Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Gott und Vernunft

Der Ausweg

Wenn es je in der Weltgeschichte eine Zeit gab, die ruhiges und vorurteilsfreies Denken von den Menschen verlangte,—dann ist es die unsrige. Jedoch auch die reiflichste Überlegung kann einem keine Hoffnung bringen, wenn nicht eine verlässliche Grundlage für klares Denken vorhanden ist.

Die Welt scheint heute auf dem brausenden Meer menschlicher Leidenschaften hoffnungslos dahinzutreiben. Jesus hat das Herannahen dieser Zeit, in der die Menschen „vor Furcht und Erwartung der kommenden Dinge verschmachten werden,“ schon damals verkündet.

Gibt es einen Ausweg?

Das ist eine Frage, die die Lippen und Herzen aller denkenden Menschen der ganzen Welt bewegt. Gibt es irgend etwas, worauf wir unsere Hoffnungen auf bessere Zeiten noch bauen können?

Die Bibel — eine sichere Grundlage

In dieser Stunde der Weltbedrängnis empfehlen viele Geistliche die Religion als den einzigen Trost für die Leiden der Menschen. Wenn es nun wahr ist, dass die Religion uns den Weg aus dem wogenden Meer der Ungewissheit hin zum Hafen der Ruhe und Sicherheit zeigen kann, an welche der Religionen sollten wir uns dann wenden?

Wir sind der Meinung, dass der Mensch den einzigen Ausweg aus den gegenwärtigen Zuständen der Verwirrung und Bedrängnis nur durch die Wahrheit der Bibel finden kann. Von diesem Standpunkt aus lasst uns auch unseren Gegenstand betrachten. Doch müssen wir zuvor darauf hinweisen, streng zu unterscheiden zwischen den reinen Lehren der Bibel und den verwirrenden Lehren traditioneller Theologie, die leider nur allzuoft im Namen der christlichen Religion auftreten.

Wir brauchen uns nicht einzubilden, in unserer Suche nach einer vernünftigen Grundlage für Glauben und Hoffnung Fortschritte zu machen, wenn wir nicht den Aberglauben von vornherein als solchen erkennen und ausschalten und dann die reinen Grundsätze unverdorbener biblischer Wahrheit auf die gegenwärtigen Probleme anwenden. Wenn es wahr ist, was alle Christen zu glauben vorgeben—dass die Bibel einzige Grundlage der Wahrheit und Logik ist —, dann lasst uns herausfinden, was sie wirklich lehrt!

Wenn wir bei diesem Suchen nach Wahrheit den Anschein erwecken, als wollten wir Stellung gegen einige oder viele langgehegte Glaubensanschauungen nehmen, ja, als wollten wir versuchen, diese dem Leser zu entreissen, so möge man dies nicht so verstehen, als sollte dabei der Glaube an die ewigen Wahrheiten, wie sie die Bibel wirklich lehrt, vernichtet werden,

Je mehr nun leere Vermutungen durch verlässliche und vernünftige Wahrheiten ersetzt werden, desto mehr gewinnt unser Glaube auch an tröstlicher Überzeugung, ohne in oberflächliche Leichtgläubigkeit zu entarten, und die Bibel erscheint uns in vielem verständlicher. Und wie notwendig es heutzutage ist, unseren Glauben auf der unerschütterlichen Grundlage der Vernunft und Wahrheit aufzubauen, das beweist die grosse Zahl verwirrender und widersinniger Behauptungen.

Die Anhänger der Entwicklungslehre behaupten, dass wir seit den ersten Anfängen unserer Zivilisation ständig Fortschritte gemacht haben. Heutzutage weisen viele prahlerisch auf die wunderbaren Errungenschaften dieses „Zeitalters der Intelligenz“ hin; jedoch sieht auch unsere hochzivilisierte Welt bereits die unleugbare Tatsache vor sich, dass ihre vielgepriesene Zivilisation nunmehr vor dem Abgrund völliger Vernichtung steht. Trotz all unserer Gelehrsamkeit sind wir nicht fähig, das Banner vermeintlicher Kultur, die wir erreicht zu haben glauben, aufrechtzuerhalten.

Wir dürfen nicht länger die Erkenntnis dieser erschreckenden Tatsache der Öffentlichkeit vorenthalten. Ernste Staatsmänner weisen offen darauf hin, dass es notwendig ist, drastische Schritte zu unternehmen, um die Zivilisation zu retten. Hervorragende religiöse Führer aller Glaubensrichtungen erheben warnend ihre Stimme. Die ganze Welt wird in die grösste, tödlichste und verheerendste Umwälzung der menschlichen Geschichte gestürzt. wenn die Menschen sich noch weiterhin weigern, zu Gott umzukehren!

Nehmen wir einmal an, es sei zu bezweifeln, dass eine bloss menschliche Diplomatie fähig sein werde, die gefürchtete Umwälzung zu verhindern! Um so einleuchtender und zwingender erscheint dann doch die Notwendigkeit, eine andere Lösung zu finden, wenn man nicht alle Hoffnungen für die nahe oder ferne Zukunft aufgeben will.

Bedeutet nun die Verschiedenheit der Glaubensmeinungen jener, die sich zu Christo bekennen, gleichzeitig schon die Aussichtslosigkeit einer Antwort von seiten der Bibel auf all’ die verwirrenden Fragen, die sich unserem Geiste aufdrängen?

Oh, nein!

Oder sollten wir zu dem Schluss kommen, dass jenes grosse intelligente Wesen, das ungezählte Billionen von Himmelskörpern erschuf in Seinem Vorhaben, diesen kleinen Planeten mit empfindungsfähigen Geschöpfen zu bevölkern, einen so merkwürdigen Fehlschlag getan haben sollte?

Unsere Vernunft sagt uns, dass dem nicht so SEIN KANN.

Dein Reich komme!

Als JESUS noch auf dieser Erde wandelte, gab Er Seinen Jüngern einen weisen Rat, wie sie in dieser Welt zu einem besseren Dasein kommen könnten. Er sagte: „Betet nun: Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden.“ Christen haben dieses Gebet während vieler Jahrhunderte immer wieder gebetet und auf seine Erfüllung gewartet.

Wird es jemals erhört werden?

Das Messianische Gebet ist sehr klar in seiner Ausdrucksweise; wird aber ein solches Königreich wohl jemals zu dieser sündigen Erde kommen? Wird der Herr jemals dieses Gebet beantworten und eine neue Weltordnung auf diesem Planeten einführen, die auf absolute Gerechtigkeit und Liebe gegründet sein wird? Und, gesetzt den Fall, es sei so, gibt es da irgendeinen Beweis, dass dieses gesegnete Königreich nahe ist?

Welcher Art werden die Gesetze sein, mit denen die Welt in Übereinstimmung kommen muss, wenn das Gebet „Dein Königreich komme“ erfüllt werden soll? Das sind nur einige der vielen, vielen wichtigen Fragen, die vernunftgemäss beantwortet werden müssen, wenn wir zu einem befriedigenden Schluss in der Behandlung dieses Gegenstandes kommen wollen. Und der ist doch so lebenswichtig für alle die, welche eine wahrhaftige Lösung der Frage gegenwärtiger Weltbedrängnis suchen, nämlich die göttliche Lösung.

Schöpfer und Geschöpf

Wir nehmen an, dass die Mehrzahl unserer Leser bereits an ein höheres intelligentes Wesen glauben oder zumindest sich diesen Glauben aneignen möchte, falls ein guter Grund dafür vorhanden ist. Lasst uns an dieser Stelle eine interessante Feststellung machen. Hervorragende Gelehrte kommen nämlich immer mehr zu der Überzeugung, dass es irgendwie ein solch höheres göttliches Wesen doch wohl geben müsse. Einige von ihnen haben dieser Überzeugung anderen Mitgelehrten gegenüber öffentlich Ausdruck gegeben.

Wir erinnern uns da an einen Vortrag von Dr. Michael I. Pupin, dem Vorsitzenden der amerikanischen Vereinigung zur Förderung der Wissenschaften, worin er u.a. sagt:

„Wo immer auch die Wissenschaft das Weltall erforscht hat, da hat man die Offenbarung eines harmonisch wirkenden Gesetzes erkennen müssen, und dieses harmonisch zusammenwirkende Gesetz nenne ich göttliche Intelligenz. Wir können uns nicht der Folgerung entziehen, dass über allem ein bestimmtes leitendes Gesetz bestehe, das an Stelle von Chaos und Verwirrung Ordnung und Klarheit setzt.

†Die Wissenschaft nennt es Entelechie

„Wir sind vor die folgende Wahl gestellt: Entweder glauben wir, dass das Weltall mitsamt seinen herrlichen Gesetzen und der Ordnung, die wir wahrnehmen, einfach das Resultat eines Zufalles sei, oder wir glauben, dass diese das Ergebnis eines bewussten intelligenten Schöpferwillens sind. Ich persönlich ziehe vor, an das harmonisch zusammenwirkende Gesetz der göttlichen Intelligenz zu glauben. Warum? Weil es einfacher ist. Es ist verständlicher. Es stimmt mit meiner ganzen Erfahrung überein.

„Die Behauptung dass intelligente Geschöpfe wie wir selbst, oder die ewige Gesetzmässigkeit kosmischer Vorgänge, wie z.B. die Bewegung der Sterne, die Folge sinnloser Zufälle seien, will mir nicht recht verständlich erscheinen. Und warum sollte ich einer solchen Theorie zustimmen, wenn ich jeden Tag den Beweis für das Vorhandensein eines leitenden intelligenten Wesens oder einer Person oder einer intelligenten Macht erkennen muss?

„Wenn man die Sterne beobachtet, wie jeder sich in seiner eigenen Bahn bewegt, oder ein Samenkorn, das nach einem bestimmten Plan zu einem Baum aufwächst, oder ein Kind, das sich zu einer völlig erwachsenen, sich selbst bestimmenden Individualität entwickelt, kann man dann noch glauben, dass all diese ihr Dasein einem Zufall verdanken? Doch wohl kaum.

„Warum sollte ich leugnen, dass eine leitende Intelligenz über allen weltlichen Wundern steht? Für mich als Gelehrten bedarf das keiner weiteren Bestätigung mehr. Vor mehr als 3000 Jahren schon war es den Propheten deutlich offenbar. Und die rohesten Barbaren, wie die weisesten Propheten, haben seit jeher darin übereingestimmt, dass ein nicht wegzuleugnendes intelligentes Wesen über allem stehe. Nichts, was die Wissenschaft je gefunden hat, steht im Widerspruch hierzu …….In der Tat, je tiefer die Wissenschaft in die Gesetze des Universums eindringt, desto mehr werden wir zu einem Glauben an, eine intelligente Gottheit geleitet.“

Professor Dr. Max Planck, einer unserer grössten Gelehrten sagte in seinem Vortrag über Religion und Naturwissenschaft:

†Geheimrat Professor Dr. Max Planck: „RELIGION UND NATURWISSENSCHAFT.“ Vortrag gehalten im Baltikum 1937. Erschienen bei Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1938.

„Nachdem wir nun die Forderungen kennengelernt haben, welche einerseits die Religion, andererseits die Naturwissenschaft an unsere Einstellung zu den höchsten Fragen weltanschaulicher Betrachtung stellt, wollen wir jetzt prüfen, ob und wie weit diese beiden Arten von Forderungen miteinander in Einklang zu bringen sind. Zunächst ist selbstverständlich, dass diese Prüfung sich nur auf solche Gebiete beziehen kann, in denen Religion und Naturwissenschaft zusammenstossen, denn es gibt weite Bereiche, in denen sie gar nichts miteinander zu tun haben. So sind alle Fragen der Ethik der Naturwissenschaft fremd, ebenso wie andererseits die Grösse der universellen Naturkonstanten für die Religion ohne jede Bedeutung ist.

„Dagegen begegnen sich Religion und Naturwissenschaft in der Frage nach der Existenz und nach dem Wesen einer höchsten über die Welt regierenden Macht, und hier werden die Antworten, die sie beide darauf geben, wenigstens bis zu einem gewissen Grad miteinander vergleichbar. Sie sind, wie wir gesehen haben, keineswegs im Widerspruch miteinander, sondern sie lauten übereinstimmend dahin, dass erstens eine von den Menschen unabhängige, vernünftige Weltordnung existiere, und dass zweitens das Wesen dieser Weltordnung niemals direkt erkennbar ist, sondern nur indirekt erfasst, beziehungsweise nur geahnt werden kann. Die Religion benützt hierfür ihre eigentümlichen Symbole, die exakte Naturwissenschaft ihre auf Sinnesempfindungen begründeten Messungen. Nichts hindert uns also, und unser nach einer einheitlichen Weltanschauung verlangender Erkenntnistrieb fordert es, die beiden überall wirksamen und doch geheimnisvollen Mächte das Gesetz in der Natur und den Gott der Religion, miteinander zu identifizieren. Darnach ist die Gottheit, die der religiöse Mensch mit seinen anschaulichen Symbolen sich nahe zu bringen sucht, wesensgleich mit der naturgesetzlichen Macht, von der dem forschenden Menschen die Sinnesempfindungen bis zu einem gewissen Grade Kunde geben. Wenn also beide, Religion und Naturwissenschaft, zu ihrer Betätigung des Glaubens an Gott bedürfen, so steht Gott für die eine am Anfang, für die andere am Ende alles Denkens. Der einen bedeutet er das Fundament, der andern die Krone des Aufbaues jeglicher weltanschaulichen Betrachtung. Die Naturwissenschaft braucht der Mensch zum Erkennen, die Religion aber braucht er zum Handeln.

„Wohin und wieweit wir also blicken mögen, zwischen Religion und Naturwissenschaft finden wir nirgends einen Widerspruch, wohl aber gerade in den entscheidenden Punkten volle Übereinstimmung.

„Es ist der stetig fortgesetzte, nie erlahmende Kampf gegen Skeptizismus und gegen Dogmatismus, gegen Unglauben und gegen Aberglauben, den Religion und Naturwissenschaft gemeinsam führen, und das richtungweisende Losungswort in diesem Kampf lautet von jeher und in alle Zukunft: Hin zu Gott!“

Die Hauptfrage ist es nun für uns, wie und bis zu welchem Grade der intelligente Schöpfer Seine Vorsätze dem Menschen geoffenbart habe, insbesondere Seine Pläne hinsichtlich der Menschen selbst. Die Bibel behauptet, eine solche Offenbarung zu sein. Lasst uns einmal unser Thema von diesem Standpunkt aus betrachten!

Heutzutage ist eine ständig wachsende Neigung vorhanden, die göttliche Eingebung der Bibel zu bezweifeln. Aber die christliche Religion ist so unzertrennlich mit der Bibel verbunden mit dem Alten und Neuen Testament—dass wir, wenn wir sie verwerfen oder den Standpunkt einnehmen, dass sie nicht zuverlässig sei, mit gutem Recht auch die christliche Religion verwerfen können. Wir wissen aber, dass es Beweise innerhalb wie auch ausserhalb der Bibel dafür gibt, dass sie Gottes Wort ist.

Skeptiker haben zugegeben, dass der Einfluss der Bibel, wo immer er auch spürbar wurde, zumindest durch seine moralische Kraft die Welt besser gemacht habe. Aus diesem Grunde wird die Bibel auch die „Fackel der Zivilisation“ genannt. Wenn sowohl die herrschende Klasse einerseits, wie auch die Massen der verschiedenen Nationen andererseits, die Gebote der Bibel treu befolgt hätten, dann gäbe es heutzutage keine Weltkrisis.

Ein Buch, das eine solch klare Wendung zum Guten herbeiführen kann, und dass den Lauf der Welt in vieler Hinsicht Jahrhunderte hindurch zum Guten beeinflusst hat, ist gewiss mehr wert als nur eine Unterhaltungslektüre, die man liest, um sie beiseite zu legen.

Außerdem ist nie und nirgends eine mehr zufriedenstellende Antwort auf die Frage nach Herkunft und Aufgabe des Menschengeschlechtes gegeben worden, als gerade in der Bibel, trotz aller Behauptungen der Bekenner der Entwicklungslehre.

Der Schöpfungsbericht im 1. Buch Mose

Die Schöpfung des Menschen und der Sündenfall sind von den Anhängern der Evolutionstheorie vielleicht am meisten kritisiert worden. In den letzten Jahren jedoch zeigen viele Gelehrte Neigung, ihren Standpunkt hinsichtlich dieser Fragen zu revidieren. Im Jahre 1932 sagte der französische Professor Rene Thevenin in einer Reihe von in Amerika herausgegebenen Abhandlungen über das Alter der Menschheit folgendes:

„Noch ehe Wissenschaftler ihr Suchen in Höhlen und auf Meeresböden beenden, wird es sich dereinst erweisen, dass in der Sage vom Fall des Menschen ein ansehnlicher Teil Wahrheit verborgen ist.“

Die Lehre der Bibel vom Sündenfall ist gemäss unserem Glauben mehr als eine blosse Legende. Sie beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ursprünglich als ein vollkommenes Wesen erschaffen war und ein vollkommenes Heim in Eden—im Gebiet des Euphrats—besass. Lasst uns unsere Untersuchung von diesem Standpunkt aus einmal beginnen.

Der Bibel gemäss ging das menschliche Geschlecht von Adam und Eva aus. Ist es nun vernünftig anzunehmen, dass dies wahr sei? Gewiss, denn die gegenwärtige Bevölkerung der Erde weist ja darauf hin. Alle Welt weiss, dass die Menschheit sich während der ganzen Periode zuverlässiger Geschichte beständig vermehrt hat.

Sicherlich bedarf es keiner aussergewöhnlichen Intelligenz oder keines grossen Glaubens, um zu begreifen, dass wir, wenn wir mit der gegenwärtigen Quote der Bevölkerungszunahme anfangen, und in umgekehrter Weise durch die Jahrhunderte zurückrechnen, schliesslich zu dem Punkt kommen, wo nur noch ein einziges Paar übrig bleibt. Das würde in die Zeit fallen, in der der Morgen menschlicher Geschichte anbrach und in der—der Bibel gemäss—der Mensch erschaffen wurde.

Vorstehendes und die Veröffentlichung kürzlich gemachter archäologischer Entdeckungen, die beweisen, dass der Mensch am Anfang aller Geschichte eine höhere Zivilisation hatte als in späteren Zeiten, scheinen die Paradieserzählung im 1. Buch Mose zu begründen und noch zu erhärten.

Es ist uns nicht möglich, diese Ansichten hier ausführlich zu behandeln, aber wir empfehlen unseren Lesern und besonders denen, die Zweifel hegen, die Sache vom wissenschaftlichen Standpunkt aus einmal ruhig zu betrachten und nicht nur zu versuchen, die noch unbegründeten Mutmassungen der Entwicklungslehre schon als Beweise anzuführen.

Ist es denn so schwer zu glauben, dass dieselbe grosse Macht und Intelligenz, die das gewaltige Universum geschaffen hat, auch das erste menschliche Paar durch einen besonderen Akt der Schöpfung erschaffen haben könne? Angenommen, der Mensch und alle anderen Lebewesen seien nicht Erzeugnisse schöpferischer Kraft, wie sie von jenem erhabenen intelligenten Wesen ausstrahlt, dann mögen doch die Wissenschaftler das Wunder des Lebens auf eine andere Art erklären! Vernünftig beurteilt, ist es besser, den Schöpfungsbericht der Bibel anzunehmen und von dieser Grundlage aus zu versuchen, des Schöpfers Plan für die Menschheit zu erforschen, als nur aus Bruchstücken „exakter wissenschaftlicher Forschung“ Thesen zu formen, deren Glaubwürdigkeit höchst zweifelhaft erscheint.

Der Roman der ersten Menschen

Die einfache Bibelgeschichte von der Schöpfung erzählt uns, dass der Mann zuerst erschaffen wurde, dass aber noch keine Gefährtin für ihn da war. Darnach wurde Eva erschaffen. Ist diese Methode undenkbar? Hat der beste Romanschreiber der Welt je eine poetischere Geschichte erdacht, als die, welche uns über die Erschaffung der Mutter Eva überliefert ist?

Wenn Gott die Macht hatte, Adam zu erschaffen (und wo ist der Mensch hergekommen, wenn Gott ihn nicht erschuf?) dann war es doch auch sicherlich ein leichtes für diesen Schöpfer, eine Rippe Adams zu nehmen und aus ihr ein Weib zu erschaffen, wenn Er es auf diese Weise tun wollte.

Gott hatte auch ein Heim im Garten Eden für Sein vollkommenes menschliches Geschöpf bereitet. Sicherlich ist die Annahme, dass Gott nach der Erschaffung des Menschen auch ein passendes Heim für ihn bereiten würde, nicht unvernünftig! Warum sollte man eine solche Geschichte gering schätzen, wenn sie nur das berichtet, was in dem betreffenden Fall ganz logisch sein würde, wie jeder zugeben muss?

Das erste Buch Mose offenbart uns, dass Gott menschliche Wesen erschuf, die hier auf dieser Erde leben sollten; nicht im Himmel und auch nicht in der Hölle oder im Fegefeuer. Ihnen ward der Auftrag, dem Gesetz des Schöpfers zu gehorchen, sich zu vermehren und die Erde zu füllen! Nichts war Adam und Eva von einer Bestimmung für den Himmel gesagt worden.

Um ein klares Bild von diesen Tatsachen zu erhalten, lasst uns einmal annehmen, der göttliche Vorsatz hinsichtlich der Bevölkerung und Unterwerfung der Erde durch den Menschen sei dem Willen Gottes gemäss ausgeführt worden. Wohin würde das geführt haben? Einfach dahin, dass die menschliche Familie—die sich in Übereinstimmung mit dem göttlichen Gebot allmählich vermehrte—gar bald erkannt hätte, dass das ursprünglich bereitete Garten-Heim zu klein sei und dass die Notwendigkeit der Ausbreitung des Geschlechts eine Erweiterung der Grenzen erforderlich scheinen lasse.

Wenn man von allen geheimnisvollen Auslegungen absieht, dann ist es doch leicht einzusehen, dass diese Ausbreitung so lange hätte Platz greifen können, bis die ganze Erde mit vollkommenen Geschöpfen bewohnt gewesen wäre und unter der Überwaltung des Menschen ein einziger grosser Garten voller Fruchtbarkeit und Schönheit hätte werden können.

Göttliches Gebot war es, die Erde zu füllen, nicht sie zu überfüllen. Göttliche Weisheit und Macht werden sicherlich auch fähig sein, der weiteren Fortpflanzung der Menschheit Einhalt zu gebieten, wenn ihrer eine genügende Anzahl geboren sein werden, um die Erde hinreichend zu bevölkern.

Könnte man sagen, dass ein solches Programm vernunftwidrig und unrichtig sei? Ist es nicht vielmehr vernünftig und gerade das, was wir von einem weisen und liebevollen Schöpfer erwarten? Aber um die Erhabenheit all dieser Dinge erkennen zu können, ist es notwendig, dass wir uns von allen schrecklichen Eindrücken der uns umgebenden Not und Trübsal freimachen. Die Selbstsucht des gefallenen Menschen ist verantwortlich für alles Leiden, das heute in der Welt ist. Der Mensch würde von solchen Leiden nichts gewusst haben, wenn er in Harmonie mit seinem Schöpfer geblieben wäre.

Und der Tod, er würde der Menschheit unbekannt geblieben sein. Die moderne Wissenschaft gibt die Möglichkeit zu, dass unter entsprechenden Voraussetzungen lebendige Zellen sich für eine unbeschränkte Zeit hin fortpflanzen können. Der Tod kam als ein Ergebnis der Sünde, und mit dem Tod kamen Leiden, Krankheit und Schmerz. Stellen wir uns im Geist einmal eine Menschheit vor, die von Krankheit, Selbstsucht und Tod frei wäre. Würde das nicht allen Menschen zusagen? Aber, so wird man einwenden, warum sich mit Dingen befassen, die, wenn sie je eine Möglichkeit gewesen wären, nun doch für immer verloren sind?

Ist aber eine solche Möglichkeit für immer verloren? Die Heilige Schrift sagt: Nein! Das göttliche Programm der Erlösung und Wiederherstellung durch Christus garantiert dafür, dass das, was hätte sein können, noch wahr werden wird. Dieser Leitgedanke zieht sich durch die ganze Heilige Schrift und ihm wollen wir zu folgen versuchen.

Der Bogen der Verheißung

Es leuchtet wohl jedem ein, dass wir, wenn wir zu einer klaren Gotterkenntnis kommen wollen, notwendigerweise auch zuerst den Nebel alles Aberglaubens zerstreuen müssen, welcher meistens die Ursache dafür ist, dass so viele ihren Glauben an Gott verloren haben und an das Buch, dass als Sein Wort der Wahrheit gilt. Zwar ist das nicht leicht, aber wir hoffen, dass dieses Büchlein dem Leser in dieser Hinsicht helfen werde.

Nicht jeder ist sich freilich darüber im klaren, ob er die Bibel als glaubwürdiges Zeugnis über Herkunft und Bestimmung des Menschen anerkennen dürfe oder nicht. Aber er sollte wenigsten Interesse für die Folgerichtigkeit dieser kurzgefassten Abhandlung zeigen, eine Folgerichtigkeit, die erst recht offenbar wird, wenn wir die einfache, aufrichtige Geschichte gründlich erforschen, besonders nachdem sich der Nebel aller theologischen Überlieferung einmal gelichtet hat. Welches ist nun die Geschichte des Menschen, wie sie die Bibel berichtet, nachdem wir sie von aller Zutat des Aberglaubens und bloss menschlicher Mutmassung befreit haben?

Es wird da gesagt, dass Gott, nachdem Er den Menschen erschaffen hatte, unsere ersten Eltern warnte, sie würden gewisslich sterben, wenn sie Seinem Gebot gegenüber ungehorsam seien. „Welches Tages du davon issest, wirst du gewisslich sterben.“ Das scheint einfach und klar genug zu sein! Ist es aber auch wahr geworden?

Wir antworten: Ja.—Billionen von Grabsteinen und eine sterbende Welt um uns herum bestätigen die schreckliche Wahrheit dieses vor Jahrtausenden unseren Stammeltern gegebenen deutlichen Gesetzes. In dieser Hinsicht ist denn das 1. Buch Mose unbestreitbar in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Die Tatsache, dass Adam nicht an dem nämlichen Tag, an dem er das göttliche Gesetz übertrat, ins Grab ging, ist kein Beweis dafür, dass die Todesdrohung nicht buchstäblich aufzufassen war. Eine genaue Übersetzung des hebräischen Textes, der von dieser Strafe spricht, lautet: „Sterbend wirst du sterben,“ das heisst, dass der Sterbeprozess vom Augenblick der Verurteilung an beginnen und fortfahren würde, bis der letzte Lebensfunke ausgelöscht sein würde. Und gerade das ist es, was stattgefunden hat und noch immer stattfindet.

Jedoch ereignete sich im Garten Eden auch noch etwas anderes. Von einer anderen Seite—nicht von Gott—kam eine verführende Einflüsterung, welche zu Mutter Eva sprach: „Mitnichten werdet ihr sterben!“ Diese Einflüsterung, die den Herrn als Lügner hinstellte, kam dem Bericht gemäss von der „Schlange.“

Viertausend Jahre später bezeichnet der Apostel Johannes „die alte Schlange“ als „den Teufel und Satan“ und deutet an, dass dieser der grosse Verführer aller Nationen gewesen ist. (siehe Offb. 20:1-3) So haben wir zwei sich widersprechende Aussagen; die eine wird dem Herrn zugeschrieben, in der Er erklärt, dass der „Mensch gewisslich sterben würde,“ die andere stammt von einem, den die Heilige Schrift als einen Verführer bezeichnet, und in der dieser darauf besteht, dass der Mensch „mitnichten sterben wird.“ Wir haben gefunden, dass die erste dieser zwei Aussagen von den Tatsachen bestätigt worden ist.

Der Tod ist in der Tat eine Realität; denn die Bibel sagt: „Die Toten wissen gar nichts“ und: „Es gibt weder Tun noch Überlegung, noch Kenntnis noch Weisheit im Scheol, wohin du gehst.“—Pred. 9:5, 10.

Der große Betrug

Wie steht es nun mit dem Ausspruch der Schlange: „Mitnichten werdet ihr sterben“? Was hat diese Einflüsterung im Laufe der Zeitalter bewirkt? Jesus betonte ausdrücklich, dass diese „alte Schlange“ mit dem „Vater der Lüge“ identisch ist. Deshalb—wenn der Bericht im 1. Buch Mose wahr ist, und wenn Jesus wusste, wovon Er sprach—sollten wir doch auch erwarten, dasselbe betrügerische Bestreben Satans auch weiterhin in seiner Darstellung von der Bedeutung des Todes zu finden. Ferner sollte die Andeutung des Offenbarers, die „alte Schlange“ habe alle Nationen verführt, uns doch auch erwarten lassen, dass die Täuschung in ihrer Auswirkung weltumspannend sein müsste.

Haben wir einen solchen Beweis?

Oh ja! Obgleich der Teufel die Versicherung gab, dass das Essen der verbotenen Frucht nicht den Tod bringen würde, so sind doch Adam und Eva und alle ihre Nachkommen gestorben, bzw. im Zustand des Sterbens. Aus diesem Grunde war es notwendig, dass Satan einen weiteren Schritt tat. Es ist selbstverständlich, dass er nicht frei und offen Abbitte dafür leistete, Gott fälschlich der Lüge beschuldigt zu haben. Deshalb tat er den nächsten bösen Schritt und versuchte die Menschen glauben zu machen, dass das, was als Tod erscheint, in Wirklichkeit kein Tod sei, sondern der Eingang in eine andere Form des Lebens, entweder ein höheres oder niedrigeres. Und wegen der angeborenen Furcht vor dem Tod, die im menschlichen Herzen verborgen ist, haben fast alle Menschen es vorgezogen, die Lüge: „Es gibt keinen Tod“ zu glauben. Und so ist es diesem grossen Intriganten denn auch wirklich gelungen, fast alle Menschen glauben zu machen, dass der Tod ein Freund sei, anstatt eines Feindes, wie ihn als solchen die Bibel bezeichnet.—1. Kor. 15:26

Es gibt jedoch eine wundervolle Hoffnung für ein zukünftiges Leben; nicht aus dem Grund, weil der Mensch unsterblich sein soll, sondern gerade, weil er stirbt, aber vom Tode auferweckt werden soll. Aber wie können wir vor unserem Schöpfer bestehen, wenn wir doch Seine Gesetze übertreten haben? Welches ist die Grundlage für die Hoffnung, dass alle eine Gelegenheit haben werden, in die Gunst Gottes zurückzukehren und aufs neue das Vorrecht zu geniessen, im Zustand vollkommener Glückseligkeit zu leben? Wird Gott das über uns gefällte Urteil zur Verdammung annullieren, lediglich auf unser Versprechen hin, uns in Zukunft bessern zu wollen?

Die Bibel weist in unzweideutiger Weise auf des Schöpfers Plan hin, wonach die verlorene Menschheit eine Gelegenheit haben soll, wieder in Harmonie mit Ihm zu kommen. Jedoch, um die wirkliche Sachlage richtig zu erkennen, müssen wir Vorsicht gebrauchen. Es ist wohl nicht zu leugnen, dass wir niemals eine zufriedenstellende Antwort auf unsere Fragen erhalten werden, wenn wir uns auf herkömmliche theologische Lehre einlassen in der Erwartung, darin eine vernünftige Grundlage für Glauben und Hoffnung zu finden. Daher lasst uns unsere Suche auf die Bibel selbst beschränken. Bisher haben wir gefunden, dass sie mit wohlbekannten und auch bestätigten Tatsachen harmoniert, desgleichen mit der Vernunft. Das gibt uns Vertrauen! Ist es dann nicht ebenso vernünftig, anzunehmen, dass sie auch eine befriedigende Antwort auf die Frage nach der göttlichen Bestimmung des Menschen enthalte?

In 1. Mose 3:15 finden wir eine Andeutung, dass der Schöpfer gleich von Anfang an Besseres mit der Menschheit vorhatte, als sie zum Tod zu verurteilen. Die dort gegebene Verheissung sagt, dass der „Same des Weibes“ schliesslich der Schlange den Kopf zertreten würde. Dies ist freilich eine etwas dunkle und unbestimmte Aussage; aber im Licht nachfolgender göttlicher Offenbarungen gesehen, erscheint sie voll wunderbarer Bedeutung.

Lenken wir z.B. unsere Aufmerksamkeit auf eines der letzten Kapitel in der Bibel, Offb. 20. Dort finden wir die Erklärung des Apostels Johannes, dass er in einem Gesicht einen mächtigen Engel vom Himmel habe herniederkommen sehen, welcher „Satan, die alte Schlange“ ergriff und sie tausend Jahre band, „auf dass er nicht mehr die Nationen verführe.“ Dieses prophetische Bild schildert die Erfüllung jener geheimnisvollen Verheissung in 1. Mose 3:15, dass der „Same des Weibes der Schlange den Kopf zertreten“ würde.

Mit anderen Worten: Der Schöpfer gibt uns durch die hohe symbolische Sprache des Offenbarers eine Zusicherung, dass die Übertretung unserer ersten Eltern nicht zu dauerndem Verderben für die Menschheit führen werde, sondern dass Er zu Seiner vorgesehenen Zeit und auf Seine eigene Weise eine sichere Heilung bewirken und die „Schlange“ vernichten werde.

Hiermit haben wir sozusagen die beiden äussersten Endpunkte dieses von Gott gegebenen Bogens der Verheissung festgestellt; die im l. Buch Mose gegebene Verheissung, dass der Kopf der „Schlange“ zermalmt werden solle, und das dem Offenbarer gegebene Gesicht, dass diese „Schlange“ gebunden und schliesslich wieder vernichtet werden solle. Lasst uns jedoch nicht bei diesem Punkt verweilen, sondern weiterhin die Heilige Schrift durchforschen in der Hoffnung, noch mehr Einzelheiten zu finden besonders über die Frage, in welcher Weise Satans tödliches Werk zunichte gemacht und die Menschheit mit samt dem verlorenen Paradies wiederhergestellt werden soll.

Gottes Verheissung an Abraham

Indem wir Eden verlassen, lasst uns die Ereignisse einer späterer Zeit betrachten, ungefähr zweitausend Jahre später. Von dieser Zeit an ist es nicht mehr notwendig, so viele Dinge einfach nur zu „glauben.“ Archäologen haben kürzlich Ur, den Geburtsort Abrahams, ausgegraben. Desgleichen verschiedene Ruinen des damaligen Kanaan, die fast jede Einzelheit der biblischen Geschichte jenes Zeitraumes bestätigen. Angesichts dieser Entdeckungen geben sogar Skeptiker zu, dass die Bibel keineswegs eine Sammlung „alter Märchen“ sei, wie so viele einst angenommen hatten.

Gott hat nun dem Abraham ein bemerkenswertes Versprechen gegeben, das bis heute noch nicht eingelöst worden ist. Er sagte: „In dir und deinem Samen sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“ (1. Mose 12:1-3) Späterhin, als Abrahams Sohn Isaak das Mannesalter erreicht hatte, wiederholte Gott dieses Versprechen mehrfach und bestätigte es auch mit einem Eid. Aber Abraham starb, ohne die Erfüllung gesehen zu haben. Das Versprechen ging von Abraham auf Isaak über und von Isaak auf dessen Sohn Jakob. Jakobs ältester Bruder, Esau, vertauschte sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht.

Schliesslich starb auch Jakob, ohne dass Gottes Verheissung, alle Nationen zu segnen, durch ihn erfüllt worden war. Deshalb übergab er dieses Zepter seinem Sohne Juda, als er auf seinem Sterbebett lag. Es fehlt uns hier der Raum für eine Untersuchung der vielen verwandten Verheissungen im Alten Testament, die mehr Licht auf diesen ursprünglich mit Abraham gemachten Bund werfen würden. Es möge hier genügen, dass die Juden in diesen Verheissungen einen Hinweis auf eine grosse Persönlichkeit sahen, nämlich den Löwen aus dem Stamm Juda, unter welchem sie den kommenden Messias verstanden.

Der starke Einfluss der alten Verheissungen ist einer jener Umstände, die dazu beigetragen haben, das bedrängte und verfolgte Volk Israel von der übrigen Welt während der letzten viertausend Jahre bis auf den heutigen Tag abgesondert zu halten. Die Juden sind ein hervorragendes, lebendiges Zeugnis der Tatsache, dass Gott in der Vergangenheit sich mit ihnen befasste und dass die hoffnungsreichen Verheissungen, welche Gott ihnen seinem auserwählten Volk gab, auch noch erfüllt werden.

Der verheissene Messias

Zur Zeit der ersten Menschwerdung Jesu waren viele Juden in Erwartung des langverheissenen Messias. Die Bibel sagt, dass eines Nachts, während Schafhirten ihre Herden auf den Bergen Judäas weideten, plötzlich ein übernatürliches Licht erschien und ungewöhnliche Stimmen erschallten.

Unglaublich phantastisch, sagt man.

Lasst uns immer daran denken, dass die Bibel den Anspruch erhebt, eine Enthüllung der Absichten des Schöpfers gegenüber Seinen Menschenkindern zu sein. Der Bibel gemäss ist derselbe Mächtige, welcher die Welten des Universums erschuf, auch sehr wohl fähig, verschiedene Arten geistiger Wesen in einer höheren Sphäre des Daseins hervorzubringen. Wenn nun der von der Bibel erhobene Anspruch gerechtfertigt ist,—dann ist auch weiterhin leicht erkennbar, dass dieses höchste Wesen mit Leichtigkeit die Dienste der höheren himmlischen Geschöpfe benutzen konnte, um anlässlich eines so bedeutsamen Ereignisses (wie der Geburt des Heilands) Seinen Namen kund zu tun.

Und so geschah es denn auch! Gott verkündete den Hirten durch einen dieser mächtigen Engel: „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch eine grosse Freude, die für das ganze Volk sein wird; denn euch ist heute, in Davids Stadt, ein Erretter geboren, welcher ist CHRISTUS, der HERR.“—Luk. 2:10-11

Das griechische Word „Christus“ entspricht dem hebräischen Wort „Messias.“ Demzufolge zeigte diese Verkündigung des Engels eindeutig an, dass der Messias der Welt, den Gott so lange zuvor verheissen hatte, nun auch wirklich geboren sei, und dass Er wahrhaftig der Erretter der Welt sein würde. Aus diesem Grund war es zweifellos eine Freudenbotschaft für das ganze Volk, wenn alle Geschlechter der Erde als Folge dieser Geburt gesegnet werden sollten.

Aber in welcher Weise wird Jesus, der Messias, der Erretter der Welt sein? Und worin wird die Segnung bestehen, die Er allen zukommen lassen wird?

Wir haben gefunden, dass die Menschheit durch Adams Übertretung das Recht auf ewiges Leben auf Erden verloren hat. Wenn nun das Wort „Tod“ wirklich „Tod“, nämlich Aufhören des Lebens, bedeutet—und das ist doch augenscheinlich die wahre Bedeutung des Wortes—dann scheint weiter keine andere Möglichkeit der Errettung für die Menschheit zu bestehen, als die Befreiung von der Todesstrafe und die Wiederherstellung zum Leben.

„Friede auf Erden!“ — Wann?

Aber wie kommt es, dass, obgleich zweitausend Jahre vergangen sind, seitdem dieser Erretter, dieser Messias in die Welt kam, das Sterben doch noch in der Welt wie ehedem weitergeht? In welchem Sinn ist Er denn der Erretter der Welt? Wenn es nicht wahr ist, dass die Menschheit von der ewigen Qual erlöst wird, dann bleibt doch nur die eine Frage: Wovon wird der Messias sie dann erretten, und auf welche Weise? Und wird die Menschheit nach ihrer Errettung beträchtlich besser dran sein? Jeder erinnert sich gern der schönen Musik und der erhebenden Predigten, die zur Weihnachtszeit in allen Kirchen der gesamten Christenheit ertönen. Die Losung „Friede auf Erden und an den Menschen ein Wohlgefallen“ wird jedes Jahr allenthalben gehört. Aber ist diese Verkündigung nicht bloss ein leeres Wort gewesen? Welche Bedeutung soll wohl diese Verkündigung für einen sterbenden Soldaten haben?

In Kriegszeiten sehen wir, wie angebliche Nachfolger Jesu auf der einen Seite die angeblichen Nachfolger Jesu auf der anderen Seite erschlagen und dieses ihre „christliche Pflicht“ nennen. Wenn sie nun darin getreu sein wollen, werden sie dann auch ihre erschlagenen ausländischen Brüder in der himmlischen Seligkeit freudig begrüssen können? Wird die Prophezeiung „Friede auf Erden“ in dieser Weise erfüllt werden?

Was sollte das alles bedeuten? Wie konnte es geschehen, dass Er, der gekommen war, um König der Erde zu sein, so behandelt und gekreuzigt wurde? Die unerwarteten und enttäuschenden Ereignisse stimmen nicht mit der Auffassung überein, die die Jünger von einem Messias hatten, dass Er ein Königreich aufrichten und darüber König und Befreier des Volkes sein würde. Wie bitter muss ihre Enttäuschung gewesen sein, als ihre Hoffnungen und Erwartungen auf diese Weise zunichte gemacht wurden!

Es war drei Tage nach der Kreuzigung. Zwei der niedergeschlagenen Jünger des Meisters waren auf dem Weg nach Emmaus, als sich ihnen plötzlich ein „Fremder“ anschloss. Da er ihren Kummer bemerkte, erkundigte er sich nach der Ursache desselben. Dann berichteten die Jünger die Ereignisse der letzten Tage und bemerkten, wie sehr ihre Erwartungen hinsichtlich des Wundermannes von Nazareth fehlgeschlagen waren.

Warum Jesus starb

Dann nahm dieser „Fremde“—es war in Wirklichkeit der auferstandene Christus—die Gelegenheit wahr, den Grund Seines Sterbens zu erklären. Er zeigte den Jüngern, dass der himmlische Vater den Tod des Messias längst gewusst und schon vorausgesagt hatte und dass der Tod desselben eine notwendige Voraussetzung für die verheissenen Segnungen in dem herrlichen Königreich des Messias sei.

Als späterhin diese zwei Jünger den anderen von ihren Erlebnissen berichteten, sagten sie: „Brannte nicht unser Herz in uns, als Er auf dem Wege zu uns redete, als Er uns die Schriften öffnete?“ Die Jünger hatten wahrhaftig guten Grund, enthusiastisch zu sein. Nun konnten sie erkennen, dass des Meisters Tod kein tragischer Fehler war, wie sie angenommen hatten, und dass es keines weiteren Beweises bedurfte, dass Er der Messias sei. Nun wurde ihnen auch die absolute Notwendigkeit des Todes Jesu klar, der erfolgt war, um die göttlich verheissenen Segnungen des Lebens für alle Menschen möglich zu machen. Einer der Jünger erklärte später, dass Jesus in Seiner vormenschlichen Existenz als der „Logos“ (übersetzt mit „Wort“ in Joh. 1:1) bekannt gewesen sei. Dieser Logos, dieses Wort Gottes, wurde Fleisch, so dass Er als entsprechender Preis oder vorgesehenes Lösegeld für Adam und die in ihm verurteilte Menschheit sterben konnte.—1. Tim. 2:3-6; Röm. 5:10

Indem die Übersetzer die genaue Bedeutung des griechischen Textes im 1. Kapitel Johannes verkannten oder absichtlich verbargen, erweckten sie den Eindruck, dass der Logos oder das „Wort“ der göttliche Schöpfer selbst sei. Aber eine exakte Übersetzung dieser Stelle offenbart die Tatsache, dass der „Logos“ nur „ein“ Gott (oder Mächtiger) war, während von dem Schöpfer gesprochen wird als „Der“ Gott—der Allerhöchste, der Allmächtige.

Der Apostel sagt uns, dass der Logos der Stellvertreter Jehovas in der ganzen Schöpfung war. „Alles ward durch dasselbe [das Wort], und ohne dasselbe ward auch nicht eines, das geworden ist.“ (Joh. 1:3) Aus diesem Grund braucht der Bericht im 1. Buch Mose unzweifelhaft das Fürwort der Mehrzahl „uns“: „Lasst uns Menschen machen in unserem Bild, nach unserem Gleichnis“—1. Mose 1:26

Die Heilige Schrift spricht von der Einheit des Vaters und des Sohnes, und es versteht sich, dass dies eine Einheit der Absicht und des Willens ist, nicht aber des Wesens. Jesus betete für dieselbe Einheit zwischen Ihm und Seinen Nachfolgern, Siehe Joh. 17

Dass Jesus sich nicht als e i n Wesen mit dem Schöpfer hielt und nicht Sein eigener Vater war, wird klar gezeigt in Seinen Worten in Joh. 14:28: „Mein Vater ist grösser als ich.“

Die Jünger wussten, dass der Lohn der Sünde der Tod ist—nicht Leben in ewiger Qual—deshalb fanden sie es auch leicht zu begreifen, wie der Tod Jesu, welcher dieserhalb „Fleisch ward,“ die Strafe bezahlen und einen Weg öffnen konnte, auf welchem die Welt sch1iesslich in Einklang mit Gott und folglich auch zum Leben zurückkehren konnte.

Jedoch erschien den Jüngern die ganze Sache vor Pfingsten noch ziemlich geheimnisvoll. Obgleich sie wussten, dass Jesus, der Messias, von den Toten auferweckt worden war, sahen sie Ihn doch selten, und schliesslich verliess Er sie ganz. Wie merkwürdig! Als sie Ihn zum letzten Male sahen, befahl Er ihnen, in Jerusalem zu warten, bis sie durch den Heiligen Geist weitere Anweisungen erhalten würden. Sicherlich erschien all dieses den Jüngern als ein sonderbares Verhalten von seiten dessen, an den sie noch immer als den verheissenen Messias glaubten.

Nicht nur jene ersten Jünger waren durch diese weiteren unerwarteten Begebenheiten eine zeitlang verwirrt worden, sondern auch viele andere haben seit jener Zeit die wahre Bedeutung all der Ereignisse missverstanden und infolgedessen falsche Theorien entwickelt. Da Jesus anscheinend nicht kam, um ein buchstäbliches Königreich auf dieser Erde aufzurichten, musste ein anderer Grund für Sein Kommen gefunden werden. Deshalb erschien es vielen auch logisch, daraus zu folgern, dass Sein Kommen, Sein Tod und Seine Auferstehung nur deshalb erfolgt seien, um das Volk von den Qualen der Hölle zu erretten und es beim Tode in den Himmel gelangen zu lassen. Aber der Messias wird zu Gottes eigener Zeit ein irdisches Königreich aufrichten und alle Familien der Erde segnen, wie wir noch sehen werden.

Da denkende Menschen sich mehr und mehr von dem Gott der ewigen Qual des finsteren Mittelalters abwenden, so möchten sie vielleicht auch wissen, warum beinahe zweitausend Jahre vergangen sind, seit Jesus Seine Jünger verliess, und warum die Welt heutzutage noch mehr unter der Herrschaft der Selbstsucht steht und weniger Glauben an den Messias hat als je zuvor. Denkende Menschen erheben die Frage: Wenn Jesus wirklich die Welt bekehren und vom Höllenfeuer erretten will, warum ist denn da so wenig Fortschritt in dieser Hinsicht zu bemerken? Ferner, wenn es wirklich das Ziel des Messias ist, ein irdisches Königreich aufzurichten und in diesem das Volk mit Leben und Wohlergehen zu segnen, Warum ist es denn bisher noch nicht geschehen?

Ist das Christentum ein Fehlschlag?

Die richtige Antwort auf die Frage, ob das Christentum ein Erfolg oder ein Fehlschlag sei, hängt von einem klaren Verständnis des Wesens und Zweckes des wahrhaftigen Christentums ab. Die Bibel stellt Christus als den Erlöser der Welt dar; und die logische Schlussfolgerung ist, dass Gott einen Plan machte, die Welt zu bekehren und auf diese Weise vom Tod zu erretten.

Aber seitdem Jesus auf diese Erde kam, um für die Menschen zu sterben, sind beinahe zweitausend Jahre vergangen, und dennoch ist die Welt keineswegs bekehrt. Sogar das sogenannte Christentum verliert ständig an Einfluss, und ganze Nationen haben sich offiziell von jeglicher Religion abgewendet. Sollten wir deshalb urteilen, dass Gottes Plan fehlgeschlagen sei?

Zur Zeit Jesu gründeten die Jünger ihre Hoffnungen hinsichtlich des Messianischen Königreichs auf die Prophezeiungen des Alten Testamentes, und ihre Hoffnungen waren deshalb, im ganzen genommen, richtig. Jedoch sahen sie nicht, dass die Zeit für die Aufrichtung jenes Königreiches noch nicht gekommen sei. Gerade so ist es mit den meisten bekennenden Christen seitdem gewesen. Deren Glaube, dass Gott einen Plan für die Bekehrung der Welt durch Christus und die Kirche gemacht habe, ist korrekt, aber sie verfehlten zu erkennen, dass der Bibel gemäss Gott nicht beabsichtigte, dieses Werk in diesem Zeitalter zu vollenden.

So, wie die Jünger, die zu Jesu Zeit lebten, aus den Prophezeiungen nicht erkannten, dass der Messias leiden und sterben müsse, ehe die Welt die verheissenen Königreichs-Segnungen erlangen könne, ebenso haben bekennende Christen verfehlt, aus der Heiligen Schrift zu ersehen, dass die wahre Kirche Christi mit Ihm leiden und sterben muss, ehe sie das Vorrecht haben wird, mit Ihm an den Werken des zukünftigen Königreiche s teilzuhaben, nämlich an der Bekehrung und Segnung der ganzen Welt. Der Apostel Paulus erklärt das so:

„Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, und zwar Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir nämlich mit ihm leiden, um (einst) auch an seiner Herrlichkeit teilzunehmen.“ Röm. 8:17 (Menge Übersetzung)

Die hier erwähnte Herrlichkeit ist offensichtlich die Herrlichkeit der Miterbschaft Christi in Seinem Messianischen Königreich. Wenn nun jene, welche diese Herrlichkeit erreichen, zuerst mit Ihm leiden müssen, dann ist es klar, dass die gegenwärtige Aufgabe der Kirche nicht darin besteht, die „Welt für Jesus zu erobern,“ sondern vielmehr darin, Ihm getreulich bis in den Tod nachzufolgen.

Christen folgen Jesu nach

Das ist es, was Jesus selbst Seine Jünger lehrte. Zum Beispiel, anlässlich verschiedener Gelegenheiten sagte Er: „Wenn jemand mir nachkommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach.“ (Matth. 16:24) Dass jene Ihm sogar bis in den Tod nachfolgen sollten, wird eindeutig in den Worten Jesu ausgedrückt, in denen es heisst: „Sei getreu bis zum Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben.“ (Offb. 2:10) Dass Mut notwendig sein würde, um treu zu sein trotz der zu erleidenden Verfolgungen, zeigt der Herr in Seiner Verheissung in Offb. 3:21 an, wo Er sagt: „Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich zu meinem Vater gesetzt habe auf seinen Thron.“

Als der Kirche der göttliche Befehl, „in alle Welt zu gehen und das Evangelium zu predigen,“ gegeben wurde, war der Zweck desselben unmissverständlich genannt, nämlich: Jünger zu sammeln und ein „Zeugnis“ zu geben. Aber dass Gott nicht beabsichtigte, mit diesem Werk die Welt zu erobern, sondern die Christen selbst für das zukünftige Werk des Herrschens mit Jesus vorzubereiten, ist in Offb. 20:4 klargemacht, wo es heisst:

„Und ich sah … die Seelen derer, welche um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet waren, … und sie lebten und herrschten mit dem Christus tausend Jahre.“

Da es nun die Aufgabe aller wahren Christen war, der Welt nur ein Zeugnis der Wahrheit zu geben, um durch die in dieser Tätigkeit gewonnenen Erfahrungen selbst für das grosse zukünftige Werk der Bekehrung der Welt während des 1000 -jährigen Konigreiches vorbereitet zu werden, so wird man nun leicht erkennen, dass der behauptete Fehlschlag des Christentums auf Irrtum beruht. In der Tat sehen wir, dass wahres Christentum noch niemals fehl gegangen ist, dass aber aus den falschen Hoffnungen angeblicher Gläubiger auch nichts geworden ist. Wenn wir die gegenwärtige wahre Aufgabe der Kirche im Opfern und Leiden erblicken und nicht in der Eroberung der Welt, dann beantworten sich viele rätselhafte Fragen auf einmal von selbst.

Zum Beispiel: Haben viele Menschen sich nicht schon manches Mal darüber gewundert, warum treue Christen gewöhnlich mehr leiden als Ungläubige? Haben sie sich aber jemals Gedanken darüber gemacht, warum nach dem Kommen des Herrn „als dem Licht der Welt“ dieses Licht auf eine lange Zeit in grosse Finsternis hineingeworfen wurde, von welcher Zeit wir nun als von dem „finsteren Mittelalter“ sprechen? Und warum gibt es heute mehr als zweimal so viel Heiden als vor einem Jahrhundert? Wer hat sich etwa noch nicht über diese Tatsachen gewundert? Infolge solcher Bedenken sind viele zu der Ansicht gelangt, dass die christliche Religion eine ungeheure Komödie sei, und dass diese vermeintliche Grundlage und Bollwerk unserer Zivilisation ein ausserordentlicher Fehlschlag sei.

Welches ist die Bedeutung des Wortes „Christ“?

Eine allgemeine von Christen gehegte Anschauung ist die, dass man so ungefähr in derselben Weise Christ werde, wie man einem Verein beitritt, und dass dieses gleichsam eine Vorsichtsmassnahme gegen den göttlichen Zorn sei, da sonst Gott den Betreffenden bei dessen Tod ins Fegefeuer schicken würde. Man hat deshalb angenommen, es sei Gottes Wunsch, alle Menschen zu bekehren, damit sie diesem schrecklichen Schicksal entfliehen möchten. Nun aber, da wir im helleren Licht eines besseren Tages sehen, dass die Bibel nicht die Schrecken der ewigen Qual lehrt, wird uns auch der Weg zu einem besseren Verständnis dessen, was es bedeutet „Christ“ zu sein, geöffnet.

Das Wort CHRISTUS, die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes MESSIAS, wird im Neuen Testament gebraucht, um Jesus mit den herrlichen Messianischen Verheissungen zu verknüpfen, die sich wie eine Perlenschnur durch das ganze Alte Testament hindurchziehen. Wie wir schon bemerkten, wurde die erste dieser Verheissungen im Garten Eden gegeben, als Gott sagte, dass der „Same des Weibes der Schlange den Kopf zertreten“ würde. Eine andere, genauere Verheissung wurde dem Abraham gegeben, als ihm gesagt wurde, dass durch seinen Samen „alle Geschlechter der Erde gesegnet werden“ sollen.

Jesus, der Christus, kam in die Welt als der „Same“ der Verheissung, um der Wohltäter aller Menschen zu werden. Die Heilige Schrift deutet an, dass die, welche durch treue Nachfolge in des Meisters Fusstapfen,—durch Selbstaufopferung sogar bis zum Tode—wahre Christen werden, dereinst mit Ihm Teilhaber Seiner Königswürde sein sollten—darauf zielte die Verheissung von dem „Samen“.

Als der Apostel Paulus an die Christen seinerzeit schrieb, sagte er: „Wenn ihr aber Christi seid, so seid ihr denn Abrahams Same und nach Verheissung Erben.“ (Gal. 3:29) In seinem Brief an die Korinther sagt Paulus, dass der Christus nicht nur aus einem Glied, sondern aus vielen Gliedern bestehe. Diese zwei Feststellungen des Apostels lenken unsere Aufmerksamkeit auf einen sehr wichtigen Punkt hin. Sie weisen darauf hin, dass die Herauswahl und Entwicklung der Christen bloss eine Vorbereitung für das kommende Messianische Werk der „Segnung aller Nationen“ ist. Es bedeutet auch, dass Gott nicht die Absicht hatte, alle Menschen zu Christen zu machen, sondern dass er nur einige wenige aus den Nationen herausgewählt hat, damit sie mit Jesus in Seinem zukünftigen Werk der Segnung aller Menschen, sowohl der Lebendigen als der Toten, vereint seien.

„Ein eigenartiges Volk“

Aber welches sind nun diese Christen, die Gott jetzt auserwählt, um später mit dem Messias zu herrschen? In welcher Kirche werden wir diese finden? Wahrscheinlich gibt es sie in allen Gemeinschaften; aber Gott allein entscheidet darüber, wer dereinst auserwählt werde. Kurz gesagt: Jemand ist nur dann ein Christ, wenn er bekennt, dass er ein Sünder ist und sich von Gott entfremdet hat; wenn er bereut und sich dann durch Glauben an das vergossene Blut Christi rückhaltlos dem Herrn weiht, sich selbst, seine Zeit, seine Talente und alles, was er ist und hat, und dann diese Weihung getreulich ausführt. Mitgliedschaft in einer Kirche hat absolut nichts damit zu tun. Siehe Römer 5:1-3

Im 15. Kapitel der Apostelgeschichte finden wir einen Bericht, der das göttliche Vorhaben bei der Erwählung der getreuen Christen in diesem Zeitalter enthüllt. „Ein Volk für Seinen Namen“ werden sie hier genannt. Der Apostel erklärt, dass Gott „zuerst die Nationen heimgesucht hat,“ nicht um sie alle zu Christen zu machen, sondern nur um „aus ihnen eine Gemeinde für Seinen Namen zu erwählen,“ nämlich die wahren Christen.

Darnach, so erklärt der Apostel, wird die Gunst des Herrn zu den Juden zurückkehren, und „die verfallene Hütte Davids“ (die jüdische nationale Regierungsform) wird wiederhergestellt werden; und dann, sagt er, werden „die übrigen der Menschen“ und die Nationen eine Gelegenheit haben, „den Herrn zu suchen!“ Jedoch muss zuerst das Werk der Herauswahl „eines Volkes für Seinen Namen,“ welches die „Braut Christi“ ist, die Gesamtheit aller völlig geweihten Christen, abgeschlossen sein.

Wenn wir nun erkennen, dass Gott nicht beabsichtigt, alle Menschen zu Christen zu machen, dann lässt uns das auch viele Bibelstellen besser verstehen, die zuvor unverständlich waren. Zum Beispiel: In Offb. 5:10 lesen wir, dass die zukünftige Herrschaft des Christus und der Kirche hier auf Erden ausgeübt werden wird. Wie könnte das wahr sein, wenn alle—ausser der Kirche—von der Erde weggenommen und für alle Ewigkeit in einer heissen Hölle gequält werden sollten? Über wen würden die Heiligen dann auf dieser Erde noch herrschen? Aber all diese Schwierigkeiten verschwinden, wenn wir die Lehre der Bibel recht erfassen, dass nämlich die Welt nicht verdammt, sondern gesegnet werden soll, nachdem die wahre Kirche vollendet sein wird.

Wenn wir die Sache in diesem Licht betrachten, dann können wir auch verstehen, dass Gottes Plan zur Errettung der Menschheit Vorkehrungen sowohl für die Herauswahl der Kirche als auch für die Welt trifft. Nicht, dass alle nun samt und sonders gerettet werden sollen, ganz gleich, ob sie den göttlichen Anordnungen nachkommen oder nicht. Oh, nein! Die Heilige Schrift sagt ganz klar, dass alle die, die eigenwillig sündigen, nachdem sie eine volle Erkenntnis der Wahrheit erhalten haben, mit ewiger Vernichtung bestraft werden sollen und nicht mit ewigen „Höllenqualen,“ wie die Glaubensbekenntnisse des finsteren Mittelalters die Sache darzustellen pflegen.

Die Belohnung der wahren Kirche

Eine andere Tatsache ist die, dass die christliche Kirche oder Herauswahl durch ihre Vereinigung mit dem Herrn in Seinem Messianischen Königreich, eine höhere Belohnung empfangen wird, als die Welt im allgemeinen. Gottes weiser Plan für diese Welt ist die Wiederherstellung des Lebens auf dieser Erde, eine Wiederherstellung des REICHES GOTTES, bereitet „von Grundlegung der Welt an,“ welches eine Herrschaft über die niedere Schöpfung hier auf Erden sein wird. Jedoch den Christen gab der Meister, folgende Verheissung: „Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten, … auf dass, wo ich bin, auch ihr seid.“ Ja, die Kirche wird einen himmlischen Lohn erhalten, aber es ist nicht Gottes Plan, alle Menschen in den Himmel aufzunehmen, wie wir später in dieser Abhandlung sehen werden.

Es ist daher eine gesegnete Hoffnung, durch das vergossene Blut des Erlösers wieder eine Aussicht auf ewiges Leben zu erhalten sowohl für die Kirche (die Braut Christi, die dem Herrn Vermählten, die mit Ihm herrschen werden) als auch für die übrige Menschheit.

Der erste Mensch, Adam, war ungehorsam und büsste sein Leben ein; aber schliesslich kam Jesus als des Menschen Lösegeld, um durch Seinen Tod am Kreuz die Todesstrafe für den Menschen zu bezahlen. Nun wird die Welt noch einmal Gelegenheit haben, ihr Leben zu leben. Diese Gelegenheit wird schliesslich allen zuteil werden; aber während des Evangelium-Zeitalters haben nur die völlig geweihten Christen eine wirkliche Gelegenheit, sich den Wert des Todes des Erlösers zu Nutze zu machen. Und diese, weil sie Jesu nachfolgen, indem sie ihr Leben in aufopfernder Weise niederlegen, sollen nicht nur mit ewigem Leben belohnt werden, sondern sogar mit Unsterblichkeit. Diese sind es, welche „Herrlichkeit und Ehre und Unverweslichkeit suchen.“—Röm. 2:7.

Die Gehorsamen unter den übrigen Menschenkindern sollen während des kommenden Zeitalters des Königreiches auch eine Gelegenheit zum Leben erhalten; aber das Leben, das diese erhalten werden, wird nur das wiederhergestellte menschliche Leben sein, jenes Leben, das sie durch Adam bekanntlich verloren hatten. Die Gehorsamen werden dann ewiglich leben, aber nicht etwa weil sie unsterblich wären, sondern weil Gott sie ewiglich am Leben erhalten wird.

Warum die Welt nicht bekehrt ist

Das Werk wahren Christentums hat bis jetzt nur in der Zubereitung der zukünftigen Miterben des Messias für das grosse Werk Seines langverheissenen Königreiches bestanden. Im Hinblick darauf ist es kein Wunder, dass das unternommene Werk der Bekehrung der Welt während des Christlichen Zeitalters so wenig Fortschritt gemacht hat. Der Herr wusste, dass das Christentum, vom menschlichen Standpunkt aus gesehen, ein Fehlschlag sein würde. Jesus selbst sagte: „Wenn der Herr kommt, wird er dann den Glauben finden auf Erden?“ Es ist daher keine Überraschung für Gott, wenn heutzutage wirklich nur sehr wenige Menschen an die Bibel glauben. Sein geliebter Sohn, der Erlöser der Welt, wusste zum voraus, dass dieser Zustand bestehen würde, und zeigte ihn auch vorher an. Dieses ist ein weiterer guter Grund, warum wir den Aussagen der Bibel glauben sollten.

In dem prophetischen Wort war auch vorhergesagt worden, dass die sogenannten Christlichen Kirchen sich in Hunderte von Abteilungen aufteilen würden. Paulus weissagte, dass „ein grosser Abfall“ vom wahren Glauben kommen würde. Dieser hat wirklich stattgefunden.

Angenommen, dass Jesus und Seine Apostel eine Gruppe betrügerischer Männer gewesen wären und selbstsüchtige Pläne ausgeheckt hätten mit der Absicht, die ganze Welt zu ihren Gunsten zu beeinflussen, würden sie dann wohl absichtlich vorhergesagt haben, dass das ganze Unternehmen binnen kurzem wie ein Kartenhaus einfallen würde, und dass sie selbst zur Zielscheibe des Spotts für Millionen von Menschen werden würden? Solche pessimistischen Weissagungen würden für ihre Anhänger nicht sehr ermutigend gewesen sein, noch würden sie sehr viele veranlasst haben, sich ihnen anzuschliessen. Die Weisheit der Welt würde ihnen geboten haben: „Malt die Zukunft so rosig wie nur möglich, wenn ihr möglichst viele gewinnen wollt.“

Aber solche weltliche Weisheit hatte keinen Einfluss auf Jesus und Seine Apostel. Diese waren sich darüber nicht im Zweifel. dass der Zweck aller Evangeliumsverkündigung in diesem Zeitalter nicht der war, grosse imponierende Kirchengemeinschaften zu bilden. Sie verstanden gar wohl, dass Gott nicht beabsichtigte, die Welt nun mit dem Predigen des Evangeliums allein Jesu zu unterwerfen. Sie sahen bereits vorher, dass, während „eine kleine Herde“ wahrer Christen eingesammelt und für das zukünftige Werk der Segnung zubereitet werden würde, verblendete Männer und Frauen zur gleichen Zeit die herrlichen Wahrheiten des Meisters ganz entstellen würden; und dass es infolgedessen den Anschein haben würde, als ob die christliche Religion eine Niederlage erlitten hätte.

Seien wir jedoch frohgemut, dass wahres Christentum nicht verfehlt hat, die göttliche Absicht für dieses Zeitalter erfolgreich zu verwirklichen, und dass nun auch das Vorbereitungswerk für das neue Königreich ziemlich vollendet ist. Ja, es gibt viele biblische Beweise dafür, dass die Periode, die nach göttlichem Vorsatz zur Herauswahl und Zubereitung wahrer Christen zur Miterbschaft mit Christo in Seinem Messianischen Königreich bestimmt war, beinahe abgelaufen ist. Es sollte darum unsere Herzen erfreuen, einige der Beweise näher betrachten zu dürfen, die uns ankündigen, dass wir das Ende dieses Zeitalters und den Anfang eines neuen erreicht haben, eines Zeitalters, in welchem die vorhergesagten Segnungen des Friedens und Lebens auf eine sterbende Menschheit ausgegossen werden sollen.

Das Ende der Welt

Biblische Aussagen in bezug auf „das Ende der Welt“ sind durch Aberglauben und satanische Betrügerei derart entstellt worden, dass viele denkende Menschen es vorgezogen haben, sich von ihnen abzuwenden. Wie vielen Tausenden aufrichtiger Leute ist beinahe das Blut in den Adern geronnen, wenn sie an das traditionsgemässe, schreckliche Unheil dachten, welches übereifrige Evangelisten ihnen so phantasievoll ausgemalt hatten. Vor nicht so langer Zeit versuchte ein berühmter Geistlicher, seine Mitmenschen wieder zu ermutigen, indem er verlauten liess, dass das Ende der Welt während der nächsten 50 Millionen Jahre noch nicht kommen würde. Zweifellos waren viele edle Fromme sehr erleichtert, als sie diese Behauptung hörten, und froh, dass solch ein unheilvolles Ereignis die Erde nicht zu ihren eigenen Lebenszeiten treffen würde.

Aber wenn wir die biblischen Aussprüche über diesen Gegenstand einmal näher untersuchen, unabhängig von dem Einfluss mittelalterlicher Glaubensbekenntnisse, dann erhalten wir eine ganz andere Meinung darüber. Wir finden, dass „das Ende der Welt“ in der Heiligen Schrift als eine Zeit dargestellt ist, auf die sich alle Menschen freuen sollten. Wenn wir nämlich den Sinn der Prophezeiungen der Bibel richtig erfassen, dann verstehen wir auch die Bedeutung der Worte Jesu, als Er Seine Jünger beten lehrte: „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden.“

Die Erde besteht ewiglich

Die vielen schrecklichen Vorstellungen in den Köpfen der Leute bezüglich des Endes der Welt sind in der Bibel gar nicht zu finden. Was die Bibel hinsichtlich dieser Geschehnisse sagt, hat ganz und gar nichts mit einer Verbrennung oder Vernichtung der buchstäblichen Erde zu tun.

Was diesen irdischen Planeten anbetrifft, auf dem wir jetzt leben, so sagt der Prophet Jesaja: „So spricht Jehova, der die Himmel geschaffen, der die Erde gebildet und sie gemacht. hat, Er hat sie bereitet; nicht als eine Öde hat Er sie geschaffen; um bewohnt zu werden hat Er sie gebildet.“ (Jes. 45:18) Ein anderer Prophet sagt uns in Pred. 1:4 „die Erde bleibt ewiglich.“ Jesus sagte in der Bergpredigt: „Glückselig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land ererben.“ Diese Schriftstellen beweisen, dass Gott nicht beabsichtigt, die buchstäbliche Erde jemals zu vernichten, sondern dass Er sie zu einer Wohnstätte für den Menschen bestimmt hat.

Das Wort „Welt“ wird in der Bibel in der gleichen Weise gebraucht, wie es oft heutzutage benutzt wird, wenn es in bezug auf die Gesamtheit der Nationen auf der Erde angewendet wird, auf die allgemeine Menschheit und nicht auf die Erde selbst. Wenn wir z.B. lesen sollten, dass die Welt durch den soeben beendeten Weltkrieg sehr erschüttert wurde, so dürfen wir das nicht so verstehen, als ob buchstäblich Berge umgefallen seien, oder als ob der Krieg die Erdkruste in irgendeiner Weise verändert hätte.

Der Sprachgebrauch der Bibel ist auch der gleiche, wenn sie die furchtbaren Ereignisse vorhersagt, die am Ende des gegenwärtigen Zeitalters stattfinden sollen; Ereignisse, durch die die bestehende gesellschaftliche Ordnung vernichtet werden soll, um dem Königreich des Messias Platz zu machen.

Der Ausdruck „Welt“ wird in der Bibel auch zur Bezeichnung eines Zeitalters gebraucht. In der Bibel sind mehrere Welten oder Zeitalter erwähnt. Es wird uns da z.B. von einer Welt erzählt, die mit der Sintflut unterging, wobei der Erdball selbst jedoch nicht vernichtet wurde. Die Bibel spricht auch noch von einer „anderen Welt“, die nach der Flut begann und die zur Zeit der Wiederkunft Christi (der zweiten Gegenwart) vernichtet werden soll. Und dann wird noch eine „neue Welt“ erwähnt, die mit dem Ende der gegenwärtigen beginnen wird. Diese letzte Welt wird sich unbegrenzt in die Zukunft hineinerstrecken. Es ist die dritte Welt, die unter dem Einfluss des Messianischen Königreiches erstehen soll.

Diese „Welten“, die, wie wir sehen, alle auf diesem buchstäblichen Planeten—der Erde—ihr Wesen haben, unterscheidet der Apostel Petrus im einzelnen näher als geistige und materielle, wofür er die Symbole „Himmel“ und „Erde“ verwendet. (Siehe 2. Petrus 3. Kap.) Man kann klar ersehen, dass der Sprachgebrauch des Apostels in diesem Kapitel sinnbildlich und nicht buchstäblich gemeint ist, denn sonst würden wir ja zu der sinnlosen Schlussfolgerung gezwungen sein, der Schöpfer beabsichtige, Sein ganzes Universum zu vernichten, wenn wir auf einer buchstäblichen Deutung jener Stelle des Petrus bestehen würden, wo er da sagt: „Die Himmel sowohl als auch die Erde werden mit gewaltigem Geräusch vergehen.“

In derselben Prophezeiung gebraucht der Apostel auch das Symbol des „Feuers“, um damit jene zerstörenden Einflüsse zu beschreiben, welche die gegenwärtige böse Ordnung der Dinge zu Ende bringen und den Weg zur neuen, vollen Aufrichtung des Reiches Gottes vorbereiten werden—des „neuen Himmels und der neuen Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.“

Petrus sagt uns fernerhin, dass die „Elemente“ im Brande aufgelöst werden. Dass dieses sich nicht auf die Elemente der buchstäblichen Erde bezieht, ist schon allein daraus ersichtlich, dass Paulus dasselbe Wort gebraucht, als er die Christen ermahnte, sich nicht wieder „umzuwenden zu den schwachen und armseligen Elementen der Welt.“—Gal. 4:3, 9.

Ein interessantes Beispiel für die Tatsache, dass das Wort „Erde“, wenn es in der Bibel gebraucht wird, sich nicht immer auf den buchstäblichen Planeten, auf dem wir leben, bezieht, kann man in Daniel 7:23 finden. Der Prophet spricht hier von einem grossen und schrecklichen „Tier“, welches die ganze „Erde“ verzehrt. Das müsste doch wahrlich eine „Mordsgeschichte“ sein, wollten wir es so buchstäblich nehmen, wie es da steht, denn wo würde dieses riesenhafte Tier wohl stehen, während es diesen Planeten verzehrt?

Symbolisch genommen, ist diese Geschichte voll tiefer Bedeutung; das Tier sowohl, als auch die Erde sind sinnbildlich zu verstehen.

Es dürfte allgemein bekannt sein, dass eine ganze Anzahl von Nationen der Vergangenheit wie auch der Gegenwart zur symbolischen Darstellung ihrer Macht in ihren Wappen sich der Bilder der verschiedensten Tiere bedienen. Die herrschenden Pharaonen von Alt-Aegypten hatten einen „Löwen“, um die Autorität ihrer Herrschaft anzuzeigen; und heutzutage führt England den Löwen in seinem Wappen, um damit seine Macht kundzutun. Dann gibt es noch den chinesischen „Drachen“, den russischen „Bär“ und den amerikanischen „Adler“.

Die Bibel gebraucht nun eine ähnliche sinnbildliche Form, um die verschiedenen historischen Weltmächte zu bezeichnen. Deshalb ist in der vorgenannten Schriftstelle die symbolische „Erde“—die menschliche Gesellschaft—dargestellt, als ob sie von einem Tier verzehrt würde. Das Tier ist die treffende Schilderung der selbstsüchtigen Organisation der herrschenden Klasse, die im Begriff ist, sich die Reichtümer der Welt anzueignen und sie für ihre eigenen selbstsüchtigen Zwecke zu verwenden.

Das Wort „Berg“ wird in der Bibel oft im gleichen symbolischen Sinne angewendet wie das Wort „Welt“. Es bezeichnet ein Königreich—entweder ein oder mehrere der Königreiche dieser Welt oder auch das Messianische Königreich des kommenden Zeitalters.

Wenn das Wort „Meer“ in der Bibel bildlich gebraucht wird, so bezeichnet es die Menschenmasse, und das „Rauschen“ des Meeres ist eine bildliche Darstellung des aufrührerischen, unzufriedenen Zustandes dieser Massen. —Siehe Jes. 17:12, 13.

Eine der vielen biblischen Prophezeiungen bezüglich der Entwicklung der Ereignisse, die jetzt auf Erden stattfinden, sagt uns, dass die „Berge“ wankten „im Herzen des Meeres.“ (Ps. 46:2) Ist das nicht eine passende Illustration der Tatsache, dass viele der mächtigsten Königreiche der Erde schon in die Hände der ungestümen Volksmassen gefallen sind, und dass andere mächtige „Berge“ unsere Zivilisation gleicherweise von den „Wellen“ verschlungen werden, nun da die Flut der Unzufriedenheit andauernd und immer mehr gegen ihre Bollwerke aufwallt?

Als Beispiel dafür, wie die Bibel durch bildliche Darstellungen den diese gegenwärtige „Welt“ zerstörenden Auflösungsprozess veranschaulicht, möge der 46. Psalm dienen. Hier sagt der Prophet des Herrn: „Wir werden uns nicht fürchten, wenngleich gewandelt würde die Erde, und wenn die Berge wankten im Herzen des Meeres.“ (Vers 2) Augenscheinlich kann diese Stelle aus dem Grunde nicht buchstäblich genommen werden, da es im Fall der Vernichtung der Erde keine Berge mehr geben würde, die im Herzen des Meeres noch wanken könnten, und auch kein Meer, worin die Berge versinken könnten.

Diese symbolische Darstellung wird zum Teil noch im gleichen Psalm erklärt, wenn der Prophet sagt: „Es toben die Nationen, die Königreiche wanken.“ (Vers 6) Und dann weiter, indem er sich wieder der symbolischen Sprache bedient: „Er (der Herr) lässt Seine Stimme erschallen: die Erde zerschmilzt.“ Dass dieses Zerschmelzen der Erde nicht die Vernichtung des buchstäblichen Planeten bedeutet, auf dem wir leben, wird weiter unten in den Schlussversen des Psalmes bewiesen, wo der Prophet sagt, dass der Wandel und „das Zerschmelzen“ sich auf die Vernichtung der kriegslustigen Regierungen beziehe, die vor der Aufrichtung des Reiches Gottes geherrscht haben. Im 10. Vers desselben Psalms lesen wir: „Lasst ab und erkennt, dass ich Gott bin! Ich werde erhöht werden unter den Nationen, ich werde erhöht werden auf Erden“—ein Beweis, dass die buchstäbliche Erde nicht vernichtet wird.

Diese Prophezeiung des 46. Psalmes gibt uns ein anschauliches Beispiel der mannigfaltigen Wendungen, in welcher die Heilige Schrift den Ausdruck „Erde“ anwendet. Im 2. Vers wird von der Erde gesagt, dass sie „gewandelt“ wird; im 6. Vers wird sie als „zerschmelzend“ beschrieben; doch haben wir auch wiederum im 10. Vers gesehen, dass die Erde noch besteht und dass Gottes Name auf ihr erhöht werden soll. Augenscheinlich ist das Wort „Erde“ im 2. und 6. Vers symbolisch gebraucht; der Wandel und das Zerschmelzen derselben drückt den Gedanken aus, dass die Zerstörung einer selbstsüchtigen Weltordnung den Weg zur Errichtung der angekündigten neuen Welt öffnen wird, in welcher Gerechtigkeit herrscht.

Unter dieser neuen Ordnung wird Gottes Name auf der ganzen Erde erhöht werden. Wenn wir dies erkennen, sollten wir dann nicht angesichts der unzähligen Beweise frohlocken und die Ankündigung des Endes der Herrschaft von Sünde und Tod und das Herannahen des Königreiches Christi freudigen Herzens begrüssen? Im folgenden Kapitel wollen wir viele dieser Zeichen einmal einer näheren Betrachtung unterziehen.

Zeichen des Endes

Da die Heilige Schrift klar sagt, dass das Ende der Welt nicht die Zerstörung der buchstäblichen Erde bedeute, sondern nur das Ende der gegenwärtigen Ära der Sünde, der Selbstsucht und des Todes, so sollten wir alle Anzeichen dafür—prophetischer oder anderweitiger Art—die das Bevorstehen der neuen Ordnung der Dinge ankündigen, auch als frohe Botschaft würdigen.

Die Tatsache, dass in der Vergangenheit wohlmeinende, aber schlecht unterrichtete religiöse Schwärmer das Kommen des Herrn vorzeitig angekündigt und die Art und den Zweck Seines Kommens in hohem Grad missverstanden haben, sollte uns nicht davon abhalten, jene Prophezeiungen, die sich auf diesen wichtigen Gegenstand beziehen, einer erneuten Prüfung zu unterziehen. Ja, wir sollten sogar eifrige Erforscher der biblischen Prophezeiungen sein, auf dass wir, wenn irgendmöglich, feststellen können, wo wir im Strom der Zeit sind und auch wissen, was die Propheten bezüglich unserer Tage vorhergesagt haben.

Sollten wir finden, dass die Bibel die vergangenen wie auch gegenwärtigen Weltereignisse genau beschriebe, dann würde das ein weiterer guter Grunde dafür sein, Vertrauen zu ihren Aussagen hinsichtlich der Zukunft zu haben.

Als Jesus noch auf Erden wandelte, fragten Ihn Seine Jünger, welches denn die „Zeichen“ Seines zweiten Kommens und die des „Endes der Welt“ (oder Zeitalters) sein würden. In Erwiderung auf diese Fragen gab Er ihnen eine Reihe sehr klarer Anhaltspunkte, an denen sie die letzten Tage dieser „gegenwärtigen bösen Welt“ erkennen könnten. Eines dieser Zeichen hatte mit den natürlichen Nachkommen Abrahams, mit der jüdischen Nation, zu tun. Der Meister sagte:

„Jerusalem wird zertreten werden von den Nationen, bis dass die Zeiten der Nationen erfüllt sein werden.“ Offensichtlich gebrauchte Er die Hauptstadt Israels, Jerusalem, in symbolischem Sinn für die ganze Nation und meinte damit, dass die heidnischen Regierungen der Erde fortfahren würden, sowohl das Volk als auch das Land Palästina während eines ganz bestimmten Zeitraums in Unterwerfung zu halten. Diesen Zeitraum nennt Er „die Zeiten der Nationen.“

Die Unterwerfung der Juden unter heidnische Herrschaft hatte ihren Anfang mehr als sechs Jahrhunderte vor dem ersten Kommen Jesu, nämlich zu der Zeit, als Nebukadnezar sie in die babylonische Gefangenschaft führte, genauer gesagt, im Jahre 606 v. Chr. Im 2. Kapitel der Prophezeiung Daniels finden wir einen Bericht über die näheren Umstände, die den Anfang dieses Zeitraums heidnischer Oberherrschaft einleiten. Zu dieser Zeit war Nebukadnezar auf dem Thron Babylons, und der Herr weist bereits in sehr deutlicher Weise darauf hin, dass jene Periode, die von Jesus als „Zeiten der Nationen“ bezeichnet wird, schon mit Nebukadnezar beginnt.

Vier heidnische Weltmächte vorhergesagt

Nebukadnezar hatte einen Traum, auf den er sich nicht mehr genau besinnen konnte, als er erwachte. Man bewog ihn deshalb, Daniel, einen jüdischen Gefangenen zu sich kommen zu lassen, der nicht nur des Königs Traum wiedergeben konnte, sondern ihn auch zu deuten vermochte.

Daniel erklärte dem König, er habe in seinem Traum das Standbild eines Mannes gesehen. Und dieses Standbild hätte ein Haupt aus Gold, eine Brust aus Silber, Bauch und Lenden aus Erz, die Schenkel aus Eisen und die Füsse teils aus Eisen und teils aus Ton gehabt.

Im Verlauf dieses Traumes habe der König gesehen, wie aus dem fernen Weltall ein Stein herbeigeflogen, dem Standbild auf die Füsse gefallen sei und es zertrümmert habe. Da wurden im Augenblick Eisen und Ton, Silber und Gold von ihm zermalmt und wie Spreu auf der Tenne vom Wind hinweggefegt. Der Stein aber, der das Bild zerstört hatte, sei zu einem grossen Berg geworden und habe die ganze Erde gefüllt.

Daniels Auslegung dieses seltsamen Traumes ist eins der bemerkenswertesten Kapitel in der ganzen Bibel insofern, als es eine exakte Voraussage der Geschichte und des Schicksals unserer Weltreiche enthält, angefangen bei der neubabylonischen Oberherrschaft und durch die Jahrhunderte hindurch bis auf den heutigen Tag. In dieser göttlichen Auslegung bezeichnete der Prophet das babylonische Weltreich als das Haupt von Gold. Daniel sagte zu dem König von Babylon:

„Du, o König, du König der Könige, dem der Herr des Himmels das Königtum, die Macht und die Gewalt und die Ehre gegeben hat; und überall, wo Menschenkinder, Tiere des Feldes und Vögel des Himmels wohnen, hat er sie in deine Hände gegeben und dich zum Herrscher über sie alle gesetzt—du bist das Haupt von Gold.“—Dan. 3:37

Vor dieser Zeit hatte Gott die jüdische Nation nur allein anerkannt und begünstigt. Nun aber waren die Juden Babylon untertan, und Gott erkannte den König von Babylon als den ersten jener langen Linie heidnischer Herrscher an, die die Juden für einen langen Zeitraum nach göttlichem Willen als ein Volk von Untertanen unter ihrer Herrschaft halten sollten. Folglich war das der Anfang der „Zeiten der Nationen.“

Aber Daniel war noch nicht am Ende seiner Prophezeiung als er Babylon als das „Haupt aus Gold“ bezeichnete. Er fuhr fort und teilte Nebukadnezar mit, dass sich mit dem Zerfall seines Königreiches ein anderes erheben würde, ein doppeltes Weltreich, dargestellt durch die Arme aus Silber. Die Geschichte beweist, dass mit diesem das medo-persische Weltreich gemeint ist. welches Babylon schon nach wenigen Jahren besiegte. Daniel spricht auch noch von einem dritten Weltreich, dargestellt durch „den Bauch und die Lenden aus Erz.“ Wie die Geschichte bekundet, war dieses Königreich das Griechenland Alexanders des Grossen, das dem Reich der Perser und Meder als Weltmacht von grosser Bedeutung folgte.

Jedoch ist Daniels Prophezeiung hier noch nicht zu Ende; indem er fortfährt, prophezeit er das Emporkommen der grossen militärischen (eisernen) Weltmacht Rom; er lenkt unsere Aufmerksamkeit sogar auf dessen zwei Teile, das östliche und das westliche Weltreich, mit den beiden Hauptstädten Konstantinopel und Rom, bildlich dargestellt durch die zwei „Beine aus Eisen.“ Rom war in der Tat ein „eisernes“ Königreich!

In seiner Vorhersage der aufeinanderfolgenden Weltmächte, die da kommen und gehen würden, ehe diese Weltordnung zu Ende ginge, machte Daniel an der richtigen Stelle halt: er erwähnt nämlich ihrer nur vier. Die weitere Beschreibung einer fünften gab er deshalb nicht, weil es eine fünfte universale heidnische Weltmacht nicht geben sollte. Hier schilderte Daniel im voraus genau die Geschichtsereignisse der nächsten zweitausend Jahre.

Die Zuverlässigkeit eines Geschichtsschreibers hängt von der Genauigkeit seiner Darstellung ab, und Daniels Bericht war sehr genau, obgleich er Geschichte im voraus schrieb. Deshalb können wir Vertrauen zu ihm haben, gleichwie auch Jesus ihm vertraute, als Er ihn in Matthäus 24:15 zitierte. Derselbe zuverlässige Daniel ist es auch, der die Geschehnisse unserer Tage beschreibt, wie wir noch später hören werden.

Da Daniel durch göttliche Vorsehung fähig war, die bedeutendsten Weltereignisse einer Periode von mehr als zweitausend Jahren exakt vorauszusehen und vorherzusagen, so sollte man ihm doch auch hinsichtlich der noch zu erwartenden zukünftigen Dinge Vertrauen schenken können.

Aber lasst uns zur Deutung des „Bildes“ zurückkehren. Als der Verfall des Römischen Reiches begann, gab es keine andere Macht mehr, die imstande gewesen wäre, einzugreifen und Roms Stelle als Diktator der Welt einzunehmen. Vielmehr fing Rom an, sich in kleinere Staaten oder Königreiche aufzuteilen. Damit ist durch das Bild der „Füsse und Zehen aus Eisen, vermischt mit Ton“ in treffender Weise dargestellt, was tatsächlich geschah, nachdem Rom seinen Höhepunkt militärischer Macht überschritten hatte.

Dann setzt der Prophet seine Beschreibung fort und erzählt uns, dass der „Stein, der sich ohne Hände losriss“ und der „das Bild an seine Füsse schlug,“ dann „zu einem grossen Berg wurde und die ganze Erde füllte,“ das Königreich Gottes darstellt, und dass dieses Königreich, „in den Tagen dieser Könige“ aufgerichtet werden soll, d.h. in· den Tagen der Königreiche, welche bildlich dargestellt sind durch die Füsse und Zehen. Fernerhin versichert er uns, dass dieses Königreich, das durch den Gott des Himmels errichtet werden soll, „alle anderen Königreiche zermalmen und vernichten wird, selbst aber ewiglich bestehen bleibt.“—Dan. 2:44

Nun haben wir die ganze prophetische Vision vor unserem geistigen Auge. Wir sehen die aufeinanderfolgenden Weltmächte heidnischer Oberherrschaft, mit Babylon angefangen, durch die Jahrhunderte hindurch bis zum Verfall des Römischen Weltreiches und schliesslich bis zu der Zeit, wo jede Spur heidnischer Herrschaft durch die Aufrichtung des Königreiches Gottes auf Erden gebrochen werden wird. Und das soll „in den Tagen dieser Könige“ geschehen.

Als der Herr an Israel die Warnung einer „siebenfachen Zeit“ der Strafe ergehen liess, gab Er uns damit einen Schlüssel für die Länge der „Zeiten der Nationen.“ Erforscher biblischer Zeitprophezeiungen sind fast alle der Ansicht, dass eine „Zeit“ (engl. übersetzt) oder ein Jahr in symbolischer Sprache 360 buchstäbliche Jahre bedeute und dass die „sieben Zeiten“ der Nationen 2520 Jahre ausmachen. Diese Periode begann im Jahr 606 v. Chr. und endete demzufolge im Jahr 1914 n. Chr.

Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass biblische Zeitprophezeiungen nur auf wichtige Marksteine oder Wendepunkte in den Angelegenheiten der Nationen hinweisen und dann auch nur insofern, als diese Angelegenheiten auf den Plan Gottes Bezug haben.

Das Ende der „Zeiten der Nationen“ im Jahre 1914 n. Chr. war der Wendepunkt zwischen der alten und der neuen Welt, der Zeitpunkt, an dem die alte Welt zu sterben begann, um der neuen Platz zu machen. Wir dürfen aber nicht zu viele Ereignisse auf einmal erwarten; obschon gewaltige Veränderungen in der Welt vorgegangen sind, in nationaler sowohl als auch politischer Hinsicht.

Fortschreitende Umgestaltung der Welt

Wie wir schon gesehen haben, sagte Jesus, dass „Jerusalem von den Nationen zertreten werden wird, bis dass die Zeiten der Nationen erfüllt sein werden.“ Demzufolge musste am Ende dieser Periode doch ein Anzeichen dafür erscheinen, dass sich Israels Stellung unter den Nationen verändert habe. Und das ist der Fall. Als unmittelbares Ergebnis des Weltkrieges, der 1914 begann, wurden die Juden in vielen Staaten der Welt nicht mehr länger offiziell geduldet und erhielten daher die Erlaubnis, zur Wiedererrichtung ihres Heimatstaates nach Palästina zurückzukehren. (Balfour-Declaration) Das ist doch ganz gewiss ein bemerkenswerter Wendepunkt in der Geschichte dieses niedergetretenen Volkes.

Es sei zugegeben, dass in den letzten Jahren die Juden aufs neue verfolgt wurden, und dass ihre Vorrechte in Palästina beschnitten worden sind; aber auch diese Erfahrungen stimmen mit den Prophezeiungen überein und beziehen sich auf jenen Zeitabschnitt, in dem die göttliche Gunst sich ihnen wieder zuwenden wird. Gottes Prophet sagte klar und deutlich, dass „Jäger“ ausgesandt werden würden, um die Juden in ihr eigenes Land zurückzutreiben. (Jer. 16:16) Ferner, dass schliesslich Gott sich ins Mittel legen werde, um sie von ihren Feinden zu erretten, nachdem sie sich im Heiligen Lande niedergelassen haben würden.—Jer. 30:3, 5, 11

So augenscheinlich sind die vielen Veränderungen, die in der Welt seit dem Ende der „Zeiten der Nationen“ im Jahre 1914 stattgefunden haben, dass es einen weiter gar nicht wundert, wenn berühmte Staatsmänner und Schriftsteller sich immer wieder auf die Vorkriegszeit als die „alte Ordnung“ beziehen und von der gegenwärtigen Zeit als einer „Übergangsperiode“ sprechen, die zu einer neuen Ordnung führen wird.

Insofern als das Ende des Zeitalters keineswegs das Verbrennen der buchstäblichen Erde bedeutet, können wir nun auch leicht verstehen, warum die „Zeichen“ bezüglich des „Endes der Welt“ auch nicht so ausgelegt werden dürfen, als ob sie alle an einem einzigen Tage stattfinden würden. Dann können wir auch erkennen, dass diese alte Welt sich ihrem Ende zuneigt und Anzeichen vorhanden sind, dass das neue Zeitalter nahe ist. Die hereinbrechende neue Ordnung—die Bibel nennt sie das Königreich Christi oder das Königreich Gottes—ist das göttliche Recht zur Herrschaft, durch das die gegenwärtigen, unvollkommenen Regierungen der Erde ihres Amtes enthoben werden sollen. Die Bibel gibt dem neuen König der Erde viele Titel, u.a. „Michael“, das heisst: „der da ist wie Gott.“ Dieser Titel gibt zu verstehen, dass der neue König der Stellvertreter Gottes, des Schöpfers, sein wird.

Tatsächlich erklärt der Prophet, dass „der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten wird.“ Dieses neue Königreich wird nun wirklich und wahrhaftig „für die Menschen“ sein, aber es wird das Königreich Gottes, das Königreich des Schöpfers, sein, und es wird durch göttliche Autorität und Macht regieren und seine Gesetze von Gott direkt empfangen. Die Völker werden alsdann nicht mehr darüber abstimmen können, noch wird die Gesetzgebung und der Erfolg derselben von menschlicher Weisheit und Fähigkeit abhängen.

Dieser Michael, der Messias und Stellvertreter Jehovas, ist es, auf den sich die wunderbar genaue Prophezeiung im 12. Kapitel des Buches Daniel bezieht. Dort ist von einer Zeit die Rede, in der Michael „aufstehen wird,“ um die Umgestaltung der Welt zu leiten. Der Prophet weist darauf hin, dass dies zuerst „eine Zeit der Drangsal mit sich bringt, dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht bis zu jener Zeit.“—Daniel 12:1; Matth. 24:21

Ist es reiner Zufall, dass zu derselben Zeit, in der die nichtjüdischen Nationen zerfallen und die Juden nach Palästina zurückkehren sollen, um ihre nationale Existenz zu erneuern, sich auch diese vorhergesagte „grosse Zeit der Drangsal“ entwickeln wird? Ganz gewiss nicht!

Und wer könnte behaupten, dass wir nicht gerade jetzt durch einen Teil dieser Drangsal hindurchgehen? In Lukas 21:26 zitiert Jesus diese Prophezeiung von Daniel 12 und erklärt, dass wegen dieser vorhergesagten „Zeit der Drangsal“ die „Menschen verschmachten werden vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen.“

Der Apostel Paulus gibt uns weitere wertvolle Auskunft über die Entwicklung der gegenwärtigen Weltereignisse, besonders hinsichtlich dieser verheerenden Drangsal, welche zum Teil schon die Welt betroffen hat. Zuerst erwähnt er „Zeiten und Zeitpunkte“ und die Tatsache, dass, während die Welt sich der wahren Bedeutung der Zeit, in der sie lebt, noch gar nicht bewusst würde, die Brüder Christi diese jedoch schon genau erkannt hätten. Dann sagt er: „Und wenn die Weisen dieser Welt sagen: Friede und Sicherheit! dann wird ein plötzliches Verderben über sie kommen, gleichwie Geburtswehen über die Schwangere.“—1. Thess. 5:1-4

Jeder weiss, dass der allgemeine Ruf nach Frieden unter den Nationen und Völkern der Erde mit dem Endziel der Ächtung des Krieges kam; besonders und in bemerkenswerter Weise mit Beginn der letzten 25 oder 30 Jahre einsetzte. Friedensgesellschaften und Friedenskongresse sind ja ganz moderne Bewegungen. Ein solches Bestreben war den vorangegangenen Generationen fast unbekannt. Kam es ganz von ungefähr, dass gleichlaufend mit all diesen grossen Bemühungen um den Weltfrieden die Welt plötzlich in den verheerendsten Krieg der Geschichte hineingestürzt wurde? Ist dies nicht vielmehr in genauer Übereinstimmung mit der Erfüllung jener Weissagung des Apostels Paulus: „Dann kommt ein plötzliches Verderben über sie,“ und dies zu einer Zeit, wenn die Nationen anfangen würden, Frieden zu fordern?

Man beachte nun, wie und in welcher Weise diese verwüstende Drangsal die alte Ordnung der Dinge heimsuchen wird: „Gleichwie die Geburtswehen über die Schwangere.“ Jede Mutter weiss, was das bedeutet. Die Geburtswehen kommen krampfartig, unterbrochen durch Erleichterungspausen. Diese werden der Regel nach kürzer und kürzer und die Wehen immer heftiger, bis das Kind geboren ist. Bis jetzt stimmt diese „grosse Zeit der Drangsal“, die mit der Geburt der neuen Ordnung enden wird, noch genau mit diesem biblischen Bild überein.

Der Weltkrieg

Zuerst und gerade am Ende der „Zeiten der Nationen“ kam der Weltkrieg mit seinen schrecklichen Leiden und schwächenden Einflüssen auf die Zivilisation. Der Krieg ging zwar zu Ende, aber seine Nachwirkungen wurden noch lange verspürt. Angeblich war es ein Krieg, um alle Kriege zu beenden; aber schon bald, nachdem der Waffenstillstand unterschrieben war, begannen die Nationen von neuem zu rüsten, bis schliesslich 1939 ein neuer Krieg ausbrach.

Der Krieg von 1914 sollte der Welt die demokratische Staatsform sichern, aber in seiner Folge wurden Diktaturen eingesetzt, und heute ist die Demokratie so ziemlich von der Erde verschwunden. Dieser Krieg machte die Nationen bankrott, brachte aber zur selben Zeit Tausende von Millionären hervor, die—gemnäss Erfüllung einer anderen Prophezeiung—„Schätze gesammelt haben in den letzten Tagen.“

Ja, es war eine richtige „Wehe“, die plötzlich anhob und ebenso plötzlich zu Ende ging. Sie war weltumspannend. Als sie endete, war die Welt glücklich, unsinnig glücklich—für einen Tag wenigstens—und doch wusste sie nicht, dass der Krieg nur die erste Wehe war, dass noch eine ganze Anzahl solcher Wehen folgen sollten, um eine vollständig neue soziale Ordnung zur Geburt zu bringen.

Die „Pause“ und eine weitere „Wehe“

Dann begann die „Pause.“ Der Wohlstand der Nationen erschien im Aufschwung begriffen, und der Ausdruck „zurück zu normalen Zuständen“ war in aller Leute Mund. Ja, die Periode der Erleichterung war da; der Puls der armen Welt schien normal zu sein, wenigstens insoweit, als die wohlhabenden, politischen Ärzte behaupteten; ja, sie liessen sogar in prahlerischer Weise verlauten, dass der Patient sich unter ihrer geschickten Behandlung völlig erholt habe.

Ach, wie kurzsichtig ist doch menschliche Weisheit! Diese Ärzte erkannten nicht, dass es sich in diesem Falle um Geburtswehen handelte, die der Geburt einer neuen Ordnung vorausgehen. Sie wussten nicht, dass die „Zeiten der Nationen“ zu Ende gekommen waren, und dass die Zeit aller Könige der Erde vorüber sei—deshalb erwarteten sie eine Verewigung der alten Ordnung.

Dann kam plötzlich und ohne Warnung im Herbst 1929 der Anfang der zweiten „Wehe“, und auch diese war, gleich der ersten, weltumspannend. Die Börse fiel über Nacht und fuhr fort zu fallen. Banken krachten, und die Geschäftswelt machte bankrott.

Viele wandten sich vom Risiko des Geldmarktes ab und vertrauten ihr Geld den Banken zur sicheren Aufbewahrung an, doch letzten Endes nur, um einsehen zu müssen, dass auch diese schliesslich gezwungen waren, ihre Türen zuzumachen. Einige wenige, die den Banken nicht vertrauten, kauften Gold und bewahrten es in Stahlkammern und anderen Orten auf, aber auch hier nur, um es am Ende zufolge einer Notmassnahme wieder zu verlieren.

Tausende von Fabriken wurden geschlossen, Millionen von Männern und Frauen verloren ihre Arbeit, und lange Reihen. bildeten sich vor den Volksküchen fast jeder Stadt. So fing die arme Welt an zu begreifen, dass sie in den Wehen einer schlimmen Zeit lag, die noch mehr Leiden mit sich brachte als die erste „Wehe.“

Andere „Wehen“

Diese „Wehe“ griff auf die ganze Welt über, und die „Ärzte“ bearbeiteten den „Patienten“ aufs neue. Viele Heilmittel wurden ausprobiert und „Besserung“ wurde von fast allen Seiten berichtet. Ja, in Amerika behauptete man sogar, die schlimme Zeit sei nun vorbei, ohne jedoch zu beachten, dass zur selben Zeit, als das Verteidigungsprogramm eingeführt wurde, noch immer zehn Millionen Männer und Frauen, oder gar noch mehr, arbeitslos waren.

Getreu dem Vorbild der Natur scheinen die Perioden der Pausen und Wehen mehr und mehr ineinander überfliessen zu wollen. Wir hatten kaum die schlimme Zeit überstanden, als ein neuer und noch viel entsetzlicherer Krieg über die Nationen hereinbrach—der zweite Weltkrieg, ein Kampf zwischen Diktatur und Demokratie. Beide Seiten kämpften den blutigen Kampf bis zum bitteren Ende. Ob dieses die letzte Wehe vor der Geburt der neuen Ordnung sein wird oder nicht, kann niemand sagen; aber wir können frohlocken, dass das Königreich Christi bald aufgerichtet werden wird.

Jene, die den Prophezeiungen der Bibel wenig oder gar keinen Glauben schenken, erheben oft den Einwand, dass diese Ereignisse, auf die sich Bibelforscher so gern als die „Zeichen des herannahenden Endes“ beziehen, in Wirklichkeit nur eine Wiederholung der Geschichte seien. Der Leser wolle jedoch beachten, dass alle Punkte, soweit wir sie hier betrachtet haben, derart ungewöhnliche Ereignisse in den Annalen der Weltgeschichte bedeuten, wie sie in früheren Zeiten nie erwähnt worden sind. Das gilt ganz besonders hinsichtlich des nächsten Gegenstandes, den wir jetzt betrachten wollen.

Zunahme der Erkenntnis

Im selben 12. Kapitel der Prophezeiung Daniels, in dem der Prophet von der gegenwärtigen „Zeit der Drangsal“ spricht—die jeden Tag schlimmer wird—gibt er uns weitere, wertvolle und zutreffende Auskunft betreffs dieser „letzten Tage“, in denen wir leben. Daniel nennt diese gleiche Periode die „Zeit des Endes.“

Es ist nun klar, dass Daniel hier nicht Bezug nimmt auf die herannahende Zerstörung der Erde, wenn er von der „Zeit des Endes“ spricht, sondern auf das Ende der Herrschaft der Nationen über die Erde. Was diese Periode anbetrifft, so sagt der Prophet: „Zur Zeit des Endes werden viele hin-und herrennen (auf der Erde), und die Erkenntnis wird sich mehren“ (engl. Übersetzung).

Ein Ausspruch, der eine tiefe Bedeutung hat. Das Hin-und Herrennen der Menschen hat erst zu Lebzeiten der gegenwärtigen Generation richtig angefangen. Wir sind heutzutage eine Welt von Reisenden! Und warum? Weil urplötzlich eine beispiellose Welle zunehmender wissenschaftlicher und technischer Erkenntnis die Menschheit ergriffen und die Voraussetzung für die Erfindung neuer Reisemöglichkeiten erst geschaffen hat—genau wie der Prophet voraussagte.

Sir Isaak Newton, ein berühmter und gläubiger englischer Philosoph des 18. Jahrhunderts, hatte diese Prophezeiung Daniels eingehend betrachtet und daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass die Zeit kommen würde, in der die Leute 80 km pro Stunde zurücklegen könnten.

Voltaire, der berühmte französische Skeptiker, verspottete den grossen Newton gar sehr wegen seiner Unklugheit, eine übereilte Vorhersage dieser Art gemacht zu haben und dann gar noch die Bibel zum Beweis dafür anzuführen. Was würde Voltaire wohl heute sagen, wenn er jetzt plötzlich von den Toten aufstünde?

Heutzutage sind diejenigen, die nicht schneller als 40 km pro Stunde fahren, dem allgemeinem Strassenverkehr gewöhnlich ein Hindernis, während 240 km noch als mässige Geschwindigkeit für Flugzeuge betrachtet wird. Diejenigen aber, die heutzutage ähnliche Ansichten über die vermeintliche Albernheit biblischer Prophezeiungen hegen wie Voltaire und das Glück haben, zu den Lebenden zählen zu dürfen, mit eigenen Augen zu sehen und zu hören, täten gut daran, sich einmal zu besinnen und die Angelegenheit in aller Ruhe zu überdenken.

Die jüngeren Glieder der gegenwärtigen Generation sind geneigt zu vergessen, dass alle unsere wundervollen, gesegneten Erfindungen und alles Reisen ein Vorrecht unserer Generation sind, und dass unsere Grosseltern noch sehr wenig oder gar nichts davon wussten. In den frühesten Tagen der Eisenbahn geschah es, dass viele sonst intelligente Leute behaupteten, die Eisenbahnen seien „Erfindungen des Teufels, um unsterbliche Seelen zur Hölle hinunterzufahren.“

Wenn selbst vor 50 Jahren ein Universitätsprofessor gesagt hätte, dass die Zeit kommen würde, in der wir in unserm Heim sitzen und mit jemandem über den Ozean, ja, irgendwo auf dem Erdkreis, sprechen könnten, und noch sogar ohne Draht oder andere sichtbare Verbindungen, dann würden seine Freunde wohl gesagt haben: „Ach der Arme, das hat er nun vom vielen Studieren!“ Aber wir nehmen heute diese Wunder als etwas ganz Selbstverständliches hin und bedenken nicht, dass diese in Erfüllung göttlicher Prophezeiung gekommen sind.

Vor ungefähr hundert Jahren war es in England nichts Ungewöhnliches, wenn Mitglieder des Parlaments wichtige Dokumente noch nicht eigenhändig unterschreiben konnten. Was würde man heute wohl von einem zehnjährigen Kind sagen, das nicht lesen oder schreiben kann? Vergesst nicht, dass diese ganze „Zunahme der Erkenntnis“ für die „Zeit des Endes“ vorhergesagt war!

Das Sammeln der Nationen

Lasst uns noch eine andere Prophezeiung betrachten, die in sehr engem Verhältnis zur Gegenwart steht und die beweist, dass wir tatsächlich Augenzeugen jener Schlusszene der Nacht des Leidens und des Todes sind, die die Welt in Dunkel hüllt. Die betreffende Weissagung lautet:

„Darum harrt auf mich, spricht Jehova, auf den Tag, da ich mich aufmache zur Beute! Denn mein Rechtsspruch ist, die Nationen zu versammeln, die Königreiche zusammenzubringen, um meinen Grimm über sie auszugiessen, die ganze Glut meines Zornes; denn durch das Feuer meines Eifers wird die ganze Erde verzehrt werden.“—Zeph. 3:8, 9.

Der Zeitpunkt der Erfüllung dieser Prophezeiung nimmt Bezug auf das „Versammeln“ der Nationen. Jeder weiss, dass die Nationen der Erde durch die Erfindungen und Fortschritte der letzten Jahrzehnte derart einander nähergebracht worden sind, dass praktisch keine Nation mehr in vollständiger Abgeschlossenheit von der Umwelt leben kann.

Die grosse Weltwirtschaftskonferenz von 66 Nationen, die im Sommer 1933 in England abgehalten wurde, wenngleich sie auch ihr Ziel verfehlte, möge als gutes Beispiel dafür dienen, dass die gegenwärtig bestehenden Nationen während der „Zeit des Endes“ zu einer engverbundenen gegenseitig aufeinander angewiesenen und von einander abhängigen Gemeinschaft versammelt werden sollen.

Diese Londoner Konferenz wurde deshalb einberufen, weil man klar erkannt hatte, dass das ganze Gebäude unserer Zivilisation einzustürzen drohte, wenn nicht eine Übereinkunft hinsichtlich einer einheitlichen Wirtschafts-und Finanzpolitik erzielt würde… Aber ach, es kam zu keiner wirklichen Übereinstimmung auf dieser Konferenz, und das Resultat war, dass gleich nach Beendigung derselben ein wilder Wettlauf der Wiederaufrüstung zwischen den Nationen begann, der zum letzten Weltkrieg führte.

Kein Wunder! Zephanja hat das Misslingen all dieser Bestrebungen, die Nationen in diesen „letzten Tagen“ doch noch zusammenzubringen, bereits damals klar geschaut und als Grund dieses Fehlschlages die Tatsache angeführt, dass nunmehr die Zeit gekommen sei, in der Gott Seinem gerechten Zorn gegenüber dieser selbstsüchtigen und verdorbenen Welt Ausdruck verleihen wolle—einer Welt, die wohl Seinen Namen leichtfertig im Mund führe, aber Seine Gebote vorsätzlich übertrete.

Der Prophet erklärt, Gottes Rache mache sich durch „das Feuer seines Eifers, das die ganze Erde verzehren wird“, bemerkbar. Da, wie wir schon gesehen haben, die „Erde“ von einem wilden „Tier“ verzehrt werden konnte, so kann sie doch auch ebenso durch das „Feuer des Eifers Gottes“ verzehrt werden.

Diese Sprache ist in jedem Fall sinnbildlich aufzufassen und bezieht sich nicht auf eine buchstäbliche Erde, ein buchstäbliches Tier oder ein buchstäbliches Feuer.

Das Sinnbild des „Feuers“ ist sehr einleuchtend. Es deutet hier die völlige Zerstörung der gegenwärtigen, auf Selbstsucht gegründeten Weltordnung an. Dieser Zerstörung folgt die Regierung des Königreiches Christi, in dem alle Menschen Gelegenheit erhalten werden, zu Gott und der Verherrlichung Seines Namens zurückzukehren.

Dass Zephanias Prophezeiung nicht die Vernichtung der buchstäblichen Erde bedeute, noch all der Menschen, die auf ihr leben, geht klar aus dem 9. Vers hervor, der da lautet: „Denn alsdann (nach dem Feuer) werde ich die Lippen der Völker in reine Lippen umwandeln, damit sie alle den Namen Jehovas anrufen und ihm einmütig dienen.“

Hieraus ist doch klar ersichtlich, dass die Menschen nicht verbrannt werden, sondern eine Gelegenheit haben sollen, zu Gott zurückzukehren, um Ihm zu dienen, nachdem die sinnbildliche „Erde“ durch das „Feuer seines Eifers“ verzehrt worden ist.

Das, lieber Leser, ist die „Zeit der grossen Dangsal.“

Die einzige Hoffnung der Welt

Es ist der unabänderliche Wille des Schöpfers, die Menschheit zu jenem Zustand vollkommener Gesundheit, Glückseligkeit und ewigen Lebens auf dieser Erde wieder hinzuführen, wie er einstens vor dem Sündenfall in jenem irdischen Paradies herrschte. So hat Er gesprochen, und so steht es in Seinem Wort, der Bibel.

Unsere Vernunft muss uns doch sagen, dass dies wahrlich der ideale Zustand ist, den sich jeder wünscht. Wenn nun Gott die Erde für den Menschen erschuf und den Menschen für die Erde, ist es dann nicht absurd anzunehmen, er würde widerstreitenden, verführerischen und rebellischen Mächten ewiglich erlauben, Seine liebevollen Absichten zu vereiteln? Auch ist es undenkbar, dass Er gezwungen werden könnte, Seinen Plan zu ändern, um nur einige wenige zu ihrer Errettung in eine andere Lebensstufe zu bringen.

Als Gott den Menschen erschuf und ihm das wunderbare Heim in Eden gab, sagte Er zu dem ersten Paar: „Mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan.“ Nichts wurde Adam und Eva davon gesagt, dass sie nach ihrem Tod in den Himmel kommen würden; in der Tat, der Tod war ja eine Unmöglichkeit, so lange sie den Gesetzen des Schöpfers Gehorsam leisteten.

Sie sollten leben—auf Erden—und nicht sterben. Sie sollten „die Erde“ mit ihren Nachkommen füllen—und nicht den Himmel. Man stelle sich im Geist einmal vor, wie jene Zustände sein würden, wenn Sünde und Tod nicht gekommen wären: Das ursprüngliche Paradies Eden würde sich schliesslich bis zu den Enden der Welt ausgedehnt haben, wie Gott befohlen hatte. Man mache sich einmal ein Bild von diesem weltweiten Paradies mit seinen vollkommenen und glücklichen Menschenkindern, welche das ewige Leben und die ewige Gunst des Schöpfers geniessen! Wahrlich, das ist die wirkliche Gnadengabe ,die die Menschheit noch empfangen wird, schon aus dem Grunde, weil ja durch den Tod Jesu die Voraussetzungen für eine solche „Wiederherstellung“ bereits geschaffen sind.

Als Gott gleich am Anfang sagte, dass der „Same des Weibes“ der Schlange den Kopf zertreten würde, meinte Er in Wirklichkeit, dass das Ergebnis des Teufelswerkes—nämlich der Tod—vernichtet werden sollte, und dass der Mensch jenen Zustand wiedererlangen würde, den er durch seinen Ungehorsam seinem Schöpfer gegenüber verwirkt hatte: Vollkommenheit.

Wiederherstellungs-Verheissungen

Als Gott dem Abraham prophezeite, dass durch seinen „Samen“ alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollten, war das in Wirklichkeit eine Verheissung der Wiederherstellung aller Nachkommen Adams.

Als der Engel bei der Ankündigung der Geburt Jesu die Worte sprach: „Euch ist heute in Davids Stadt ein Erretter geboren, welcher ist Christus, der Herr,“ da bedeutete das, dass nun für die Welt der bedeutsame Augenblick gekommen sei, wo sie vom Tod errettet werden sollte, um dem Leben zurückgegeben zu werden.

Als Jesus Seine Jünger beten lehrte: „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel,“ da erinnerte Er sie daran, dass der wahre und endliche Zweck des Königreiches Gottes die Wiederherstellung des verlorenen Gutes des Menschen sei. Alle Christen, die jemals dieses Gebet sprachen, beteten bewusst oder unbewusst—für die Wiederherstellung paradiesischer Zustände auf Erden.

Als unser Herr und auch die Apostel allen getreuen Christen verhiessen, dass sie „Miterben“ Jesu werden würden, und dass sie „mit ihm herrschen“ sollten, wollten sie damit sagen, dass sie schliesslich mit Ihm als dem geistigen „Samen Abrahams“ an dem herrlichen Werk des Ausgiessens der verheissenen Segnungen wiederhergestellten Lebens teilhaben würden.—Offb. 5:10

Wenn die Heilige Schrift sagt, dass Jesus, „durch die Gnade Gottes den Tod für jedermann schmeckte,“ so bedeutet das, dass diese Todesstrafe, die wegen der ursprünglichen Sünde ja auf jedermann lastet, zu gegebener Zeit aufgehoben werden sollte, und dass auf diese Weise der Weg zum Leben auf einer zur Vollkommenheit umgewandelten Erde für jedermann geebnet sein würde.—Röm. 6:23

Eben zum Zwecke, dieses Wiederherstellungswerk durchzuführen, nehmen sowohl Jesus als auch Seine Kirche hinsichtlich ihrer Natur und Herrlichkeit eine so erhabene Stellung ein. Und ist dies für die Kirche Christi nicht eine viel bessere Hoffnung der Herrlichkeit, als jene Lehre des finstern Mittelalters sie verheisst, welche sagt, dass Gott angeblich versucht habe, die ganze Welt zu veranlassen, sich der weltlichen Kirche anzuschliessen, damit sie vor der Hölle errettet werden mögen?

Dieses wunderbare Wiederherstellungswerk wird der zweiten Wiederkunft Christi folgen. Der Apostel Petrus kündet es in der Apostelgeschichte im 3. Kapitel, Vers 19-23 an. Kurz zuvor, ehe er die nachfolgend niedergeschriebene Aussage machte, hatte er einen Mann geheilt, der von Geburt an lahm gewesen war. Diese wichtige Begebenheit brauchte er gleichsam als Illustration und Grundlage für seine Worte, die da lauten:

„So tut nun Busse und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn, und er den euch zuvor verordneten Jesus Christus sende, welchen freilich der Himmel aufnehmen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von welchen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat.“

Welche eine alles umfassende Prophezeiung ist doch dieses Bibelwort!—„Wiederherstellung aller Dinge!“ Welch völlig andere Darstellung des zweiten Kommens Christi ist dies doch im Vergleich zu dem traditionellen „jüngsten Tag,“ der der Wiederkunft des Herrn folgen sollte!“

Ja, „Zeiten der Erquickung“—nicht der Dunkelheit und der Qual sollen „vom Angesicht des Herrn kommen.“ Dieser Ausdruck „vom Angesicht“ hat seinen Ursprung in einer orientalischen Sitte. Wenn man jemandem den Rücken kehrt, so bedeutet man ihm damit, dass er nicht erwünscht  ist, so man aber jemandem das Antlitz zuwendet, will man damit sagen, dass der Betreffende als Freund willkommen sei. Wie tiefschürfend ist doch dieser Ausdruck, wie ihn der Apostel in seiner Prophezeiung gebraucht!

Es ist schon lange her, dass Gott Seiner menschlichen Schöpfung im Garten Eden „den Rücken zukehrte“, weil die Menschenkinder Sein Gesetz übertreten hatten. „In Seiner Gunst steht das Leben,“ sagt der Prophet; zufolge ihrer Sündhaftigkeit aber verlor die Welt diese Gunst. Daher musste sie verwelken und verdorren gleich einer Blume, der man den Sonnenschein entzieht.

Die Verheissungen werden erfüllt werden

Wenn auch—bildlich gesprochen—Gott während der letzten 6 000 Jahre den Menschen Seinen Rücken zugekehrt hat, so hat Er ihnen nichtsdestoweniger Seine Verheissungen bezüglich der zukünftigen Zeit der Segnungen dennoch gegeben und gleichzeitig auch Vorkehrungen für deren Erfüllung getroffen.

Das zweite Kommen Christi und die Aufrichtung Seines Königreiches bezeichnet die Zeit, in der diese Verheissungen anfangen sich zu erfüllen. Gerade das hat Petrus ja gemeint, wenn er sagt, dass dann Gott Sein Angesicht der menschlichen Familie wieder zuwenden werde, und dass dann als Folge dieser Gnade die „Zeiten der Erquickung“ kommen sollen.

Der Apostel erwähnt fernerhin, dass die „Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von denen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher gesprochen hat,“ bald kommen sollen. Der Mensch verlor sein ehedem vollkommenes Leben auf Erden. Nun soll es wiederhergestellt werden. Wie könnte die Welt im Himmel wiederhergestellt werden, wenn sie niemals dort gewesen ist? Und man bedenke auch, dass alle heiligen Propheten Gottes der elenden sterbenden Menschheit ohne Ausnahme diese kommenden segensreichen Tage vorhergesagt haben.

Welch ernst denkendem Menschen mag nicht schon die Frage aufgestiegen sein, wie denn „blühende Wüsten“ und gedeihende Feigenbäume im Himmel sein könnten? Nein, lieber Leser, irdische Dinge dieser Welt—sind es, welche die Propheten des Alten Testamentes beschrieben haben, und auf die sich, wie wir nun sehen, ihre Aussagen hinsichtlich dieser irdischen Lebenssegnungen in einem glücklichen und wiederhergestellten irdischen Paradies auch tatsächlich beziehen.

Die Wiederherstellung der Gesundheit des Lahmen durch Petrus wurde nur als Lehrbeispiel für die kommenden Ereignisse während der Aufrichtung des Messianischen Königreiches gebraucht. Jesaja sagte z.B. dass, wenn das Königreich kommt, „dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und aufjauchzen wird die Zunge des Stummen, dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden.“—Jes. 35

Diese Wiederherstellungs-Segnungen sollen nicht nur jene Unglücklichen betreffen, die da lahm und verkrüppelt sind, nein, auch alle anderen, die das Verlangen nach ihnen haben, sollen Nutzen daraus ziehen. Dann gibt es auch keine geistige Blindheit mehr, denn „die Erde wird voll sein der Erkenntnis Jehovas, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken.“—Jes. 11:9

Das Messianische Königreich wird in den Prophezeiungen als ein „Berg“ dargestellt. Jener Stein, von dem der Prophet Daniel sagte, dass er zu einem grossen Berg wurde und die ganze Erde füllte, ist dieses „Berg“ -Königreich. (Dan. 2:34, 35, 44) Derselbe „Berg“ wird auch in Micha, Kapite l4, erwähnt. Es heisst da:

„Und es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses Jehovas feststehen auf dem Gipfel der Berge und erhaben sein über die Hügel. Und Völker werden zu ihm strömen; und viele Nationen werden hingehen und sagen: Kommt und lasst uns hinaufziehen zum Berg Jehovas und zum Haus des Gottes Jakobs. Und er wird uns belehren aus seinen Wegen und wir wollen wandeln auf seinen Pfaden. Denn von Zion wird ausgehen das Gesetz und das Wort Jehovas von Jerusalem; und er wird richten zwischen vielen Völkern und Recht sprechen mächtigen Nationen bis in die Ferne. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugmessern schmieden und ihre Speere zu Winzermessern; nicht wird Nation wider Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen. Und sie werden sitzen, ein jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, und niemand wird sie aufschrecken. Denn der Mund Jehovas der Heerscharen hat geredet.“

Die letzten Tage

Der Ausdruck „letzte Tage“, wie er in der obigen Schriftstelle gebraucht wird, ist eine Bezeichnung derjenigen Tage, die sein werden, wenn die Herrschaft von Sünde und Tod ihr Ende finden wird und an ihrer Stelle das ewige Zeitalter einer neuen besseren Ordnung unter der direkten Überwaltung des Messias aufgerichtet werden soll. Man wird gar bald erkennen, dass die Wahnvorstellungen des finsteren Mittelalters betreffs der „letzten Tage“ völlig falsch sind, wenn sie mit dieser (und noch anderen) Hoffnung erweckenden Schriftstellen verglichen werden.

Als Beispiel dafür möge die bildliche Beschreibung jener Zustände dienen, wie sie uns der Prophet aufzeigt, der doch gewiss weit davon entfernt ist, die „letzten Tage“ als das Ende aller Hoffnung oder als die letzte Gelegenheit zur Bekehrung hinzustellen. Er sagt, dass dann Gott die Menschen auf ihren Wegen belehren werde, und dass diese auf Seinen Pfaden wandeln werden; dass sie weiterhin ihre selbstsüchtigen kriegerischen Neigungen unterdrücken und ihre Zeit der Förderung des Friedens und der Wohlfahrt widmen werden: „Nicht wird Nation wider Nation das Schwert mehr erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen.“

In der Bibel werden nicht alle einzelnen Anordnungen des Messianischen Königreiches offenbart, aber es wird die Versicherung gegeben, dass dieselbe göttliche Macht und unfehlbare Weisheit, welche die Sternenwelt erschuf und deren ordnungsgemässen Lauf kontrolliert, auch den Erfolg desjenigen Heilverfahrens gewährleistet, durch das in diesem Königreich Gottes das Gesetz der Liebe in alle Winkel der Erde hineingetragen werden soll, und zwar gleich nach dem nun vor sich gehenden Zusammenbruch der Herrschaft von Sünde und Selbstsucht.

Der Symbolismus der Prophezeiung Michas befasst sich natürlicherweise mit Dingen, mit denen der Prophet vertraut war. „Speere“ und „Schwerter“ sind heutzutage als kampffähige Instrumente der Kriegsführung nicht mehr gebräuchlich. Wenn diese Prophezeiung aber in modernen Zeiten geschrieben worden wäre, würde sie unzweifelhaft Unterseeboote, Luftschiffe und Giftgas erwähnt haben.

Auch das Bild vom Weinstock und Feigenbaum ist ein Symbol, und zwar das des Friedens und der Zufriedenheit. Beide sind die sicheren Grundlagen der Notwendigkeiten und Annehmlichkeiten des Lebens, deren einst alle Menschen teilhaftig werden sollen, wenn einmal das Königreich Christi gekommen ist. Ein behagliches hypothekenfreies Häuschen mit einen Auto-Schuppen würde wohl der modernen Auffassung befriedigender Zustände ein wenig näherkommen.

In Jesaja, Kapitel 25, finden wir eine weitere interessante Weissagung von den „Zeiten der Wiederherstellung“:

„Und Jehova der Heerscharen wird auf diesem Berg allen Völkern ein Mahl von Fettspeisen bereiten, ein Mahl von Hefenweinen, von markigen Fettspeisen, geläuterten Hefenweinen. Und er wird auf diesem Berg den Schleier vernichten, der alle Völker verschleiert, und die Decke, die über alle Nationen gedeckt ist. Den Tod verschlingt er auf ewig; und der Herr wird die Tränen abwischen von jedem Angesicht und die Schmach seines Volkes wird er hinwegtun von der ganzen Erde. Denn Jehova hat geredet. Und an jenem Tage wird man sprechen: Siehe da, unser Gott, auf den wir harrten, dass er uns retten würde; da ist Jehova, auf den wir harrten! Lasst uns frohlocken und uns freuen in seiner Rettung!“—Verse 6-9

Was könnte man noch mehr verlangen, als was in dieser herzerfreuenden Prophezeiung von den kommenden Wiederherstellungs-Segnungen enthalten ist? Wahrlich, es wird in der Tat ein Festmahl sein, wenn dereinst die Sehnsucht aller Nationen gestillt werden wird. (Haggei 2:7) Das Mahl versinnbildlicht jene Vorkehrungen des Messianischen Königreiches, die das Leben wiederherstellen und aufrechterhalten werden.

Der „Schleier“, der symbolisch die verblendenden Einflüsse der „alten Schlange“ darstellt, wird dann hinweggetan werden. Das kann aber erst geschehen, wenn Christus den Satan gebunden hat, damit er die Nationen nicht mehr verführe.—Offb. 20:1-3

„Und der Tod ist verschlungen in den Sieg.“ 1. Kor. 15:54 (Jes. 25:8) Oh ja, es war der Tod, der in die Welt kam und alles Glück zerstörte; aber das, was verloren war, soll wiederhergestellt werden, und deshalb muss und wird der Tod vernichtet werden.

In Offenbarung 21:4 wird uns gesagt, dass „der Tod nicht mehr sein wird.“ Da man bislang immer versucht hat, all diese herrlichen, irdischen Verheissungen auf den Himmel anzuwenden, so waren wir für das Verständnis des Naheliegenden—nämlich der Segnungen hier auf Erden—völlig geblendet. Wir übersahen ganz die Tatsache, dass nur einige wenige—die wahren Fusstapfennachfolger des Meisters während dieses Zeitalters eine himmlische Belohnung empfangen sollen. Hier auf Erden hat der Tod geherrscht, und demzufolge wird er auch hier auf Erden dereinst von uns hinweggenommen werden.

Und wie froh werden die Menschen dann sein, wenn sie die Königreichs-Segnungen des Lebens und der Errettung annehmen können! Man beachte, was der Prophet hinsichtlich dessen sagt: „Und an jenem Tage wird man sprechen: Siehe da, unser Gott, auf den wir harrten, dass er uns retten würde; da ist Jehova auf den wir harrten! Lasst uns frohlocken und uns freuen in seiner Rettung!“—Jes. 25:19

Wieviele Millionen von Menschen haben wahrhaftig mit Sehnsucht auf die Zeit einer besseren Erkenntnis des wahren Gottes gewartet! Und wieviele haben auch für die „Errettung“ gehofft und gebetet! Ja, die Welt hat tatsächlich in Erwartung des Sonnenaufganges der wiederkehrenden Gunst Gottes gestanden unbewusst vielleicht, ohne eine klare Vorstellung, wie oder wann dies geschehen würde.

Aber, wenn die verblendenden Einflüsse des Erzfeindes gebunden worden sind und die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes die Erde erfüllt hat, dann werden die Menschen ihren Gott erkennen und werden tatsächlich und enthusiastisch mit ihrem ganzen Herzen zu Ihm zurückkehren.

Gottes gewaltige Macht

Möge niemandes Glaube Anstoss nehmen an der ungeheuren Grösse der Dinge, die Gott den Menschen zu tun verheissen hat. Lasst uns nicht vergessen. dass wir nur erwägen, was der allmächtige, ewige Schöpfer des Universums zu tun versprochen hat. Gott, der die Ursache alles Lebens ist, ist sehr wohl auch imstande, dasselbe um ein Vielfaches zu erweitern, um Seine Verheissungen zu erfüllen.

Und diese „Wiederherstellung“ wird sich sowohl auf die Toten als auch auf die Lebenden erstrecken. Dies ist es, was die Bibellehre der Auferstehung in sich schliesst. Diese herrliche Lehre der Auferstehung von den Toten ist durch die überlieferte Behauptung, dass es keinen Tod gebe, sinnlos gemacht worden. Wie  kann auch jemand von den Toten auferweckt werden, wenn er nicht tot ist!

Wie hat es auch nur möglich sein können, dass die Christenheit in ihrer Verwirrung diese einfache, aber das Herz befriedigende Hoffnung der „Wiederherstellung“ nicht erfassen konnte? Ihre Sinne waren durch die unselige traditionelle Lehre von der Unsterblichkeit der Seele verblendet! Nun können wir jedoch—dem Herrn sei Dank—sehen, dass diese Errettung eine Auferweckung von den Toten und eine Wiederherstellung zum Leben auf der Erde bedeutet.

Die Bibel schildert den Tod als Schlaf, aus dem alle am Morgen des nun anbrechenden Tages erquickt auferweckt werden sollen. Die göttliche Uhr der Zeitalter zeigt schon die frühe Morgenstunde an; und obschon die Dunkelheit noch undurchdringlich ist, kommt der Tag doch eilends näher, ja, er ist sehr nahe.

Die Segnungen sind vor der Tür

Ja, das Bemerkenswerteste ist die Tatsache, dass diese lebenverheissenden Segnungen der Wiederherstellung heute vor der Türe sind. Und es bedarf keines überschwenglichen Glaubens, um davon überzeugt zu sein. Wir wissen, dass die Propheten der Bibel uns eine sehr genaue Weissagung von den gegenwärtig herrschenden Zuständen gegeben haben—Zustände, die der Errichtung des Königreiches Gottes unmittelbar vorausgehen sollten. Sind nicht jene Prophezeiungen hinsichtlich der vielen Segnungen, die schon verwirklicht worden sind, in höchstem Masse zutreffend gewesen? Viele derselben wären vor nur wenigen Jahren noch für unmöglich gehalten worden! Wir können daher nicht umhin zu glauben, dass dieselbe göttliche Macht und Weisheit, die den Geist der Propheten geleitet haben muss, diese auch in der Vorhersage all der wunderbaren, zukünftigen Dinge inspiriert hat.

Lasst uns deshalb angesichts der begeisternden Aussicht, die noch vor uns liegt, frohlocken, und möge die Vision jener kommenden Freuden uns instandsetzen, die gegenwärtigen Anfechtungen geduldig zu ertragen. Obschon die Herrschaft von Sünde und Tod für die Welt im allgemeinen eine lange und lästige gewesen ist, so geht doch die Zeit für jeden einzelnen schnell vorbei; und die unter dieser Herrschaft gemachte Erfahrung gibt jedem einzelnen eine wertvolle Belehrung.

Nur wenige sind bis jetzt imstande gewesen, die Bedeutung jener Belehrungen zu erfassen, aber während der Periode des Königreiches werden alle zur Erkenntnis kommen, dass die 6 000 Jahre der Leiden und des Todes in der Welt durch Ungehorsam gegenüber dem göttlichen Gesetz heraufbeschworen worden sind durch die ursprüngliche Sünde Adams und den fortgesetzten Ungehorsam von seiten der ganzen Welt durch die Zeitalter hindurch, denn „alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes.“—Röm. 3:23

Wenn wir nun begreifen lernen, dass der weise und liebevolle Schöpfer die Herrschaft des Bösen für einen bestimmten Zweck zugelassen hat—nämlich, damit unsere Wertschätzung für Ihn und Seine Gesetze vergrössert werden möchte—dann können wir geduldig auf das Kommen des neuen Tages warten und fortfahren, dafür zu beten.

Welches ist das Schicksal derer, die „schlafen?“

Lasst uns nicht vergessen, dass die, die in den Todesschlaf eingehen, die Segnungen des neuen Tages ebenso empfangen werden, wie diejenigen, die über die gegenwärtige Drangsal hinwegkommen und am Leben bleiben, ungeachtet dessen, ob sie das Königreich erwarten und dafür beten oder nicht. Denn die Verheissung lautet, dass alle vom Todesschlaf erweckt werden sollen: „Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden.“—Joh. 5:28

Allen soll während des nahenden neuen Tages Gelegenheit gegeben werden, zu Gott zurückzukehren und die Segnungen ewigen Lebens zu empfangen, obgleich diese Wohltaten niemandem aufgezwungen werden. Das Gebot der Stunde lautet, dass ein jeder den Gesetzen des Messianischen Königreiches untertan sei, und dass jene, welche nicht gehorchen, im zweiten Tod vernichtet werden, wie die Heilige Schrift es nennt.—Apg. 3:23; Offb. 20:13-15

Gottes Gesetz wiederhergestellt

Können Sie sich vorstellen, welche Folgen entstehen würden, wenn unsere Erde oder irgendein anderer Planet des Universums aus den Schranken jenes alles leitenden mathematischen und göttlichen Gesetzes der Sternenbahn ausbrechen und sich selbständig machen würde? Es besteht wohl kaum ein Zweifel, dass eine solche „Anarchie“ mit der völligen Zerstörung des betreffenden Planeten enden würde. Der Grund für die Tatsache, dass Wissenschaftler fähig sind, den Zeitpunkt einer Sonnenfinsternis Jahre zum voraus auf die Minute genau zu berechnen, liegt in der absoluten Verlässlichkeit dieser unfehlbaren Gesetze der Himmelskörper und in ihrer Unveränderlichkeit.

Kann man denn nun nicht billigerweise auch annehmen, dass der Mensch, der doch das höchste der irdischen Geschöpfe ist und auch das einzige, das ein Gewissen hat, das ihm mehr oder weniger den Unterschied zwischen Recht und Unrecht, Gut u nd Böse, anzeigt, ebenso dem göttlichen Gesetz untertan sei?

So ist’s. Und gerade der Ungehorsam des Menschen gegenüber dem Gesetz Gottes war es, der ihn in den Sumpf der Trübsal, des Leides und des Todes hineinwarf. Darum wird die Menschheit auch nur durch Gehorsam gegenüber dem Gesetz Gottes dereinst wieder Gelegenheit erhalten, zu Gott zurückzukehren, um so der Segnungen des Lebens und der Glückseligkeit, die durch die Sünde verlorengegangen sind, wieder teilhaftig zu werden.

Aber möge uns niemand so verstehen, als ob allein die gegenwärtigen Anstrengungen zur Einhaltung der Gebote jemanden in die Gunst Gottes zurückbringen könnten! Nein, der vollkommene Mensch Adam, der sowohl die Weisheit als auch die Fähigkeit hatte, vollkommen zu handeln, übertrat Gottes Gesetz und diese Übertretung brachte ihm seine Verurteilung zum Tod. Demzufolge sind auch alle Nachkommen Adams die Kinder eines verurteilten und sterbenden Mannes und alle sind unvollkommen und tragen schon das Todesurteil und den Todeskeim in sich, während sie noch nicht einmal geboren sind. („Sterbend wirst du sterben“) Daher ist es dem Menschen in seinem geschwächten, sterbenden Zustand auch nicht möglich, Gottes Gesetz vollkommen einzuhalten. Er wäre daher hoffnungslos verloren, wenn er sich selbst erretten müsste.

Die Heilige Schrift sagt: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.“ (Joh. 3:16) Hieraus wird ersichtlich, dass alle Hoffnung auf Errettung auf Jesus allein beruht. Er bezahlte die Todesstrafe mit Seinem eigenen Tod am Kreuz zu Golgatha. Das ist der Grund dafür, warum Jesus Fleisch wurde. (Joh. 1:14) Ein Mensch war es (Adam), der gesündigt hatte und über den die Todesstrafe verhängt wurde, folglich war es auch notwendig, dass ein anderer Mensch—aber ein vollkommener und noch nicht verurteilter—der Erlöser wurde. Das geschah durch Jesus.

Während nun Gott auf der einen Seite in Seiner unendlichen Liebe Seinen Sohn als Opfer darbrachte, um so Sein Menschengeschlecht zu retten und es vor dem Tode zu bewahren, kann dann auf unserer Seite allein nur eine blosse geistige Wertschätzung dieser lebenswichtigen Wahrheit als Danksagung genügen, um mit Ihm wieder in Harmonie zu gelangen? Doch wohl ganz gewiss nicht! Weder jetzt, noch später, wenn einmal Sein Königreich aufgerichtet sein wird.

Was fordert denn nun Gott von uns?

Jehova legte Sein Gesetz in der Form jener wohlbekannten zehn Gebote nieder, wie sie einst Mose auf dem Berge Sinai von  Ihm empfangen hatte. Diese sind auch die Grundlage der meisten unserer modernen Verfassungen geworden. Jesus fasste diese Gebote in zwei Hauptgebote zusammen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand,“ und: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“—Matth. 22:37-39

Die letzte dieser beiden Forderungen ist gemeinhin bekannt als die „Goldene Regel.“ Diese zwei Hauptgebote nun sind es, die die Grundlagen aller wahren Begriffe von Recht und Gerechtigkeit bilden, und niemand—sei es in der Gegenwart oder in dem zukünftigen Zeitalter—kann in Harmonie mit dem allmächtigen Gott und Vater kommen, wenn er nicht diesem Gesetz Beachtung schenkt oder sich bemüht, ihm gehorsam zu sein.

Bis jetzt ist meistens die Selbstsucht im Sattel gewesen. Vom materiellen und äusserlichen Standpunkt aus betrachtet sieht es so aus, als sei es augenscheinlich nutzbringend und notwendig, Selbstsucht herrschen zu lassen. Allzu oft scheint es auch wahr gewesen zu sein, dass die, die sich weigerten, dieser selbstsüchtigen Neigung zu unterliegen, in ihrem Streben nach Glück gehindert wurden. „Und so preisen wir nun die Übermütigen glücklich: nicht nur sind die Täter der Gesetzlosigkeit aufgebaut worden, sondern sie haben auch Gott versucht und sind entronnen.“ Mal. 3:15

Liebe anstelle von Selbstsucht

Während der vergangenen sechs tausend Jahre ist Satan der strenge Zuchtmeister der Menschheit gewesen, und er hat auch weidlich nach dem schlechten Prinzip der Selbstsucht regiert. Mit der Aufrichtung des neuen Königreiches wird aber die gesamte Ordnung der Dinge umgestürzt werden. Dann wird Jesus der Herrscher sein, und überall auf dem Erdenrund wird man anstatt nach dem Prinzip der Selbstsucht nach dem der Liebe handeln.

Dann wird jene wunderbare Prophezeiung der Engel wirklich erfüllt werden, die da heisst: „Frieden auf Erden und an den Menschen ein Wohlgefallen.“ Dieser Wechsel von der Selbstsucht zur Liebe wird keineswegs plötzlich eintreten. Der Prophet sagt, dass die Welt allmählich im Gesetz der Liebe unterwiesen werden wird. „Wenn deine Gerichte die Erde treffen, so lernen Gerechtigkeit die Bewohner des Erdkreises.“—Jes. 26:9

Die „Gerichte“, von denen Jesaja spricht, werden also zeitlich mit der Ausgiessung der Segnungen des Königreiches zusammentreffen. Aber es wird bei weitem nicht so sein, wie die traditionelle Theologie den „jüngsten Tag“ darstellt, um die Leute in die Namenkirchen (der verschiedensten Konfessionen) hineinzutreiben. Das System der Unterweisung zur Erkenntnis der Gerechtigkeit in Seinem Königreich wird so gründlich sein, dass der Prophet sogar den Ausspruch wagt, Gottes Gesetz werde „in die Herzen der Menschen geschrieben werden.“—Jer. 31:31-34

Niemand braucht jedoch erst zu warten, bis das Königreich tatsächlich aufgerichtet ist, um das Gesetz Gottes kennenzulernen und anzufangen, darnach zu handeln. Er selbst kann zu seiner Aufrichtung beitragen. Was könnte ihn denn beispielsweise daran hindern, einen aufrichtigen Versuch zu machen, seinen Nächsten ebenso herzlich zu lieben wie sich selbst? ·

Und es gibt viele solcher Gelegenheiten, andern Gutes zu tun, Gelegenheiten, die in unser aller Bereich liegen. Es kostet kein Geld, jemandem ein Lächeln oder ein freundliches Wort zu schenken oder auf eine andere Weise die Freude mit ihm zu teilen, die in unser aller Herzen sein sollte. Was wir von der Liebe Gottes wissen, wie sie in Seinem Worte geoffenbart ist, sollten wir mit Freuden auch andern kundtun. Es gibt keine bessere Art, betrübte Herzen zu trösten, als ihnen die frohe Botschaft vom herannahenden Messianischen Königreich zu bringen.

Wir wollen nicht leugnen, dass noch schweres Unheil die Welt befallen wird, und dass sogar noch grösseres Leid über die Menschheit hereinbrechen wird, als das bisher der Fall war. Ja, es muss sein, um die Herzen und die Gesinnung der Hochmütigen, der Besserwisser und Lästerer zu demütigen und die Menschen erkennen zu lassen, dass nur Hilfe bei dem Herrn und Schöpfer aller Dinge allein zu finden ist. Jene treuen Gläubigen aber, welche „Gerechtigkeit suchen“ und darnach streben, Frieden zwischen ihren Mitmenschen zu stiften, werden jedoch unzweifelhaft besser daran sein als jene, die während der „Zeit der grossen Drangsal“ eben noch nicht zur Erkenntnis dieser Wahrheit gelangt sind.—Zeph. 2:3

Der Herr sei gelobt, denn Er gibt uns die Versicherung, dass „jene Tage verkürzt werden sollen,“ d.h. dieser Drangsal soll ein vorzeitiges Ende gesetzt werden, bevor sich die Menschen noch vollends selbst ausrotten. (Matth. 24:21-22) Ja, ein Wunder wird jener Drangsal ein Ende machen, wenn die Völker der Erde die notwendige Züchtigung empfangen haben.

Welches Wunder wird das sein? Oh, gesegneter, erhebender Gedanke: es wird die Errichtung des Königreiches Christi sein! Dieses wird die Antwort auf die Gebete eines jeden Christen sein: „Dein Reich komme!“ In dieser Stunde grösster Not weisen wir die Welt auf das Kommen dieses Wunders hin.

Bedenke, oh Herz, welch weitreichende und segensreiche Veränderungen auf dieser Erde Platz greifen werden, wenn Gottes Wille hier einmal so geschehen wird, wie er nun im Himmel geschieht! Alle Erlebnisse des Elends und des Jammers, der Verkommenheit und des Leides, die als Folge der Sünde in die Welt gekommen sind, werden dann aufhören. Anstelle ständiger Bedrohung durch Unheil, wird dann die Herrlichkeit der vollkommenen Erde erscheinen, auf der schliesslich nicht einmal mehr ein Schatten von Selbstsucht und Sünde bleiben wird. Nichts wird die friedvollen und glückseligen Bestrebungen einer vollkommenen menschlichen Gesellschaft mehr stören können!

Jedes menschliche Geschöpf, das sich mit ganzem Herzen den göttlichen Gesetzen unterwirft, wird in dem nun kommenden, wiederhergestellten Paradies zu geistiger, moralischer und körperlicher Vollkomenheit hinanwachsen! Vergegenwärtige Dir den Zustand vollkommener Gesundheit, das Bild vollkommener Schönheit der menschlichen Gestalt und wisse, dass dann die zukünftige Menschheit all dieses noch bei weitem übertreffen wird. Da wird weder Schmerz noch Weh sein, noch eine Spur von Verfall, denn der Herr hat verheissen, dass „der Tod nicht mehr sein wird, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen.“ Offb. 21:4

Die verhältnismässig wenigen unter den Millionen dieser Erde, die im Augenblick nicht von einer der zahllosen Krankheiten befallen sind, leben jedoch in fast beständiger Furcht vor ihnen und sehen die Zeit kommen, wo auch sie unter den Leidenden sein werden. Des Menschen Herz verharrt ständig in der Angst vor den Schreckgespenstern der Armut und Krankheit, der Bombenflugzeuge und Giftgase, oder wie immer sie auch heissen mögen, die diese selbstsüchtige, sündenkranke Welt bedrohen. Diese sind es auch, die uns unser bescheidenes Glück, dessen wir uns hier erfreuen könnten, ständig durch einen „Tropfen Wermut in den Becher der Freude“ trüben.

Wenn jedoch mit der neuen Weltordnung die Herrschaft des Königreiches Christi erst einmal aufgerichtet ist, dann wird auch die Furcht vor dem Bösen hinweggenommen werden. Denn so wurde es verheissen: „man wird nicht übeltun, noch verderbt handeln auf meinem ganzen heiligen Gebirge (Königreich).“ (Jes. 11:9). Oh ja, wie wundervoll wahr wird es dann sein, wenn die Tränen Weinender und Leidtragender abgewischt werden sollen und alles Leid hinweggetan werden wird, und wenn alle Menschen zur Erkenntnis des vollständigen Wiederherstellungswerkes gelangen werden!—Jes. 25:6-9

Welch ein herrliches Vorrecht dürfen wir doch geniessen, der ganzen Welt diese gesegnete Botschaft zu verkünden! Lasst uns deshalb darnach handeln! Wenn wir die Furchtsamkeit unserer Freunde und Nachbarn bemerken, wenn diese „verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen,“ dann lasst uns schnell dem Befehl des Herrn nachkommen: „Sagt zu denen, welche zaghaften Herzens sind: Seid stark, fürchtet euch nicht! Siehe, euer Gott kommt, Rache kommt, die Vergeltung Gottes! Er selbst kommt und wird euch retten.“ Jes. 35:4

Gegenwärtig können wir dem allmächtigen Vater durch nichts grössere Wertschätzung für die Hoffnung auf Sein zukünftiges Königreich zollen, als durch unser Bemühen, Sein Wort auch andern mitzuteilen. Wir können zwar nicht dem wilden Drang einer selbstsüchtigen Welt nach dem Abgrund sicherer Vernichtung Einhalt gebieten, aber wir können all denen, die hören wollen, sagen, dass Gott bald eine neue Welt aufrichten wird, wenn einmal die unmenschliche Selbstsucht sich und die „gegenwärtige böse Welt“ selbst völlig vernichtet haben wird.—Gal. 1:4

Freuen wir uns also, Gesandte des neuen Königreiches sein zu dürfen und im Glauben an die sichere Erfüllung der Prophezeiungen Gottes in den Reihen derer zu stehen, von denen Jesaja im 52. Kapitel Vers 7 sagt: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füsse dessen, der frohe Botschaft bringt, der Frieden verkündigt, der Botschaft des Guten bringt, der Heil verkündigt, der zu Zion spricht: Dein Gott herrscht als König!“

Gottes Neue Ordnung

Die erste Ausgabe dieses Büchleins „Gott und Vernunft“ verliess die Presse im Jahre 1934. Seitdem sind zehn andere Auflagen herausgegeben worden, und nun, im Jahre 1943 läuft die 12. Auflage in die Welt hinaus. 1943—welch ein Jahr! Die arme Welt leidet unter dem verheerendsten Weltkonflikt, der je entbrannt ist und der schon die von Diplomaten und Herrschern gehegten Hoffnungen, die vor 1914 bestehende Weltordnung wiederherzustellen völlig vernichtet hat. Aus diesem Grunde geht nun immer stärker der Ruf nach einer neuen Ordnung der Dinge sowohl von öffentlicher als auch von halböffentlicher und privater Seite aus.

Seit 1934 haben eine Anzahl der in den vorhergehenden Kapiteln kurz behandelten Prophezeiungen des Wortes Gottes ein bei weitem fortgeschritteneres Stadium der Erfüllung erreicht als zu jener Zeit vorausgesehen werden konnte. Nichtsdestoweniger, die Weltereignisse haben sich in der schon angedeuteten Richtung fortbewegt. Die prophetische „Zeit der Drangsal, dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht“ (Dan. 12:1) ist nun schon sehr vorgerückt, jedoch hat sie noch nicht jenen kritischen und endgültigen Grad erreicht, wo Gott sich für die Errettung Israels und die volle Aufrichtung des Messianischen Königreiches ins Mittel legen wird.—Hes. 38:21-23; Sach. 14:1-3

In dem Masse, wie die Bedrängnis der Welt zunimmt wird die zur Hoffnung geneigte Natur des Menschen ihn veranlassen über die Drangsal hinaus der neuen Ordnung entgegenzusehen: von der er nur eine unbestimmte Vorstellung hat. Zweifler und Schwarzseher beschuldigen die mehr optimistisch Veranlagten schnell damit, dass der Wunsch der Vater solcher Gedanken sei. Man hält uns entgegen, dass es von jeher Kriege gegeben habe und auch weiter geben werde. Vielleicht würden sie recht behalten, wenn das selbstsüchtige und ehrgeizige Streben des gefallenen Menschen allein ausschlaggebend wäre.

Aber, da der Mensch in äusserster Verlegenheit ist, können wir dem Herrn für die Versicherungen Seines Wortes, dass die Zeit nun gekommen sei, nur danken, denn jetzt wird Er eingreifen und die tausendjährige Herrschaft Christi, des Friedefürsten und Lebengebers, über die Erde ausbreiten. Lange hat die Christenheit um die Erfüllung dieser Verheissung gebetet. Jetzt ist die Zeit nahe, in der dieses Gebet beantwortet werden soll. Gottes Antwort wird die Aufrichtung Seiner eigenen Weltordnung sein, die Aufrichtung des Königreiches Christi.

Im Propheten Haggai, Kap. 2:7, lesen wir von der gegenwärtigen Zeit der Erschütterung, dass sie der Anlass für den Zerfall der alten Weltordnung sei, und dass darnach das „Ersehnte aller Nationen“ herbeikommen werde. Wenn wir die verschiedenartigen Vorschläge betrachten, die gegenwärtig im Hinblick auf die Dinge, die unbedingt in das Programm der neuen Ordnung eingeschlossen werden sollen, auf den politischen Konferenzen gemacht werden, dann erhalten wir ein ziemlich klares Bild vom „Sehnen und Wünschen“ der Völker und Nationen dieser Erde. Kurz gesagt, sie betreffen Frieden, wirtschaftliche Sicherheit, Wohlfahrt und Glück. Bezüglich der Art der neuen Ordnung, welche die allgemein ersehnten Segnungen garantieren sollen, bestehen zwar Meinungsverschiedenheiten, aber in den grundsätzlichen Wünschen stimmen alle überein. Und ob die Menschen diese Dinge heutzutage mehr denn je wünschen!?

Der vormalige Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Mr. Wallace, hatte vielen Leuten aus dem Herzen gesprochen, als er einmal sagte, die neue Ordnung solle auch Sorge dafür tragen, dass jedermann seinen Liter Milch täglich erhalte.—Das Liter Milch gehört nur symbolisch zu den Notwendigkeiten des Lebens, auf die jedes menschliche Geschöpf ein Anrecht hat. Gott hat versprochen, dass Seine neue Ordnung jeden mit „einem Liter Milch“ versorgen wird und mehr als diesem. In Jes. 25:6-9, wo das Königreich Christi sinnbildlich als grosser „Berg“ dargestellt wird, welcher gemäss Daniel 2:35, 44 „die ganze Erde füllte,“ erzählt uns der Prophet, dass auf diesem „Berg“ der Herr ein „Mahl von Fettspeisen“ für alle Völker bereiten wird. Dieses „Fett“,gleichwie das Liter Milch, ist auch symbolisch. Gott wird nicht nur blosse Notwendigkeiten bereiten, sondern darüber hinaus eine Fülle alles dessen bieten, was zu einer idealen Lebensweise geboten erscheint und wonach das arme Menschenherz verlangt.

So sehen wir, dass Gottes Vorkehrungen für eine neue Ordnung bei weitem jene überragen, welche die edelgesinntesten Männer und Frauen jemals haben planen können. Kurz gesagt: alle Güter und Reichtümer dieser Erde, von denen jemals eine Generation sich nur hat träumen lassen, würden am Ende im Vergleich zu Gottes Festmahl an jenem Tag—bildlich gesprochen—nur knappe „Kriegsrationen“ bedeuten. Das Erhabenste aber ist die Genugtuung dass, Er auch die Macht hat, Seine Pläne zu einem wirklichen Sieg und Ziel zu führen.

Henry J. Kaiser, der bekannte Erbauer der Liberty-Schiffe, hat einen Plan für eine neue Ordnung dargelegt, der, wie er behauptet, alle anderen bisher gefassten Pläne überflüssig machen soll. Das mag schon so sein, aber sein eigener Plan wird auch zu nichte werden. Die Prophezeiungen weisen in klarer Weise darauf hin, dass die menschlichen Pläne beiseitegesetzt werden sollen, nicht weil sie absolut wertlos sind, sondern weil sie für den Aufbau von Gottes neuer Ordnung gemäss Seinem Plan überflüssig sind.

In Gottes Neuer Ordnung wird nicht nur wirtschaftliche Sicherheit und materieller Überfluss zu finden sein, wie dies sinnbildlich in dem „Mahl von Fettspeisen“ dargestellt wird, sondern Er wird auch Frieden unter Seinen Menschen finden und Wohlgefallen an ihnen haben. Der Prophet sagt, dass die Menschen von ihren eigenen Plänen ablassen werden in der Erkenntnis, dass diese für die Bedürfnisse der Gegenwart unzulänglich sind, und dass sie sagen werden: „Kommt und lasst uns hinaufziehen zum Berg Jehovas und zum Haus des Gottes Jakobs! Und er wird uns belehren aus seinen Wegen, und wir wollen wandeln auf seinen Pfaden.“ (Micha 4:1- 4) Diese Prophezeiung offenbart fernerhin, dass die Menschen, wenn sie erst einmal Seinen Liebesplan kennengelernt haben, „ihre Schwerter zu Pflugmessern umschmieden werden und ihre Speere zu Winzermessern,“ und „sie werden den Krieg nicht mehr lernen.“

Das Beste an allem ist jedoch jene Verheissung, in der Gott eine neue Ordnung, Gesundheit und ewiges Leben für alle vorgesehen hat. Haben nicht menschliche Weisheit und Gutherzigkeit zur Versorgung Kranker und Alter weitgehende Vorkehrungen getroffen, und ist dies nicht ein wunderbarer Beweis dafür, dass sogar in dem gefallenen und selbstsüchtigen Menschen noch eine Spur von Edelmut und Gesinnung übriggeblieben ist? Aber erst Christus, der grosse König der Neuen Ordnung, wird ihr wahrhaftiger Erretter und Erlöser sein und ihnen Gesundheit und Leben geben. Dann gibt es keine Greise mehr, denn jene, welche die Gesetze des Königreiches Christi befolgen, werden die Lebensfrische der Jugend immerdar geniessen.—Jes. 33:24; Johannes 11:24, 26; Hiob 33:25

Und es werden viele nach Seinem Wort dürsten, und keine Knechtung wahrer Erkenntnis wird sich hinfort mehr auftun. Satan, der Erzverführer der Menschen, wird dann gebunden sein, und die wahre Erkenntnis Gottes wird sich über den Erdball ausbreiten. „Und sie werden,“ wie der Prophet sagt, „alle den Namen Jehovas anrufen und ihm einmütig dienen.“—Zeph. 3:9

Ja, die Menschen werden dann dem Herrn einmütig dienen, nicht aus Furcht vor der ewigen Qual, sondern weil sie von Seiner Liebe gelernt haben. Aus diesem Grund werden sie Ihm freiwillig huldigen und nur Seinen Namen anbeten. Der Prophet beschreibt die Einstellung der Menschen zur Neuen Ordnung mit folgenden Worten: „Siehe da, unser Gott, auf den wir harrten, dass er uns retten würde, da ist Jehova, auf den wir harrten! Lasst uns frohlocken und uns freuen in seiner Rettung!“—Jes. 25:9

Jene von uns aber, die das Vorrecht geniessen dürfen, die neue Ordnung bereits in ihrem Glauben klar erkennen zu können, und die gewiss sind, dass Er Seine Verheissungen auch erfüllen wird, werden angesichts dieser Aussicht jedoch jubeln und frohlocken, denn welch frohe Botschaft können sie nun den Nationen bringen! Und welche Freude wird es sein, sie zu verkünden! Sogar die, die erst anfangen, den Plan Gottes zu verstehen, werden sich gedrungen fühlen, anderen von der frohen Botschaft zu berichten.

Wir würden uns freuen, dem Leser eine Anzahl Exemplare dieses Büchleins kostenlos zustellen zu dürfen in der Hoffnung, dass er sie an Freunde und Nachbarn weitergebe. Die Herausgeber würden sich glücklich schätzen, in irgendeiner Weise allen zu einem besseren Verständnis des Wortes Gottes verhelfen zu können und die Erkenntnis mehren zu helfen, wie es Gott gefällt!

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