Verlag und Bibelstudien-Vereinigung e. V.

Abrahams Same und sein Werk

Lesedauer: 32 Minuten

Göttliche Vorherkenntnis ist eine der großen Lektionen, die Gott uns einprägen will. Gott möchte, daß wir wissen, daß jeder Zug Seines Plans vorherüberlegt und vorbereitet war vor Grundlegung der Welt. Er möchte, daß wir die Tatsache erkennen, daß Er alle Dinge nach dem Ratschluß Seines eigenen Willens bewirkt, in Übereinstimmung mit festgelegten Regeln und Prinzipien, die unveränderlich sind. Diese Lektion ist eines der Hauptziele, das der göttlichen Offenbarung diente; ein zweites Ziel ist die Segnung einer bestimmten Klasse, die in einer wohlwollenden Übereinstimmung mit Gott ist, indem Er ihnen im Voraus solch eine Information hinsichtlich der göttlichen Absichten gibt, die sie befähigen würde, sich darin zu erfreuen und mitzuwirken.

Die Buchrolle in der Hand Gottes

Eine wundervolle Wort-Bild Darstellung dieser göttlichen Vorherkenntnis und Anordnungen wird uns im 5. Kapitel der Offenbarung gegeben. Dort wird Jahwe, der Herrscher des Universums, bildlich auf einem Thron gezeigt mit einer beschriebenen Buchrolle in Seiner Hand, die mit sieben Siegeln versiegelt ist. Jene versiegelte Rolle stellt den göttlichen Plan dar, den Gott in sich selbst beschlossen hat vor Grundlegung der Welt, den Er aber niemandem offenbart hat, weder den Engeln noch dem Sohn. – Matthäus 24:26 Mit einem Wort gesagt ist alles, was seit der Schöpfung erschienen ist – die Erlaubnis der Sünde, der Fall, der Bund mit Abraham, der Gesetzesbund mit Israel, das Kommen Jesu, die Pfingstsegnung, das Sammeln der Glieder der Kirche vorausgesehen – all diese Dinge kannte und vorbereitete der Vater im Voraus. Zusätzlich enthielt jene Buchrolle einen Bericht von all dem, was jetzt geschieht und all dem, was während des Millennium- Zeitalters bis zu seinem Abschluß geschehen wird – bis zu der Zeit, wenn jede Schöpfung im Himmel und auf Erden, dem der auf dem Thron sitzt und dem Lamm, Herrlichkeit und Herrschaft auf ewig erweisen wird. – Offenbarung 5:13

In dem Bild bemerkt Johannes eine Ankündigung, die durch den Himmel und die Erde ergeht und in der nach jemandem gefragt wird, welcher der großen Ehre würdig ist, diese Buchrolle des göttlichen Planes an sich zu nehmen, um sie zu öffnen, um in Übereinstimmung mit der göttlichen Absicht ausgeführt zu werden. Er schaute aus, um zu sehen, wer der Würdige sein würde, aber niemand wurde für würdig befunden. Dann weinte er. Es schien Johannes ein Jammer zu sein, daß Gott einen so großartigen und wundervollen Plan besäße, der zum Scheitern verurteilt wäre, weil niemand würdig wäre, der göttliche Ausführer dieses Plans zu sein. Aber die Tränen wurden von dem Engel bemerkt, der sagte. „Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, um das Buch und seine sieben Siegel zu öffnen.” Und Johannes sagte: „Und ich sah inmitten des Thrones … ein Lamm wie geschlachtet.” Und dem Lamm wurde eine Buchrolle gegeben. Dann lobpriesen alle Engel das Lamm, indem sie sagten, du bist würdig, Herrlichkeit und Ehre und Macht zu empfangen.

Indem wir das Bild anwenden, erkennen wir die Bedeutung. Bis unser Herr getötet wurde, bis er sein Leben als des Menschen Lösegeldpreis gegeben hatte, gab es im ganzen Universum kein Lebewesen, das würdig gewesen wäre, Ausführer der göttlichen Absichten zu sein. Durch unseres Herrn lieblichen Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters – selbst bis in den Tod, sogar bis zum Tod am Kreuz – erwies er sich als treu bis zum letzten Grad. Der Vater weckte ihn auf von den Toten, und als er in der Höhe erschienen war, ging die Verkündigung weiter; daß alle Engel Gottes ihn anbeten sollen. Er ist das Lamm Gottes, das geschlachtet wurde, und das durch seinen Tod eine verurteilte Menschenwelt erlöste und des Vaters Vertrauen verdiente, daß ihm jeder Zug des göttlichen Programms anvertraut werden konnte. „Er ist würdig.” Von der Zeit an sollte jeder Zug des Planes unter seiner Oberaufsicht stehen, und er sollte die Siegel öffnen und die Ausführung eines jeden Zuges der großartigen göttlichen Absichten zur Ausführung bringen. Er hatte seiner Kirche versprochen, daß er die Dinge, die ihm der Vater offenbaren würde, sogleich durch den Heiligen Geist und durch seine Vorsehungen seinen Treuen offenbaren würde, denjenigen, die in seinen Fußstapfen völliger Weihung wandeln würden.

Das Evangelium im Voraus

Der Apostel Paulus sagt, daß das Evangelium dem Abraham zuvor verkündigt wurde mit der Mitteilung: „In deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde.” Dies war eine vage Feststellung der göttlichen Absicht, die auf die Segnungen hinweist, wie eine Eichel auf einen Eichenbaum. Direkt nach dem Fall hatte Gott erklärt, daß der Same des Weibes den Kopf der Schlange zertreten würde. Mit anderen Worten verkündigte Er zuvor, daß das Böse nicht für immer triumphieren würde. Wiederum wurde von dem Propheten Henoch in seiner Prophezeiung der Gedanke eines Samens erwähnt: „Siehe, der Herr ist gekommen mit seinen heiligen Myriaden Gericht auszuüben… .” – Judas 1:14 Aber für Abraham wurde die Botschaft um soviel ausdrücklicher gegeben, um sie würdig zu machen, als ein Teil des Evangeliums bezeichnet zu werden, einen Teil der guten Botschaft, die jetzt uns, die in Christus Jesus sind, völliger bekannt gemacht worden ist.

Zweifellos erwartete Abraham daß Isaak, der Sohn der Verheißung, „der Same” sein würde, oder der Nachkomme, durch den die Segnungen kommen würden; aber als Isaak erwachsen war und nichts Wundervolles durch ihn geschah, bestätigte Gott ihm und danach Jakob, seinem Sohn, die gleiche Abrahamische Verheißung, indem Er ihnen versicherte, daß „der Same” noch zukünftig sei und andeute, daß die Verheißung eine Nation betraf, anstatt eine Einzelperson – eine Nation des Samens Aabrahams, der Kinder Abrahams. Und dieser Zug der göttlichen Anordnung wurde bei dem Tod Jakobs kundgetan, als die Segnungen von ihm nicht nur auf eines seiner Kinder übergingen, sondern gemeinsam auf alle von ihnen. Da kündigte Er ihnen eine Nation von zwölf Stämmen an und zeigte, daß für sie als ein Ganzes diese Abrahamische Verheißung vorgesehen war – daß sie als der Same Abrahams die Verheißung erben sollten: „In deinem Samen sollen sich segnen alle Nationen der Erde.”

Diese Verheißung hielt jene Nation in den Jahrhunderten bis auf Christus zusammen – ja, sie hält sie noch zusammen als ein besonderes Volk, das von allen anderen Nationen der Welt abgesondert ist. Paulus und die anderen Apostel beziehen sich wiederholt darauf. Paulus sagt: Unsere zwölf Stämme, die Gott unablässig dienen, hoffen zu der Erfüllung dieser Abrahamischen Verheißung zu gelangen – der Segnung aller Geschlechter der Erde durch sie. – Apostelgeschichte 26:7

Der Gesetzesbund wurde hinzugefügt

Wie Paulus zeigt, wurde der Gesetzesbund dem Abrahamischen Bund hinzugefügt, soweit es die israelische Nation betraf – um fortzubestehen, bis der verheißene Same kommen sollte. Er ist besonders hinzugefügt worden, damit der Gesetzesbund selbst nicht aufgehoben oder der ursprüngliche Bund ungültig gemacht würde, der aus Gnaden und nicht nach dem Gesetz war. – Galater 3:17 Er war auch darin besonders, daß wir erkennen sollten, daß der Gesetzesbund „nichts vollkommen machte” – er vollbrachte keine wirkliche Umgestaltung oder Wiederherstellung. Er bewirkte jedoch fortgesetzt in Vorbildern und Allegorien wundervolle illustrative Lektionen von großen göttlichen Prinzipien der Wahrheit und Gerechtigkeit – Lektionen, die für die jüdische Nation vorteilhaft waren, das natürliche Israel, und auch für die Evangeliumskirche, die das geistige Israel darstellt.

Obschon das Gesetz nichts vollkommen macht, waren während des Zeitabschnitts vom Tod Jakobs bis auf Christus einige jener Nation, die Glauben an den Gesetzesbund und darüber hinaus gezeigt hatten, durch den zugrunde liegenden Abrahamischen Bund gesegnet worden. Die Apostel zählen diese in Hebräer 11 auf. Sie hatten das Zeugnis, daß sie im Glauben starben, und daß sie so „Gott gefielen”, obwohl sie diese Segnungen, die er vorsah, nicht durch Gehorsam gegenüber dem Gesetzesbund erwarben. Was ihnen der Gesetzesbund wegen der innewohnenden Schwächen nicht geben konnte, weil sie dessen Forderungen nicht erfüllen konnten, werden jene Treuen durch Christus erlangen.

Der verheißene Same

Wir wollen im Sinn behalten, daß der Gesetzesbund dem Abrahamischen Bund wegen der Übertretungen hinzugefügt wurde – um den Israeliten und allen zu zeigen, daß es für einen unvollkommenen Menschen unmöglich ist, das göttliche Gesetz zu halten, und auch, um zur bestimmten Zeit unseren Herrn Jesus zu offenbaren, der unter dem Gesetzesbund geboren, dessen Vorschriften treu erfüllte. Durch sein Handeln erfüllte er die Prophezeiung, die besagte, daß er das Gesetz „groß und herrlich” machen würde. Vorher mag behauptet worden sein, daß das göttliche Gesetz zu streng sei, und daß möglicherweise keiner es halten könnte; daß es für einen Menschen unmöglich wäre, Gott mit seinem ganzen Herzen und seinem ganzen Verstand und seinem ganzen Sein und seiner ganzen Kraft zu lieben, und seinen Nächsten wie sich selbst. Aber als Jesus dies tat und noch mehr, als er sich selbst opferte, der Gerechte für den Ungerechten, unterstrich dies die Tatsache, daß Gott kein unmögliches Gesetz gegeben hatte, es zeigte sich, daß der Fehler bei der Menschheit lag, daß sie die ursprüngliche Vollkommenheit verloren hatte, mit der der Schöpfer sie ausgestattet hatte.

Wir lesen, daß unser Herr unter dem Gesetzesbund geboren wurde, „damit er die loskaufte, (die ) unter Gesetz (waren)”, unter dem Gesetzesbund. Soweit wie andere Völker betroffen waren, könnte er von irgend einer anderen Nation gewesen sein, und Adam und den Rest der Welt erlöst haben, aber um die besonderen Segnungen des Bundes Gottes mit Abraham für Israel gleichberechtigt zu bewahren, war es notwendig, daß Christus von jener Nation sein mußte, „damit er die loskaufte, (die) unter Gesetz (waren)”. Jene Nation war zu einem besonderen Zweck von den anderen Nationen der Welt abgesondert worden, um eine Illustration zu liefern, auf die wir schon hingewiesen haben, in der Gott darauf achtete, daß sie nicht aufgrund dessen benachteiligt werden sollten, daß Er sie so benutzt hatte.

Die gesegneten Gelegenheiten, die ihnen unter dem Gesetzesbund durch die vorbildlichen Opfer angeboten wurden, erhoben sie über die anderen Nationen und gaben ihnen, wie es war, eine zweite Prüfung für ewiges Leben. Gemeinsam mit dem Rest der Menschheit als Kinder Adams hatten sie eine Prüfung und eine Verurteilung durch ihn; und dann, unter den Vorkehrungen des Gesetzesbundes und seines Mittlers, Mose, wurde jener Nation eine weitere Prüfung zu ewigem Leben gegeben; aber sie wurde nicht bestanden, weil niemand von ihnen die Forderungen des Gesetzesbundes halten oder erfüllen konnte. Der Tag wurde für jene Nation hinsichtlich des Gesetzesbundes aufgespart, durch den sie gebunden waren durch die Tatsache, daß Christus ein Jude wurde und durch Gehorsam gegenüber dem Gesetzesbund all die Rechte erlangte, die er in Aussicht stellte.

Die erlangten Rechte waren irdische Rechte – menschliche Vollkommenheit, ein Heim in Eden, Gemeinschaft mit Gott und die Herrschaft auf Erden; wie sie durch den Propheten zitiert wird: „Herrschaft über die Tiere des Feldes, die Fische des Meeres und die Vögel des Himmels.” Hätte Christus diese Rechte behalten, die ihm rechtmäßig durch seinen Gehorsam gegenüber dem Gesetz zustanden, so konnte er in der Tat einen großen Segen über die Juden gebracht haben, indem er sie hinsichtlich den Richtlinien von Gesundheit und Moral belehrt hätte; und durch Israel hätten diese Segnungen und Anweisungen auf alle anderen Nationen übertragen werden können. Da aber das Menschengeschlecht unter dem göttlichen Todesurteil war, wäre es für Jesus nicht möglich gewesen, der Menschheit Vollkommenheit des Sinnes oder des Leibes zu geben. Die Segnungen des Samens Abrahams wären in jenem Fall tatsächlich sehr begrenzt gewesen und dann nur jenen zugute gekommen, die Glauben und Gehorsam gezeigt haben würden, ähnlich dem Glauben und dem Gehorsam, den Abraham unter Beweis gestellt hatte.

Der Messias, der Befreier

Anstatt die irdischen Rechte zu behalten, welche seine besondere Geburt und der Gehorsam gegenüber dem Gesetz ihm möglich machten, opferte Jesus im Einklang mit dem Programm des Himmlischern Vaters diese – sobald als er das Mannesalter von dreißig Jahren erreichte. Er gab alle irdischen Rechte, Interessen und Vorrechte auf. Seine Weihung war vollständig; und er stellte sie symbolisch in einer Wassertaufe im Jordan dar. Der Vater nahm sie an und gab ihm sogleich die Zeugung des Heiligen Geistes zu einer neuen Natur. In den dreieinhalb Jahren seines irdischen Dienstes opferte unser Herr ständig sein irdisches Leben und alle irdischen Interessen, und er beendete das Opfer auf Golgatha, als er ausrief: „Es ist vollbracht!” Am dritten Tag danach weckte ihn der Vater von den Toten zu einer Neuheit des Lebens auf – wiederum auf der geistigen Ebene des Seins. Dies war der Lohn für seinen Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters, daß er seine irdischen Rechte und Vorrechte als der vollkommene Mensch opferte.

Dann besaß der in seiner Auferstehung Verherrlichte, der Messias, der ein Geistwesen wurde, „Teilhaber der göttlichen Natur”, alle diese irdischen Rechte und Vorrechte, die unter seiner Kontrolle standen, und die er geopfert hatte, welche er im Gehorsam in Übereinstimmung mit des Vaters Willen niedergelegt hatte. Er besaß dies nun als einen Besitz, als einen Vermögenswert, den er verteilen konnte, den er anderen zuteilen konnte.

Wir wollen nicht den Faden des Gedankens verlieren, daß der Gesetzesbund irdisches Leben verhieß und irdische Segnungen und irdische Herrschaft – das, was Adam verloren hatte. Wer auch immer das Gesetz halten würde, sollte diese bekommen. Christus Jesus, der das Gesetz hielt, hatte das Recht über diese und legte sie nieder. Und jetzt, nachdem er erhöht ist, sind es diese irdischen Segnungen und irdischen Rechte, die er zu verteilen hat – für die Juden oder für die ganze Menschheit, oder für solche einer auserwählten oder ausgesuchten Zahl aus der Menschheit, wie es ihm gefallen mag, und es in Übereinstimmung mit des Vaters Willen sein wird, der in der Buchrolle mit den sieben Siegeln umrissen ist.

Als die Israeliten fanden, daß Moses ihnen kein ewiges Leben geben konnte, und daß selbst unter David und Salomon sie nicht den Höhepunkt der Macht und des Einflusses in der Welt erlangen konnten, die Menschheit zu segnen, mögen sie ziemlich enttäuscht gewesen sein. Daher sandte ihnen Gott durch die Propheten weitere Erleuchtungen mit der Wirkung, daß sie niemals die göttliche Absicht, die Welt zu segnen, vollenden könnten, es sei denn, daß Er ihnen den Messias, einen Gesalbten, einen König und Priester nach der Ordnung Melchisedeks, senden würde. Wenn der Messias als der große Priester und große König kommen würde, würde er imstande sein für sie unter dem Neuen Gesetzesbund dies zu tun, wozu Mose und Aaron unter dem alten Gesetzesbund nicht imstande waren.

Es war in Verbindung mit dieser Verheißung des Messias, daß Gott Seinem Bundesvolk mitteilte, daß Er den Gesetzesbund unter Mose durch einen neuen und besseren Gesetzesbund unter dem Messias, dem gegenbildlichen Mose, ersetzen würde. Er sagte: „Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da schließe ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund: nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand faßte, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen … Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der HERR: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben … Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken.” – Jeremia 31:31 – 35 „Und ich werde das steinerne Herz aus ihrem Fleisch entfernen und ihnen ein fleischernes Herz geben.” – Hesekiel 11:19

Israel schaute nach diesem herrlichen Messias aus, der größer als Mose sein sollte, der sie unterrichten und unter einen besseren Neuen Gesetzesbund stellen sollte und unter günstigere Bedingungen, unter denen sie die göttlichen Absichten besser in ihren eigenen Herzen vollenden würden, und daß sie vorbereitet und befähigt sein würden, jene Segnungen allen Geschlechtern der Erde vorzulegen, wie dies von ihnen von Beginn an zu tun erwartet worden war.

Das verborgene Geheimnis

Wir können den Grund erkennen, warum der Herr vor den Juden seine Identität im Allgemeinen verborgen hielt, wie auch der Apostel sagte: „Denn wenn sie (sie) erkannt hätten, so würden sie wohl den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben.” – 1. Korinther 2:8 Sie taten es in Unkenntnis. – Apostelgeschichte 3:17 Wir können erkennen, daß es notwendig war, daß Christus sterben sollte; daß er seine irdischen Lebensrechte und sein irdisches Leben niederlegen sollte und von dem Vater das höhere Leben und eine geistige Heimat bekommen sollte, damit er die irdischen Segnungen geben und an Israel und die Welt verteilen konnte. Wir können erkennen, daß auf andere Weise keine Segnungen von dauerhaftem und ewigem Charakter möglich gewesen wären. Es war daher notwendig, wie unser Herr seinen Jüngern nach seiner Auferstehung erklärte, daß Christus leiden und dann in seine Herrlichkeit eintreten sollte. – Lukas 24:26

Nun entsteht die Frage: Was wird der auferstandene und verherrlichte Jesus aus diesen irdischen Rechten machen, welche er in seinem Tod sichergestellt hatte, indem er sie opferte? Der vernünftigste und natürlichste Gedanke würde für uns sein: Nachdem er die irdischen Rechte sicher geweiht hatte, wird er diese dem natürlichen Israel übertragen; er wird einst König und Priester jener Nation werden und in Übereinstimmung mit ihren seit mehr als sechzehn Jahrhunderten wertgeschätzten Hoffnung Israel als eine Nation erhöhen. Er wird ihre Augen öffnen. Wie der Prophet erklärt hat. „Und aus Dunkel und Finsternis hervor werden die Augen der Blinden sehen”, und „sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt”; und er wird „über das Haus David … den Geist der Gnade und des Flehens ausgießen.” – Sacharja 12:10

Aber Jesus tat nichts dergleichen. Anstatt dies zu tun, verwarf er die Nation Israel, indem er sagte: „Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen.” Er richtete für sie nicht den Neuen Bund auf, er segnete sie überhaupt nicht. Sie sind seit nahezu zwanzig Jahrhunderten die verstoßenste Nation der Welt gewesen, seit sie ihn gekreuzigt haben. Ist es da ein Wunder, daß der Apostel fragt: „Hat Gott etwa sein Volk verstoßen, daß Er zuvor erkannt hat?” – das Volk, dem Er die Verheißungen und die Bündnisse gab? – das Volk, das Er in jeder Weise ermutigt zu glauben, daß sie ein besonderes Volk wären und besonders von Ihm benutzt würden im Tragen des göttlichen Gesetzes und der Unterweisung aller Nationen der Erde? Hat Gott alle Seine Verheißungen beiseite getan?

Wir werden gegenwärtig erkennen, daß Gott nicht in irgendeiner Weise von Seinem ursprünglichen Programm für die Nation Israel, den „Samen Abrahams” entsprechend dem Fleisch und entsprechend dem Gesetzesbund, abgewichen ist. Hier fügt sich „das Geheimnis” ein, wie Paulus erklärt. Dieses Geheimnis, erklärt er, war verborgen von vorherigen Zeitaltern und Zeiten an und ist jetzt nur den Heiligen offenbart worden, den Heiligen, die von Gott belehrt wurden. Für Israel nach dem Fleisch ist es noch ein Geheimnis. Und es ist noch ein Geheimnis für die Menschenwelt im Allgemeinen; denn die Welt kennt uns nicht, wie sie auch den Meister nicht kannten. Die Welt nimmt nicht wahr, daß Gott eine „Kleine Herde” auserwählt, um mit Christus zu sein, Glieder seines mystischen Leibes – Glieder des geistigen Samen Abrahams.

Das Geheimnis soll vollendet werden

In seiner letzten symbolischen Botschaft an die Kirche informiert der „Löwe von Juda”, der die Buchrolle der göttlichen Absichten empfing, die Heiligen, „denen es gegeben ist, die Geheimnisse des Königreichs der Himmel zu wissen”, daß das Geheimnis vollendet werden soll; aber nicht bis zu den Tagen der Stimme oder des Ertönens der siebten Posaune – am Ende oder Schluß dieses Evangelium-Zeitalters und des Heraufdämmern des Millennium-Zeitalters. Wer interessiert ist, möge das Wort Gottes hinsichtlich dieser Geheimnisklasse, ihrer Berufung und Erwählung, ihrer Prüfung und ihrer Vollendung, ihrer Verherrlichung nutzbringend durchforschen. Aber nur diejenigen, die vom Heiligen Geist gezeugt sind, werden im Sinn der völligen Wertschätzung diese „tiefen Dinge Gottes” verstehen können, die Er uns, (der Geheimnisklasse), durch Seinen Geist offenbart hat: „Denn der Geist untersucht alles, auch die Tiefen Gottes” – 1. Korinther 2:10

Diese Geheimnisklasse wird von solchen gebildet, die den Glauben und Gehorsam Abrahams besitzen – beginnend mit unserem Herrn und fortgesetzt seit Pfingsten bis zum Ende diese Evangelium-Zeitalters. Es liegt an diesen, daß Christi Segnungen der Vergebung, der Versöhnung und irdischen Begünstigungen, die durch Adam verlorengingen, von ihm selbst erlöst übertragen wurden.

Erinnern wir uns daran, daß er etwas wegzugeben hat – irdische Rechte und Privilegien, die er durch das Halten der Vorschriften des Gesetzesbundes erlangte. Es waren keine geistigen Rechte oder Vorrechte, sondern nur irdische Rechte, die er durch das Halten des Gesetzesbundes erlangte. Er bekam seine geistigen und höheren Vorrechte und Ehren als eine Belohnung für sein Opfer. Was er uns geben konnte, sind daher nicht geistiges Leben und Ehren und Herrschaft, sondern das irdische.

Diese kamen zu uns in der Natur von einem Vermächtnis. Das irdische Leben und die irdischen Rechte, die Jesus opferte, sind für all jene vom Glauben und Gehorsam Abrahams bestimmt oder vermacht.

Aber hier kommt ein anderes Merkmal dieses Geheimnisses in Betracht. Es ist nicht genug, daß wir den Glauben Abrahams haben und seine Treue zur Gerechtigkeit zeigen; es ist noch eine zusätzliche Sache nötig. Alle, die Teilhaber dieser Gabe Christi werden, müssen jetzt zusätzlich zum Glauben und zum Gehorsam und zur Gerechtigkeit ihr Kreuz aufnehmen und Christus als dem Anführer ihrer Errettung folgen. Sie müssen in seinen Fußstapfen auf dem schmalen Weg der Selbstaufopferung bis in der Tod gehen. Alle, die diesen Willen nicht haben und den Bund nicht wollen, können jetzt nicht seine Jünger sein, welche Segnungen sie auch später durch seine Gnade erlangen mögen. Er trifft jetzt, während dieses Evangelium-Zeitalters, eine besondere Auswahl einer besonderen Klasse, „kostbarer Auserwählter”. Diese bezeichnet er als seine Braut, Glieder seines Leibes, die Königliche Priesterschaft, seine Juwelen. Diese verschiedenen Namen zeigen seine hohe Wertschätzung dieser besonders berufenen Klasse.

Durch das Geistige zum Normalen

Wir wollen des Apostels Worte in Erinnerung behalten: „Gott hat das natürliche Israel nicht verworfen, das er zuvor erkannt hat”, und welchen die Verheißungen galten, das Gesetz, usw. Er hat sie nur für eine Zeit lang beiseite getan, während dieses Evangelium-Zeitalters, damit Er in der Zwischenzeit ein geistiges Israel entwickeln möge, eine Königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein besonderes Volk, um die Braut des Messias zu sein, oder anders ausgedrückt, seine „Leibesglieder”. Dieses „Geheimnis” bringt keinen Nachteil für die Juden, sondern ist wirklich ein weiterer Schritt im göttlichen Plan, in völliger Übereinstimmung mit dem ursprünglichen Bund, der mit Abraham gemacht wurde.

Der Same Abrahams sollte in zwei Teilen vorhanden sein:

  1. Als die Sterne des Himmels und
  2. als der Sand, der an den Ufern des Meeres ist.

Die Geheimnisklasse, die während dieses Evangelium-Zeitalters entwickelt werden sollte, ist der geistige Same, symbolisch dargestellt als die Sterne des Himmels, während der natürliche Same Abrahams noch wie der Sand am Ufer des Meeres werden wird. Der Apostel weist auf beide dieser Samen hin. „Nicht allein der (Nachkommenschaft) vom Gesetz, sondern auch der vom Glauben Abrahams, der unser aller Vater ist”. – Römer 4:16 Der alte Gesetzesbund brachte den Samen Abrahams nicht hervor, sondern der Neue Gesetzesbund wird viele Kinder hervorbringen – wie der Sand, der an den Ufern des Meeres ist. Die einzigen Kinder Abrahams, die insoweit entwickelt sind, sind diejenigen, die der Same Abrahams entsprechend dem Glauben sind.

Wie wir schon gesehen haben, gehen alle Segnungen Christi zu dieser Glaubens-Klasse, der „Geheimnis”-Klasse, entsprechend einem Plan, den die Welt nicht versteht – aber durch bestimmte dazugehörige Bedingungen, welche alle verpflichten, die diese Segnungen erlangen, gegenüber irdischen Vergnügen und Hoffnungen und Ambitionen tot zu sein, und so als Glieder des Leibes Christi Gemeinschaft an seinem Opfer der irdischen Dinge zu haben, so daß sie Gemeinschaft und Anteil mit ihm haben können an dem himmlischen Teil der Segnungen des Abrahamischen Bundes. „Denn wenn wir mitgestorben sind, werden wir auch mitleben; wenn wir ausharren, werden wir auch mitherrschen.” „Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen.” – 2. Timotheus 2:11 und Offenbarung 3:21

Der Tod des Erblassers

Der Apostel erklärt, daß kein letzter Wille oder kein Testament oder Vermächtnis gültig ist, so lange der Erblasser lebt. Welche Übereinstimmung der Bund auch gehabt haben mag, er bedarf einer letzten Bestätigung oder Vollendung durch den Tod des Erblassers. Der Apostel wendet dies auf Christus an. Mit seinem Tod übertrug Jesus dies auf uns, die Kirche: die Wohltat seines Verdienstes, nämlich, die irdischen Rechte der „Rechtfertigung” für alle, die in Adam verloren waren und durch das kostbare Verdienst des Opfers Christi erlöst wurden, das auf Golgatha beendet wurde. Nachdem wir in Übereinstimmung mit den Bedingungen diese irdischen Segnungen als seine Glieder annehmen, überlassen auch wir unsere Rechte als „Diener des Neuen Gesetzesbundes” – und damit diese irdischen Segnungen -, die durch unseres Herrn Gehorsam und Tod sichergestellt wurden, damit durch uns aber noch Israel als des Erlösers Vermögenswert unter Israels Neuen Gesetzesbund gegeben werde.

Die Tatsache, daß Israel noch fern von Gottes Gunst ist, ist nur ein Beweis, daß der Leib Christi noch nicht vollständig geopfert ist, denn behalten wir im Gedächtnis, daß der Bund nicht gültig ist, bis der Tod des Erblassers eingetreten ist. Der Herr Jesus hat als der hauptsächliche Erblasser Gläubige als „Glieder seines Leibes” angenommen, und er wirkt in ihnen durch seinen Heiligen Geist, des Vaters Wohlgefallen zu wollen und zu tun – daß sie ihr Leben im Opfer niederlegen mögen, um das zu ergänzen, was von den Bedrängnissen des Messias noch übriggeblieben ist. Sobald das letzte Glied der Kirche als ein Glied seines Leibes gestorben ist, wird der Neue Gesetzesbund mit Israel versiegelt sein – versiegelt mit dem Blut des Erblassers, dem Tod des Erblassers, dem Tod des Christus als Haupt und den Leibesgliedern.

In der Zwischenzeit wird die Verwandlung der Kirche, als der Leib Christi, den Erblasser als ein Ganzes auf der Ebene der Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit hervorgebracht haben. Auf dieser Ebene wird der Christus, Jesus das Haupt und die Kirche als sein mystischer Leib, im Gegenbild der große Prophet, der große Priester, der große König, der große Richter, der große Mittler zwischen Gott und der Menschheit im Allgemeinen sein. Dann wird die Zeit kommen, die in den Schriften verheißene Zeit, in der dieser Große, dieser Verherrlichte, der Same Abrahams auf geistiger Ebene, das Werk der Segnung aller Geschlechter der Erde unter den Bedingungen des Neuen Bundes beginnen, der als erstes mit Israel geschlossen wird.

Das Blut des Neuen Bundes

Als unser Herr über die Leiden seines Opfers sprach, wies er sie auf diese Leiden als seinen „Kelch” hin. Bei dem letzten Abendmahl, der Erinnerung an seinen Tod, wies er symbolisch auf seinen Kelch mit den Worten hin: „Trinkt alle daraus! Denn dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.” – Matthäus 26:27 und 28 Jener Kelch, der den Tod unseres Herrn symbolisierte, unseres Herrn Opfer seiner irdischen Rechte, war hinreichend, um den Neuen Bund zu versiegeln. Er mußte nicht die Apostel oder uns oder irgendjemanden dazu veranlassen, sein Jünger zu werden und an seinen Leiden teilzunehmen, an seinem Kelch und dem Lohn für diesen – seiner Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit. Aber er reichte seinen Kelch weiter, reichte das Verdienst an uns weiter, oder vielmehr reichte er das Verdienst seines Opfers durch uns, seine Jünger, seine Nachfolger, weiter. Er tat dies, weil es ein Teil des göttlichen Planes war, denn schon Petrus erklärt: „Der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus hat uns gezeugt”. Er, der Jesus voraussah, sah auch uns durch Jesus voraus. Dies war keine Änderung im göttlichen Plan. Es war für uns nur überraschend, weil es ein Geheimnis war, das zuvor nicht bekanntgemacht worden war – daß wir zu Miterben mit Christus in den Leiden dieser gegenwärtigen Zeit und der Herrlichkeit, die folgen soll, gemacht werden sollten.

Einige mögen jedoch diesem widersprechen und behaupten, daß wir nicht trinken, nicht teilnehmen an den Leiden Christi, während die Schriften keinen Zweifel in dieser Angelegenheit zulassen. Die Schriften erklären über den symbolischen Kelch, den Jesus, nachdem er gegessen hatte, seinen Jüngern mit den Worten überreichte: „Trinkt alle daraus”, – daß nicht nur alle an seinem Kelch teilnehmen müssen, die seine Jünger sein möchten, sondern alle daraus trinken müssen und nichts davon übriglassen dürfen. Das Trinken des Kelches des Herrn, die Teilnahme an seinem Opfer, muß während dieses Evangelium-Zeitalters vollendet sein; nichts davon kann für die Zukunft übrigbleiben. Es wird keine Leiden des Christus während des Millenniums geben, da wird niemand von diesem Kelch trinken. Zu jener Zeit wird „die Herrlichkeit, die folgen soll”, eingetreten sein, und unter der so eingeführten Herrschaft der Gerechtigkeit wird es keine Leiden um der Gerechtigkeit willen geben, sondern nur für Übeltaten, weil die Herrschaft der Gerechtigkeit begonnen haben wird.

Wir wollen uns außerdem an des Herrn Worte an die beiden Jünger erinnern, welche die besondere Bitte äußerten, daß sie neben ihm auf seinem Thron sitzen wollten, der eine zu seiner Rechten und der andere zu seiner Linken. Er sagte: „Ihr wißt nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?” – Matthäus 20:22 Nur diejenigen, die von seinem Kelch trinken, können mit ihm auf seinem Thron sitzen; nur diejenigen, die an den Leiden Christi teilhaben, werden an seiner Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit teilhaben; nur jene, die so Teilhaber mit ihm sind, sind Glieder des geistigen Samens Abrahams, durch den zur bestimmten Zeit die Segnungen zu dem natürlichen Samen und durch diesen zu allen Geschlechtern der Erde gelangen werden. „Wenn ihr aber des Christus seid, so seid ihr damit Abrahams Nachkommenschaft (und) nach Verheißung Erben.” – Galater 3:29

„Gnade durch eure Gnade”

Wir haben schon durch die Schriften gezeigt, daß es ein Teil des göttlichen Planes ist, daß der natürliche Same Abrahams seine Segnungen durch den geistigen Samen empfangen soll – den Messias, das Haupt und die Kirche, seinen Leib. Wir haben schon gezeigt, daß dieser Große der Mittler des Gesetzesbundes sein soll, der Israel aktuell die Segnungen bingen wird, die sie sich unter dem Alten Gesetzesbund erhofften, von dem Mose der Mittler war. Wir haben erkannt, wie und warum dieser geistige Messias, Haupt und Leib, imstande sein wird für Israel und alle, die unter jenen neuen Gesetzesbund kommen, weit bessere Dinge zu tun, als Mose, der Mittler des alten Gesetzesbundes, tun konnte.

Wir haben erkannt, daß der neue Mittler der Gerechtigkeit etwas im Interesse von Israel anzubieten hat, nämlich, irdische Segnungen, irdische Rechte, irdische Wiederherstellung für all das, was in Adam verloren ging. Wir erkennen, daß dieses Recht von Jesus durch das Halten des Gesetzes sichergestellt worden war; das er ihnen übergab oder für sie opferte in seinem Gehorsam bis in den Tod, und daß er sie dem Haushalt des Glaubens während dieses Evangelium-Zeitalters unter der Bedingung gab, daß diese irdischen Segnungen nicht behalten, sondern von allen geopfert werden sollten, die er als seine Glieder annehmen würde. Nun erkennen wir, daß es die gleichen irdischen Segnungen sind, die während des Millennium-Zeitalters ausgeteilt werden sollen, zuerst Israel und zweitens allem Volk unter dem Neuen Gesetzesbund.

Beachten wir, wie der Apostel diese Sache klar und deutlich in Römer 11:25 und 26 mit wenigen Worten erklärt. Dort sagt er uns, daß wir nicht denken sollten, daß Israel für immer verworfen wäre, sondern ihnen die göttliche Gunst nur für eine begrenzte Zeit entzogen worden wäre – während der Zeit der Berufung und Erprobung und Annahme der auserwählten Zahl des geistigen Israels, dessen erste Glieder aus der jüdischen Nation gesammelt wurden und dessen Vollzahl aus den Nationen zugefügt werden soll. Er sagt uns, daß, wenn diese Vollzahl der Auserwählten des geistigen Israels vorhanden ist, Gottes Gunst zum natürlichen Israel, zu „Jakob”, zurückkehren wird, und dann „ganz Israel errettet werden wird” – von der Blindheit und vom Straucheln wiederhergestellt wird, was über sie kam, als Gott sie verstieß, bis zuerst das geistige Israel gesammelt werden würde. Der Apostel erklärt, daß Gott dann die Verheißung gegenüber Israel erfüllen wird: „Und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.” Damit zeigt der Apostel, daß der Israel verheißene Neue Gesetzesbund, in welchem ihre Sünden ausgetilgt und nie mehr in Erinnerung kommen werden, am Ende des Evangelium-Zeitalters kommt und nicht an dessen Beginn.

Der Befreier muß geboren werden

Der Apostel erklärt in Vers 26, daß bevor der Neue Gesetzesbund mit Israel in Kraft treten kann, der Befreier aus Zion kommen muß; denn er wird es sein, der die Gottlosigkeit von Jakob entfernen wird. Zion ist ein anderer Name für das Neue Jerusalem, von dem der Apostel sagt, daß sie die Mutter von uns allen ist. Zion wurde vorbildlich in Sara, der Frau Abrahams, dargestellt, welche die Mutter Isaaks war. Isaak war ein Vorbild von Christus – von Jesus, dem Haupt und der Kirche, seinem Leib, wie der Apostel erklärt: „Ihr aber, Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheißung”, der Same Abrahams. – Galater 4:28 Zion wird wiederum durch Jakobs Frau, Rachel, bildlich gezeigt, und die zwei Klassen der Kirche werden durch ihre zwei Söhne dargestellt, wobei der erste von ihnen, Joseph, ein Kind der Verheißung und der zweite, Benjamin, ein Kind der Trübsal war. Joseph, der durch viel Trübsal ging, bevor er zum Thron Ägyptens kam, stellt den Christus, Haupt und Leib, vorbildlich dar. Sein Bruder Benjamin, der von der gleichen Mutter geboren wurde, dem gleichen Bündnis, erlangte den Thron nicht. Er stellt die „Große Schar-Klasse” vorbildlich dar, die eine besondere Beziehung und Nähe zu dem Befreier hat. Der Name Benjamin (Benoni) bedeutet „Sohn meiner Schmerzen” und zeigt seine Identität mit der „Großen Schar-Klasse”; seine Mutter starb bei seinen Geburtswehen.

Dies wird wiederum durch die Prophezeiung ausgedrückt, welche sagt: „Ehe sie Wehen hatte, hat sie geboren; ehe Geburtsschmerzen sie ankamen, wurde sie von einem Knaben entbunden. Wer hat so etwas (je) gehört, wer hat dergleichen je gesehen? Wird ein Land an einem einzigen Tag zur Welt gebracht oder eine Nation mit einem Mal geboren? Denn Zion bekam Wehen und gebar auch (schon) seine Söhne. Sollte ich [das Haupt] zum Durchbruch bringen und dann [den Leib] nicht gebären lassen?” – Jesaja 66:7 – 9

Zion brachte vor neunzehn Jahrhunderten den Herrn hevor, das Haupt der Kirche, das Haupt des großen Erlösers. In Kürze werden alle Glieder dieses Leibes hervorkommen, ähnlich geboren aus den Toten in der „Ersten Auferstehung”. So soll mit einem Mal eine Nation für die geistige Ebene geboren werden, eine „königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein besonderes Volk”, gänzlich getrennt von allen anderen Schöpfungen Gottes, Teilhaber der göttlichen Natur, höher als Engel und Menschen. Dann in einer Zeit großer Drangsal wird die „Große Schar” für die geistige Ebene geboren, jedoch nicht für den Thron und nicht zur göttlichen Natur. Damit werden die geistigen Kinder Zions vollständig sein, und der Segen wird sich zu dem natürlichen Israel wenden.

Der aus Zion geborene Erlöser, der Christus mit der Großen Schar als Dienern oder Dienern des großen Gottes, soll das Werk der Segnung „Jakobs” – des natürlichen Israel beginnen. Diese Dinge erkennend ist es für alle, die den Namen Christi angerufen haben, für alle die als Glieder seines Leibes angenommen und in dieses Geheimnis eingeweiht wurden, notwendig, ernst und eifrig zu sein, ihre Berufung und Erwählung fest zu machen, daß sie nicht nur in den Leib Christi kommen mögen, sondern durch Gehorsam gegenüber den Anweisungen des Hauptes in ihm bleiben und wachsen in Gnade und zur Gleichheit seines Charakters und vorbereitet zur Geburt für die Ebene der Herrlichkeit, damit wir einen Anteil an dem Königreichswerk haben mögen, um für Israel und für die Welt den Neuen Gesetzesbund zur Segnung aller Geschlechter der Erde wirksam zu machen.

Es sind nicht alle Israeliten

Es wird deutlich gezeigt, daß die Segnungen des Neuen Gesetzesbundes für Israel bestimmt sind. Aber dies ist kein Hindernis, daß diese Segnungen sich über alle Nationen und Völker, Verwandte und Sprachen, ausdehnen werden, durch die Beschneidung der Herzen all derer, die in die heilige Nation kommen werden, die Israel dann sein wird. So steht in den Propheten geschrieben: „Denn von Zion [dem himmlischen Königreich] wird Weisung ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem [der irdischen Phase des Königreichs].” „Und viele Nationen werden hingehen und sagen: Kommt, laßt uns hinaufziehen zum Berg des HERRN und zum Haus des Gottes Jakobs, daß er uns aufgrund seiner Wege belehre! Und wir wollen auf seinen Pfaden gehen.” – Micha 4:2 So wird durch das ganze Millennium-Zeitalter hindurch Abrahams Same zunehmen im Einklang mit der Prophezeiung: „Ich habe dich zum Vater vieler Nationen gesetzt.”

Aber es würde ein Fehler sein, zu vermuten, daß Gottes Segen unter dem Neuen Gesetzesbund zu dem Samen von Abraham, Isaak und Jakob, nur entlang der Fleischeslinie kommen würde. Im Gegenteil sollten wir vermuten, daß der Segen des Neuen Bundes zuerst auf Abraham und seinen natürlichen Samen angewandt wird, der die Merkmale des Glaubens und Gehorsams hatte, und der in der Vergangenheit entwickelt und erprobt wurde. Paulus weist auf diese hin und sagt: „Diese sind im Glauben gestorben und haben die Verheißungen nicht erlangt … da Gott für uns [die Kirche, den geistigen Samen,] etwas Besseres vorgesehen hat, damit sie nicht ohne uns vollendet werden sollten.” – Hebräer 11:13 und 40

„Daß sie durch eure Gnade auch Gnade erlangen mögen”, erklärt der Apostel. – Römer 11:13 Es wird natürlich Gottes Gnade sein, aber durch Jesus Christus, und es wird natürlich die Gnade Jesu Christi sein, aber durch die Kirche – „eure Gnade”. So werden die Segnungen Gottes fortschreiten. Die Segnung, die zu den Alten Glaubenshelden kommt, wird nicht für sie allein sein, sondern von ihnen im Wechsel weitergegeben werden zu allen, welche zum Glauben und Gehorsam von Abraham gelangen.

Ohne Zweifel wird zuerst diese Klasse hauptsächlich aus den natürlichen Israeliten bestehen, aber später, wie wir gezeigt haben, wird sie aus vielen Völkern, vielen Sprachen und vielen Nationalitäten bestehen. All diese, die von der großen Sonne der Gerechtigkeit erleuchtet wurden, werden dazu gebracht werden, den großen Messias zu erkennen, und die in den Gesetzen des großen Jahwe eingeschlossenen Prinzipien der Gerechtigkeit. Diese wird der neue Mittler höchst deutlich fortsetzen, bis jedes Knie sich beugen und jede Zunge bekennen wird, bis die „Erkenntnis der Herrlichkeit des HERRN” die ganze Erde bedecken wird, „wie die Wasser das Meer”, und bis es keine Notwendigkeit mehr geben wird zum Nachbar oder zum Bruder zu sagen: „Erkenne den HERRN”, denn sie alle werden ihn erkennen, „von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der HERR”.

Die Notwendigkeit für den Neuen Bund

Wenn der Abrahamische Bund allumfassend war, und all die Segnungen enthielt, die Gott beabsichtigte, warum war es nötig oder ratsam, entweder den Alten Gesetzesbund oder den Neuen Gesetzesbund hinzuzufügen? Wir haben schon den Wert des Alten Gesetzesbundes als eine Hinzufügung zum Abrahamischen Bund betrachtet, daher beschränken wir uns jetzt auf die Betrachtung des Vorteils, der durch die Hinzufügung des Neuen Gesetzesbundes erlangt wird.

Wenn wir lesen, daß „ohne Glauben es unmöglich ist, Gott zu gefallen”, und daß Abraham Gott aufgrund seines Glaubens gefiel, können wir mit Sicherheit wissen, daß keiner für Gott annehmbar sein konnte als Abrahams Same, ausgenommen solche, die einen Glauben zeigten, der seinem Glauben ähnlich wäre. Außerdem, als Gott Abrahams Glauben prüfte und ihn in die Pflicht nahm, diesen durch Werke des Gehorsams zu erproben, so können wir sicher sein, daß es so bei allen geschehen würde, die jemals für Gott annehmbar sein würden – daß auch sie, als Abrahams Same, einen durch Werke geprüften Glauben haben sollten.

Der Apostel erinnert in Hebräer 11 an die vergleichsweise Wenigen, die bis zur Zeit Christi Glauben zeigten im Einklang mit Gerechtigkeit. Diese waren in der Tat nur wenige, gemessen an den Millionen Menschen ihrer Zeit. Daher konnten nur diese allein aufgrund des Glauben und Gehorsam Abrahams als Teihaber der Gunst Gottes gerechnet werden. Während des Evangelium-Zeitalters ist eine ähnlich kleine Klasse aus allen Nationen, Völkern und Sprachen gesammelt worden – die durch die Evangeliumsbotschaft gerufen und durch die Enge des Weges des Gehorsams geprüft und erprobt wurde. Nur diese Geweihten und keine anderen dieses Zeitalters konnten für Gott annehmbar Seinen Segen des ewigen Lebens erlangen, weil diese allein den in Abraham veranschaulichten Glauben und Gehorsam gezeigt haben.

So erkennen wir denn, daß, wenn Christus nach der Erlösung der Welt nur solche aus ihr ausgesucht hätte, die Abrahams Glauben und Gehorsam unter Beweis stellen konnten, und sie mit ewigem Leben gesegnet hätte, das Gesamtresultat seines Werkes vergleichsweise gering gewesen wäre. Er wäre auf der geistigen Ebene gewesen, und die Anderen würden von ihm die Segnung der Wiederherstellung erlangt haben – und nicht mehr.

Die Länge und Breite

Aber beachten wir die Breite und Länge und Höhe und Tiefe der göttlichen Weisheit und Gnade, die einen großartigeren Plan vorsah. Unter ihren Vorsehungen wird die „Kleine Herde” Miterbe mit Christus in dem himmlischen Königreich als Königliche Priesterschaft, und die „Große Schar” – die gegenbildliche Leviten – die geistige Dienerschaft für jene Priester. Der große Prophet, Priester, König und Richter wird der Mittler zwischen Gott und der Menschheit im Allgemeinen werden. Er wird mit ihnen nicht nur auf der Grundlage des Glaubens handeln, weil in ihrem gefallenen Zustand tatsächlich nur wenige davon profitieren könnten, weil nur wenige den notwendigen Glauben und Gehorsam ausüben könnten.

Wie wir in der Tat gesehen haben, ist die Mehrheit jener schon gefunden, die fähig ist, Glauben und Gehorsam zu zeigen. Der Neue Bund übernimmt die Kontrolle über Israel durch die Alten Glaubenshelden und im Übrigen über alle jeder Nation, die willig sind, unter dem erleuchtenden Einfluß des Millennium-Königreichs mit dem Mittler in Übereinstimmung zu kommen und von ihm belehrt zu werden. Er wird von jenen Gehorsam fordern mit der Absicht, daß die gefallenen und erniedrigten Glieder des Menschengeschlechts lernen mögen, was Gerechtigkeit ist und was Recht und Liebe sind. Er wird den Lohn des Gehorsams und die Strafen des Ungehorsams veranschaulichen, damit sie den Vorteil der Gerechtigkeit lernen und alle zu der Erkenntnis Gottes kommen mögen, aber nicht nur durch den Glauben, sondern durch Bekundungen. Nachdem das Millennium-Königreich die Menschheit aus der Erniedrigung und Sünde, der Unvollkommenheit des Sinnes und der Moral, emporgehoben hat, wird ihre Endprüfung kommen.

Gottes Gesetz wird ewiglich bestehen. Nur die Willigen und Gehorsamen werden Teilhaber der Gnade des ewigen Lebens sein; alle anderen werden den „zweiten Tod” sterben. Wir haben aber jeden Grund zu glauben, daß als ein Resultat des Millennium-Königreichs, der Herrschaft der Gerechtigkeit, dem Wiederherstellungswerk der Erleuchtung der Menschheit, dem Bringen aller zu einer Erkenntnis der Wahrheit, viele Gerechtigkeit lernen und Sklaven derselben werden, und sie mit dem göttlichen Gesetz in völliger Übereinstimmung sein werden, Gott mit ihrem ganzen Herzen, ihrem ganzem Verstand, ihrer ganzen Seele und all ihrer Kraft zu lieben,nd ihren Nächsten wie sich selbst.

So erkennen wir, wieviel mehr durch den Samen Abrahams, den Christus Haupt und Leib, vollbracht werden kann, durch die Methode, die durch die Versiegelung des Neuen Gesetzesbundes und die Aufrichtung des Königreichs, als das, was ohne den Neuen Gesetzesbund und allein unter dem Abrahamischen Bund unter den Bedingungen des Glaubens und Gehorsams vollendet worden ist.

Ist es da ein Wunder, daß der Apostel, nachdem er diese Sache der Verwerfung des natürlichen Israel bildlich dargestellt hatte und die Sammlung des geistigen Israel und die nachfolgende Gabe der Segnungen Gottes durch das geistige Israel, um das natürliche Israel zurückzubekommen, mit Begeisterung reagierte? Ist es da ein Wunder, daß er mit Entzücken ausrief: „O, Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unaufspürbar seine Wege!” Wer wußte von diesem wundervollen, tiefen, verborgenen Plan Jahwes? Wer gab Ihm Rat ihn so zu entwerfen? Des Apostels Schlußfolgerung ist, daß solch eine Tiefe der Weisheit und Erkenntnis und Gnade bestätigen, daß der Plan Gottes übermenschlich ist, daß kein Mensch sich je diesen Plan ausdenken konnte. Wie die Himmel höher als die Erde sind, so sind Gottes Wege höher als die Wege der Menschen. Von Ihm und durch Ihn und mit Ihm sind alle Dinge, und Ihm gebührt die Ehre in alle Ewigkeit.

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