vorrecht, dessen sich alle Nationen erfreuen werden.

Wiederherstellung

In Apostelgeschichte 15:14-18 wird uns eine Zusammenfassung des Planes Gottes zur Versöhnung der Menschheit mit ihm selbst gegeben. Vers 14 lautet: „Simon hat erzählt, wie Gott zuerst die Nationen heimgesucht hat, um aus ihnen ein Volk zu nehmen für seinen Namen.“ Das geschah, wie wir sahen, um die zuvor festgelegte Anzahl derer zu ergänzen, die mit dem Christus in der geistigen Phase des Königreichs leben und herrschen sollen. Diese werden zusammen mit dem Überrest des natürlichen Israel, die Christus angenommen hatten, zu geistlichen Israeliten werden – „Erben Gottes und Miterben Christi.“

Die Verse 15 und 16 sagen: „Hiermit stimmen die Worte der Propheten überein, wie geschrieben steht: „Nach diesem will ich zurückkehren und wieder aufbauen die Hütte Davids, die verfallen ist, und ihre Trümmer will ich wieder bauen und sie wieder aufrichten.“ Eine ursprüngliche und vorbildliche Hütte Davids wurde unter sonst nicht üblichen Umständen errichtet. Während der letzten Zeit der Richter fiel die Bundeslade – die sich vorher in der von Mose gebauten Stiftshütte befunden hatte – in die Hände der Philister. Das wurde so aufgefasst, dass die „Herrlichkeit des Herrn“ von Israel gewichen war, da die Bundeslade für die Israeliten das Symbol der Gegenwart Gottes bei ihnen und seiner Gunst ihnen gegenüber war.

Den Philistern brachte die bei ihnen befindliche Bundeslade Unglück, weshalb sie sie den Israeliten wieder zurückgaben. Wenig Aufmerksamkeit wurde ihr während der Regierung Sauls, des ersten Königs in Israel, zugewendet. Aber als David König wurde, da baute er eine Hütte für die Bundeslade, die er zu seinem Regierungssitz zurückholte, um sie in dieser Hütte unterzubringen. Ganz Israel freute sich darüber sehr, denn das bedeutete für sie, dass Gott sich nun wirklich unter ihnen befinden würde.

Davids Thron war nicht in dieser Hütte aufgerichtet, wenngleich eine Prophetie sich offensichtlich auch auf diesen Thron Davids bezieht, auf dem im Gegenbild der Christus sitzt. Sie lautet: „Und ein Thron wird durch Güte aufgerichtet werden; und auf ihm wird im Zelte Davids einer sitzen in Wahrheit, der da richtet und nach Recht trachtet und der Gerechtigkeit kundig ist.“ (Jesaja 16:5) Dies scheint ein prophetischer Hinweis auf die „Hütte Davids“ zu sein, die wieder „aufgebaut“ werden soll. (Apostelgeschichte 15:16), um die Gunst Gottes zu symbolisieren, die durch das Messianische Königreich zu dem natürlichen Israel zurückkehrt.

Die Bibel legt deutlich dar, dass Christus in seiner Königreichs-Herrlichkeit auf dem gegenbildlichen Thron Davids sitzt. Der Engel sprach zu Maria bezüglich Jesus: „Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.“ (Lukas 1:32) Und in Jesaja 9:7 lesen wir in Bezug auf Jesus, dass er herrschen wird „auf dem Thron Davids und über sein Königreich, um es zu befestigen und zu stützen durch Gericht und durch Gerechtigkeit, von nun an bis in Ewigkeit.“

In Hesekiel 21:31, 32 wird auf Jesus als denjenigen hingewiesen, dem „das Recht gehört“, die göttliche Herrschaft wiederherzustellen, die in der davidischen Königslinie repräsentiert war. „Kopfbund“ und „Krone“ sollten hinweggenommen werden und nicht mehr sein. Dies geschah, als Zedekia, der letzte jüdische König, gestürzt wurde. Der Herr sprach: „Dies wird nicht mehr sein – bis der kommt, welchem das Recht gehört: dem werde ich´s geben.“

Am Ende des Evangelium-Zeitalters, wenn die nötige Anzahl aus den Heiden erwählt ist, damit Gottes „heilige Nation“, sein göttliches Herrscherhaus von Söhnen, vollzählig wird, wird dieser große Eine, dem „das Recht gehört“, auf dem „Thron“ Davids bestätigt. Seine Miterben, sowohl aus den Juden, als auch aus den Heiden, werden dann bei ihm sein. Und die Aufrichtung dieser göttlichen Autorität in den Händen der gegenbildlichen David-Klasse gipfelt darin, dass die Gunst Gottes dem „Überrest“ Israels wieder zugewendet wird.

Das scheint der symbolisch beschriebene Wiederaufbau der „Hütte Davids“ zu sein, „damit die übrigen der Menschen“ – oder „die“ Menschen, wie der griechische Text lautet –„den Herrn suchen“. Dies ist ein Zitat aus Amos 9:11, 12. Der ausführliche prophetische Text lautet: „Damit sie [Israel] den Überrest Edoms … in Besitz nehmen.“ Dieser „Überrest Edoms“ ist der Überrest, von dem Jakobus (in Apostelgeschichte 15) sprach. Wer sind diese?

Die Edomiter sind die Nachkommen Esaus, der sein Erstgeburtsrecht verkaufte. In Römer 9:8 erklärt Paulus, dass Israel aus zwei Klassen bestehen würde. Da gibt es „die Kinder des Fleisches“, von denen er sagt, dass sie nicht „Kinder Gottes“ seien – es sind nicht jene, die Glauben übten und denen die Machtstellung gegeben wird, „Söhne Gottes“ zu werden. Dann gibt es „die Kinder der Verheißung“, welche, wie Paulus erklärt, „als Same gerechnet“ werden. Das bedeutet, dass diese der verheißene Same Abrahams sind, durch den alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollen.

Dann bringt Paulus diese zwei Klassen in Verbindung mit Gottes Vorherwissen und seiner Überwaltung aller Angelegenheiten Israels, was, wie er sagt, durch Gottes Handeln mit Jakob und Esau vorgeschattet wurde, indem er zu der Mutter der Zwillinge sagte: „Der Größere wird dem Kleineren dienen“, wie geschrieben steht: „Den Jakob habe ich geliebt, aber den Esau habe ich gehasst.“ (Verse 12, 13) In dem Vergleich, den Paulus zog, wird der „Überrest“ Israels, der Christus nicht akzeptierte, durch Esau dargestellt – durch die Edomiter in der Prophetie des Amos.

Wenn wir nun zu der Darlegung des Jakobus zurückkehren, scheint es klar zu sein, dass der „Überrest“, den er erwähnt und dem am Ende des Zeitalters eine Gelegenheit gegeben werden soll, den Herrn zu suchen, alle solche Israeliten darstellt, die Christus bei seinem ersten Advent und danach nicht angenommen haben. Nachdem diesen zuerst die Möglichkeit angeboten worden war, den Herrn zu suchen, erhalten „alle Nationen“ eine ähnliche Gelegenheit, wie Jakobus bestätigt.

Und Jakobus fügt noch hinzu – „alle Nationen, über welche mein Name angerufen ist.“ So wie bei dem ersten Advent das Zeugnis besonders der jüdischen Nation gegeben wurde, ergeht es nun während dieses Zeitalters an die gesamte Heidenwelt. Aber das war nicht ihre letzte und einzige Gelegenheit, Glauben zu üben und Gottes verheißene Segnungen zu empfangen. Wie es bei den Juden war, so geschieht es auch bei den Heiden: Während der Herrschaft Christi wird ihnen eine weitere Gelegenheit angeboten werden.

Und wenn sie dann den Herrn suchen, dann werden sie ihn auch finden. Jesaja 60:1-3 sagt: „Stehe auf, leuchte! Denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit Jehovas ist über dir aufgegangen. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften; aber über dir strahlt Jehova auf, und seine Herrlichkeit erscheint über dir, und die Nationen wandeln zu deinem Licht hin, und Könige zu dem Glanz deines Aufgangs.“

Simeon sprach über Jesus, er sei „ein Licht zur Offenbarung der Nationen und zur Herrlichkeit deines Volkes Israel.“ (Lukas 2:32) Ja, Jesus, der das „Licht“ ist, „welches jeden in die Welt kommenden Menschen erleuchtet“, wird während seiner Herrschaft die Dunkelheit vertreiben, die beide, sowohl Juden als Heiden, verblendet hat. Dann wird es geschehen, dass die Erkenntnis des Herrn die Erde bedeckt wie die Wasser den Meeresgrund.

Simeons Bemerkung ist teilweise ein Zitat aus Jesaja 42:6, 7. Der 7. Vers dieser Prophetie besagt, dass das „Licht der Nationen“ nicht nur erscheint, „um blinde Augen aufzutun“, sondern auch, “um Gefangene aus dem Kerker herauszuführen.“ Das ist eine Bezugnahme auf die im Tod Gefangenen. Die Erleuchtung und Wiederherstellung Israels und der Nationen würde den göttlichen Zweck bei weitem nicht erfüllen, wenn jene ausgeschlossen wären, die im Todesschlaf ruhen. Selbst jene, die Jesus zurückwiesen und verfolgten, werden von den Toten auferstehen, und sie werden über ihn ausrufen: „Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ – Matthäus 23:39

Die Wiederzuwendung der Gunst Gottes bedeutet, dass schließlich der Tod überhaupt nicht mehr eintreten wird. „Der Tod wird nicht mehr sein“, wenn „die Hütte Gottes bei den Menschen“ ist – das heißt, wenn Gottes Gunst sich während der Regierungszeit Christi auf Juden und Heiden ausdehnen wird. Wir lesen: „… noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ – Offenbarung 21:4

Das Ende

Dadurch, dass die überwiegende Zahl derer, welche die Segnungen des Königreichs zuerst empfangen, aus dem natürlichen Samen Abrahams in Palästina besteht, werden die Menschen anderer Nationen erkennen, dass Gott sein altes Volk segnet. Und sie werden auch bemerken, dass der Herr die Israeliten deshalb segnet, weil sie sich der Amtsgewalt des Reiches Christi untergeordnet haben, die dann in den Händen der auferstandenen Alttestamentlichen Überwinder liegt. Und wenn sie das sehen, dann werden sie wünschen, denselben Weg einzuschlagen. Der Herr hat dieses vorausgesagt mit den Worten:

„Noch wird es geschehen, dass Völker und Bewohner vieler Städte kommen werden; und die Bewohner der einen werden zur anderen gehen und sagen: ´Lasst uns doch hingehen, um Jehova anzuflehen und Jehova der Heerscharen zu suchen!´ ´Auch ich will gehen!´ Und viele Völker und mächtige Nationen werden kommen, um Jehova der Heerscharen in Jerusalem zu suchen und Jehova anzuflehen. So spricht Jehova der Heerscharen: In jenen Tagen, da werden zehn Männer aus allerlei Sprachen der Nationen ergreifen, ja ergreifen werden sie den Rockzipfel eines jüdischen Mannes und sagen: Wir wollen mit dir gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist.“ – Sacharja 8:20 – 23

Das bedeutet nicht, dass die Menschen aus allen Nationen buchstäblich nach Jerusalem reisen werden, um dort den Herrn anzubeten. Der Gedanke ist eher, dass sie bereitwillig und von Herzen gern die Autorität des Reiches des Herrn anerkennen, die von dort her durch die Alttestamentlichen Überwinder ausgeübt wird. Ja, sie werden sich ihr unterordnen, glücklich, an den reichen Segnungen der Wiederherstellung teilhaben zu können, die sie bereits über Israel ausgeschüttet sehen.

Nach und nach wird die Möglichkeit, diese Segnungen zu empfangen, auf der ganzen Erde gegeben sein. In Sacharja 14:14-21 haben wir eine Zusammenfassung dessen, was sich mit der Aufrichtung des Messianischen Königreichs ergeben wird. Zuerst werden wir erinnert an jene, die gemäß Hesekiel, Kapitel 38, gegen Israel in feindlicher Absicht heraufgezogen waren. Auch sie werden nun „hinaufziehen“, um den Herrn anzubeten. Tatsächlich wir dies die einzige Möglichkeit sein, die Segnungen des Königreichs zu empfangen, wie wir lesen: „Es wird geschehen, wenn eines von den Geschlechtern der Erde nicht nach Jerusalem hinaufziehen wird, um den König, Jehova der Heerscharen, anzubeten: über dasselbe wird kein Regen kommen.“

„An jenem Tag“, so fährt Sacharja fort, „wird auf den Schellen [Zügeln, Decken] der Rosse stehen: HEILIG DEM JEHOVA.“ Was für ein wunderbares Endergebnis des Planes Gottes für alle Nationen! „Und es wird an jenem Tag kein Kanaaniter [noch Asiate, noch Europäer, noch Afrikaner, noch Amerikaner] sein“, denn dann sind sie alle Israeliten. – Sacharja 14:20, 21

Wenn das Gesetz Gottes in das „Innere“ der Menschen geschrieben ist, dann werden sie die Herrschaft über die für sie wiederhergestellte Erde haben. Gemeinsam werden sie die Verantwortung für das Königreich übernehmen und Gottes Mitregenten über dieses irdische Herrschaftsgebiet sein, das sich inmitten des großen Universums befindet, dessen höchster und ewiger Herrscher Jehova der Heerscharen ist.

Das ist die endgültige Bestimmung für Israel und alle Nationen – für jene, die jetzt leben, und für jene, die über die vielen Jahrhunderte in den Tod gegangen sind. Aber das Erlangen dieser ihnen von Gott verheißenen Bestimmung wird von ihrem Glauben an das Versöhnungswerk Christi und ihrem Gehorsam gegenüber den Gesetzen seines Reiches abhängig gemacht. Gott sei Dank, dass alle eine Gelegenheit bekommen werden, Glauben und Gehorsam zu beweisen.

Wie wunderbar werden hierdurch die Probleme der ganzen Welt gelöst!

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