Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Die Wiederkunft unseres Herrn

DIE Wiederkunft Christi auf Erden wird gewöhnlich als der „zweite Advent“ bezeichnet. Die Ansichten über dieses große Ereignis sind sehr verschiedenartig. Manche behaupten, dass er zu Pfingsten stattfand, als der Heilige Geist auf die wartenden Jünger kam, und dass seitdem die Bekehrung eines jeden Sünders ein weiteres Kommen Christi bildet; dass also, wenn alle bekehrt sind, er vollständig gekommen sein wird. Auf diese Weise, behauptet man, erfüllt Jesus seine Verheißung: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“ — Matthäus 28:20

Andererseits behaupten viele, dass Jesus als ein Mensch zur Erde wiederkommen und an den Nägelmalen in seinen Händen und Füßen, sowie an der Speerwunde in seiner Seite erkannt werden wird, die er bei seiner Kreuzigung empfing. Diese letztere Ansicht stützt sich vorwiegend auf eine buchstäbliche Auslegung gewisser Prophezeiungen wie derjenigen in Offenbarung 1:7, wo wir lesen: „Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen.“

Wir glauben, dass die Wahrheit hierüber, gestützt durch das Zeugnis der ganzen Heiligen Schrift, zwischen diesen beiden übertriebenen und sich widersprechenden Ansichten liegt. Die erste Ansicht macht die Notwendigkeit eines persönlichen Kommens Christi ungültig, nähert sich aber der Wahrheit bezüglich der Natur Jesu darin, dass man ihn als soweit über der Natur menschlicher Wesen stehend betrachtet, dass man sagt, er könne gegenwärtig sein, ohne dass man ihn zu sehen vermag.

Die zweite Ansicht hält an der klar bewiesenen biblischen Tatsache einer persönlichen Wiederkunft des Meisters fest, begrenzt jedoch die Erhabenheit und die Möglichkeiten dieses bedeutsamen Ereignisses durch die unbiblische Behauptung, dass er als eine Art verklärter Mensch zur Erde zurückkehrt, und nicht als das machtvolle unsichtbare göttliche Wesen, das er wurde, als der Himmlische Vater ihn von den Toten auferweckte und ihm einen Namen gab, der über jeden Namen ist.

Die Schrift lehrt, dass Jesus, als er von den Toten auferweckt wurde, nicht mehr ein Mensch war, sondern ein machtvolles göttliches Wesen, das „Bild des unsichtbaren Gottes“ (Kolosser 1:15; 2. Korinther 5:16; 1. Petrus 3:18) Deshalb ist er in seiner Natur jetzt für das menschliche Auge ebenso unsichtbar, wie Gott unsichtbar ist. Dieser göttliche Christus ist es, der beim zweiten Advent zur Erde wiederkommt, deshalb wird die Tatsache seiner Wiederkunft auf eine andere Weise erkannt werden müssen als durch das „ihn sehen“ mit dem natürlichen Auge.

Es ist wahr, Jesus erschien nach seiner Auferstehung seinen Jüngern bei verschiedenen Gelegenheiten als ein Mensch; das bedeutet aber nicht, dass er von Natur immer noch ein menschliches Wesen war. Die Begleitumstände seiner wenigen kurzen Erscheinungen beweisen das Gegenteil. Er erschien beispielsweise stets mit einem anderen Leibe; das wäre nicht der Fall gewesen, wenn der menschliche Leib, in welchem er erschien, sein wirklicher Leib gewesen wäre.

Nur einmal erschien Jesus in einem dem gekreuzigten ähnlichen Leibe, weil Thomas erklärte, erst dann zu glauben, dass der Meister von den Toten auferweckt worden war, wenn er seine Wunden sehen könnte. Jesus stellte den Kleinglauben des Zweiflers zufrieden, aber auch nur dieses eine Mal sahen die Jünger irgendwelche Wunden. In der Tat, gelegentlich seiner anderen Erscheinungen bei ihnen erkannten sie ihn nicht an seiner Gestalt, sondern daran, was er sagte und tat.

Jesu Erscheinungen bei seinen Jüngern nach seiner Auferstehung waren von derselben Art wie diejenigen von Engeln in früheren Zeiten. So erschienen zum Beispiel drei Engel dem Abraham. Sie sprachen und aßen mit ihm; sie waren aber keine menschlichen Wesen, obgleich Abraham sie eine Zeitlang dafür hielt. — 1. Mose 18:1, 2; Hebräer 13:2

Jesus war in der Zeit zwischen seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt vierzig Tage lang bei seinen Jüngern gegenwärtig; doch während eines nur sehr kleinen Teiles dieser Zeit vermochten die Jünger ihn zu sehen; und dann auch nur, wenn er ihnen auf wunderbare Weise erschien. Dieser Jesus ist es, der die Fähigkeit hat, unsichtbar unter menschlichen Wesen gegenwärtig zu sein, welcher zum Zweck der Aufrichtung eines Königreiches der Gerechtigkeit zur Erde zurückkehren sollte, durch welches das erlöste Geschlecht zu Leben und Glückseligkeit auf der Erde wiederhergestellt werden soll.

Jesu Fleisch ein Lösegeld

Jesus wurde Fleisch, damit er sich selbst als einen entsprechenden Preis, als ein Lösegeld, für Adam und sein Geschlecht hingeben konnte. Der Meister sagte: „Mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt.“ (Johannes 6:51) Wäre Jesus als ein menschliches Wesen von den Toten auferstanden, so würde dies bedeutet haben, dass das Lösegeld zurückgenommen war und somit die Menschheit unerlöst geblieben sein würde.

Die Schrift aber zeigt, dass Jesus zwar im Fleische getötet, aber im Geiste oder als ein Geistwesen lebendig gemacht wurde. (1. Korinther 15:44 – 47; 1. Petrus 3:18) Jesus hatte früher dem Nikodemus erklärt, dass ein aus dem Geiste Geborener kommen und gehen kann wie der Wind, d. h. dem menschlichen Auge unsichtbar sein und dennoch große Macht haben. Er bewies, dass dies in seinem eigenen Fall der Wahrheit entsprach, denn nach seiner Auferstehung konnten seine Jünger, wenn er ihnen erschien, nicht sagen, woher er kam oder wohin er ging. — Johannes 3:8

Dass Jesus noch die Macht besitzt, menschlichen Wesen so zu erscheinen, wie er nach seiner Auferstehung von den Toten seinen Jüngern erschien, bezweifeln wir nicht; aber die Schrift sagt nicht, dass der Welt sein zweites Kommen in dieser Weise geoffenbart werden wird. Seine Erscheinungen nach seiner Auferstehung hatten offensichtlich den Zweck, in Herz und Sinn seiner Jünger die Tatsache zu befestigen, dass er von den Toten auf erweckt worden war; da diese Tatsache nun aber feststeht, haben wir keinen Grund, eine Wiederholung der Erscheinungen zu erwarten.

In Römer 1:20 lesen wir über Gott: „Denn das Unsichtbare von ihm, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, die von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten wahrgenommen werden, wird geschaut — damit sie ohne Entschuldigung seien.“ Hier ist ein Schlüssel, der uns helfen wird, die Prophezeiungen hinsichtlich des zweiten Kommens Christi zu verstehen. Christus ist jetzt für menschliche Augen ebenso unsichtbar wie der Himmlische Vater und kann deshalb bei seinem zweiten Advent nur durch die sichtbaren Geschehnisse erkannt werden, welche durch die prophetischen Schriften des göttlichen Wortes als die „Zeichen“ festgestellt werden können, die seine Wiederkunft kennzeichnen sollten.

Wir wollen die Sache anders erklären: Wir glauben an das Dasein Gottes, nicht weil wir ihn jemals gesehen haben, sondern weil wir seine Werke sehen. Mit unseren begrenzten Fähigkeiten betrachten wir das weite Weltall und sagen, dass dahinter ein machtvoller, allweiser Schöpfer stehen muss. Ebenso finden wir im Worte Gottes eine eindrucksvolle Reihe von Ereignissen auf gezeichnet, welche im Anschluss an die Wiederkunft des göttlichen Christus in der Welt stattfinden sollten: Wenn wir also sehen können, dass von diesen Ereignissen viele bereits geschehen, dann muss die logische Schlussfolgerung sein, dass das, was die Bibel als das zweite Kommen Christi beschreibt, bereits Wirklichkeit sein muss.

Der Gott dieser Welt unsichtbar

Die Schrift lehrt, dass es einen persönlichen Teufel gibt, doch hat kein menschliches Wesen ihn jemals gesehen; wir alle aber haben die Folgen seines schändlichen Einflusses gesehen. Der Apostel Paulus sagt uns, dass Satan der „Gott dieser Welt“ ist, der eine, der „jetzt wirksam ist in den Söhnen [ihren Herzen] des Ungehorsams“. Ebenso erklärt Paulus, dass Satan ein Geist und der “Fürst der Gewalt der Luft“ ist. (2. Korinther 4:4; Epheser 2:2) Jesus sagt, dass Satan der „Fürst dieser Welt“ ist. (Johannes 12:31; 14:30; 16:11) Wenn wir der Bibel glauben, dann müssen wir auch glauben, dass dieses machtvolle Wesen die Jahrhunderte hindurch die Herrschaft über die Angelegenheiten der Menschen ausgeübt hat.

Der Teufel ist jedenfalls der unsichtbare Beherrscher dieser „gegenwärtigen bösen Welt“. Petrus erklärt, dass er umher geht wie ein „brüllender Löwe“ und sucht, wen er verschlingen kann. (1. Petrus 5:8) Dies beweist deutlich, dass Satans Wirkungsbereich gerade hier auf Erden gewesen ist; doch haben selbst diejenigen, welche dies am vollständigsten empfinden, ihn niemals buchstäblich „brüllen“ hören.

Mit dem Kommen Jesu tritt auch ein Wechsel der Zeitverwaltung ein. Eine neue Welt oder Gesellschaftsordnung wird eingeführt, und in dieser neuen Ordnung wird Jesus der König sein, der die Herrschaft Satans stürzt, welcher der „Fürst dieser Welt“ gewesen ist. Johannes sah im Gesicht einen Engel von Gott hernieder kommen, den Satan ergreifen und ihn mit einer gewaltigen Kette binden. Danach sah er Christum und die Kirche tausend Jahre lang regieren. Wie Satan, der gebunden wird, unsichtbar ist, ebenso gewiss müssen diejenigen unsichtbar sein, welche ihn binden. — Offenbarung 20:1 – 4, 6; 5:10

Satans Macht und Einfluss in dieser bösen Welt sind wegen seiner Unsichtbarkeit keineswegs weniger gewaltig gewesen. Es war für ihn im Gegenteil bestimmt von Vorteil ungesehen eine gewaltige Macht zum Bösen gewesen zu sein. Auf diese Weise ist er in der Lage gewesen, seinen Einfluss in den Beratungszimmern der Herrscher und Fürsten der Erde geltend zu machen und in beträchtlichem Ausmaß ihre Angelegenheiten zu lenken.

Jesu Herrschaft wird ebenfalls eine unsichtbare sein und durch irdische Werkzeuge ausgeübt werden. Er wird die Menschen mit eiserner Rute regieren; aber er wird sie in Gerechtigkeit regieren und nicht, wie Satan es getan hat, in Ungerechtigkeit. Wie die Ergebnisse von Satans Herrschaft jetzt leicht erkannt werden, ebenso wird Jesu Herrschaft schließlich von der gesamten Menschheit durch die erzielten Ergebnisse erkannt werden. Hiervon werden wir im weiteren Verlauf mehr sehen.

In Matthäus 12:29 spricht Jesus vom Eindringen in das „Haus des Starken“, vom Binden des Starken und dem Rauben seines Hausrats. Der Starke ist hier Satan, wie der Zusammenhang zeigt. Sein “Haus” oder Herrschaftsgebiet ist die Erde. Sein „Hausrat“ sind offensichtlich Sünde, Krankheit und Tod. (Hebräer 2:14) Satans Haus, Wirkungsstätte oder Herrschaftsgebiet ist diese gegenwärtige „böse Welt“ gewesen, oder dieses „Zeitalter“ oder, wie das Griechische es anderweitig ausdrückt, der Kosmos oder die Ordnung der Dinge. — Johannes 18:36

Das Eindringen des Meisters in dieses Haus geschieht beim zweiten Advent. Das Stürzen des Reiches Satans und das Binden des Widersachers selbst findet zuerst statt. Der hieraus sich ergebende Tumult wird von dem Propheten beschrieben als eine „Zeit der Drangsal …, dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht“. (Daniel 12:1) Nachweislich ist diese Drangsal bereits auf der Welt.

Nach Vollendung dieses Werkes werden die übrigen tausend Jahre der zweiten Gegenwart des Meisters der Vernichtung des gesamten Hausrates Satans gewidmet sein, einschließlich des Todes: „Denn er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Der letzte Feind, der weggetan wird, ist der Tod.“ (1. Korinther 15:25, 26) Und welch eine wundervolle neue Welt wird das sein, wenn Krankheit und Tot vernichtet sind!

Wahrheit durch falsche Übersetzung verborgen

Wichtige Wahrheiten bezüglich der Art und Zeit des zweiten Advents sind durch eine falsche Übersetzung lange verborgen gewesen. Wie wir alle wissen, wurde die Bibel ursprünglich nicht in deutscher Sprache geschrieben; deshalb sind wir auf Übersetzungen aus dem ursprünglich Hebräischen des Alten Testamentes und aus dem Griechischen des Neuen Testamentes angewiesen. Während in den meisten Fällen in unseren deutschen Bibeln durch Übersetzung sehr wenig von der Fülle der Bedeutung verloren gegangen ist, gibt es Ausnahmen, in welchen tiefe Wahrheiten des göttlichen Planes durch unwissentlich falsche Übersetzungen lange verborgen gewesen sind.

Einer dieser Ausnahmefälle trifft auf das griechische Wort parousia zu, welches von Jesu und den Aposteln gebraucht wird, um des Meisters zweiten Besuch auf der Erde zu beschreiben. In unseren deutschen Bibelübersetzungen ist dieses Wort fast allgemein mit „Ankunft“ übersetzt. Das Ergebnis hiervon war, dass Studierende der Prophetie die prophetischen Anzeichen für das Ende des Zeitalters so auszulegen versuchten, dass dadurch Jesu baldiges Kommen angezeigt würde. Die wahre Bedeutung dieses griechischen Wortes jedoch ist „Gegenwart“. Hieraus folgt demnach, dass die erfüllten Anzeichen für des Meisters parousia oder Gegenwart beweisen, dass er bereits hier ist.

Als zum Beispiel die Jünger Jesum fragten: „Was ist das Zeichen deiner Ankunft [parousia, Gegenwart]?“, da fragten sie ihn nicht, wie sie im Voraus wissen könnten, wann er kommen würde, sondern wie sie seine Gegenwart erkennen könnten, wenn er gekommen war. Mit anderen Worten, sie wollten in Übereinstimmung mit Römer 1:20 gern wissen, nach welchen sichtbaren Dingen sie ausschauen sollten als einem Zeichen dafür, daß der unsichtbare Christus wiedergekommen war, um sein Königreich aufzurichten.

Archäologische Entdeckungen in den letzten Jahren enthüllen, dass das griechische Wort parousia in alten Zeiten gebraucht wurde, um die Besuche von Königen und Kaisern in den verschiedenen Städten und Provinzen ihrer Reiche zu beschreiben. Eine Entdeckung zeigt, dass zur Bestreitung der Kosten für einen solchen Besuch durch Ausgabe einer besonderen „Parousia-Münze“ Steuern erhoben wurden.

Wie angebracht ist es demnach, dass dieses Wort in Verbindung mit dem Besuch des Königs der Könige und Herrn der Herren auf Erden gebraucht werden sollte! Aber wie bei den irdischen Herrschern, deren Besuche so geschildert werden, bedeutet parousia auch im Falle Jesu nicht den Augenblick des Kommens, sondern es umfasst die ganze Dauer des Besuches.

Tausend Jahre gegenwärtig

Jesu zweiter Advent ist also in Wahrheit ein „Besuch“ und nicht nur ein Kommen: Es ist eine biblisch feststehende Tatsache, dass seine zweite Gegenwart oder parousia tausend Jahre dauern soll. Studierende der Prophetie bezeichnen diese tausend Jahre als das Millennium. Während des Millenniums sollen Christus und zusammen mit ihm seine Kirche über die Erde herrschen. (Offenbarung 5:10) Der Zweck der Herrschaft ist es, den Tod zu vernichten und überall Frieden und Gerechtigkeit aufzurichten. — 1. Korinther 15:22 – 28: Offenbarung 20:4; 21:1 – 5; Psalm 72:2 – 8.

Die erste Gegenwart Jesu, als er als Mensch hier auf der Erde weilte, dauerte — von seiner Geburt bis zu seiner Kreuzigung — insgesamt nur dreiunddreißigeinhalb Jahre. Er blieb als ein göttliches Wesen noch vierzig Tage länger, unsichtbar für die Welt, und kehrte dann zu den himmlischen Höfen zurück. Viele Prophezeiungen des Alten Testamentes betreffen den Zeitraum der ersten Gegenwart Jesu. Einige sprechen von seiner Geburt; einige von dem einen oder anderen Teil seines Lebens und Wirkens. Einige sprechen von seinem Tod als des Menschen Erlöser. Offensichtlich wurden alle diese Prophezeiungen nicht an nur einem einzigen Tage der irdischen Erfahrung des Meisters erfüllt; es würde zu Verwirrung führen, wenn wir versuchen wollten, sie alle auf ein einziges Ereignis in seinem Leben anzuwenden.

Die Verheißungen und Prophezeiungen bezüglich der zweiten Gegenwart Jesu, welche nach dem göttlichen Plan das Werk von tausend Jahren umfasst, sind noch viel mannigfaltiger; sie erfordern daher größere Sorgfalt beim Studium, wenn wir sie einigermaßen genau verstehen sollen.

Die Art seiner Gegenwart

„Wenn sie nun zu euch sagen: Siehe, er ist in der Wüste! so geht nicht hinaus; siehe, in den Gemächern! so glaubt nicht. Denn gleichwie der Blitz [griechisch: astrape, helles Leuchten] ausfährt von Osten und scheint bis gen Westen, also wird die Ankunft [parousia, Gegenwart] des Sohnes des Menschen sein.“ — Matthäus 24:26, 27

Mit diesen Worten bemüht sich Jesus, unseren begrenzten Sinnen zu vermitteln, dass sein Kommen und seine Gegenwart nicht mit denen eines menschlichen Wesens verglichen werden sollten. Er sollte als ein großes göttliches Wesen wiederkommen, als das genaue Ebenbild des persönlich unsichtbaren Vaters; also müssen wir die Sache von diesem Standpunkt aus betrachten. Ihr werdet mich nicht in einem verborgenen Gemach finden, sagt Jesus, wie ihr einen Mann oder eine Frau finden könntet. Vielmehr werdet ihr meine Gegenwart ebenso wahrnehmen, wie ihr Gottes eigenes Dasein wahrnehmt durch die gewaltigen Dinge, die ihr ihm zuschreibt.

Und so ist es. Wir sehen den Sonnenschein und den Regen, welche die Erde erwärmen und bewässern, damit sie das Erforderliche für die auf der Erde Lebenden hervorbringt, und wir sagen: Das ist der Beweis für das Dasein Gottes; ein großer Schöpfer steht dahinter. So, erklärte Jesus, werden wir von seiner zweiten Gegenwart wissen, weil sie dem Aufleuchten [griechisch: astrape, helles Leuchten] vergleichbar sein wird, das ähnlich der Sonne von Osten kommt und bis zum Westen scheint.

Wenn wir an Licht denken, das vom Osten kommt, dann denken wir an den Anbruch eines Tages; ebenso beschreibt die Schrift die tausend Jahre der zweiten Gegenwart Christi als einen „Tag“ — den „Tag des Herrn“. (1. Thessalonicher 5:2; Psalm 30:5) Die Fülle der Segnungen, die einer sterbenden Welt während dieses „Tages“ zuteil werden sollen, wird dargestellt als eine Folge davon, dass über den Menschen die „Sonne der Gerechtigkeit“ aufgeht und den Nationen Heilung bringt — Maleachi 4:2; Offenbarung 22:1 – 3.

Brüder nicht in Finsternis

In Verbindung mit der Illustration vom „Tag” der Gegenwart Christi kommen andere Schriftstellen in Erinnerung, die sich in die allgemeine Harmonie des göttlichen Zeugnisses einfügen. Das Volk des Herrn wird zum Beispiel als „Wächter“ dargestellt, die während der langen Nacht der Sünde und des Todes, die dem Kommen von Christi neuem Tag der Segnung vorausgeht, ernsthaft nach dem Kommen des Morgens ausschauen. Es wird deutlich erklärt, dass dieselben nicht im voraus von der Wiederkunft des Herrn wissen werden, denn er wird kommen „wie ein Dieb in der Nacht“. Deshalb werden sie angewiesen, zu wachen, mit dem deutlichen Hinweis, dass dann, wenn er wiederkommt und der frühe Morgen des neuen Tages anbricht, sie als die ersten darum wissen werden. — Matthäus 24:36 – 42

Dieser Gedanke wird ferner unterstützt durch die Prophezeiung, die von dem Engel gegeben wurde, der nach Jesu Rückkehr in die himmlischen Höfe den Jüngern erschien. Jener Engel sagte: „Dieser Jesus … wird also [in gleicher Weise] kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen.“ Dies bestätigt nicht nur den Gedanken an eine persönliche Wiederkunft des Meisters, sondern zeigt auch, dass sein Kommen ebenso still und von der Welt unbemerkt stattfinden wird, wie die Art seines Weggehens war. Seine Jünger sahen ihn hingehen — weil er sich ihnen auf wunderbare Weise geoffenbart hatte — und diejenigen, welche treu wachen, wissen von seiner Wiederkunft. Aber ebenso, wie sie nicht auf den buchstäblichen Himmel achtgeben, sondern vielmehr auf die Prophezeiungen und ihre Erfüllung, ebenso sehen sie ihn nicht am Himmel, sondern erkennen seine Gegenwart durch die Zeichen der Zeit.

Es ist wichtig, auch zu beachten, dass das Kommen des Herrn sinnverwandt ist mit dem Kommen des „Tages des Herrn“; sein Kommen ist es, das seinen Tag einleitet. Darum sagt der Apostel Paulus: „Der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht . . . Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife.“ (1. Thessalonicher. 5:1 – 5) In Vers 3 dieser Prophezeiung erfahren wir, dass diejenigen, welche nicht wachen, die diebähnliche Gegenwart des Tages des Herrn zu erkennen verfehlen.

Die Tatsache, dass die „Wächter“ das Vorrecht haben, den frühen Anbruch des Tages Christi zu erkennen, während andere nicht wahrnehmen, was vor sich geht, wird nachdrücklich hervor gehoben durch Jesu Vergleich der Zustände, die vor der Flut bestanden, als Noah bei den Menschen gegenwärtig war, mit denjenigen, welche am Ende dieses Zeitalters vorherrschen, in den „Tagen des Sohnes des Menschen“. Während Noah und seine Familie von der kommenden Flut wussten und predigten, weigerten sich die Menschen im allgemeinen, es zu glauben; deshalb waren sie in vollständiger Unwissenheit über die Bedeutung der Zeit, in welcher sie lebten. Siehe Lukas 17:26 – 28; Matthäus 24:37 – 39.

Es sollte wohl beachtet werden, dass in dieser Illustration das plötzliche Kommen der Flut nicht das plötzliche Kommen Jesu darstellt, sondern vielmehr die durch die Wiederkunft des Meisters plötzlich herbeigeführte sintflutartige Drangsal — das in 1. Thessalonicher 5:3 – 5 beschriebene „plötzliche Verderben“ der alten Ordnung.

Wie ein Dieb

Diebe waren in biblischen Zeiten augenscheinlich ebenso Zerstörer wie auch Räuber der Besitztümer anderer Menschen. Siehe Johannes 10:10; Hiob 24:14; Jeremia 49:9; Lukas 10:30. Paulus wendet dieses Merkmal eines Diebes an, um uns zu veranschaulichen, dass dazu, dass der Tag des Herrn heimlich kommt, er auch das „plötzliche Verderben“ der Welt Satans zur Folge hat. „Der Tag des Herrn … kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit! dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, gleichwie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen.“ — 1. Thessalonicher 5:2, 3.

In 2. Petrus 3:10 ist die diebähnliche Gegenwart Christi ebenfalls mit dem Werk der Vernichtung der alten Welt verbunden. In Offenbarung 16:12 – 20 wird der endgültige Sturz der Königreiche dieser Welt, in Vorbereitung für die vollständige Aufrichtung des Königreiches Christi, als die Schlacht von Harmagedon beschrieben. Mitten in diesem geheimnisvollen Bericht lesen wir die Erklärung des Herrn: „Siehe, ich komme wie ein Dieb“, als ob er uns zu verstehen geben wollte, dass das Versammeln der Nationen zur großen Schlacht von Harmagedon der Tatsache zuzuschreiben ist, dass er heimlich wiedergekommen ist und den Sturz von Satans Welt durchführt. — Offenbarung 11:15 -18.

Das helle Leuchten seiner Gegenwart

Wie wir bereits bemerkt haben, erklärte Jesus, dass seine zweite Gegenwart wie ein helles Leuchten sein würde. (Matthäus 24:26, 27) Hier haben wir unmissverständlich den Begriff der Erleuchtung, ein Sinnbild für zunehmende Erkenntnis. Der Prophet Daniel erklärt bei der Schilderung von Zuständen, die in der „Zeit des Endes“ eintreten sollten, unter anderem: „Die Erkenntnis wird sich mehren.“ — Daniel 12:4

In derselben Prophezeiung Daniels (Vers 1) spricht der Prophet von Christo als „Michael“ und erklärt, dass dann, wenn er aufsteht — d. h. in die irdischen Angelegenheiten einzugreifen beginnt, „eine Zeit der Drangsal sein“ wird, „dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht“. Offensichtlich ist demnach die Mehrung der Erkenntnis, oder das „helle Leuchten“ der Gegenwart des Meisters, eng verknüpft mit der großen Zeit der Drangsal, welche die alte Ordnung stürzt.

In der Tat, die ungewöhnliche Mehrung der Erkenntnis, besonders in dieser Generation, hat in großem Maße zum Niedergang der Vorkriegs-Königreiche und -Einrichtungen der Erde beigetragen. Wie wir gesehen haben (Matthäus 24:26, 27; Daniel 12:4), sollte sie nach der Prophezeiung ein Zeichen der Gegenwart Christi sein. Die Ursache dieser Mehrung der Erkenntnis ist also die Tatsache der diebähnlichen Wiederkunft des Meisters — die Erkenntnis selbst ist nur der erste Schimmer des hellen Leuchtens seiner Gegenwart. Sie ist das Mittel, durch welches die alte Welt vernichtet und eine neue auf der Grundlage von Frieden und Gerechtigkeit aufgerichtet wird.

Eine andere Prophezeiung dieser Art ist 1. Thessalonicher 4:16. Hier berichtet uns der Apostel, dass der Herr vom Himmel hernieder kommt mit „gebietendem Zuruf“, mit der „Stimme eines Erzengels“ und mit der „Posaune Gottes“. Diese drei Sinnbilder sind allenthalben in den Prophezeiungen eng miteinander verbunden, und alle haben direkt oder indirekt mit der Vermittlung von Erkenntnis zu tun — einer Erkenntnis überdies, welche die Empfänger derselben zum Handeln antreibt. Eine buchstäbliche Auslegung dieser Prophezeiung würde in der Tat ungereimt sein.

Das hier mit „gebietendem Zuruf“ übersetzte griechische Wort ist keleuma, dessen Bedeutung Professor Strong als „Ermunterungsruf“ erklärt. Eine hervorragende Verwendung fand die Posaune in alten Zeiten bei der Ankündigung des Beginns des vorbildlichen Jubeljahres — jenes wunderbaren Jahres, da nach dem jüdischen Gesetz jedermann seine verlorenen Besitztümer und seine verlorene Freiheit wiedergegeben wurden. Der „Michael“ der Prophezeiungen wird gekennzeichnet als einer, der für Gott, für Gottes Pläne und für Gottes Volk eintritt.

Deshalb können wir in dieser Zusammenstellung von Sinnbildern, wie sie von Paulus angewandt wird, etwas verstehen, wonach als den frühzeitigen Anzeichen für die Wiederkunft des Herrn auszuschauen ist. Der von den Massen durch die große „Mehrung der Erkenntnis“ unserer Tage vernommene Ermunterungsruf hat sie bereits ermutigt, ihre Rechte zu fordern. Und sehr bezeichnender Weise werden diese Rechte von Einzelpersonen und Nationen immer deutlicher als solche der „Freiheit“ und des „Anteils“ an den Reichtümern der Erde erklärt.

Ja, der „gebietende Zuruf” ist gehört worden; und während die Welt in Unkenntnis über die Bedeutung dieser Ereignisse gewesen ist — Christi Gegenwart ist über alle Ungläubigen wie ein „Dieb in der Nacht“ gekommen — sind nichtsdestoweniger die Wirkungen dieses „Zurufes“ höchst auffallend und wunderbar gewesen. Es ist die einzige einleuchtende Erklärung dafür, dass nach sechstausend Jahren von Unwissenheit, Aberglauben, Armut und Sklaverei die Massen sozusagen fast über Nacht in eine aufgeklärte, sich der Freiheit bewusste Gesamtheit verwandelt wurden, die ihre Rechte fordert und nach der Errichtung einer Weltordnung ausschaut, in welcher alle gleichmäßig an den von Mutter Erde dargebotenen gemeinsamen Segnungen teilhaben können.

Ja, die Mehrung der Erkenntnis, die diesen Zustand in der Welt herbeigeführt hat, ist der erste von der Gegenwart des Meisters ausgehende Lichtschimmer, der unter anderem den Zweck hat, die Menschen für die Segnungen vorzubereiten, welche bald kommen sollen. Denn wird er nicht den Menschen nur ein wenig später wirtschaftliche Sicherheit und endlosen Frieden geben? Wird er nicht die Hohen und Stolzen erniedrigen, die selbstsüchtig über die weniger Begünstigten der Erde geherrscht und ihre körperliche Kraft und geistige Fähigkeit ausgenutzt haben? Wahrlich, er wird es, wie wir später aus den Prophezeiungen sehen werden!

Satan, der Fürst der Finsternis

Wie durchaus logisch ist es, dass eine Mehrung der Erkenntnis auf seiten der Menschheit einer der ersten Beweise für die Gegenwart Christi, des Königs der neuen Welt, sein sollte. Die lange Herrschaft von Sünde und Tod unter Satan, dem Fürsten dieser Welt, wird in der Bibel als eine Nacht der Finsternis beschrieben. „Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften“, erklärt uns der Prophet; und im Gegensatz hierzu sagt er hinsichtlich der Zeit, da Christus König ist: „Nationen wandeln zu deinem Lichte hin, und Könige zu dem Glanze deines Aufgangs.“-—Jesaja 60:2, 3.

In Johannes 1:9 wird gesagt, dass Jesus das „wahrhaftige Licht“ ist, „welches jeden in die Welt kommenden Menschen erleuchtet“. Die Prophezeiungen zeigen deutlich, dass die vollständige Erfüllung dieser Verheißung während der zweiten Gegenwart Christi stattfinden wird; dann wird „die Erde…voll sein der Erkenntnis Jehovas, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken“. (Jesaja 11:9) Es wird das Werk des ganzen Tausendjahr-Tages Christi erfordern, um die Zerstreuung aller Nebel von Unwissenheit und Aberglauben so zu vollenden, dass die Menschen in der Lage sein werden, den wahren Gott zu erkennen und anzubeten und sich seiner Segnungen zu erfreuen. — Jesaja 25:6 – 9.

„Auch die Nacht“

In einer in Jesaja 21:11, 12 berichteten geheimnisvollen Prophezeiung spricht der Prophet von einer „Nacht“, welche dem frühen Anbruch des neuen Tages folgt — jenes neuen Tages der Segnung, da der Menschheit ein neues göttliches Gesetz des Handelns gegeben wird. Der geographische Schauplatz dieser Prophezeiung ist der vormalige Berg Seir. Reisende, welche dieses Gebiet besucht haben, berichten uns, dass dort beim Aufgehen der Sonne eine eigenartige Naturerscheinung stattfindet. Das durch den plötzlichen Aufgang der Sonne über dem Berge verursachte rasche Verdunsten des in der Nacht gefallenen Taues erzeugt einen dicken Dunst oder Nebel, welcher zeitweilig die Sonne verbirgt; deshalb folgt dem Morgen, obgleich er gekommen ist, ein kurzer Zeitraum dichter Finsternis.

Wie deutlich wird dadurch veranschaulicht, was heute in der Welt stattfindet! Der die Gegenwart des Meisters begleitende große Lichtglanz, gefolgt von dem Anbruch des neuen Tages der Erde, verursacht, indem er den Vorhang des Aberglaubens durchdringt, der so lange die Menschheit in Finsternis gehalten hat, ein plötzliches Aufflammen geweckter Leidenschaften, dessen zeitweilige Folge eine kurze dunkle Nacht zunehmender Drangsal ist — eine „Zeit der Drangsal“, in der Tat, „dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht“.—Daniel 12:1.

Während die Menschen die ungewöhnliche Erleuchtung der gegenwärtigen Zeit bisher den Errungenschaften des sogenannten „Zeitalters des Gehirns“ zuschrieben, erwacht die Welt doch mehr und mehr zu der rauhen Wirklichkeit, dass die vorgeblichen Verstandeskräfte unserer Tage traurigerweise nicht in der Lage sind, die überlebten Einrichtungen der Welt vor 1914 vor den fordernden Massen der Menschheit zu retten, die aufgeklärt genug geworden sind, um zu wissen, dass sie einen „Rechtsanspruch“ geltend machen können, der allen, mit Ausnahme weniger Bevorrechteter, lange vorenthalten war.

Der Antichrist vernichtet

In 2. Thessalonicher 2:8 erklärt der Apostel Paulus, dass der Antichrist durch die Erscheinung der Gegenwart des Meisters vernichtet werden soll. Das ist demnach ein weiteres Ergebnis seines hellen Leuchtens, und wenn es stattfindet, ist dies ein weiterer Beweis für seine Gegenwart. Das in diesem Text mit „Ankunft“ übersetzte griechische Wort ist parousia und bedeutet, wie wir gesehen haben, Gegenwart. Am Anfang dieses Kapitels erklärt Paulus zum Nutzen einiger in seinen Tagen, welche meinten, dass der Herr damals wiedergekommen wäre, dass dieses Ereignis erst stattfinden könnte, wenn ein großer Abfall vom Glauben stattgefunden hätte und der Mensch der Sünde oder der Antichrist entstanden sei. Dann erklärt er, dass dieser Mensch der Sünde bei Jesu Wiederkunft durch die „Erscheinung seiner Gegenwart“ vernichtet werden würde.

Einige schauen immer noch danach aus, daß dieser „Mensch der Sünde“ sich offenbaren soll; sie versäumen es, die Aussage des Paulus zu beachten, wonach das, was er beschreibt, bereits in seinen Tagen sich zu offenbaren begann. Der Beweis ist überwältigend, dass Paulus sich nicht auf eine Einzelperson, sondern auf ein System bezieht — ein System, das Christi Königreich zu sein behauptet und sich als solches die Jahrhunderte hindurch maskiert hat. Wegen Einzelheiten hierüber verweisen wir den Leser auf Band 2 der Schriftstudien, betitelt: „Die Zeit ist herbeigekommen“. Wir bezeichnen hier kurz den Antichrist als vornehmlich jenes Kirchen-Staats-System von Geistlichkeit und Politikern, durch welches die westliche Welt während jenes Zeitraumes des Evangelium-Zeitalters beherrscht wurde, welchen die Geschichte als das Finstere Mittelalter kennt.

Die Mehrung der Erkenntnis, welche zum hellen Leuchten der Gegenwart des Meisters wird, hat ihre Grundlage in der Erfindung der Druckpresse. Es ist sehr sonderbar, dass als eines der ersten Literaturwerke die Bibel den Massen durch die Druckpresse zugänglich gemacht wurde. Es war etwa zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts, als viele große Bibelgesellschaften gegründet wurden und die allgemeine Verbreitung der Bibel erfolgreich einsetzte. Vordem wurde alles aufgeboten, die Verbreitung der Bibel zu unterdrücken; die britische Regierung verbrannte sogar einige auf dem Scheiterhaufen, welche sie in England zu verbreiten versuchten.

Beim Nachlesen der Prophezeiung des Paulus in 2. Thessalonicher 2:8 wird man bemerken, dass nach seiner Aussage der Herr das Antichrist-System zuerst „verzehren wird durch den Hauch seines Mundes“ und dann „vernichten durch die Erscheinung seiner Gegenwart“. Das ist die wahre geschichtliche Reihenfolge des Geschehens, wie es tatsächlich stattgefunden hat. Der Hauch des Mundes des Herrn ist sein Wort, die Bibel. Durch die Verbreitung derselben in wirksamen Mengen gegen Anfang des neunzehnten Jahrhunderts begann die allmähliche Schwächung der Macht des Antichristen.

Dieses Antichrist-System, das sollte man bedenken, ist nicht nur eine falsche Kirche, sondern vielmehr die Vereinigung von Kirche und Staat mit der Behauptung, dass diese Vereinigung das Königreich Gottes auf Erden bildet. Während die falsche Kirche als einer der Bestandteile dieser Verbindung— obgleich sie durch den Verlust ihrer Kinder in einem Lande nach dem anderen schnell geschwächt wird — immer noch besteht, ist das Kirchen-Staats- System als Regierungsform, durch welches Europa so viele Jahrhunderte lang regiert wurde, bereits wirksam zerstört. Also ist dies ein klarer Beweis für die Gegenwart des Meisters, denn dieses System sollte, wie Paulus sagt, vernichtet werden durch die Erscheinung seiner parousia, Gegenwart.

„Er kommt mit den Wolken“

In Offenbarung 1:7 wird uns gesagt, dass Jesus mit den Wolken wiederkommt, und dass jedes Auge ihn sehen wird. Da Christus ein göttliches Wesen ist, Gottes eigenes Ebenbild, können die Menschen ihn nur durch die Vorkommnisse und Ereignisse sehen, welche seine Wiederkunft begleiten. Die Zeit wird noch kommen — und diese Zeit, glauben wir, ist nicht fern — da diese Ereignisse einen derart offenkundigen Charakter annehmen werden, dass alle Menschen bereitwillig deren wahre Bedeutung anerkennen werden.

In Joel 2:1, 2 haben wir einen weiteren Hinweis auf die „Wolken“, die im frühen Anbruch des neuen Tages Christi von so unheilvoller Vorbedeutung sind. Hier werden wir belehrt, dass dieser Tag zunächst nicht ein Tag des Friedens, sondern vielmehr das Gegenteil sein soll. Er soll sein: „Ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und der Wolkennacht. Wie die Morgendämmerung ist es ausgebreitet über die Berge, ein großes und mächtiges Volk, desgleichen von Ewigkeit her nicht gewesen ist und nach ihm nicht mehr sein wird bis in die Jahre der Geschlechter und Geschlechter.“

Hieraus ist zu entnehmen, dass die „Wolken“, die im frühen Anbruch des Tages der Gegenwart des Herrn in Erscheinung treten, in Wirklichkeit aus einem „großen und mächtigen Volk“ bestehen, desgleichen niemals vorher bekannt gewesen ist. Dies ist augenscheinlich ein Hinweis auf das Erstehen so furchtbarer Streitkräfte, dass die Zivilisation unter der Wucht des revolutionären Kampfes, den sie vom Zaun brechen, zerbröckeln und fallen wird.

Diese Wolken der Drangsal sind gerade jetzt sichtbar. Die Stämme der Erde wehklagen bereits ihretwegen, dennoch „sehen“ sie des Meisters Gegenwart noch nicht als die unmittelbare Ursache der Drangsal. Jesus sagte, dass es wegen seiner Gegenwart ein großes Wehklagen geben und auf der Erde Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit herrschen würde. (Lukas 21:25, 26; Matth. 24:30) Da die gottesleugnerischen und heidnischen Kräfte, bewaffnet und unbewaffnet, immer drohender werden, blickt die Welt voller Furcht den Folgen entgegen.

Aber, könnte man fragen, wie werden die Menschen im allgemeinen zu der Erkenntnis gebracht werden, dass diese weltweiten Drangsale die Todeswehen der alten Welt sind und durch die Gegenwart des Königs der neuen Welt verursacht werden? Die Schrift zeigt, dass dies durch göttliches Eingreifen zu Gunsten der jetzt in Palästina eingesetzten jüdischen Nation geschehen wird.

Gottes Hand über Israel

Die Erfahrungen der Juden in diesen Tagen der Drangsal liefern einen weiteren Beweis für die Gegenwart Christi. Es ist nach der Schrift die gleiche Zeit, da ihnen ihr Land wiedergegeben werden sollte und sie dort wieder eingesetzt werden sollten. Was in dieser Hinsicht seit dem Jahre 1914 geschehen ist, ist wunderbar gewesen und sollte als ein Teil des Aufbauwerkes der neuen Welt angesehen werden. Dieses Wiederversammeln Israels war prophetisch zu derselben Zeit fällig, da die Nationen in ihrer Gesamtheit zu der letzten Vernichtungsschlacht von Harmagedon versammelt würden.— Joel 3:1, 2

Diese Prophezeiungen bezüglich der Juden zeigen aber auch, dass sie, während ihnen ihr Land wiedergegeben und ihnen erlaubt werden sollte, dorthin zu gehen und einen großen Teil desselben zu einem hochkultivierten Zustand wiederherzustellen, wie es geschehen ist, zusätzliche Drangsal und Verfolgung erfahren würden.

Es ist nicht klug, sich in Einzelheiten zu ergehen, die sich noch nicht zugetragen haben, doch zeigt die Schrift deutlich, dass nahe am Ende des letzten Todeskampfes der Nationen die Juden in Palästina sich selbst in einer sehr unsicheren, sie im Grunde mit Vernichtung bedrohenden, Lage befinden werden; und dass dann der Herr ihretwegen eingreifen, sie von ihren Feinden befreien und unter der Führerschaft ihrer auferweckten Propheten sein Königreich als eine Regierungsmacht in buchstäblichem Sinne über die ganze Erde aufrichten wird.

Hesekiel 38:14 – 23 bietet einige Einzelheiten über diese Schlußdrangsal. Die Wortdeutung der hier den Feinden Israels gegebenen Namen deutet an, dass dieselben prophetisch angewandt werden, um Armeen Europas und Asiens zu bezeichnen. Die Prophezeiung zeigt, dass diese Kräfte schließlich Israel in Palästina angreifen werden. In Übereinstimmung mit der bereits zitierten Prophezeiung von Joel erklärt Hesekiel, dass die „Wolke“ die widergöttlichen Kräfte sind, die am Ende sogar mit der Vernichtung der zurückgebrachten Israeliten drohen werden. (Hesekiel 38:16) Es wird, wie der Prophet erklärt, eine Zeit des „Erbebens“ vor dem Herrn sein.— Hesekiel 38:20

Doch die Verheißung lautet, dass der Herr sein altes Volk befreien wird, und dass durch diese Befreiung die „Augen“ der Nationen die Gegenwart und Macht des neuen Königs der Erde wahrnehmen werden. (Hesekiel 38:23) Offenbarung 1:7 fasst diese Ereignisse, wie sie mit Christi Gegenwart in Zusammenhang stehen, kurz zusammen als in den symbolischen Wolken wahrnehmbar.

Das Königreich aufgerichtet

Die Verteidigung Israels durch göttliche Macht wird nur die erste Kundgebung des Wirkens der neuen Mächte der Welt sein. Von da ab werden die Auswirkungen des Königreiches schnell den Sturm menschlicher Leidenschaften beruhigen, welche zu dieser Zeit die Menschen auf der ganzen Erde in einen Zustand der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit gebracht haben werden.

Doch was ist eigentlich die neue Ordnung, welche wir erwarten? Wird sie nur ein heiliger Einfluss sein, der über die Erde hinweht? Sie wird in der Tat ein solcher Einfluss sein, doch dazu wird sie ein Königtum von bestimmten Personen haben. Christus wird der König sein, der unsichtbare Herrscher. Die Kirche — alle diejenigen, welche während des jetzt zu Ende gehenden Zeitalters treu in seinen Fußstapfen nachgefolgt sind — wird mit ihm auf der geistigen Stufe des Königreiches vereinigt sein. Diesen ist die Verheißung gegeben worden, dass, wenn sie mit Christo leiden, sie auch mit ihm herrschen werden. — 2. Timotheus 2:12

Gottes Verheißungen für die Kirche haben alle geistigen Charakter. In Verkennung des Zweckes dieser Verheißungen haben viele daraus geschlossen, dass es Gottes Vorhaben gewesen sei, so viele Erdenbewohner in den Himmel zu nehmen, als an Christum glauben würden; und dass alle diejenigen, welche nicht glauben, verloren sein sollten. Jetzt aber wird erkannt, dass der Herr durch die Zubereitung der Kirche für die Herrschaft mit Christo im Millennium-Königreich nur Vorbereitung getroffen hat dafür, die Menschheit im allgemeinen durch die Wiederherstellung zum Leben auf der Erde zu retten. — Offenbarung. 5:10; 20:4

Es wird auch irdische Vertreter des Königreiches geben. Wie der unsichtbare Fürst dieser Welt, Satan, hauptsächlich durch sichtbare Werkzeuge gewirkt hat, ebenso werden Christus und die Kirche, die unsichtbaren Herrscher der neuen Welt, sichtbare Vertreter haben. Die Bibel sagt uns, wer diese sein werden. Jesus erklärt zum Beispiel, dass die Menschen vom Osten, Westen, Norden und Süden kommen und mit „Abraham und Isaak und Jakob und allen Propheten“ zu Tische liegen werden. — Lukas 13:28, 29

In Psalm 45:16 wird geschrieben, dass diese selbe Klasse der Glaubenshelden von alters die „Fürsten auf der ganzen Erde“ sein werden. In Psalm 47:7 – 9 wird derselbe Gedanke dargelegt. Hier wird gesagt, dass der Herr der König über die ganze Erde ist, aber die „Fürsten“ [Fußnote] sind seine Vertreter, welche die Gesetze jenes neuen Königreiches vollstrecken werden. Diese Fürsten-Klasse wird sich aus all den Treuen von Abel bis zu Johannes dem Täufer zusammensetzen.

Damit findet auch ein Text seine Erklärung, welcher für viele Studierende der Bibel ein Geheimnis gewesen ist; nämlich Matthäus 11:11. In diesem Text erklärt Jesus, dass kein Größerer aufgestanden ist als Johannes der Täufer, „der Kleinste aber im Reiche der Himmel ist größer als er“. Hier bedeutet das „Reich der Himmel“ die geistige oder himmlische Stufe jenes Königreiches. Diejenigen, welche mit Christo auf jener Stufe des Königreiches sind, werden gleich ihm machtvolle Geistwesen sein; darum wird der Kleinste von ihnen größer sein als Johannes der Täufer, der einer der irdischen Vertreter des Königreiches sein wird.

Nicht zu phantastisch, um es zu glauben

Man soll nicht sagen, dass diese Dinge bei Gott unmöglich sind. Die sichtbaren Herrscher im neuen Königreich zu werden, bedeutet für die Propheten von alters, dass sie von den Toten auferweckt werden. Erfordert es zuviel Glauben, dass Gott dies tun wird? Ist es nicht ein Fundament der christlichen Religion, dass es eine Auferstehung der Toten geben wird? Wahrlich, wenn wir in der Bibel nach einer Lösung der Weltprobleme suchen, dann sollten wir zu glauben bereit sein, dass Gott alles zu tun vermag, was er zu tun verheißt.

Dass die Kirche zu geistigem Leben mit Christo auferweckt und mit ihm als unsichtbare Herrscher tausend Jahre lang regieren wird, das zu glauben sollten wir wahrlich keine Schwierigkeit haben. Haben nicht die meisten Christen immer an ein geistiges Dasein nach dem Tode geglaubt? Obgleich die Annahme, dass der Augenblick des Todes der Augenblick der Verwandlung zu einem höheren Leben sei, ein Fehler gewesen ist, so hat man doch den Gedanken gehabt, dass es ein geistiges Leben gibt, und dass es für unsere Lieben möglich sei, gegenwärtig zu sein, wenn auch ungesehen.

Der große Fehler in diesem Gedanken ist, dass wir dieses in der Bibel beschriebene geistige Dasein für einen natürlichen Abschluss des „Lebenslaufes“ gehalten haben. Dem ist nicht so. Der Lohn der Sünde ist der Tod, und die Toten wissen gar nichts. (Römer 6:23; Prediger 9:5) Dennoch lehrt die Schrift, dass einigen in der Auferstehung geistige Leiber gegeben werden. Auf diese Weise wurde Christus auf erweckt, und ebenso wird die Kirche auf erweckt werden; diese werden machtvolle Geistwesen sein, welche in den tausend Jahren des Messianischen Königreiches durch die auferweckten Propheten die Herrschaft über die Menschheit ausüben werden. — 1. Korinther 15:44, 45: 6:2, 3

Von jener Zeit erklärt der Prophet: „Von Zion wird ausgehen das Gesetz, und das Wort Jehovas von Jerusalem.“ (Micha 4:2) Hier werden die himmlische und irdische Stufe des Königreiches sinnbildlich bezeichnet als „Zion“ — Christus und die Kirche (Offenbarung 14:1; Psalm 2:6 – 9) — und als „Jerusalem“ — der sichtbare Teil des Königreiches mit einem Kabinett der auferstandenen Propheten an seiner Spitze, dessen Hauptsitz wahrscheinlich in der buchstäblichen Stadt Jerusalem sein wird. — Lukas 13:28

Diese beiden Stufen des Königreiches Gottes werden in den Prophezeiungen sinnbildlich bezeichnet als „neue Himmel und eine neue Erde“. (Jesaja 65:17; 2. Petrus 3:13; Offenbarung 21:1) Dass diese Prophezeiungen nicht bedeuten, dass es einen buchstäblichen neuen Himmel und eine buchstäbliche neue Erde geben soll, ist aus der Erklärung des Petrus ersichtlich, worin er von „Himmeln“ und einer „Erde“ spricht, welche zur Zeit der Flut untergingen. (2. Petrus 3:5, 6) Der Apostel zeigt, dass die „Himmel“ und die „Erde“ zusammen die „Welt“ — griechisch.: kosmos, Ordnung der Dinge — bildeten, welche in der Zeit vor der Flut bestand.

Die Sinnbilder der Bibel sind stets zweckmäßig und passend. Die buchstäblichen Himmel und Erde stehen in einer gewissen Beziehung zu einander, welche treffend das Zusammenwirken der geistigen und der irdischen Stufe des Messianischen Königreiches veranschaulicht. Der Himmel bestimmt zum Beispiel die Jahreszeiten, Ebbe und Flut, die Witterungsverkhältnisse der Erde usw. Ebenso werden, wie wir gesehen haben, die irdischen Einrichtungen des Königreiches unter dem unmittelbaren Einfluss oder der Herrschaft der geistigen oder himmlischen Stufe des Königreiches stehen.

Auch die jetzt zerschmelzende Weltordnung wird als „Himmel und Erde“ beschrieben, und zwar aus demselben Grunde. Das besagt, dass die Gesellschafts- und Regierungsangelegenheiten der Menschen stets mehr oder weniger unter dem Einfluss geistiger Mächte gestanden haben, deren Fürst Satan gewesen ist. ( Epheser 2:2) Diese haben ihren Einfluss häufig durch falsche Religionssysteme ausgeübt. Tatsache ist, dass Satan die Herrschaft über die Welt hauptsächlich durch die religiösen Gefühlsregungen von Männern und Frauen ausgeübt hat.

In der alten Weltordnung war falsche Religion das Mittel oder das Bindeglied zwischen dem „Gott dieser Welt“ und den Gesellschafts- und Regierungseinrichtungen der Menschen. Eine auffallende Illustration hierfür ist die Vereinigung von Kirche und Staat gewesen. Durch dieses System sind „heilige“ Kriege geführt, die „heilige“ Inquisition den Menschen aufgezwungen worden usw.

Die „neuen Himmel“ und die „neue Erde“ werden in ähnlicher Weise wirksam sein, doch mit ganz anderen Ergebnissen. Der Prophet sagt, dass in der Zeit jenes Königreiches, nachdem die alte symbolische Erde durch das Feuer des „Eifers Jehovas“ verzehrt ist, der Herr „die Lippen der Völker in reine Lippen umwandeln“ wird, „damit sie alle den Namen Jehovas anrufen und ihm einmütig dienen“. (Zephanja 3:8, 9) Dies wird die Veranlassung sein, dass die wahre Erkenntnis Gottes die Erde füllt. Es wird also nur die eine wahre Religion geben.

Die auferstandenen Propheten werden die sichtbaren Lehrer der Menschen in den Angelegenheiten Gottes sein. Als solche werden sie den himmlischen verherrlichten Christus vertreten; so werden die beiden Stufen des Königreiches — die neuen Himmel und die neue Erde — harmonisch und wirkungsvoll zur Erleuchtung und Segnung aller tätig sein.

Das Berg-Königreich

Eine weitere biblische Illustration vom Königreich Christi ist die eines Berges. In Sacharja 14:4, 5 wird es unter dem Sinnbild des Ölberges dargestellt, welcher, wie diese Prophezeiung zeigt, in zwei Teile gespaltet wird. Hier finden wir also wieder die beiden Stufen des Königreiches Gottes in schöner Weise veranschaulicht. Diese Prophezeiung schildert Ereignisse, die am Tage des Herrn geschehen sollen. Sie erklärt, dass dann Jehovas Füße auf dem Ölberg stehen. Dies bedeutet nicht, wie einige geglaubt haben, dass Jesus als Mensch wiederkommen und seine Füße buchstäblich auf diesen gespalteten Berg stellen wird. Von einem solchen Standpunkt aus gesehen würde die ganze Prophezeiung durchaus ungereimt sein, und ihre Erfüllung wunderlich und unvernünftig.

In Jesaja 66:1 wird uns gesagt, dass die Erde Gottes Fußschemel ist. In Jesaja 60:13 erfahren wir, dass Gott die Stätte seiner „Füße“ herrlich machen wird. Offensichtlich ist demnach das Sinnbild vom Stehen der Füße Gottes auf dem Ölberg beabsichtigt, unseren Sinnen den Gedanken an seine zu den Menschenkindern zurückkehrende Gunst zu vermitteln. Eine ähnliche Lektion wird in Offenbarung 21:4 gelehrt, wo uns gesagt wird, dass die „Hütte Gottes“ bei den Menschen ist, und dass er bei ihnen wohnen [„Zelten“] wird. Gott wird nicht buchstäblich bei den Menschen wohnen, auch bezieht sich dies nicht auf eine buchstäbliche Hütte. Es lehrt aber die herrliche Lektion von Gottes zu den Menschen zurückgekehrter Gunst und von den Lebenssegnungen, welche sich hieraus ergeben werden.

Unter dem Bild vom Stehen der Füße Jehovas auf dem Ölberg haben wir eine ein wenig andere Darstellung desselben glücklichen Ausganges des göttlichen Erlösungs- und Wiederherstellungs-Vorhabens. Der sich spaltende Berg, dessen nach Norden und nach Süden weichende Hälften ein Tal zwischen sich lassen, veranschaulicht sehr schön die beiden Stufen des Königreiches und das sich daraus ergebende Tal der Segnungen.

Das auf diese Weise geschaffene Tal wird voller Licht sein — frei von Schatten, denn die Sonne wird es von Osten nach Westen durchdringen. Dadurch werden wir wieder an die Sonne der Gerechtigkeit und ihr volles Licht göttlicher Wahrheit und Segnungen erinnert, die Schatten von Sünde, Unwissenheit, Aberglauben und Tod zerstreuend und die Willigen und Gehorsamen der Menschheit heilend und wiederherstellend, welche in dieses Tal der Segnungen, das Tal der Barmherzigkeit, fliehen werden.

In dem „Öl-Sinnbild“ in Verbindung mit dem Berge, wie es in dieser Prophezeiung angewandt wird, scheint eine besondere Kraft zu liegen. Im Altertum war die Olive die künstliche Lichtquelle, deren Öl hauptsächlich zu diesem Zweck verwendet wurde. (2. Mose 27:20) Und seit undenklichen Zeiten wird der Ölzweig als ein Sinnbild des Friedens verwandt. Damit stellt der Ölberg sehr schön das Königreich des Lichtes, des Friedens und göttlichen Segens dar. Und das Stehen der Füße Jehovas auf dem Berg bedeutet, dass Gottes Gunst und Gesetz durch das heilige Königreich wieder auf der Erde aufgerichtet werden.

Der Strom des Lebens

Dass diese Prophezeiung vom Ölberg nicht im buchstäblichen Sinne verstanden werden soll, wird ferner deutlich gezeigt durch die Tatsache, dass im weiteren Verlauf derselben „lebendige Wasser“ aus Jerusalem fließen. (Sacharja 14:8, 9) Das ist offensichtlich noch eine weitere von den göttlichen Verheißungen vom „Strom des Lebens“, welcher während der Zeit des Königreiches zum Segen der Menschen fließen wird.

Es ist kein buchstäblicher Strom, sondern ein sehr schönes Bild von den lebengebenden Kräften des neuen Königreiches. Derselbe „Strom“ wird in Offenbarung 22:1 – 3 vorausgesagt. Hier wird gesagt, dass er unter dem „Throne“ Gottes hervor fließt, und auf diese Weise wird gezeigt, dass er Segnungen darstellt, welche vom neuen Königreich ausgehen und der Kontrolle des Königreiches unterstehen. Zu dieser Zeit ist also das Königreich vollständig aufgerichtet, die Kirche vollendet und mit ihrem Herrn in der Hochzeit vereinigt, so dass dann die Braut in der Lage ist, alle einzuladen und zu sagen: „Komm!… wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst.“

In Sacharja 14:9 wird deutlich zu verstehen gegeben, dass dieses ganze herrliche Bild in die Zeit gehört, in welcher der Herr „wird König sein über die ganze Erde“. Während viele dieser alttestamentlichen Prophezeiungen von Jehova sprechen als von dem Einen, welcher der große Wohltäter des Geschlechtes sein wird, zeigt das Neue Testament, dass diese Verheißungen tatsächlich durch Christum erfüllt werden, welcher zum zweiten Male zur Erde kommt, um die segensreichen Königsreichs-Anordnungen seines Himmlischen Vaters hinauszuführen.

Die Lösung der Weltprobleme

Wie wunderbar werden durch das Inkrafttreten einer solchen Königreichs-Einrichtung, die durch göttliche wunderwirkende Macht unterstützt wird, die Probleme der Erde eines nach dem anderen gelöst werden. Nimm das Kriegsproblem. Wenn das Königreich zu wirken beginnt, wird es zunächst die Menschheit verwüstet vorfinden durch die Verheerungen von Krieg, Revolution und Anarchie. Die Nationen werden das göttliche Eingreifen zu Gunsten Israels erkennen, und sie werden — durch das furchtbare Gemetzel von Harmagedon ausgeblutet bis zur Erschöpfung — in dieser Wüste der Verzweiflung, da ihre Regierungen gestürzt sind, zu der Macht aufblicken, die sie besiegte, und sagen:

„Kommt und lasst uns hinaufziehen zum Berge [Sinnbild des Königreiches] Jehovas und zum Hause des Gottes Jakobs! Und er wird uns belehren aus seinen Wegen, und wir wollen wandeln auf seinen Pfaden. Denn von Zion wird ausgehen das Gesetz, und das Wort Jehovas von Jerusalem; und er wird richten zwischen vielen Völkern und Recht sprechen mächtigen Nationen bis in die Ferne. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugmessern schmieden, und ihre Speere zu Winzermessern; nicht wird Nation wider Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen.“ — Micha 4:2, 3

Wie wunderbar einfach ist diese göttliche Lösung des Kriegsproblems! Sie kehrt den Jahrhunderte alten Grundsatz um, dass die Nationen für den Krieg vorbereitet sein müssen, um den Frieden zu erhalten. Sie beginnt von Grund auf mit einem Erziehungsprogramm in den Künsten des Friedens statt des Krieges; damit wird ein echtes Abrüstungsprogramm in die Tat umgesetzt. Dann werden die Verheißungen Gottes von Jesu als dem Friedefürsten erfüllt werden. Dann wird die Botschaft der Engel von „Friede auf Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen“, zur Wirklichkeit werden.

Da ist auch das Wirtschaftsproblem von heute. Wie schwerwiegend ist dasselbe! Dieses Problem wird im Königreiche gelöst werden, denn dann werden die Einrichtungen solcher Art sein, dass „ein jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum“ sitzen wird, „und niemand wird sie aufschrecken. Denn der Mund Jehovas der Heerscharen hat geredet“. — Micha 4:4

Das Problem der Armut ist und war stets eine Bedrohung für Millionen. Die Armen, die Benachteiligten, sind von jeher eine bedauernswerte Gruppe gewesen. Sie werden aber nicht mehr, wie bisher, ein Heer vergessener Menschen bilden, sondern sie werden beachtet und gesegnet werden. Bezüglich dieses Problems sagt der Prophet:

„Er [Christus] wird Recht schaffen den Elenden des Volkes; er wird retten die Kinder des Armen, und den Bedrücker wird er zertreten … Denn erretten wird er den Armen, der um Hilfe ruft, und den Elenden, der keinen Helfer hat [den Vergessenen].“ — Psalm 72:4, 12

Ein weiteres Problem, das heute in einigen Ländern sehr ernst wird, ist das des Lebensraumes. Aber der Herr hat auch für dieses Problem des Lebensraumes eine Lösung vorgesehen. Erstens haben wir die Verheißung, dass alle die öden Stätten der Erde bewohnbar und fruchtbar werden sollen. „Die Steppe wird frohlocken und aufblühen wie eine Narzisse“, verkündet uns der Prophet. (Jesaja 35:1, 2) Man denke an alle die ungenutzten Ländereien in Nord- und Süd-Amerika, in Asien, in Australien, Süd-Afrika usw. Wenn diese Teile der Erde bewohnbar und für die Menschen nutzbar gemacht werden, wird wahrlich kein Blutvergießen mehr nötig sein, um zusätzliches Gebiet zu erlangen.

Aber es gibt noch einen anderen Weg für eine dauerhafte Lösung des Bevölkerungsproblems, und zwar durch eine allmähliche Verminderung der Geburtenzahl. Als unsere ersten Eltern erschaffen waren, wurden sie beauftragt, sich zu mehren und die Erde zu füllen. Man sollte beachten, dass einmal, wenn eine genügende Anzahl von Menschen geboren worden ist, um die Erde richtig zu füllen, der Zweck dieses göttlichen Auftrages erfüllt sein wird; folglich wird die Vorkehrung, durch welche er ausgeführt wurde, aufgehoben werden.

Jesus machte in dieser Hinsicht eine Andeutung, als er eine Frage bezüglich der Auferstehung beantwortete. Die Sadduzäer stellten Jesu eine Frage, in welcher sie den Fall annahmen, dass eine Frau nacheinander sieben Brüder geheiratet hatte. Sie wollten wissen, wessen Ehefrau sie in der Auferstehung sein würde. Jesu Antwort auf diese Frage lautete: „In der Auferstehung heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet.“ — Matthäus 22:30

Mit anderen Worten, das Bevölkern der Erde ist durch göttlichen Erlass angeordnet worden, und dem Vorgang wird Einhalt geboten werden, wenn göttliche Weisheit entscheidet, dass die Erde genügend gefüllt worden ist. Also braucht man sich in dieser Hinsicht keine Sorgen zu machen, denn die Angelegenheit wird zur völligen Zufriedenheit aller und zur Ehre Gottes geregelt werden.

Dann ist das Problem der Selbstsucht. Niemals könnte es wahren Frieden und Wohlwollen auf der Erde geben, solange Selbstsucht eine derart wichtige Rolle in den Angelegenheiten der Menschen spielt. Wir danken Gott, dass auch dieses Problem durch die Einrichtungen des Messianischen Königreiches gelöst werden wird. Wenn die Menschen in den Wegen des Herrn belehrt werden, dann bedeutet es, dass sie den Wert der Liebe im Gegensatz zur Selbstsucht erfahren werden.

Jeremia 31:31 – 34 versichert uns, dass während jenes glückseligen Tages des Königreiches des Herrn das Gesetz Gottes, welches ein Gesetz der Liebe ist, in die Herzen der Menschen geschrieben werden wird; und dass alle schließlich so vertraut werden mit dem Herrn und mit seinen Wegen der Liebe, dass niemand wird zu seinem Nächsten sagen müssen: Erkenne den Herrn! denn alle werden ihn erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten.

Auch das Religions-Problem wird gelöst werden. Heutzutage beten Millionen der Erde eine Vielzahl von Göttern an, und auch diejenigen, welche den wahren Gott anzubeten versuchen, sind hoffnungslos in Partei-Gruppen aufgeteilt, von welchen ein Kauderwelsch sich widersprechender Behauptungen, Dogmen und Lehren ausgeht. Aber alles das wird geändert werden, denn die Verheißung lautet, dass der Herr „die Lippen der Völker in reine Lippen umwandeln“ wird, „damit sie alle den Namen Jehovas anrufen und ihm einmütig dienen“. — Zephanja 3:9

Der Tod wird vernichtet werden

Als letztes haben wir das Hauptproblem von Krankheit und Tod. Wenn dieses Problem nicht gelöst werden kann, dann wird die Menschheit weiter durch das „Tal des Todesschattens“ wandern müssen. In einem solchen Falle könnte es nirgends dauernden Frieden und Glück geben. Der Friede und das Glück eines jeden Heimes würden ständig gestört durch den furchtbaren Feind, dessen Opfer jetzt jedes Jahr nach Millionen zählen.

Aber Christus, der große Bewältiger der Menschheitsprobleme, wird auch dieses lösen, denn während seiner Herrschaft werden Krankheit und Tod vernichtet werden. Paulus bezeugt: „Er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Der letzte Feind, der weggetan wird, ist der Tod.“ (1. Korinther 15:25, 26) Jesaja 25:8 erklärt: „Den Tod verschlingt er auf ewig; und der Herr, Jehova, wird die Tränen ab wischen von jedem Angesicht.“

Und bei der Lösung des Todes-Problems wird niemand übersehen werden, denn auch diejenigen, welche die Jahrhunderte hindurch im Tode entschlafen sind, werden „seine [des Sohnes des Menschen] Stimme hören und hervorkommen“ aus dem Grabe. (Johannes. 5:28, 29) Da das Problem des Lebensraumes gelöst sein wird, wird bewohnbares Land im Überfluss vorhanden sein, um alle aufzunehmen — die Lebenden und diejenigen, welche von den Toten auferweckt werden.

Dies bedeutet, dass niemand wird die Tatsache beklagen müssen, dass Christi Königreich nicht früher kam, bevor der Vater, die Mutter oder die anderen Lieben starben, denn diese werden dem Leben wiedergegeben werden. Die Macht jenes gesegneten Einen, der vor mehr als neunzehnhundert Jahren in Judäa Gräber einfach dadurch sprengte, dass er die Toten vom Tode auferweckte, wird abermals ausgeübt werden — nicht wegen einiger weniger, sondern für die Wiederbringung aller Geschlechter der Erde. Halleluja, welch ein Retter!

Es ist nicht so, dass alle ewig errettet werden, ob sie nun den Gesetzen jenes neuen Königreiches gehorchen oder nicht. Nein, es wird völliger Gehorsam gefordert werden; „es wird aber geschehen, jede Seele, die irgend auf jenen Propheten nicht hören wird, soll aus dem Volke ausgerottet werden“. (Apostelgeschichte 3:23) Alle werden vom Todesschlaf auferweckt werden, um ihnen eine Erkenntnis von Gott und von seiner liebenden Vorkehrung für sie durch den Erlöser zu geben; ist aber diese Erkenntnis einmal erlangt, dann wird jeder einzelne, der den Wunsch hat, weiter auf der Erde zu leben und sich der für Gottes menschliche Schöpfung vorgesehenen Segnung von Frieden und Glück ewig zu erfreuen, dem Gesetz Gottes ständig Gehorsam leisten müssen.

So werden alle die verschiedenartigen Probleme des gefallenen Menschen nach und nach gelöst werden, und dies so, wie das zunehmende Licht von der zweiten Gegenwart des Meisters einen der dunklen Plätze der Erde nach dem anderen durchdringt. Während die erste Wirkung des hellen Leuchtens seiner Gegenwart der Anlass zu Verwirrung und Chaos ist, welche gerade jetzt diese gegenwärtige Ordnung der Dinge zerstören, wird es nichtsdestoweniger zu scheinen fortfahren, so dass das anfangs hervorgerufene Chaos umgewandelt wird in eine wunderbare neue Ordnung, in welcher die heilenden Strahlen jener Sonne der Gerechtigkeit sich ununterbrochen in die sündenkranken und verwundeten Herzen und in das Leben der gesamten Menschheit ergießen werden.

Sonnenschein über allen

Von Pol zu Pol wird sie scheinen; auf jedem Erdteil und auf den Inseln des Meeres werden die lindernden, lebenspendenden Kräfte jenes göttlichen Licht- und Lebenspenders wohltuend empfunden werden. Es wird keine Mängel oder unzulänglichen Zustände geben, die von dem hellen Leuchten der Gegenwart des Meisters nicht gründlich erfasst werden, denn nichts geringeres als eine vollständige Entfaltung ihrer heilenden Strahlen vom Osten bis zum Westen kann des Meisters eigene Verheißung über Art und Zweck seines Kommens erfüllen.

Die erleuchtenden Strahlen der Gegenwart Christi werden die Erde mit einer Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes erfüllen. Dies bedeutet, dass alle „Lehren von Dämonen“, alle Nachtgespinste, aller Aberglaube, alle menschlichen Glaubensbekenntnisse und Lehrmeinungen, alle Menschengebote, durch welche das Volk gelehrt wurde, Gott vielmehr zu fürchten als zu lieben (Jesaja 29:13), alle politischen Ränke und die 1001 anderen Übel, welche eine sterbende Welt gequält haben, hinweggefegt werden; und diese alle werden ersetzt werden durch eine wahre Erkenntnis Gottes und seiner gerechten Gesetze.

Durch das Erfülltwerden der Erde mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes werden auch die Myriaden Hochburgen von Sünde, Laster und Verbrechen ausgeräumt werden. Sowie jene herrliche Sonne der Gerechtigkeit ihre erleuchtenden und heilenden Strahlen in die mannigfaltigen Höhlen des Unrechts hineintreibt, wird die satanische Finsternis dieser Treffpunkte des Bösen der herrlichen Erleuchtung des neuen Tages weichen.

Nein, es wird nicht einen Winkel, nicht eine Ecke und keinen Platz auf Erden geben, wohin das Licht jener herrlichen Sonne nicht dringen wird. Die Wärme ihrer heilenden Strahlen wird in die Elendsviertel unserer Großstädte Freude tragen und in die Leidensstätten dringen, die wir Krankenhäuser nennen. Wie froh sind wir, diese Krankenhäuser heute zu haben; doch wie wunderbar wird es sein, wenn das helle Leuchten der Gegenwart des Meisters die Leiden beseitigt, welche sie erforderlich machen. Die Krankenlager in den Hütten der Armen werden alle ebenso erreicht werden, wie diejenigen in den Palästen der Reichen. In der Tat, die Unterschiede zwischen Reich und Arm werden aufgehoben werden, weil alle reich gemacht werden, denn die Verheißung lautet, dass „das Ersehnte aller Nationen kommen wird.“ — Haggai 2:7

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